Werk:Compendium/XII
▷Capitulum XII
▷Adhuc, ut in sensibilibus consideres aequalitatem, nonne alia superficies plana, alia rotunda, alia media? Et si aut planam aut rotundam mente conspicis, utique nihil non aequale habent. Planities quid aliud quam aequalitas? Sic et rotunditas aequalitas est. Aequaliter enim a centro se habet rotundi superficies et necessario undique aequalis, nullibi se aliter habens. Planities eodem se habet modo undique. Quod si ad illam respicis planitiem, qua nulla dari potest aequalior, utique, cum omnis plana superficies splendeat, maxime illa splendebit. Sic et rotunda splendebit et movebitur, ut in libello De globo patet. Mediae vero superficies non possunt penitus ab omni aequalitate esse alienae, cum cadant inter planam et rotundam. Sic nec inter rectam lineam et circularem, quarum quaelibet aequalis est, nulla cadere potest linea aequalitatis expers.
Um im Sinnlichen die Gleichheit zu betrachten: ist nicht die eine Fläche gerade, die andere rund, eine dritte von mittlerer Art? Wenn du entweder die gerade oder die runde im Geist betrachtest, dann haben sie nichts, das nicht gleich wäre. Was ist die Ebene anderes als die Gleichheit? Ebenso ist auch die Rundheit die Gleichheit. Denn eine runde Fläche verhält sich vom Mittelpunkt aus gleich und ist notwendig überall gleich und verhält sich nirgends anders. Genauso verhält sich die Ebene von überall gleich. Wenn du zu jener Ebene blickst, der gegenüber keine gleichere gegeben werden kann, dann wird diese gewiß am meisten glänzen, sofern jede ebene Fläche glänzt. So wird auch die runde glänzen und sich bewegen, wie es im Buch über das Kugelspiel offenkundig ist. Die mittleren Flächen aber können nicht jeder Gleichheit fremd sein, da sie zwischen die ebene und die runde Fläche fallen. Ebenso kann zwischen die gerade Linie und die Kreislinie, von denen jede gleich ist, keine Linie fallen, die der Gleichheit unteilhaftig ist.▷Ita et de numero, quorum nullus est aequalitatis expers, quando in ipsis non nisi unitatis progressio reperitur, et nullus est, qui sit variabilis aut minus plusque capiat. Hoc certe non aliunde quam ab aequalitate sic esse oportet. Deinde, nonne nihil in sanitate aut vita aut talibus quibuscumque veraciter quam aequalitas reperitur? Qua sublata nec sensus nec imaginatio nec comparatio nec proportio nec intellectus remanebit; sic nec amor nec concordia nec iustitia nec pax erunt, nec durare quidquam poterit.
Genauso steht es mit der Zahl; keine ist der Gleichheit unteilhaftig, weil sich in ihnen nur die Progression der Einheit findet, und es keine gibt, die veränderlich wäre oder größer oder kleiner werden könnte. Dies kann sich nur von der Gleichheit her so verhalten. Weiters: findet sich nicht in Gesundheit oder Leben und derartigem wirklich nichts anderes als die Gleichheit? Nimmt man sie hinweg, so bleibt weder Sinn noch Vorstellung, weder Vergleich noch Verhältnis oder Vernunft. Ebensowenig bleiben Liebe, Eintracht, Gerechtigkeit und Frieden, noch wird irgend etwas weiter andauern können. ◀▷