Acht
Acht1 f.Acht, ächt, Ächt,
‘Recht- und Friedlosigkeit’, d. h. ‘Ausschluß aus der Gesellschaft’ (der Ausgeschlossene konnte von jedermann verfolgt und straflos getötet werden); ⇒ ächten, Ächtung;
¦∅¦ Acht2 f.‘Aufmerksamkeit, Beachtung’, heute vornehmlich in Wendungen wie (sich) in acht nehmen, außer acht lassen, achtgeben, achthaben, in denen der hauptwortliche Eigenart des Wortes verblaßt ist. Vom Hauptwort abgeleitet ist ⇒ achten ⇒ Achtung
¦⊕¦ Vorbedingung für aufmerken, aufmerksam, Aufmerksamkeit; (sehend) achtsam sein und es in der Wahrnehmung und Denken mit einbeziehend;
¦∅¦ Acht3, acht etwas von der Form der Ziffer 8 (wohl eigentlich = die beiden Viererspitzen (nämlich der Hände ohne Daumen); ursprüngliche Zahl eines alten Vierersystems);
¦↵¦ Acht1 ahd. āhta (11. Jh.), mhd. āhte, æhte, mnd. mnl. achte, nl. acht, aengl. ōht ‘(durch Rechtsspruch angeordnete) Verfolgung, Friedlosigkeit’ läßt sich mit ir. ēcht ‘Totschlag (aus Rache)’ verknüpfen. Außerhalb des Westgerm. (*anhtō?) und des Kelt. sind weitere Verwandte nicht mit Sicherheit feststellbar, so daß die Herkunft des Wortes ungeklärt bleibt. Im Mittelalter ist die von der weltlichen Gerichtsbarkeit ausgesprochene Acht oft verbunden mit dem von der Kirche verhängten Bann (s. d.), dem Ausschluß aus der religiösen Gemeinschaft; daher die Wendung Acht und Bann (Anfang 14. Jh.). ⇒ ächten, Ächtung
¦↵¦ Acht2 germ. *ah- ‘denken, meinen’; verwandt mit got. aha ‘Sinn, Verstand’, ahjan ‘meinen’; ahd. ahta ‘Überlegung, Meinung, Ansehen’ (um 800),; ahte, mnd. mnl. acht(e), nl. acht, aengl. eaht sind verwandt mit got. aha ‘Sinn, Verstand’, ahjan ‘meinen’ und lassen eine Verbalwurzel germ. *ah- ‘denken, meinen’ erkennen. Ob sich die germ. Gruppe mit außergerm. Formen wie griech. óknos (ὄκνος) ‘Bedenklichkeit, Zaudern’, okné͞in (ὀκνεῖν) ‘zögern, Bedenken tragen’, toch. B āks- ‘wach sein’ verbinden und der Wurzel uig. *ok- ‘überlegen’ zuordnen läßt, ist nicht mit Sicherheit zu erweisen.