Geldadel
Der Geldadel ist umgangssprachlich die Gruppe der Personen, die aufgrund ihres Vermögens in Sphären des gesellschaftlichen Lebens aufgerückt sind, die materiell denen des früheren Hochadels entsprechen. Die Bezeichnung wurde bereits im 19. Jahrhundert für Großindustrielle verwendet, deren finanzielle Mittel ihnen ein Leben ähnlich dem eines barocken Fürsten ermöglichten. Manche dieser Personen wurden geadelt und zählen damit nicht nur zum „Geldadel“, sondern auch zum historischen Adel, z. B. die Familien von Boch, Krupp von Bohlen und Halbach, von Metzler, von Mumm, von Opel, von Rothschild, von Siemens, von Stumm, Thyssen usw. Diese Familien haben ihren Adel zumeist nicht gekauft, sondern ihn für ihre Verdienste um Industrie und Wirtschaft erhalten. Weniger Erfolgreiche haben allerdings oft Möglichkeiten gefunden, sich Adelstitel zu erwerben (siehe: Käuflichkeit des Adels).
Interessanterweise suchten Familien des Geldadels, die ihren Reichtum oft technischen Innovationen verdankten, ihre Selbstdarstellung durch Rückgriff auf Attribute des historischen Adels zu untermauern, wie dem Erwerb von Schloss Landsberg durch die Thyssens oder dem Bau der Villa Hügel, der an die Pracht fürstlicher Residenzen anknüpfen sollte, durch die Krupps.
Die spöttischen Bezeichnungen „Schlotbaron“ oder „Graf Koks“ beziehen sich nicht notwendig auf geadelte Familien, sondern werden umgangssprachlich für angeberische Neureiche verwendet oder ganz allgemein für Personen, die vornehmer tun als sie sind.