erschleich
Erscheinungsbild
ERSCHLEICHEN,
1)
tr. rependo assequi, opprimere, mhd. erslîchen:nhd. durch schalkheit der menschen und teutscherei, damit sie uns erschleichen zu verfüren. Eph. 4, 14; auch zeigen sie uns an, das die schedlich lutherisch sect so vieler Deudschen gemüt als ein tödlich gift einzel erschlichen und eingenomen hab. 2, 177ᵃ; aber wir sollen wacker sein und uns den faulen überdrusz nicht lassen erschleichen. br. 2, 393; (die schildkröte ruht nicht) bis sie das angesetzt ziel erschleichet. ehz. 54; die katze hat eine maus erschlichen; ein wild erschleichen; das alter erschleicht uns; wir wissen nicht wie uns der tod erschleicht; ich will dich schon erschleichen;man sagt ein amt, einen befehl, ein privileg erschleichen;auch im philosophischen sprachgebrauch, einen satz, einen begrif erschleichen: viele begriffe entspringen durch geheime und dunkle schlüsse bei gelegenheit der erfahrungen und pflanzen sich nachher auf andere fort, ohne bewustsein der erfahrung selbst oder des schlusses. solche begriffe kann man erschlichene nennen. 3, 50. erschlichene sätze.
sô die jugent erslîcht dër tôt.
1, 523;
daʒ Troie von zwein grôʒen hern
erslichen und gewunnen ist.
tr. kr. 11800;
erslichent (clam oppressistis) sîne stat.
18051.
ich musz der zeit erbeiten,
bisz ich das glück erschleich.
584;
aus eigensinn zum baume werden,
wann treue sehnsucht uns erschleicht.
2, 76;
so schlüpft die keusche oreade
dem satyr aus der hand, der sie im bad erschlich.
9, 11;
und soll ich dir noch einen vorzug sagen,
den unvermerkt sich dieses lied erschleicht?
9, 147;
ach die gefahr erschleicht auch schwache.
10, 21;
wer sich was erschleichen will,
erschleiche sichs auf seinen eignen zehn.
10, 219.
oft trotzet fauler stolz auf ein erschlichnes amt.
1, 108;
da sprachen wir, erschlichen ist der brief,
kein kaiser kann was unser ist verschenken.
529ᵇ;
2)
intr. gleich dem lat. obrepere mit dem dat der person. mhd.für diesen gebrauch gibt es keine nhd. belege.
son hete man erslichen
im niht an sîn êre.
tr. kr. 12382.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 965, Z. 40.