Kraut
Erscheinungsbild
- Kraut n.
- ‘kleinere, nicht verholzende Blattpflanze, Blattwerk’,
- (vgl. Rüben-, Kartoffelkraut),
- ‘Gemüse, Kohl’
- (vgl. Blau-, Rot-, Weiß-, Sauerkraut),
- fachsprachlich ‘ein- oder zweijährige, nicht verholzende Pflanze’
- —Wrtwndl
- ahd. (8. Jh.),
- mhd. krūt,
- asächs. krūd (‘Unkraut’),
- mnd. krūt,
- mnl. cruut,
- nl. kruid.
- Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. bezeugten Wortes ist unklar.
- Man hat, obwohl sehr unsicher, germ. *krūda- ‘Kraut’ auf ein uig. *gu̯rūto- zurückgeführt,
- um es als Partizipialbildung mit griech. brýein (βρύειν) ‘sprossen, strotzen, keimen’ (s. Embryo) verbinden zu können,
- und hat die germ. und griech. Formen in Beziehung gesetzt zu einer auf uig. *gu̯eru- ‘Stange, Spieß’ (älter vielleicht ‘Zweig’?) beruhenden Wortgruppe
- got. qaíru ‘Pfahl, Stachel’,
- lat. verū ‘Spieß’,
- air. bi(u)r ‘Speer, Spieß’,
- dazu ablautend
- awest. grava- ‘(Rohr)stock’ (dazu s. kirre).
- Angesichts der schwierigen Vergleichsmöglichkeiten hält de Vries Nl. 366 Herkunft aus einer vor-uig. Substratsprache für erwägenswert.
- Man hat, obwohl sehr unsicher, germ. *krūda- ‘Kraut’ auf ein uig. *gu̯rūto- zurückgeführt,
- Redensartlich ins Kraut schießen ‘sich unkontrolliert entwickeln, ausbreiten’ (eigentlich ‘nur Blätter, keine Frucht bringen’);
- dagegen ist kein Kraut (‘Heilmittel’) gewachsen ‘dagegen hilft nichts, das ist nicht zu ändern’ (16. Jh.);
- das Kraut fett machen ‘viel, Wichtiges dazutun’ (17. Jh.),
- der macht’s Kraut auch nicht fett ‘der tut nicht viel dazu, ändert nicht viel’ (19. Jh.);
- wie Kraut und Rüben ‘durcheinander’ (17. Jh.).