(s)-
Erscheinungsbild
Das „(s)“ vor einer rekonstruieren Wurzel (hier (s)gʷʰh₂el-) bedeutet in der indogermanischen Sprachwissenschaft:
Das s ist ein sogenannter Proklit oder Initialzusatz, der nicht zwingend zur Wurzel gehörte, aber in bestimmten Ableitungen oder Dialekten vorhanden war.
Kurz:
→ Das „(s)“ zeigt eine variierende Form:
Die Wurzel existierte sowohl mit s- als auch ohne s-.
Fachbegriff:
Dies nennt man s-mobile (lat. „bewegliches s“).
Es ist eines der bekanntesten Merkmale im Indogermanischen:
- Manche Wörter haben in einigen Sprachzweigen ein s- vor der Wurzel → andere aber nicht.
- Das zeigt, dass dieses s- ursprünglich frei hinzutreten konnte.
Beispiel:
Die Wurzel (s)teyg- = „steigen“
→ Latein: tignum = Balken
→ Altgriechisch: steíchos = ich steige
→ Deutsch: steigen
Man sieht:
→ Das s tritt beweglich auf → s-mobile
Anwendung auf (s)gʷʰh₂el-
Das bedeutet also:
Die rekonstruierte Wurzel lautete entweder:
- gʷʰh₂el- oder
- sgʷʰh₂el-
→ Beide Formen waren im Gebrauch möglich.