Wortbildungsmorphem
Wortbildung-s-Morphem agr.-deu. (oder Ableitungsmorphem) "Wortbildungsgestalt, Wortbildungsform"
Wortbildungsmorphem ist ein Wortbildungselement als unselbständiges Morphem, das einen vorhandenen Wortstamm zu einem neuen Wort erweitert.
Statt vom Wortbildungsmorphem spricht man auch vom Derivationsmorphem (Derivatem) oder Formationsmorphem.[2]
Wortbildungsmorpheme sind insbesondere Vorsilben (Präfixe) oder Nachsilben (Suffixe).
Beispiele für Präfix und Suffie
Vorsilbe {be-}
- be-erben, be-singen, be-dauern, be-weinen …
- Nachsilbe {-ung}
- Satz-ung, Beobacht-ung, Bewunder-ung, Bild-ung …
Die Wortbildungsmorpheme sind von den Flexionsmorphemen (Flexeme) zu unterscheiden, die der Durchführung der Flexion dienen. In der formalen Hinsicht der Stellung zu einem lexikalischen Grundmorphem sind die Flexionsmorpheme allerdings wie die Wortbildungsmorpheme Prä-, Suf- oder Infixe, d. h. Affixe.
Die systematische Einordnung der Wortbildungsmorpheme ist umstritten oder unklar: Wortbildungsmorpheme werden vielfach den grammatischen Morphemenzugerechnet.[3] Grammatische Morpheme werden jedoch als Morpheme mit nur grammatischer oder struktureller Bedeutung definiert.[4] Für Wortbildungsmorpheme wird aber eingeräumt, dass sie „auch semantische Modifikationen“[5] bewirken können. Andere unterscheiden daher lexikalische Morpheme, grammatische Morpheme und Wortbildungsmorpheme[6] oder qualifizieren das Wortbildungsmorphem explizit als „gebundenes lexikalisches Morphem“.[7]
Die Wortbildungsmorpheme generell führen vielfach zu einem Genus- oder Wortartwechsel,[8] die Suffixe immer.[9]
Beispiel für Wortartwechsel
Kind – kind-isch, kind-lich[10]
Der Unterschied bzw. der Übergang von Lexemen zu Affixen ist bei diachronischer Betrachtung fließend und bei synchronischer Betrachtung entweder abgeschlossen oder nicht abgeschlossen.
Beispiel für abgeschlossenen Übergang[11]
Im Althochdeutschen war das Wort scaf ein Lexem mit der Bedeutung Beschaffenheit, Ordnung, Plan. Heute ist es als -schaft ein Suffix (z. B.: Bot-schaft, Hinterlassen-schaft …).
Für die deutsche Sprache wird von ungefähr 3000 lexikalischen, 16 grammatischen und 100 Wortbildungsmorphemen ausgegangen.[12]
Bei der abstrakten Beschreibung der Konstituentenstruktur eines zusammengesetzten Wortes benutzt man auch Abkürzungen wie WBM (für Wortbildungsmorphem) oder D (für Derivationsmorphem).
Beispiel[13]
- Ver-bind-ung (D-K-D)
- Ver-bind-ung-en (D-K-D-F)