anwandeln
an-wandeln, deu. 'angehen, anfallen, anstoßen'; 'unvermutet von etwas befallen werden'
ANWANDELN [1] ,
wie anwandelnder sturm hinter dem herbstgewölk. 3, 16;
wer jung freit, den wandeltdie reue nicht an. 3, ⅬⅩⅩⅤⅠⅠⅠ;
ich habe einen gekannt, den dergleichen abwesenheit der gedanken zuweilen anwandelte.3, 385;
es wandelt mir zuweilen an.
14, 159;
mir wandelte ein groszer widerwillen an.12, 42;
so wandelt auch jeden der pfaffengeist an.
11, 35;
und färbet gleich auch unser blutdas feld des krieges roth,
so wandelt furcht uns doch nicht an.
112ᵇ;
was wandelte den ritter an?
du bist mir heute ganz fremd, was ist dir angewandelt? nov. kr. 3, 112; ein bedürfnis der speculation, welches ihr (der gemeinen vernunft) niemals anwandelt. 4, 24.es schien ihn gleich nur anzuwandeln,mit dieser dirne grade hin zu handeln. 12, 165;
Anwandeln[2], verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, unvermuthet von etwas befallen werden; am häufigsten und sichersten im gemeinen Leben und der komischen Schreibart, ob es gleich auch oft genug in der edlern und ernsthaften vorkommt. Es wandelt ihm eine seltsame Andacht an. Ich weiß nicht, was ihm angewandelt ist, was ihm einfällt. Es wandelte ihr plötzlich eine kleine Schwachheit an, Less. Wenn ihr nur nicht ein unzeitiger Appetit anwandelt, Weiße. So auch die Anwandelung, so wohl für den Zustand des Anwandelns,[400] als auch für unerwartete Gemüthsveränderungen und Schwachheiten selbst. Er bekommt öfters dergleichen Anwandelungen. Meine erste Anwandelung war Furcht, Abt.
- ↑ „wenden“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/wenden>, abgerufen am 26.04.2024.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 400-401. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000027847; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 400 | 401