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Wurzelverb

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Wurzel-Verb lat.-deu. Wrtdtng:: 'Wurzelwort'

Das Wurzelverb trägt seine Flexionsendung ohne Themavokal direkt neben der Wurzel. Weitere Begriffe für Wurzelverben sind auch athematisches Verb oder mi-Verb.

Die Bezeichnung als athematische Verben betont die Art und Weise, in der die Präsensformen dieser Verben im Verhältnis zu anderen gebildet werden. Ursprünglich wurde die 1. Person, Einzahl, Präsens, Indikativ mit dem Suffix, d. h. der Endung, -migebildet. Hierauf geht der Ausdruck mi-Verben ein.

Betroffen sind bis in die frühneuhochdeutsche Literatur (ca. 1350–ca. 1650) hinein vier Verben:

Mitte des 17. Jahrhunderts wird lediglich noch ‚bin‘, also die 1. Person, Einzahl, Präsens, Indikativ von ‚sein‘, mit der alten Endung -n (aus -mi) gebildet. Bei allen anderen Wurzelverben erscheint diese Endung im Neuhochdeutschen, also ab etwa 1650, nicht mehr und sie geben ihre Einsilbigkeit teilweise oder ganz zu Gunsten von Zweisilbigkeit auf. (Vgl. mittelhochdeutsch tuon mit neuhochdeutsch tue, mhd. stân und nhd. stehe, mhd. gân und nhd. gehe).

Das Verb sîn= sein

Das Flexionssystem dieses Verbs wird in den germanischen Sprachen und Dialekten aus drei Wurzeln gebildet:

  1. indogermanisch: *es (neuhochdeutsch: ist)
  2. indogermanisch: *bheu (neuhochdeutsch: bin)
  3. indogermanisch: *u̯es (neuhochdeutsch: war, gewesen)

Das Stammformen sind: sin/wësan - bim - was - warun (Partizip wird nicht belegt)


sîn Althochdeutsch
Indikativ Singular Präsens 1.bim/-n
2.bist
3.ist
Indikativ Plural Präsens 1.birum
2.birut
3.birum

sîn Althochdeutsch
Konjunktiv Singular Präsens 1.si
2.sis
3.si
Konjunktiv Plural Präsens 1.sim/-n
2.sit, sint
3.sin

Literatur

  • W. Braune: Althochdeutsche Grammatik. 14. Auflage, H. Eggers. Tübingen 1987.
  • G. Schweikle: Germanisch-deutsche Sprachgeschichte im Überblick. 3. Auflage, Stuttgart 1990
  • W. Schmidt: Geschichte der deutschen Sprache. 7. Auflage, Stuttgart und Leipzig 1996

Bedeutungen:

[1] Linguistik: Verb, dessen Flexionsendung im Präsens direkt an die Wortwurzel trat (und nicht an ein Ableitungsmorphem)

Herkunft:

Determinativkompositum aus Wurzel und Verb

Sinnverwandte Wörter:

[1] starkes Verb

Gegenwörter:

[1] Wurzelnomen

Oberbegriffe:

[1] Verb, Wort

Beispiele:

[1] „Die Hauptmasse der hier zu behandelnden Verben sind ererbte Wurzelverben, das heißt solche Verben, bei denen im Präsens die Endung unmittelbar an die Wurzel trat.“[1]
[1] „Die Wurzelverben haben eine einsilbige Präsensform und enden in der 1. Singular Präsens Indikativ auf -n.“[2]