Nikolaus von Kues/Pfründen und Ämter
Spätestens Anfang Februar 1425 war Nikolaus wieder in Kues. Er trat in den Dienst des dort zuständigen Erzbischofs von Trier, Otto von Ziegenhain, in dessen Auftrag er 1427 seine erste Romreise unternahm. Otto machte ihn zu seinem Sekretär und verschaffte ihm zahlreiche Pfründen (mit regelmäßigen Einkünften verbundene kirchliche Ämter), darunter insbesondere die Dekanei am Stift St. Florin in Koblenz mit einem Kanonikat. Der Erwerb von Pfründen war ihm ebenso wie anderen Humanisten stets ein wichtiges Anliegen, denn die damit verbundenen Einkünfte verschafften ihm seinen Lebensunterhalt und die materielle Grundlage für seine ausgedehnten Aktivitäten. Insgesamt hat Nikolaus im Lauf seines Lebens 30 Pfründen entweder besessen oder in seinen Besitz zu bringen versucht. Er kümmerte sich intensiv um seine Pfründen und die mit ihnen verbundene Wirtschaftsführung, wobei ihm seine ökonomische Begabung zugutekam. Damaligem Brauch entsprechend hatte Nikolaus geistliche Ämter inne, ohne die entsprechenden Weihen zu besitzen; die Priesterweihe erhielt er erst zwischen 1436 und 1440.
Dass er zu den erfolgreichen „Pfründenjägern“ gehörte, zeigt die lange Liste seiner geistlichen Ämter, darunter: Pfarrkirche St. Andreas in Altrich (1425–1429); Kanonikat an St. Simeon in Trier (1426–1428); Pfarrkirche St. Gangolf in Trier (ab 1427); Dekanei an Liebfrauen in Oberwesel (1427–1431, 1431 gegen eine Jahresrente getauscht); Dekanei an St. Florin in Koblenz (1427–1445); Kanonikat an St. Kastor in Karden (1430 bis nach 1452); Kanonikat an St. Florin in Koblenz (ab 1430); Vikarie an St. Paulin in Trier (1430 bis nach 1438); Kanonikat an St. Martin in Oberwesel (1433 bezeugt); Propstei in Münstermaifeld (1435–1445); Pfarrkirche Bernkastel (1436–1441 bezeugt); Propstei in Magdeburg (1437–1439 bezeugt; dort konnte sich Nikolaus jedoch nicht durchsetzen), Propst des Klosters Ilmmünster (1437–1455 unsicher); Kanonikat in Lüttich (1438–1461); Propstei von St. Aposteln in Köln (1441; erlangt, aber nicht realisiert); Johannes-Altar in Münstermaifeld (ab 1442); ein päpstliches Subdiakonat (ab 1443); Pfarrkirche in Schindel (1443–1464); Kanonikat und Domherrenpräbende in Utrecht (1443–1446); Archidiakonat von Brabant (1445–1455/59); Propstei in Oldenzaal (1446 bis 1452/53); Pfarrkirche St. Wendelin in St. Wendel (1446 erstmals bezeugt);[1] Titelkirche San Pietro in Vincoli in Rom (1449–1464); päpstliche Vollmacht zur Übertragung von 10 Kanonikaten sowie zur Reservierung von 10 Präbenden und 20 weiteren Benefizien (1450); Bistum Brixen (1450–1464); Propstei in Münstermaifeld (durch Rücktausch erneut erhalten, 1455/59–1464); Abtei SS. Severo e Martirio bei Orvieto (1463–1464); Propstei von St. Mauritius in Hildesheim (1463 erhalten, aber nicht realisiert).[2]
- ↑ Nikolaus' Verhältnis zu dieser Pfründe untersucht Werner Martin: Cusanus und seine Beziehungen zu St. Wendel, Teil 1, St. Wendel 2010 (siehe besonders S. 22–25, 31 f., 37).
- ↑ Zu Einzelheiten siehe Erich Meuthen: Die Pfründen des Cusanus. In: Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft 2, 1962, S. 15–66. Vgl. Erich Meuthen: Nikolaus von Kues 1401–1464. Skizze einer Biographie, 6. Auflage, Münster 1982, S. 20–22.