Pythagoräische Memoiren
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Auszüge aus Pythagoras
- Diogenes Laertios, der der pythagoräischen Legende gegenüber weniger persönliche Verbundenheit zu haben scheint, stützt seinen Hauptbericht von der Philosophie des Pythagoras (VIII. 24–33) auf die von Alexander Polyhistor exzerpierten Pythagoreischen Memoiren, die eine Fälschung sind, die irgendwann um 200 v. Chr. datiert, und die Pythagoras nicht nur platonische, sondern auch stoische Gedanken zuschreiben (Burkert 1972a, 53; Kahn 2001, 79–83).
In den Pythagoreischen Memoiren wird gesagt, Pythagoras habe die Monade und die unbestimmte Zweiheit als unkörperliche Prinzipien angenommen, aus denen zuerst die Zahlen, dann ebene und körperliche Figuren und schließlich die Körper der sinnlich wahrnehmbaren Welt hervorgehen (Diogenes Laertios VIII. 25).
This is the philosophical system that is most commonly ascribed to Pythagoras in the post-Aristotelian tradition, and it is found in Sextus Empiricus’ (2nd century CE) detailed accounts of Pythagoreanism (e.g., M. X. 261) and most significantly in the influential handbook of the differing opinions of the Greek philosophers, which was compiled by Aetius in the first century CE and is based on the Tenets of the Natural Philosophers of Aristotle’s pupil Theophrastus (e.g., H. Diels, Doxographi Graeci I. 3.8).
Dies ist das philosophische System, das Pythagoras in der nacharistotelischen Tradition am häufigsten zugeschrieben wird, und es findet sich in den ausführlichen Darstellungen des Pythagoräismus bei Sextus Empiricus (2. Jh. n. Chr.) (z. B. M. X. 261) und am bedeutsamsten in dem einflußreichen Handbuch der verschiedenen Meinungen der griechischen Philosophen, das von Aëtios im ersten Jahrhundert n. Chr. zusammengestellt wurde und auf den Lehrmeinungen der Naturphilosophen von Aristoteles’ Schüler Theophrast beruht (z. B. H. Diels, Doxographi Graeci I. 3.8).
Das Zeugnis des Aristoteles macht jedoch vollkommen klar, daß dies das philosophische System Platon's in seinen späteren Jahren war und nicht das des Pythagoras oder auch nur der späteren Pythagoräer.
Aristotle is explicit that, although Plato’s system has similarities to the earlier Pythagorean philosophy of limiters and unlimiteds, the indefinite dyad is unique to Plato (Metaphysics 987b26 ff.) and the Pythagoreans recognized only the sensible world and hence did not derive it from immaterial principles.
Aristoteles erklärt ausdrücklich, daß, obwohl Platon's System Ähnlichkeiten mit der früheren pythagoreischen Philosophie der Begrenzenden und Unbegrenzten hat, die unbestimmte Zweiheit Platon's Eigentümlichkeit ist (Metaphysik 987b26 ff.) und die Pythagoräer nur die sinnlich wahrnehmbare Welt anerkannten und sie daher nicht von immateriellen Prinzipien ableiteten.
Im Philebos erzählt Platon selbst eine Darstellung, die mit dem Bericht des Aristoteles sehr stark übereinstimmt.
Während er eine Schuld gegenüber der Philosophie der Begrenzenden und Unbegrenzten anerkennt, die sich in den Berichten des Aristoteles über den Pythagoräismus und in den Fragmenten des Pythagoräers Philolaos aus dem fünften Jahrhundert findet, macht Platon klar, daß dies eine beträchtlich ältere Philosophie ist, die er für seine eigenen Zwecke vollständig umarbeitet (16c ff.; siehe Huffman 2001).
Wie sollen wir die Abweichung der späteren Tradition von diesem Zeugnis des Aristoteles und Platon's erklären?
Der überzeugendste Vorschlag verweist auf Belege dafür, daß aus Gründen, die nicht ganz klar sind, Platon's Nachfolger in der Akademie, Speusippos, Xenokrates und Herakleides, sich entschieden, den Pythagoräismus nicht nur als einen Vorläufer der späten platonischen Metaphysik darzustellen, sondern so, als habe er ihre zentralen Lehren vorweggenommen.
So beginnt die Tradition, die Platons späte Metaphysik fälschlich Pythagoras zuschreibt, nicht erst mit den Neopythagoräern in den ersten Jahrhunderten v. und n. Chr., sondern bereits im vierten Jahrhundert v. Chr. unter Platons eigenen Schülern (Burkert 1972a, 53–83; Dillon 2003, 61–62 und 153–154).
This view of Pythagoreanism finds its way into the doxography of Aetius either because Theophrastus followed the early Academy rather than his teacher Aristotle (Burkert 1972a, 66) or because the Theophrastan doxography on Pythagoras was rewritten in the first century BCE under the influence of Neopythagoreanism (Diels 1958, 181; Zhmud 2012a, 455).
Diese Auffassung des Pythagoräismus gelangt in die Doxographie des Aëtios entweder deshalb, weil Theophrast der frühen Akademie statt seinem Lehrer Aristoteles folgte (Burkert 1972a, 66), oder deshalb, weil die theophrastische Doxographie über Pythagoras im ersten Jahrhundert v. Chr. unter dem Einfluß des Neopythagoräismus umgeschrieben wurde (Diels 1958, 181; Zhmud 2012a, 455).
Aristotle’s careful distinctions between Plato and fifth-century Pythagoreanism, which make excellent sense in terms of the general development of Greek philosophy, are largely ignored in the later tradition in favor of the more sensational ascription of mature Platonism to Pythagoras.
Aristoteles' sorgfältigen Unterscheidungen zwischen Platon und dem Pythagoräismus des fünften Jahrhunderts, die im Hinblick auf die allgemeine Entwicklung der griechischen Philosophie einen ausgezeichneten Sinn ergeben, werden in der späteren Tradition weitgehend zugunsten der sensationelleren Zuschreibung des reifen Platonismus an Pythagoras übergangen.
Die Belege für die frühe Akademie sind jedoch sehr begrenzt, und einige weisen die These zurück, daß ihre Mitglieder Pythagoras die späte platonische Metaphysik zuschrieben (Zhmud 2012, 415–432).
Der Schlüsseltext findet sich in Proklos’ Kommentar zum Parmenides (S. 38.32–40.7 Klibansky).
Proclus quotes a passage in which Speusippus assigns to the ancients, who in this context are the Pythagoreans, the One and the Indefinite Dyad.
Proklos zitiert eine Passage, in der Speusippos den Alten, die in diesem Zusammenhang die Pythagoräer sind, das Eine und die unbestimmte Dyad zuschreibt.
Einige Gelehrte vertreten, daß dies kein echtes Fragment des Speusippos, sondern vielmehr eine spätere Fabrikation ist (siehe Zhmud 2012a, 424–425 und für eine Entgegnung Dillon 2014, 251).
Wenn die Akademie jedoch das Eine und die Dyad nicht Pythagoras zuschrieb, wird es weniger klar, wie diese Prinzipien dazu kamen, ihm zugeschrieben zu werden.
Theophrast schreibt sie den Pythagoreern zu (Metaphysik 11a27), aber da Aristoteles die Pythagoräer in diesem Punkt von Platon unterscheidet, funktioniert Zhmuds Vorschlag (2012a, 455), daß er seinem Lehrer folge und nur „den nächsten Schritt“ tue, nicht.
Theophrast's Zeugnis ergibt den besten Sinn, wenn wir die traditionelle Auffassung annehmen und voraussetzen, daß er seine Abweichung von der Auffassung seines Lehrers Aristoteles auf die Autorität von Platons Nachfolgern in der Akademie gründet.