Satz als Bestandteil der parole oder langue
▶Herrschend wird der Satz der Ebene der parole (de Saussure) zugeordnet oder als „Sinneinheit der Rede“ (Bühler) (s. o.) bezeichnet. Es soll nicht sinnvoll sein, „auch auf der Ebene der langue … nach einer zeichenhaften Einheit ‚Satz‘ zu suchen, die – wie Wort und Morphem – aus einer festen Ausdrucks- und Inhaltsseite besteht“[1]. Gleichwohl werden in der Grammatik (vor allem?) „auch die lautlichen oder schriftlichen Träger eines Satzes … syntaktisch … also sekundär auf Ebene der langue, untersucht“.[2] Satzklassifikation
Sätze können nach unterschiedlichen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Unter anderem:
- kommunikativ (Satzarten) in (insbesondere): Deklarativsatz, Fragesatz und Aufforderungssatz;
- nach der Verbstellung des finiten Verbs in: Stirnsatz, Kernsatz und Spannsatz;
- nach der Anzahl und Beziehung finiter Verben in: einfacher Satz und zusammengesetzter Satz;
- in Hauptsatz und Nebensatz (auch: Gliedsatz).
- aufgrund syntaktischer Unvollständigkeit (Anakoluth, Ellipse, Fragment, Nominalsatz)
In der Grammatik des Deutschen unterscheidet man nach der Stellung des finiten Verbs zwischen:
- Stirnsatz (Verb-Erst-Stellung)
- An erster Stelle steht das finite Verb im Deutschen vor allem bei Entscheidungsfragen oder bei Aufforderungssätzen.
- Beispiele: „Gehst Du schon?“ „Geh jetzt!“
- Kernsatz (Verb-Zweit-Stellung)
- An zweiter Stelle steht das Verb im Deutschen in Hauptsätzen, die Deklarativsätze sind.
- Beispiel: „Ich schreibe jetzt diesen Satz.“
- Spannsatz (Verb-Letzt-Stellung)
- Die Endstellung hat das finite Verb im Deutschen in eingeleiteten Nebensätzen.
- Beispiel: „Nachdem ich dieses Beispiel geschrieben habe, höre ich auf.“
Eine traditionelle Unterscheidung ist die zwischen einfachem Satz und zusammengesetztem Satz.
Der einfache Satz (auch: Einzelsatz)[3] ist ein Satz, der nur ein konjugiertes Verb enthält.[4]
Der einfache Satz kann[5] darüber hinaus noch weitere Satzglieder enthalten, entweder als notwendige Ergänzung (zum Beispiel Subjekt) oder als Angabe (zum Beispiel Attribute oder adverbiale Bestimmungen)[24]
- Beispiel: „Der Wolf heulte in der Nacht den Mond an.“
Zu den einfachen Sätzen zählen auch elliptische Sätze und Kurzformen.[6]
- Beispiel: „Komm!“
Ein zusammengesetzter Satz (auch: komplexer Satz) ist ein Satz, in dem mehr als ein finites Verb vorkommt[7] oder – mit anderen Worten – der aus einfachen Sätzen (Teilsätzen) zusammengesetzt[8] ist.
Sind die Teilsätze eines zusammengesetzten Satzes gleichgeordnet, so nennt man sie Hauptsätze und bezeichnet den Satz insgesamt auch als Satzreihe oder Parataxe.
Im Fall der Über- und Unterordnung bezeichnet man den komplexen Satz auch als Satzgefüge (auch Hypotaxe) und unterscheidet zwischen den Hauptsätzen (HS) und Nebensätzen (NS). Der Nebensatz ist der einem anderen inhaltlich untergeordnete Teilsatz – der etwa den Aussageinhalt eines anderen Teilsatzes näher bestimmt. Der Teilsatz, der keinen anderen Teilsatz näher beschreibt, ist ein Hauptsatz.
Von einem Nebensatz kann ein weiterer Nebensatz abhängen.
- Beispiel: „Ich ging spazieren (HS), da die Sonne scheinen sollte (NS 1), die jedoch ausblieb (NS 2).“
Einen komplexen Satz mit Satzreihen und Satzgefügen nennt man auch Satzperiode.[9]
Sätze können mit einer Konjunktion (syndetisch) oder mit mehreren Konjunktionen (polysyndetisch) oder ohne Konjunktionen (asyndetisch) miteinander verbunden werden.
Beispiel:
- Syndetisch: „Ich kam, ich sah und ich siegte.“
- Polysyndetisch: „Ich kam und ich sah und ich siegte.“
- Asyndetisch: „Ich kam, ich sah, ich siegte.“
Der Nebensatz ist im Deutschen oft an der Stellung der gebeugten (finiten) Verbform erkennbar. Ein Teilsatz mit Einleitewort (Relativpronomen, Fragewort, unterordnende Konjunktion) und finiter Verbform am Ende ist ein Nebensatz. Daneben existieren allerdings auch uneingeleitete Nebensätze.
Unter den Begriff „Satz“ fallen auch unvollständige Sätze, also Sätze, denen ein notwendiges Satzglied oder auch mehr fehlt. Es werden verschiedene Typen unterschieden:
- Anakoluth (= Satzbruch), in der gesprochenen Sprache als Reparaturphänomen, oder aber als rhetorischer Effekt. Beispiel: der angefangene Nebensatz in „Wie wenn da einer, und er hielte ein frühgereiftes Kind das schielte hoch in den Himmel.“ (Robert Gernhardt)
- Ellipse, z. B. der zweite Satz in: „Die siegreiche Sache gefiel den Göttern. Aber die unterlegene dem Cato.“ (Vollständige Struktur: „Die unterlegene [Sache] [gefiel] dem Cato.“)
- Nominalsatz, meist verstanden als Satz ohne das Kopulaverb sein. Beispiel: „Frau weg, Geld weg, Wohnung weg“.[10]
- ↑ Volmert, Sprache und Sprechen, in: Volmert (Hrsg.), Grundkurs Sprachwissenschaft, 5. Aufl. (2005), ISBN 3-8252-1879-1, S. 25
- ↑ Kuno Lorenz: Satz, in: Jürgen Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2. Auflage. Band 7. Stuttgart, Metzler 2018, ISBN 978-3-476-02106-9, S. 222
- ↑ Duden: Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht (2007), S. 184
- ↑ Kürschner: Grammatisches Kompendium. 4. Aufl. 2003. ISBN 3-8252-1526-1, S. 2 06 („ein einziges Prädikatverb“).
- ↑ Nach Gadler: Praktische Linguistik. 3. Aufl. (1998), S. 1 09, muss ein einfacher Satz mindestens ein Subjekt und ein Prädikat enthalten, siehe aber unten zu Kurzformen.
- ↑ Gadler: Praktische Linguistik, 3. Aufl. (1998), S. 109.
- ↑ Vgl. Kürschner: Grammatisches Kompendium. 4. Aufl. 2003. ISBN 3-8252-1526-1, S. 206 (mehr als ein Prädikatverb enthaltend).
- ↑ Pospiech: Syntax. In: Volmert (Hrsg.): Grundkurs Sprachwissenschaft. 5. Aufl., 2005, ISBN 3-8252-1879-1, S. 1 19.
- ↑ Kessel, Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. Fink, Tübingen 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 8.
- ↑ Überschrift in Bild.