Schaft
schaft | m.
‘Stange, langgestreckter Teil eines Gegenstandes (vielfach als Handhabe), oberer Teil eines Stiefels’ (vgl. Speer-, Stiefelschaft), ahd. scaft (8. Jh.), mhd. mnd. schaft ‘(Speer)stange, Lanze, Stange oder Stangenähnliches’, asächs. skaft, mnl. scaft, nl. schaft, aengl. scæft, sceaft, engl. shaft, anord. skapt, schwed. skaft (germ. *skafta-) wie auch (mit nd.-nl. cht für ft) mnl. scacht, nl. schacht, mnd. schacht, nhd. Schacht sind wohl verwandt mit lat. scāpus ‘Schaft, Stiel, Stengel, Stamm’, griech. skḗptron (οκῆπτρον) ‘Stab’ (s. Zepter) und führen auf ie. *skā̌p- ‘mit scharfem Werkzeug schneiden, spalten; Stock’, eine Variante der unter schaffen genannten Wurzel, zu der auch das unter schaben behandelte Verb gehört, dem sich vielleicht die kurzvokalischen, mit Dentalsuffix gebildeten germ. Formen angeschlossen haben.
Als Ausgangsbedeutung ist an ‘abgeschabter, rindenloser junger Baumstamm’ zu denken.
¦∑¦ schaf + t; schaffen
¦∅¦ "aus mehreren bis vielen niederrangig Einzelnen zusammengesetzte höherrangiges Ganzes"; Bezugsraum und/oder Ansammlung, der/die zugleich Struktur, Rang und Ordnung bewirkt und aus dem eine entsprechende Kraft und Macht hervorgeht, Quelle/Ressource für etwas.
Schaft Geschaffenes; Beschaffenheit, Form, Ausgestalt; ‘Geschöpf, Gestalt, Bildung, Beschaffenheit, Eigenschaft’; ‘Stange, langgestreckter Teil eines Gegenstandes (vielfach als Handhabe), oberer Teil eines Stiefels’;
ursprünglich zu got. skaff - kleiner entrindeter Zweig; skafft, aus kleinen entrindeten Zweigen geschaffener Gegenstand zur Aufbewahrung, geschaffenes Ganzes.
- bezeichnet in Bildungen mit Substantiven eine Personengruppe oder (seltener) die Gesamtheit von Dingen
- bezeichnet in Bildungen mit Substantiven eine Sache als Ergebnis eines Tuns
- bezeichnet in Bildungen mit Substantiven (seltener mit Adjektiven) eine Beschaffenheit, einen Zustand
¦√¦ uig. *skab- “schneiden, spalten, behauen, schaben, schnitzen”; uig. *skeh₂p- "Schaft, Stiel, Stengel, Stamm";
¦↵¦ uger. *skapjaną; uger. *-skapiz; uwger. *-skapi; ger. *skafti-; Die in ahd. scaf (um 1000), aengl. gesceap, anord. skap ‘Beschaffenheit, Form’ und (mit ti-Suffix) in ahd. (gi)scaft ‘Erschaffung, Geschöpf’ (8. Jh.), mhd. schaft ‘Geschöpf, Gestalt, Bildung, Beschaffenheit, Eigenschaft’, aengl. (ge)sceaft, got. gaskafts ‘Erschaffung’ belegten Substantive sind Abstraktbildungen zu dem unter schaffen abgehandelten starken Verbum.
Jene Formen (die auf germ. *skafti- zurückgeführt werden können) bilden zunächst Komposita, deren zweites Glied sich bereits in früher Zeit zum Kompositionssuffix entwickelt. Sie treten neben Abstrakta (auf germ. *-skapi-), die nur als Suffixbildungen bezeugt sind, im Ahd. mit fem., sonst mit mask. oder neutr. Genus.
In Verbindung mit (persönlichen und unpersönlichen) Substantiven und (speziell im Dt.) mit Adjektiven, Präteritalpartizipien und (seltener) Infinitiven bilden diese Suffixe Abstrakta, die eine Tätigkeit, einen Zustand oder ein Verhalten ausdrücken, sowie Kollektivbegriffe; vgl. (mit germ. *-skapi-) asächs. bodskepi, aengl. bodscipe, anord. boðskapr, ahd. botascaf ‘Botschaft, Kunde, Sendung’ und (nur westgerm. mit germ. *-skafti-) asächs. hugiskaft, aengl. hygesceaft ‘Sinn’, ahd. botascaft.
Im Ahd. sind die Bildungen auf -scaf die älteren und werden in der Regel nach dem 9. Jh. von den Bildungen auf -scaft abgelöst; vgl. fīantscaf ‘Feindschaft’ (8. Jh.), -scaft (um 1000), friuntscaf ‘Freundschaft’ (8. Jh.), -scaft (11. Jh.), lantscaf ‘Land, Landschaft’ (8. Jh.), -scaft (um 1000).
Schon früh beginnt sich kollektive Bedeutung zu entwickeln, vgl. ahd. heriscaf (9. Jh.), -scaft (um 1000) ‘Heer, Schar, Menge’, kunniscaft ‘Geschlecht, Sippe’ (11. Jh.). Seit dem 18. Jh. etwa überwiegen gegenständlich-konkrete und kollektive Bedeutungen: Errungenschaft, Gerätschaft, Hinterlassenschaft; Bürgerschaft, Dienerschaft, Kaufmannschaft, Kundschaft, Lehrerschaft ‘Gesamtheit der Lehrer’. Vgl. ferner (zu Adjektiven) mhd. bereitschaft, (zu Partizipien) mhd. gevangenschaft, (zu Infinitiven) spätmhd. wiʒʒen(t)schaft.