Walstatt
Wal + statt | (spätere Nebenform Walstätte[2]): „Schlachtfeld, Kampfstätte, Richtstätte“[3] ist „eine seit der Mitte des 12. Jahrh[underts] auftretende Zusammensetzung [von statt „Ort, Platz, Stelle“] mit Wal, bei der das Wort noch seine ursprüngliche Bedeutung zeigt, also eigentlich Leichenfeld“,[3] d. h. „‚von Leichen bedecktes Schlachtfeld‘ oder aber überhaupt ‚Ort wo gekämpft worden ist‘“.[3] „Da Wal [selbst!] dann aber als Schlachtfeld genommen wird, erscheint die Zusammensetzung [Walstatt] als eine tautologische und verdrängt schließlich das einfache Wort [Wal].“[3]
Wal als erste Komponente von Walstatt geht auf eine nicht rekonstruierte urgermanische Wortwurzel zurück, die in den altgermanischen Einzelsprachen in leicht verschiedener Gestalt vorliegt.[4] Bei der Aufspaltung des Urgermanischen treten dann auch Bedeutungsunterschiede des Worts auf. Im Einzelnen sind belegt:[4]
- im Altnordischen valr „die Erschlagenen auf dem Schlachtfeld“,[4] vergleiche auch: Walhalla „Aufenthaltsort der im Kampf Gefallenen“[5] und Walküre „Totenwählerin, die nach der Edda die Aufgabe hat, die im Kampf gefallenen Krieger zu Odin zu geleiten“.,[6]
- im Angelsächsischen wæl „die Erschlagenen, auch ein einzelner Toter, und mehr abstract Niederlage, Gemetzel“,[4]
- im Altsächsischen wal in waldâd „todbringende That, Mord“,[4]
- im Althochdeutschen geben die Quellen als Bedeutung von wal lateinisch strages an,[4] also „das Niedersinken, Niederstürzen, Zusammenstürzen, Einstürzen, die Verwüstung; die Masse zu Boden gestürzter Gegenstände“.[7]
Nach Sichtung aller Quellen kommt das Deutsche Wörterbuch zu dem Schluss: „Es ist mithin von der im ags. [Angelsächsischen] noch erhaltenen abstracten Bedeutung [der Wortwurzel] auszugehen, woraus sich die (im anord. [Altnordischen] schon ausschließlich geltende) Collective von die Erschlagenen entwickelt hat.“[4]
Das Wort Walstatt für Schlachtfeld blieb weiterhin lebendig bis ins 19. Jahrhundert (z. B. bei Nikolaus Lenau);[3] heute wirkt es eher gekünstelt.
Das Wort Wal galt schon im 16. Jahrhundert als veraltet[4] und wurde seitdem kaum benutzt; in neuerer Zeit ist es jedoch vereinzelt wieder anzutreffen (u. a. bei Joseph Görres, Friedrich de la Motte Fouqué und besonders bei Richard Wagner unter dem Einfluss von altnordisch valr[4]). Den von Richard Wagner angenommenen Zusammenhang mit wählen sieht das Deutsche Wörterbuch kritisch.[4]