Eusebio Colomer
Eusebio Colomer, katalanisch Eusebi Colomer i Pous, S. J. (1923–1997), war ein katalanischer Jesuit, Philosoph, Theologe und Historiker der Philosophie. Er wurde 1957 an der Universität Köln mit einer Arbeit über Nikolaus von Kues und Raimund Llull promoviert, die 1961 unter dem Titel Nikolaus von Kues und Raimund Llull. Aus Handschriften der Kueser Bibliothek erschien. Zu seinen Hauptarbeitsgebieten gehörten Raimund Llull, Nikolaus von Kues, die deutsche Philosophie von Kant bis Heidegger sowie der philosophisch-theologische Dialog. Für die Cusanus-Forschung ist er besonders wichtig, weil er die Llull-Handschriften der Kueser Bibliothek und deren Bedeutung für Cusanus systematisch untersuchte.
- Eusebio Colomer ist die spanisch/deutsche Namensform; katalanisch heißt er Eusebi Colomer i Pous. Das S. J. in bibliographischen Angaben bedeutet Societas Jesu, also Jesuit, Philosoph und Theologe.
Eusebi Colomer i Pous wurde am 14. April 1923 in Girona geboren und starb am 27. November 1997. Pere Lluís Font weist in seiner biographischen Skizze ausdrücklich darauf hin, daß er damit die in der Gran enciclopèdia catalanastehende Geburtsdatumsangabe korrigiere. Colomer trat 1941 in die Gesellschaft Jesu ein und wurde 1952 zum Priester geweiht.
Colomer war Jesuit, Philosoph, Theologe und Historiker der Philosophie. Er studierte nach seiner Ordensausbildung in Deutschland, unter anderem in München, Freiburg und Köln; in Freiburg konnte er nach der biographischen Skizze auch Heidegger hören. An der Universität Köln wurde er 1957 mit einer Arbeit über Nikolaus von Kues und Raimund Llull promoviert; diese Dissertation erschien 1961 bei Walter de Gruyter unter dem Titel Nikolaus von Kues und Raimund Llull. Aus Handschriften der Kueser Bibliothek.
Ab 1958 lehrte Colomer Geschichte der Philosophie, zunächst an der jesuitischen Philosophischen Fakultät in Sant Cugat del Vallès, später an der Theologischen Fakultät von Katalonien, an der Philosophischen Fakultät der Universitat Ramon Llull und ab 1967 zugleich an der Universität Deusto. 1993 wurde er emeritiert, hielt aber noch im Todesjahr Lehrveranstaltungen.
Für die Forschung zu Cusanus ist Colomer vor allem wegen seiner Arbeit zur Beziehung Cusanus–Llull bedeutsam. Eine Rezension seines Buches hebt hervor, daß die Kueser Bibliothek 66 vollständige oder unvollständige Llull-Schriften enthalte, teils von Nikolaus selbst kopiert oder mit Notizen versehen; Colomers Dissertation wird dort als erster umfassender Lösungsversuch zum konkreten Verhältnis zwischen Nikolaus von Kues und Raimund Llull charakterisiert.
Seine Forschungsschwerpunkte lassen sich ungefähr in drei Felder ordnen: erstens Raimund Llull und Nikolaus von Kues, zweitens deutsche Philosophie von Kant bis Heidegger, drittens der philosophisch-theologische Dialog. Die Càtedra Ferrater Mora nennt ausdrücklich diese drei Zentren seines Werkes und weist außerdem darauf hin, daß Colomer in Katalonien ein wichtiger Vermittler Teilhard de Chardins war und sich mit zeitgenössischem Atheismus sowie sogenannter „radikaler Theologie“ auseinandersetzte.
Colomer war auch institutionell gut eingebunden: Er war Mitglied der Secció de Filosofia i Ciències Socials des Institut d’Estudis Catalans, später deren emeritiertes Mitglied und Dekan; außerdem gehörte er unter anderem der Maioricensis Schola Lullistica, der Société Internationale pour l’Étude de la Philosophie Médiévale und der Cusanus-Gesellschaft an.
Wichtige Werke:
- Nikolaus von Kues und Raimund Llull. Aus Handschriften der Kueser Bibliothek, Berlin 1961.
- De la Edad Media al Renacimiento: Ramón Llull, Nicolás de Cusa, Juan Pico della Mirandola, 1975.
- El pensamiento alemán de Kant a Heidegger, 3 Bände.
- El pensament als Països Catalans durant l’Edat Mitjana i el Renaixement, 1997