DILW/11
Er sagt weiter: Nur in der belehrtesten Unwissenheit (doctissima ignorantia) sehen wir das einfachste Sein selbst, das die Essenz aller Dinge ist.[1]
Daher, auf der Grundlage dessen, was zuvor festgestellt wurde: Erworbene Kenntnis (docta notitia) schließt vergleichende Beziehungen ein und folglich [schließt es] Zahl und Endlichkeit ein.
Aber diese haben im einfachsten Sein selbst keinen Platz, weil es als Unendliches jeder vergleichenden Relation entgeht und sie transzendiert.[2]
Denn da das einfachste Sein selbst nicht vergleichsweise größer oder kleiner sein kann, liegt es jenseits unseres Vernehmen.[3]
Und da also eine Übertragung von dem Endlichen zu dem Unendlichsten und Unabhängigsten von allen Gestalten stattfindet,[4] wird unsere Unkenntnis [uns] unbegreiflicherweise[5] über dieses Ding belehren.
[Denn unsere Unkenntnis] wird sinnliche Dinge[6] hinter sich lassen, die [diese Unendlichkeit] transzendiert, und wird bereitwillig und unbegreiflicherweise zur unvernehmbaren Wahrheit aufsteigen.[7]
- He says further: Only in the most learned ignorance (doctissima ignorantia) do we see most simple Being itself which is the Essence of all things.[1]
- Wherefore, on the basis of what has previously been established: acquired knowledge (docta notitia) includes comparative relation, and consequently [it includes] number and finitude.
- But these have no place in most simple Being itself—because, as infinite, it escapes and transcends all comparative relation.[2]
- For since most simple Being itself cannot be comparatively greater and lesser, it is beyond all that we can conceive.[3]
- And so, since a transference is made from what is finite to what is most infinite and most independent of all figure,[4] our ignorance will incomprehensibly teach [us][5] about this thing.
- [For our ignorance] will leave behind sensible things,[6] which [this infinite thing] transcends, and will readily and incomprehensibly ascend unto the inapprehensible truth.[7]