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Werk:Die Esoterik des Pythagoras

aus AufEinWort, der freien Forschung
(Weitergeleitet von Die Esoterik des Pythagoras)

Über diese Seite Werk


Gründet auf dem Werk „Die Esoterik des Pythagoras“ Alfried Lehner
2002 n. Chr. hrsg.  
Abschrift
1. April 2021 n. Chr. erst.  

unüberarbeitet
ungeprüft
Datum der Veröffentlichung geschätzt
Esoterik-Pyth.pdf

Pythagoras und Sokrates

Der bekannte Heidelberger Philosoph Hans-Georg Gadamer (1900–2002) stellt in seinem Werk Der Anfang der Philosophie eine Betrachtung der religiösen Vorstellungen und Bewegungen von Homer über die Orphik bis hin zum Dionysoskult an, wobei er feststellt: „... unser Interesse im Rahmen der Beschäftigung mit den Vorsokratikern liegt nun darin, daß bei diesem Kult die Seele im Mittelpunkt der Religiosität stand“. Und er fährt fort: „Das scheint mir, was die Gestalt des Pythagoras betrifft, auf der Hand zu liegen. Wenn man die Lebensgeschichten der Vorsokratiker liest, kommt immer wieder dasselbe zum Vorschein: Jeder von ihnen – von Anaximander bis Parmenides – wird als Anhänger des Pythagoras dargestellt. Dieser Tatbestand hat seine Bedeutung. Nach meinem Dafürhalten bedeutet er, daß Pythagoras grundlegende Motive in sich vereinigt wie das Rätsel der Zahlen, das Rätsel der Seele, der Seelenwanderung sowie der Läuterung der Seele.“[1]

Wenden wir uns Sokrates (470–399 v. Chr.) selbst zu, so wissen wir, daß diese Persönlichkeit uns weitgehend nur durch Platon (427–347 v. Chr.) vermittelt wird, so daß seine philosophische Lehre nicht ohne weiteres von derjenigen Platons zu unterscheiden ist, in welcher die Seelenlehre eine zentrale Rolle spielt. Aber auch bei Pythagoras stehen wir vor dem Problem, daß bis heute keine Schriften oder Fragmente mit Sicherheit als unmittelbar von ihm stammend verifiziert werden konnten. Wollen wir aus der schillernden Vielfalt der Überlieferungen über diese charismatische Persönlichkeit eine Schlußfolgerung ziehen, so müssen wir auch berücksichtigen, daß die Lehre des Meisters von seinen Anhängern weiterentwickelt wurde. Darüber hinaus stellt es in der Pythagorasforschung ein großes Problem dar, die pythagoreische Lehre von jener Platons abzugrenzen. Es gilt als erwiesen, daß das spätere Pythagoreertum stark von platonischen Einflüssen geprägt wurde, wie auch Platon tief berührt war von den frühen pythagoreischen Anschauungen.[2]

Wir erkennen also, daß über das „Medium“ Platon durchaus eine geistige Verbindung zwischen Pythagoras und Sokrates besteht und daß die antike griechische Philosophie bis hinein in das 4. Jh. n. Chr. – also in die Philosophie der Neuplatoniker – tief durchdrungen war vom pythagoreischen Gedankengut.

Zum Begriff der Esoterik

Wie verhält es sich nun mit der Esoterik? Dieser Begriff ist durch seinen heutigen Gebrauch im Rahmen des Zeitgeistes so heillos zerfleddert worden, daß eine Rückführung auf seinen Ursprung angebracht erscheint.

Für unser Thema ist dabei besonders interessant, daß der Begriff Esoterik allem Anschein nach aus dem Pythagoreertum kommt. Hierüber finden wir einen ausführlichen Hinweis bei Iamblichos, dem griechischen neuplatonischen Philosophen aus Chalkis in Syrien, der um 240 bis 320 n. Chr. lebte. Er war ein Schüler des Porphyrios und gründete in Apameia eine Schule des Neuplatonismus. Man geht heute allgemein davon aus, daß er mit seiner Schrift ΠΕΡΙ ΤΟΥ ΠΥΘΑΓΟΡΕΙΟΥ ΒΙΟΥ (Über das pythagoreische Leben)[3] – gemeint ist die pythagoreische Lebensweise – zum Ausdruck bringen wollte, daß bereits Pythagoras und seine Schüler einen Weg der philosophischen (Selbst-)Bildung beschritten hätten, den auch Iamblichos und seine Schule als den ihren ansahen. Diese Schrift ist also letztlich eine neuplatonische Lehre und kann nicht ohne weiteres auf Pythagoras und seine Schüler übertragen werden. Dennoch hat Iamblichos natürlich auf die ihm zur Verfügung stehenden Informationen über das Pythaoreertum zurückgegriffen, und so ist interessant zu lesen, was er über den Werde-gang derjenigen berichtet, die in die ordensähnliche Gemeinschaft der Pythagoreer aufgenommen wurden:

„Hatte man die Adepten auf Grund ihrer Lebensführung und ihrer sonstigen guten Wesensart nach des Meisters Urteil für würdig befunden, die Lehren zu empfangen, so wurden sie nach dem fünf Jahre langen Schweigen für den Rest ihres Lebens zu »Esoterikern«, hörten innerhalb des Vorhangs den Pythagoras und durften ihn dabei auch sehen; vorher hatten sie nur außerhalb desselben durch bloßes Hören an den Vorträgen teilgenommen, ohne Pythagoras jemals zu Gesicht zu bekommen, und dabei lange Zeit eine Charakterprobe abgelegt.“[4]

Was hier mit Esoteriker übersetzt ist, heißt im griechischen εσωτερικοι (esôterikoí)[5]. Der Ursprung dieses Wortes ist εσω (ésô) = drinnen, innerhalb. Der Komparativ, also weiter drinnen, heißt εσωτερος (esôteros). Der Esôterikós, im Plural die Esôterikoí, ist die substantivierte Form von esôteros und bezeichnet denjenigen, der sich weiter drinnen befindet als die anderen und somit zum „inneren Kreis“ gehört. Das ist die ganze „Bedeutungsschwere“ dieses Begriffs.

Die Esoterik des Pythagoras

Und nun wenden wir uns der Esoterik des Pythagoras zu, also derjenigen Lehre, die nur für den inneren Kreis bestimmt war. Da stellt sich zunächst die Frage: Welcher Religion gehörten die Pythagoreer an? Etwa einer eigenen geheimen – „esoterischen“ – Religion?

Wir können davon ausgehen, daß die Pythagoreer keine eigene Religion hatten; daß ihre Gemeinschaft nicht den Charakter einer Sekte im heutigen Sinne[6] hatte; denn solche religiöse Abspaltungen gab es in jener Zeit noch nicht, wie aus dem folgenden deutlich werden wird. Die Pythagoreer gehörten also mit Sicherheit der Religion der jeweiligen Polis, also des Stadtstaates an, in welchem sie wohnten.[7] Und was heißt in jener Zeit schon Religion? Noch gab es keine „Buchreligion“, in der die Glaubenssätze niedergeschrieben waren und damit alle davon abweichenden Religionen als „heidnisch“ (= „pagani“ = „die vom Land, die aus der Heide“) und ihre Angehörigen als ungläubig abgetan wurden. Die antiken Religionen waren Ausdrucksformen einer Kultfrömmigkeit. Es galt, bestimmte Riten und Zeremonien sorgfältig und gewissenhaft auszuführen. Nur wenn die Götter die gebührende Verehrung genießen und die althergebrachten Opfer erhalten, blüht das Gemeinwesen. Die Existenz der Götter wurde in Freude und Leid als Realität erfahren. Ihre Namen wechselten je nach dem Natur- und Schicksalsbereich, dem man sich zuwendete; sie wechselten auch von einem Volk zum anderen, manchmal auch zwischen der einen und anderen Polis, und natürlich von Generation zu Generation. Da gab es keinen Anlaß für Abspaltungen im heutigen Sinne einer Sekte. Sicherlich haben die Pythagoreer bei ihrer Kultausübung da und dort eigene Formen entwickelt. So war ihnen unter anderem vorgeschrieben, barfuß zu opfern und zu den Heiligtümern heranzugehen.[8] Natürlich haben sich die Pythagoreer auch in Mysterien einweihen lassen, die den Mysten im echten Wortsinn zum Esoteriker machten. Über Pythagoras werden solche Einweihungen – auch in die ägyptische Priesterweisheit – in der antiken Literatur vielfach erwähnt.[9] Wo aber ist die Esoterik des Pythagoras zu suchen?

Symbole

Kommen wir noch einmal auf die Tatsache zurück, daß die neuen Mitglieder des Ordens den Pythagoras fünf Jahre lang nur außerhalb eines Vorhangs hören durften und somit noch nicht zu den Esoterikern gehörten.

Es ist nicht anzunehmen, daß es Pythagoras darum ging, sich als Person vor seinen Hörern zu verbergen. Der Sinn des Vorhangs dürfte vielmehr darin zu suchen sein, daß Pythagoras bei seinen Lehrvorträgen gewisse Symbole enthüllte – vielleicht die Tetraktýs, das Lambdoma oder das Pentagramma –, in welche die Fortgeschrittenen eingeweiht waren, und die folglich den Hörern – den „Akusmatikoí“ – noch nicht gezeigt werden sollten. Betrachten wir diese Symbole:

Tetraktys heißt Vierzahl. Die Tetraktys ist eines der bedeutendsten pythagoräischen Symbole. Sie besteht aus zehn Punkten, die in der Form eines Dreiecks, entsprechend dem griechischen Buchstaben Delta – Δ –, angeordnet sind. Dieses Delta kann auch für „DEKA“ (griech. ΔΕΚΑ) stehen, dem griechischen Wort für „Zehn“. Die Tetraktys wird vielfältig ausgelegt. Wir wollen hier nur gewissermaßen das Grundmuster skizzieren:

Alles fließt aus der Eins, aus dem All-Einen heraus; ist aus ihm entstanden. Als das EINE „den Gedanken hatte“, eine Welt zu schaffen, war mit diesem Gedanken bereits die Polarität, die Zweiheit entstanden; denn der Schöpfungsgedanke hatte ja ein Anderes, außerhalb des EINEN im Sinne. Die Mythen sprechen hier von einem Urpaar, einer Göttin und einem Gott – Uranos und Gaia = Himmel und Erde. Das war die erste Polarität: das Oben und das Unten. Aus der Vereinigung des ersten Götterpaares, aus der polaren Spannung, setzt sich der Schöpfungsprozeß fort, wird neues Leben gezeugt, so daß die Dreiheit zum Symbol des Werdens geworden ist, deständigen Schöpfungsprozesses, der Bewegung und Dynamik in der Schöpfung. Das Bild hierfür ist das Götterpaar mit dem Gotteskind, die Familie. Die Vierheit schließlich verkörpert das Sein der sichtbaren Welt, die Erde als Quadrat mit ihren „vier Weltecken“, den vier Himmelsrichtungen, den vier Elementen. Der Kubus, der fest auf dem Quadrat steht, ist der platonische Körper für die Erde. Er steht in der rituellen Symbolik für die Große Mutter.

So sind diese zehn Punkte ein Symbol für das Weltganze in seinem Werden und Sein. Mit diesem in Harmonie zu leben, gehört zu den obersten Zielen der pythagoräischen Tradition.

Iamblichos läßt uns wissen: „Den Pythagoräern schreibt man auch etwa folgende Eidesformel zu – scheuten sie sich doch, Pythagoras mit Namen zu nennen, wie sie ja auch mit Götternamen sehr sparsam umgingen; sie bezeichneten den Meister durch die Erfindung der Tetraktys:

Nein, bei ihm, der die »Heilige Vier« unsrer Weisheit erfunden, Quell der Wurzelkräfte des immerströmenden Werdens.“[10]

Es wird auch erzählt, daß die Neophyten bei ihrer Einweihung einen heiligen Eid leisten mußten: Man ließ sie zählen. Hatten sie die Zahl Vier ausgesprochen, unterbrach man sie und sagte: „Nun hast du unseren Eid ausgesprochen. Wer weiß, was die Eins, Zwei, Drei, Vier enthält, kann die Pforte zum Geheimnis öffnen."[11]

Nun hat diese geheimnisvolle Vierheit einen bemerkenswerten Zusammenhang mit der Welt der Töne[12] (die Lehre von der Harmonik in der Musik geht auf Pythagoras zurück!). Wenn man in einem Raum, in welchem ein Klavier steht, z. B. mit einer Flöte oder einer Klarinette einen bestimmten Ton bläst, so klingen auf dem Klavier diejenigen Saiten mit, welche die Obertöne dieses Tones wiedergeben. Die Frequenzen dieser Obertonreihe aber bauen sich exakt in der Ganzzahlenreihe 1, 2, 3, 4 usf. theoretisch ins Grenzenlose auf. Diese Töne haben also die doppelte, dreifache, vierfache usw. Schwingungszahl des Grundtons und werden reziprok von der halben, drittel, viertel usw. Länge der Saite oder der Luftsäule wiedergegeben. In der Tetraktys sind alle Zahlen bis ins Grenzenlose enthalten; denn das griechische Dezimalsystem sah in den Zehner-Zahlen, wie wir das auch kennen, jeweils die Grundzahl, von der aus von neuem wie von der Eins aus gezählt wurde. In der Zehnheit der Tetraktys liegt somit auch der Anfang des Neubeginns, des Weiterzählens, des permanenten Schöpfungsprozesses. Die Zahl Zehn wurde von den Pythagoräern als „allumfassende, allbegrenzende Mutter“[13] bezeichnet. Mit ihr wird die Vielheit auf einer höheren Ebene wieder zur Einheit im gleichseitigen Dreieck.

Die Schöpfung begann also für Pythagoras – unbewußt! – nicht mit einem Urknall, sondern mit einem Urklang, einem Urton, der dann mit seinen Obertönen die Welt erschuf. Unbewußt deshalb, weil man in der Antike weder die Obertonreihe kannte, noch etwas von den Frequenzen der Töne wußte; wohl kannten die Pythagoreer den harmonikalen und mathematischen Zusammenhang von Saitenlänge und Tonhöhe (Proportionen); ja diesen Zusammenhang entdeckt zu haben, wird heute eindeutig den Pythagoreern zugeschrieben.

Dies ist nur ein Bruchteil der Überlieferungen über die pythagoräische Tetraktys; doch wir müssen uns beschränken.

Das Lambdoma, wie es von A. v. Thimus und H. Kayser rekonstruiert wurde.

Mit dieser musikalischen Betrachtung befinden wir uns gleichzeitig auch in der Symbolik des Lambdomas; denn die Gesetzmäßigkeit von Länge der Saite bzw. Luftsäule und Tonhöhe wurde auf dieser Tafel in Zahlenwerten festgehalten. Boethius[14] (ca. 480–524), der uns vor allem durch sein berühmtes Werk Trost der Philosophie bekannt ist, hat im ersten Buch seiner Geometrie eine Zusammenfassung der Bücher 1 bis 4 der Elemente von Euklid vorgenommen. Er schreibt dort: „Die Pythagoräer hatten, um Irrtümer in ihren Multiplikationen, Zerlegungen und Messungen zu vermeiden [...] zu ihrem Gebrauche eine Formel erdacht, die sie zu Ehren ihres Lehrers die pythagoräische Tafel nannten; weil das, was sie im Bilde entwarfen, durch die Darlegung des Meisters selbst zu ihrer Kunde gelangt war. Diese Tafel wurde von Späteren »abacus« genannt. Dieselbe sollte dazu dienen, was Hohes sie in ihrem Geiste erfaßt, in anschaulicher Weise gleichsam sichtbar dem Auge darzulegen.“[15]

Hier wird deutlich, daß es in der pythagoräischen Zahlensymbolik selbstverständlich nicht nur um musikalische Phänomene geht, sondern daß gewissermaßen das Wesen der Welt darin eingefangen ist.

Iamblichos erläutert diese Tafel in seinem Kommentar zur sogenannten „Kleinen Arithmetik“ des Nikomachos von Gerasa wie folgt: „Nehmen wir vorab die Einheit, und beschreiben wir von einem Winkel derselben aus eine Figur in Gestalt des Lambda »Λ« (des griechischen »L«) und füllen die eine der Seiten der Reihe nach mit den an die Einheit sich anschließenden Zahlen, so weit fortschreitend, als wir eben wollen, z. B. 2 3 4 5 6 usw., die andere Seite aber, beginnend von dem größten der Teile, welcher das seiner Größe nach dem Ganzen zunächstliegende Halbe (1⁄2), ist, der Reihe nach mit den hieran sich anschließenden Teilen 1/3 1⁄4 1/5 1/6 usw., so wird sich unseren Blicken das erwähnte Wechselspiel des einander Ausgleichenden zeigen, und wir werden jenes Gleichgewicht des Mitverknüpften und das wohlgegliederte Verhältnis sehen, welches, wir eben bezeichneten.“[16]

Wir müssen allerdings einräumen, daß die Pythagoräer mit dem Lambdoma eine bereits vorhandene Tradition aufgegriffen und für Forschung und Lehre weiterentwickelt haben; denn in die Tafel des Lambdomas wurden vermutlich bereits von den Sumerern Tonzahlen tabellarisch eingetragen, die es erlaubten, bei der Herstellung von Musikinstrumenten das genaue Verhältnis von Tonhöhe und Saiten- bzw. Rohrlänge systematisch festzustellen.[17]

Auch hier können wir auf weitere Einzelheiten nicht eingehen, um uns nicht zu weit von unserem Thema zu entfernen.[18]

Betrachten wir noch kurz das Pentagramma, das als Heilszeichen der Pythagoräer gilt. Dieser fünfstrahlige Stern, den man in einem Zuge zeichnen kann, tritt bereits in steinzeitlichen Felsritzungen auf, wie der Pentagrammforscher Otto Stöber in einer umfassenden Drudenfuß-Monographie zusammengetragen hat.[19] Es wurde zu einem der bekanntesten Symbole in der Esoterik und in der Magie, wie aus dem Namen Drudenfuß hervorgeht. Das Pentagramm entsteht, wenn man die jeweils gleichen Konstellationen der Venus mit der Sonne in ihrer Aufeinanderfolge auf dem Tierkreis durch eine Linie miteinander verbindet.[20] Dieses Symbol stammt also im echten Wortsinn aus dem Universum. Und man wird an die mit dem Pythagoräertum eng verbundenen Begriffe der kosmischen oder Sphärenharmonie erinnert, wenn man erfährt, daß in diesem Pentagramm der Goldene Schnitt enthalten ist, der in der antiken Architektur eine große Rolle spielte und den Gebäuden harmonische Proportionen verlieh (a : b = b : (a + b). So fand dieses Symbol auch als „Schlüsselfigur“ Eingang in die Architektur des Mittelalters.

 Warum Esoterik?

Immer wieder begegnen wir bei den Pythagoräern dem Lauschen auf die Harmonie der Schöpfung, auf jene Gesetzmäßigkeiten, die – wie in der Musik besonders deutlich wird – auf das Gemüt des Menschen eine harmonisierende Wirkung ausüben können.

Und damit sind wir ganz nahe an der Esoterik. Denn man kann ja die berechtigte Frage stellen, inwiefern die Betrachtung und Erläuterung dieser Symbole so esoterisch sein soll, daß Pythagoras sie nur dem „inneren Kreis“ seiner Schüler anvertraute. Wir selbst haben doch soeben eine öffentliche Betrachtung darüber angestellt. Aber es dürfte einleuchten, daß die Verwendung eines Symbols im Kult – sei es die feierliche Enthüllung des Allerheiligsten oder ein Symbol für das Unaussprechliche bei der Anrufung der Gottheit – eine stark emotionale Wirkung auf den Teilnehmer am Kult ausüben kann, also eine ganz andere Wirkung als bei der rationalen Betrachtung seiner Bedeutung. Die Wirkung einer kleinen runden Oblate im Schaufenster einer Konditorei ist nicht zu vergleichen mit derjenigen des gleichen Objektes beim heiligen Mahl auf den Gläubigen. Aristoteles lehrt uns, daß

„diejenigen, die in Mysterien eingeweiht werden, nicht mehr lernen (mathein), sondern erfahren (pathein) sollen“.[21]

Und sowird es Pythagoras darauf angekommen sein, anhand von Symbolen seinen esoterischen Schülern das Wesen der Schöpfung seelisch ergreifend bewußt zu machen. Es war eine kontemplative Belehrung, vielleicht sogar eine geführte Meditation. Hans Kayser versucht in seinem Buch Akróasis – die Lehre von der Harmonik der Welt die Verbindung vom Naturwissenschaftler Pythagoras zum Esoteriker herzustellen, wenn er schreibt:

„Von grundsätzlicher Wichtigkeit wurde jedoch der Pythagoräismus für das heutige wissenschaftliche Denken insofern, als mit seiner Entdeckung des zahlenmäßig fixierbaren Verhältnisses von Tonhöhen und Saitenlängen die Geburtsstunde der abendländischen Wissenschaft geschlagen hatte. Qualitatives (Töne) war auf Quantitatives (Saiten = Wellenlängen) exakt zurückgeführt. Am Anfang des europäisch-exaktwissenschaftlichen Denkens steht also die Harmonik! Wer pythagoräisch zu denken gewohnt ist, muß hier freilich eine bedeutsame Einschränkung machen. Wenn Pythagoras, sicher weit älteren Traditionen folgend, das Hörbare (Qualitatives) in Zahlen (Quantitatives) umwandelte, so war für ihn und seinesgleichen das Umgekehrte mindestens ebenso wichtig: Quantitatives, Materielles und mittels der Zahl Berechenbares (Saitenlänge, Monochord) erhielt eine seelische Gestalt, einen psychischen Wert (Intervalle, Töne); denn man konnte ja die Zahlenverhältnisse hören! Man muß sich in die Seele eines alten Griechen hineinversetzen, um zu ermessen, was das für ihn bedeutete! Da lag vor ihm das Monochord: ein gewöhnlicher Holzkasten mit einer darübergespannten Saite – alles materielle Dinge. Ein bestimmter Teil dieser Saite, also ein bestimmtes Stück Materie, gab diesen Ton, ein größeres oder kleineres Stück derselben Materie gab andere Töne. Klang da nicht herauf und herüber in unsere Seele das Wesen der Materie selbst, und verrieten die damit verbundenen Zahlenverhältnisse der Saite nicht eine tiefe innere Entsprechung zwischen dem »Ich« und dem »Du«? Die Prinzipien Maß und Wert gingen hier eine wunderbare Ehe ein; eines erkannte sich im anderen: das Maß der Saite im Wert des empfundenen, gefühlten Tones, und der Wert dieses Tones im Maß der Saite. Vornehmlich dieser letzte Aspekt des Pythagoräismus mußte seine Anhänger immer wieder begeistert, ja erschüttert haben. Auf Grund dieses Erlebnisses der tönenden Zahlen begann die Welt zu klingen. Die Materie erhielt eine psychische Tektonik (eine seelische Struktur), und das Geistige, das Reich der Ideen, einen konkreten Halt in den harmonikalen Gestalten und Formen: eine Brücke zwischen Sein und Wert, Welt und Seele, Materie und Geist war gefunden.“[22]

Vielleicht ahnen wir an dieser Stelle, daß in der pythagoräischen Weltbetrachtung – ausgelöst von einer naturwissenschaftlichen Erkenntnis! – ein Bereich betreten wird, der so sensibel ist, daß er nicht nur zur damaligen Zeit den Spott so manches sich klug dünkenden Rationalisten ausgelöst hätte. Ich glaube, daß man einige Hinweise in Platons Siebentem Brief auch in dieser Richtung auslegen kann, obgleich hierüber kontroverse Auffassungen bestehen. Platon schreibt:

„So viel indes kann ich von allen versichern, die darüber geschrieben haben und schreiben werden und die sich für wohlunterrichtet ausgeben über den Inhalt meiner philosophischen Bestrebungen, mögen sie es nun von mir gehört haben wollen oder von anderen oder mögen sie es selbst gefunden haben: sie verstehen von der Sache gar nichts; meiner Meinung nach wenigstens ist das ganz unmöglich. Wenigstens gibt es von mir selbst keine Schrift darüber und wird auch keine geben. Denn es steht damit nicht so wie mit anderen Lehrgegenständen: es läßt sich nicht in Worte fassen, sondern aus lange Zeit fortgesetztem, dem Gegenstande gewidmetem wissenschaftlichem Verkehr und aus entsprechender Lebensgemeinschaft tritt es plötzlich in der Seele hervor wie ein durch einen abspringenden Funken entzündetes Licht und nährt sich dann durch sich selbst. So viel weiß ich indes, daß es am besten immerhin noch von mir selbst vorgetragen würde, nicht minder auch, daß es bei schlechter schriftlicher Abfassung mir sehr viel Herzenskummer bereiten würde. Wäre es aber meiner Ansicht nach möglich, diese Dinge in einer für das Publikum befriedigenden Weise niederzuschreiben oder mündlich vorzutragen, was könnte ich dann für ein schöneres Werk aufweisen in meinem Leben als der Menschheit durch solche Schrift ein großes Heil zu bescheren und das Wesen der Dinge für alle ans Licht gezogen zu haben. Aber meines Erachtens bringt ein dahin gericht ter Versuch schwerlich einen Gewinn für die Menschen, höchstens für die wenigen, die auf einen kleinen Wink hin selbst im Stande sind, es zu finden; die übrigen aber würden dadurch sehr zum Schaden der Sache teils mit einer übel angebrachten Verachtung der Philosophie erfüllt werden, teils mit einem ganz übertriebenen und hohlen Selbstbewußtsein, als wären sie im Besitze wer weiß welcher hohen Weisheit.“[23]

Erinnern wir uns daran, wie das, was von der pythagoräischen Wiedergeburtslehre nach außen drang, bereits von Zeitgenossen bespöttelt und verhöhnt wurde.[24] Und wie soll man einer solchen Umwelt verständlich machen, daß die Zahlen in der pythagoräischen Philosophie als Sinnbilder für ideelle Wirklichkeiten gedeutet werden.[25] Sinn der pythagoräischen Geheimhaltung und damit auch der Esoterik verständlich zu machen. So könnte man fortfahren, um den Sinn der pythagoräischen Geheimhaltung und damit auch der Esoterik verständlich zu machen.

Die Symbola

Damit wollen wir die dargestellten Symbole verlassen und uns einem anderen Bereich zuwenden, jenen oft so dunklen Hörsprüchen aus der pythagoräischen Lehre, die in sehr verschlüsselter Form Weisheiten zum Ausdruck bringen und darum wiederum „Symbola“ genannt werden.

Wir erinnern uns an das Problem, daß bis heute keine Schriften oder Fragmente mit Sicherheit auf Pythagoras selbst zurückgeführt werden können. Allerdings wäre es ja auch bei einer rein mündlichen Überlieferung möglich, daß über seine Schüler „ipsissima verba“ – wie Christoph Riedweg formuliert26 – auf uns gekommen sind. So werden nach Riedweg die zahlreichen „Hörsprüche“ (Akúsmata) mit ihren u. a. detaillierten Vorschriften für das Verhalten der Pythagoräer heute weitgehend als authentisch angesehen. Daher kommt Riedweg auch zu der Schlußfolgerung:

„Das Leben der Pythagoräer war mittels unzähliger Ver- und Gebote durch und durch ritualisiert. Selbst alltägliche Kleinigkeiten wie das Anziehen der Schuhe waren skrupulös geregelt (in Übereinstimmung mit der allgemeinen Privilegierung der rechten Seite durch die Pythagoräer sollte mit dem rechten Fuß begonnen werden). Eine vergleichbare Regeldichte kennt man in der Antike eigentlich nur von Kultpriestern, deren Lebensweise zumal im Vorfeld der von ihnen zu vollziehenden Riten z. T. erheblichen Restriktionen unterlag (als Priester hatten sie in diesen Augenblicken besonders hohen Reinheitsansprüchen zu genügen). Ob sich die Pythagoräer selbst vielleicht als eine Art Priester, ihr ganzes Leben als einen fortwährenden, bis in Einzelheiten durch Riten geordneten Kult verstanden? Auf die Einhaltung der rituellen Vorschriften und die daraus resultierende überlegene »Reinheit« wird sich jedenfalls nicht zuletzt ihre Hoffnung gegründet haben, im Jenseits und im Reinkarnationszyklus ein besseres Los zu erhalten.“[26]

Man ist versucht zu fragen, ob die ungefilterte Übernahme solcher Vorschriften über die totale Ritualisierung des Alltags bei den Schülern des Pythagoras nicht Akzeptanzprobleme hervorgerufen habe. Aus dieser Sicht ist es interessant, sich einem Pythagorasforscher zuzuwenden, der mit einem ganz anderen Ansatz an dieses Thema herangeht. Leonid Zhmud von der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg hat im Newsletter vom 6. Juni 2006 der Pythagoras Stiftung einen Aufsatz veröffentlicht mit dem Titel: Pythagoreische Kommunitäten: vom Einzelportrait zur Gesamtheit. [27] Der Autor stellt in diesem Aufsatz fest, daß man in den antiken Quellen keinen einzigen Pythagoräer finden könne, der nachweislich diese Vorschriften eingehalten oder übernatürliche Fähigkeiten besessen habe. Man finde auch keinen Hinweis auf ihren Glauben an eine Seelenwanderung. „Sie sind so normal wie sie nur sein können [as normal as they can possibly be]“. Und es sei gerade ihre »Normalität«, fährt Zhmud fort, die einen besonderen Reiz auf ihn ausübe; denn diese seien schließlich die Schüler und Nachfolger von Pythagoras gewesen und man könne von ihnen Bedeutendes über den Meister und über die Gesellschaft lernen, die er gegründet habe. Er nennt hier die Namen der berühmten Ärzte Demokedes und Alkmaion, die Olympioniken Milon und Ikkos, den Botaniker Menestor, die Philosophen Hippon und Philolaos und die Mathematiker Hippasos und Theodoros und folgert:

„Wenn also die Pythagoräer, die wir kennen, nicht die abergläubischen Ritualisten waren [superstitious ritualists], denen es nicht erlaubt war, sich auf den vielbegangenen Straßen zu bewegen, öffentliche Bäder zu benutzen, in der Dunkelheit zu sprechen, über ein Joch zu steigen, auf dem Kornmaß zu sitzen, mit einem Messer das Feuer zu schüren usw., dann müssen wir herausfinden, wer diese Ritualisten waren. Wenn sie nicht zu finden sind, dann tun wir besser daran, die Idee aufzugeben, daß solche Pythagoräer jemals existierten.“

Wir finden hier einen ganz anderen Forschungsansatz, als diejenigen von Riedweg, Burkert und ihren Vorgängern. Zugegeben, diese haben in ihren Arbeiten auch stets die Fragwürdigkeit und internen Widersprüche so mancher Überlieferungen aus der antiken Literatur hervorgehoben; aber die pragmatische Art, mit der Leonid Zhmud den Blick auf die historisch bekannten Pythagoräer richtet, verdient doch unsere Aufmerksamkeit. Daß er bei seiner temperamentvollen Infragestellung der Akúsmata mit keinem Wort die Möglichkeit einer symbolischen Auslegung erwähnt, ist wohl eher als dialektischer Kunstgriff zu verstehen. Diese wird bei Riedweg ausführlich behandelt.[28] „Schüre das Feuer nicht mit dem Schwert!“ wird dann zu einer Weisheitslehre, zu einer Anweisung für eine friedfertige Lebenshaltung in dem Sinne, daß man dort, wo ohnehin die Wogen der Emotionen hochschlagen, nicht selbst noch Zündstoff in die Auseinandersetzung wirft. „Sich nicht auf den vielbegangenen Straßen bewegen“ bedeutet dann die Aufforderung, nicht der Meinung der Masse zu folgen, sondern selbst zu denken. Besonders sympathisch wirkt der Spruch „Mache der vorüberziehenden Herde Platz!“ Eine Mission, ein Aufdrängen der Lehre wäre absolut unpythagoräisch. Ähnliche symbolische Auslegungen sind bei vielen Akúsmata möglich und wurden bereits in der Antike in unterschiedlicher Weise vorgenommen;[29] andere bleiben im Dunkel, könnten aber im Zusammenhang mit den geheimen Lehren des Pythagoras stehen, die wir nicht kennen, und wurden dann nur von den Eingeweihten verstanden. Hierzu hat Christoph Riedweg eine sehr plausible Erklärung gefunden, indem er einige Beispiele anführt und dann folgert:

„Die zuletzt angeführten Beispiele lassen sich mühelos in den obigen Frage-Antwortmodus umsetzen: »Was sind die Tränen des Kronos? Das Meer. Was sind die Hände der Rhea? Der Große und Kleine Bär« usw. In dieser Form muten die Sprüche wie frühe Beispiele von Allegoresen an: Sie entschlüsseln den eigentlichen, wahren Sinn einer (bildlichen) mythischen Ausdrucksweise. Wenn solche Entschlüsselung, wie zu vermuten ist, den zum Geheimbund gehörenden Anhängerinnen und Anhängern vorbehalten blieb, dann leuchtet auch das Schwanken in der Überlieferung ohne weiteres ein: Nach außen sprach Pythagoras »mystisch-symbolisch«, – d. h. in der Sprache des traditionellen Mythos – von den Tränen des Kronos, den Händen der Rhea usw. Im Innern aber erläuterte er den Sinn solcher Rede und gab eine »rationale«, naturphilosophische Erklärung für die Mythologeme. Wir kennen entsprechendes aus den antiken Mysterienweihen, die – was gerne übersehen wird – alle auch einen lehrhaften Teil hatten, in dem die Initiandinnen und Initianden in den Kultmythos und sein richtiges Verständnis eingeführt wurden. Verschiedene antike Zeugnisse lassen erkennen, mit welcher Selbstverständlichkeit der eleusinische Mythos von der Entführung der Persephone durch Hades und Demeters Suche nach der verlorenen Tochter so gedeutet wurde, daß man in Demeter die »Mutter Erde« sah und in ihrer Tochter Persphone das Korn. Bei den orphisch-bakchischen Mysterien wurde der Mythos von der Zerstückelung des Dionysos durch die Titanen »Schritt für Schritt mit der Weinbereitung in Parallele gesetzt«, und auch für andere Mysterienkulte ist diese Art von Naturallegorese gut belegt.“[30]

Leonid Zhmud führt in seinem pragmatischen Ansatz übrigens historisch fassbare „Wundertaten“ von Pythagoräern an, wie er scherzhaft formuliert, nämlich die Treue zu ihren Freunden, wie sie von Damon und Phintias überliefert ist und wie sie uns Schiller in seiner Ballade Die Bürgschaft lebendig vergegenwärtigt hat. Historisch ist wohl auch das „übermenschliche“ Verhalten des Pythagoräers Milon – ein Athlet und General –, den Aristoteles polýphagos nannte, den Vielfraß, weil er nach späteren Quellen täglich etwa neun Kilo Fleisch und ebensoviel Brot verschlungen und zehn Liter Wein getrunken haben soll. Er war aber sicher ein tüchtiger Olympionike und General.

Auswirkung der Esoterik des Pythagoras

Was sich aus alledem als sicher herausschälen läßt, gewissermaßen als Auswirkung der Esoterik des Pythagoras, das ist die Ausstrahlung eines charismatischen Mannes, die zu einer großen Anhängerschaft führte, in welcher ethische Werte hochgehalten wurden wie Freundschaft und Treue, Ehrfurcht vor dem Göttlichen und seiner Schöpfung, Selbstbeherrschung und Friedfertigkeit; eine Anhängerschaft, in der Gedanken gepflegt wurden, wie jene, daß der Mensch ein Teil des Kosmos sei, jenes großen Organismus der Ordnung und Schönheit, und daß deshalb der Mensch Harmonie mit allem – den Mitmenschen, der Natur und den Dingen – anzustreben habe, weil er eine Geistseele habe und deshalb mit dem Allgeist eng verwandt sei; daß er einen göttlichen Funken in sich trage, welcher sein eigentliches Sein ausmache; eine Anhängerschaft auch, die große Philosophen, erfolgreiche Naturwissenschaftler, Ärzte und Politiker hervorgebracht hat, und die, getreu dem vorsokratischen Denken eine „aufgeklärte“ Weltanschauung an den Tag legte, ein Denken, das man geradezu als modern bezeichnen darf, wenn man unter vielen möglichen Beispielen an das „Zentralfeuer“ denkt, das von der Erde umkreist wird; ein Denken, in welchem es keinen Gegensatz zwischen religiösen Aussagen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen oder der Vernunft geben kann.

Wir haben es andererseits bei den Pythagoräern mit Menschen zu tun, die wirklich menschlich waren. Wir finden in den Überlieferungen durchaus auch anfechtbare Erscheinungen in den Gemeinschaften wie aristokratische Strömungen[31] bis hin zu einer gewissen elitären Überheblichkeit (z. B. das Aufschütten eines Grabhügels für einen Hörer, der nicht für würdig befunden und deshalb abgewiesen wurde und den man wie einen Fremden behandelte, wenn man ihm nach seinem Ausschluß wieder begegnete).[32]

Alles in allem erscheint uns der pythagoräische Orden der Antike nach solchen Untersuchungen vielleicht greifbarer und näher, und wir erkennen, daß Esoterik nur dann akzeptabel ist, wenn sie den Menschen auch für die Bewältigung seines Lebens im Diesseits tüchtiger macht.

Literatur

  • Burkert Walter: Weisheit und Wissenschaft. Nürnberg 1962.
  • Burkert Walter: Antike Mysterien. C.H.Beck München 1990. ISBN 3-406-341590
  • Endres Franz Carl und Annemarie Schimmel: Das Mysterium der Zahl. Zahlensymbolik im Kulturvergleich. Diederichs 2. Aufl. Köln 1985. ISBN 3-424-00792-7
  • Gadamer Hans-Georg: Der Anfang der Philosophie. Reclam Stuttgart 1999. 3-15-009495-X
  • Haase Rudolf: Der meßbare Einklang. Grundzüge einer empirischen Weltharmonik. Klett Stuttgart 1976. ISBN 3-12-903230-4
  • Jamblich: Pythagoras. Legende – Lehre – Lebensgestaltung. Wissenschaftl. Buchgesellsch. Darmstadt 2002. ISBN 3-534-14945-9
  • Kayser Hans: Akroasis – Die Lehre von der Harmonik der Welt. Stuttgart 1947
  • Kayser Hans: Lehrbuch der Harmonik. Zürich 1950.
  • Platon: Siebenter Brief. In: Platon, sämtliche Dialoge. Übers. u. hrsg. von Otto Apelt. FelixMeiner Verlag Hamburg 1988. ISBN 3-7873-0920-9
  • Riedweg Christoph: Pythagoras. Leben – Lehre – Nachwirkung. C.H.Beck München 2002. ISBN 3-406-48714-9
  • Schwabe Julius: Arithmetische Tetraktys, Lambdoma und Pythagoras in: ANTAIOS Bd. VIII, Nr. 5, Januar 1967. Ernst Klett Verlag Stuttgart
  • Schwabe Julius: Archetyp und Tierkreis. Grundlinien einer kosmischen Symbolik und Mythologie. Gauke Hann. Münden 1987. ISBN 3-87998-532-4
  • Stöber Otto: Drudenfuß-Monographie. Neydharting 1981
  • Thimus Albert von: Die harmonikale Symbolik des Altertums. Köln 1868–1876. Bd I
  • Weinreb Friedrich: Der göttliche Bauplan. Zürich 1973

Anmerkungen

  1. ↑ Gadamer 1999, S. 50 f.
  2. ↑ Vgl. Riedweg 2002, S. 62
  3. ↑ vgl. dagegen die Pythagoras-Vita des Porphyrios: ΠΕΡΙ ΤΟΥ ΠΥΘΑΓΟΡΟΥ ΒΙΟΥ (Über das Leben des Pythagoras)
  4. ↑ Iamblichos: Über das pythagoräische Leben, [XVII] 72
  5. ↑ Das ô steht hier für ein gedehntes o, griech.: omega.
  6. ↑ Eine aufschlußreiche Definition des Begriffs Sekte findet sich bei Christoph Riedweg 2002, S. 129 ff. Danach weicht der antike Begriff secta weit vom heutigen Gebrauch ab und wurde u. a. auch für philosophische Schulrichtungen gebraucht; z. B. die secta der Stoiker. In diesem Sinne trifft er natürlich auch für die Pythagoreer zu.
  7. ↑ Vgl. Leonid Zhmud: Pythagorean communities: from the individual to the collective portrait. In: Pythagoras Foundation Newsletter, No. 6, June 2006, S. 11. Zu finden über Website http://www.stichting-pythagoras.nl.
  8. ↑ vgl. Riedweg a.a.O. S. 90
  9. ↑ Vgl. u. a. Burkert 1962, Register: „Ägypten und Pythagoras“; – Riedweg 2002, Register: Ägypten und Myste- rien; – Jamblich 2002, Register: Ägypten und Mysterien
  10. ↑ Iamblichos a.a.O. [XXVIII]150
  11. ↑ 11 Weinreb 1973, S. 36
  12. ↑ vgl. zu den folgenden Feststellungen Haase 1976, gesamtes Werk
  13. ↑ vgl. Endres/Schimmel, S. 197
  14. ↑ röm. Philosph und Staatsmann
  15. ↑ zit. nach Haase 1966, S. 32
  16. ↑ zit. nach Thimus: Bd I, S. 132 ff.
  17. ↑ vgl. Julius Schwabe 1967
  18. ↑ Zur weiteren Vertiefung dieser Thematik seien die im Literaturverzeichnis aufgeführten Werke von Albert von Thimus, Hans Kayser, Rudolf Haase und Julius Schwabe empfohlen.
  19. ↑ Stöber 1981
  20. ↑ Der Schweizer Astronom Martin Knapp wählte hierzu die jeweils obere Konjunktion der Jahre 1922–1928. Die Abb. ist der folgenden Schrift entnommen: Martin Knapp, Dr.: Pentagramma Veneris. In Kommission bei Hel- big & Lichtenhahn Basel 1934
  21. ↑ Zit. nach Burkert 1990, S. 58
  22. ↑ Kayser 1947, S. 12 f.
  23. ↑ 341 St.
  24. ↑ vgl. Riedweg a.a.O. S. 87
  25. ↑ vgl. ders. S. 40
  26. ↑ Riedweg a.a.O. S. 92
  27. ↑ Originaltext: Pythagorean communities: from the individual to the collective portrait. Vgl. Fußnote 2
  28. ↑ vgl. Riedweg a.a.O. S. 89 ff.
  29. ↑ ders. S. 91 f.
  30. ↑ Riedweg a.a.O. S. 100 f.
  31. ↑ Vgl. Riedweg a.a.O. Register: Aristokratie
  32. ↑ Iamblichos a.a.O. [XVII] 73