▷ Rudolf Carnaps Aufsatz
Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache (1932) zeigt schon im Titel die metaphysikkritische Ausrichtung. Seiner These zufolge sind metaphysische Sätze lediglich
Scheinsätze. Gemeint ist: Sie besitzen zwar die grammatikalische Form eines sinnvollen Satzes, bringen jedoch keinen möglichen (
denkbaren, aber nicht erforderlich existierenden) Sachverhalt zum Ausdruck – sie können also gar nicht wahr oder falsch sein. Scheinsätze entstehen nach Carnap auf zweierlei Arten: Zum einen dadurch, dass in einem Satz Wörter verwendet werden, die keine
Bedeutung besitzen, da die so gebildeten Sätze empirisch nicht überprüfbar seien. Zum anderen entstehe ein Scheinsatz, wenn Wörter miteinander verknüpft werden, die fundamental unterschiedlichen semantischen
Kategorien entstammen. So wird in dem Satz „Cäsar ist eine Primzahl“ das Wort „Primzahl“, das nur auf Zahlen anwendbar ist, auf ein Wort bezogen, das keine Zahl bezeichnet: „Cäsar“. Dieser Satz ist somit weder wahr noch falsch, sondern sinnlos. Zudem müsse nach Carnap der Sinn einer Aussage angegeben werden, wenn sie einen neuen oder zweifelhaft legitimen, d. h. hinsichtlich seiner wissenschaftlichen Verwendbarkeit strittigen Begriff enthält. Dafür sei es
notwendig und hinreichend zu nennen, in welchen Fällen von Erfahrung sie wahr und in welchen sie falsch sein soll.
[1] Die Sinnlosigkeit metaphysischer Sätze liegt nun an ihrer von Kant bestimmten Charakteristik: Da sie
synthetische Urteile a priori sein sollen, die sich empirischer Erkenntnis generell entziehen, seien sie
per se sinnlos. Die Daseinsberechtigung der Metaphysik besteht laut Carnap nur darin, wie die Kunst ein
Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen: „Metaphysiker sind Musiker ohne musikalische Fähigkeit“.
[2]