„Reich“ – Versionsunterschied
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* Reich n. ‘Herrschaftsgebiet (eines Kaisers, Königs), Staat, Imperium’, übertragen ‘Bereich’. | |||
** Für das gemeingerm. Substantiv | |||
*** ahd. rīhhi ‘Herrschaft, Reich, Gegend, Landschaft, Umgebung, Bereich, Himmelsrichtung’ (8. Jh.), | |||
*** mhd. rīch(e) ‘Herrschaft, beherrschtes Land, Reich, Regierung’, | |||
*** asächs. anord. rīki ‘Reich, Herrschaft, Macht’, | |||
*** mnd. mnl. rīke, | |||
*** nl. rijk ‘Reich, Staat’, | |||
*** afries. rīk(e), | |||
*** aengl. rīce (erhalten in engl. bishopric ‘Bistum’), | |||
*** swed. rike, | |||
*** got. reiki ‘Reich, Herrschaft, Obrigkeit’ | |||
** wird | |||
*** (wie für got. reiks, aengl. rīca ‘Herrscher’ und das Adjektiv ''[[reich]]'', s. d.) | |||
** Herkunft aus dem Kelt. angenommen. | |||
** In diesem Falle ist germ. *rīkja- ‘Herrschaft’ | |||
*** entweder als direkte Entlehnung (vor der germ. Lautverschiebung mit germ. k aus g) | |||
**** aus kelt. *rīgiom (uig. *[[rēg̑i̯om]]; | |||
***** vgl. mir. rīge ‘Königsherrschaft’ und Ortsnamen wie Icorigium) | |||
**** oder als ja-Bildung zu germ. *rīk- ‘Herrscher, Obrigkeit’ | |||
***** (vgl. got. reiks, s. oben) | |||
**** aufzufassen, | |||
***** das seinerseits aus kelt. *rīgs (uig. *[[rēg̑s]], lat. [[rēx]] ‘König’; vgl. air. rī, Genitiv rīg) | |||
***** stammt. | |||
** Auszugehen ist (bei kelt. ī aus ie. ē) | |||
*** von der unter ''[[recht]]'' (s. d.) angeführten Wurzel uig. *[[reg̑-]] ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’. | |||
** Auf den Zusammenhang der Übernahme des Wortes als Herrschertitel und als Bestandteil von Personennamen aus dem Kelt. deutet de Vries Nl. 576 hin. | |||
*** Er verweist | |||
**** auf die zahlreichen | |||
***** (zunächst latinisiert überlieferten) | |||
**** germ. Namen wie Theuderīcus (nhd. Dietrich), Ermanarīcus, Childericus | |||
***** nach dem Vorbild gall. Namen wie (in lat. Überlieferung) Vercingetorīx, Dumnorīx. | |||
** Echt germ. Bildungen zur oben genannten Wurzel liegen vor in | |||
*** anord. -rekr, -reki ‘Herrscher, Fürst’ | |||
**** in den Zusammensetzungen folkrekr, landreki | |||
**** und in Personennamen (Gautrekr). | |||
** Dagegen lehnt Trier in: Nachr. d. Akad. d. Wiss. Göttingen, Phil.-hist. Kl. (1943) 535 ff. | |||
*** eine Entlehnung vor der germ. Lautverschiebung ab | |||
*** und meint, daß das g der kelt. Formen durch Anlehnung an eine im Germ. bestehende Wortsippe der „Zaun- und Hege“-Basis (*rīk-) zu k geworden | |||
*** und eine Bedeutung ‘Macht, Herrschaft’ aus dem Begriff der ‘Einhegung’ hervorgegangen sei. | |||
*** v. Polenz in: ZfdPh 76 (1957) 80 ff. weist kelt. Herkunft der Wortgruppe ab. | |||
**** Er macht geltend, daß Reich von ahd. Zeit an bis ins 19. Jh. nicht auf ‘Macht’ und ‘Herrschaft’ beschränkt sei, | |||
***** es stehe in vornehmlich unpolitischer Verwendung als allgemeine Raumbezeichnung im Sinne von ‘Bereich’, | |||
****** bezeichne also ‘Landschaft, Gegend, Umgebung, Bereich, Himmelsrichtung’, | |||
****** vgl. ahd. erdrīhhi ‘das Reich auf Erden, Erdreich, -oberfläche, -boden’ (um 800), woroltrīhhi ‘Welt(reich)’ (9. Jh.), himilrīhhi ‘Himmelreich’ (9. Jh.), ōstarrīhhi ‘Morgenland, Orient’ (8. Jh.). | |||
**** Zugrundeliegendes germ.*rīkja- ‘Bereich’ | |||
***** stelle sich danach als ablautende Bildung zu dem unter ''[[reichen]]'' (s. d.) behandelten westgerm. jan-Verb, | |||
****** das selbst, zur Ablautstufe germ. *raik- gebildet, zur Wurzel uig. *[[rēig̑-]] ‘recken, ausstrecken’ gehöre. | |||
**** Die Bedeutung ‘Macht, Herrschaft’ sei aus ‘Bereich, räumliche Erstreckung’ hervorgegangen, | |||
***** eine Entwicklung, die semantisch | |||
****** (auch angesichts der genannten Beispiele und der gesamten zu Reich gehörenden Wortgruppe, s. reich) | |||
****** wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat. | |||
Aktuelle Version vom 8. Juni 2025, 06:01 Uhr
- Reich n. ‘Herrschaftsgebiet (eines Kaisers, Königs), Staat, Imperium’, übertragen ‘Bereich’.
- Für das gemeingerm. Substantiv
- ahd. rīhhi ‘Herrschaft, Reich, Gegend, Landschaft, Umgebung, Bereich, Himmelsrichtung’ (8. Jh.),
- mhd. rīch(e) ‘Herrschaft, beherrschtes Land, Reich, Regierung’,
- asächs. anord. rīki ‘Reich, Herrschaft, Macht’,
- mnd. mnl. rīke,
- nl. rijk ‘Reich, Staat’,
- afries. rīk(e),
- aengl. rīce (erhalten in engl. bishopric ‘Bistum’),
- swed. rike,
- got. reiki ‘Reich, Herrschaft, Obrigkeit’
- wird
- (wie für got. reiks, aengl. rīca ‘Herrscher’ und das Adjektiv reich, s. d.)
- Herkunft aus dem Kelt. angenommen.
- In diesem Falle ist germ. *rīkja- ‘Herrschaft’
- entweder als direkte Entlehnung (vor der germ. Lautverschiebung mit germ. k aus g)
- Auszugehen ist (bei kelt. ī aus ie. ē)
- Auf den Zusammenhang der Übernahme des Wortes als Herrschertitel und als Bestandteil von Personennamen aus dem Kelt. deutet de Vries Nl. 576 hin.
- Er verweist
- auf die zahlreichen
- (zunächst latinisiert überlieferten)
- germ. Namen wie Theuderīcus (nhd. Dietrich), Ermanarīcus, Childericus
- nach dem Vorbild gall. Namen wie (in lat. Überlieferung) Vercingetorīx, Dumnorīx.
- auf die zahlreichen
- Er verweist
- Echt germ. Bildungen zur oben genannten Wurzel liegen vor in
- anord. -rekr, -reki ‘Herrscher, Fürst’
- in den Zusammensetzungen folkrekr, landreki
- und in Personennamen (Gautrekr).
- anord. -rekr, -reki ‘Herrscher, Fürst’
- Dagegen lehnt Trier in: Nachr. d. Akad. d. Wiss. Göttingen, Phil.-hist. Kl. (1943) 535 ff.
- eine Entlehnung vor der germ. Lautverschiebung ab
- und meint, daß das g der kelt. Formen durch Anlehnung an eine im Germ. bestehende Wortsippe der „Zaun- und Hege“-Basis (*rīk-) zu k geworden
- und eine Bedeutung ‘Macht, Herrschaft’ aus dem Begriff der ‘Einhegung’ hervorgegangen sei.
- v. Polenz in: ZfdPh 76 (1957) 80 ff. weist kelt. Herkunft der Wortgruppe ab.
- Er macht geltend, daß Reich von ahd. Zeit an bis ins 19. Jh. nicht auf ‘Macht’ und ‘Herrschaft’ beschränkt sei,
- es stehe in vornehmlich unpolitischer Verwendung als allgemeine Raumbezeichnung im Sinne von ‘Bereich’,
- bezeichne also ‘Landschaft, Gegend, Umgebung, Bereich, Himmelsrichtung’,
- vgl. ahd. erdrīhhi ‘das Reich auf Erden, Erdreich, -oberfläche, -boden’ (um 800), woroltrīhhi ‘Welt(reich)’ (9. Jh.), himilrīhhi ‘Himmelreich’ (9. Jh.), ōstarrīhhi ‘Morgenland, Orient’ (8. Jh.).
- es stehe in vornehmlich unpolitischer Verwendung als allgemeine Raumbezeichnung im Sinne von ‘Bereich’,
- Zugrundeliegendes germ.*rīkja- ‘Bereich’
- Die Bedeutung ‘Macht, Herrschaft’ sei aus ‘Bereich, räumliche Erstreckung’ hervorgegangen,
- eine Entwicklung, die semantisch
- (auch angesichts der genannten Beispiele und der gesamten zu Reich gehörenden Wortgruppe, s. reich)
- wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat.
- eine Entwicklung, die semantisch
- Er macht geltend, daß Reich von ahd. Zeit an bis ins 19. Jh. nicht auf ‘Macht’ und ‘Herrschaft’ beschränkt sei,
- Für das gemeingerm. Substantiv