„Pythagoras/Leben“ – Versionsunterschied
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Die Seite wurde neu angelegt: „Da verlässliche Quellen fehlen, die Legendenbildung schon früh wucherte und die überlieferten Berichte einander widersprechen, sind viele Angaben über das Leben des Pythagoras in der wissenschaftlichen Literatur umstritten. Der aktuelle Forschungsstand ergibt folgendes Bild: Pythagoras wurde wohl um 570 v. Chr.<ref>Zur Datierung Leonid Zhmud: ''Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus'', Berlin 1997, S. 51 f.</ref>…“ |
K removed Category:Über Pythagoras von Samos; added Category:Werk über Pythagoras using HotCat |
||
| (14 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
Da verlässliche Quellen fehlen, die [[Legende|Legendenbildung]] schon früh wucherte und die überlieferten Berichte einander widersprechen, sind viele Angaben über das Leben des Pythagoras in der wissenschaftlichen Literatur umstritten. Der aktuelle Forschungsstand ergibt folgendes Bild: Pythagoras wurde wohl um 570 v. Chr.<ref>Zur Datierung Leonid Zhmud: ''Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus'', Berlin 1997, S. 51 f.</ref> als Sohn des Mnesarchos geboren, der auf der Insel [[Samos]] lebte. Mnesarchos stammte wahrscheinlich nicht (wie behauptet wurde) aus einer vornehmen samischen Familie, sondern war ein eingewanderter erfolgreicher Kaufmann (nach anderer Überlieferung [[Glyptik|Steinschneider]]).<ref>James A. Philip: ''Pythagoras and Early Pythagoreanism'', Toronto 1966, S. 185 f.; Nancy Demand: ''Pythagoras, Son of Mnesarchos''. In: ''[[Phronesis (Zeitschrift)|Phronesis]]'' 18, 1973, S. 91–96.</ref> Als Lehrer des Pythagoras wird am häufigsten der Philosoph [[Pherekydes von Syros]] genannt.<ref>Leonid Zhmud: ''Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus'', Berlin 1997, S. 50 f. beurteilt diese Überlieferung skeptisch; Peter Gorman: ''Pythagoras. A Life'', London 1979, S. 25–31 hingegen schenkt ihr Vertrauen.</ref> In seiner Jugend soll sich Pythagoras zu Studienzwecken in [[Ägypten]] und [[Babylonien]] aufgehalten haben; nach verschiedenen Berichten machte er sich mit dortigen religiösen Anschauungen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen vertraut und kehrte dann nach Samos zurück.<ref>Kurt von Fritz: ''Pythagoras''. In: Pauly-Wissowa RE, Bd. 24, Stuttgart 1963, Sp. 172–209, hier: 179–186; James A. Philip: ''Pythagoras and Early Pythagoreanism'', Toronto 1966, S. 189–191; Bartel Leendert van der Waerden: ''Die Pythagoräer'', Zürich/München 1979, S. 44–48; Peter Gorman: ''Pythagoras. A Life'', London 1979, S. 43–68; ablehnend Leonid Zhmud: ''Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus'', Berlin 1997, S. 57–64.</ref> Dort hatte um 538 v. Chr. [[Polykrates (Tyrann von Samos)|Polykrates]] zusammen mit seinen Brüdern die Macht an sich gerissen und später seine Alleinherrschaft etabliert. Pythagoras stand in Opposition zu diesem [[Tyrannis|Tyrannen]] und verließ die Insel. Nach der Datierung des Chronisten [[Apollodor von Athen (Schriftsteller)|Apollodor]] reiste er 532/531 v. Chr. ab.<ref>Leonid Zhmud: ''Pythagoras and the Early Pythagoreans'', Oxford 2012, S. 81–83.</ref> | {{DISPLAYTITLE:Lebenslauf des Pythagoras von Samos}}{{DEFAULTSORT:Lebenslauf}} | ||
[[Kategorie:Werk über Pythagoras]] | |||
{{SchaufensterBeginn|Leben}} | |||
Da verlässliche Quellen fehlen, die [[Legende|Legendenbildung]] schon früh wucherte und die überlieferten Berichte einander widersprechen, sind viele Angaben über das Leben des Pythagoras in der wissenschaftlichen Literatur umstritten. Der aktuelle Forschungsstand ergibt folgendes Bild: Pythagoras wurde wohl um 570 v. Chr.<ref>Zur Datierung Leonid Zhmud: ''Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus'', Berlin 1997, S. 51 f.</ref> als Sohn des [[Mnesarchos (Vater des Pythagoras)|Mnesarchos]] geboren, der auf der Insel [[Samos]] lebte. Mnesarchos stammte wahrscheinlich nicht (wie behauptet wurde) aus einer vornehmen samischen Familie, sondern war ein eingewanderter erfolgreicher Kaufmann (nach anderer Überlieferung [[Glyptik|Steinschneider]]).<ref>James A. Philip: ''Pythagoras and Early Pythagoreanism'', Toronto 1966, S. 185 f.; Nancy Demand: ''Pythagoras, Son of Mnesarchos''. In: ''[[Phronesis (Zeitschrift)|Phronesis]]'' 18, 1973, S. 91–96.</ref> Als Lehrer des Pythagoras wird am häufigsten der Philosoph [[Pherekydes von Syros]] genannt.<ref>Leonid Zhmud: ''Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus'', Berlin 1997, S. 50 f. beurteilt diese Überlieferung skeptisch; Peter Gorman: ''Pythagoras. A Life'', London 1979, S. 25–31 hingegen schenkt ihr Vertrauen.</ref> In seiner Jugend soll sich Pythagoras zu Studienzwecken in [[Ägypten]] und [[Babylonien]] aufgehalten haben; nach verschiedenen Berichten machte er sich mit dortigen religiösen Anschauungen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen vertraut und kehrte dann nach Samos zurück.<ref>Kurt von Fritz: ''Pythagoras''. In: Pauly-Wissowa RE, Bd. 24, Stuttgart 1963, Sp. 172–209, hier: 179–186; James A. Philip: ''Pythagoras and Early Pythagoreanism'', Toronto 1966, S. 189–191; Bartel Leendert van der Waerden: ''Die Pythagoräer'', Zürich/München 1979, S. 44–48; Peter Gorman: ''Pythagoras. A Life'', London 1979, S. 43–68; ablehnend Leonid Zhmud: ''Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus'', Berlin 1997, S. 57–64.</ref> Dort hatte um 538 v. Chr. [[Polykrates (Tyrann von Samos)|Polykrates]] zusammen mit seinen Brüdern die Macht an sich gerissen und später seine Alleinherrschaft etabliert. Pythagoras stand in Opposition zu diesem [[Tyrannis|Tyrannen]] und verließ die Insel. Nach der Datierung des Chronisten [[Apollodor von Athen (Schriftsteller)|Apollodor]] reiste er 532/531 v. Chr. ab.<ref>Leonid Zhmud: ''Pythagoras and the Early Pythagoreans'', Oxford 2012, S. 81–83.</ref> | |||
Frühestens 532 v. Chr., spätestens 529 v. Chr. tauchte Pythagoras im [[Magna Graecia|griechisch besiedelten Unteritalien]] auf und gründete eine Schule in Kroton (heute [[Crotone]] in [[Kalabrien]]).<ref>Zur Datierung Walter Burkert: ''Weisheit und Wissenschaft'', Nürnberg 1962, S. 176; Cornelia J. de Vogel: ''Pythagoras and Early Pythagoreanism'', Assen 1966, S. 21–23; Leonid Zhmud: ''Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus'', Berlin 1997, S. 51 f.; zum antiken Kenntnisstand über die Datierung siehe [[Marcus Tullius Cicero|Cicero]], ''[[De re publica]]'' 2,28–30 und dazu [[Karl Büchner (Altphilologe)|Karl Büchner]]: ''M. Tullius Cicero, De re publica. Kommentar'', Heidelberg 1984, S. 197–199.</ref> Deren Mitglieder (d. h. der innere Kreis) bildeten eine enge Gemeinschaft, legten sich auf eine disziplinierte, bescheidene Lebensweise fest ( | Frühestens 532 v. Chr., spätestens 529 v. Chr. tauchte Pythagoras im [[Magna Graecia|griechisch besiedelten Unteritalien]] auf und gründete eine Schule in [[Kroton (Antike)|Kroton]] (heute [[Crotone]] in [[Kalabrien]]).<ref>Zur Datierung Walter Burkert: ''Weisheit und Wissenschaft'', Nürnberg 1962, S. 176; Cornelia J. de Vogel: ''Pythagoras and Early Pythagoreanism'', Assen 1966, S. 21–23; Leonid Zhmud: ''Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus'', Berlin 1997, S. 51 f.; zum antiken Kenntnisstand über die Datierung siehe [[Marcus Tullius Cicero|Cicero]], ''[[De re publica]]'' 2,28–30 und dazu [[Karl Büchner (Altphilologe)|Karl Büchner]]: ''M. Tullius Cicero, De re publica. Kommentar'', Heidelberg 1984, S. 197–199.</ref> Deren Mitglieder (d. h. der innere Kreis) bildeten eine enge Gemeinschaft, legten sich auf eine disziplinierte, bescheidene Lebensweise fest („[[pythagoräische Lebensweise|pythagoräische Art des Lebens]]“) und verpflichteten sich zur Treue gegeneinander. Pythagoras, der ein vorzüglicher Redner war, erlangte großen Einfluss auf die Bürgerschaft, den er auch politisch geltend machte. Er gewann auch in anderen Gegenden der Region Anhänger, sogar unter der nichtgriechischen Bevölkerung.<ref>Cornelia J. de Vogel: ''Pythagoras and Early Pythagoreanism'', Assen 1966, S. 148–150.</ref> Im Konflikt Krotons mit der Stadt [[Sybaris]], der anscheinend von den Sybariten provoziert wurde, trat er für eine feste Haltung ein. Weil Kroton sich auf Veranlassung des Pythagoras weigerte, geflüchtete sybaritische [[Oppositioneller|Oppositionelle]] auszuliefern, brach 510 v. Chr. der Krieg aus, der mit der Zerstörung von Sybaris endete.<ref>Siehe dazu Bartel Leendert van der Waerden: ''Die Pythagoräer'', Zürich/München 1979, S. 203–206.</ref> | ||
Nach dem Sieg kam es in Kroton zu inneren Spannungen, unter anderem wegen der Verteilung des eroberten Landes; der Unmut der Bürger richtete sich gegen die Pythagoräer. Daraufhin übersiedelte Pythagoras nach Metapontion (heute [[Metapont|Metaponto]] in der [[Basilikata]]), wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Erst nach seiner Abreise aus Kroton brach dort der Konflikt offen aus, und die Pythagoräer unterlagen. Angaben, wonach damals viele von ihnen getötet wurden, beruhen möglicherweise auf Verwechslung mit späteren Unruhen. Eine abweichende Überlieferung, der zufolge Pythagoras in Kroton blieb und den dortigen Unruhen zum Opfer fiel, ist nicht glaubwürdig.<ref>[[Eduard Zeller]], [[Rodolfo Mondolfo]]: ''La filosofia dei Greci nel suo sviluppo storico'', Bd. 1(2), 5. Auflage, Firenze 1938, S. 423–425, besonders S. 425 Anm. 2; Walter Burkert: ''Weisheit und Wissenschaft'', Nürnberg 1962, S. 178 und Anm. 20, S. 182 f.; Rita Cuccioli Melloni: ''Ricerche sul Pitagorismo'', 1: ''Biografia di Pitagora'', Bologna 1969, S. 35–38.</ref> Für eine Datierung seines Todes liegen keine Anhaltspunkte vor. Die Metapontier, bei denen Pythagoras in hohem Ansehen stand, wandelten nach seinem Tod sein Haus in ein [[Demeter|Demeterheiligtum]] um.<ref>[[Pierre Boyancé]]: ''Le culte des Muses chez les philosophes grecs'', Paris 1937, S. 234–236; Walter Burkert: ''Weisheit und Wissenschaft'', Nürnberg 1962, S. 178 Anm. 20; [[Georges Vallet]]: ''Le „stenopos“ des Muses à Métaponte''. In: ''Mélanges de philosophie, de littérature et d’histoire ancienne offerts à Pierre Boyancé'', Rom 1974, S. 749–759.</ref> | Nach dem Sieg kam es in Kroton zu inneren Spannungen, unter anderem wegen der Verteilung des eroberten Landes; der Unmut der Bürger richtete sich gegen die Pythagoräer. Daraufhin übersiedelte Pythagoras nach Metapontion (heute [[Metapont|Metaponto]] in der [[Basilikata]]), wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Erst nach seiner Abreise aus Kroton brach dort der Konflikt offen aus, und die Pythagoräer unterlagen. Angaben, wonach damals viele von ihnen getötet wurden, beruhen möglicherweise auf Verwechslung mit späteren Unruhen. Eine abweichende Überlieferung, der zufolge Pythagoras in Kroton blieb und den dortigen Unruhen zum Opfer fiel, ist nicht glaubwürdig.<ref>[[Eduard Zeller]], [[Rodolfo Mondolfo]]: ''La filosofia dei Greci nel suo sviluppo storico'', Bd. 1(2), 5. Auflage, Firenze 1938, S. 423–425, besonders S. 425 Anm. 2; Walter Burkert: ''Weisheit und Wissenschaft'', Nürnberg 1962, S. 178 und Anm. 20, S. 182 f.; Rita Cuccioli Melloni: ''Ricerche sul Pitagorismo'', 1: ''Biografia di Pitagora'', Bologna 1969, S. 35–38.</ref> Für eine Datierung seines Todes liegen keine Anhaltspunkte vor. Die Metapontier, bei denen Pythagoras in hohem Ansehen stand, wandelten nach seinem Tod sein Haus in ein [[Demeter|Demeterheiligtum]] um.<ref>[[Pierre Boyancé]]: ''Le culte des Muses chez les philosophes grecs'', Paris 1937, S. 234–236; Walter Burkert: ''Weisheit und Wissenschaft'', Nürnberg 1962, S. 178 Anm. 20; [[Georges Vallet]]: ''Le „stenopos“ des Muses à Métaponte''. In: ''Mélanges de philosophie, de littérature et d’histoire ancienne offerts à Pierre Boyancé'', Rom 1974, S. 749–759.</ref> | ||
Pythagoras war verheiratet. Nach einigen Quellen hieß seine Frau (nach anderer Überlieferung eine Tochter des Philosophen) [[Theano (Pythagoräerin)|Theano]].<ref>Walter Burkert: ''Weisheit und Wissenschaft'', Nürnberg 1962, S. 180; Leonid Zhmud: ''Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus'', Berlin 1997, S. 55 f.</ref> Er hatte Kinder, darunter – falls man der Überlieferung trauen kann – eine Tochter namens [[Myia]]. Manche Quellen nennen angebliche Namen weiterer Kinder des Pythagoras, doch wird die Glaubwürdigkeit dieser Angaben in der Forschung sehr skeptisch beurteilt.<ref>Leonid Zhmud: ''Pythagoras and the Early Pythagoreans'', Oxford 2012, S. 103 (mit Literaturhinweisen).</ref> | Pythagoras war verheiratet. Nach einigen Quellen hieß seine Frau (nach anderer Überlieferung eine Tochter des Philosophen) [[Theano (Pythagoräerin)|Theano]].<ref>Walter Burkert: ''Weisheit und Wissenschaft'', Nürnberg 1962, S. 180; Leonid Zhmud: ''Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus'', Berlin 1997, S. 55 f.</ref> Er hatte Kinder, darunter – falls man der Überlieferung trauen kann – eine Tochter namens [[Myia]]. Manche Quellen nennen angebliche Namen weiterer Kinder des Pythagoras, doch wird die Glaubwürdigkeit dieser Angaben in der Forschung sehr skeptisch beurteilt.<ref>Leonid Zhmud: ''Pythagoras and the Early Pythagoreans'', Oxford 2012, S. 103 (mit Literaturhinweisen).</ref>{{SchaufensterEnde|Leben}} | ||
<references /> | |||
[[Kategorie:Lebenslauf Auswahl]] | |||
Aktuelle Version vom 2. August 2026, 12:52 Uhr
Da verlässliche Quellen fehlen, die Legendenbildung schon früh wucherte und die überlieferten Berichte einander widersprechen, sind viele Angaben über das Leben des Pythagoras in der wissenschaftlichen Literatur umstritten. Der aktuelle Forschungsstand ergibt folgendes Bild: Pythagoras wurde wohl um 570 v. Chr.[1] als Sohn des Mnesarchos geboren, der auf der Insel Samos lebte. Mnesarchos stammte wahrscheinlich nicht (wie behauptet wurde) aus einer vornehmen samischen Familie, sondern war ein eingewanderter erfolgreicher Kaufmann (nach anderer Überlieferung Steinschneider).[2] Als Lehrer des Pythagoras wird am häufigsten der Philosoph Pherekydes von Syros genannt.[3] In seiner Jugend soll sich Pythagoras zu Studienzwecken in Ägypten und Babylonien aufgehalten haben; nach verschiedenen Berichten machte er sich mit dortigen religiösen Anschauungen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen vertraut und kehrte dann nach Samos zurück.[4] Dort hatte um 538 v. Chr. Polykrates zusammen mit seinen Brüdern die Macht an sich gerissen und später seine Alleinherrschaft etabliert. Pythagoras stand in Opposition zu diesem Tyrannen und verließ die Insel. Nach der Datierung des Chronisten Apollodor reiste er 532/531 v. Chr. ab.[5]
Frühestens 532 v. Chr., spätestens 529 v. Chr. tauchte Pythagoras im griechisch besiedelten Unteritalien auf und gründete eine Schule in Kroton (heute Crotone in Kalabrien).[6] Deren Mitglieder (d. h. der innere Kreis) bildeten eine enge Gemeinschaft, legten sich auf eine disziplinierte, bescheidene Lebensweise fest („pythagoräische Art des Lebens“) und verpflichteten sich zur Treue gegeneinander. Pythagoras, der ein vorzüglicher Redner war, erlangte großen Einfluss auf die Bürgerschaft, den er auch politisch geltend machte. Er gewann auch in anderen Gegenden der Region Anhänger, sogar unter der nichtgriechischen Bevölkerung.[7] Im Konflikt Krotons mit der Stadt Sybaris, der anscheinend von den Sybariten provoziert wurde, trat er für eine feste Haltung ein. Weil Kroton sich auf Veranlassung des Pythagoras weigerte, geflüchtete sybaritische Oppositionelle auszuliefern, brach 510 v. Chr. der Krieg aus, der mit der Zerstörung von Sybaris endete.[8]
Nach dem Sieg kam es in Kroton zu inneren Spannungen, unter anderem wegen der Verteilung des eroberten Landes; der Unmut der Bürger richtete sich gegen die Pythagoräer. Daraufhin übersiedelte Pythagoras nach Metapontion (heute Metaponto in der Basilikata), wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Erst nach seiner Abreise aus Kroton brach dort der Konflikt offen aus, und die Pythagoräer unterlagen. Angaben, wonach damals viele von ihnen getötet wurden, beruhen möglicherweise auf Verwechslung mit späteren Unruhen. Eine abweichende Überlieferung, der zufolge Pythagoras in Kroton blieb und den dortigen Unruhen zum Opfer fiel, ist nicht glaubwürdig.[9] Für eine Datierung seines Todes liegen keine Anhaltspunkte vor. Die Metapontier, bei denen Pythagoras in hohem Ansehen stand, wandelten nach seinem Tod sein Haus in ein Demeterheiligtum um.[10]
Pythagoras war verheiratet. Nach einigen Quellen hieß seine Frau (nach anderer Überlieferung eine Tochter des Philosophen) Theano.[11] Er hatte Kinder, darunter – falls man der Überlieferung trauen kann – eine Tochter namens Myia. Manche Quellen nennen angebliche Namen weiterer Kinder des Pythagoras, doch wird die Glaubwürdigkeit dieser Angaben in der Forschung sehr skeptisch beurteilt.[12]
- ↑ Zur Datierung Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus, Berlin 1997, S. 51 f.
- ↑ James A. Philip: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Toronto 1966, S. 185 f.; Nancy Demand: Pythagoras, Son of Mnesarchos. In: Phronesis 18, 1973, S. 91–96.
- ↑ Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus, Berlin 1997, S. 50 f. beurteilt diese Überlieferung skeptisch; Peter Gorman: Pythagoras. A Life, London 1979, S. 25–31 hingegen schenkt ihr Vertrauen.
- ↑ Kurt von Fritz: Pythagoras. In: Pauly-Wissowa RE, Bd. 24, Stuttgart 1963, Sp. 172–209, hier: 179–186; James A. Philip: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Toronto 1966, S. 189–191; Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoräer, Zürich/München 1979, S. 44–48; Peter Gorman: Pythagoras. A Life, London 1979, S. 43–68; ablehnend Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus, Berlin 1997, S. 57–64.
- ↑ Leonid Zhmud: Pythagoras and the Early Pythagoreans, Oxford 2012, S. 81–83.
- ↑ Zur Datierung Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nürnberg 1962, S. 176; Cornelia J. de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Assen 1966, S. 21–23; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus, Berlin 1997, S. 51 f.; zum antiken Kenntnisstand über die Datierung siehe Cicero, De re publica 2,28–30 und dazu Karl Büchner: M. Tullius Cicero, De re publica. Kommentar, Heidelberg 1984, S. 197–199.
- ↑ Cornelia J. de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Assen 1966, S. 148–150.
- ↑ Siehe dazu Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoräer, Zürich/München 1979, S. 203–206.
- ↑ Eduard Zeller, Rodolfo Mondolfo: La filosofia dei Greci nel suo sviluppo storico, Bd. 1(2), 5. Auflage, Firenze 1938, S. 423–425, besonders S. 425 Anm. 2; Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nürnberg 1962, S. 178 und Anm. 20, S. 182 f.; Rita Cuccioli Melloni: Ricerche sul Pitagorismo, 1: Biografia di Pitagora, Bologna 1969, S. 35–38.
- ↑ Pierre Boyancé: Le culte des Muses chez les philosophes grecs, Paris 1937, S. 234–236; Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nürnberg 1962, S. 178 Anm. 20; Georges Vallet: Le „stenopos“ des Muses à Métaponte. In: Mélanges de philosophie, de littérature et d’histoire ancienne offerts à Pierre Boyancé, Rom 1974, S. 749–759.
- ↑ Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nürnberg 1962, S. 180; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im frühen Pythagoräismus, Berlin 1997, S. 55 f.
- ↑ Leonid Zhmud: Pythagoras and the Early Pythagoreans, Oxford 2012, S. 103 (mit Literaturhinweisen).