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„an sich“ – Versionsunterschied

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=== Vergleichsbegriffe ===
''[[kath’ hautó|kath' hauto]], [[auto to hen]], [[auto kath' hauto]], [[ontôs on]], [[to ti ên einai]], [[physei proteron]], [[pros ti]],'' ''[[per se]], [[Noumenon|noumenon]], [[an sich sein]], an sich – für sich. an und für sich''', [[Ding an sich]]…'''''


<div class="zenoCOMain">
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== '''An-sich-sein''' ==
= An sich =
'''An-sich-sein'''<ref>Quelle: Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. Berlin 1904, S. 48. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20001780085; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Eisler-1904/K/eisler-1904-001-0048 48]</ref> = das [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Sein Sein] in seiner Unmittelbarkeit, Ursprünglichkeit, Absolutheit, Begrifflichkeit, Wesenhaftigkeit im [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Gegensatz Gegensatze] zum beziehungsweisen [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Sein Sein]. Schon bei den ''Pythagoräern'' kommt der [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Begriff Begriff] des ''[[kath' hauto|<span class="zenoTXHighlight0">kath</span>' hauto]], <span class="zenoTXHighlight1">auto</span> to hen'' vor (ARISTOTELES, Met. I, 5). Dann bei PLATO, der das wahre [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Sein Sein] der [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Idee Ideen] (s. d.) als ''<span class="zenoTXHighlight1">auto</span> <span class="zenoTXHighlight0">kath</span>' hauto, ontôs on'' bestimmt (Phaedo 78 D, Parm. 129 A, K 9 B, D, 130 B etc.). Nach ARISTOTELES ist das im [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Begriff Begriff] erfaßte [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Sein Sein] der [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Ding Dinge] (''to ti ên einai''), ihr [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Wesen Wesen], das ''<span class="zenoTXHighlight0">kath</span>' hauto,'' und dieses ''physei proteron'', das in [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Wirklichkeit Wirklichkeit] [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Prim%C3%A4r Primäre], während es im erkennenden [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Bewu%C3%9Ftsein Bewußtsein] (''pros hêmas'') das Spätere ist (Eth. Nic. I 3, 1096b 20). Die ''Stoiker'' unterscheiden ''<span class="zenoTXHighlight0">kath</span>' hauta – pros ti''. Die ''Scholastiker'' halten an der Aristotelischen [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Begriffsbestimmung Begriffsbestimmung] des [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/An-sich An-sich]-seins fest. Sie wird erneuert von HEGEL, der unter »[http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/An-sich An-sich]« die in sich betrachtete, unentfaltete [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Wesenheit Wesenheit] im [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Unterschied Unterschiede] von der »Beziehung auf anderes« versteht, das »''[http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Sein Sein]'' der [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Qualit%C3%A4t Qualitat] als solches« (Encykl. § 91). [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/An-sich An-sich] ist der [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Begriff Begriff] (s. d.) in seiner »Unmittelbarkeit« (l.c. § 83). Die Eichel z.B. ist das [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/An-sich An sich] des Eichbaumes. »[http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/An-sich An-sich]« – »Für-sich« – »An und-für-sich« bedeuten die drei Stadien des dialektischen Processes (s. d.).
{{Weiterleitungshinweis|An und für sich|Zum Album siehe [[An und für sich (Album)]].}}
'''An sich''' ('''per se''') und '''für sich''' ('''für uns''') sind Begriffe der philosophischen [[Fachsprache]]. Mit „an sich“ bezeichnet man Gegenstände und Tatsachen, insofern sie unabhängig vom [[Bewusstsein]] einer [[Person]] sind. Den Gegensatz hierzu bilden Gegenstände, insofern sie „für uns“ sind, also uns in einer bestimmten Weise subjektiv erscheinen. Zahlreiche Theoretiker vertreten die Auffassung, dass bei bestimmten Typen von Objekten deren Ansichten „für uns“ und ihre Beschaffenheit „an sich“ systematisch verschieden sind. Dieser [[Unterschied]] wird [[Differenz (Philosophie)|differenziert]] erklärt. Von einigen Philosophen wird er bestritten.
 
Umgangssprachlich bezeichnet „an sich“ einen Gegenstand als solchen oder eine Tatsache als solche. Die Verwendung ist jedoch meistens einschränkend. So lässt die Aussage: „Das Erlebnis war an sich schön“ eine Erläuterung erwarten, welche Aspekte oder Rahmenbedingungen bei dem Erlebnis weniger schön waren.
 
== Begriffsgeschichte ==
Der Begriff „an sich“ ist eine Übersetzung des griechischen ''kath’auto'' bzw. des lateinischen ''per se'' und bezeichnet, was einem [[Sein (Philosophie)|Seienden]] von sich aus, seinem Wesen nach, zukommt. Bereits [[Demokrit]] unterschied die [[Atom]]e, denen allein echte Wahrheit zukommt, von den Sinnesqualitäten, die durch [[Meinung]] entstehen. Systematisch ausgearbeitet ist der Unterschied zwischen Objekten „an sich“ und „für uns“ bereits in der [[Erkenntnistheorie|Epistemologie]], [[Ontologie]] und [[Logik]] des [[Aristoteles]]:
 
{{Zitat|Dass nun bei demjenigen, was als ein Erstes und ein an sich Seiendes bezeichnet wird, das Wesen des Einzelnen mit dem Einzelnen selbst ein und dasselbe ist, das ist offenbar.|Aristoteles<ref>[[Metaphysik (Aristoteles)|Metaphysik]] Z 6, 1032 a 5-6</ref>}}
 
Viele [[Scholastik|scholastische]] Denker knüpfen an Aristoteles an. So wird etwa das dingliche [[Sein (Philosophie)|Sein]] (''esse in re'') dem Gedachtsein (''esse in intellectu'') gegenübergestellt. Der Mensch kann das [[Wesen (Philosophie)|Wesen]] der Dinge nur mit einer intuitiven Erkenntnis erfassen ([[Duns Scotus]] und später [[Baruch de Spinoza|Spinoza]]). Demgegenüber sind die im menschlichen Verstand gebildeten Vorstellungen (''imaginatio'') nur begrenzt.
 
Bei [[Gottfried Wilhelm Leibniz|Leibniz]] sind die durch die Sinne vermittelten Vorstellungen bloß „verworren“. Erst die Verstandeserkenntnis führt zu klaren Vorstellungen. Die Unterscheidung des „an sich“ von den Erscheinungen findet sich u.&nbsp;a. bereits bei [[Christian Wolff (Aufklärer)|Christian Wolff]] und [[Johann Heinrich Lambert]], zwei Denkern, die [[Immanuel Kant]] beeinflussten.


== '''An sich/für sich; an und für sich'''<ref>https://www.schwabeonline.ch/schwabe-xaveropp/elibrary/start.xav?start=%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27verw.an.sichfur.sich.an.und.fur.sich%27%20and%20%40outline_id%3D%27hwph_verw.an.sichfur.sich.an.und.fur.sich%27%5D</ref> ==
== Ding an sich bei Kant ==
{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=kath’ hautó}}
{{Hauptartikel|Ding an sich}}


== An sich ==
Bei Kant spielt das „Ding an sich“ eine zentrale Rolle in der [[Kritik der reinen Vernunft]]. Bei ihm ist das „an sich“ ein Sein unabhängig von den [[Anschauung]]sformen, aber auch von den Formen des Denkens. Das Ding an sich (auch: die Dinge an sich) ist als solches nicht erkennbar und steht den Verstandesgegenständen als Erscheinungen gegenüber. Nur die Erscheinungen sind der menschlichen [[Erkenntnis]] zugänglich.
'''[https://de.wikipedia.org/wiki/An_sich An sich]''' und '''für uns''' ('''für sich''', '''[[per se]]''') sind Begriffe der philosophischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Fachsprache Fachsprache]. Mit „an sich“ bezeichnet man Gegenstände und Tatsachen, insofern sie unabhängig vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein Bewusstsein] einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Person Person] sind. Den Gegensatz hierzu bilden Gegenstände, insofern sie „für uns“ sind, also uns in einer bestimmten Weise subjektiv erscheinen. Zahlreiche Theoretiker vertreten die Auffassung, dass bei bestimmten Typen von Objekten deren Ansichten „für uns“ und ihre Beschaffenheit „an sich“ systematisch verschieden sind. Dieser [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterschied Unterschied] wird [https://de.wikipedia.org/wiki/Differenz_(Philosophie) differenziert] erklärt. Von einigen Philosophen wird er bestritten.


Umgangssprachlich bezeichnet „an sich“ einen Gegenstand als solchen oder eine Tatsache als solche. Die Verwendung ist jedoch meistens einschränkend. So lässt die Aussage: „Das Erlebnis war an sich schön“ eine Erläuterung erwarten, welche Aspekte oder Rahmenbedingungen bei dem Erlebnis weniger schön waren.
{{Zitat|Der Idealismus besteht in der Behauptung, daß es keine andere als denkende Wesen gebe, die übrige Dinge, die wir in der Anschauung wahrzunehmen glauben, wären nur Vorstellungen in den denkenden Wesen, denen in der That kein außerhalb diesen befindlicher Gegenstand correspondirte. Ich dagegen sage: es sind uns Dinge als außer uns befindliche Gegenstände unserer Sinne gegeben, allein von dem, was sie an sich selbst sein mögen, wissen wir nichts, sondern kennen nur ihre Erscheinungen, d.&nbsp;i. die Vorstellungen, die sie in uns wirken, indem sie unsere Sinne afficiren. Demnach gestehe ich allerdings, daß es außer uns Körper gebe, d.&nbsp;i. Dinge, die, obzwar nach dem, was sie an sich selbst sein mögen, uns gänzlich unbekannt, wir durch die Vorstellungen kennen, welche ihr Einfluß auf unsre Sinnlichkeit uns verschafft, und denen wir die Benennung eines Körpers geben; welches Wort also blos die Erscheinung jenes uns unbekannten, aber nichts desto weniger wirklichen Gegenstandes bedeutet. Kann man dieses wohl Idealismus nennen? Es ist ja gerade das Gegentheil davon.
|{{Kant|4|288|||||289}}|ref=<ref>''Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können'', A 63/64</ref>}}


=== <span id="Begriffsgeschichte">Begriffsgeschichte</span> ===
== An und für sich bei Hegel ==
</div><p>Der Begriff „an sich“ ist eine Übersetzung des griechischen ''kath’auto'' bzw. des lateinischen ''per se'' und bezeichnet, was einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein_(Philosophie) Seienden] von sich aus, seinem Wesen nach, zukommt. Bereits [https://de.wikipedia.org/wiki/Demokrit Demokrit] unterschied die [https://de.wikipedia.org/wiki/Atom Atome], denen allein echte Wahrheit zukommt von den Sinnesqualitäten, die durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Meinung Meinung] entstehen. Systematisch ausgearbeitet ist der Unterschied zwischen Objekten „an sich“ und „für uns“ bereits in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie Epistemologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie Ontologie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik] des [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles]:</p><blockquote><p>„Dass nun bei demjenigen, was als ein Erstes und ein an sich Seiendes bezeichnet wird, das Wesen des Einzelnen mit dem Einzelnen selbst ein und dasselbe ist, das ist offenbar.“</p>
In [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel|Hegels]] Philosophie geht es um die [[Spekulation (Philosophie)|spekulative]] Überwindung der [[Subjekt-Objekt-Spaltung]].
<p>– <span class="Person">Aristoteles</span><ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik_(Aristoteles) Metaphysik] Z 6, 1032 a 5-6</span></ref></p></blockquote><p>Viele [https://de.wikipedia.org/wiki/Scholastik scholastische] Denker knüpfen an Aristoteles an. So wird etwa das dingliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein_(Philosophie) Sein] (''esse in re'') dem Gedachtsein (''esse in intellectu'') gegenübergestellt. Der Mensch kann das [https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie) Wesen] der Dinge nur mit einer intuitiven Erkenntnis erfassen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Duns_Scotus Duns Scotus] und später [https://de.wikipedia.org/wiki/Baruch_de_Spinoza Spinoza]). Demgegenüber sind die im menschlichen Verstand gebildeten Vorstellungen (''imaginatio'') nur begrenzt.</p>
Gibt es die Vorstellung eines Dinges an sich (Kant), eines [[Objekt (Philosophie)|Objektes]] unabhängig von uns, so wird darin ein Mangel erkennbar. Die Einheit aller Dinge ist unterbrochen.<ref>https://www.hegel.net/werkstatt/artikel/logik/an_sich.htm</ref><ref>Hegels Logik, Klaus Hartmann, Olaf L. Müller; Walter de Gruyter, 1999 ISBN 9783110137637</ref>
<p>Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Leibniz] sind die durch die Sinne vermittelten Vorstellungen bloß „verworren“. Erst die Verstandeserkenntnis führt zu klaren Vorstellungen. Die Unterscheidung des „an sich“ von den Erscheinungen findet sich u.&nbsp;a. bereits bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Wolff_(Aufkl%C3%A4rer) Christian Wolff] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Lambert Johann Heinrich Lambert], zwei Denkern, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] beeinflussten.</p>


=== <span id="Ding_an_sich_bei_Kant">Ding an sich bei Kant</span> ===
Haben andererseits Menschen [[subjektiv]] für sich die [[Wahrheit]] gepachtet, so wird darin ein Mangel erkennbar. Wieder ist die Einheit aller Dinge unterbrochen. Diese Spaltung ist ein berühmtes Kernproblem der Philosophie und kennzeichnet den Gegensatz von [[Realismus (Philosophie)|Realismus]] und [[Idealismus (Philosophie)|Idealismus]]. In Hegels Dialektik hebt der spekulative Geist diese Spaltung auf. Es wird mit der Zusammenstellung der Gegensätze:
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Ding_an_sich Ding an sich]''</div>
<p>Bei Kant spielt das „Ding an sich“ eine zentrale Rolle in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft Kritik der reinen Vernunft]. Bei ihm ist das „an sich“ ein Sein unabhängig von den [https://de.wikipedia.org/wiki/Anschauung Anschauungsformen], aber auch von den Formen des Denkens. Das Ding an sich (auch: die Dinge an sich) ist als solches nicht erkennbar und steht den Verstandesgegenständen als Erscheinungen gegenüber. Nur die Erscheinungen sind der menschlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkenntnis] zugänglich.</p><blockquote><p>„Der Idealismus besteht in der Behauptung, daß es keine andere als denkende Wesen gebe, die übrige Dinge, die wir in der Anschauung wahrzunehmen glauben, wären nur Vorstellungen in den denkenden Wesen, denen in der That kein außerhalb diesen befindlicher Gegenstand correspondirte. Ich dagegen sage: es sind uns Dinge als außer uns befindliche Gegenstände unserer Sinne gegeben, allein von dem, was sie an sich selbst sein mögen, wissen wir nichts, sondern kennen nur ihre Erscheinungen, d.&nbsp;i. die Vorstellungen, die sie in uns wirken, indem sie unsere Sinne afficiren. Demnach gestehe ich allerdings, daß es außer uns Körper gebe, d.&nbsp;i. Dinge, die, obzwar nach dem, was sie an sich selbst sein mögen, uns gänzlich unbekannt, wir durch die Vorstellungen kennen, welche ihr Einfluß auf unsre Sinnlichkeit uns verschafft, und denen wir die Benennung eines Körpers geben; welches Wort also blos die Erscheinung jenes uns unbekannten, aber nichts desto weniger wirklichen Gegenstandes bedeutet. Kann man dieses wohl Idealismus nennen? Es ist ja gerade das Gegentheil davon.“</p>
<p>– <span class="Person">Immanuel Kant: [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant#Akademieausgabe AA] IV, 288–289</span><ref><span class="reference-text">Immanuel Kant, ''Gesammelte Schriften.'' Hrsg.: Bd. 1–22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., [http://kant.korpora.org/Band4/288.html AA IV, 288–289].</span></ref><ref><span class="reference-text">''Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können'', A 63/64</span></ref></p></blockquote>


== <span id="An_und_für_sich_bei_Hegel">An und für sich bei Hegel</span> ==
<p>In [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel Hegels] Philosophie geht es um die [https://de.wikipedia.org/wiki/Spekulation_(Philosophie) spekulative] Überwindung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt-Objekt-Spaltung Subjekt-Objekt-Spaltung]. Gibt es die Vorstellung eines Dinges an sich (Kant), eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Objekt_(Philosophie) Objektes] unabhängig von uns, so wird darin ein Mangel erkennbar. Die Einheit aller Dinge ist unterbrochen.<ref>http://www.hegel.net/werkstatt/artikel/logik/an_sich.htm</ref><ref><span class="reference-text">Hegels Logik, Klaus Hartmann, Olaf L. Müller; Walter de Gruyter, 1999 [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110137637 ISBN 9783110137637]</span></ref></p>
<p>Haben andererseits Menschen [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektiv subjektiv] für sich die [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit Wahrheit] gepachtet, so wird darin ein Mangel erkennbar. Wieder ist die Einheit aller Dinge unterbrochen. Diese Spaltung ist ein berühmtes Kernproblem der Philosophie und kennzeichnet den Gegensatz von [https://de.wikipedia.org/wiki/Realismus_(Philosophie) Realismus] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus_(Philosophie) Idealismus]. In Hegels Dialektik hebt der spekulative Geist diese Spaltung auf. Es wird mit der Zusammenstellung der Gegensätze:</p>
:''an sich'' und ''für uns''
:''an sich'' und ''für uns''
<p>in einem Ausdruck „an und für sich“ die Einheit der Welt und des Geistes spekulativ als Synthese fusioniert.</p>


== <span id="Klasse_„an_sich“_und_„für_sich“_bei_Marx">Klasse „an sich“ und „für sich“ bei Marx</span> ==
in einem Ausdruck „an und für sich“ die Einheit der Welt und des Geistes spekulativ als Synthese fusioniert.
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassenbewusstsein Klassenbewusstsein]''</div>
 
== An sich (Eisler) ==
'''An-sich'''<ref>Quelle: Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. Berlin 1904, S. 47-48. Permalink: <nowiki>http://www.zeno.org/nid/20001780077</nowiki> Lizenz: Gemeinfrei</ref> = dem eigenen Sein nach, unabhängig vom erkennenden Bewußtsein und dessen Formen, in metaphysischer Wirklichkeit und Wahrheit. Gegensatz: Erscheinung, Für-uns-sein, Objectivation. Das »An-sich« der Dinge = der jeder Erscheinung zugrunde liegende, »transcendente« Factor.
 
Der Gegensatz von »An sich« (svagam-bhu) und Erscheinung findet sich schon in der ''indischen'' Philosophie. DEMOKRIT lehrt, die Atome (s. d.) seien in Wahrheit, an sich (''eteê''), die Sinnesqualitäten nur in unserer Meinung (''nomô''). Die ''Scholastiker'' unterscheiden das »esse in re« (dingliche Sein) vom »esse in intellectu« (Gedachtsein). Nach DESCARTES erfahren wir durch die Sinne nicht, wie die Dinge »in se ipsis« sind (Pr. phil. II, 3). MALEBRANCHE spricht geradezu von den »choses en elles-mêmes« (Rech. I, préf.); so auch FÉNELON[47] (De l'ex. d. Dieu p. 195 ff.). SPINOZA versteht unter der »intuitiven« Erkenntnis ein Erfassen des Wesens der Dinge, während die »imaginatio« (s. d.) uns die Dinge von einem beschränkten Standpunkt aus zeigt (Eth. II, prop. XL, schol. II). LEIBNIZ stellt die Verstandeserkenntnis der Dinge ihrer bloß »verworrenen« Vorstellung durch die Sinne gegenüber. BONNET: »chose en soi« – »ce que la chose parait être« (»chose par rapport à nous«) (Es(s. d.) Psych. C. 36). LAMBERT: »Die Sache an sich« – die Sache, »wie wir sie empfinden, vorstellen« (Organ. Phän. I, § 20, § 51). KANT bringt den Gegensatz von »Ding an sich« (s. d.) und »Erscheinung« (s. d.) zu fundamentaler Bedeutung. »An sich« ist nach ihm das Sein, unabhängig sowohl von den Anschauungsformen als auch von den Formen des Denkens, es ist das positiv durchaus Unbestimmbare, Unerkennbare, nicht bloß ein »ens rationis« gegenüber den Sinnesobjecten. Später wird diese Bedeutung des »An-sich« beibehalten (''Neukantianer'', die teilweise ein An-sich negieren, nur Bewußtseinsinhalte kennen) oder dahin modificiert, daß als »Ansich« das vom erkennenden und wollenden Subjecte unabhängig Existierende betrachtet, aber doch auf positive Weise etwa analog dem eigenen Ich bestimmt wird (z.B. WUNDT). Im Sinne SCHELLINGs meint u. a. CARRIERE: »Indem sichmittelst unserer Empfindung die Natur zur Welt der Töne und Farben steigert, wird das An-sich der Dinge verwirklicht; es bringt sieh in der eigenen Lebensgestaltung hervor und wird dadurch zugleich für andere« (Ästh. I, 100). (Ähnlich FECHNER, BR. WILLE.) Nach GUTBERLET kann das An-sich der Dinge durch die Erscheinungen, in denen es sichmanifestiert, erkannt werden, wenn auch nicht vollkommen (Kampf um d. Seele, S. 14; so schon THOMAS). Vgl. Ding ansich, Erscheinung, An-sich-Sein.
 
== Klasse „an sich“ und „für sich“ bei Marx ==
{{Hauptartikel|Klassenbewusstsein}}
 
== Verwendung bei Sartre ==
{{SchaufensterBeginn|Verwendung bei Sartre}}In [[Jean-Paul Sartre]]s [[Philosophie|philosophischem]] Werk ''[[Das Sein und das Nichts]]'' sind die Begriffe ''An sich'' und ''Für sich'' zwei wichtige Kategorien. Das Für sich ist das menschliche [[Bewusstsein]], die menschliche [[Realität]] oder auch einfach der [[Mensch]]. Sartre grenzt diese Begriffe nicht voneinander ab und benutzt sie bedeutungsgleich. Das An sich hingegen ist alles, was dem Bewusstsein transzendent ist, so die Dinge in der Welt. Die zentrale Aufgabe von ''Das Sein und das Nichts'' ist es nun, nicht einem [[Dualismus (Ontologie)|Dualismus]] von An sich und Für sich zu verfallen, sondern eine Verbindung zwischen beiden zu finden.{{SchaufensterEnde|Verwendung bei Sartre}}


== <span id="Verwendung_bei_Sartre">Verwendung bei Sartre</span> ==
== Literatur ==
<p>In [https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Paul_Sartre Jean-Paul Sartres] [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie philosophischem] Werk ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Sein_und_das_Nichts Das Sein und das Nichts]'' sind die Begriffe ''An sich'' und ''Für sich'' zwei wichtige Kategorien. Das Für sich ist das menschliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein Bewusstsein], die menschliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t Realität] oder auch einfach der [https://de.wikipedia.org/wiki/Mensch Mensch]. Sartre grenzt diese Begriffe nicht voneinander ab und benutzt sie bedeutungsgleich. Das An sich hingegen ist alles, was dem Bewusstsein transzendent ist, so die Dinge in der Welt. Die zentrale Aufgabe von ''Das Sein und das Nichts'' ist es nun, nicht einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Dualismus_(Ontologie) Dualismus] von An sich und Für sich zu verfallen, sondern eine Verbindung zwischen beiden zu finden.</p>
* Dietmar Eickelschulte: Art. ''An sich/für sich; an und für sich.'' In: Joachim Ritter (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 1, Basel 1971, 352–355
* [[Gerhard Krüger (Philosoph)|Gerhard Krüger]]: ''Ansichsein und Geschichte.'' In: Zeitschrift für philosophische Forschung 3/4 (1949).
* Uwe Töllner: ''Sartres Ontologie und die Frage einer Ethik.'' Lang, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-631-49634-6.


== <span id="Literatur">[[—Ltrtr]]</span> ==
== Weblinks ==
{{Wiktionary|per se}}
* [[Michael Vester]]: [http://www.inkrit.de/hkwm/artikel/HKWM-7-1-klasseansich-fursich.pdf Klasse an und für sich] (PDF-Datei; 234&nbsp;kB), in: [[Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus]], Bd. 7/1.


*Dietmar Eickelschulte: Art. ''An sich/für sich; an und für sich.'' In: Joachim Ritter (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 1, Basel 1971, 352–355
== Einzelnachweise ==
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Kr%C3%BCger_(Philosoph) Gerhard Krüger]: ''Ansichsein und Geschichte.'' In: Zeitschrift für philosophische Forschung 3/4 (1949).
<references />
*Uwe Töllner: ''Sartres Ontologie und die Frage einer Ethik.'' Lang, Frankfurt am Main 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3631496346 ISBN 3-631-49634-6].


== <span id="Weblinks">[[—Wblnks]]</span> ==
[[Kategorie:Hegelianismus]]
<div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/per_se Wiktionary: per se]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
[[Kategorie:Jean-Paul Sartre]]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Vester Michael Vester]: [http://www.inkrit.de/hkwm/artikel/HKWM-7-1-klasseansich-fursich.pdf Klasse an und für sich] (PDF-Datei; 234&nbsp;kB), in: [https://de.wikipedia.org/wiki/Historisch-kritisches_W%C3%B6rterbuch_des_Marxismus Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus], Bd. 7/1.
[[Kategorie:Erkenntnistheorie]]
[[Kategorie:Ontologie]]


== <span id="Einzelnachweise">[[—Enzlnchwse]]</span> ==


[[Kategorie:Kant Begriff Auswahl]]
[[Kategorie:Kant Begriff Auswahl]]

Aktuelle Version vom 23. Juli 2026, 11:11 Uhr

an sich deu. —Erstzwrt f. lat. per se, agr. kath’auto καθ᾽αὑτό (aus sich selbst heraus);

Vergleichsbegriffe

kath' hauto, auto to hen, auto kath' hauto, ontôs on, to ti ên einai, physei proteron, pros ti, per se, noumenon, an sich sein, an sich – für sich. an und für sich, Ding an sich…

An sich

An sich (per se) und für sich (für uns) sind Begriffe der philosophischen Fachsprache. Mit „an sich“ bezeichnet man Gegenstände und Tatsachen, insofern sie unabhängig vom Bewusstsein einer Person sind. Den Gegensatz hierzu bilden Gegenstände, insofern sie „für uns“ sind, also uns in einer bestimmten Weise subjektiv erscheinen. Zahlreiche Theoretiker vertreten die Auffassung, dass bei bestimmten Typen von Objekten deren Ansichten „für uns“ und ihre Beschaffenheit „an sich“ systematisch verschieden sind. Dieser Unterschied wird differenziert erklärt. Von einigen Philosophen wird er bestritten.

Umgangssprachlich bezeichnet „an sich“ einen Gegenstand als solchen oder eine Tatsache als solche. Die Verwendung ist jedoch meistens einschränkend. So lässt die Aussage: „Das Erlebnis war an sich schön“ eine Erläuterung erwarten, welche Aspekte oder Rahmenbedingungen bei dem Erlebnis weniger schön waren.

Begriffsgeschichte

Der Begriff „an sich“ ist eine Übersetzung des griechischen kath’auto bzw. des lateinischen per se und bezeichnet, was einem Seienden von sich aus, seinem Wesen nach, zukommt. Bereits Demokrit unterschied die Atome, denen allein echte Wahrheit zukommt, von den Sinnesqualitäten, die durch Meinung entstehen. Systematisch ausgearbeitet ist der Unterschied zwischen Objekten „an sich“ und „für uns“ bereits in der Epistemologie, Ontologie und Logik des Aristoteles:

„Dass nun bei demjenigen, was als ein Erstes und ein an sich Seiendes bezeichnet wird, das Wesen des Einzelnen mit dem Einzelnen selbst ein und dasselbe ist, das ist offenbar.“

– Aristoteles[1]

Viele scholastische Denker knüpfen an Aristoteles an. So wird etwa das dingliche Sein (esse in re) dem Gedachtsein (esse in intellectu) gegenübergestellt. Der Mensch kann das Wesen der Dinge nur mit einer intuitiven Erkenntnis erfassen (Duns Scotus und später Spinoza). Demgegenüber sind die im menschlichen Verstand gebildeten Vorstellungen (imaginatio) nur begrenzt.

Bei Leibniz sind die durch die Sinne vermittelten Vorstellungen bloß „verworren“. Erst die Verstandeserkenntnis führt zu klaren Vorstellungen. Die Unterscheidung des „an sich“ von den Erscheinungen findet sich u. a. bereits bei Christian Wolff und Johann Heinrich Lambert, zwei Denkern, die Immanuel Kant beeinflussten.

Ding an sich bei Kant

Bei Kant spielt das „Ding an sich“ eine zentrale Rolle in der Kritik der reinen Vernunft. Bei ihm ist das „an sich“ ein Sein unabhängig von den Anschauungsformen, aber auch von den Formen des Denkens. Das Ding an sich (auch: die Dinge an sich) ist als solches nicht erkennbar und steht den Verstandesgegenständen als Erscheinungen gegenüber. Nur die Erscheinungen sind der menschlichen Erkenntnis zugänglich.

„Der Idealismus besteht in der Behauptung, daß es keine andere als denkende Wesen gebe, die übrige Dinge, die wir in der Anschauung wahrzunehmen glauben, wären nur Vorstellungen in den denkenden Wesen, denen in der That kein außerhalb diesen befindlicher Gegenstand correspondirte. Ich dagegen sage: es sind uns Dinge als außer uns befindliche Gegenstände unserer Sinne gegeben, allein von dem, was sie an sich selbst sein mögen, wissen wir nichts, sondern kennen nur ihre Erscheinungen, d. i. die Vorstellungen, die sie in uns wirken, indem sie unsere Sinne afficiren. Demnach gestehe ich allerdings, daß es außer uns Körper gebe, d. i. Dinge, die, obzwar nach dem, was sie an sich selbst sein mögen, uns gänzlich unbekannt, wir durch die Vorstellungen kennen, welche ihr Einfluß auf unsre Sinnlichkeit uns verschafft, und denen wir die Benennung eines Körpers geben; welches Wort also blos die Erscheinung jenes uns unbekannten, aber nichts desto weniger wirklichen Gegenstandes bedeutet. Kann man dieses wohl Idealismus nennen? Es ist ja gerade das Gegentheil davon.“

– Immanuel Kant: AA IV, 288–289[2][3]

An und für sich bei Hegel

In Hegels Philosophie geht es um die spekulative Überwindung der Subjekt-Objekt-Spaltung. Gibt es die Vorstellung eines Dinges an sich (Kant), eines Objektes unabhängig von uns, so wird darin ein Mangel erkennbar. Die Einheit aller Dinge ist unterbrochen.[4][5]

Haben andererseits Menschen subjektiv für sich die Wahrheit gepachtet, so wird darin ein Mangel erkennbar. Wieder ist die Einheit aller Dinge unterbrochen. Diese Spaltung ist ein berühmtes Kernproblem der Philosophie und kennzeichnet den Gegensatz von Realismus und Idealismus. In Hegels Dialektik hebt der spekulative Geist diese Spaltung auf. Es wird mit der Zusammenstellung der Gegensätze:

an sich und für uns

in einem Ausdruck „an und für sich“ die Einheit der Welt und des Geistes spekulativ als Synthese fusioniert.

An sich (Eisler)

An-sich[6] = dem eigenen Sein nach, unabhängig vom erkennenden Bewußtsein und dessen Formen, in metaphysischer Wirklichkeit und Wahrheit. Gegensatz: Erscheinung, Für-uns-sein, Objectivation. Das »An-sich« der Dinge = der jeder Erscheinung zugrunde liegende, »transcendente« Factor.

Der Gegensatz von »An sich« (svagam-bhu) und Erscheinung findet sich schon in der indischen Philosophie. DEMOKRIT lehrt, die Atome (s. d.) seien in Wahrheit, an sich (eteê), die Sinnesqualitäten nur in unserer Meinung (nomô). Die Scholastiker unterscheiden das »esse in re« (dingliche Sein) vom »esse in intellectu« (Gedachtsein). Nach DESCARTES erfahren wir durch die Sinne nicht, wie die Dinge »in se ipsis« sind (Pr. phil. II, 3). MALEBRANCHE spricht geradezu von den »choses en elles-mêmes« (Rech. I, préf.); so auch FÉNELON[47] (De l'ex. d. Dieu p. 195 ff.). SPINOZA versteht unter der »intuitiven« Erkenntnis ein Erfassen des Wesens der Dinge, während die »imaginatio« (s. d.) uns die Dinge von einem beschränkten Standpunkt aus zeigt (Eth. II, prop. XL, schol. II). LEIBNIZ stellt die Verstandeserkenntnis der Dinge ihrer bloß »verworrenen« Vorstellung durch die Sinne gegenüber. BONNET: »chose en soi« – »ce que la chose parait être« (»chose par rapport à nous«) (Es(s. d.) Psych. C. 36). LAMBERT: »Die Sache an sich« – die Sache, »wie wir sie empfinden, vorstellen« (Organ. Phän. I, § 20, § 51). KANT bringt den Gegensatz von »Ding an sich« (s. d.) und »Erscheinung« (s. d.) zu fundamentaler Bedeutung. »An sich« ist nach ihm das Sein, unabhängig sowohl von den Anschauungsformen als auch von den Formen des Denkens, es ist das positiv durchaus Unbestimmbare, Unerkennbare, nicht bloß ein »ens rationis« gegenüber den Sinnesobjecten. Später wird diese Bedeutung des »An-sich« beibehalten (Neukantianer, die teilweise ein An-sich negieren, nur Bewußtseinsinhalte kennen) oder dahin modificiert, daß als »Ansich« das vom erkennenden und wollenden Subjecte unabhängig Existierende betrachtet, aber doch auf positive Weise etwa analog dem eigenen Ich bestimmt wird (z.B. WUNDT). Im Sinne SCHELLINGs meint u. a. CARRIERE: »Indem sichmittelst unserer Empfindung die Natur zur Welt der Töne und Farben steigert, wird das An-sich der Dinge verwirklicht; es bringt sieh in der eigenen Lebensgestaltung hervor und wird dadurch zugleich für andere« (Ästh. I, 100). (Ähnlich FECHNER, BR. WILLE.) Nach GUTBERLET kann das An-sich der Dinge durch die Erscheinungen, in denen es sichmanifestiert, erkannt werden, wenn auch nicht vollkommen (Kampf um d. Seele, S. 14; so schon THOMAS). Vgl. Ding ansich, Erscheinung, An-sich-Sein.

Klasse „an sich“ und „für sich“ bei Marx

Verwendung bei Sartre

In Jean-Paul Sartres philosophischem Werk Das Sein und das Nichts sind die Begriffe An sich und Für sich zwei wichtige Kategorien. Das Für sich ist das menschliche Bewusstsein, die menschliche Realität oder auch einfach der Mensch. Sartre grenzt diese Begriffe nicht voneinander ab und benutzt sie bedeutungsgleich. Das An sich hingegen ist alles, was dem Bewusstsein transzendent ist, so die Dinge in der Welt. Die zentrale Aufgabe von Das Sein und das Nichts ist es nun, nicht einem Dualismus von An sich und Für sich zu verfallen, sondern eine Verbindung zwischen beiden zu finden.

Literatur

  • Dietmar Eickelschulte: Art. An sich/für sich; an und für sich. In: Joachim Ritter (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 1, Basel 1971, 352–355
  • Gerhard Krüger: Ansichsein und Geschichte. In: Zeitschrift für philosophische Forschung 3/4 (1949).
  • Uwe Töllner: Sartres Ontologie und die Frage einer Ethik. Lang, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-631-49634-6.
Wiktionary: per se – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Metaphysik Z 6, 1032 a 5-6
  2. ↑ Immanuel Kant, Gesammelte Schriften. Hrsg.: Bd. 1–22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., AA IV, 288–289, Faksimile
  3. ↑ Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können, A 63/64
  4. ↑ https://www.hegel.net/werkstatt/artikel/logik/an_sich.htm
  5. ↑ Hegels Logik, Klaus Hartmann, Olaf L. Müller; Walter de Gruyter, 1999 ISBN 9783110137637
  6. ↑ Quelle: Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. Berlin 1904, S. 47-48. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20001780077 Lizenz: Gemeinfrei