„-ing“ – Versionsunterschied
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== -ing<ref>''Quelle:'' ''Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1376-1377.Permalink:'' ''http://www.zeno.org/nid/20000248592, Lizenz:'' ''[http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei], Faksimiles:'' ''[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-02-1376 1376] | [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-02-1377 1377], Kategorien:[http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]''</ref> == | |||
'''-ing''', eine Endsilbe verschiedener Hauptwörter, deren Abstammung aber noch nicht in allen Fällen ganz ausgemacht ist. Sie bedeutet, | |||
# Ein Land, ein Feld, eine Gegend; | |||
#* in welcher Bedeutung sie nur noch in den eigenthümlichen Nahmen verschiedener, besonders Oberdeutscher Länder und Örter, übrig ist, wo sie jetzt ingen lautet. | |||
#** Lotharingen, Lotharii Land. | |||
#** So auch Thüringen, Tübingen, Kitzingen, Memmingen | |||
#** u.s.f. | |||
#* In Schweden gibt es gleichfalls noch viele Nahmen der Örter auf -inge, | |||
#** und Frisch rechnet auch die Nahmen der Örter auf -in, | |||
#*** wie Stettin, Cöslin, Lenin, Küstrin u.s.f. dahin. | |||
#*** Hier stammet sie ohne Zweifel aus dem Angels. und Wallisischen [[-inge]], ein Feld, her. | |||
#* Die Schweizerische Mundart verwandelt dieses -ingen gemeiniglich in [[-ikon]]; | |||
#** Pfessikon für Pfessingen, Vlikon für Vlingen. | |||
#* Es ist sehr wahrscheinlich, | |||
#** daß auch verschiedene Deutsche Hauptwörter auf [[-ung]] gleichfalls mit zu dieser Endung gehören, | |||
#*** die man bisher irrig für Verbalia gehalten hat, | |||
#*** zumahl da die Endung ing auch in andern Fällen in ung übergehet. | |||
#** Dergleichen sind z.B. | |||
#*** die Waldung, eine waldige, mit Wald bewachsene Gegend, | |||
#*** die Holzung, eine mit Holz bewachsene Gegend, | |||
#*** die Hutung, eine zur Hut, d.i. Weide, bestimmte Gegend, | |||
#*** die Feldung, ein Feld, | |||
#*** die Freyung, eine befreyte Gegend, | |||
#*** die Stallung, eine mit Ställen bebauete Gegend, | |||
#*** und andere mehr. | |||
#*** ''Thie Heiminge'' ist bei dem [[Ottfried]] das Vaterland, die ''Heimath''. | |||
# Einen jungen Menschen, und in weiterer Bedeutung, einen Sohn, einen Nachkommen, | |||
#* wo es mit Enkel noch zu dem in Ober- und Niedersachsen üblichen Enke zu gehören scheinet, S. diese Wörter. | |||
#** Die meisten dieser Wörter sind jetzt veraltet. | |||
#** Ein Edelknabe hieß | |||
#*** bey den Angelsachsen Aethiling, | |||
#*** bey dem Ottfried Ediling, | |||
#*** im Engl. Adeling. | |||
#*** Kipping bedeutete im Angels. des Kippi Sohn, | |||
#*** Bryning des Bryn Sohn, | |||
#*** Skioldingim Schwed. Skiolds Sohn, | |||
#*** und Yngling des Ynge Sohn. | |||
#*** Carls des Großen Nachkommen sind in der Fränkischen Geschichte unter dem Nahmen der Carolinger, | |||
#*** so wie Meroväi unter dem Nahmen der Merowinger bekannt. | |||
#* Die Endung der Lat. Beywörter auf [[-inus]] scheinet damit verwandt zu seyn. | |||
#** Wachter leitet es in dieser Bedeutung von dem Wallisischen engi, gebären, her, | |||
#*** welches denn auch das Stammwort von Enke und Enkel seyn würde. | |||
#*** Im Schwedischen gehet das -ing hier oft in -ung über. | |||
# In noch weiterer Bedeutung, | |||
#* ein einzelnes Ding, ein Individuum von der Art, welche das vorstehende Hauptwort bedeutet. | |||
#** Der Häring, Lat. Halec. | |||
#** Gelbing und Gelbling, ein gelbes Ding, gelbes Thier. | |||
#** Henning bedeutet im Nieders. einen Hahn. | |||
#** Die Halsing ist bey den Jägern ein Halsband. S. auch die Kimming, | |||
#** der Bücking, Nieders. für Bückling | |||
#** u.s.f. | |||
#* In einigen gehet -ing in [[-ung]] über; | |||
#** wie in Halsung für Halsing, Hornung | |||
#** u.s.f. | |||
#* In andern ist [[-ig]] und ing nahe verwandt; | |||
#** König, ehedem Köning, | |||
#** Honig, im gemeinen Leben Honing, | |||
#** Pfennig, in gemeinen Leben Pfenning, | |||
#** Bottig, Botting | |||
#** u.s.f. | |||
#* Im Schwed. gibt es auch Abstracta auf ing, | |||
#** Sanning, die Wahrheit, | |||
#** Faegring, die Schönheit, | |||
#** welche ehedem Sannind, Faegrind lauteten. | |||
<div class="zenoCOAdRight">''<br>Siehe auch [[-ling]], welche Endung mit dieser genau verwandt ist, und [[-ung]].''</div></div> | |||
Aktuelle Version vom 8. Juni 2025, 13:36 Uhr
| Wrtndng |
in-g ahd.-deu. Zusammenziehung zu -ig
Das l in -ling l + ing des Wortbildungselement -ing ist erst zweitrangig angetreten (wohl ähnlich zu Ableitungen, die zum Wortstamm gehörendes -l- enthalten, vergleiche etwa ahd. hālingon, hālingun ‘heimlich’, ītalingūn ‘vergeblich’, zu Hehl bzw. eitel, zeigen die in früher Zeit gleichermaßen nachweisbaren Umstandswörter ahd. -ingū̌n, -ingon (z. B. ahd. arawingūn, ardingū̌n ‘umsonst, grundlos’, fāringūn ‘plötzlich, aus dem Hinterhalt’), mhd. (selten) -ingen.
-ing[1]
-ing, eine Endsilbe verschiedener Hauptwörter, deren Abstammung aber noch nicht in allen Fällen ganz ausgemacht ist. Sie bedeutet,
- Ein Land, ein Feld, eine Gegend;
- in welcher Bedeutung sie nur noch in den eigenthümlichen Nahmen verschiedener, besonders Oberdeutscher Länder und Örter, übrig ist, wo sie jetzt ingen lautet.
- Lotharingen, Lotharii Land.
- So auch Thüringen, Tübingen, Kitzingen, Memmingen
- u.s.f.
- In Schweden gibt es gleichfalls noch viele Nahmen der Örter auf -inge,
- und Frisch rechnet auch die Nahmen der Örter auf -in,
- wie Stettin, Cöslin, Lenin, Küstrin u.s.f. dahin.
- Hier stammet sie ohne Zweifel aus dem Angels. und Wallisischen -inge, ein Feld, her.
- und Frisch rechnet auch die Nahmen der Örter auf -in,
- Die Schweizerische Mundart verwandelt dieses -ingen gemeiniglich in -ikon;
- Pfessikon für Pfessingen, Vlikon für Vlingen.
- Es ist sehr wahrscheinlich,
- daß auch verschiedene Deutsche Hauptwörter auf -ung gleichfalls mit zu dieser Endung gehören,
- die man bisher irrig für Verbalia gehalten hat,
- zumahl da die Endung ing auch in andern Fällen in ung übergehet.
- Dergleichen sind z.B.
- die Waldung, eine waldige, mit Wald bewachsene Gegend,
- die Holzung, eine mit Holz bewachsene Gegend,
- die Hutung, eine zur Hut, d.i. Weide, bestimmte Gegend,
- die Feldung, ein Feld,
- die Freyung, eine befreyte Gegend,
- die Stallung, eine mit Ställen bebauete Gegend,
- und andere mehr.
- Thie Heiminge ist bei dem Ottfried das Vaterland, die Heimath.
- daß auch verschiedene Deutsche Hauptwörter auf -ung gleichfalls mit zu dieser Endung gehören,
- in welcher Bedeutung sie nur noch in den eigenthümlichen Nahmen verschiedener, besonders Oberdeutscher Länder und Örter, übrig ist, wo sie jetzt ingen lautet.
- Einen jungen Menschen, und in weiterer Bedeutung, einen Sohn, einen Nachkommen,
- wo es mit Enkel noch zu dem in Ober- und Niedersachsen üblichen Enke zu gehören scheinet, S. diese Wörter.
- Die meisten dieser Wörter sind jetzt veraltet.
- Ein Edelknabe hieß
- bey den Angelsachsen Aethiling,
- bey dem Ottfried Ediling,
- im Engl. Adeling.
- Kipping bedeutete im Angels. des Kippi Sohn,
- Bryning des Bryn Sohn,
- Skioldingim Schwed. Skiolds Sohn,
- und Yngling des Ynge Sohn.
- Carls des Großen Nachkommen sind in der Fränkischen Geschichte unter dem Nahmen der Carolinger,
- so wie Meroväi unter dem Nahmen der Merowinger bekannt.
- Die Endung der Lat. Beywörter auf -inus scheinet damit verwandt zu seyn.
- Wachter leitet es in dieser Bedeutung von dem Wallisischen engi, gebären, her,
- welches denn auch das Stammwort von Enke und Enkel seyn würde.
- Im Schwedischen gehet das -ing hier oft in -ung über.
- Wachter leitet es in dieser Bedeutung von dem Wallisischen engi, gebären, her,
- wo es mit Enkel noch zu dem in Ober- und Niedersachsen üblichen Enke zu gehören scheinet, S. diese Wörter.
- In noch weiterer Bedeutung,
- ein einzelnes Ding, ein Individuum von der Art, welche das vorstehende Hauptwort bedeutet.
- Der Häring, Lat. Halec.
- Gelbing und Gelbling, ein gelbes Ding, gelbes Thier.
- Henning bedeutet im Nieders. einen Hahn.
- Die Halsing ist bey den Jägern ein Halsband. S. auch die Kimming,
- der Bücking, Nieders. für Bückling
- u.s.f.
- In einigen gehet -ing in -ung über;
- wie in Halsung für Halsing, Hornung
- u.s.f.
- In andern ist -ig und ing nahe verwandt;
- König, ehedem Köning,
- Honig, im gemeinen Leben Honing,
- Pfennig, in gemeinen Leben Pfenning,
- Bottig, Botting
- u.s.f.
- Im Schwed. gibt es auch Abstracta auf ing,
- Sanning, die Wahrheit,
- Faegring, die Schönheit,
- welche ehedem Sannind, Faegrind lauteten.
- ein einzelnes Ding, ein Individuum von der Art, welche das vorstehende Hauptwort bedeutet.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1376-1377.Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000248592, Lizenz: Gemeinfrei, Faksimiles: 1376 | 1377, Kategorien:Lexikalischer Artikel