-ing
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| Wrtndng |
in-g ahd.-deu. Zusammenziehung zu -ig
Das l in -ling l + ing des Wortbildungselement -ing ist erst zweitrangig angetreten (wohl ähnlich zu Ableitungen, die zum Wortstamm gehörendes -l- enthalten, vergleiche etwa ahd. hālingon, hālingun ‘heimlich’, ītalingūn ‘vergeblich’, zu Hehl bzw. eitel, zeigen die in früher Zeit gleichermaßen nachweisbaren Umstandswörter ahd. -ingū̌n, -ingon (z. B. ahd. arawingūn, ardingū̌n ‘umsonst, grundlos’, fāringūn ‘plötzlich, aus dem Hinterhalt’), mhd. (selten) -ingen.
-ing, eine Endsilbe verschiedener Hauptwörter, deren Abstammung aber noch nicht in allen Fällen ganz ausgemacht ist. Sie bedeutet,
- Ein Land, ein Feld, eine Gegend;
- in welcher Bedeutung sie nur noch in den eigenthümlichen Nahmen verschiedener, besonders Oberdeutscher Länder und Örter, übrig ist, wo sie jetzt ingen lautet.
- Lotharingen, Lotharii Land.
- So auch Thüringen, Tübingen, Kitzingen, Memmingen
- u.s.f.
- In Schweden gibt es gleichfalls noch viele Nahmen der Örter auf -inge,
- und Frisch rechnet auch die Nahmen der Örter auf -in,
- wie Stettin, Cöslin, Lenin, Küstrin u.s.f. dahin.
- Hier stammet sie ohne Zweifel aus dem Angels. und Wallisischen -inge, ein Feld, her.
- und Frisch rechnet auch die Nahmen der Örter auf -in,
- Die Schweizerische Mundart verwandelt dieses -ingen gemeiniglich in -ikon;
- Pfessikon für Pfessingen, Vlikon für Vlingen.
- Es ist sehr wahrscheinlich,
- daß auch verschiedene Deutsche Hauptwörter auf -ung gleichfalls mit zu dieser Endung gehören,
- die man bisher irrig für Verbalia gehalten hat,
- zumahl da die Endung ing auch in andern Fällen in ung übergehet.
- Dergleichen sind z.B.
- die Waldung, eine waldige, mit Wald bewachsene Gegend,
- die Holzung, eine mit Holz bewachsene Gegend,
- die Hutung, eine zur Hut, d.i. Weide, bestimmte Gegend,
- die Feldung, ein Feld,
- die Freyung, eine befreyte Gegend,
- die Stallung, eine mit Ställen bebauete Gegend,
- und andere mehr.
- Thie Heiminge ist bei dem Ottfried das Vaterland, die Heimath.
- daß auch verschiedene Deutsche Hauptwörter auf -ung gleichfalls mit zu dieser Endung gehören,
- in welcher Bedeutung sie nur noch in den eigenthümlichen Nahmen verschiedener, besonders Oberdeutscher Länder und Örter, übrig ist, wo sie jetzt ingen lautet.
- Einen jungen Menschen, und in weiterer Bedeutung, einen Sohn, einen Nachkommen,
- wo es mit Enkel noch zu dem in Ober- und Niedersachsen üblichen Enke zu gehören scheinet, S. diese Wörter.
- Die meisten dieser Wörter sind jetzt veraltet.
- Ein Edelknabe hieß
- bey den Angelsachsen Aethiling,
- bey dem Ottfried Ediling,
- im Engl. Adeling.
- Kipping bedeutete im Angels. des Kippi Sohn,
- Bryning des Bryn Sohn,
- Skioldingim Schwed. Skiolds Sohn,
- und Yngling des Ynge Sohn.
- Carls des Großen Nachkommen sind in der Fränkischen Geschichte unter dem Nahmen der Carolinger,
- so wie Meroväi unter dem Nahmen der Merowinger bekannt.
- Die Endung der Lat. Beywörter auf -inus scheinet damit verwandt zu seyn.
- Wachter leitet es in dieser Bedeutung von dem Wallisischen engi, gebären, her,
- welches denn auch das Stammwort von Enke und Enkel seyn würde.
- Im Schwedischen gehet das -ing hier oft in -ung über.
- Wachter leitet es in dieser Bedeutung von dem Wallisischen engi, gebären, her,
- wo es mit Enkel noch zu dem in Ober- und Niedersachsen üblichen Enke zu gehören scheinet, S. diese Wörter.
- In noch weiterer Bedeutung,
- ein einzelnes Ding, ein Individuum von der Art, welche das vorstehende Hauptwort bedeutet.
- Der Häring, Lat. Halec.
- Gelbing und Gelbling, ein gelbes Ding, gelbes Thier.
- Henning bedeutet im Nieders. einen Hahn.
- Die Halsing ist bey den Jägern ein Halsband. S. auch die Kimming,
- der Bücking, Nieders. für Bückling
- u.s.f.
- In einigen gehet -ing in -ung über;
- wie in Halsung für Halsing, Hornung
- u.s.f.
- In andern ist -ig und ing nahe verwandt;
- König, ehedem Köning,
- Honig, im gemeinen Leben Honing,
- Pfennig, in gemeinen Leben Pfenning,
- Bottig, Botting
- u.s.f.
- Im Schwed. gibt es auch Abstracta auf ing,
- Sanning, die Wahrheit,
- Faegring, die Schönheit,
- welche ehedem Sannind, Faegrind lauteten.
- ein einzelnes Ding, ein Individuum von der Art, welche das vorstehende Hauptwort bedeutet.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1376-1377.Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000248592, Lizenz: Gemeinfrei, Faksimiles: 1376 | 1377, Kategorien:Lexikalischer Artikel