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„Charakter“ – Versionsunterschied

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Charakter [[Sprachstufe::agr.-lat.-deu.]] wrt. '[[Zeichner]]; [[Zeichen]]'
¦⊕¦ griechische Wortbedeutung als „eingeprägtes oder eingebranntes Zeichen oder Schriftzeichen“
 
* m. ‘Gesamtheit der Wesenszüge, Eigenart eines Menschen oder einer Sache’,
** mhd. karacter ‘Buchstabe, Zauberschrift, Merkmal’,
** von lat. ''[[charactēr]]'', '[[Brandeisen]], [[Maker]], [[Merkmal]]'; '[[Zeichen]]'
*** v. griech. ''[[charaktḗr]]'' (χαρακτήρ) ‘Werkzeug zum Graben, Gravieren, eingeritzter Buchstabe, körperliche und sprachliche Eigenart, Merkmal’,
** im Lat. auch ‘das den Tieren (auch Sklaven) eingebrannte Erkennungszeichen, der Stempel’,
*** zu griech. ''[[charássein]]'' (''χαράσσειν'') ‘spitzen, ritzen, eingraben, prägen’.
* Die Bedeutung ‘Buchstabe, Zauberzeichen’ ist noch im 18. Jh. nachzuweisen.
* Die bis ins 19. Jh. bezeugte Verwendung im Sinne von ‘Merkmal, Zeichen’
** wird seit dem Ende des 17. Jhs. auf Stand und Rang einer Person (den Charakter eines Sekretärs erhalten)
** und in zunehmendem Maße seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. auf die Gesamtheit ihrer Wesenszüge, auf ihre Eigenart bezogen.
** Der Charakter ist also im wesentlichen das dem Menschen ‘Eingeritzte, Eingeprägte’ an psychischen und geistigen Eigenarten.
** Diese Bedeutung liegt bereits im Griech. vor, wird aber im Dt., wohl unter Einfluß von frz. caractère, erneut entwickelt.
** Auch die Verwendung von Charakter bei Sachobjekten entsteht in der 1. Hälfte des 18. Jhs.
<p>'''Charakter''' steht für:</p><p>in der Psychologie:</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter Charakter], die moralisch relevanten Kompetenzen eines Menschen
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nlichkeit Persönlichkeit],[https://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nlichkeitseigenschaft Persönlichkeitseigenschaft], die Eigenschaften eines Individuums
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Charaktertypen Charaktertypen], veraltet für Persönlichkeitseigenschaft
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Merkmal Merkmal], eine erkennbare Eigenschaft einer Person, einer Sache oder eines Zusammenhangs
*die[https://de.wikipedia.org/wiki/Emotionale_Intelligenz emotionale Intelligenz]eines Menschen
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakterrolle Charakterrolle], eine Theaterrolle mit ausgeprägten Persönlichkeitszügen
<p>eine fiktionale Person:</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Literarische_Figur Literarische Figur]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Rolle_(Theater) Rolle (Theater)], ebenso im Film
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstfigur Kunstfigur]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Spielercharakter Spielercharakter](Rollenspiel)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Computerspielfigur Computerspielfigur](Rollenspiel)
<p>Geographie, Landschaftsplanung, Naturschutz:</p>
*Eigenart einer Gegend, einer[https://de.wikipedia.org/wiki/Landschaft Landschaft]
<p>Weiteres:</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter_(Mathematik) Charakter (Mathematik)], eine Darstellung einer Gruppe in die multiplikative Gruppe der komplexen Zahlen
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter_(Titel) Charakter (Titel)], ein Titular- oder Ehrenrang, im englischen Sprachgebrauch auch[https://de.wikipedia.org/wiki/Brevet-Rang Brevet-Rang]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftzeichen Schriftzeichen], veraltend
*Vorderseite ([https://de.wikipedia.org/wiki/Avers_(Numismatik) Avers (Numismatik)]) einer Münze, siehe auch[https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnzpr%C3%A4gung#Stempel_und_Stempelherstellung Münzprägung #Stempel und Stempelherstellung]
 
== Charakter ==
<p>Unter '''Charakter''' versteht man traditionell – ausgehend von der aristotelischen [[Ethik]] – und erneut in der modernen [[Psychologie]] diejenigen [[Kompetenz (Psychologie)|persönlichen Kompetenzen]], die die Voraussetzung für ein [[moralisch|moralisches]] Verhalten bilden.</p>
<p>In einer zweiten, in der antiken [[Naturphilosophie]] wurzelnden Traditionslinie versteht man unter dem Charakter eines Menschen auch dessen [[Temperament]] bzw. dessen auffällige Verhaltensgewohnheiten.</p>
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Begriffsgeschichte ==
</div>
<div class="mw-heading mw-heading3">
=== Griechisches Altertum ===
</div>
<p>Das Wort geht auf altgriechisch <span class="Grek" lang="grc-Grek">χαρακτήρ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">[[charaktér]]</span> zurück und bedeutet dort ursprünglich „[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4gestempel Prägestempel]“, „[[Prägung]]“, und im übertragenen Sinne auch „[[Merkmal|Eigenart]]“.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-1 [1]]</sup> [[Galenos|Galens]] [[Temperamentenlehre]], die auf der [https://de.wikipedia.org/wiki/Corpus_Hippocraticum hippokratischen] [[Humoralpathologie]] basierte, unterschied zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Melancholiker melancholischen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Choleriker cholerischen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Sanguiniker sanguinischen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Phlegmatiker phlegmatischen][https://de.wikipedia.org/wiki/Charaktertypen Charaktertypen] (oft auch als Temperamente bezeichnet), in der Hoffnung, daraus Schlüsse über die Behandlung von Krankheiten ziehen zu können. Diese Lehre inspirierte viele spätere Temperamentenlehren, wurde aber immer wieder in Frage gestellt und gilt, seit [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Virchow Rudolf Virchow] im 19. Jahrhundert der [https://de.wikipedia.org/wiki/Zellularpathologie Zellularpathologie] zum Durchbruch verhalf, als vollständig überholt.</p>
<p>Ein weitaus moderneres Charakterkonzept entwickelte [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] im 4. Jahrhundert v.&nbsp;Chr. in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Nikomachische_Ethik Nikomachischen Ethik]. Aristoteles stellt darin fest, dass der Mensch, um gut und glücklich zu leben, [https://de.wikipedia.org/wiki/Tugend Tugenden] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Arete aretai]) besitzen müsse. Dabei unterscheidet er zwischen Verstandestugenden, die durch Belehrung erworben werden, und Charakter- bzw. ethischen Tugenden (''aretai ēthikai''), die der Mensch sich durch [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbung Übung] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewohnheit Gewohnheit] aneigne. Zu den letzteren zählt er ‒ neben den drei [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon platonischen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Kardinaltugend Kardinaltugenden][https://de.wikipedia.org/wiki/Tapferkeit Tapferkeit], [https://de.wikipedia.org/wiki/Besonnenheit Besonnenheit] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechtigkeit Gerechtigkeit] ‒ unter anderem die [https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fz%C3%BCgigkeit Freigiebigkeit], die hohe Gesinnung und die Wahrhaftigkeit.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-2 [2]]</sup> Der Mensch werde mit solchen sittlichen Tüchtigkeiten nicht geboren, bringe jedoch die Anlage mit, um diese zu entwickeln. Die Kultivierung des Charakters (ἕξις, ''hexis'') ist für Aristoteles ein langwieriger Prozess des moralischen Übens und Eingewöhnens. Den idealen Rahmen hierfür bilde die [https://de.wikipedia.org/wiki/Polis Polis], die mit ihren Regelsystemen gewährleiste, dass das Individuum nicht nur belehrt, sondern an gleichförmiges tugendhaftes Handeln gewöhnt werde.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-3 [3]]</sup></p>
<div class="mw-heading mw-heading3">
=== Judentum, Christentum und Islam ===
</div>
<p>Zentrale Bedeutung hat das Konzept des Charakters als moralische Größe seit jeher auch im [https://de.wikipedia.org/wiki/Judentum Judentum]. So wird im [https://de.wikipedia.org/wiki/Talmud Talmud] Charakter als Summe gottgefälliger Verhaltensmuster verstanden.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-4 [4]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Maimonides Maimonides], der im 12. Jahrhundert rabbinische Lehren im Lichte der aristotelischen Ethik neu interpretierte, lehrte, dass der Mensch gute Charakterzüge erwirbt, indem er gewohnheitsmäßig gut handle, wobei eine Tat dann gut sei, wenn sie die Extreme meide und „gerade richtig“ sei.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-5 [5]]</sup> Vor Maimonides hatten bereits [https://de.wikipedia.org/wiki/Solomon_ibn_Gabirol Solomon ibn Gabirol] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Bachja_ibn_Pakuda Bachja ibn Pakuda] zum jüdischen Charakterkonzept beigetragen.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-6 [6]]</sup> Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aggada Aggada] nach dient auch das Studium und das Sammeln von Weisheit allein der Verbesserung des Charakters.<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-7 [7]]</sup></p>
<p>Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Christentum Christentum] wird, allgemein zusammengefasst, bei jeweiligen menschlichen Entscheidungen, ein Mittelweg zwischen Gut und Böse als noch nicht ausreichend gesehen, um als „Gerechter“ vor Gott zu gelten, um letztlich als solcher in „verherrlichter Gestalt“ in das [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewiges_Leben Ewige Leben] einzuziehen (siehe auch ([https://de.wikipedia.org/wiki/1._Brief_des_Petrus 1 Petr] 4,19&nbsp;<small>[https://www.bibleserver.com/EU/1.Petrus4%2C19 EU]</small>)). Petrus beschreibt den Weg zum guten Menschen und zur Gnade Gottes, indem er in ([https://de.wikipedia.org/wiki/1._Brief_des_Petrus 1 Petr] 4,19&nbsp;<small>[https://www.bibleserver.com/EU/1.Petrus4%2C19 EU]</small>) sagt, der Mensch soll Gutes tun und dadurch sein Leben dem treuen Schöpfer „anbefehlen“. Ein „guter Mensch“ setzt demnach solche Handlungen, die „primär“ von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Liebe_Gottes Liebe Gottes] her [https://de.wikipedia.org/wiki/Motivation motiviert] sind, insbesondere gute Taten, denen er, nach einem inneren Konflikt mit einem [https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCnde sündhaften] [https://de.wikipedia.org/wiki/Bed%C3%BCrfnis Bedürfnis] aus den [https://de.wikipedia.org/wiki/Instinkt Trieben] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Natur Natur] (vgl. z.&nbsp;B. ([https://de.wikipedia.org/wiki/1._Brief_des_Petrus 1 Petr] 3,12&nbsp;<small>[https://www.bibleserver.com/EU/1.Petrus3%2C12 EU]</small>), ([https://de.wikipedia.org/wiki/2._Brief_des_Paulus_an_Timotheus 2 Tim] 2,22&nbsp;<small>[https://www.bibleserver.com/EU/2.Timotheus2%2C22 EU]</small>), ([https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_nach_Lukas Lk] 14,12-14&nbsp;<small>[https://www.bibleserver.com/EU/Lk14%2C12-14 EU]</small>)), den Vorzug gab. Ein Konzept des Charakters als Repräsentation von Tugenden innerhalb des Menschen erscheint auch sehr früh in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologische_Ethik christlichen Ethik]. So begriff bereits [https://de.wikipedia.org/wiki/Augustinus_von_Hippo Augustinus] (354–430) den sittlichen Charakter des Menschen als Ausdruck des Lebens im [https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Geist Heiligen Geist] und als Voraussetzung für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewiges_Leben Ewige Leben] (nach dem Tod), in Vereinigung und Verähnlichung mit Gott (vgl. auch<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-8 [8]]</sup>). Diesbezüglich kritisierte er den aristotelischen Tugendkanon – ''virtutes'' wie die Selbstbeherrschung bezeichnete er deshalb, wenn sie nicht allein darauf zielten, den Menschen Gott näher zu bringen, als ein Laster – und ließ allein christliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Demut Demut] (''humilitas'') und Liebe (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Karitas caritas]'') als heilsbringend gelten (siehe auch <sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-9 [9]]</sup>). [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin] (um 1225–1274), der seine Tugendlehre ebenfalls auf die von Aristoteles aufbaut, spricht vom „[https://de.wikipedia.org/wiki/Habitus_(Soziologie) Habitus]“ des Menschen, der gewohnheitsmäßig entweder gute oder böse Handlungen wähle, wobei ihn als Theologen besonders die menschliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille Willensfreiheit] interessiert.<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-10 [10]]</sup> Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther Luther] widerspricht die Vorstellung, dass untugendhafte Menschen sich durch wiederholt gute Taten einen tugendhaften Habitus selbst erwerben können, dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_(Buch) Evangelium], das verkündet, so ein Mensch müsse zuerst in eigener [https://de.wikipedia.org/wiki/Bu%C3%9Fe_(Religion) Buße] bzw. [https://de.wikipedia.org/wiki/Umkehr Umkehr] durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnade_(Theologie) Gnade] Gottes Vergebung erfahren und – bevor er das [https://de.wikipedia.org/wiki/Himmel_(Religion) Himmelreich] schauen kann – von seinen Sünden [https://de.wikipedia.org/wiki/Erl%C3%B6sung erlöst] werden (Vgl. auch <sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-11 [11]]</sup>).</p>
<p>Eine von der aristotelischen Ethik beeinflusste Charakterkonzeption findet sich auch im [https://de.wikipedia.org/wiki/Islam Islam], etwa bei [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Abu_al-Hassan_al-Amiri&action=edit&redlink=1 Abu al-Hassan al-Amiri] († 992) und bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Ebn_Meskavayh Ebn Meskavayh] (932–1030), dessen Schriften ''Tahḏib al-aḵlāq wa-taṭhir al-aʿrāq'' und ''Tartib al-Sa’adat'' im Wesentlichen Zusammenfassungen der aristotelischen Überlieferung darstellen.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-12 [12]]</sup></p>
<p>Im 10. Jahrhundert absorbierte [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Yahya_ibn_Adi&action=edit&redlink=1 Yahya ibn Adi] (†974), ein in [https://de.wikipedia.org/wiki/Bagdad Bagdad] lebender Philosoph, der ein Grenzgänger zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Christentum Christentum] und Islam war, die aristotelischen Überlegungen für seine Schrift ''Tahdhib Al-Akhlaq''.<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-13 [13]]</sup></p>
<p>Der Islam zeigt in etlichen Überlieferungen (Sunna), dass der Charakter ein wichtiger Anteil der Religion ist, wobei der Charakter des Propheten Muhammad als „Quranisch“ beschrieben wird. „[...] Ich sagte: O Mutter der Gläubigen! Erzähle mir vom Charakter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm. Sie erwiderte: Liest du den Koran nicht? Ich sagte: Doch! Sie sagte: Der Charakter des Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, war der Koran. (Das heißt, daß er sich laut dem Koran benahm.)[...]“<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-14 [14]]</sup></p>
<p>Die Ausprägung des Begriffs ''Al-Akhlaq'' wird als Charakter übersetzt und kann als aus mehreren Bestandteilen bestehend beschrieben werden, unter anderem die angeborenen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Fitra Fitra]), aber auch die praktizierten oder antrainierten ('ada) sowie die durch dauerhafte Praxis der Seelenreinigung (''Tazkiyatun Nafs'') oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Charaktererziehung Charaktererziehung] geprägten Eigenschaften, die sich in dem Charakter verwandeln.<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-15 [15]]</sup><sup id="cite_ref-16" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-16 [16]]</sup></p>
<blockquote><p>''"Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, wurde gefragt: „Wer ist der edelste unter allen Leuten?“ Und er antwortete: „Derjenige, der am gottesfürchtigsten ist.“ Die Leute sagten: „Nicht danach haben wir dich gefragt.“ Er sagte: „Dann der edelste unter den Menschen ist Yusuf (Josef), der Prophet Allahs, Sohn des Propheten Allahs, Sohn des Propheten Allahs, Sohn des Freundes Allahs.“ Die Leute sagten: „Nicht danach haben wir dich gefragt.“ Er sagte: „Dann fragt ihr also über die Charakterzüge unter den Arabern? Die Menschen haben verschiedene Charakterzüge. Die besten von ihnen in der Zeit vor dem Islam (Ğahiliyya), sind auch die besten von ihnen im Islam, wenn sie nur belehrt sind (in Glaubensfragen).“''<sup id="cite_ref-17" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-17 [17]]</sup></p>
<p>ähnliches im Quran:</p>
<p>''„An dem Tag wird jede Seele das, was sie an Gutem getan hat, bereit finden. Und von dem, was sie an Bösem getan hat, hätte sie gern, wenn zwischen ihr und ihm ein weiter Abstand wäre. Und Allah mahnt euch zur Vorsicht vor Sich selbst. Allah ist Gnädig zu den Menschen.“(Al Qur'an 3:30)''<sup id="cite_ref-18" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-18 [18]]</sup></p></blockquote>
<div class="mw-heading mw-heading3">
=== Frankreich ===
</div>
<p>Das Wort „Charakter“ gelangte erst im 17. Jahrhundert in den deutschsprachigen Raum, und zwar über [https://de.wikipedia.org/wiki/Frankreich Frankreich], wo etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_de_Montaigne Montaigne] den Ausdruck bereits im 16. Jahrhundert verwendet hatte.<sup id="cite_ref-19" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-19 [19]]</sup> Eine zentrale Rolle spielte der ''caractère'' dann in der Moral- und Erziehungsphilosophie [https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Jacques_Rousseau Rousseaus], der davor warnt, dem Verstand des Kindes mehr Aufmerksamkeit zu widmen als seinem Gemüt und Charakter, und empfiehlt, diesen Charakter gegen die Zufälle des Lebens ebenso abzuhärten wie den Körper.<sup id="cite_ref-20" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-20 [20]]</sup></p>
<div class="mw-heading mw-heading3">
=== Deutsche Aufklärung und Deutscher Idealismus ===
</div>
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Kant] definierte Charakter als die „praktische konsequente Denkungsart nach unveränderlichen Maximen“.<sup id="cite_ref-21" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-21 [21]]</sup> Rousseau hatte starken Einfluss auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Campe Johann Heinrich Campe], der die Charakterbildung des Kindes ebenfalls ins Zentrum seiner Erziehungsphilosophie stellte.<sup id="cite_ref-22" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-22 [22]]</sup> Im moralischen Schrifttum der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung Aufklärung] erlebte der Begriff insgesamt eine Psychologisierung und [https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A4kularisierung Säkularisierung]; er wurde neu definiert als Summe von [https://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nlichkeit Persönlichkeitseigenschaften], unter denen eine herausragt und den Charakter bestimmt. Prägnante Beispiele für dieses Konzept finden sich in den Satiren [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottlieb_Wilhelm_Rabener Gottlieb Wilhelm Rabeners] und in [https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_F%C3%BCrchtegott_Gellert Christian Fürchtegott Gellerts] ''Moralischen Vorlesungen''. In der Musik erschien parallel die Form des [https://de.wikipedia.org/wiki/Charakterst%C3%BCck Charakterstücks].<sup id="cite_ref-23" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-23 [23]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schiller Friedrich Schiller] regte 1795 an, den Charakter durch [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84sthetische_Bildung ästhetische Bildung] zu veredeln.<sup id="cite_ref-24" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-24 [24]]</sup> Die Charakterbildung, die neben Schiller u.&nbsp;a. auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wolfgang_von_Goethe Goethe] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Humboldt Wilhelm von Humboldt] fordern und deren Ideal in Deutschland der [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnstler Künstlertypus] ist, wird im ausgehenden 18. Jahrhundert zu einem Gegenentwurf zum bürgerlichen Nützlichkeitsdenken.<sup id="cite_ref-25" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-25 [25]]</sup></p>
<div class="mw-heading mw-heading3">
=== Charakterologie des 19. Jahrhunderts ===
</div>
<p>Im 19. Jahrhundert entstand – in Deutschland geführt von dem Philosophen [https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Bahnsen Julius Bahnsen] – eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Charakterkunde Charakterkunde], die erneut den Versuch einer psychologischen Typologie von Charakterformen unternahm.</p>
<div class="mw-heading mw-heading3">
=== 20. Jahrhundert ===
</div>
<p>Der Psychoanalytiker [https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fromm Erich Fromm] unterschied in den 1930er Jahren zwischen einem Individualcharakter und einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialcharakter Sozialcharakter] bzw. Gesellschaftscharakter, wobei letzterer die sozial signifikante Kernstruktur der Persönlichkeiten bezeichnet, die einer bestimmten Gesellschaft angehören. Als Beispiele nennt er einen oral-rezeptiven, einen narzisstischen, einen konformistischen, einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Marketing-Charakter Marketing-] und einen nekrophil-destruktiven Charakter. Noch stärkeren Einfluss erlangte sein Konzept eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter autoritären Charakters], mit dem Fromm ein bestimmtes Muster von sozialen Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmalen bezeichnete, die für [https://de.wikipedia.org/wiki/Faschismus faschistische Ideologien] besonders anfällig mache. [https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_W._Adorno Theodor W. Adorno] und andere entwickelten auf dieser Grundlage später ihre Theorie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4re_Pers%C3%B6nlichkeit autoritären Persönlichkeit]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Havighurst Robert Havighurst] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_F._Peck Robert F. Peck] stellten die Entwicklung des Charakters auf eine empirische Basis in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungspsychologie Entwicklungspsychologie].<sup id="cite_ref-26" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-26 [26]]</sup></p>
<div class="mw-heading mw-heading3">
=== Gegenwart ===
</div>
<p>In den 1990er Jahren gelangte der Begriff „Charakter“ erneut in den wissenschaftlichen Diskurs. So definierte der Sozialtheoretiker [https://de.wikipedia.org/wiki/Amitai_Etzioni Amitai Etzioni] 1993 folgendermaßen:</p>
<div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Wir verstehen unter ‚Charakter‘ die psychologischen Muskeln, die es einem Menschen erlauben, Impulse zu kontrollieren und Belohnung aufzuschieben, was für Erfolg, Leistung und moralisches Handeln grundlegend ist.“</p></blockquote></div>
<div class="cite">– <span class="Person h-card">Amitai Etzioni</span><sup id="cite_ref-27" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-27 [27]]</sup></div></div>
<p>Der Politikwissenschaftler [https://de.wikipedia.org/wiki/James_Q._Wilson James Q. Wilson] definierte 1991, dass ein ''guter Charakter'' mindestens folgende zwei Dinge umfasse: [https://de.wikipedia.org/wiki/Empathie Empathie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstkontrolle Selbstkontrolle].<sup id="cite_ref-28" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-28 [28]]</sup> In diesem Sinne wurde der Begriff bald auch von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Positive_Psychologie Positiven Psychologie] aufgegriffen, die den Charakter für diejenige Größe hält, die den stärksten Einfluss darauf hat, ob Menschen ein – psychologisch gesehen – gutes Leben führen.<sup id="cite_ref-29" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Charakter#cite_note-29 [29]]</sup> Angeregt durch die Einsichten von Forschern wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Seligman Martin Seligman] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Mih%C3%A1ly_Cs%C3%ADkszentmih%C3%A1lyi Mihály Csíkszentmihályi] sowie durch die Forschung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Bandura Albert Bandura], [https://de.wikipedia.org/wiki/Howard_Gardner Howard Gardner] und das Konzept der [https://de.wikipedia.org/wiki/Emotionale_Intelligenz emotionalen Intelligenz] entstanden in den USA im ausgehenden 20. Jahrhundert erneut auch Ansätze zu einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Charaktererziehung Charaktererziehung]. Eine zweite Traditionslinie, deren Vertreter besonders auf die schulische Charaktererziehung setzen, geht von [https://de.wikipedia.org/wiki/Lawrence_Kohlberg Lawrence Kohlbergs] 1958 begründeter [https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlbergs_Theorie_der_Moralentwicklung Theorie der Moralentwicklung] aus und führt u.&nbsp;a. über die Lehrerausbildungsprogramme von [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Lickona Thomas Lickona].</p>
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Literatur ==
</div>
*James Q. Wilson: ''On Character: Essays'', erweiterte Ausgabe, Washington, D.C.: AEI Press, 1995, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0844737860 ISBN 0-8447-3786-0] ([https://books.google.com/books?id=Qd9L2kQoxr0C eingeschränkte Online-Version] in der Google-Buchsuche-[https://de.wikisource.org/wiki/Wikisource:Google_Book_Search#Nutzung_eines_US-Proxys USA])
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Asmuth Bernhard Asmuth]: „Charakter“. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 1 (A–G), hrsg. von Klaus Weimar. Berlin/New York: de Gruyter 1997, S. 297–299. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110108968 ISBN 3-11-010896-8].
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Weblinks ==
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]
</div>
<div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Charakter Wiktionary: Charakter]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="sisterproject"><div class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wikiquote">[[file:13px-Wikiquote-logo.svg.png|13x16px]]</span></span></div>
'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Charakter Wikiquote: Charakter]'''&nbsp;– Zitate</div>
*Marcia Homiak:&nbsp;[https://plato.stanford.edu/entries/moral-character/ ''Moral Character.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]'',&nbsp;2019.
*Kevin Timpe:&nbsp;[https://iep.utm.edu/moral-ch/ ''Moral Character.''] In: J. Fieser, B. Dowden (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Encyclopedia_of_Philosophy Internet Encyclopedia of Philosophy]''.
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Einzelnachweise ==
 
#<span class="reference-text">Anja Ansorg: ''ABC des Glaubens'', Münster: Edition Octopus, 2. Auflage 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783865823885 ISBN 978-3-86582-388-5], S. 13</span>
#<span class="reference-text">[https://web.archive.org/web/20151228020319/http://www.reinhold-specht.de/seminararbeiten/nikomachische/seite16.php Nikomachische Ethik] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Web-Archivierung#Begrifflichkeiten <span class="webarchiv-memento">Memento</span>] des <span class="dewiki-iconexternal">[https://redirecter.toolforge.org/?url=http%3A%2F%2Fwww.reinhold-specht.de%2Fseminararbeiten%2Fnikomachische%2Fseite16.php Originals]</span> vom 28. Dezember 2015 im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive]'') <small><span class="wp_boppel noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span title="i">[[file:15px-Pictogram_voting_info.svg.png|15x15px]]</span></span>&nbsp;'''Info:''' Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß [https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:InternetArchiveBot/Anleitung/Archivlink Anleitung] und entferne dann diesen Hinweis.</small>; Otto Willmann: ''Geschichte des Idealismus'', Braunschweig: Vieweg und Sohn, 1907, S. 522</span>
#<span class="reference-text">Otfried Höffe: ''Aristoteles’ Politische Anthropologie'', S. 21–35, in: Otfried Höffe (Hrsg.): ''Aristoteles'', Berlin: Akademie Verlag, 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3050035757 ISBN 3-05-003575-7], S. 29; Hava Tirosh-Samuelson: ''Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being'', Hebrew Union College Press, 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0878204539 ISBN 0-87820-453-9], S. 24</span>
#<span class="reference-text">Rabbi Ben Zion Bokser: ''The Wisdom of the Talmud'', New York: Philosophical Library, 1951</span>
#<span class="reference-text">Hilchot De'ot 1:7; Hava Tirosh-Samuelson: ''Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being'', Hebrew Union College Press, 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0878204539 ISBN 0-87820-453-9], S. 234</span>
#<span class="reference-text">Hava Tirosh-Samuelson: ''Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being'', Hebrew Union College Press, 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0878204539 ISBN 0-87820-453-9], S. 234, S. 144f</span>
#<span class="reference-text">Hayim Zalman Dimitrovsky: ''Exploring the Talmud'', Band 1, New York: Ktav Publishing House, 1976, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0870682547 ISBN 0-87068-254-7]</span>
#<span class="reference-text">Josef Mausbach: ''Die Ethik des Heiligen Augustinus'', 1. Band: ''Die sittliche Ordnung und ihre Grundlagen'', Hamburg: Severus, 2010, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783942382717 ISBN 978-3-942382-71-7], S. 380f</span>
#<span class="reference-text">Christian Tornau: ''Zwischen Rhetorik und Philosophie'', Berlin: Walter de Gruyter, 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/311019130X ISBN 3-11-019130-X], S. 144f</span>
#<span class="reference-text">Martin Rhonheimer: ''Die Perspektive der Moral. Philosophische Grundlagen der Tugendethik'', Berlin: Akademie Verlag, 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/305003629X ISBN 3-05-003629-X], S. 177; Ludwig Hödl: ''Philosophische Ethik und Moral-Theologie in der Summa Fr. Thomae'', S. 36f, in: [https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Zimmermann_(Philosophiehistoriker) Albert Zimmermann] (Hrsg.): ''Thomas von Aquin: Werk und Wirkung im Licht neuerer Forschungen'', Walter de Berlin: Gruyter, 1987, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110111799 ISBN 3-11-011179-9], S. 23‒42</span>
#<span class="reference-text">Luca Baschera: ''Tugend und Rechtfertigung. Peter Martyr Vermiglis Kommentar zur Nikomachischen Ethik im Spannungsfeld von Philosophie und Theologie'', Theologischer Verlag Zürich, 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783290175061 ISBN 978-3-290-17506-1], S. 123</span>
#<span class="reference-text">Hava Tirosh-Samuelson: ''Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being'', Hebrew Union College Press, 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0878204539 ISBN 0-87820-453-9], S. 234, S. 151</span>
#<span class="reference-text">Hava Tirosh-Samuelson: ''Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being'', Hebrew Union College Press, 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0878204539 ISBN 0-87820-453-9], S. 234, S. 151; [http://islamicencyclopedia.org/public/index/topicDetail/id/958 Tahdhib Al-Akhlaq]</span>
#<span class="reference-text"><span class="cite">[https://islamische-datenbank.de/sahih-muslim?chapterno=7&hadithid=36&action=display ''Sahih Muslim.'']<span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 2.&nbsp;April 2021</span>.</span></span>
#<span class="reference-text"><span class="cite">[http://www.al-sakina.de/inhalt/hadith/hadith.html ''Aussprüche des Propheten Muhammad (s.a.s.).'']<span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 2.&nbsp;April 2021</span>.</span></span>
#<span class="reference-text"><span class="cite">[https://www.al-islam.org/jami-al-saadat-the-collector-of-felicities-muhammad-mahdi-ibn-abi-dharr-al-naraqi/meaning-and-origin ''The Meaning and Origin of Akhlaq.''] 27.&nbsp;September 2012,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 2.&nbsp;April 2021</span> (englisch).</span></span>
#<span class="reference-text"><span class="cite">[https://islamische-datenbank.de/sahih-muslim?chapterno=43&hadithid=55&action=display ''Sahih Muslim.'']<span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 2.&nbsp;April 2021</span>.</span></span>
#<span class="reference-text"><span class="cite">[https://tanzil.net/#trans/de.bubenheim/3:30 ''Tanzil - Quran Navigator | القرآن الكريم.'']<span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 2.&nbsp;April 2021</span>.</span></span>
#<span class="reference-text">Vgl. Anja Ansorg: ''ABC des Glaubens'', Münster: Edition Octopus, 2. Auflage 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783865823885 ISBN 978-3-86582-388-5], S. 13; Michel de Montaigne: [http://www.textlog.de/30885.html ''Der Mensch hat gemeiniglich einen unbestimmten Charakter'']</span>
#<span class="reference-text">Joseph R. Reisert: ''Jean-Jacques Rousseau: A Friend of Virtue'', Ithaca, New York: Cornell University Press, 2003; Otto Hänssel: ''Der Einfluss Rousseaus auf die philosophisch-pädagogischen Anschauungen Herders'' (Doktorarbeit), Dresden: Bleyl und Kaemmerer, 1902, S. 17, 29</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_praktischen_Vernunft Kritik der praktischen Vernunft], 2. Teil, II 192; Rudolf Eisler: ''[http://www.textlog.de/31966.html Kant-Lexikon]'', 1930</span>
#<span class="reference-text">Ernst Wilhelm Hartmann: ''Jean-Jacques Rousseaus Einfluss auf Joachim Heinrich Campe'' (Doktorarbeit), Neuenburg/Westpreußen, 1904, S. 103</span>
#<span class="reference-text">Friedrich Maurer, Heinz Rupp: ''Deutsche Wortgeschichte'', Band 2, Berlin: De Gruyter, 1974, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110036193 ISBN 3-11-003619-3], S. 48</span>
#<span class="reference-text">Friedrich Schiller: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_%C3%A4sthetische_Erziehung_des_Menschen Über die ästhetische Erziehung des Menschen]''</span>
#<span class="reference-text">Hans-Georg Pott: ''Pragmatische Anthropologie bei Kant, Schiller und Wilhelm von Humboldt'', S. 212, in: Hans Feger, Hans Richard Brittnacher (Hrsg.: ''Die Realität der Idealisten: Friedrich Schiller, Wilhelm von Humboldt, Alexander von Humboldt''), Köln: Böhlau, 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783412201487 ISBN 978-3-412-20148-7], S. 203–213</span>
#<span class="reference-text">Robert F. Peck, Robert James Havighurst, Ruth Cooper: <cite>The Psychology of Character Development</cite>. Wiley, 1960 ([https://books.google.de/books/about/The_Psychology_of_Character_Development.html?id=rIqfAAAAMAAJ&redir_esc=y google.de] [abgerufen am 13.&nbsp;August 2020]).</span>
#<span class="reference-text">Amitai Etzioni: ''The Spirit of Community: The Reinvention of American Society'', Touchstone, 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0671885243 ISBN 0-671-88524-3], S. 91; vgl. Amitai Etzioni u.&nbsp;a.: ''Character Building of a Democratic, Civil Society'', Washington, D.C.: The Communitarian Network, 1994</span>
#<span class="reference-text">James Q. Wilson: On Character, S. 5</span>
#<span class="reference-text">Martin Seligman, Mihály Csíkszentmihályi: ''Positive Psychology: An Introduction'', [https://de.wikipedia.org/wiki/American_Psychologist American Psychologist], Band 55, Heft 1, Januar 2000, S. 5–14; Christopher Peterson, Willibald Ruch, Ursula Beermann, Nansook Park, Martin Seligman: ''Strengths of character, orientations to happiness, and life satisfaction'', The Journal of Positive Psychology, Band 2, Heft 3, 2007, S. 149–156</span>
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<references />

Aktuelle Version vom 2. April 2026, 08:03 Uhr

Charakter agr.-lat.-deu. wrt. 'Zeichner; Zeichen'

  • m. ‘Gesamtheit der Wesenszüge, Eigenart eines Menschen oder einer Sache’,
    • mhd. karacter ‘Buchstabe, Zauberschrift, Merkmal’,
    • von lat. charactēr, 'Brandeisen, Maker, Merkmal'; 'Zeichen'
      • v. griech. charaktḗr (χαρακτήρ) ‘Werkzeug zum Graben, Gravieren, eingeritzter Buchstabe, körperliche und sprachliche Eigenart, Merkmal’,
    • im Lat. auch ‘das den Tieren (auch Sklaven) eingebrannte Erkennungszeichen, der Stempel’,
      • zu griech. charássein (χαράσσειν) ‘spitzen, ritzen, eingraben, prägen’.
  • Die Bedeutung ‘Buchstabe, Zauberzeichen’ ist noch im 18. Jh. nachzuweisen.
  • Die bis ins 19. Jh. bezeugte Verwendung im Sinne von ‘Merkmal, Zeichen’
    • wird seit dem Ende des 17. Jhs. auf Stand und Rang einer Person (den Charakter eines Sekretärs erhalten)
    • und in zunehmendem Maße seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. auf die Gesamtheit ihrer Wesenszüge, auf ihre Eigenart bezogen.
    • Der Charakter ist also im wesentlichen das dem Menschen ‘Eingeritzte, Eingeprägte’ an psychischen und geistigen Eigenarten.
    • Diese Bedeutung liegt bereits im Griech. vor, wird aber im Dt., wohl unter Einfluß von frz. caractère, erneut entwickelt.
    • Auch die Verwendung von Charakter bei Sachobjekten entsteht in der 1. Hälfte des 18. Jhs.

Charakter steht für:

in der Psychologie:

eine fiktionale Person:

Geographie, Landschaftsplanung, Naturschutz:

Weiteres:

Charakter

Unter Charakter versteht man traditionell – ausgehend von der aristotelischen Ethik – und erneut in der modernen Psychologie diejenigen persönlichen Kompetenzen, die die Voraussetzung für ein moralisches Verhalten bilden.

In einer zweiten, in der antiken Naturphilosophie wurzelnden Traditionslinie versteht man unter dem Charakter eines Menschen auch dessen Temperament bzw. dessen auffällige Verhaltensgewohnheiten.

Begriffsgeschichte

Griechisches Altertum

Das Wort geht auf altgriechisch χαρακτήρ charaktér zurück und bedeutet dort ursprünglich „Prägestempel“, „Prägung“, und im übertragenen Sinne auch „Eigenart“.[1] Galens Temperamentenlehre, die auf der hippokratischen Humoralpathologie basierte, unterschied zwischen melancholischen, cholerischen, sanguinischen und phlegmatischenCharaktertypen (oft auch als Temperamente bezeichnet), in der Hoffnung, daraus Schlüsse über die Behandlung von Krankheiten ziehen zu können. Diese Lehre inspirierte viele spätere Temperamentenlehren, wurde aber immer wieder in Frage gestellt und gilt, seit Rudolf Virchow im 19. Jahrhundert der Zellularpathologie zum Durchbruch verhalf, als vollständig überholt.

Ein weitaus moderneres Charakterkonzept entwickelte Aristoteles im 4. Jahrhundert v. Chr. in seiner Nikomachischen Ethik. Aristoteles stellt darin fest, dass der Mensch, um gut und glücklich zu leben, Tugenden (aretai) besitzen müsse. Dabei unterscheidet er zwischen Verstandestugenden, die durch Belehrung erworben werden, und Charakter- bzw. ethischen Tugenden (aretai ēthikai), die der Mensch sich durch Übung und Gewohnheit aneigne. Zu den letzteren zählt er ‒ neben den drei platonischen KardinaltugendenTapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit ‒ unter anderem die Freigiebigkeit, die hohe Gesinnung und die Wahrhaftigkeit.[2] Der Mensch werde mit solchen sittlichen Tüchtigkeiten nicht geboren, bringe jedoch die Anlage mit, um diese zu entwickeln. Die Kultivierung des Charakters (ἕξις, hexis) ist für Aristoteles ein langwieriger Prozess des moralischen Übens und Eingewöhnens. Den idealen Rahmen hierfür bilde die Polis, die mit ihren Regelsystemen gewährleiste, dass das Individuum nicht nur belehrt, sondern an gleichförmiges tugendhaftes Handeln gewöhnt werde.[3]

Judentum, Christentum und Islam

Zentrale Bedeutung hat das Konzept des Charakters als moralische Größe seit jeher auch im Judentum. So wird im Talmud Charakter als Summe gottgefälliger Verhaltensmuster verstanden.[4] Maimonides, der im 12. Jahrhundert rabbinische Lehren im Lichte der aristotelischen Ethik neu interpretierte, lehrte, dass der Mensch gute Charakterzüge erwirbt, indem er gewohnheitsmäßig gut handle, wobei eine Tat dann gut sei, wenn sie die Extreme meide und „gerade richtig“ sei.[5] Vor Maimonides hatten bereits Solomon ibn Gabirol und Bachja ibn Pakuda zum jüdischen Charakterkonzept beigetragen.[6] Der Aggada nach dient auch das Studium und das Sammeln von Weisheit allein der Verbesserung des Charakters.[7]

Im Christentum wird, allgemein zusammengefasst, bei jeweiligen menschlichen Entscheidungen, ein Mittelweg zwischen Gut und Böse als noch nicht ausreichend gesehen, um als „Gerechter“ vor Gott zu gelten, um letztlich als solcher in „verherrlichter Gestalt“ in das Ewige Leben einzuziehen (siehe auch (1 Petr 4,19 EU)). Petrus beschreibt den Weg zum guten Menschen und zur Gnade Gottes, indem er in (1 Petr 4,19 EU) sagt, der Mensch soll Gutes tun und dadurch sein Leben dem treuen Schöpfer „anbefehlen“. Ein „guter Mensch“ setzt demnach solche Handlungen, die „primär“ von der Liebe Gottes her motiviert sind, insbesondere gute Taten, denen er, nach einem inneren Konflikt mit einem sündhaften Bedürfnis aus den Trieben der Natur (vgl. z. B. (1 Petr 3,12 EU), (2 Tim 2,22 EU), (Lk 14,12-14 EU)), den Vorzug gab. Ein Konzept des Charakters als Repräsentation von Tugenden innerhalb des Menschen erscheint auch sehr früh in der christlichen Ethik. So begriff bereits Augustinus (354–430) den sittlichen Charakter des Menschen als Ausdruck des Lebens im Heiligen Geist und als Voraussetzung für das Ewige Leben (nach dem Tod), in Vereinigung und Verähnlichung mit Gott (vgl. auch[8]). Diesbezüglich kritisierte er den aristotelischen Tugendkanon – virtutes wie die Selbstbeherrschung bezeichnete er deshalb, wenn sie nicht allein darauf zielten, den Menschen Gott näher zu bringen, als ein Laster – und ließ allein christliche Demut (humilitas) und Liebe (caritas) als heilsbringend gelten (siehe auch [9]). Thomas von Aquin (um 1225–1274), der seine Tugendlehre ebenfalls auf die von Aristoteles aufbaut, spricht vom „Habitus“ des Menschen, der gewohnheitsmäßig entweder gute oder böse Handlungen wähle, wobei ihn als Theologen besonders die menschliche Willensfreiheit interessiert.[10] Für Luther widerspricht die Vorstellung, dass untugendhafte Menschen sich durch wiederholt gute Taten einen tugendhaften Habitus selbst erwerben können, dem Evangelium, das verkündet, so ein Mensch müsse zuerst in eigener Buße bzw. Umkehr durch die Gnade Gottes Vergebung erfahren und – bevor er das Himmelreich schauen kann – von seinen Sünden erlöst werden (Vgl. auch [11]).

Eine von der aristotelischen Ethik beeinflusste Charakterkonzeption findet sich auch im Islam, etwa bei Abu al-Hassan al-Amiri († 992) und bei Ebn Meskavayh (932–1030), dessen Schriften Tahḏib al-aḵlāq wa-taṭhir al-aʿrāq und Tartib al-Sa’adat im Wesentlichen Zusammenfassungen der aristotelischen Überlieferung darstellen.[12]

Im 10. Jahrhundert absorbierte Yahya ibn Adi (†974), ein in Bagdad lebender Philosoph, der ein Grenzgänger zwischen Christentum und Islam war, die aristotelischen Überlegungen für seine Schrift Tahdhib Al-Akhlaq.[13]

Der Islam zeigt in etlichen Überlieferungen (Sunna), dass der Charakter ein wichtiger Anteil der Religion ist, wobei der Charakter des Propheten Muhammad als „Quranisch“ beschrieben wird. „[...] Ich sagte: O Mutter der Gläubigen! Erzähle mir vom Charakter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm. Sie erwiderte: Liest du den Koran nicht? Ich sagte: Doch! Sie sagte: Der Charakter des Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, war der Koran. (Das heißt, daß er sich laut dem Koran benahm.)[...]“[14]

Die Ausprägung des Begriffs Al-Akhlaq wird als Charakter übersetzt und kann als aus mehreren Bestandteilen bestehend beschrieben werden, unter anderem die angeborenen (Fitra), aber auch die praktizierten oder antrainierten ('ada) sowie die durch dauerhafte Praxis der Seelenreinigung (Tazkiyatun Nafs) oder Charaktererziehung geprägten Eigenschaften, die sich in dem Charakter verwandeln.[15][16]

"Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, wurde gefragt: „Wer ist der edelste unter allen Leuten?“ Und er antwortete: „Derjenige, der am gottesfürchtigsten ist.“ Die Leute sagten: „Nicht danach haben wir dich gefragt.“ Er sagte: „Dann der edelste unter den Menschen ist Yusuf (Josef), der Prophet Allahs, Sohn des Propheten Allahs, Sohn des Propheten Allahs, Sohn des Freundes Allahs.“ Die Leute sagten: „Nicht danach haben wir dich gefragt.“ Er sagte: „Dann fragt ihr also über die Charakterzüge unter den Arabern? Die Menschen haben verschiedene Charakterzüge. Die besten von ihnen in der Zeit vor dem Islam (Ğahiliyya), sind auch die besten von ihnen im Islam, wenn sie nur belehrt sind (in Glaubensfragen).“[17]

ähnliches im Quran:

„An dem Tag wird jede Seele das, was sie an Gutem getan hat, bereit finden. Und von dem, was sie an Bösem getan hat, hätte sie gern, wenn zwischen ihr und ihm ein weiter Abstand wäre. Und Allah mahnt euch zur Vorsicht vor Sich selbst. Allah ist Gnädig zu den Menschen.“(Al Qur'an 3:30)[18]

Frankreich

Das Wort „Charakter“ gelangte erst im 17. Jahrhundert in den deutschsprachigen Raum, und zwar über Frankreich, wo etwa Montaigne den Ausdruck bereits im 16. Jahrhundert verwendet hatte.[19] Eine zentrale Rolle spielte der caractère dann in der Moral- und Erziehungsphilosophie Rousseaus, der davor warnt, dem Verstand des Kindes mehr Aufmerksamkeit zu widmen als seinem Gemüt und Charakter, und empfiehlt, diesen Charakter gegen die Zufälle des Lebens ebenso abzuhärten wie den Körper.[20]

Deutsche Aufklärung und Deutscher Idealismus

Kant definierte Charakter als die „praktische konsequente Denkungsart nach unveränderlichen Maximen“.[21] Rousseau hatte starken Einfluss auf Johann Heinrich Campe, der die Charakterbildung des Kindes ebenfalls ins Zentrum seiner Erziehungsphilosophie stellte.[22] Im moralischen Schrifttum der Aufklärung erlebte der Begriff insgesamt eine Psychologisierung und Säkularisierung; er wurde neu definiert als Summe von Persönlichkeitseigenschaften, unter denen eine herausragt und den Charakter bestimmt. Prägnante Beispiele für dieses Konzept finden sich in den Satiren Gottlieb Wilhelm Rabeners und in Christian Fürchtegott Gellerts Moralischen Vorlesungen. In der Musik erschien parallel die Form des Charakterstücks.[23] Friedrich Schiller regte 1795 an, den Charakter durch ästhetische Bildung zu veredeln.[24] Die Charakterbildung, die neben Schiller u. a. auch Goethe und Wilhelm von Humboldt fordern und deren Ideal in Deutschland der Künstlertypus ist, wird im ausgehenden 18. Jahrhundert zu einem Gegenentwurf zum bürgerlichen Nützlichkeitsdenken.[25]

Charakterologie des 19. Jahrhunderts

Im 19. Jahrhundert entstand – in Deutschland geführt von dem Philosophen Julius Bahnsen – eine Charakterkunde, die erneut den Versuch einer psychologischen Typologie von Charakterformen unternahm.

20. Jahrhundert

Der Psychoanalytiker Erich Fromm unterschied in den 1930er Jahren zwischen einem Individualcharakter und einem Sozialcharakter bzw. Gesellschaftscharakter, wobei letzterer die sozial signifikante Kernstruktur der Persönlichkeiten bezeichnet, die einer bestimmten Gesellschaft angehören. Als Beispiele nennt er einen oral-rezeptiven, einen narzisstischen, einen konformistischen, einen Marketing- und einen nekrophil-destruktiven Charakter. Noch stärkeren Einfluss erlangte sein Konzept eines autoritären Charakters, mit dem Fromm ein bestimmtes Muster von sozialen Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmalen bezeichnete, die für faschistische Ideologien besonders anfällig mache. Theodor W. Adorno und andere entwickelten auf dieser Grundlage später ihre Theorie der autoritären Persönlichkeit. Robert Havighurst und Robert F. Peck stellten die Entwicklung des Charakters auf eine empirische Basis in der Entwicklungspsychologie.[26]

Gegenwart

In den 1990er Jahren gelangte der Begriff „Charakter“ erneut in den wissenschaftlichen Diskurs. So definierte der Sozialtheoretiker Amitai Etzioni 1993 folgendermaßen:

„Wir verstehen unter ‚Charakter‘ die psychologischen Muskeln, die es einem Menschen erlauben, Impulse zu kontrollieren und Belohnung aufzuschieben, was für Erfolg, Leistung und moralisches Handeln grundlegend ist.“

– Amitai Etzioni[27]

Der Politikwissenschaftler James Q. Wilson definierte 1991, dass ein guter Charakter mindestens folgende zwei Dinge umfasse: Empathie und Selbstkontrolle.[28] In diesem Sinne wurde der Begriff bald auch von der Positiven Psychologie aufgegriffen, die den Charakter für diejenige Größe hält, die den stärksten Einfluss darauf hat, ob Menschen ein – psychologisch gesehen – gutes Leben führen.[29] Angeregt durch die Einsichten von Forschern wie Martin Seligman und Mihály Csíkszentmihályi sowie durch die Forschung von Albert Bandura, Howard Gardner und das Konzept der emotionalen Intelligenz entstanden in den USA im ausgehenden 20. Jahrhundert erneut auch Ansätze zu einer Charaktererziehung. Eine zweite Traditionslinie, deren Vertreter besonders auf die schulische Charaktererziehung setzen, geht von Lawrence Kohlbergs 1958 begründeter Theorie der Moralentwicklung aus und führt u. a. über die Lehrerausbildungsprogramme von Thomas Lickona.

Literatur

Wiktionary: Charakter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Anja Ansorg: ABC des Glaubens, Münster: Edition Octopus, 2. Auflage 2008, ISBN 978-3-86582-388-5, S. 13
  2. Nikomachische Ethik (Memento des Originals vom 28. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.; Otto Willmann: Geschichte des Idealismus, Braunschweig: Vieweg und Sohn, 1907, S. 522
  3. Otfried Höffe: Aristoteles’ Politische Anthropologie, S. 21–35, in: Otfried Höffe (Hrsg.): Aristoteles, Berlin: Akademie Verlag, 2001, ISBN 3-05-003575-7, S. 29; Hava Tirosh-Samuelson: Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being, Hebrew Union College Press, 2003, ISBN 0-87820-453-9, S. 24
  4. Rabbi Ben Zion Bokser: The Wisdom of the Talmud, New York: Philosophical Library, 1951
  5. Hilchot De'ot 1:7; Hava Tirosh-Samuelson: Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being, Hebrew Union College Press, 2003, ISBN 0-87820-453-9, S. 234
  6. Hava Tirosh-Samuelson: Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being, Hebrew Union College Press, 2003, ISBN 0-87820-453-9, S. 234, S. 144f
  7. Hayim Zalman Dimitrovsky: Exploring the Talmud, Band 1, New York: Ktav Publishing House, 1976, ISBN 0-87068-254-7
  8. Josef Mausbach: Die Ethik des Heiligen Augustinus, 1. Band: Die sittliche Ordnung und ihre Grundlagen, Hamburg: Severus, 2010, ISBN 978-3-942382-71-7, S. 380f
  9. Christian Tornau: Zwischen Rhetorik und Philosophie, Berlin: Walter de Gruyter, 2006, ISBN 3-11-019130-X, S. 144f
  10. Martin Rhonheimer: Die Perspektive der Moral. Philosophische Grundlagen der Tugendethik, Berlin: Akademie Verlag, 2001, ISBN 3-05-003629-X, S. 177; Ludwig Hödl: Philosophische Ethik und Moral-Theologie in der Summa Fr. Thomae, S. 36f, in: Albert Zimmermann (Hrsg.): Thomas von Aquin: Werk und Wirkung im Licht neuerer Forschungen, Walter de Berlin: Gruyter, 1987, ISBN 3-11-011179-9, S. 23‒42
  11. Luca Baschera: Tugend und Rechtfertigung. Peter Martyr Vermiglis Kommentar zur Nikomachischen Ethik im Spannungsfeld von Philosophie und Theologie, Theologischer Verlag Zürich, 2008, ISBN 978-3-290-17506-1, S. 123
  12. Hava Tirosh-Samuelson: Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being, Hebrew Union College Press, 2003, ISBN 0-87820-453-9, S. 234, S. 151
  13. Hava Tirosh-Samuelson: Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being, Hebrew Union College Press, 2003, ISBN 0-87820-453-9, S. 234, S. 151; Tahdhib Al-Akhlaq
  14. Sahih Muslim. Abgerufen am 2. April 2021.
  15. Aussprüche des Propheten Muhammad (s.a.s.). Abgerufen am 2. April 2021.
  16. The Meaning and Origin of Akhlaq. 27. September 2012, abgerufen am 2. April 2021 (englisch).
  17. Sahih Muslim. Abgerufen am 2. April 2021.
  18. Tanzil - Quran Navigator | القرآن الكريم. Abgerufen am 2. April 2021.
  19. Vgl. Anja Ansorg: ABC des Glaubens, Münster: Edition Octopus, 2. Auflage 2008, ISBN 978-3-86582-388-5, S. 13; Michel de Montaigne: Der Mensch hat gemeiniglich einen unbestimmten Charakter
  20. Joseph R. Reisert: Jean-Jacques Rousseau: A Friend of Virtue, Ithaca, New York: Cornell University Press, 2003; Otto Hänssel: Der Einfluss Rousseaus auf die philosophisch-pädagogischen Anschauungen Herders (Doktorarbeit), Dresden: Bleyl und Kaemmerer, 1902, S. 17, 29
  21. Kritik der praktischen Vernunft, 2. Teil, II 192; Rudolf Eisler: Kant-Lexikon, 1930
  22. Ernst Wilhelm Hartmann: Jean-Jacques Rousseaus Einfluss auf Joachim Heinrich Campe (Doktorarbeit), Neuenburg/Westpreußen, 1904, S. 103
  23. Friedrich Maurer, Heinz Rupp: Deutsche Wortgeschichte, Band 2, Berlin: De Gruyter, 1974, ISBN 3-11-003619-3, S. 48
  24. Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen
  25. Hans-Georg Pott: Pragmatische Anthropologie bei Kant, Schiller und Wilhelm von Humboldt, S. 212, in: Hans Feger, Hans Richard Brittnacher (Hrsg.: Die Realität der Idealisten: Friedrich Schiller, Wilhelm von Humboldt, Alexander von Humboldt), Köln: Böhlau, 2008, ISBN 978-3-412-20148-7, S. 203–213
  26. Robert F. Peck, Robert James Havighurst, Ruth Cooper: The Psychology of Character Development. Wiley, 1960 (google.de [abgerufen am 13. August 2020]).
  27. Amitai Etzioni: The Spirit of Community: The Reinvention of American Society, Touchstone, 1993, ISBN 0-671-88524-3, S. 91; vgl. Amitai Etzioni u. a.: Character Building of a Democratic, Civil Society, Washington, D.C.: The Communitarian Network, 1994
  28. James Q. Wilson: On Character, S. 5
  29. Martin Seligman, Mihály Csíkszentmihályi: Positive Psychology: An Introduction, American Psychologist, Band 55, Heft 1, Januar 2000, S. 5–14; Christopher Peterson, Willibald Ruch, Ursula Beermann, Nansook Park, Martin Seligman: Strengths of character, orientations to happiness, and life satisfaction, The Journal of Positive Psychology, Band 2, Heft 3, 2007, S. 149–156