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„Traktat“ – Versionsunterschied

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<p style="text-align: justify;" >¦∑¦ Trakt + at;</p><p style="text-align: justify;" >¦∅¦ wortwörtlich sinngemäß "Herangezogenes"; (wissenschaftliche) Abhandlung, Überlegung, Behandlung zur Stellung undoder Antwort einer Fachfrage; Tätigkeitswort dazu ist ''traktieren'';<br></p><p style="text-align: justify;" >¦⊕¦ verwandt mit Traktor, Trakt, Tracht, tragen und so weiter und bezieht sich jeweils auf ziehen und dann auch tragen; der Begriff wurde dann mit vielen schlechten Nebenbedeutungen belegt und viel weitestgehend aus dem Gebrauch (siehe Herkunft);<br></p><p style="text-align: justify;" >¦⊗¦ ‘(kurze, wissenschaftliche) Abhandlung, (religiöse) Flugschrift, Übereinkunft, Vertrag’;</p><p>¦√¦ uig. <span class="etymwb-mentioned">*''trāgh''-</span> ‘ziehen, sich am Boden schleppen, sich bewegen, laufen’; u<abbr title="indoeuropäisch">ig.</abbr> <span class="etymwb-mentioned">*''dherāgh''-</span>, <span class="etymwb-mentioned">*''dhrā̌gh''-</span> ‘ziehen, am Boden schleifen’; Ausgangsbedeutung für ''<span class="etymwb-mentioned">tragen</span>'' scheint ‘am Boden dahingleiten, schleppen, ziehen’ (von Lasten) zu sein, aus der sich ‘tragen’ (durch Lasttiere, Menschen) entwickelt.</p><p style="text-align: justify;" >¦↵¦ entlehnt (14. Jh.) aus <abbr title="lateinisch">lat.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">tractātus</span>'' ‘Behandlung, Beschäftigung, Erörterung, Abhandlung, Überlegung’ zu lat. <em class="Latn mention" lang="la">[https://en.wiktionary.org/wiki/tracto#Latin tractō]</em>, <em class="Latn mention" lang="la">[https://en.wiktionary.org/wiki/traho#Latin trahō]</em> 'ziehen' +‎ <em class="Latn mention" lang="la">[https://en.wiktionary.org/wiki/-to#Latin -tō; ]</em><abbr title="mittellateinisch">mlat.</abbr> auch ‘Sendschreiben, Vertrag’, einer Substantivbildung zu <abbr title="lateinisch">lat.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">tractāre</span>'' ‘behandeln, betreiben, sich mit etw. beschäftigen, bearbeiten, untersuchen, überdenken’, eigentlich ‘(herum)schleppen, -ziehen’, Intensivum zu <abbr title="lateinisch">lat.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">trahere</span>'' (<span class="etymwb-mentioned">tractum</span>) ‘ziehen, schleppen’ (siehe trachten). <span class="etymwb-headword"><span class="etymwb-orth">traktieren</span> <span class="etymwb-gramgrp">Vb. <abbr title="lateinisch">lat.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">tractāre</span>'' </span></span>‘(schlecht) behandeln, plagen, quälen, ein Thema abhandeln, verhandeln, (üppig) bewirten’ (15. Jh.), ;</p>
<p style="text-align: justify;" >¦∑¦ [[Trakt]] + [[-at]]; [[wrtl.-sgm.]] "Herangezogenes"; (wissenschaftliche) Abhandlung, Überlegung, Behandlung zur Stellung undoder Antwort einer Fachfrage; Tätigkeitswort dazu ist ''traktieren'';</p>
 
* verwandt mit Traktor, Trakt, Tracht, tragen und so weiter und bezieht sich jeweils auf ziehen und dann auch tragen; der Begriff wurde dann mit vielen schlechten Nebenbedeutungen belegt und viel weitestgehend aus dem Gebrauch (siehe Herkunft);<br><p style="text-align: justify;" >¦⊗¦ ‘(kurze, wissenschaftliche) Abhandlung, (religiöse) Flugschrift, Übereinkunft, Vertrag’;</p><p>¦√¦ uig. <span class="etymwb-mentioned">*''trāgh''-</span> ‘ziehen, sich am Boden schleppen, sich bewegen, laufen’; u<abbr title="indoeuropäisch">ig.</abbr> <span class="etymwb-mentioned">*''dherāgh''-</span>, <span class="etymwb-mentioned">*''dhrā̌gh''-</span> ‘ziehen, am Boden schleifen’; Ausgangsbedeutung für ''<span class="etymwb-mentioned">tragen</span>'' scheint ‘am Boden dahingleiten, schleppen, ziehen’ (von Lasten) zu sein, aus der sich ‘tragen’ (durch Lasttiere, Menschen) entwickelt.</p>¦↵¦ entlehnt (14. Jh.) aus <abbr title="lateinisch">lat.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">tractātus</span>'' ‘Behandlung, Beschäftigung, Erörterung, Abhandlung, Überlegung’ zu lat. <em class="Latn mention" lang="la">[https://en.wiktionary.org/wiki/tracto#Latin tractō]</em>, <em class="Latn mention" lang="la">[https://en.wiktionary.org/wiki/traho#Latin trahō]</em> 'ziehen' +‎ <em class="Latn mention" lang="la">[https://en.wiktionary.org/wiki/-to#Latin -tō;]</em><abbr title="mittellateinisch">mlat.</abbr> auch ‘Sendschreiben, Vertrag’, einer Substantivbildung zu <abbr title="lateinisch">lat.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">tractāre</span>'' ‘behandeln, betreiben, sich mit etw. beschäftigen, bearbeiten, untersuchen, überdenken’, eigentlich ‘(herum)schleppen, -ziehen’, Intensivum zu <abbr title="lateinisch">lat.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">trahere</span>'' (<span class="etymwb-mentioned">tractum</span>) ‘ziehen, schleppen’ (siehe trachten). <span class="etymwb-headword"><span class="etymwb-orth">traktieren</span> <span class="etymwb-gramgrp">Vb. <abbr title="lateinisch">lat.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">tractāre</span>'' </span></span>‘(schlecht) behandeln, plagen, quälen, ein Thema abhandeln, verhandeln, (üppig) bewirten’ (15. Jh.), ;
 
= Traktat =
Ein '''Traktat''' (von [[Latein|lateinisch]] ''tractatus'' „Abhandlung, Erörterung“, von ''tractare''<ref>Vgl. auch [[Friedrich Kluge]], [[Alfred Götze (Philologe)|Alfred Götze]]: ''[[Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache]].'' 20. Aufl., hrsg. von [[Walther Mitzka]], De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 785 (''traktieren''/''tractāre'': ‚bewirten, handhaben, behandeln, erörtern, verhandeln‘).</ref>) ist eine kurze schriftliche [[Abhandlung]] über ein Thema. Sowohl die [[Maskulinum|männliche]] Form ''der Traktat'' als auch die [[Neutrum|sächliche]] Form ''das Traktat'' sind gebräuchlich.<ref>{{Internetquelle |autor= |url=https://www.duden.de/rechtschreibung/Traktat |titel=Traktat, das oder der |werk=[[Duden]] |hrsg=Cornelsen Verlag |datum= |abruf=2024-02-15}}</ref>
 
Die [[Publikation]] in Traktat-Form stammt aus der [[Antike]]. Als Literaturgattung ist sie dadurch gekennzeichnet, dass zwischen Kapiteln und vollständigem Text keine weiteren Gliederungsstrukturen vorhanden sind.<ref>Gundolf Keil: ''„dits die beste raet die icker toe can gegeuen genomen vte platearise“. Quellenkundliche Anmerkungen zu Ypermans Medicine.'' In: ''Geneeskunde in nederlandstalige teksten tot 1600.'' Koninklijke Academie voor Geneeskunde van België, Brüssel 2012 (2013), ISBN 978-90-75273-29-8, S. 93–137; hier: S. 106, Anm. 86 (zum im 12. Jahrhundert verfassten Traktat ''Practica brevis'' des Johannes Platearius).</ref> Oft werden im Traktat religiöse, philosophische, kulturelle, politische, moralische oder (natur-)wissenschaftliche Themen behandelt.<ref name=JK/>
 
Außer für literarische Werke wurde der Begriff früher auch im Sinne von „Vertrag“ verwendet<ref>{{Internetquelle |url=https://woerterbuchnetz.de/?sigle=DWB&lemma=Traktat#1 |titel=Wörterbuchnetz |abruf=2023-04-13}}</ref>, auch heute noch gelegentlich für Staatsverträge. So werden Verträge wie diejenigen über die [[Teilungen Polens|Polnischen Teilungen]] auch als ''Partagetraktat'' bezeichnet.
 
== Aktueller Gebrauch ==
Heute werden Traktate oft zur Verbreitung [[Religion|religiöser]] oder politischer [[Ideologie]]n eingesetzt. Sie erheben in diesem Zusammenhang keinen wissenschaftlichen Anspruch. Durch die häufige Verwendung zu [[Didaktik|didaktisch]]-[[Dogma|dogmatischen]] Zwecken hat das Wort ''Traktat'' im Deutschen mitunter einen negativen Beiklang. Im Unterschied zum [[Essay]] wird von einem Traktat keine literarische Eleganz erwartet, sondern sachlich orientierte Darstellung von Wissen.<ref name="JK">{{Webarchiv |url=http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/washeisst/traktat.htm |text=Literaturwissenschaft Essen |wayback=20070216223139}}, geschrieben von dem Literaturwissenschaftler [[Jürgen Link]].</ref>
 
Traktate zielen vielmehr darauf ab, die betreffenden Ideen allgemein verständlich und mit großer Überzeugungskraft darzustellen. Häufig werden diese dann in der [[Fußgängerzone]] oder direkt an der Haustür zu [[Mission (Christentum)|Missionszwecken]] kostenlos angeboten oder liegen an öffentlich zugänglichen Orten zur Mitnahme aus. Flug-, Streit- und Schmähschriften fallen unter den Begriff [[Pamphlet]]. Beide Bezeichnungen haben je nach Kontext einen mehr oder weniger negativen Unterton ([[Konnotation]]).
 
== Geschichte ==
Traktate im Sinne philosophischer und wissenschaftlicher Abhandlungen wurden bereits im Altertum verfasst, darunter sehr bedeutende mit überragender Nachwirkung, sowohl in der klassischen griechisch-römischen [[Antike]] im Mittelmeerraum als auch im [[Geschichte Indiens|Alten Indien]] sowie im [[Chinesisches Altertum|Alten China]].
 
Der [[Traktat (Architektur)|Architekturtraktat]] war eine literarische Gattung des 15. und 16. Jahrhunderts, durch die vor allem die Entwurfssystematik der römischen Antike erklärt und verbreitet werden sollte. Der Architekturtraktat war der Motor des stilistischen Wandels von der [[Gotik]] zur [[Renaissance]]. Dabei standen Illustration und Text gleichwertig nebeneinander.
 
Erste Nachweise des Gebrauchs des Wortes „Traktat“ im [[Deutsche Sprache|deutschen Sprachraum]] stammen bereits aus dem 8. Jahrhundert ([[Mittelhochdeutsch|mittelhochdt.]] ''tractat m.''). Vornehmlich im 19. Jahrhundert wurde christliches Schrifttum mit großer Breitenwirkung ''Traktat'' genannt (siehe auch: [[Liste von Traktatgesellschaften]]).
 
== Talmud ==
Eine Sonderform von Traktaten findet sich im [[Talmud]]. Dieses umfangreiche [[Judentum|jüdische]] Schriftwerk, in [[Mittelhebräisch|Tannaitischem Hebräisch]] und verschiedenen Ausprägungen des [[Aramäische Sprachen|Aramäischen]] geschrieben, wird auch ''mündliche Tora'' genannt. Der Talmud enthält [[Sachkommentar (Geschichtswissenschaft)|Kommentare]] zu einzelnen Bestimmungen der ''[[Tora|schriftlichen Tora]]''. Die [[Mischna]] bildet die Basis des Talmud, sie besteht aus sechs ''Ordnungen'' (''{{lang|he-Latn|sedarim}}'', singular ''{{lang|he-Latn|seder}}'' {{lang|he|סדר}}), die jeweils 7–12 Traktate (''{{lang|tmr-Latn|masechtot}}'', singular ''{{lang|tmr-Latn|masechet}}'' {{lang|tmr|מסכת}}; lit. "web") enthalten, insgesamt 63 Traktate. Jeder ''{{lang|tmr-Latn|masechet}}'' ist in Kapiteln (''{{lang|he-Latn|peraqim}}'', singular ''{{lang|he-Latn|pereq}}'') und weiter in Paragraphen (''{{lang|he-Latn|mishnayot}}'', singular ''{{lang|he-Latn|Mishnah}}'') unterteilt. In diesem Zusammenhang meint der Begriff ''Mischna'' einen Paragraphen, die kleinste Einheit der gesamten Struktur. Dies führte in  der [[Plural]]-Form zur Bezeichnung „Mishnayot“ für das gesamte Werk. Somit besteht auch der Talmud aus sechs Bänden, sogenannten ''Ordnungen'', die ihrerseits in 63 Traktate aufgeteilt werden.
 
== Siehe auch ==
* [[Tagesordnung|Traktandum]]
* [[Libellus]]
 
== Weblinks ==
{{Wiktionary}}
 
== Einzelnachweise ==
<references/>
 
{{Normdaten|TYP=s|GND=4203481-4}}
 
[[Kategorie:Literaturgattung]]
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]

Aktuelle Version vom 1. Juli 2026, 08:11 Uhr

¦∑¦ Trakt + -at; wrtl.-sgm. "Herangezogenes"; (wissenschaftliche) Abhandlung, Überlegung, Behandlung zur Stellung undoder Antwort einer Fachfrage; Tätigkeitswort dazu ist traktieren;

  • verwandt mit Traktor, Trakt, Tracht, tragen und so weiter und bezieht sich jeweils auf ziehen und dann auch tragen; der Begriff wurde dann mit vielen schlechten Nebenbedeutungen belegt und viel weitestgehend aus dem Gebrauch (siehe Herkunft);

    ¦⊗¦ ‘(kurze, wissenschaftliche) Abhandlung, (religiöse) Flugschrift, Übereinkunft, Vertrag’;

    ¦√¦ uig. *trāgh- ‘ziehen, sich am Boden schleppen, sich bewegen, laufen’; uig. *dherāgh-, *dhrā̌gh- ‘ziehen, am Boden schleifen’; Ausgangsbedeutung für tragen scheint ‘am Boden dahingleiten, schleppen, ziehen’ (von Lasten) zu sein, aus der sich ‘tragen’ (durch Lasttiere, Menschen) entwickelt.

    ¦↵¦ entlehnt (14. Jh.) aus lat. tractātus ‘Behandlung, Beschäftigung, Erörterung, Abhandlung, Überlegung’ zu lat. tractō, trahō 'ziehen' +‎ -tō;mlat. auch ‘Sendschreiben, Vertrag’, einer Substantivbildung zu lat. tractāre ‘behandeln, betreiben, sich mit etw. beschäftigen, bearbeiten, untersuchen, überdenken’, eigentlich ‘(herum)schleppen, -ziehen’, Intensivum zu lat. trahere (tractum) ‘ziehen, schleppen’ (siehe trachten). traktieren Vb. lat. tractāre ‘(schlecht) behandeln, plagen, quälen, ein Thema abhandeln, verhandeln, (üppig) bewirten’ (15. Jh.), ;

Traktat

Ein Traktat (von lateinisch tractatus „Abhandlung, Erörterung“, von tractare[1]) ist eine kurze schriftliche Abhandlung über ein Thema. Sowohl die männliche Form der Traktat als auch die sächliche Form das Traktat sind gebräuchlich.[2]

Die Publikation in Traktat-Form stammt aus der Antike. Als Literaturgattung ist sie dadurch gekennzeichnet, dass zwischen Kapiteln und vollständigem Text keine weiteren Gliederungsstrukturen vorhanden sind.[3] Oft werden im Traktat religiöse, philosophische, kulturelle, politische, moralische oder (natur-)wissenschaftliche Themen behandelt.[4]

Außer für literarische Werke wurde der Begriff früher auch im Sinne von „Vertrag“ verwendet[5], auch heute noch gelegentlich für Staatsverträge. So werden Verträge wie diejenigen über die Polnischen Teilungen auch als Partagetraktat bezeichnet.

Aktueller Gebrauch

Heute werden Traktate oft zur Verbreitung religiöser oder politischer Ideologien eingesetzt. Sie erheben in diesem Zusammenhang keinen wissenschaftlichen Anspruch. Durch die häufige Verwendung zu didaktisch-dogmatischen Zwecken hat das Wort Traktat im Deutschen mitunter einen negativen Beiklang. Im Unterschied zum Essay wird von einem Traktat keine literarische Eleganz erwartet, sondern sachlich orientierte Darstellung von Wissen.[4]

Traktate zielen vielmehr darauf ab, die betreffenden Ideen allgemein verständlich und mit großer Überzeugungskraft darzustellen. Häufig werden diese dann in der Fußgängerzone oder direkt an der Haustür zu Missionszwecken kostenlos angeboten oder liegen an öffentlich zugänglichen Orten zur Mitnahme aus. Flug-, Streit- und Schmähschriften fallen unter den Begriff Pamphlet. Beide Bezeichnungen haben je nach Kontext einen mehr oder weniger negativen Unterton (Konnotation).

Geschichte

Traktate im Sinne philosophischer und wissenschaftlicher Abhandlungen wurden bereits im Altertum verfasst, darunter sehr bedeutende mit überragender Nachwirkung, sowohl in der klassischen griechisch-römischen Antike im Mittelmeerraum als auch im Alten Indien sowie im Alten China.

Der Architekturtraktat war eine literarische Gattung des 15. und 16. Jahrhunderts, durch die vor allem die Entwurfssystematik der römischen Antike erklärt und verbreitet werden sollte. Der Architekturtraktat war der Motor des stilistischen Wandels von der Gotik zur Renaissance. Dabei standen Illustration und Text gleichwertig nebeneinander.

Erste Nachweise des Gebrauchs des Wortes „Traktat“ im deutschen Sprachraum stammen bereits aus dem 8. Jahrhundert (mittelhochdt. tractat m.). Vornehmlich im 19. Jahrhundert wurde christliches Schrifttum mit großer Breitenwirkung Traktat genannt (siehe auch: Liste von Traktatgesellschaften).

Talmud

Eine Sonderform von Traktaten findet sich im Talmud. Dieses umfangreiche jüdische Schriftwerk, in Tannaitischem Hebräisch und verschiedenen Ausprägungen des Aramäischen geschrieben, wird auch mündliche Tora genannt. Der Talmud enthält Kommentare zu einzelnen Bestimmungen der schriftlichen Tora. Die Mischna bildet die Basis des Talmud, sie besteht aus sechs Ordnungen ('sedarim', singular 'seder' סדר), die jeweils 7–12 Traktate ('masechtot', singular 'masechet' מסכת; lit. "web") enthalten, insgesamt 63 Traktate. Jeder 'masechet' ist in Kapiteln ('peraqim', singular 'pereq') und weiter in Paragraphen ('mishnayot', singular 'Mishnah') unterteilt. In diesem Zusammenhang meint der Begriff Mischna einen Paragraphen, die kleinste Einheit der gesamten Struktur. Dies führte in der Plural-Form zur Bezeichnung „Mishnayot“ für das gesamte Werk. Somit besteht auch der Talmud aus sechs Bänden, sogenannten Ordnungen, die ihrerseits in 63 Traktate aufgeteilt werden.

Siehe auch

Wiktionary: Traktat – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. auch Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 785 (traktieren/tractāre: ‚bewirten, handhaben, behandeln, erörtern, verhandeln‘).
  2. ↑ Traktat, das oder der. In: Duden. Cornelsen Verlag, abgerufen am 15. Februar 2024.
  3. ↑ Gundolf Keil: „dits die beste raet die icker toe can gegeuen genomen vte platearise“. Quellenkundliche Anmerkungen zu Ypermans Medicine. In: Geneeskunde in nederlandstalige teksten tot 1600. Koninklijke Academie voor Geneeskunde van België, Brüssel 2012 (2013), ISBN 978-90-75273-29-8, S. 93–137; hier: S. 106, Anm. 86 (zum im 12. Jahrhundert verfassten Traktat Practica brevis des Johannes Platearius).
  4. ↑ a b Literaturwissenschaft Essen (Memento vom 16. Februar 2007 im Internet Archive), geschrieben von dem Literaturwissenschaftler Jürgen Link.
  5. ↑ Wörterbuchnetz. Abgerufen am 13. April 2023.