„Ethos“ – Versionsunterschied
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Die Seite wurde neu angelegt: „<span class="etymwb-headword"><span class="etymwb-orth">Ethos</span> <span class="etymwb-gramgrp"><abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="Neutrum">n.</abbr> </span></span>‘sittliche Haltung des Menschen, sein Handeln bestimmende Gesinnung’. <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="griechisch">Griech.</abbr> <span class="etymwb-mentioned">ḗthos</span> (<span class="etymwb-mentioned">ἦθος</span>) ‘Charakter, W…“ |
KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| (Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
<span class="etymwb-headword"><span class="etymwb-orth"> | <span class="etymwb-headword"><span class="etymwb-orth">[[eth]][[-os]]</span> <span class="etymwb-gramgrp"><abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="Neutrum">n.</abbr> </span></span>‘sittliche Haltung des Menschen, sein Handeln bestimmende Gesinnung’. | ||
). | * Griech. ''[[ḗthos]]'' (ἦθος) ‘Charakter, Wesensart, Sitte, Herkommen’ sowie (im Plur.) ‘gewohnter Aufenthaltsort’ | ||
** wird im 18. Jh. von deutschen Schriftstellern aufgenommen, | |||
** erlangt aber erst im 20. Jh. den heute vorherrschenden Sinn ‘als Triebkraft für das eigene Handeln akzeptierte Moralnormen der Mitglieder einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe’. | |||
* Das auch ins Lat. entlehnte (griech.-lat. ''[[ēthos]]'') griech. Substantiv | |||
** steht als dehnstufige Bildung neben griech. ''[[éthos]]'' (ἔθος) ‘Gewohnheit, Sitte’ (aus *[[ϝέθος]]) | |||
** und führt mit aind. svadhā́ ‘Eigenheit, Charakter, Gewohnheit, Sitte, Wohnsitz’, | |||
** lat. ''[[sodālis]]'' ‘Kamerad, Gefährte, Tischgenosse’ | |||
* auf ie. *[[su̯ē̌dh-]], eine Erweiterung des Reflexivstammes ie. *[[se-]], *[[s(e)u̯e-]] (s. ''[[sich]]''). | |||
{{Begriffsklärungshinweis}} | |||
Der Ausdruck '''Ethos''' ([[Neutrum]]; von {{grcS|ἔθος|ethos|IPA=ˈɛtʰɔs}} „Gewohnheit, Sitte, Brauch“ oder dessen Ableitung {{lang|grc|ἦθος|ēthos|IPA=ˈɛːtʰɔs}} „Charakter, Sinnesart, Brauch, Sitte, Gewohnheit“)<ref>Vgl. [[A Greek-English Lexicon]] 9. A. (1996), S. 480.766.</ref> bezeichnet [[Bildungssprache|bildungssprachlich]] die sittliche [[Gesinnung]] einer Person, einer [[Gemeinschaft]] oder speziellen sozialen Gruppe (Berufsgruppe, Schule etc.).<ref>Christoph Kunz (Hrsg.): ''Lexikon Ethik – Religion: Fachbegriffe und Personen.'' Stark, Freising 2001: ''Ethos.''</ref> Der Duden definiert das Ethos als eine „vom Bewusstsein sittlicher Werte geprägte Gesinnung“ oder „Gesamthaltung“; als „ethisches Bewusstsein“ oder auch als [[Ethik]] im Sinne der Gesamtheit sittlicher Normen und Maximen, die einer ([[Verantwortungsgefühl|verantwortungsbewussten]]) Einstellung zugrunde liegen.<ref>Vgl. Duden online, https://www.duden.de/rechtschreibung/Ethos</ref> Das Ethos steht damit im Synonymfeld von „Moral, Pflichtbewusstsein, Pflichtgefühl, Pflichttreue, [[Sittlichkeit]], Verantwortungsbewusstsein, Verantwortungsgefühl; (bildungssprachlich) Ethik, [[Moralität]]“.<ref>Vgl. Duden online, https://www.duden.de/synonyme/Ethos.</ref> | |||
Als [[Philosophie|philosophischer]] Begriff bezeichnet das ''Ethos'' die dem Einzelnen vorgängige und ihn mitprägende Lebensgewohnheit. Die [[Ethik]] als philosophische Disziplin versucht ein bestimmtes Ethos zu begründen oder ein überkommenes kritisch zu [[Reflexion (Philosophie)|reflektieren]]. | |||
Das Ethos steht nicht nur für das [[Sozialverhalten|Verhalten]] einzelner, sondern auch für das Gefüge [[moral]]ischer Verhaltensweisen der sozialen [[Institution]], in der er lebt – objektiv als [[Sitte]], subjektiv als [[Charakter]]. Durch das Ethos wird die Einheit einer bestimmten sozialen Gemeinschaft festgelegt, stabilisiert sowie von anderen Gemeinschaften abgegrenzt. | |||
In der klassischen [[Rhetorik]] nach [[Aristoteles]]<ref>[[Rhetorik (Aristoteles)|Rhet.]] 1,2,4 [http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0060%3Abook%3D1%3Achapter%3D2%3Asection%3D4 (ed. Ross 1959)].</ref> bezeichnet Ethos eine der drei Arten der [[Überzeugung]], nämlich die durch die [[Autorität]] und [[Glaubwürdigkeit]] des Sprechers ([[moralischer Appell]]). Die anderen beiden sind [[Pathos]] (rednerische Gewalt und [[Emotion|emotionaler]] [[Appell (Kommunikation)|Appell]]) und [[Logos]] ([[Schlussfolgerung|Folgerichtigkeit]] und [[Beweis (Logik)|Beweisführung]]). | |||
Nicht nur in der griechischen Antike, sondern auch im Mittelalter wurde <!--BITTE PRÄZISIEREN!-- immer wieder --> das Ethos der [[Modale Tonleitern|modalen Tonleitern]] in der Musik beschrieben, nach welchem die verschiedenen Modi wegen ihrer erkennbaren Eigenarten bevorzugt für bestimmte Ausdrucksformen eingesetzt wurden.<!--REFERENZ UNBRAUCHBAR, DA ÜBERPRÜFBARE QUELLENANGABEN FEHLEN -- <ref>[http://www.mater-dolorosa-lankwitz.de/wiki/musik:ethos_der_kirchentoene Über das Ethos der Kirchentöne].</ref> --> | |||
== Siehe auch == | |||
* [[Ethologie]] | |||
* [[Weltethos]] | |||
== Einzelnachweise == | |||
<references /> | |||
{{Normdaten|TYP=s|GND=4127351-5}} | |||
[[Kategorie:Ethische Haltung]] | |||
[[Kategorie:Rhetorischer Begriff]] | |||
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]] | |||
[[Kategorie:Ethos]] | |||
Aktuelle Version vom 18. Juli 2026, 17:37 Uhr
eth-os n. ‘sittliche Haltung des Menschen, sein Handeln bestimmende Gesinnung’.
- Griech. ḗthos (ἦθος) ‘Charakter, Wesensart, Sitte, Herkommen’ sowie (im Plur.) ‘gewohnter Aufenthaltsort’
- wird im 18. Jh. von deutschen Schriftstellern aufgenommen,
- erlangt aber erst im 20. Jh. den heute vorherrschenden Sinn ‘als Triebkraft für das eigene Handeln akzeptierte Moralnormen der Mitglieder einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe’.
- Das auch ins Lat. entlehnte (griech.-lat. ēthos) griech. Substantiv
- auf ie. *su̯ē̌dh-, eine Erweiterung des Reflexivstammes ie. *se-, *s(e)u̯e- (s. sich).
Der Ausdruck Ethos (Neutrum; von altgriechisch ἔθος ethos [] „Gewohnheit, Sitte, Brauch“ oder dessen Ableitung ἦθος ēthos [] „Charakter, Sinnesart, Brauch, Sitte, Gewohnheit“)[1] bezeichnet bildungssprachlich die sittliche Gesinnung einer Person, einer Gemeinschaft oder speziellen sozialen Gruppe (Berufsgruppe, Schule etc.).[2] Der Duden definiert das Ethos als eine „vom Bewusstsein sittlicher Werte geprägte Gesinnung“ oder „Gesamthaltung“; als „ethisches Bewusstsein“ oder auch als Ethik im Sinne der Gesamtheit sittlicher Normen und Maximen, die einer (verantwortungsbewussten) Einstellung zugrunde liegen.[3] Das Ethos steht damit im Synonymfeld von „Moral, Pflichtbewusstsein, Pflichtgefühl, Pflichttreue, Sittlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Verantwortungsgefühl; (bildungssprachlich) Ethik, Moralität“.[4]
Als philosophischer Begriff bezeichnet das Ethos die dem Einzelnen vorgängige und ihn mitprägende Lebensgewohnheit. Die Ethik als philosophische Disziplin versucht ein bestimmtes Ethos zu begründen oder ein überkommenes kritisch zu reflektieren.
Das Ethos steht nicht nur für das Verhalten einzelner, sondern auch für das Gefüge moralischer Verhaltensweisen der sozialen Institution, in der er lebt – objektiv als Sitte, subjektiv als Charakter. Durch das Ethos wird die Einheit einer bestimmten sozialen Gemeinschaft festgelegt, stabilisiert sowie von anderen Gemeinschaften abgegrenzt.
In der klassischen Rhetorik nach Aristoteles[5] bezeichnet Ethos eine der drei Arten der Überzeugung, nämlich die durch die Autorität und Glaubwürdigkeit des Sprechers (moralischer Appell). Die anderen beiden sind Pathos (rednerische Gewalt und emotionaler Appell) und Logos (Folgerichtigkeit und Beweisführung).
Nicht nur in der griechischen Antike, sondern auch im Mittelalter wurde das Ethos der modalen Tonleitern in der Musik beschrieben, nach welchem die verschiedenen Modi wegen ihrer erkennbaren Eigenarten bevorzugt für bestimmte Ausdrucksformen eingesetzt wurden.
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. A Greek-English Lexicon 9. A. (1996), S. 480.766.
- ↑ Christoph Kunz (Hrsg.): Lexikon Ethik – Religion: Fachbegriffe und Personen. Stark, Freising 2001: Ethos.
- ↑ Vgl. Duden online, https://www.duden.de/rechtschreibung/Ethos
- ↑ Vgl. Duden online, https://www.duden.de/synonyme/Ethos.
- ↑ Rhet. 1,2,4 (ed. Ross 1959).