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„Wortart“ – Versionsunterschied

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[[Wort]] + [[Art]] grammatikalische Wortarten 


Grammatikalische Wortarten. Diese Kategorie beinhaltet Bezeichnungen für Klassen von Wörtern im Sinne von Lexemen. In die Kategorie „Wortform“ gehören dagegen Erscheinungen, die Wortformen ''sind'', bzw. solche Formen hervorrufen – also grammatische Merkmale, die an Wörtern (Lexemen) einer bestimmten Wortart ausgedrückt werden.
* [[:Kategorie:Wortart]] beinhaltet Bezeichnungen für Klassen von Wörtern im Sinne von [[Lexem|Lexemen]]. In die [[:Kategorie:Wortform]] gehören dagegen Erscheinungen, die Wortformen ''sind'', bzw. solche Formen hervorrufen – also grammatische Merkmale, die an Wörtern (Lexemen) einer bestimmten Wortart ausgedrückt werden.


==== Überblick ====
= Wortart =
 
Unter '''Wortart''' – auch '''Redeteil''' oder '''lexikalische Kategorie''' – versteht man eine Klasse von [[Wort|Wörtern]] in einer bestimmten Sprache aufgrund der Zuordnung nach gemeinsamen Merkmalen.
 
Bei der Einteilung nach Wortarten geht es um Merkmale, die mit einem Wort fest verbunden sind und die das Wort bereits für sich allein hat ([[Lexikon (Linguistik)|lexikalische Merkmale]]). Dies steht im Gegensatz zur [[Syntaktische Funktion|grammatischen Funktion]] eines Ausdrucks im Satz wie [[Subjekt (Grammatik)|Subjekt]], [[Objekt (Grammatik)|Objekt]], [[Adverbial]], [[Attribut (Grammatik)|Attribut]] – also der Art der Beziehung zu anderen Satzteilen, die ein Ausdruck in einer bestimmten Verwendung aufweist. Beispielsweise ist das Wort „oben“ seiner Wortart nach ein ''Adverb,'' und als solches kann es verschiedene grammatische Funktionen haben: Ortsangabe im Satz ([[Lokaladverbial]]) („Oben wohnen jetzt Müllers“), Attribut zum Substantiv („die Wohnung oben“) usw.
 
Welche und wie viele Wortarten man ansetzt, unterscheidet sich je nach Sprache und ist in der Sprachwissenschaft oft Gegenstand von Kontroversen. Die Unterscheidung in [[Verb]]en (Tätigkeitswörter) und [[Substantiv]]e (Gegenstandswörter) wird oft als [[Sprachuniversalien|universal]] angesehen. Aber bereits Wortarten wie [[Adjektiv]] (Eigenschaftswort) oder [[Präposition]] (Verhältniswort) werden nicht für alle Sprachen angesetzt bzw. sind nicht in allen Sprachen gleich wichtig. Das [[Adverb]] ist ein Beispiel für eine Wortart, die besonders viele Debatten auslöst.
 
Wörter können nach unterschiedlichen Arten von Merkmalen eingeteilt werden: nach Merkmalen der Bedeutung ([[Semantik|semantisch]]), der Formenbildung ([[Flexion]], also [[Morphologie (Sprache)|morphologisch]]) oder [[Syntax|syntaktisch]], d.&nbsp;h. danach, welche Verwendung im Satz sie prinzipiell erlauben. Für die Bestimmung von Wortarten werden in der Regel verschiedenartige Kriterien kombiniert. Beispielsweise zeichnen sich Adjektive im Deutschen dadurch aus, dass sie syntaktisch zwischen [[Artikel (Wortart)|Artikel]] und Substantiv erscheinen können, dort Flexionsformen zeigen und typischerweise eine Eigenschaft angeben. [[Verb]]en werden im Deutschen [[Konjugation (Grammatik)|konjugiert]], haben also verschiedene [[Tempus|Zeitformen]] und [[Personalform]]en, fordern bestimmte Ergänzungen als Subjekt und Objekt im Satz und bezeichnen typischerweise Ereignisse oder Zustände.
 
In der [[Computerlinguistik]] werden Verfahren entwickelt, um Wörter eines Textes automatisch Wortarten zuzuordnen ''([[Part-of-speech-Tagging]]).''
 
== Das Problem der Wortarten ==
 
Die Einteilung des Wortbestands einer Sprache in Klassen gehört zu den grundlegendsten Aspekten, die in jeder Grammatiktradition eine Rolle spielen, so auch seit den Anfängen der abendländischen Sprachwissenschaft im antiken Griechenland.
 
Die Wortarten gehören sowohl zum „Kerngeschäft“ der Schulgrammatik<ref>[[#helan|Hennig & Langlotz (2020)]], S.&nbsp;73.</ref> als auch zu den wesentlichen Fundamenten der wissenschaftlichen Grammatik und [[Grammatiktheorie]]. In der Grammatiktheorie sollen Wortarten die Eigenschaften erklären oder zumindest codieren, die Wörter und größere Einheiten ([[Phrase (Linguistik)|Phrasen]]) im Satz haben können. Auch die [[Flexion]] von Wörtern ist, vor allem in europäischen Sprachen, an bestimmte Wortarten gebunden (z.&nbsp;B. als [[Konjugation (Grammatik)|Konjugation]] der Verben oder [[Deklination (Grammatik)|Deklination]] der Substantive).
 
Dennoch ist die Einteilung von Wortarten in der Sprachwissenschaft eine Frage, die nicht eindeutig und endgültig gelöst ist.<ref>[[#storrer|Storrer (2009)]], S.&nbsp;906.</ref> In der Praxis gelten Wortarten oft einfach als gegeben und durch die Autorität der grammatischen Tradition garantiert. Es werden aber unablässig neue Unterscheidungen vorgeschlagen. Spielräume und Unsicherheiten entstehen vor allem hinsichtlich der folgenden Fragen:<ref>Vgl. Clemens Knobloch, Burkhard Schaeder: ''Das Wort.'' In: Ludger Hoffmann (Hrsg.): ''Handbuch der deutschen Wortarten.'' Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6, S.&nbsp;21–50. Siehe S.&nbsp;22&nbsp;f.</ref>
* Welche Kriterien sollen für Wortarten herangezogen werden? Welche Unterschiede zwischen Wörtern sind für die Wortartenabgrenzung entscheidend, welche Unterschiede sind nicht entscheidend? Zu welchem Zweck soll klassifiziert werden?
* Wie können jemals ''alle'' vorhandenen Wörter in einer begrenzten (und kleinen) Anzahl von Klassen untergebracht werden?
 
Vor allem im Umgang mit uneindeutigen Fällen, kleinen Restklassen und „Einzelgängern“ unter den Wörtern unterscheiden sich Wortartensysteme fast immer, selbst wenn besonders robuste Klassifikationen angestrebt werden. So gab es im Lauf der Zeit zwei Versuche, für den Schulunterricht im Bereich der deutschen Grammatik eine Vereinheitlichung herzustellen. In einer älteren Liste für die Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 1982 wurde ein System von 9 Wortarten verwendet:
: Nomen (=&nbsp;Substantiv), Artikel, Pronomen, [[Numerale]], Adjektiv, Verb, Adverb, Präposition, Konjunktion
:('''Anmerkung''': Genannt wird hier „[[Nomen]]“, das Lemma der deutschsprachigen Wikipedia für dieselbe Klasse lautet auf [[Substantiv]].)
In einer durch eine Expertenkommission überarbeiteten Version für die KMK von 2019 sind es 15, teilweise anders zugeschnittene, Wortarten<ref>Vergleich der beiden Listen in [[#helan|Hennig & Langlotz (2020)]], S.&nbsp;74.</ref>:
: Verb, Nomen/Substantiv, Verbaladjektiv (=&nbsp;[[Partizip]]), Adjektiv, Artikel, Pronomen, [[Konjunktionaladverb]], Adverb, [[Kommentaradverb]], Präposition, [[Adjunktor (Grammatik)|Adjunktor]], Subjunktion, Konjunktion, [[Partikel (Grammatik)|Partikel]], [[Interjektion]]
Allerdings sind beide Einteilungen, auch die neuere,<ref>Vor allem Karin Pittner: ''Kommentare zum Kommentarglied.'' In: ''Zeitschrift für Germanistische Linguistik,'' 42-1 (2014). S.&nbsp;50–57. [[doi:10.1515/zgl-2014-0007]]</ref> in der Fachliteratur kritisiert worden.
 
Gängige Grammatiken des Deutschen weichen allesamt von diesen für die Schule erstellten Einteilungen ab (bzw. umgekehrt).<ref>[[#storrer|Storrer (2009)]], S.&nbsp;908, für den Stand bis dahin.</ref> Die Dudengrammatik (2022) verwendet beispielsweise 10 Wortarten (mit den sechs unflektierbaren Wortarten zusammengenommen als einer Zwischenebene der Einteilung):<ref>[[#duden22|Dudengrammatik (2022)]], Übersicht im Inhaltsverzeichnis S.&nbsp;15–18.</ref>
: Verb, Nomen/Substantiv, Artikelwort & Pronomen, Adjektiv,
: (Unflektierbare:) Adverb, Präposition, Adjunktor, Subjunktion, Konjunktion, Partikel.
In einem auf die Frage spezialisierten „Handbuch der Deutschen Wortarten“<ref>Ludger Hoffmann (Hrsg.): ''Handbuch der deutschen Wortarten.'' Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6.</ref> ist der Bestand in 24 Kapitel zu einzelnen Wortarten aufgeschlüsselt, wobei allerdings auch Funktionen von Wörtern thematisiert werden, die anderswo nicht als Wortart auftauchen (z.&nbsp;B. [[Anaphorik|Anapher]]). Eine definitive Anzahl von Wortarten des Deutschen wird in diesem Werk ansonsten nicht genannt.
 
Alle diese Varianten bestehen also bereits innerhalb der deutschen Grammatik. Ein weiteres Problemfeld entsteht im Sprachvergleich:
* Wie sehr ist die Existenz bestimmter Wortarten davon abhängig, dass sie aus den Gegebenheiten einer Einzelsprache konstruiert werden, oder inwieweit können Wortarten aus verschiedenen Einzelsprachen als „dieselben“ Wortarten identifiziert werden?
* Unabhängig davon kann es sein, dass in manchen Sprachen manche Wortarten nicht vorkommen. Gibt es Wortarten-Unterscheidungen, die [[Sprachuniversalien|universal]] sind?
Beispielsweise werden in der englischen Grammatik von Huddleston und Pullum (2002) 9 Wortarten angegeben:<ref>Rodney Huddleston, Geoffrey K. Pullum: ''The Cambridge grammar of the English language.'' Cambridge University Press, Cambridge (UK) 2002, ISBN 978-0-521-43146-0. Siehe S.&nbsp;22.</ref> Im Vergleich zu vielen deutschen Grammatiken fehlen also ''Partikel'' und ''Adjunktor.'' Partikeln spielen nur im Deutschen eine auffällige Rolle, die Unterscheidung Präposition/Adjunktor beruht auf der Eigenschaft der [[Rektion|Kasuszuweisung]], die im Englischen nicht relevant ist.
<!--Aufgrund der großen Unterschiede zwischen einzelnen Wortartensystemen wird im vorliegenden Artikel hauptsächlich dargestellt, nach welchen Kriterien Wortartensysteme konstruiert werden und welche Fragen der Sprachvergleich aufwirft.-->
 
== Geschichte der Wortartlehre ==
 
=== Sanskrit-Grammatik ===
Die Klassifikation der Wörter in lexikalische Kategorien wird seit den frühesten Anfängen der Linguistik unternommen.<ref>R. H. Robins: ''General Linguistics''. 4th ed., Longman, London 1989.</ref> In der ''[[Nirukta]]'', im 5. oder 6. Jahrhundert v.&nbsp;Chr. geschrieben, definiert der [[Sanskrit]]-Grammatiker [[Yaska|Yāska]] vier Wortarten.<ref name="Matilal">{{Literatur |Autor=Bimal Krishna Matilal |Titel=The word and the world: India’s contribution to the study of language |Ort=Oxford |Datum=1990}}</ref>
# ''nāma'' – Nomen
# ''ākhyāta'' – Verben
# ''upasarga'' – Präverben oder [[Präfix]]e
# ''nipāta'' – Partikeln (invariante Wörter, vielleicht auch Präpositionen)
 
Diese vier Gruppen wurden in zwei große Klassen eingeteilt: in beugbare (flektierbar) (Nomen und Verben) und unbeugbare Wörter (Präverben und Partikeln).
 
=== Abendländische Geschichte der Wortartlehre ===
Ein oder zwei Jahrhunderte später schrieb [[Platon]] im [[Platonischer Dialog|Dialog]] ''[[Kratylos]]'', dass ein Satz eine Kombination von Verb ''[rhē̂ma]'' und Nomen ''[ónoma]'' sei.<ref>Platon: ''Cratylus'' 431b
 
* griechisch: bei {{Webarchiv |url=http://perseus.uchicago.edu/perseus-cgi/citequery3.pl?dbname=GreekFeb2011&getid=0&query=Pl.%20Cra.%20431b |text=Perseus (University of Chicago) |wayback=20150929134450 |archiv-bot=2024-06-17 22:08:27 InternetArchiveBot}} – [[s:el:Κρατύλος|Κρατύλος]] ([[Wikisource]] [griechisch])
* englische Übersetzung: bei {{Webarchiv |url=http://perseus.uchicago.edu/perseus-cgi/citequery3.pl?dbname=GreekFeb2011&getid=1&query=Pl.%20Cra.%20431b |text=Perseus (University of Chicago) |wayback=20150913164824 |archiv-bot=2024-06-17 22:08:27 InternetArchiveBot}}, [http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0172%3Atext%3DCrat.%3Asection%3D431b Perseus (Tufts University)]</ref> Von [[Aristoteles]] wurde später als weitere Klasse ''[sýndesmos]'' („Verbindungswort“, das ist ''Partikel (unflektierbare Wortarten)'') hinzugefügt.<ref>Wilhelm Pape: ''Handwörterbuch der griechischen Sprache''. Braunschweig 1914, Band 2, S.&nbsp;1006, Stichwort σύνδεσμος</ref><ref>August Matthiä: ''Ausführliche Griechische Grammatik. Erster Theil. Formenlehre.'' 3., verbesserte und vermehrte Auflage. Leipzig 1835, S.&nbsp;176</ref>
 
Am Ende des 2. Jahrhunderts v.&nbsp;Chr. hatte sich das Klassifikationsschema auf acht Kategorien von Wortarten ausgeweitet, so in der ''Téchnē Grammatikḗ'' des [[Dionysios Thrax]]:<ref>[[s:el:Τέχνη Γραμματική|Τέχνη Γραμματική]] ''Dionysios Thrax, Technē Grammatikē'' ([[Wikisource]] [griechisch])</ref>
# Nomen: kasusflektierter Redeteil, der eine konkrete oder abstrakte Entität bezeichnet.
# Verb: nicht kasusflektierter Redeteil, der nach Zeit, Person und Zahl flektiert und eine Tätigkeit oder einen Prozess bezeichnet.
# Partizip: Redeteil, der an der Eigenart ({{grcS|ἰδιότης|idiótēs}}) sowohl von Verben als von Nomen teilhat.
# Artikel: kasusflektierter Redeteil, der einem Nomen vor- oder nachgestellt ist.
# Pronomen: durch ein Nomen ersetzbarer Redeteil, der für eine Person steht.
# Präposition: Redeteil, der vor anderen Wörtern in Zusammensetzungen und in der Syntax steht.
# Adverb: unflektierter Redeteil, der ein Verb modifiziert oder ihm hinzugefügt ist.
# Konjunktion: Redeteil, der den Diskurs zusammenhält und Lücken in seiner Interpretation füllt.
 
Die lateinischen Fachtermini für die Wortarten erscheinen als Lehnübersetzungen der griechischen.
 
Die lateinischen Grammatiker hatten keine Verwendung für die Wortart ''Artikel,'' brachten aber stattdessen die Wortart ''Interjektion'' hinzu, so dass es zunächst bei acht Wortarten blieb. Die Neuerung der Wortart Interjektion wird [[Quintus Remmius Palaemon]] zugeschrieben, der im ersten Jahrhundert n.&nbsp;Chr. das erste systematische grammatische Lehrwerk des Lateinischen verfasste.<ref>Robert H. Robins: ''[History of morphological research:] Classical Antiquity.'' In: Geert Booij, Christian Lehmann, Joachim Mugdan (Hrsg.): ''Morphologie / Morphology. Ein internationales Handbuch zur Flexion und Wortbildung / An International Handbook on Inflection and Word-Formation. Band 1'' (=&nbsp;''HSK,'' 17-1). Walter de Gruyter, Berlin 2000, ISBN 3-11-011128-4, S.&nbsp;52–67. – Siehe S.&nbsp;62.</ref>
 
==== '''Überblick''' ====
(Anmkg. KF: nachfolgende Tabelle ist auf Wikipedia um die deutsche Grammatik gekürzt worden)
{| class="wikitable"
{| class="wikitable"
! rowspan="2" |[[Technē Grammatikē]](etwa 100 v.&nbsp;Chr., tatsächlich erst im 5. Jh. n. Chr.)
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|''(arithmētikón & taktikón(Grund- & Ordnungszahlwort))''
|''(arithmētikón & taktikón(Grund- & Ordnungszahlwort))''
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![https://de.wikipedia.org/wiki/Priscian Priscianus] (etwa 500 n.&nbsp;Chr.)
![[:de:Priscian|Priscianus]] (etwa 500 n.&nbsp;Chr.)
| colspan="3" style="text-align:center" |nomen
| colspan="3" style="text-align:center" |nomen
|interiectio
|interiectio
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|pronoun
|pronoun
|''article''{{FN|2}}
|''article''{{FN|2}}
|}
|}<!--
=== Wortarten nach der klassischen Einteilung im Einzelnen ===
 
==== Flektierbare ====
 
===== Substantiv (Hauptwort, Dingwort) =====
{{Hauptartikel|Substantiv}}
Substantiv (Hauptwort, Dingwort; teilweise auch [[Nomen]], Namenwort, Nennwort): ''Hanna, Rhein, Haus, Garten, Schwein, Computer, Frau, Milch, Eisen, Vernunft, Zusammenhang''. Nach Art der Bezugsgegenstände lassen sich unterscheiden:
* [[Konkretum|konkrete]] Substantive (mit den Sinnen wahrnehmbare, anfassbare Dinge)
* [[Abstraktum|abstrakte]] Substantive (nur geistig wahrnehmbare Dinge)
* [[Eigenname]] ''(nomen proprium)'': setzt Gegenstandskenntnis und Namenszuordnung voraus
* [[Gattungsname]] ''(nomen appellativum)'': bezieht sich auf die Art, Gattung von Dingen
* [[Sammelname]] ''(nomen collectivum)'':
* [[Stoffname]] ''(nomen materiale)'': bezeichnet eine Substanz, ist in dieser Bedeutung nicht zählbar und nicht pluralfähig (bezeichnet werden dann allenfalls Arten: ''Stähle'')
 
Grammatisch bestimmbare Sondertypen sind:
* [[Singularetantum]] oder Singularwort: tritt nur im Singular auf (zum Beispiel ''Schnee, Milch, Zorn'')
* [[Dualetantum]]: tritt in einigen semitischen Sprachen auf, z.&nbsp;B. [[Hebräische Sprache|Hebräisch]] מים, ''majim'': ''Wasser''.
* [[Pluraletantum]] oder Pluralwort: tritt nur im Plural auf (zum Beispiel ''Alpen, Kanaren, Leute'')
 
===== Verb (Tätigkeitswort, Zeitwort) =====
{{Hauptartikel|Verb}}
Verb (Tätigkeitswort, Zeitwort): ''lachen, laufen, reden, lieben, schreien, hassen''. Verben können Prozesse, Zustände oder abstrakte Sachverhalte bezeichnen.
 
Grammatische Eigenschaften im Deutschen:
* finit (konjugiert) oder infinit (unkonjugiert)
* in sechs verschiedenen Zeitformen zu gebrauchen: ''Präsens, Präteritum/Imperfekt, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur&nbsp;I und Futur&nbsp;II''
* ''Genera verbi:'' Aktiv (Tatform) oder Passiv (Leideform)
* [[Transitivität (Grammatik)|transitiv]] oder [[Intransitivität (Grammatik)|intransitiv]]
* ''Modi:'' [[Indikativ (Modus)|Indikativ]], [[Konjunktiv]] oder [[Imperativ (Modus)|Imperativ]]
 
===== Adjektiv (Eigenschaftswort) =====
{{Hauptartikel|Adjektiv}}
Beispiele: ''rot, schön, behindert, hoch, groß''. Adjektive können Substantive modifizieren, um einen Gegenstandsbereich einzuschränken (restriktiver Gebrauch) oder Zusatzinformationen zu geben (appositiver Gebrauch):
* [[Attribut (Grammatik)|attributiver]] Gebrauch (Adjektiv hängt unmittelbar von einem Substantiv ab): primäre Verwendung
* [[Prädikativum|prädikativer]] Gebrauch (Adjektiv vor allem bei den Verben ''sein, werden, scheinen, bleiben'')
* [[Adverbiale Bestimmung|adverbialer]] Gebrauch (Adjektiv als eigenes Satzglied; im Deutschen haben Adjektive meist keine spezielle Endung, um adverbiellen Gebrauch zu markieren)
* substantivierter Gebrauch (Adjektiv wird als Substantiv gebraucht, im Deutschen dann entsprechend großgeschrieben)
 
Bei vielen Adjektiven gibt es die Vergleichsform (Steigerung, [[Komparation]]): ''groß, größer, größter''; manche sind zwar formal, jedoch nicht semantisch sinnvoll steigerbar, etwa: ''ledig, schwanger, tot''.
 
Ausdrücke, die nur mit einem Verb wie ''sein, werden'' oder ''bleiben'' kombiniert werden können, heißen [[Adkopula]]: ''pleite, schuld, quitt''. Sie weisen jedoch einige Gemeinsamkeiten mit Adjektiven auf, fallen also vielleicht in diese Klasse.<ref>[http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/termwb.anzeige?v_app=g&v_fenster=ja&v_id=19 Online-Grammatik] des Instituts für Deutsche Sprache</ref>
 
===== Numerale (Zahlwort) =====
{{Hauptartikel|Zahlwort}}
Numeralia sind Wörter, die eine Menge oder einen Rang angeben. Einige Zahlwörter könnten eine eigene Wortart darstellen, sofern sie Eigenschaften haben, die andere Wortarten nicht teilen. Viele der als ''Zahlwörter (im weitesten Sinne)'' bezeichneten Wörter fallen jedoch in andere Wortarten:
* Kardinalia (Grundzahlwörter): ''eins, zwei, drei'' …
* Ordinalia (Ordnungszahlwörter): ''erster, zweiter, dritter'' …
* Iterativa: ''einmal, zweimal, dreimal'' … (Adverbien)
* Multiplikativa: ''einfach, zweifach, dreifach'' … (Adjektive)
* Partitiva (Bruchzahlwörter): ''drittel, viertel, achtel'' …
* Spezialia (Gattungszahlwörter): ''einerlei, zweierlei, dreierlei'' …
* Indefinite Numeralia ([[#Quantoren (Mengenwort)|Quantoren]]): ''kein, alle, wenige, viele'' …
 
===== Artikel (Begleiter, Geschlechtswort) =====
{{Hauptartikel|Artikel (Wortart)}}
Ein Artikel (in der traditionellen Grammatik auch Geschlechtswort, Begleiter) ist ein grammatisches Wort, das stets ein Nomen (Substantiv oder substantiviertes Adjektiv) begleitet.
* definiter Artikel (bestimmtes Geschlechtswort): ''der, die, das'' (Genitiv: ''des, der'')
* indefiniter Artikel (unbestimmtes Geschlechtswort): ''ein, eine'' (Genitiv: ''eines, einer'')
 
===== Pronomen (Fürwort) =====
{{Hauptartikel|Pronomen}}
Beim Pronomen (auch: Fürwort) handelt es sich um eine Zusammenfassung von Wörtern, die keine Eigenschaften beschreiben, sondern direkt auf einen Gegenstand verweisen können. Sie bilden eine heterogene Gruppe.
* [[Personalpronomen]] (persönliches Fürwort): deiktisch/zeigend: ''ich, du, wir, ihr''; anaphorisch: ''er, sie, es''
* [[Reflexivpronomen]] (rückbezügliches Fürwort): ''sich, dich'' (bei Subjekt „du“), ''mich'' (bei Subjekt „ich“)
* [[Relativpronomen]] (bezügliches Fürwort): ''der, was, wo''
* [[Possessivpronomen]] (besitzanzeigendes Fürwort): ''mein, dein''
* [[Demonstrativpronomen]] (hinweisendes Fürwort): ''dieser, jener''
* [[Indefinitpronomen]] (unbestimmtes Fürwort): ''man, irgendeiner''
* [[Interrogativpronomen]] (fragendes Fürwort): ''wer, was''
 
===== Quantoren (Mengenwort) =====
Quantoren sind Wörter, mit denen Mengenangaben dargestellt werden, wie zum Beispiel: ''kein, alle, wenig, viel''. Nach [[IDS-Grammatik]] können sie sowohl determinative als auch pronominale Funktionen haben.
 
==== Nicht flektierbare ====
Nicht flektierbar sind diejenigen Wörter, die in allen Sätzen oder Stellungen unveränderbar bleiben. Sie werden auch [[Partikel (Grammatik)|Partikel]] (im weiten Sinne) oder Redeteilchen genannt.
 
===== Adverb (Umstandswort) =====
{{Hauptartikel|Adverb}}
Adverbien wie ''hier, da, dort, heute, darum, deshalb'' sind Einzelwörter, die in der Regel in der Funktion der [[Adverbiale Bestimmung|adverbiellen Bestimmung]] vorkommen. Häufige Bedeutungstypen sind z.&nbsp;B.
* Adverb des Ortes ([[Lokaladverb]]): ''hier, da, unten, dort, nirgends, hinüber, her''
* Adverb der Zeit ([[Temporaladverb]]): ''morgen, damals, bereits, schon, oft, bald, immer''
* Adverb der Art und Weise ([[Modaladverb]]): ''gern, anders, vergebens, fast, zwar, sehr''
* Adverb des Grundes ([[Kausaladverb]]): ''darum, deshalb, deswegen, folglich, dazu, dafür''
 
Adverbien können auch zur Bestimmung von Satztypen beitragen und
* Fragesätze einleiten: Frageadverbien wie ''Wo? Wann? Wie? Warum?''
* Relativsätze einleiten: [[Relativadverb]]ien
 
===== Präposition (Verhältniswort) =====
{{Hauptartikel|Präposition|Adposition}}
Präpositionen bestimmen den Kasus der Wortgruppe, die von ihnen abhängt ([[Rektion]]). Sie lassen nur einen der [[Obliquer Kasus|obliquen Kasus]] zu. Im Deutschen sind das: Genitiv, Dativ, Akkusativ. Nach diesem Kriterium scheiden ''als'' und ''wie'', die keinen Kasus zuweisen, als Präpositionen aus (für die Kategorie dieser Wörter siehe [[Adjunktor (Grammatik)]]).
 
Präpositionen können semantisch in dieselben Bedeutungsklassen eingeteilt werden, die auch für [[adverbiale Bestimmung]]en benutzt werden: So ist ''wegen'' eine Präposition, die auf die Ursache, den Grund hinweist; ''mittels'' eine Präposition, die auf ein eingesetztes Mittel verweist. Es ergeben sich z.&nbsp;B.:
* lokal
* direktional
* temporal
* kausal
* modal
 
Wörter, die wie Präpositionen funktionieren, können auch nachgestellt werden, man spricht dann von [[Postposition]]en – allerdings wird die Bezeichnung „Präposition“ manchmal auch in verallgemeinerter Weise verwendet, um Postpositionen mit einzubeziehen. In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird als Oberbegriff für beides auch die Bezeichnung [[Adposition]] verwendet.
 
===== Konjunktion (Bindewort) =====
{{Hauptartikel|Konjunktion (Wortart)}}
Klassisch werden Konjunktionen unterteilt in:
* beiordnende (parataktische)
* unterordnende (hypotaktische, [[Subjunktion]]en)
Manchmal werden Wörter wie „als, wie“ als dritter Untertyp angesehen,<ref>Peter Eisenberg: ''Grundriss der deutschen Grammatik.'' Band 2: ''Der Satz.'' 4.&nbsp;Auflage. Metzler, Stuttgart u. a. 2013, e-ISBN 978-3-476-05094-6. – Siehe S.&nbsp;213 sowie S.&nbsp;224.</ref> sonst als eigene Wortart [[Adjunktor (Grammatik)|''Adjunktor'']] erfasst.
 
===== Interjektion (Ausrufe- oder Empfindungswörter) =====
{{Hauptartikel|Interjektion}}
Interjektionen wie ''oh, nein, na, ja'' oder ''hm'' sind mündlich, haben Töne und ungewöhnliche Lautkombinationen (''brr''), lenken aus der Hörerposition. Ihre Zugehörigkeit zu den Wortarten ist umstritten (lautmalerische Ausdrücke werden zum Beispiel teilweise als [[Onomatopoetikum|Onomatopoetika]] klassifiziert), sie werden aber auch zu den Partikeln im engen Sinne gerechnet.
 
===== Partikel (im engen Sinn) =====
{{Hauptartikel|Partikel (Grammatik)}}
Partikeln im engen Sinne sind unflektierbare, nicht zu Wortgruppen erweiterbare Ausdrücke. Anders als Adverbien können die meisten Partikeln nicht selbständig als Antwort auf eine Frage fungieren und bilden keine [[Phrase (Linguistik)|Phrasen]]<ref>https://grammis.ids-mannheim.de/systematische-grammatik/279</ref>:
* Abtönungspartikeln operieren auf dem Wissen: ''ja, halt, eh, wohl''
* Konnektivpartikeln verbinden und gliedern: ''erstens, allerdings, sonst, zwar, indessen''
* Gradpartikeln gradieren auf dem Hintergrund einer Einstufungsskala im Satz Gewichtetes: ''sogar, ausgerechnet, bereits''
* Modalpartikeln bestimmen die Geltung eines Sachverhalts und werten: ''bedauerlicherweise, leider, sicherlich, vielleicht''
* Intensitätspartikeln markieren die Ausprägung adjektivischer Eigenschaften: ''sehr, recht, überaus''
* Negationspartikeln wie ''nicht, gar nicht'' verneinen die Sachverhaltsgeltung
 
=== Die Zugehörigkeit eines Wortes zu verschiedenen Wortarten ===
In einem Wortparadigma gehört ein Wort immer genau zu einer Wortart. Allerdings gibt es viele Beispiele, wo sich gleich aussehende Ausdrücke scheinbar je nach Verwendung verschieden verhalten:<ref>Beispiel nach Kessel/Reimann: ''Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache.'' Fink, Tübingen 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S.&nbsp;70</ref>
* ''Ich klopfte, /doch/ niemand öffnete'' (''doch'' im Sinne von ''aber'' als Konjunktion);
* ''Eigentlich war Eva krank, /doch/ ging sie zur Arbeit'' (''doch'' als Adverb im Sinne von ''dennoch'');
* ''Das hast du /doch/ gewusst!'' (''doch'' als (Abtönungs-)Partikel).
Wenn der Grundsatz, dass jedes Wort eine eindeutige Wortart hat, strikt gelten soll, dann folgt, dass man dann hier verschiedene Wörter anzusetzen hat, also dass [[Homonymie]] vorliegt.<ref>Kessel, Reimann: ''Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache.'' Fink, Tübingen 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S.&nbsp;69</ref>
-->
 
== Kritik der traditionellen Wortartlehre ==
An der traditionellen Wortartlehre wird kritisiert, dass sie einige grundlegende Eigenschaften von Klassifizierungssystemen nicht erfülle. Es sei unklar, was sie überhaupt klassifiziere: [[Lexem]]e, syntaktische Wörter<ref>Vgl. auch George A. Miller: ''Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik.'' 1996, S. 110–115 (''Syntaktische Klassen'').</ref> oder [[Wortform]]en. Die klassische Einteilung der Wortarten erfolge nicht nach einem „einheitlichen Gesichtspunkt“,<ref name="kut211">Kutschera: ''Sprachphilosophie.'' 2.&nbsp;Aufl., 1975, ISBN 3-8252-0080-9, S.&nbsp;211</ref> sondern werde nach „sich widersprechenden oder überschneidenden Kriterien“<ref>Clément: ''Linguistisches Grundwissen.'' 2.&nbsp;Aufl., 2000, S.&nbsp;34</ref> vorgenommen.
 
In sprachvergleichender Sicht erscheint das traditionelle morphologische Einteilungskriterium als zufällig. Das Kriterium der Morphologie gilt nur für [[Synthetischer Sprachbau|synthetische]] Sprachen wie eben das Deutsche, das altindische [[Sanskrit]], [[Latein]] oder [[Türkische Sprache|Türkisch]]. Im [[Englische Sprache|Englischen]] ist es schon problematisch, für [[Chinesische Sprache|Chinesisch]], das keine Flexion hat, nicht anwendbar.
 
== Kriterien bei der Einteilung der Wortarten ==
 
=== Flektierbare und nicht-flektierbare Wortarten ===
In Sprachen wie dem Deutschen,<ref>Die einzelsprachliche Relativität des Flexionskriteriums betonend [[Christa Dürscheid]]: ''Syntax. Grundlagen und Theorien.'' 5.&nbsp;Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB, 3319), ISBN 978-3-8385-3319-3, S.&nbsp;23 m.w.N.</ref> die durch einen [[Flektierender Sprachbau|flektierenden Sprachbau]] charakterisiert sind, wird eine Klassifizierung nach dem Kriterium der Flektierbarkeit für grundlegend erachtet.
 
Eine Wortformänderung (Beugung, [[Flexion]]) kommt im Deutschen als [[Deklination (Grammatik)|Deklination]] und [[Konjugation (Grammatik)|Konjugation]]. Flektierbare Wortarten sind im Deutschen die Wortarten Substantiv, Adjektiv, Artikel, Pronomen und Verben.
 
Nicht-flektierbare Wortarten sind im Deutschen vor allem die Wortarten Adverb, Konjunktion und Präposition.
 
=== Offene und geschlossene Wortarten ===
In der Sprachwissenschaft wird bei den Wortarten zwischen ''offenen'' und ''geschlossenen Klassen'' unterschieden.
 
Eine ''offene Klasse'' ist eine Wortartklasse, deren Bestand „jederzeit erweitert“<ref name="Dür22">Christa Dürscheid: ''Syntax. Grundlagen und Theorien.'' 5.&nbsp;Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB, 3319), ISBN 978-3-8385-3319-3, S.&nbsp;22.</ref> werden kann. Es gibt hierzu dann produktive Mechanismen wie [[Wortbildung]] oder Entlehnung. Die Anzahl ihrer Elemente ist entsprechend groß. Statt von offener Wortklasse spricht man auch von ''lexikalischer Klasse''.<ref name="Clément35">Clément: ''Linguistisches Grundwissen.'' 2.&nbsp;Aufl., 2000, S.&nbsp;35.</ref> Zu den offenen Wortartklassen zählen vor allem die Substantive und Verben, je nach Sprache auch Adjektive und Adverbien. (Im Deutschen sind zumindest Adjektive eine offene Klasse.)
 
Eine ''geschlossene (Wort-)Klasse'' ist eine Wortart, deren Bestand nur durch individuelle und nicht im Einzelfall voraussagbare Prozesse (z.&nbsp;B. [[Grammatikalisierung]]) erweiterbar ist, aber nicht regelhaft. Meistens enthält sie „Funktionswörter“, also Wörter mit grammatischer statt inhaltlicher Funktion. Die Zahl der Funktionswörter ist „relativ klein“.<ref name="Clément35" /> Zu den geschlossenen Wortklassen zählen die Präpositionen, Partikeln, Konjunktionen und Artikel.<ref name="Dür22" /> In manchen Sprachen sind auch Adjektive eine geschlossene Klasse.
 
== Universalsprachlichkeit der Wortarten? ==
{{unvollständig}}
Das herrschende System der Wortarten erscheint weitgehend historisch bedingt durch die griechisch-lateinische Grammatik und ihre weitere Rezeption in der westlichen Kultur. Es ist umstritten, ob Wortarten sinnvoll über die Grenzen der jeweiligen Einzelsprachen oder Sprachfamilien hinaus gebildet werden können und sollen und ob es universalsprachliche Wortarten gibt.
 
Als (allein) wesentliche Unterscheidung der Wortarten wird teilweise die zwischen nominal und verbal angeführt.<ref name="dürr78">Dürr, Schlobinski: ''Deskriptive Linguistik,'' 2006, S.&nbsp;78</ref>
 
Für einige Sprachen wurde behauptet, dass sie keine Unterscheidung zwischen Nomen (d.&nbsp;h. Substantiven) und Verben vornehmen (bzw. dass die Unterscheidung sehr schwach ausgeprägt ist), u.&nbsp;a. [[Grönländische Sprache|Grönländisch]], Riau-[[Malaiische Sprache|Indonesisch]],<ref>D. Gil: ''The Structure of Riau Indonesian.'' In: ''Nordic Journal of Linguistics'', 17:179–200.</ref> [[Tagalog]], [[Tongaische Sprache|Tonganisch]],<ref>J. Broschart: ''Why Tongan does it differently: Categorial distinctions in a language without nouns and verbs.'' In: ''Linguistic Typology'', 1997, 1:123–165.</ref> [[Mundari (Sprache)|Mundari]]<ref>K. Hengeveld, J. Rijkhoff: ''Federbuch, Mundari as a flexible language.'' In: ''Linguistic Typology'', 2005, 9(3):406–431.</ref> und [[Salish-Sprachen]].<ref name="Sasse1993">H.-J. Sasse: ''Das Nomen – eine universale Kategorie? Sprachtypologie und Universalienforschung.'' 1993, 46(3):187–221</ref><ref>E. Luuk: ''Nouns, verbs and flexibles: implications for typologies of word classes.'' In: ''Language Sciences'', 2010, 32:349–365.</ref>
 
== Siehe auch ==
* [[Relator]]
* [[Satzglied]]
 
== Literatur ==
 
* {{Anker|bacro}}Mark Baker, William Croft: ''Lexical Categories: Legacy, Lacuna, and Opportunity for Functionalists and Formalists.'' In: ''Annual Review of Linguistics,'' 3 (2017), S.&nbsp;179–197. [[doi: 10.1146/annurev-linguistics-011516-034134]].
* {{Anker|bisang}}Walter Bisang: ''Word classes.'' In: Jae Jung Song (ed.): ''The Oxford handbook of language typology.'' Oxford University Press, 2010, S.&nbsp;280–302. Online: [[doi:10.1093/oxfordhb/9780199281251.013.0015]].
* {{Anker|duden22}}''Duden. Die Grammatik'' (=&nbsp;''Der Duden,'' Band 4). 10. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2022, e-ISBN 978-3-411-91447-0.
* {{Anker|ehlich}}Konrad Ehlich: ''Zur Geschichte der Wortarten.'' In: Ludger Hoffmann (Hrsg.): ''Handbuch der deutschen Wortarten.'' Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6, S.&nbsp;51–94.
* {{Anker|helan}}Mathilde Hennig, Miriam Langlotz: ''Das „Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke“ 2019: Neue Angebote für die Schulgrammatik.'' In: ''Didaktik Deutsch: Halbjahresschrift für die Didaktik der deutschen Sprache und Literatur,'' Jahrgang 25, Heft 49 (2020), S.&nbsp;70–84, [https://www.pedocs.de/frontdoor.php?source_opus=22285 Online], [[doi:10.25656/01:22285]].
* {{Anker|knobsch}}Clemens Knobloch, Burkhard Schaeder: ''Kriterien für die Definition von Wortarten.'' In: Geert Booij, Christian Lehmann, Joachim Mugdan (Hrsg.): ''Morphologie / Morphology. Ein internationales Handbuch zur Flexion und Wortbildung / An International Handbook on Inflection and Word-Formation. Band 1'' (=&nbsp;''HSK,'' 17-1). Walter de Gruyter, Berlin 2000, ISBN 3-11-011128-4, S.&nbsp;674–692.
* Gisa Rauh: ''Syntactic Categories. Their Identification and Description in Linguistic Theories.'' Oxford University Press, 2010, ISBN 978-0-19-928143-5.
* {{Anker|storrer}}Angelika Storrer: ''Grenzgänger: Problemfelder aus didaktischer Sicht.'' In: Ludger Hoffmann (Hrsg.): ''Handbuch der deutschen Wortarten.'' Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6, S.&nbsp;905–924.
*''Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke.'' (Handreichung für die Kultusministerkonferenz). Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim 2020, [[doi:10.14618/kmk_gra_fachausdruecke_2020]].
 
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* Henning Bergenholtz: ''Zur Morphologie deutscher Substantive, Verben und Adjektive.'' Dümmler, Bonn 1976, ISBN 3-427-83851-X. Enthält ein rein morphologisches Wortartensystem.
* Henning Bergenholtz, Burkhard Schaeder: ''Die Wortarten des Deutschen.'' Klett, Stuttgart 1977, ISBN 3-12-910460-7. Enthält ein rein syntaktisches Wortartensystem.
* Karl Bühler: ''Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache.'' Ullstein, Frankfurt/Berlin/Wien 1978, ISBN 3-548-03392-X. (Unveränderter Abdruck der Erstveröffentlichung: Verlag Gustav Fischer 1934)
* ''Duden. Die Grammatik.'' 7., völlig neu erarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2005, ISBN 3-411-04047-5. Wortartenschemata: S.&nbsp;133, 574. Traditionelles System mit primär morphologischen und syntaktischen Kriterien.
* Heinrich Hempel: ''Wortklassen und Bedeutungsweisen.'' In: Heinrich Hempel: ''Bedeutungslehre und allgemeine Sprachwissenschaft.'' Narr, Tübingen 1980, ISBN 3-87808-131-6, S.&nbsp;74–104. (Erstveröffentlichung 1954) Semantischer Ansatz eines Wortartensystems.
 
* Barbara Kaltz: ''Zur Wortartenproblematik aus wissenschaftsgeschichtlicher Sicht.'' Buske, Hamburg 1983, ISBN 3-87118-599-X.
* [[George A. Miller]]: ''Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik.'' Herausgegeben und aus dem Amerikanischen übersetzt von [[Joachim Grabowski]] und [[Christiane Fellbaum]]. Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 1993; Lizenzausgabe: Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995; 2. Auflage ebenda 1996, ISBN 3-86150-115-5, S. 108–123 (''Wortfamilien'').
* Gisela Zifonun, Ludger Hoffmann, Bruno Strecker: ''Grammatik der deutschen Sprache.'' 3 Bände. De Gruyter, Berlin/New York 1997, ISBN 3-11-014752-1.
* Stefan Müller: ''Grammatiktheorie.'' Stauffenburg, Tübingen 2010, ISBN 978-3-86057-294-8.
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== Weblinks ==
{{Wiktionary}}
{{Wiktionary|Redeteil}}
* IDS Mannheim: Art. [http://hypermedia.ids-mannheim.de/pls/public/termwb.ansicht?v_app=g&v_id=228 Wortart], in: Grammatisches Informationssystem ''grammis''
* [http://wwwuser.gwdg.de/~kbest/litlist.htm Wortartenhäufigkeiten. Hinweise auf Statistiken zu Wortarten in verschiedenen Sprachen] (unter Punkt 7.1)
* Stefan Schramm: [http://wortarten.info/ Homepage, auf der man automatisiert Wortarten bestimmen lassen kann]
 
== Einzelnachweise ==
<references />
 
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[[Kategorie:Allgemeine Linguistik]]
[[Kategorie:Grammatik]]
 
[[Kategorie:Wortewort]]
[[Kategorie:Wortewort]]
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[[Kategorie:hochdeutsch]]
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[[Kategorie:Wortkunde]]

Aktuelle Version vom 19. September 2026, 05:27 Uhr

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Wort + Art grammatikalische Wortarten

  • Kategorie:Wortart beinhaltet Bezeichnungen für Klassen von Wörtern im Sinne von Lexemen. In die Kategorie:Wortform gehören dagegen Erscheinungen, die Wortformen sind, bzw. solche Formen hervorrufen – also grammatische Merkmale, die an Wörtern (Lexemen) einer bestimmten Wortart ausgedrückt werden.

Wortart

Unter Wortart – auch Redeteil oder lexikalische Kategorie – versteht man eine Klasse von Wörtern in einer bestimmten Sprache aufgrund der Zuordnung nach gemeinsamen Merkmalen.

Bei der Einteilung nach Wortarten geht es um Merkmale, die mit einem Wort fest verbunden sind und die das Wort bereits für sich allein hat (lexikalische Merkmale). Dies steht im Gegensatz zur grammatischen Funktion eines Ausdrucks im Satz wie Subjekt, Objekt, Adverbial, Attribut – also der Art der Beziehung zu anderen Satzteilen, die ein Ausdruck in einer bestimmten Verwendung aufweist. Beispielsweise ist das Wort „oben“ seiner Wortart nach ein Adverb, und als solches kann es verschiedene grammatische Funktionen haben: Ortsangabe im Satz (Lokaladverbial) („Oben wohnen jetzt Müllers“), Attribut zum Substantiv („die Wohnung oben“) usw.

Welche und wie viele Wortarten man ansetzt, unterscheidet sich je nach Sprache und ist in der Sprachwissenschaft oft Gegenstand von Kontroversen. Die Unterscheidung in Verben (Tätigkeitswörter) und Substantive (Gegenstandswörter) wird oft als universal angesehen. Aber bereits Wortarten wie Adjektiv (Eigenschaftswort) oder Präposition (Verhältniswort) werden nicht für alle Sprachen angesetzt bzw. sind nicht in allen Sprachen gleich wichtig. Das Adverb ist ein Beispiel für eine Wortart, die besonders viele Debatten auslöst.

Wörter können nach unterschiedlichen Arten von Merkmalen eingeteilt werden: nach Merkmalen der Bedeutung (semantisch), der Formenbildung (Flexion, also morphologisch) oder syntaktisch, d. h. danach, welche Verwendung im Satz sie prinzipiell erlauben. Für die Bestimmung von Wortarten werden in der Regel verschiedenartige Kriterien kombiniert. Beispielsweise zeichnen sich Adjektive im Deutschen dadurch aus, dass sie syntaktisch zwischen Artikel und Substantiv erscheinen können, dort Flexionsformen zeigen und typischerweise eine Eigenschaft angeben. Verben werden im Deutschen konjugiert, haben also verschiedene Zeitformen und Personalformen, fordern bestimmte Ergänzungen als Subjekt und Objekt im Satz und bezeichnen typischerweise Ereignisse oder Zustände.

In der Computerlinguistik werden Verfahren entwickelt, um Wörter eines Textes automatisch Wortarten zuzuordnen (Part-of-speech-Tagging).

Das Problem der Wortarten

Die Einteilung des Wortbestands einer Sprache in Klassen gehört zu den grundlegendsten Aspekten, die in jeder Grammatiktradition eine Rolle spielen, so auch seit den Anfängen der abendländischen Sprachwissenschaft im antiken Griechenland.

Die Wortarten gehören sowohl zum „Kerngeschäft“ der Schulgrammatik[1] als auch zu den wesentlichen Fundamenten der wissenschaftlichen Grammatik und Grammatiktheorie. In der Grammatiktheorie sollen Wortarten die Eigenschaften erklären oder zumindest codieren, die Wörter und größere Einheiten (Phrasen) im Satz haben können. Auch die Flexion von Wörtern ist, vor allem in europäischen Sprachen, an bestimmte Wortarten gebunden (z. B. als Konjugation der Verben oder Deklination der Substantive).

Dennoch ist die Einteilung von Wortarten in der Sprachwissenschaft eine Frage, die nicht eindeutig und endgültig gelöst ist.[2] In der Praxis gelten Wortarten oft einfach als gegeben und durch die Autorität der grammatischen Tradition garantiert. Es werden aber unablässig neue Unterscheidungen vorgeschlagen. Spielräume und Unsicherheiten entstehen vor allem hinsichtlich der folgenden Fragen:[3]

  • Welche Kriterien sollen für Wortarten herangezogen werden? Welche Unterschiede zwischen Wörtern sind für die Wortartenabgrenzung entscheidend, welche Unterschiede sind nicht entscheidend? Zu welchem Zweck soll klassifiziert werden?
  • Wie können jemals alle vorhandenen Wörter in einer begrenzten (und kleinen) Anzahl von Klassen untergebracht werden?

Vor allem im Umgang mit uneindeutigen Fällen, kleinen Restklassen und „Einzelgängern“ unter den Wörtern unterscheiden sich Wortartensysteme fast immer, selbst wenn besonders robuste Klassifikationen angestrebt werden. So gab es im Lauf der Zeit zwei Versuche, für den Schulunterricht im Bereich der deutschen Grammatik eine Vereinheitlichung herzustellen. In einer älteren Liste für die Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 1982 wurde ein System von 9 Wortarten verwendet:

Nomen (= Substantiv), Artikel, Pronomen, Numerale, Adjektiv, Verb, Adverb, Präposition, Konjunktion
(Anmerkung: Genannt wird hier „Nomen“, das Lemma der deutschsprachigen Wikipedia für dieselbe Klasse lautet auf Substantiv.)

In einer durch eine Expertenkommission überarbeiteten Version für die KMK von 2019 sind es 15, teilweise anders zugeschnittene, Wortarten[4]:

Verb, Nomen/Substantiv, Verbaladjektiv (= Partizip), Adjektiv, Artikel, Pronomen, Konjunktionaladverb, Adverb, Kommentaradverb, Präposition, Adjunktor, Subjunktion, Konjunktion, Partikel, Interjektion

Allerdings sind beide Einteilungen, auch die neuere,[5] in der Fachliteratur kritisiert worden.

Gängige Grammatiken des Deutschen weichen allesamt von diesen für die Schule erstellten Einteilungen ab (bzw. umgekehrt).[6] Die Dudengrammatik (2022) verwendet beispielsweise 10 Wortarten (mit den sechs unflektierbaren Wortarten zusammengenommen als einer Zwischenebene der Einteilung):[7]

Verb, Nomen/Substantiv, Artikelwort & Pronomen, Adjektiv,
(Unflektierbare:) Adverb, Präposition, Adjunktor, Subjunktion, Konjunktion, Partikel.

In einem auf die Frage spezialisierten „Handbuch der Deutschen Wortarten“[8] ist der Bestand in 24 Kapitel zu einzelnen Wortarten aufgeschlüsselt, wobei allerdings auch Funktionen von Wörtern thematisiert werden, die anderswo nicht als Wortart auftauchen (z. B. Anapher). Eine definitive Anzahl von Wortarten des Deutschen wird in diesem Werk ansonsten nicht genannt.

Alle diese Varianten bestehen also bereits innerhalb der deutschen Grammatik. Ein weiteres Problemfeld entsteht im Sprachvergleich:

  • Wie sehr ist die Existenz bestimmter Wortarten davon abhängig, dass sie aus den Gegebenheiten einer Einzelsprache konstruiert werden, oder inwieweit können Wortarten aus verschiedenen Einzelsprachen als „dieselben“ Wortarten identifiziert werden?
  • Unabhängig davon kann es sein, dass in manchen Sprachen manche Wortarten nicht vorkommen. Gibt es Wortarten-Unterscheidungen, die universal sind?

Beispielsweise werden in der englischen Grammatik von Huddleston und Pullum (2002) 9 Wortarten angegeben:[9] Im Vergleich zu vielen deutschen Grammatiken fehlen also Partikel und Adjunktor. Partikeln spielen nur im Deutschen eine auffällige Rolle, die Unterscheidung Präposition/Adjunktor beruht auf der Eigenschaft der Kasuszuweisung, die im Englischen nicht relevant ist.

Geschichte der Wortartlehre

Sanskrit-Grammatik

Die Klassifikation der Wörter in lexikalische Kategorien wird seit den frühesten Anfängen der Linguistik unternommen.[10] In der Nirukta, im 5. oder 6. Jahrhundert v. Chr. geschrieben, definiert der Sanskrit-Grammatiker Yāska vier Wortarten.[11]

  1. nāma – Nomen
  2. ākhyāta – Verben
  3. upasarga – Präverben oder Präfixe
  4. nipāta – Partikeln (invariante Wörter, vielleicht auch Präpositionen)

Diese vier Gruppen wurden in zwei große Klassen eingeteilt: in beugbare (flektierbar) (Nomen und Verben) und unbeugbare Wörter (Präverben und Partikeln).

Abendländische Geschichte der Wortartlehre

Ein oder zwei Jahrhunderte später schrieb Platon im Dialog Kratylos, dass ein Satz eine Kombination von Verb [rhē̂ma] und Nomen [ónoma] sei.[12] Von Aristoteles wurde später als weitere Klasse [sýndesmos] („Verbindungswort“, das ist Partikel (unflektierbare Wortarten)) hinzugefügt.[13][14]

Am Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. hatte sich das Klassifikationsschema auf acht Kategorien von Wortarten ausgeweitet, so in der Téchnē Grammatikḗ des Dionysios Thrax:[15]

  1. Nomen: kasusflektierter Redeteil, der eine konkrete oder abstrakte Entität bezeichnet.
  2. Verb: nicht kasusflektierter Redeteil, der nach Zeit, Person und Zahl flektiert und eine Tätigkeit oder einen Prozess bezeichnet.
  3. Partizip: Redeteil, der an der Eigenart (altgriechisch ἰδιότης idiótēs) sowohl von Verben als von Nomen teilhat.
  4. Artikel: kasusflektierter Redeteil, der einem Nomen vor- oder nachgestellt ist.
  5. Pronomen: durch ein Nomen ersetzbarer Redeteil, der für eine Person steht.
  6. Präposition: Redeteil, der vor anderen Wörtern in Zusammensetzungen und in der Syntax steht.
  7. Adverb: unflektierter Redeteil, der ein Verb modifiziert oder ihm hinzugefügt ist.
  8. Konjunktion: Redeteil, der den Diskurs zusammenhält und Lücken in seiner Interpretation füllt.

Die lateinischen Fachtermini für die Wortarten erscheinen als Lehnübersetzungen der griechischen.

Die lateinischen Grammatiker hatten keine Verwendung für die Wortart Artikel, brachten aber stattdessen die Wortart Interjektion hinzu, so dass es zunächst bei acht Wortarten blieb. Die Neuerung der Wortart Interjektion wird Quintus Remmius Palaemon zugeschrieben, der im ersten Jahrhundert n. Chr. das erste systematische grammatische Lehrwerk des Lateinischen verfasste.[16]

Überblick

(Anmkg. KF: nachfolgende Tabelle ist auf Wikipedia um die deutsche Grammatik gekürzt worden)

Technē Grammatikē(etwa 100 v. Chr., tatsächlich erst im 5. Jh. n. Chr.) ónoma

(Nomen (Substantiv oder Adjektiv))

epírrhēma

(Adverb)

rhē̂ma

(Verb)

metochḗ

(Partizip)

próthesis (Präposition) sýndesmos

(Konjunktion)

antōnymía

(Pronomen)

árthron

(Artikel)

(epítheton(Adjektiv)) (arithmētikón & taktikón(Grund- & Ordnungszahlwort))
Priscianus (etwa 500 n. Chr.) nomen interiectio aduerbium uerbum participium praepositio coniunctio pronomen —
neulateinische Grammatik nomen interjectio adverbium verbum [temporale] participium praepositio conjunctio pronomen articulus
[nomen] substantivum [nomen] adjectivum [nomen] numerale
deutsche Grammatik (19.–20. Jh.) Nomen Numerale Interjektion Adverb Verb Partizip[17] Präposition Konjunktion Pronomen Artikel
Substantiv Adjektiv
traditionelle englische Grammatik noun numeral, number interjection adverb verb participle preposition conjunction pronoun article
[noun] substantive bzw.substantive [noun]

auch: noun (im engen Sinne)

[noun] adjective bzw.adjective [noun]

auch:adnoun

moderne englische Schulgrammatik noun

(naming word)

adjective

(describing word, description word)

(numeral, number) interjection adverb verb

(action word)

(participle) preposition conjunction pronoun article 2

Kritik der traditionellen Wortartlehre

An der traditionellen Wortartlehre wird kritisiert, dass sie einige grundlegende Eigenschaften von Klassifizierungssystemen nicht erfülle. Es sei unklar, was sie überhaupt klassifiziere: Lexeme, syntaktische Wörter[18] oder Wortformen. Die klassische Einteilung der Wortarten erfolge nicht nach einem „einheitlichen Gesichtspunkt“,[19] sondern werde nach „sich widersprechenden oder überschneidenden Kriterien“[20] vorgenommen.

In sprachvergleichender Sicht erscheint das traditionelle morphologische Einteilungskriterium als zufällig. Das Kriterium der Morphologie gilt nur für synthetische Sprachen wie eben das Deutsche, das altindische Sanskrit, Latein oder Türkisch. Im Englischen ist es schon problematisch, für Chinesisch, das keine Flexion hat, nicht anwendbar.

Kriterien bei der Einteilung der Wortarten

Flektierbare und nicht-flektierbare Wortarten

In Sprachen wie dem Deutschen,[21] die durch einen flektierenden Sprachbau charakterisiert sind, wird eine Klassifizierung nach dem Kriterium der Flektierbarkeit für grundlegend erachtet.

Eine Wortformänderung (Beugung, Flexion) kommt im Deutschen als Deklination und Konjugation. Flektierbare Wortarten sind im Deutschen die Wortarten Substantiv, Adjektiv, Artikel, Pronomen und Verben.

Nicht-flektierbare Wortarten sind im Deutschen vor allem die Wortarten Adverb, Konjunktion und Präposition.

Offene und geschlossene Wortarten

In der Sprachwissenschaft wird bei den Wortarten zwischen offenen und geschlossenen Klassen unterschieden.

Eine offene Klasse ist eine Wortartklasse, deren Bestand „jederzeit erweitert“[22] werden kann. Es gibt hierzu dann produktive Mechanismen wie Wortbildung oder Entlehnung. Die Anzahl ihrer Elemente ist entsprechend groß. Statt von offener Wortklasse spricht man auch von lexikalischer Klasse.[23] Zu den offenen Wortartklassen zählen vor allem die Substantive und Verben, je nach Sprache auch Adjektive und Adverbien. (Im Deutschen sind zumindest Adjektive eine offene Klasse.)

Eine geschlossene (Wort-)Klasse ist eine Wortart, deren Bestand nur durch individuelle und nicht im Einzelfall voraussagbare Prozesse (z. B. Grammatikalisierung) erweiterbar ist, aber nicht regelhaft. Meistens enthält sie „Funktionswörter“, also Wörter mit grammatischer statt inhaltlicher Funktion. Die Zahl der Funktionswörter ist „relativ klein“.[23] Zu den geschlossenen Wortklassen zählen die Präpositionen, Partikeln, Konjunktionen und Artikel.[22] In manchen Sprachen sind auch Adjektive eine geschlossene Klasse.

Universalsprachlichkeit der Wortarten?

Das herrschende System der Wortarten erscheint weitgehend historisch bedingt durch die griechisch-lateinische Grammatik und ihre weitere Rezeption in der westlichen Kultur. Es ist umstritten, ob Wortarten sinnvoll über die Grenzen der jeweiligen Einzelsprachen oder Sprachfamilien hinaus gebildet werden können und sollen und ob es universalsprachliche Wortarten gibt.

Als (allein) wesentliche Unterscheidung der Wortarten wird teilweise die zwischen nominal und verbal angeführt.[24]

Für einige Sprachen wurde behauptet, dass sie keine Unterscheidung zwischen Nomen (d. h. Substantiven) und Verben vornehmen (bzw. dass die Unterscheidung sehr schwach ausgeprägt ist), u. a. Grönländisch, Riau-Indonesisch,[25] Tagalog, Tonganisch,[26] Mundari[27] und Salish-Sprachen.[28][29]

Siehe auch

Literatur

  • Mark Baker, William Croft: Lexical Categories: Legacy, Lacuna, and Opportunity for Functionalists and Formalists. In: Annual Review of Linguistics, 3 (2017), S. 179–197. doi: 10.1146/annurev-linguistics-011516-034134.
  • Walter Bisang: Word classes. In: Jae Jung Song (ed.): The Oxford handbook of language typology. Oxford University Press, 2010, S. 280–302. Online: doi:10.1093/oxfordhb/9780199281251.013.0015.
  • Duden. Die Grammatik (= Der Duden, Band 4). 10. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2022, e-ISBN 978-3-411-91447-0.
  • Konrad Ehlich: Zur Geschichte der Wortarten. In: Ludger Hoffmann (Hrsg.): Handbuch der deutschen Wortarten. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6, S. 51–94.
  • Mathilde Hennig, Miriam Langlotz: Das „Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke“ 2019: Neue Angebote für die Schulgrammatik. In: Didaktik Deutsch: Halbjahresschrift für die Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, Jahrgang 25, Heft 49 (2020), S. 70–84, Online, doi:10.25656/01:22285.
  • Clemens Knobloch, Burkhard Schaeder: Kriterien für die Definition von Wortarten. In: Geert Booij, Christian Lehmann, Joachim Mugdan (Hrsg.): Morphologie / Morphology. Ein internationales Handbuch zur Flexion und Wortbildung / An International Handbook on Inflection and Word-Formation. Band 1 (= HSK, 17-1). Walter de Gruyter, Berlin 2000, ISBN 3-11-011128-4, S. 674–692.
  • Gisa Rauh: Syntactic Categories. Their Identification and Description in Linguistic Theories. Oxford University Press, 2010, ISBN 978-0-19-928143-5.
  • Angelika Storrer: Grenzgänger: Problemfelder aus didaktischer Sicht. In: Ludger Hoffmann (Hrsg.): Handbuch der deutschen Wortarten. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6, S. 905–924.
  • Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke. (Handreichung für die Kultusministerkonferenz). Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim 2020, doi:10.14618/kmk_gra_fachausdruecke_2020.
Wiktionary: Wortart – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Redeteil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Hennig & Langlotz (2020), S. 73.
  2. ↑ Storrer (2009), S. 906.
  3. ↑ Vgl. Clemens Knobloch, Burkhard Schaeder: Das Wort. In: Ludger Hoffmann (Hrsg.): Handbuch der deutschen Wortarten. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6, S. 21–50. Siehe S. 22 f.
  4. ↑ Vergleich der beiden Listen in Hennig & Langlotz (2020), S. 74.
  5. ↑ Vor allem Karin Pittner: Kommentare zum Kommentarglied. In: Zeitschrift für Germanistische Linguistik, 42-1 (2014). S. 50–57. doi:10.1515/zgl-2014-0007
  6. ↑ Storrer (2009), S. 908, für den Stand bis dahin.
  7. ↑ Dudengrammatik (2022), Übersicht im Inhaltsverzeichnis S. 15–18.
  8. ↑ Ludger Hoffmann (Hrsg.): Handbuch der deutschen Wortarten. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6.
  9. ↑ Rodney Huddleston, Geoffrey K. Pullum: The Cambridge grammar of the English language. Cambridge University Press, Cambridge (UK) 2002, ISBN 978-0-521-43146-0. Siehe S. 22.
  10. ↑ R. H. Robins: General Linguistics. 4th ed., Longman, London 1989.
  11. ↑ Bimal Krishna Matilal: The word and the world: India’s contribution to the study of language. Oxford 1990.
  12. ↑ Platon: Cratylus 431b
    • griechisch: bei Perseus (University of Chicago) (Memento des Originals vom 29. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/perseus.uchicago.edu – Κρατύλος (Wikisource [griechisch])
    • englische Übersetzung: bei Perseus (University of Chicago) (Memento des Originals vom 13. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/perseus.uchicago.edu, Perseus (Tufts University)
  13. ↑ Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Braunschweig 1914, Band 2, S. 1006, Stichwort σύνδεσμος
  14. ↑ August Matthiä: Ausführliche Griechische Grammatik. Erster Theil. Formenlehre. 3., verbesserte und vermehrte Auflage. Leipzig 1835, S. 176
  15. ↑ Τέχνη Γραμματική Dionysios Thrax, Technē Grammatikē (Wikisource [griechisch])
  16. ↑ Robert H. Robins: [History of morphological research:] Classical Antiquity. In: Geert Booij, Christian Lehmann, Joachim Mugdan (Hrsg.): Morphologie / Morphology. Ein internationales Handbuch zur Flexion und Wortbildung / An International Handbook on Inflection and Word-Formation. Band 1 (= HSK, 17-1). Walter de Gruyter, Berlin 2000, ISBN 3-11-011128-4, S. 52–67. – Siehe S. 62.
  17. ↑ Partizipien wurden in der traditionellen Grammatik oft als eigene Wortart gezählt. In der heutigen Sprachwissenschaft wird diese Sicht nicht mehr geteilt. Partizipien werden als Wörter oder sogar Konstruktionen angesehen, bei denen in wechselnden Anteilen verbale und adjektivische Komponenten enthalten sind. Die meisten germanistischen Lehrbücher und Schulgrammatiken bezeichnen Partizipien als Verbformen.
  18. ↑ Vgl. auch George A. Miller: Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik. 1996, S. 110–115 (Syntaktische Klassen).
  19. ↑ Kutschera: Sprachphilosophie. 2. Aufl., 1975, ISBN 3-8252-0080-9, S. 211
  20. ↑ Clément: Linguistisches Grundwissen. 2. Aufl., 2000, S. 34
  21. ↑ Die einzelsprachliche Relativität des Flexionskriteriums betonend Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB, 3319), ISBN 978-3-8385-3319-3, S. 23 m.w.N.
  22. ↑ a b Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB, 3319), ISBN 978-3-8385-3319-3, S. 22.
  23. ↑ a b Clément: Linguistisches Grundwissen. 2. Aufl., 2000, S. 35.
  24. ↑ Dürr, Schlobinski: Deskriptive Linguistik, 2006, S. 78
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  27. ↑ K. Hengeveld, J. Rijkhoff: Federbuch, Mundari as a flexible language. In: Linguistic Typology, 2005, 9(3):406–431.
  28. ↑ H.-J. Sasse: Das Nomen – eine universale Kategorie? Sprachtypologie und Universalienforschung. 1993, 46(3):187–221
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