▷ gro-ß ahd.-deu. früher '
grobkörnig', dann auch ‘
massig,
dick’, übertragend ‘
lang,
breit,
weit,
hoch’; dann auch ‘
zahlreich,
viel’
- groß Adj.
- ‘ausgedehnt, von beträchtlichem Ausmaß’,
- bei näherer Bestimmung der räumlichen Ausdehnung mit vorangestellter Maßangabe im Akkusativ
- (seit Ende des 18. Jhs., zuvor und bis ins 19. Jh. im Genitiv),
- auch ‘der Zahl, dem Grad nach herausragend, von hohem Wert, besonderer Bedeutung’,
- ahd. (9. Jh.), mhd. grōʒ,
- asächs. mnd. grōt,
- mnl. nl. groot,
- afries. grāt,
- aengl. grēat,
- engl. great.
- Die semantische Entwicklung des nur westgerm. belegten Adjektivs germ. *grauta-,
- das wahrscheinlich mit
- anord. grautr ‘Grütze’ (s. Grütze1) und
- lit. graudùs ‘spröde, brüchig’,
- lett. grauds ‘Korn’
- an uig. *ghrēud-,
- Erweiterung der Wurzel uig. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’
- anzuschließen ist,
- entspricht zunächst der des vielleicht ebenfalls verwandten grob (s. d.):
- aus ‘grobkörnig’ (so noch im Aengl. und gelegentlich im Frühnhd.)
- erwächst die Bedeutung ‘massig, dick’, die in mhd. Zeit vorherrscht.
- Daran knüpfen sich (schon ahd. und in den übrigen westgerm. Sprachen)
- Übertragungen auf andere räumliche Erstreckungen (‘lang, breit, weit’)
- und (besonders asächs. mnd. mnl. frühnhd.) auf Mengen (‘zahlreich, viel’),
- ferner (bereits asächs. mhd. mnd. mnl. sowie im modernen Engl.) Verwendungen,
- die Qualitätsmerkmale, namentlich einen hohen Rang oder außergewöhnlichen Wert kennzeichnen
- (‘bedeutsam, wichtig, hervorragend, vornehm’).
- Der im älteren Nhd.verbreitete Gebrauch als intensivierendes Adverb
- ist heute auf bestimmte Konstruktionen,
- vor allem auf einige negative Fügungen (nicht groß, niemand groß) eingeschränkt.
- Jüngerer Umgangssprache gehört adverbielles (ganz) groß ‘großartig, prächtig’ an (groß ausgehen, etw. ganz groß ankündigen).
- Die oben angeführten Formen vom Stamm *grauta-
- verdrängen im Kontinentalwestgerm. das vorher zur Bezeichnung eines beträchtlichen Ausmaßes übliche gemeingerm. Adjektiv
- ahd. mihhil (8. Jh.),
- asächs. mikil, mhd. michel,
- mnd. mnl. mēkel, michel,
- aengl. micel,
- anord. mikill,
- got. mikils
- (noch lebendig in engl. much, schwed. mycken, dän. megen ‘viel’ und in Namen wie Michelstadt, Mecklenburg),
- das wie
- auf die Wurzel uig. *meg̑(h)- ‘groß’ zurückgeht.
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