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„Richard Dedekind“ – Versionsunterschied

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'''Julius Wilhelm Richard Dedekind''' (* [https://de.wikipedia.org/wiki/6._Oktober 6. Oktober] [https://de.wikipedia.org/wiki/1831 1831] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Braunschweig Braunschweig]; † [https://de.wikipedia.org/wiki/12._Februar 12. Februar] [https://de.wikipedia.org/wiki/1916 1916] ebenda) war ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland deutscher] [https://de.wikipedia.org/wiki/Mathematiker Mathematiker].[[file:220px-Dedekind.jpeg|link=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Dedekind.jpeg|220x274px]]
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'''Julius Wilhelm Richard Dedekind''' (* [[6. Oktober]] [[1831]] in [[Braunschweig]]; † [[12. Februar]] [[1916]] ebenda) war ein [[Deutschland|deutscher]] [[Mathematiker]].


Porträt (1870)
== Leben ==
== <span id="Werk">Werk</span> ==
Der Sohn des Braunschweiger Juristen und Hochschullehrers [[Julius Dedekind]] besuchte das [[Martino-Katharineum Braunschweig]] und studierte ab 1848 [[Mathematik]] am dortigen [[Collegium Carolinum (Braunschweig)|Collegium Carolinum]]. Das Studium setzte er ab 1850 in [[Georg-August-Universität Göttingen|Göttingen]] fort, wo er 1852 bei [[Carl Friedrich Gauß]] als dessen letzter Schüler über die Theorie [[Leonhard Euler|Eulerscher Integrale]] nach nur vier Semestern promoviert wurde. Mathematik hörte er aber vor allem bei [[Moritz Abraham Stern]] und Georg Ulrich am gerade neu von Stern eingerichteten mathematisch-physikalischen Seminar und Physik bei [[Wilhelm Eduard Weber|Wilhelm Weber]] und [[Johann Benedict Listing]]. Bei Gauß hörte er im Wintersemester 1850/51 über die [[Methode der kleinsten Quadrate]], die Dedekind als eine der schönsten Vorlesungen in Erinnerung behielt, die er je hörte, und im folgenden Semester über höhere [[Geodäsie]].<ref>Biermann, Artikel Dedekind in Dictionary of Scientific Biography.</ref> Seit 1850 gehörte Dedekind der [[Burschenschaft Brunsviga]] an<ref>Heinrich Bünsow: ''Geschichte und Verzeichnis der Mitglieder der Burschenschaft Brunsviga zu Göttingen 1848–1933.'' Göttingen 1933, S. 4, Nr. 46.</ref> und bekleidete dort im Sommersemester 1852 das Amt des Schriftführers und Kassenwartes. 1854 [[Habilitation|habilitierte]] er sich ebenfalls in Göttingen, kurz nach [[Bernhard Riemann]], mit dem er befreundet war.
<p>Richard Dedekind gab 1888 in der Schrift ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Was_sind_und_was_sollen_die_Zahlen%3F Was sind und was sollen die Zahlen?]'' die erste exakte Einführung der natürlichen Zahlen durch Axiome.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Dedekind#cite_note-4 [4]]</sup> In seiner Schrift ''Stetigkeit und Irrationalzahlen'' von 1872 gab er die erste exakte Definition der reellen Zahlen mit Hilfe der [https://de.wikipedia.org/wiki/Dedekindscher_Schnitt Dedekindschen Schnitte]. Im Anhang der ''Zahlentheorie'' seines Lehrers Dirichlet stellte er seinen Aufbau der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ideal_(Ringtheorie) Idealtheorie] dar, die damals in Konkurrenz zu der von [https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Kronecker Leopold Kronecker] stand. Das war das berühmte Supplement X in der Auflage von Dirichlets Zahlentheorie von 1871, später Supplement XI genannt.</p><p>Nach ihm benannt sind die [https://de.wikipedia.org/wiki/Dedekindring Dedekindringe] und ferner die [https://de.wikipedia.org/wiki/Dedekindsche_%CE%B7-Funktion dedekindsche η-Funktion] in der Theorie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Modulform Modulformen], die [https://de.wikipedia.org/wiki/Dedekindsche_%CE%B6-Funktion dedekindsche ζ-Funktion] eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Algebraischer_Zahlk%C3%B6rper algebraischen Zahlkörpers], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Differente Dedekindsche Komplementärmodul], [https://de.wikipedia.org/wiki/Dedekind-Zahl Dedekind-Zahl], [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Dedekindsche_Summe&action=edit&redlink=1 Dedekindsche Summen] sowie die Begriffe „[https://de.wikipedia.org/wiki/Dedekind-unendlich Dedekind-unendlich]“ und „Dedekind-endlich“. Mehrere mathematische Sätze tragen den Namen [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_von_Dedekind Satz von Dedekind].</p><p>Dedekind spielte eine wesentliche Rolle bei der Herausarbeitung der abstrakten Algebra. Der algebraische Begriff ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ring_(Algebra) Ring]'' wurde von Dedekind eingeführt, ebenso wie ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Einheit_(Mathematik) Einheit]''<sup id="cite_ref-Biermann_3-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Dedekind#cite_note-Biermann-3 [3]]</sup> und der Körperbegriff.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Dedekind#cite_note-5 [5]]</sup>Dedekind war darüber hinaus ein Pionier der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppentheorie Gruppentheorie]: In seinen Vorlesungen 1855/56 gab er die erste moderne Darstellung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Galoistheorie Galoistheorie] (die neben Transformationsgruppen in der Geometrie und neben der Zahlentheorie als dritte Wurzel für die Herausbildung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppe_(Mathematik) Gruppenbegriffs] im 19. Jahrhundert wichtig war) mit Einführung des abstrakten Gruppenbegriffs als Automorphismengruppe von Körpererweiterungen.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Dedekind#cite_note-6 [6]]</sup> 1897 führte er unabhängig von [https://de.wikipedia.org/wiki/George_Abram_Miller George Abram Miller] Kommutatoren und Kommutatorgruppen ein. Der Begriff des [https://de.wikipedia.org/wiki/Verband_(Mathematik) Verbandes] geht ebenfalls auf Dedekind (11. Supplement von Dirichlets Zahlentheorie 1894) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Schr%C3%B6der_(Mathematiker) Ernst Schröder] Ende des 19. Jahrhunderts zurück, blieb aber zunächst unbeachtet.</p><p>Er stand mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Cantor Georg Cantor] in den 1870er Jahren in Briefwechsel, der für die frühe Geschichte der Cantorschen [https://de.wikipedia.org/wiki/Mengenlehre Mengenlehre] von Bedeutung ist.<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Dedekind#cite_note-7 [7]]</sup> Beispielsweise entwickelte Cantor im Rahmen dieses Briefwechsels seinen Beweis der Überabzählbarkeit der reellen Zahlen (Brief vom 7. Dezember 1873). Beide hatten sich zufällig 1872 in der Schweiz kennengelernt. Ihre Freundschaft endete aber, nachdem sich Dedekind geweigert hatte, zu Cantor an die Universität Halle zu wechseln. Dedekind hatte schon in den 1860er Jahren in seinen algebraischen Arbeiten mit Mengen ''gerechnet'', ohne dies explizit zu erwähnen, und verwendete Mengenlehre bei der Entwicklung seines Konzepts des Dedekind-Schnitts (herausgearbeitet schon 1858 in Vorlesungen über Analysis in Zürich).<sup id="cite_ref-Biermann_3-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Dedekind#cite_note-Biermann-3 [3]]</sup></p><p>Er ist auf einer DDR-Briefmarke von 1981 abgebildet, die in der Darstellung an seinen Satz von der eindeutigen Zerlegbarkeit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ideal_(Ringtheorie) Ideale] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Primideal Primideale] im Ring der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ganze_Zahl ganzen Zahlen] eines algebraischen Zahlkörpers erinnert.</p><p>Er gab sowohl die nachgelassenen Schriften seines Lehrers Dirichlet als auch die seines Freundes Bernhard Riemann heraus, für dessen ''Gesammelte Werke'' er auch eine Biographie schrieb. Auch an der Herausgabe der Werke von Carl Friedrich Gauß war er beteiligt.</p>
== <span id="Zitate">Zitate</span> ==
<p>In seiner Schrift ''Was sind und was sollen die Zahlen?'' schrieb er 1888:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Was beweisbar ist, soll in der Wissenschaft nicht ohne Beweis geglaubt werden.“</p></blockquote></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Die Zahlen sind freie Schöpfungen des menschlichen Geistes, sie dienen als Mittel, um die Verschiedenheit der Dinge leichter und schärfer aufzufassen. Durch den rein logischen Aufbau der Zahlenwissenschaft und durch das in ihr gewonnene stetige Zahlenreich sind wir erst in den Stand gesetzt, unsere Vorstellungen von Raum und Zeit genau zu untersuchen, indem wir dieselben auf dieses in unserem Geiste geschaffene Zahlenreich beziehen.“</p></blockquote></div></div>
== <span id="Schriften">Schriften</span> ==


*''Stetigkeit und irrationale Zahlen''. Vieweg, Braunschweig 1872, 2. Auflage 1892, auch [http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN23569441X%7CLOG_0047 Gesammelte Werke, Band 3, S. 315–334.] ([http://archive.org/stream/stetigkeitundir00dedegoog#page/n4/mode/2up online])
Nach dem Tode von Gauß wurde 1855 [[Peter Gustav Lejeune Dirichlet|Peter Gustav Dirichlet]] dessen Nachfolger und freundete sich mit Dedekind an. Dedekind wurde 1858 [[Lehrstuhl|Ordinarius]] am [[Eidgenössische Technische Hochschule Zürich|Polytechnikum Zürich]] und war von 1862 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1894 Professor für Mathematik in Braunschweig an der dortigen Technischen Hochschule. 1872 bis 1875 war er deren Direktor. Er erhielt zwar mehrere Rufe an angesehene Universitäten, zog es aber vor, in seiner Heimatstadt Braunschweig zu bleiben. Ein Hauptgrund war die enge Verbundenheit mit seiner Familie (er hatte einen Bruder und eine Schwester, war aber nie verheiratet). Auch nach seiner Emeritierung 1894 hielt er noch gelegentlich Vorlesungen. 1859 besuchte er mit Riemann Berlin, wo er auch [[Leopold Kronecker]], [[Ernst Eduard Kummer]] und [[Karl Weierstraß]] traf. 1878 besuchte er Paris anlässlich der Weltausstellung.
*''Was sind und was sollen die Zahlen?'' 1. Auflage, Vieweg, Braunschweig 1888, [http://www.archive.org/details/wassindundwasso00dedegoog Scan eines Buches von 1893], 10. Auflage Vieweg 1965, auch [http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN23569441X%7CLOG_0055 Gesammelte Werke, Band 3, S. 335–391.]
*Dirichlet, Dedekind: ''Vorlesungen über Zahlentheorie.'' 2. Auflage, Vieweg, 1871 auf [http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PPN=PPN30976923X gdz.sub.uni-goettingen.de]
*[http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/toc/?PID=PPN235685380 ''Gesammelte mathematische Werke.''] (Hrsg. von [https://de.wikipedia.org/wiki/Emmy_Noether Emmy Noether], [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Fricke_(Mathematiker) Robert Fricke], [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%98ystein_Ore Øystein Ore]), Braunschweig, Vieweg, 3 Bände, 1930 bis 1932.
*''Über die Theorie der ganzen algebraischen Zahlen'', Braunschweig, Vieweg 1964 (Geleitwort [https://de.wikipedia.org/wiki/Bartel_Leendert_van_der_Waerden Bartel Leendert van der Waerden]), das 11. Supplement von Dedekind zu Dirichlets Zahlentheorie, auch in [http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN23569441X%7CLOG_0005 Gesammelte Werke, Band 3], englische Ausgabe ''Theory of algebraic integers'', Cambridge University Press 1996 (Übersetzer und Herausgeber [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Stillwell John Stillwell])
*''Vorlesung über Differential- und Integralrechnung 1861/62.'' Vieweg 1985 (Mitschrift von Heinrich Bechtold, herausgegeben von [https://de.wikipedia.org/wiki/Winfried_Scharlau_(Mathematiker) Winfried Scharlau], Max-Albert Knus), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783528089023 ISBN 978-3-528-08902-3]
*''Briefwechsel Cantor-Dedekind.'' Paris 1937 (Herausgeber Emmy Noether, [https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Cavaill%C3%A8s Jean Cavaillès]).


== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
Dedekind war seit 1859 korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften (ab 1862 auswärtiges Mitglied),<ref>{{Internetquelle| url=https://adw-goe.de/mitglieder/personendetails/person/richard-dedekind/| titel=Mitglieder: Richard Dedekind| hrsg=Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen| zugriff=2025-09-08}}</ref> ab 1880 korrespondierendes Mitglied der [[Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften|Berliner Akademie der Wissenschaften]],<ref>{{Internetquelle| url=https://www.bbaw.de/die-akademie/akademie-historische-aspekte/mitglieder-historisch/historisches-mitglied-richard-dedekind-553| titel=Mitglieder – historisch: Richard Dedekind| hrsg=[[Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften]]| zugriff=2025-09-08}}</ref> ab 1900 korrespondierendes Mitglied und ab 1910 auswärtiges Mitglied der [[Académie des sciences]] in Paris. Er war Mitglied der [[Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina|Leopoldina]] und der [[Accademia dei Lincei|Akademie in Rom]]. Er war Ehrendoktor in Oslo, Zürich und Braunschweig.


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dedekinds_Prager_Satz Dedekinds Prager Satz]
Dedekind starb am 12. Februar 1916 und wurde auf dem [[Braunschweiger Hauptfriedhof]] beigesetzt. Sein Nachlass wird vom [[Zentralarchiv deutscher Mathematiker-Nachlässe]] an der [[Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen|Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen]] aufbewahrt.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Extensionalit%C3%A4tsaxiom Extensionalitätsaxiom]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Isomorphiesatz_von_Dedekind Isomorphiesatz von Dedekind]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Modulares_Gesetz_von_Dedekind Modulares Gesetz von Dedekind]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Unabh%C3%A4ngigkeitssatz_von_Dedekind Unabhängigkeitssatz von Dedekind]


== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
Dedekind spielte sehr gut Cello und Klavier und komponierte eine Kammeroper, zu der sein Bruder das Libretto schrieb.<ref name="Biermann">Biermann, Artikel Dedekind in: ''Dictionary of Scientific Biography.''</ref>


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt-R._Biermann Kurt-R. Biermann]: <cite>Dedekind, (Julius Wilhelm) Richard</cite>. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Gillispie Charles Coulston Gillispie] (Hrsg.): <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Dictionary_of_Scientific_Biography Dictionary of Scientific Biography]</cite>. Band&nbsp;4: Richard Dedekind – Firmicus Maternus. Charles Scribner’s Sons, New York 1971, S.&nbsp;1–5.
== Werk ==
*Wilfried Sieg: ''Hilbert's Programms and Beyond.'' Oxford University Press, 2013, I.1 Dedekind's analysis of number: systems and axioms.
Richard Dedekind gab 1888 in der Schrift ''[[Was sind und was sollen die Zahlen?]]'' die erste exakte Einführung der natürlichen Zahlen durch Axiome.<ref>Dedekinds Axiome sind gleichwertig zu den [[Peano-Axiome|Peano-Axiomen]], die von Dedekind abweichen und unabhängig von ihm entstanden sind. Dazu: Hubert Kennedy: ''The origins of modern Axiomatics'', in: American Mathematical monthly, 79 (1972), 133–136.</ref> In seiner Schrift ''Stetigkeit und Irrationalzahlen'' von 1872 gab er die erste exakte Definition der [[Reelle Zahl|reellen Zahlen]] mit Hilfe der [[Dedekindscher Schnitt|Dedekindschen Schnitte]]. Im Anhang der ''Zahlentheorie'' seines Lehrers Dirichlet stellte er seinen Aufbau der [[Ideal (Ringtheorie)|Idealtheorie]] dar, die damals in Konkurrenz zu der von [[Leopold Kronecker]] stand. Das war das berühmte Supplement X in der Auflage von Dirichlets [[Zahlentheorie]] von 1871, später Supplement XI genannt.
*Regina Blume: ''Richard Dedekind.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitskreis_Andere_Geschichte Arbeitskreis Andere Geschichte] (Hrsg.): ''Braunschweiger Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.'' döringDRUCK, Braunschweig 2012, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783925268427 ISBN 978-3-925268-42-7], S. 52–55.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Dugac Pierre Dugac]: ''Richard Dedekind et les fondements de la mathematique.'' Paris 1976.
*Heiko Harborth, Maria Heuer, Harald Löwe, Rainer Löwen, Thomas Sonar: ''Gedenkschrift für Richard Dedekind.'' Ein Beitrag der Wirtschaft, vertreten durch die Industrie- und Handelskammer Braunschweig [http://p153887.typo3server.info/fileadmin/v1/images/content/inhaltsbereich/02_artikelbilder/05_pressearchiv/00_downloads_artikel/2007/07_12_21/Gedenkschrift_Richard_Dedekind.pdf (Hrsg. IHK Braunschweig, PDF 6 MB, Braunschweig 2007)].
*Heiko Harborth, [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Gerke Karl Gerke]: ''Zum Leben des Braunschweiger Mathematikers Richard Dedekind.'' In: ''Brunswiek 1031 - Braunschweig 1981.'' Ausstellungskatalog Städtisches Museum Braunschweig.
*Hergen Manns: ''Dedekind, Richard Julius Wilhelm, Prof. Dr.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Horst-R%C3%BCdiger_Jarck Horst-Rüdiger Jarck], [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Scheel Günter Scheel] (Hrsg.): <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Braunschweigisches_Biographisches_Lexikon Braunschweigisches Biographisches Lexikon] – 19. und 20. Jahrhundert</cite>. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3775258388 ISBN 3-7752-5838-8], S.&nbsp;137.
*Norman-Mathias Pingel, [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Wassermann Rudolf Wassermann]: ''Dedekind, Richard.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Luitgard_Camerer Luitgard Camerer], [https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_R._W._Garzmann Manfred Garzmann], [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf-Dieter_Schuegraf Wolf-Dieter Schuegraf] (Hrsg.): <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Braunschweiger_Stadtlexikon Braunschweiger Stadtlexikon]</cite>. Joh.&nbsp;Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 1992, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3926701145 ISBN 3-926701-14-5], S.&nbsp;58.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Winfried_Scharlau_(Mathematiker) Winfried Scharlau] (Hrsg.): ''Richard Dedekind, 1831–1981: eine Würdigung zu seinem 150. Geburtstag.'' Vieweg, 1981, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783528084981 ISBN 978-3-528-08498-1].
*Katrin Scheel: ''Der Briefwechsel Richard Dedekind – Heinrich Weber.'' Berlin 2014, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110373660 ISBN 978-3-11-037366-0], [https://doi.org/10.1515/9783110368048 doi:10.1515/9783110368048].
*Nikolai Stuloff:&nbsp;''<span class="plainlinks-print">[https://www.deutsche-biographie.de/gnd118524259.html#ndbcontent Dedekind, Julius Wilhelm Richard.]</span>'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Deutsche_Biographie Neue Deutsche Biographie]'' (NDB). Band&nbsp;3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3428001842 ISBN 3-428-00184-2], S.&nbsp;552&nbsp;f. (<span class="plainlinks-print">[https://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016319/images/index.html?seite=568 Digitalisat]</span>).
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Wassermann Rudolf Wassermann] (Hrsg.): ''Justiz im Wandel der Zeit: Festschrift des Oberlandesgerichts Braunschweig''. Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 1989, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3926701072 ISBN 3-926701-07-2], S. 18.


== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
Nach ihm benannt sind die [[Dedekindring]]e und ferner die [[dedekindsche η-Funktion]] in der Theorie der [[Modulform]]en, die [[dedekindsche ζ-Funktion]] eines [[Algebraischer Zahlkörper|algebraischen Zahlkörpers]], der [[Differente|Dedekindsche Komplementärmodul]], [[Dedekind-Zahl]], [[Dedekindsche Summe]]n sowie die Begriffe „[[Dedekind-unendlich]]“ und „Dedekind-endlich“. Mehrere mathematische Sätze tragen den Namen [[Satz von Dedekind]].
<div class="sisterproject"><div class="noresize noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Commons">[[file:12px-Commons-logo.svg.png|12x16px]]</span></span></div>'''<span class="plainlinks">[https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Richard_Dedekind?uselang=de <span lang="en">Commons</span>: Richard Dedekind]</span>'''&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div><div class="sisterproject"><div class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wikiquote">[[file:13px-Wikiquote-logo.svg.png|13x16px]]</span></span></div>'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Richard_Dedekind Wikiquote: Richard Dedekind]'''&nbsp;– Zitate</div>
*[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118524259 Literatur von und über Richard Dedekind] im Katalog der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalbibliothek Deutschen Nationalbibliothek]
*[https://www.braunschweig.de/tourismus/ueber-braunschweig/sehenswuerdigkeiten/blik/personen/richard_dedekind.php Richard Dedekind] als Persönlichkeit im [http://www.braunschweig.de/blik ''BLIK – Braunschweiger Leit- und Informationssystem für Kultur'']
*John J. O’Connor, [https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Robertson Edmund F. Robertson]:&nbsp;[https://mathshistory.st-andrews.ac.uk/Biographies/Dedekind.html ''Richard Dedekind.''] In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/MacTutor_History_of_Mathematics_archive MacTutor History of Mathematics archive].''
*[http://finanz.math.tugraz.at/~predota/old/history/mathematiker/dedekind.html Kurzbiografie] auf finanz.math.tugraz.at
*[http://www.genealogy.math.ndsu.nodak.edu/html/id.phtml?id=18233 Eintrag im ''Mathematics Genealogy Project''] auf genealogy.math.ndsu.nodak.edu
*[http://hans.sub.uni-goettingen.de/nachlaesse/Dedekind.pdf Zentralarchiv Mathematiker-Nachlässe: Findbuch] (PDF; 2,9&nbsp;MB)
*Spektrum.de: [https://www.spektrum.de/wissen/julius-wilhelm-richard-dedekind-1831-1916/1124386 Richard Dedekind (1831 – 1916)] 1. Oktober 2011
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_M%C3%BCller-Stach Stefan Müller-Stach]: [https://arxiv.org/pdf/1612.03326.pdf Richard Dedekind: Style and Influence]
*Mitgliedseintrag von ''[https://www.leopoldina.org/mitgliederverzeichnis/mitglieder/member/Member/show/richard-dedekind/ Richard Dedekind]'' bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Akademie_der_Naturforscher_Leopoldina Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina]


== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
[[Datei:Braunschweig Hauptfriedhof Richard Dedekind 01.jpg|mini|Grab auf dem [[Hauptfriedhof Braunschweig|Braunschweiger Hauptfriedhof]]|220x220px]]
Dedekind spielte eine wesentliche Rolle bei der Herausarbeitung der abstrakten Algebra. Der algebraische Begriff ''[[Ring (Algebra)|Ring]]'' wurde von Dedekind eingeführt, ebenso wie ''[[Einheit (Mathematik)|Einheit]]''<ref name="Biermann" /> und der Körperbegriff.<ref>[[Hans Wußing]]: ''6000 Jahre Mathematik.'' Springer Verlag, Band 2, S. 226. Er verweist auf Purkert ''Zur Genesis des abstrakten Körperbegriffs.'' NTM Schriftenreihe 1971.</ref> Dedekind war darüber hinaus ein Pionier der [[Gruppentheorie]]: In seinen Vorlesungen 1855/56 gab er die erste moderne Darstellung der [[Galoistheorie]] (die neben Transformationsgruppen in der Geometrie und neben der Zahlentheorie als dritte Wurzel für die Herausbildung des [[Gruppe (Mathematik)|Gruppenbegriffs]] im 19. Jahrhundert wichtig war) mit Einführung des abstrakten Gruppenbegriffs als Automorphismengruppe von Körpererweiterungen.<ref>Hans Wußing: ''6000 Jahre Mathematik.'' Springer Verlag, Band 2, S. 207.</ref> 1897 führte er unabhängig von [[George Abram Miller]] Kommutatoren und Kommutatorgruppen ein. Der Begriff des [[Verband (Mathematik)|Verbandes]] geht ebenfalls auf Dedekind (11. Supplement von Dirichlets Zahlentheorie 1894) und [[Ernst Schröder (Mathematiker)|Ernst Schröder]] Ende des 19. Jahrhunderts zurück, blieb aber zunächst unbeachtet.


#<span class="reference-text">Biermann, Artikel Dedekind in Dictionary of Scientific Biography.</span>
Er stand mit [[Georg Cantor]] in den 1870er Jahren in Briefwechsel, der für die frühe Geschichte der Cantorschen [[Mengenlehre]] von Bedeutung ist.<ref>Dauben: ''Cantor.'' Princeton University Press 1979, S. 2.</ref> Beispielsweise entwickelte Cantor im Rahmen dieses Briefwechsels seinen Beweis der Überabzählbarkeit der reellen Zahlen (Brief vom 7. Dezember 1873). Beide hatten sich zufällig 1872 in der Schweiz kennengelernt. Ihre Freundschaft endete aber, nachdem sich Dedekind geweigert hatte, zu Cantor an die Universität Halle zu wechseln. Dedekind hatte schon in den 1860er Jahren in seinen algebraischen Arbeiten mit Mengen ''gerechnet'', ohne dies explizit zu erwähnen, und verwendete Mengenlehre bei der Entwicklung seines Konzepts des Dedekind-Schnitts (herausgearbeitet schon 1858 in Vorlesungen über Analysis in Zürich).<ref name="Biermann" />
#<span class="reference-text">Heinrich Bünsow: ''Geschichte und Verzeichnis der Mitglieder der Burschenschaft Brunsviga zu Göttingen 1848–1933.'' Göttingen 1933, S. 4, Nr. 46.</span>
 
#<span class="reference-text">Biermann, Artikel Dedekind in: ''Dictionary of Scientific Biography.''</span>
Er ist auf einer DDR-Briefmarke von 1981 abgebildet, die in der Darstellung an seinen Satz von der eindeutigen Zerlegbarkeit der [[Ideal (Ringtheorie)|Ideale]] in [[Primideal]]e im Ring der [[Ganze Zahl|ganzen Zahlen]] eines algebraischen Zahlkörpers erinnert.
#<span class="reference-text">Dedekinds Axiome sind gleichwertig zu den [https://de.wikipedia.org/wiki/Peano-Axiome Peano-Axiomen], die von Dedekind abweichen und unabhängig von ihm entstanden sind. Dazu: Hubert Kennedy: ''The origins of modern Axiomatics'', in: American Mathematical monthly, 79 (1972), 133–136.</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Wu%C3%9Fing Hans Wußing]: ''6000 Jahre Mathematik.'' Springer Verlag, Band 2, S. 226. Er verweist auf Purkert ''Zur Genesis des abstrakten Körperbegriffs.'' NTM Schriftenreihe 1971.</span>
Er gab sowohl die nachgelassenen Schriften seines Lehrers Dirichlet als auch die seines Freundes Bernhard Riemann heraus, für dessen ''Gesammelte Werke'' er auch eine Biographie schrieb. Auch an der Herausgabe der Werke von Carl Friedrich Gauß war er beteiligt.
#<span class="reference-text">Hans Wußing: ''6000 Jahre Mathematik.'' Springer Verlag, Band 2, S. 207.</span>
 
#<span class="reference-text">Dauben: ''Cantor.'' Princeton University Press 1979, S. 2.</span>
== Zitate ==
In seiner Schrift ''Was sind und was sollen die Zahlen?'' schrieb er 1888:
{{Zitat
|Text=Was beweisbar ist, soll in der Wissenschaft nicht ohne Beweis geglaubt werden.}}
{{Zitat
|Text=Die Zahlen sind freie Schöpfungen des menschlichen Geistes, sie dienen als Mittel, um die Verschiedenheit der Dinge leichter und schärfer aufzufassen. Durch den rein logischen Aufbau der Zahlenwissenschaft und durch das in ihr gewonnene stetige Zahlenreich sind wir erst in den Stand gesetzt, unsere Vorstellungen von Raum und Zeit genau zu untersuchen, indem wir dieselben auf dieses in unserem Geiste geschaffene Zahlenreich beziehen.}}
 
== Schriften ==
* ''Stetigkeit und irrationale Zahlen''. Vieweg, Braunschweig 1872, 2. Auflage 1892, auch [http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN23569441X|LOG_0047 Gesammelte Werke, Band 3, S. 315–334.] ([https://archive.org/stream/stetigkeitundir00dedegoog#page/n4/mode/2up online])
* ''Was sind und was sollen die Zahlen?'' 1. Auflage, Vieweg, Braunschweig 1888, [http://www.archive.org/details/wassindundwasso00dedegoog Scan eines Buches von 1893], 10. Auflage Vieweg 1965, auch [http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN23569441X|LOG_0055 Gesammelte Werke, Band 3, S. 335–391.]
* Dirichlet, Dedekind: ''Vorlesungen über Zahlentheorie.'' 2. Auflage, Vieweg, 1871 auf [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PPN=PPN30976923X gdz.sub.uni-goettingen.de]
* [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/toc/?PID=PPN235685380 ''Gesammelte mathematische Werke.''] (Hrsg. von [[Emmy Noether]], [[Robert Fricke (Mathematiker)|Robert Fricke]], [[Øystein Ore]]), Braunschweig, Vieweg, 3 Bände, 1930 bis 1932.
* ''Über die Theorie der ganzen algebraischen Zahlen'', Braunschweig, Vieweg 1964 (Geleitwort [[Bartel Leendert van der Waerden]]), das 11. Supplement von Dedekind zu Dirichlets Zahlentheorie, auch in [http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN23569441X|LOG_0005 Gesammelte Werke, Band 3], englische Ausgabe ''Theory of algebraic integers'', Cambridge University Press 1996 (Übersetzer und Herausgeber [[John Stillwell]])
* ''Vorlesung über Differential- und Integralrechnung 1861/62.'' Vieweg 1985 (Mitschrift von Heinrich Bechtold, herausgegeben von [[Winfried Scharlau (Mathematiker)|Winfried Scharlau]], Max-Albert Knus), ISBN 978-3-528-08902-3
* ''Briefwechsel Cantor-Dedekind.'' Paris 1937 (Herausgeber Emmy Noether, [[Jean Cavaillès]]).
 
== Siehe auch ==
* [[Dedekinds Prager Satz]]
* [[Extensionalitätsaxiom]]
* [[Isomorphiesatz von Dedekind]]
* [[Modulares Gesetz von Dedekind]]
* [[Unabhängigkeitssatz von Dedekind]]
 
== Literatur ==
* {{DictSciBiogr |Autor=[[Kurt-R. Biermann]] |Lemma=Dedekind, (Julius Wilhelm) Richard |Band=4 |Seiten=1–5}}
* Wilfried Sieg: ''Hilbert's Programms and Beyond.'' Oxford University Press, 2013, I.1 Dedekind's analysis of number: systems and axioms.
* Regina Blume: ''Richard Dedekind.'' In: [[Arbeitskreis Andere Geschichte]] (Hrsg.): ''Braunschweiger Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.'' döringDRUCK, Braunschweig 2012, ISBN 978-3-925268-42-7, S. 52–55.
* [[Pierre Dugac]]: ''Richard Dedekind et les fondements de la mathematique.'' Paris 1976.
* Heiko Harborth, Maria Heuer, Harald Löwe, Rainer Löwen, Thomas Sonar: ''Gedenkschrift für Richard Dedekind.'' Ein Beitrag der Wirtschaft, vertreten durch die Industrie- und Handelskammer Braunschweig [http://p153887.typo3server.info/fileadmin/v1/images/content/inhaltsbereich/02_artikelbilder/05_pressearchiv/00_downloads_artikel/2007/07_12_21/Gedenkschrift_Richard_Dedekind.pdf (Hrsg. IHK Braunschweig, PDF 6 MB, Braunschweig 2007)].
* Heiko Harborth, [[Karl Gerke]]: ''Zum Leben des Braunschweiger Mathematikers Richard Dedekind.'' In: ''Brunswiek 1031 - Braunschweig 1981.'' Ausstellungskatalog Städtisches Museum Braunschweig.
* Hergen Manns: ''Dedekind, Richard Julius Wilhelm, Prof. Dr.'' In: {{BibISBN|3775258388|Seite=137.}}
* Norman-Mathias Pingel, [[Rudolf Wassermann]]: ''Dedekind, Richard.'' In: {{BibISBN|3926701145|Seite=58}}
* [[Winfried Scharlau (Mathematiker)|Winfried Scharlau]] (Hrsg.): ''Richard Dedekind, 1831–1981: eine Würdigung zu seinem 150. Geburtstag.'' Vieweg, 1981, ISBN 978-3-528-08498-1.
* Katrin Scheel: ''Der Briefwechsel Richard Dedekind – Heinrich Weber.'' Berlin 2014, ISBN 978-3-11-037366-0, [[doi:10.1515/9783110368048]].
* {{NDB|3|552|553|Dedekind, Julius Wilhelm Richard|Nikolai Stuloff|118524259}}
* [[Rudolf Wassermann]] (Hrsg.): ''Justiz im Wandel der Zeit: Festschrift des Oberlandesgerichts Braunschweig''. Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 1989, ISBN 3-926701-07-2, S. 18.
 
== Weblinks ==
{{Commonscat|Richard Dedekind}}
{{Wikiquote|Richard Dedekind}}
* {{DNB-Portal|118524259}}
* [https://www.braunschweig.de/tourismus/ueber-braunschweig/sehenswuerdigkeiten/blik/personen/richard_dedekind.php Richard Dedekind] als Persönlichkeit im [http://www.braunschweig.de/blik ''BLIK – Braunschweiger Leit- und Informationssystem für Kultur'']
* {{MacTutor|id=Dedekind|title=Julius Wilhelm Richard Dedekind}}
* [https://finanz.math.tugraz.at/~predota/old/history/mathematiker/dedekind.html Kurzbiografie] auf finanz.math.tugraz.at
* {{MathGenealogyProject|18233|name=J. W. Richard (Julius Wilhelm) Dedekind}}
* [http://hans.sub.uni-goettingen.de/nachlaesse/Dedekind.pdf Zentralarchiv Mathematiker-Nachlässe: Findbuch] (PDF; 2,9&nbsp;MB)
* Spektrum.de: [https://www.spektrum.de/wissen/julius-wilhelm-richard-dedekind-1831-1916/1124386 Richard Dedekind (1831 – 1916)] 1. Oktober 2011
* [[Stefan Müller-Stach]]: [https://arxiv.org/pdf/1612.03326.pdf Richard Dedekind: Style and Influence]
* {{Leopoldina|IDName=richard-dedekind|Name=Richard Dedekind|Weblink=1|Datum=23. Juni 2022}}
* [https://zbmath.org/authors/dedekind.richard Richard Dedekind] in der Datenbank [[zbMATH]]
 
== Einzelnachweise ==
<references />
 
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Aktuelle Version vom 1. August 2026, 04:33 Uhr

Porträt (1870)

Julius Wilhelm Richard Dedekind (* 6. Oktober 1831 in Braunschweig; † 12. Februar 1916 ebenda) war ein deutscher Mathematiker.

Leben

Der Sohn des Braunschweiger Juristen und Hochschullehrers Julius Dedekind besuchte das Martino-Katharineum Braunschweig und studierte ab 1848 Mathematik am dortigen Collegium Carolinum. Das Studium setzte er ab 1850 in Göttingen fort, wo er 1852 bei Carl Friedrich Gauß als dessen letzter Schüler über die Theorie Eulerscher Integrale nach nur vier Semestern promoviert wurde. Mathematik hörte er aber vor allem bei Moritz Abraham Stern und Georg Ulrich am gerade neu von Stern eingerichteten mathematisch-physikalischen Seminar und Physik bei Wilhelm Weber und Johann Benedict Listing. Bei Gauß hörte er im Wintersemester 1850/51 über die Methode der kleinsten Quadrate, die Dedekind als eine der schönsten Vorlesungen in Erinnerung behielt, die er je hörte, und im folgenden Semester über höhere Geodäsie.[1] Seit 1850 gehörte Dedekind der Burschenschaft Brunsviga an[2] und bekleidete dort im Sommersemester 1852 das Amt des Schriftführers und Kassenwartes. 1854 habilitierte er sich ebenfalls in Göttingen, kurz nach Bernhard Riemann, mit dem er befreundet war.

Nach dem Tode von Gauß wurde 1855 Peter Gustav Dirichlet dessen Nachfolger und freundete sich mit Dedekind an. Dedekind wurde 1858 Ordinarius am Polytechnikum Zürich und war von 1862 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1894 Professor für Mathematik in Braunschweig an der dortigen Technischen Hochschule. 1872 bis 1875 war er deren Direktor. Er erhielt zwar mehrere Rufe an angesehene Universitäten, zog es aber vor, in seiner Heimatstadt Braunschweig zu bleiben. Ein Hauptgrund war die enge Verbundenheit mit seiner Familie (er hatte einen Bruder und eine Schwester, war aber nie verheiratet). Auch nach seiner Emeritierung 1894 hielt er noch gelegentlich Vorlesungen. 1859 besuchte er mit Riemann Berlin, wo er auch Leopold Kronecker, Ernst Eduard Kummer und Karl Weierstraß traf. 1878 besuchte er Paris anlässlich der Weltausstellung.

Dedekind war seit 1859 korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften (ab 1862 auswärtiges Mitglied),[3] ab 1880 korrespondierendes Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften,[4] ab 1900 korrespondierendes Mitglied und ab 1910 auswärtiges Mitglied der Académie des sciences in Paris. Er war Mitglied der Leopoldina und der Akademie in Rom. Er war Ehrendoktor in Oslo, Zürich und Braunschweig.

Dedekind starb am 12. Februar 1916 und wurde auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof beigesetzt. Sein Nachlass wird vom Zentralarchiv deutscher Mathematiker-Nachlässe an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen aufbewahrt.

Dedekind spielte sehr gut Cello und Klavier und komponierte eine Kammeroper, zu der sein Bruder das Libretto schrieb.[5]

Werk

Richard Dedekind gab 1888 in der Schrift Was sind und was sollen die Zahlen? die erste exakte Einführung der natürlichen Zahlen durch Axiome.[6] In seiner Schrift Stetigkeit und Irrationalzahlen von 1872 gab er die erste exakte Definition der reellen Zahlen mit Hilfe der Dedekindschen Schnitte. Im Anhang der Zahlentheorie seines Lehrers Dirichlet stellte er seinen Aufbau der Idealtheorie dar, die damals in Konkurrenz zu der von Leopold Kronecker stand. Das war das berühmte Supplement X in der Auflage von Dirichlets Zahlentheorie von 1871, später Supplement XI genannt.

Nach ihm benannt sind die Dedekindringe und ferner die dedekindsche η-Funktion in der Theorie der Modulformen, die dedekindsche ζ-Funktion eines algebraischen Zahlkörpers, der Dedekindsche Komplementärmodul, Dedekind-Zahl, Dedekindsche Summen sowie die Begriffe „Dedekind-unendlich“ und „Dedekind-endlich“. Mehrere mathematische Sätze tragen den Namen Satz von Dedekind.

Grab auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof

Dedekind spielte eine wesentliche Rolle bei der Herausarbeitung der abstrakten Algebra. Der algebraische Begriff Ring wurde von Dedekind eingeführt, ebenso wie Einheit[5] und der Körperbegriff.[7] Dedekind war darüber hinaus ein Pionier der Gruppentheorie: In seinen Vorlesungen 1855/56 gab er die erste moderne Darstellung der Galoistheorie (die neben Transformationsgruppen in der Geometrie und neben der Zahlentheorie als dritte Wurzel für die Herausbildung des Gruppenbegriffs im 19. Jahrhundert wichtig war) mit Einführung des abstrakten Gruppenbegriffs als Automorphismengruppe von Körpererweiterungen.[8] 1897 führte er unabhängig von George Abram Miller Kommutatoren und Kommutatorgruppen ein. Der Begriff des Verbandes geht ebenfalls auf Dedekind (11. Supplement von Dirichlets Zahlentheorie 1894) und Ernst Schröder Ende des 19. Jahrhunderts zurück, blieb aber zunächst unbeachtet.

Er stand mit Georg Cantor in den 1870er Jahren in Briefwechsel, der für die frühe Geschichte der Cantorschen Mengenlehre von Bedeutung ist.[9] Beispielsweise entwickelte Cantor im Rahmen dieses Briefwechsels seinen Beweis der Überabzählbarkeit der reellen Zahlen (Brief vom 7. Dezember 1873). Beide hatten sich zufällig 1872 in der Schweiz kennengelernt. Ihre Freundschaft endete aber, nachdem sich Dedekind geweigert hatte, zu Cantor an die Universität Halle zu wechseln. Dedekind hatte schon in den 1860er Jahren in seinen algebraischen Arbeiten mit Mengen gerechnet, ohne dies explizit zu erwähnen, und verwendete Mengenlehre bei der Entwicklung seines Konzepts des Dedekind-Schnitts (herausgearbeitet schon 1858 in Vorlesungen über Analysis in Zürich).[5]

Er ist auf einer DDR-Briefmarke von 1981 abgebildet, die in der Darstellung an seinen Satz von der eindeutigen Zerlegbarkeit der Ideale in Primideale im Ring der ganzen Zahlen eines algebraischen Zahlkörpers erinnert.

Er gab sowohl die nachgelassenen Schriften seines Lehrers Dirichlet als auch die seines Freundes Bernhard Riemann heraus, für dessen Gesammelte Werke er auch eine Biographie schrieb. Auch an der Herausgabe der Werke von Carl Friedrich Gauß war er beteiligt.

Zitate

In seiner Schrift Was sind und was sollen die Zahlen? schrieb er 1888:

„Was beweisbar ist, soll in der Wissenschaft nicht ohne Beweis geglaubt werden.“

„Die Zahlen sind freie Schöpfungen des menschlichen Geistes, sie dienen als Mittel, um die Verschiedenheit der Dinge leichter und schärfer aufzufassen. Durch den rein logischen Aufbau der Zahlenwissenschaft und durch das in ihr gewonnene stetige Zahlenreich sind wir erst in den Stand gesetzt, unsere Vorstellungen von Raum und Zeit genau zu untersuchen, indem wir dieselben auf dieses in unserem Geiste geschaffene Zahlenreich beziehen.“

Schriften

Siehe auch

Literatur

  • Kurt-R. Biermann: Dedekind, (Julius Wilhelm) Richard. In: Charles Coulston Gillispie (Hrsg.): Dictionary of Scientific Biography. Band 4: Richard Dedekind – Firmicus Maternus. Charles Scribner’s Sons, New York 1971, S. 1–5 (englisch).
  • Wilfried Sieg: Hilbert's Programms and Beyond. Oxford University Press, 2013, I.1 Dedekind's analysis of number: systems and axioms.
  • Regina Blume: Richard Dedekind. In: Arbeitskreis Andere Geschichte (Hrsg.): Braunschweiger Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. döringDRUCK, Braunschweig 2012, ISBN 978-3-925268-42-7, S. 52–55.
  • Pierre Dugac: Richard Dedekind et les fondements de la mathematique. Paris 1976.
  • Heiko Harborth, Maria Heuer, Harald Löwe, Rainer Löwen, Thomas Sonar: Gedenkschrift für Richard Dedekind. Ein Beitrag der Wirtschaft, vertreten durch die Industrie- und Handelskammer Braunschweig (Hrsg. IHK Braunschweig, PDF 6 MB, Braunschweig 2007).
  • Heiko Harborth, Karl Gerke: Zum Leben des Braunschweiger Mathematikers Richard Dedekind. In: Brunswiek 1031 - Braunschweig 1981. Ausstellungskatalog Städtisches Museum Braunschweig.
  • Hergen Manns: Dedekind, Richard Julius Wilhelm, Prof. Dr. In: Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3775258388 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
  • Norman-Mathias Pingel, Rudolf Wassermann: Dedekind, Richard. In: Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3926701145 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
  • Winfried Scharlau (Hrsg.): Richard Dedekind, 1831–1981: eine Würdigung zu seinem 150. Geburtstag. Vieweg, 1981, ISBN 978-3-528-08498-1.
  • Katrin Scheel: Der Briefwechsel Richard Dedekind – Heinrich Weber. Berlin 2014, ISBN 978-3-11-037366-0, doi:10.1515/9783110368048.
  • Nikolai Stuloff: Dedekind, Julius Wilhelm Richard. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 552 f. (Digitalisat).
  • Rudolf Wassermann (Hrsg.): Justiz im Wandel der Zeit: Festschrift des Oberlandesgerichts Braunschweig. Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 1989, ISBN 3-926701-07-2, S. 18.
Commons: Richard Dedekind – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Biermann, Artikel Dedekind in Dictionary of Scientific Biography.
  2. ↑ Heinrich Bünsow: Geschichte und Verzeichnis der Mitglieder der Burschenschaft Brunsviga zu Göttingen 1848–1933. Göttingen 1933, S. 4, Nr. 46.
  3. ↑ Mitglieder: Richard Dedekind. Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 8. September 2025.
  4. ↑ Mitglieder – historisch: Richard Dedekind. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 8. September 2025.
  5. ↑ a b c Biermann, Artikel Dedekind in: Dictionary of Scientific Biography.
  6. ↑ Dedekinds Axiome sind gleichwertig zu den Peano-Axiomen, die von Dedekind abweichen und unabhängig von ihm entstanden sind. Dazu: Hubert Kennedy: The origins of modern Axiomatics, in: American Mathematical monthly, 79 (1972), 133–136.
  7. ↑ Hans Wußing: 6000 Jahre Mathematik. Springer Verlag, Band 2, S. 226. Er verweist auf Purkert Zur Genesis des abstrakten Körperbegriffs. NTM Schriftenreihe 1971.
  8. ↑ Hans Wußing: 6000 Jahre Mathematik. Springer Verlag, Band 2, S. 207.
  9. ↑ Dauben: Cantor. Princeton University Press 1979, S. 2.
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