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„petitio principii“ – Versionsunterschied

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<p>Eine '''''Petitio Principii''''' (aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_Sprache lat.]<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Petitio_principii#cite_note-1 [1]]</sup> ''petitio principii'', für „Inanspruchnahme des Beweisgrundes“), auch '''Zirkelbeweis''' (''circulus in demonstrando'' oder ''circulus in probando''), ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache englisch] begging the question'', ist eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Argument argumentative] Figur, bei der eine Behauptung durch Aussagen begründet wird, welche die zu beweisende Behauptung schon als wahr voraussetzen. Dies kann zum einen explizit geschehen, wenn die Behauptung als [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlussfolgerung Schlusssatz] oder Konklusion eines Arguments vorliegt, in dem sie selbst als [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4misse Prämisse] vorkommt, zum anderen implizit, indem die Konklusion kein expliziter Bestandteil des Arguments ist, sondern stillschweigend angenommen wird.</p><p>Eine petitio principii kann ein logisch [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCltigkeit#Logische_G%C3%BCltigkeit_eines_Schlusses gültiger Schluss] sein: Aus jeder beliebigen Aussage folgt fraglos diese selbst. Bei diesem Spezialfall eines unmittelbaren [https://de.wikipedia.org/wiki/Zirkelschluss Zirkelschlusses] liegt formal betrachtet kein [https://de.wikipedia.org/wiki/Fehlschluss Fehlschluss] vor, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ableitung_(Logik) Ableitung] ist korrekt, aber es handelt sich nicht um einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Beweis_(Logik) Beweis] in klassisch-aristotelischem Sinn: Wenn die Prämissen des Beweises von der Konklusion nicht verschieden sind, ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_zureichenden_Grund Satz vom zureichenden Grund] verletzt. In der modernen [https://de.wikipedia.org/wiki/Informelle_Logik nicht-formalen Logik] wird Petitio principii hingegen häufig als alltägliche Argumentationsfigur anerkannt. Die Figur ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Idem_per_idem idem per idem]'' ist ebenfalls ein Spezialfall der ''petitio'' bzw. eine logische Figur, die für eine ''petitio'' verwendet werden kann.</p>
[[petitio]] [[principii]] [[Sprachstufe::lat.]] {{Wrtdtng}} 'Erbittung einer [[Erstannahme]] als [[Anfangsgrund]]'; glhrt.  '[[Erschleichung]] der [[Anfangsgründe]]' [[Ringsbeweis]], '[[Inanspruchnahme]] des [[Beweisgrund|Beweisgrundes]]', '''''[[Zirkelbeweis]],'''''
== <span id="Arten_der_petitio_principii">Arten der petitio principii</span> ==
 
<p>Eine ''petitio principii'' kann auf verschiedene Weisen konstruiert werden.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Petitio_principii#cite_note-2 [2]]</sup> Eine Prämisse taugt nicht zur Unterstützung der Konklusion, wenn sie lediglich</p>
'''[[petitio principii|<span class="zenoTXHighlight0">petitio</span> <span class="zenoTXHighlight1">principii</span>]]''' (lat.), '[http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Erschleichung Erschleichung] des [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Grund Grundes]', heißt ein Fehler im [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Beweis Beweisen], der darin besteht, daß man einen [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Satz Satz], der selbst erst bewiesen werden müßte, als [[Beweisgrund]] anführt. So begeht [[Immanuel Kant|Kant]] eine ''<span class="zenoTXHighlight0">petitio</span> <span class="zenoTXHighlight1">principii</span>'', wenn er die [[Apriorität]] der Raum- und Zeitanschauung von der [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Notwendigkeit Notwendigkeit] und Allgemeinheit mathematischer [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Lehrsatz Lehrsätze] ableitet, die keineswegs feststeht, vielmehr selber erst aus der Apriorität von [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Raum+und+Zeit Raum und Zeit] folgen würde.<ref>Q.: Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig <sup>5</sup>1907, S. 429. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20003587894; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/K/kimi-wbphil-001-0429 429]</ref>
 
= Petitio Principii =
Eine '''''Petitio Principii''''' (aus lat.<ref>[https://www.duden.de/rechtschreibung/Petitio_Principii Petitio Principii] – ''Duden'', Bibliographisches Institut, 2016</ref> ''petitio principii'', für „Inanspruchnahme des Beweisgrundes“), auch '''''[[Zirkelbeweis]]''''' (''circulus in demonstrando'' oder ''circulus in probando''), ''englisch begging the question'', ist eine [[argumentative Figur]], bei der eine Behauptung durch Aussagen begründet wird, welche die zu beweisende Behauptung schon als wahr voraussetzen. Dies kann zum einen explizit geschehen, wenn die Behauptung als [[Schlussfolgerung|Schlusssatz]] oder [[Konklusion]] eines [[Argument|Arguments]] vorliegt, in dem sie selbst als [[Prämisse]] vorkommt, zum anderen implizit, indem die Konklusion kein expliziter Bestandteil des Arguments ist, sondern stillschweigend angenommen wird.
 
Eine petitio principii kann ein logisch [[Gültigkeit#Logische Gültigkeit eines Schlusses|gültiger Schluss]] sein: Aus jeder beliebigen Aussage folgt fraglos diese selbst. Bei diesem Spezialfall eines unmittelbaren [[Zirkelschluß|Zirkelschlusses]] liegt formal betrachtet kein [[Fehlschluß|Fehlschluss]] vor, die [[Ableitung (Logik)|Ableitung]] ist korrekt, aber es handelt sich nicht um einen [[Beweis (Logik)|Beweis]] in klassisch-aristotelischem Sinn: Wenn die Prämissen des Beweises von der Konklusion nicht verschieden sind, ist der [[Satz vom zureichenden Grund]] verletzt. In der modernen [[informelle Logik|nicht-formalen Logik]] wird Petitio principii hingegen häufig als alltägliche Argumentationsfigur anerkannt. Die Figur ''[[idem per idem]]'' ist ebenfalls ein Spezialfall der ''petitio'' bzw. eine logische Figur, die für eine ''petitio'' verwendet werden kann.
 
== Arten der petitio principii ==
Eine ''petitio principii'' kann auf verschiedene Weisen konstruiert werden.<ref>Douglas J. Soccio, Vincent E. Barry: ''Practical Logic''. 4. Auflage. Harcourt Brace Jovanovich College Publishers, 1992, ISBN 0-03-073907-1</ref> Eine Prämisse taugt nicht zur Unterstützung der Konklusion, wenn sie lediglich
 
#eine andere Formulierung der Konklusion ist:
#eine andere Formulierung der Konklusion ist:
#:„Schwarzfahren ist unsozial, weil es auf Kosten der zahlenden Fahrgäste geschieht.“
#: „Schwarzfahren ist unsozial, weil es auf Kosten der zahlenden Fahrgäste geschieht.“
#eine Generalisierung der Konklusion ist:
# eine Generalisierung der Konklusion ist:
#:„Kopfschmerztabletten haben unerwünschte Nebenwirkungen, denn alle Medikamente haben unerwünschte Nebenwirkungen.“
#: „Kopfschmerztabletten haben unerwünschte Nebenwirkungen, denn alle Medikamente haben unerwünschte Nebenwirkungen.“
#aus der Luft gegriffen ist, bloß um die Konklusion zu beweisen:
# aus der Luft gegriffen ist, bloß um die Konklusion zu beweisen:
#:„Ich nehme immer am Karneval teil, weil ich Traditionen bewahre.“
#: „Ich nehme immer am Karneval teil, weil ich Traditionen bewahre.“
 
== Historisches ==
Die ''petitio'' wurde bereits von [[Aristoteles|Aristoteles]] im ''[[Organon (Aristoteles)|Organon]]'' als [[Fehlschluss]] beschrieben. In dem von [[Gottlob Benjamin Jäsche]] erstellten Handbuch zur Logik-Vorlesung von [[Immanuel Kant]] wird sie in § 92 gemeinsam mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Zirkelschluss Zirkelschluss] (''circulus in probando'') behandelt. (Immanuel Kant: [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant#Akademieausgabe AA] IX, 135<ref>Genau genommen wird dort unter dieser Bezeichnung die logisch unzulässige Verwendung eines Satzes als ein selbst-evidentes Axiom besprochen:  [https://korpora.org/kant/aa09/135.html AA IX, 135].</ref><ref><span class="reference-text">Genau genommen wird dort unter dieser Bezeichnung die logisch unzulässige Verwendung eines Satzes als ein selbst-evidentes Axiom besprochen: „Unter einer petitio principii versteht man die Annehmung eines Satzes zum Beweisgrunde als eines unmittelbar gewissen Satzes, obgleich er noch eines Beweises bedarf. Und einen Cirkel im Beweisen begeht man, wenn man denjenigen Satz, den man hat beweisen wollen, seinem eigenen Beweise zum Grunde legt.“</span></ref>)
 
Beispiele


== <span id="Historisches">Historisches</span> ==
*„Mein Bruder mag keinen Spinat, und das ist ein Glück für meinen Bruder, denn falls er welchen mögen würde, äße er davon, und er kann ihn nicht ausstehen.“<ref>[[Nino Ferrer]] in dem Lied „Madame Robert“ aus dem [[Album (Musik)|Musikalbum]] ''Je veux être noir'' (1966) laut ''Pétition de principe'' in der französischsprachigen Wikipedia: «Mon frère n’aime pas les épinards, / et c’est heureux pour mon frère car, / s’il les aimait, il en mangerait / et il ne peut pas les supporter.»</ref> – Hier ist die Behauptung, dass es ein Glück für den Bruder ist, keinen Spinat zu mögen, durch eine petitio begründet.
<p>Die ''petitio'' wurde bereits von [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Organon_(Aristoteles) Organon]'' als [https://de.wikipedia.org/wiki/Fehlschluss Fehlschluss] beschrieben. In dem von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottlob_Benjamin_J%C3%A4sche Gottlob Benjamin Jäsche] erstellten Handbuch zur Logik-Vorlesung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] wird sie in § 92 gemeinsam mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Zirkelschluss Zirkelschluss] (''circulus in probando'') behandelt. (Immanuel Kant: [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant#Akademieausgabe AA] IX, 135<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Petitio_principii#cite_note-3 [3]]</sup><sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Petitio_principii#cite_note-4 [4]]</sup>)</p>
* Ich sage immer die Wahrheit, denn
== <span id="Beispiele">Beispiele</span> ==
** Wahrheit ist Übereinstimmung der Rede mit der Wirklichkeit.
** Wer die Unwahrheit sagt, redet nicht über die Wirklichkeit, also über nichts.
** Wer von Etwas redet, redet nicht über Nichts, sagt also die Wahrheit.
* „Wieso stimmen Vorstellungen in unserem Geiste mit Gegenständen der Erfahrung überein, obwohl sie nicht von den Erfahrungen selbst geschaffen werden? – Dies mit den Grundsätzen einer Erkenntnistheorie zu begründen, hieße intellektuelle Vorstellungen durch intellektuelle Vorstellungen zu beweisen“<ref>[[Wolfgang Röd]]: ''Die Philosophie der Neuzeit'' 3. Teil 1: ''Kritische Philosophie von Kant bis Schopenhauer''. München 2006, S. 31</ref><div class="sieheauch" role="navigation"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Letztbegr%C3%BCndung Letztbegründung]


*„Mein Bruder mag keinen Spinat, und das ist ein Glück für meinen Bruder, denn falls er welchen mögen würde, äße er davon, und er kann ihn nicht ausstehen.“<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Petitio_principii#cite_note-5 [5]]</sup> – Hier ist die Behauptung, dass es ein Glück für den Bruder ist, keinen Spinat zu mögen, durch eine petitio begründet.
== Lit. ==
*Ich sage immer die Wahrheit, denn
**Wahrheit ist Übereinstimmung der Rede mit der Wirklichkeit.
**Wer die Unwahrheit sagt, redet nicht über die Wirklichkeit, also über nichts.
**Wer von Etwas redet, redet nicht über Nichts, sagt also die Wahrheit.
*„Wieso stimmen Vorstellungen in unserem Geiste mit Gegenständen der Erfahrung überein, obwohl sie nicht von den Erfahrungen selbst geschaffen werden? – Dies mit den Grundsätzen einer Erkenntnistheorie zu begründen, hieße intellektuelle Vorstellungen durch intellektuelle Vorstellungen zu beweisen“<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Petitio_principii#cite_note-6 [6]]</sup>
<div class="sieheauch" role="navigation"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Letztbegr%C3%BCndung Letztbegründung]</div>
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==


*John Woods, Douglas Walton: ''Petitio principii''. In: ''Synthese'', Band 31, Nr. 1, Juni 1975, S. 107–127.
*John Woods, Douglas Walton: ''Petitio principii''. In: ''Synthese'', Band 31, Nr. 1, Juni 1975, S. 107–127.
*L. Cummings: ''Petitio principii: the case for non-fallaciousness''. In: ''Informal Logic'', Band 20, Nr. 1, S. 1–18.
* L. Cummings: ''Petitio principii: the case for non-fallaciousness''. In: ''Informal Logic'', Band 20, Nr. 1, S. 1–18.


== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
== Wbl. ==
<div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Petitio_Principii Wiktionary: Petitio Principii]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Petitio_Principii Wiktionary: Petitio Principii]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
== <span id="Einzelnachweise_und_Anmerkungen">Einzelnachweise und Anmerkungen</span> ==


#<span class="reference-text">[https://www.duden.de/rechtschreibung/Petitio_Principii Petitio Principii] – ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Duden Duden]'', Bibliographisches Institut, 2016</span>
{{Anmrkng Enzlnchws}}
#<span class="reference-text">Douglas J. Soccio, Vincent E. Barry: ''Practical Logic''. 4. Auflage. Harcourt Brace Jovanovich College Publishers, 1992, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0030739071 ISBN 0-03-073907-1]</span>
#<span class="reference-text">Immanuel Kant, ''Gesammelte Schriften.'' Hrsg.: Bd. 1–22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., [http://kant.korpora.org/Band9/135.html AA IX, 135].</span>
#<span class="reference-text">Genau genommen wird dort unter dieser Bezeichnung die logisch unzulässige Verwendung eines Satzes als ein selbst-evidentes Axiom besprochen: „Unter einer petitio principii versteht man die Annehmung eines Satzes zum Beweisgrunde als eines unmittelbar gewissen Satzes, obgleich er noch eines Beweises bedarf. Und einen Cirkel im Beweisen begeht man, wenn man denjenigen Satz, den man hat beweisen wollen, seinem eigenen Beweise zum Grunde legt.“</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nino_Ferrer Nino Ferrer] in dem Lied „Madame Robert“ aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Album_(Musik) Musikalbum] ''Je veux être noir'' (1966) laut ''[https://fr.wikipedia.org/wiki/P%C3%A9tition_de_principe Pétition de principe]'' in der französischsprachigen Wikipedia: «Mon frère n’aime pas les épinards, / et c’est heureux pour mon frère car, / s’il les aimait, il en mangerait / et il ne peut pas les supporter.» Für das Erscheinungsdatum: <span class="cite">[https://web.archive.org/web/20160307092714/http://www.nino-ferrer.com/kinou4see/disc60_r.php?d60=9 ''Discographie: les années 60.''] Je veux être noir. In: ''Offizielle Web-Site über Nino Ferrer.'' 2010, archiviert vom <span class="dewiki-iconexternal">[https://redirecter.toolforge.org/?url=http%3A%2F%2Fwww.nino-ferrer.com%2Fkinou4see%2Fdisc60_r.php%3Fd60%3D9 Original]</span> (nicht mehr online verfügbar) am 7.&nbsp;März 2016;<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 21.&nbsp;November 2010</span>: „Année: 1966“</span></span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_R%C3%B6d Wolfgang Röd]: ''Die Philosophie der Neuzeit'' 3. Teil 1: ''Kritische Philosophie von Kant bis Schopenhauer''. München 2006, S. 31</span>

Aktuelle Version vom 3. August 2026, 21:20 Uhr

petitio principii lat. Wrtdtng: 'Erbittung einer Erstannahme als Anfangsgrund'; glhrt. 'Erschleichung der Anfangsgründe' Ringsbeweis, 'Inanspruchnahme des Beweisgrundes', Zirkelbeweis,

petitio principii (lat.), 'Erschleichung des Grundes', heißt ein Fehler im Beweisen, der darin besteht, daß man einen Satz, der selbst erst bewiesen werden müßte, als Beweisgrund anführt. So begeht Kant eine petitio principii, wenn er die Apriorität der Raum- und Zeitanschauung von der Notwendigkeit und Allgemeinheit mathematischer Lehrsätze ableitet, die keineswegs feststeht, vielmehr selber erst aus der Apriorität von Raum und Zeit folgen würde.[1]

Petitio Principii

Eine Petitio Principii (aus lat.[2] petitio principii, für „Inanspruchnahme des Beweisgrundes“), auch Zirkelbeweis (circulus in demonstrando oder circulus in probando), englisch begging the question, ist eine argumentative Figur, bei der eine Behauptung durch Aussagen begründet wird, welche die zu beweisende Behauptung schon als wahr voraussetzen. Dies kann zum einen explizit geschehen, wenn die Behauptung als Schlusssatz oder Konklusion eines Arguments vorliegt, in dem sie selbst als Prämisse vorkommt, zum anderen implizit, indem die Konklusion kein expliziter Bestandteil des Arguments ist, sondern stillschweigend angenommen wird.

Eine petitio principii kann ein logisch gültiger Schluss sein: Aus jeder beliebigen Aussage folgt fraglos diese selbst. Bei diesem Spezialfall eines unmittelbaren Zirkelschlusses liegt formal betrachtet kein Fehlschluss vor, die Ableitung ist korrekt, aber es handelt sich nicht um einen Beweis in klassisch-aristotelischem Sinn: Wenn die Prämissen des Beweises von der Konklusion nicht verschieden sind, ist der Satz vom zureichenden Grund verletzt. In der modernen nicht-formalen Logik wird Petitio principii hingegen häufig als alltägliche Argumentationsfigur anerkannt. Die Figur idem per idem ist ebenfalls ein Spezialfall der petitio bzw. eine logische Figur, die für eine petitio verwendet werden kann.

Arten der petitio principii

Eine petitio principii kann auf verschiedene Weisen konstruiert werden.[3] Eine Prämisse taugt nicht zur Unterstützung der Konklusion, wenn sie lediglich

  1. eine andere Formulierung der Konklusion ist:
    „Schwarzfahren ist unsozial, weil es auf Kosten der zahlenden Fahrgäste geschieht.“
  2. eine Generalisierung der Konklusion ist:
    „Kopfschmerztabletten haben unerwünschte Nebenwirkungen, denn alle Medikamente haben unerwünschte Nebenwirkungen.“
  3. aus der Luft gegriffen ist, bloß um die Konklusion zu beweisen:
    „Ich nehme immer am Karneval teil, weil ich Traditionen bewahre.“

Historisches

Die petitio wurde bereits von Aristoteles im Organon als Fehlschluss beschrieben. In dem von Gottlob Benjamin Jäsche erstellten Handbuch zur Logik-Vorlesung von Immanuel Kant wird sie in § 92 gemeinsam mit dem Zirkelschluss (circulus in probando) behandelt. (Immanuel Kant: AA IX, 135[4][5])

Beispiele

  • „Mein Bruder mag keinen Spinat, und das ist ein Glück für meinen Bruder, denn falls er welchen mögen würde, äße er davon, und er kann ihn nicht ausstehen.“[6] – Hier ist die Behauptung, dass es ein Glück für den Bruder ist, keinen Spinat zu mögen, durch eine petitio begründet.
  • Ich sage immer die Wahrheit, denn
    • Wahrheit ist Übereinstimmung der Rede mit der Wirklichkeit.
    • Wer die Unwahrheit sagt, redet nicht über die Wirklichkeit, also über nichts.
    • Wer von Etwas redet, redet nicht über Nichts, sagt also die Wahrheit.
  • „Wieso stimmen Vorstellungen in unserem Geiste mit Gegenständen der Erfahrung überein, obwohl sie nicht von den Erfahrungen selbst geschaffen werden? – Dies mit den Grundsätzen einer Erkenntnistheorie zu begründen, hieße intellektuelle Vorstellungen durch intellektuelle Vorstellungen zu beweisen“[7]

Lit.

  • John Woods, Douglas Walton: Petitio principii. In: Synthese, Band 31, Nr. 1, Juni 1975, S. 107–127.
  • L. Cummings: Petitio principii: the case for non-fallaciousness. In: Informal Logic, Band 20, Nr. 1, S. 1–18.

Wbl.

Wiktionary: Petitio Principii – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Q.: Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 429. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20003587894; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 429
  2. ↑ Petitio Principii – Duden, Bibliographisches Institut, 2016
  3. ↑ Douglas J. Soccio, Vincent E. Barry: Practical Logic. 4. Auflage. Harcourt Brace Jovanovich College Publishers, 1992, ISBN 0-03-073907-1
  4. ↑ Genau genommen wird dort unter dieser Bezeichnung die logisch unzulässige Verwendung eines Satzes als ein selbst-evidentes Axiom besprochen: AA IX, 135.
  5. ↑ Genau genommen wird dort unter dieser Bezeichnung die logisch unzulässige Verwendung eines Satzes als ein selbst-evidentes Axiom besprochen: „Unter einer petitio principii versteht man die Annehmung eines Satzes zum Beweisgrunde als eines unmittelbar gewissen Satzes, obgleich er noch eines Beweises bedarf. Und einen Cirkel im Beweisen begeht man, wenn man denjenigen Satz, den man hat beweisen wollen, seinem eigenen Beweise zum Grunde legt.“
  6. ↑ Nino Ferrer in dem Lied „Madame Robert“ aus dem Musikalbum Je veux être noir (1966) laut Pétition de principe in der französischsprachigen Wikipedia: «Mon frère n’aime pas les épinards, / et c’est heureux pour mon frère car, / s’il les aimait, il en mangerait / et il ne peut pas les supporter.»
  7. ↑ Wolfgang Röd: Die Philosophie der Neuzeit 3. Teil 1: Kritische Philosophie von Kant bis Schopenhauer. München 2006, S. 31