„Furcht“ – Versionsunterschied
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Gemütszustand möglicher ungewollter schlimmer Erfahrung; ‘banges Gefühl des Bedrohtseins, einer Gefahr’;<p>¦⊕¦ Furcht wird oft mit Angst gleichgesetzt oder verwechselt, doch Furcht ist eher versteckter, unterdrückter, stiller, auf vermeiden und Flucht aus, daher wird sie leicht übersehen; (...)</p><p>¦⊗¦ In Anlehnung an die Wortformen mit ''ü'' bzw. ''u'' erscheint das Hptw. mit dem heute üblichen u-Vokal seit dem 14. Jh., verbreitet seit dem 16. Jh. Doch hält sich ''Forcht'' bis ins 18. Jh.</p> | |||
<p>¦√¦ uig. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/pr%CC%A5k- *pr̥k-]'' "fürchten";</p> | |||
¦↵¦ uger. ''[[wikt:Reconstruction:Proto-Germanic/furhtō|*furhtō]]''; germ. *''furhta''- ‘furchtsam’; Die germ. Formen (zum Teil mit Metathese) ahd. ''forahta, [[wikt:forhta#Old_High_German|forhta]]'' (8. Jh.), mhd. ''vorhte'', ''vorht'', asächs. ''forhta'', mnd. ''vruchte'', mnl. ''vrucht'' (vgl. nl. ''godsvrucht'') und (mit anderer Stammbildung) aengl. ''fryhto'', ''fyrhto'', engl. ''fright'', got. ''faúrhtei'' gehören als Ableitungen zu einem (heute untergegangenen) Adjektiv ahd. -''for''aht, forht (in 'gotforaht, ingotforht), asächs. aengl. forht, got. faúrhts. | |||
< | "[[Kero]] schreibt ''...'' ''foraht,'' [[Furcht]],..." (Adlg. [[ch]]), welches jedoch zu ''[[Gefahr]]'', ''[[Fahr]]'' und nicht ''vor + achten'' zuzuordnen ist.<p>Am nächsten stehen den ger. Formen toch. AB ''pärsk''-, toch. A ''prask''-, toch. ''Bprāsk''- ‘fürchten’ (wenn aus *''pärksk''-) und die zugehörigen Substantivbildungen toch. A ''praski'', toch. B ''prosko'', ''proskye'' ‘Furcht’.</p> | ||
<p>'''[https://www.dwds.de/wb/etymwb/Furcht Furcht]''' f. ‘banges Gefühl des Bedrohtseins, Angst’. Die germ. Formen (zum Teil mit Metathese) ahd. ''for(a)hta'' (8. Jh.), mhd.''vorht(e)'', asächs. ''forhta'', mnd. ''vruchte'', mnl. ''vrucht'' (vgl. nl. ''godsvrucht'') und (mit anderer Stammbildung) aengl. ''fryhto'',''fyrhto'', engl. ''fright'', got. ''faúrhtei'' gehören als Ableitungen zu einem (heute untergegangenen) Adjektiv ahd. ''-for(a)ht'' (in''gotfor(a)ht''), asächs. aengl. ''forht'', got. ''faúrhts'', germ. ''*furhta-'' ‘furchtsam’. Daneben steht '''fürchten'''</p> | |||
<div class="zenoCOMain"> | |||
== Furcht, die<ref>Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 364-365. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000172111; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-02-0364 364] | [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-02-0365 365]; Kategorien: [http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</ref> == | |||
<div class="zenoCOAdRight"><ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-02-0364 [364]]</ref>'''Die <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span>''', ''plur. car.'' die Unlust über ein bevorstehendes Übel, es mag nun wirklich, oder nur in der Einbildung bevorstehen. 1) Eigentlich, besonders über ein bevorstehendes physisches Übel. <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> haben, empfinden. Einem <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> machen; im gemeinen Leben, ihm eine <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> einjagen. Jemanden in <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> setzen. In <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span>gerathen. Vor <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> zittern. Wegen einer Sache in <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> seyn oder stehen. Etwas aus <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span><ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-02-0364 [364]]</ref> thun. Einem die <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> benehmen. Es kam ihn eine <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> an. Voller <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span>seyn. Die Sache, welche als ein Übel angesehen wird, oder die wirkende Ursache desselben ist, bekommt das Vorwort vor. Die <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> vor Gespenstern, vor dem Gewitter, vor der Strafe, vor dem Tode. Im Oberdeutschen stehet sie mit Auslassung des Vorworts auch in der zweyten Endung. Die <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> des Todes, Ps. 55, 5; Ebr. 2, 15. Die <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span>Gottes kam über alle Heiden, 1 Chron. 15, 17. Wenn <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> die Unlust über den möglichen Verlust eines erwarteten Guten ist, so wird sie der Hoffnung entgegen gesetzt. Zwischen <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> und Hoffnung schweben. Oft bezeichnet man durch den Ausdruck <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> die <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> vor Gespenstern. Er weiß von keiner <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span>. Ohne <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> im Finstern gehen. 2) Figürlich, die Vorsichtigkeit andere nicht zu beleidigen, Ehrfurcht. <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> dem die <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> gebühret, Röm. 13, 7. Mit <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> zur Verantwortung bereit seyn, 1 Petr. 3, 16. Ein Mensch der weder <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> noch Scheu hat. Die kindliche <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span>, wenn sie aus Liebe herrühret. Die knechtische <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span>, wenn sie bloß <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> vor der Strafe ist. In engerm Verstande ist in der Deutschen Bibel und der Gottesgelehrsamkeit, die <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> vor Gott, oder nach der Oberdeutschen von Luthern beybehaltenen Mundart, die <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span>Gottes, Gottesfurcht, die Sorgfalt, alle Beleidigungen Gottes in seinem Thun und Lassen zu vermeiden, da denn dieses Wort oft den ganzen innern und äußern Gottesdienst ausdruckt. In der <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> Gottes wandeln, Apostelg. 9. 31. Die <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> des Herren ist der Weisheit Anfang, Ps. 111, 10. | |||
< | === Anm. === | ||
</div><p class="zenoPLm4n0"><span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span>, </p> | |||
* bey dem [[Ulphilas]] ''Faurht,'' | |||
* bey dem Kero und Ottfried ''Foraht,'' | |||
* bey dem Notker ''Forht,'' | |||
* im Isidor ''Forahta,'' | |||
* im Angels. ''Ferht, Firhto,'' | |||
* im Nieders. mit der nicht ungewöhnlichen Versetzung des r, Frucht, | |||
* Engl. ''Fright,'' | |||
* Holländ. ''Vrucht,'' | |||
* Dän. Frygt. | |||
* Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter [[befahren|Befahren]] und [[Gefahr]]. | |||
** Im Schwedischen bedeutet ''Fara'' und im Engl. ''Fear'' noch jetzt <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span>. | |||
** Auch | |||
*** das Lat. ''Pavor'' und ''vereri,'' | |||
*** das Ital. ''Paura,'' das Franz. ''Peur,'' | |||
*** und Griech. φριγƞ, Schauer, Schrecken, und φρισσω oder φριττω, Schauer empfinden, | |||
** sind genau damit verwandt; | |||
< | *** daher <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span> nicht von [[vor]] und [[achten]] herkommen kann, | ||
**** wie sich manche wegen der alten gedehnten Schreibart ''Foraht'' eingebildet haben. | |||
* Es bedeutete ursprünglich denjenigen hohen Grad der <span class="zenoTXHighlight0">Furcht</span>, | |||
** welcher sich durch einen Schauer und durch Zittern an den Tag leget, | |||
** daher Ottfried ''forahtan'' noch für zittern gebraucht. | |||
* Der Plural, der im Oberdeutschen wenigstens in der zweyten und dritten Endung nicht ungewöhnlich ist, ist im Hochdeutschen unbekannt.<br>Wer dich in Frieden schaut ist aller Furchten frey,<p class="zenoPR">Opitz.</p><br>Erlöse dieses Land von Furchten und Beschwer,<p class="zenoPR">Opitz.</p><p class="zenoPR"></p></div> | |||
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Aktuelle Version vom 28. Dezember 2023, 14:37 Uhr
Gemütszustand möglicher ungewollter schlimmer Erfahrung; ‘banges Gefühl des Bedrohtseins, einer Gefahr’;
¦⊕¦ Furcht wird oft mit Angst gleichgesetzt oder verwechselt, doch Furcht ist eher versteckter, unterdrückter, stiller, auf vermeiden und Flucht aus, daher wird sie leicht übersehen; (...)
¦⊗¦ In Anlehnung an die Wortformen mit ü bzw. u erscheint das Hptw. mit dem heute üblichen u-Vokal seit dem 14. Jh., verbreitet seit dem 16. Jh. Doch hält sich Forcht bis ins 18. Jh.
¦√¦ uig. *pr̥k- "fürchten";
¦↵¦ uger. *furhtō; germ. *furhta- ‘furchtsam’; Die germ. Formen (zum Teil mit Metathese) ahd. forahta, forhta (8. Jh.), mhd. vorhte, vorht, asächs. forhta, mnd. vruchte, mnl. vrucht (vgl. nl. godsvrucht) und (mit anderer Stammbildung) aengl. fryhto, fyrhto, engl. fright, got. faúrhtei gehören als Ableitungen zu einem (heute untergegangenen) Adjektiv ahd. -foraht, forht (in 'gotforaht, ingotforht), asächs. aengl. forht, got. faúrhts.
"Kero schreibt ... foraht, Furcht,..." (Adlg. ch), welches jedoch zu Gefahr, Fahr und nicht vor + achten zuzuordnen ist.
Am nächsten stehen den ger. Formen toch. AB pärsk-, toch. A prask-, toch. Bprāsk- ‘fürchten’ (wenn aus *pärksk-) und die zugehörigen Substantivbildungen toch. A praski, toch. B prosko, proskye ‘Furcht’.
Furcht f. ‘banges Gefühl des Bedrohtseins, Angst’. Die germ. Formen (zum Teil mit Metathese) ahd. for(a)hta (8. Jh.), mhd.vorht(e), asächs. forhta, mnd. vruchte, mnl. vrucht (vgl. nl. godsvrucht) und (mit anderer Stammbildung) aengl. fryhto,fyrhto, engl. fright, got. faúrhtei gehören als Ableitungen zu einem (heute untergegangenen) Adjektiv ahd. -for(a)ht (ingotfor(a)ht), asächs. aengl. forht, got. faúrhts, germ. *furhta- ‘furchtsam’. Daneben steht fürchten
Furcht, die[1]
Anm.
Furcht,
- bey dem Ulphilas Faurht,
- bey dem Kero und Ottfried Foraht,
- bey dem Notker Forht,
- im Isidor Forahta,
- im Angels. Ferht, Firhto,
- im Nieders. mit der nicht ungewöhnlichen Versetzung des r, Frucht,
- Engl. Fright,
- Holländ. Vrucht,
- Dän. Frygt.
- Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Befahren und Gefahr.
- Im Schwedischen bedeutet Fara und im Engl. Fear noch jetzt Furcht.
- Auch
- das Lat. Pavor und vereri,
- das Ital. Paura, das Franz. Peur,
- und Griech. φριγƞ, Schauer, Schrecken, und φρισσω oder φριττω, Schauer empfinden,
- sind genau damit verwandt;
- Es bedeutete ursprünglich denjenigen hohen Grad der Furcht,
- welcher sich durch einen Schauer und durch Zittern an den Tag leget,
- daher Ottfried forahtan noch für zittern gebraucht.
- Der Plural, der im Oberdeutschen wenigstens in der zweyten und dritten Endung nicht ungewöhnlich ist, ist im Hochdeutschen unbekannt.
Wer dich in Frieden schaut ist aller Furchten frey,Opitz.
Erlöse dieses Land von Furchten und Beschwer,Opitz.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 364-365. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000172111; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 364 | 365; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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