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„Beispiel“ – Versionsunterschied

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Beispiele, Beispielen,
[[bei]]-[[Spiel]] eigtl. [[mhdt.]] ''[[bīspel|Beispel]]''; n. [[Sprachstufe::ahd.-deu.]] 'Beierzählung, Beispruch' {{Wrtdtng}} sgm. ''[[Veranschaulichung]]'', ''[[Gleichnis]], Vergleich, Zeigung, Aufzeigung;'' {{Übrstzngswrt}} z. ''[[Paradigma]]'' u. ''[[Exempel]]; s. [[Beispiel oder Vergleich?]]''


Gleichniß,Gleichbild,Beibild,Veranschaulichung,Vergleich,Verdeutlichung,<p>bei + Spiel |&nbsp;n.&nbsp;eigentl. Beispell, 'Beispruch, Beirede, Beierzählung'; 'lehrhafter Spruch, Gleichnis’; ‘Fall, Geschehen, Ereigniß, Ähnliches zur Veranschaulichung oder zum Beweis, Beleg, Erklärung, Erläuterung für etwas Bestimmtes, Unbekanntes ’</p>
* ‘Einzelfall zur [[Veranschaulichung]] oder zum Beweis für etw. [[Allgemeines]], [[Vorbild]], [[Muster]]’.
* In Beispiel ist (wie in ''[[Kirchspiel]]'') der zweite Bestandteil erst in spätmhd. Zeit volksetymologisch an ''[[Spiel]]'' angelehnt worden.
* Das gemeingerm. Grundwort
** ahd. asächs. spel ‘[[Erzählung]], [[Rede]]’,
** aengl. spell und
** anord. spjall, auch ‘[[Zauberspruch]]’, got. spill ‘Sage, Fabel’
** (germ. *spella- ‘überlieferte Sage’)
* begegnet noch in
** engl. spell ‘Zauberwort’ und
** gospel ‘Evangelium’ (aengl. gōdspel ‘Evangelium’, eigentlich ‘gute Botschaft’).
* Außergerm. sind vergleichbar (ohne anlautendes s-)
** lat. ''[[appellāre]]'' ‘(um Hilfe) ansprechen, auffordern’,  
** griech. ''[[apeilḗ]]'' (ἀπειλή) ‘ruhmredige Verheißung, Drohung’,  
** lett. pelt ‘schmähen, verleumden, tadeln’,
* so daß von einer Wurzel uig. *[[(s)pel-]] ‘laut, nachdrücklich sprechen’ ausgegangen werden kann.
* Das mit bī- (s. ''[[bei]]'') zusammengesetzte westgerm. Kompositum
** aostnfrk. ''bīspil'' ‘lehrhafter Spruch, [[Gleichnis]]’ (9. Jh.?),  
** mhd. bīspel,  
** mnd. bīspē̌l, bīspil,  
** mnl. bispel ‘zur [[Belehrung]] erdichtete [[Geschichte]], [[Fabel]], [[Gleichnis]], [[Sprichwort]]’,
** aengl. bīspell ‘Beispiel, Gleichnis’
* bedeutet eigentlich ‘das nebenbei Erzählte’.
* [[Martin Luther|Luther]] gebraucht Beispiel vornehmlich im Sinne von ‘lehrreiches Faktum zur Nachahmung oder zur Abschreckung’.
* Unter Einfluß von lat. ''[[exemplum]]'' (s. [[Exempel]]) entwickelt sich seit dem 16. Jh. die Bedeutung ‘Vorbild, Muster’.
* Auf frz. Einfluß beruhen die Verbindungen ''zum Beispiel'' (nach par exemple) und ''ohne Beispiel'' (nach sans exemple).


<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Beispiel bedeutet somit eigentlich ‘das nebenbei Gesprochene, Ausgesagte, Erzählte …’ als das dem Gesprochenen zugefügte, daß zu dem bereits Gesagten ist dss Beispiel, daß man beispricht,</p>
Gleichniß,Gleichbild,Beibild,Veranschaulichung,Vergleich,Verdeutlichung,


<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>der Beispruch zum Spruch ist das Beispiel, nicht das, worüber man zum Vergleich, zur Verdeutlichung spricht.&nbsp;</p>
Beispiele, Beispielen,
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Die Aussage zur Verdeutlichung einer Aussage wäre ein Beispiel, nicht der Inhalt der beigefügten Aussage, nicht der Fall, die Sache über die zusätzlich gesprochen oder ausgesagt und zum Vergleich angeboten wird.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>"zum Beispiel ..." ist meist durch "zum Vergleich ...", "zur Verdeutlichung ...", "zur Veranschaulichung ..." ersetzbar, beispielsweise ist meist vergleichsweise.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>In ''Beispiel''&nbsp;ist (wie in&nbsp;Kirchspiel) der zweite Bestandteil erst in spätmhd. Zeit volksetymologisch an&nbsp;''Spiel'' angelehnt worden;</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>'''Kirchspiel'''&nbsp;n.&nbsp;‘Pfarrbezirk’,&nbsp;ahd.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Kirchspiel althochdeutsch ''kirihspil''&nbsp;(Hs. 13. Jh.),&nbsp;mhd.&nbsp;''kirchspil'',&nbsp;''-spel''&nbsp;‘Bezirk, in dem ein Pfarrer predigen und amtieren darf, Gesamtheit der Pfarrkinder, Gemeinde’,&nbsp;mnd.&nbsp;''ker(k)spel''; eigentlich ‘Bezirk der Kirchenpredigt’, zu&nbsp;mhd.&nbsp;''spel''&nbsp;n. ‘(dichterische) Erzählung, Erdichtung, Sage, Gerede, Gegenstand des Geredes’&nbsp;</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Das&nbsp;gemeingerm.&nbsp;Grundwort&nbsp;ahd.&nbsp;asächs.&nbsp;''spel''&nbsp;‘Erzählung, Rede’,&nbsp;aengl.&nbsp;''spell''&nbsp;und anord.&nbsp;''spjall'', auch ‘Zauberspruch’,&nbsp;got.&nbsp;''spill''&nbsp;‘Sage, Fabel’ (germ.&nbsp;''*spella-''&nbsp;‘überlieferte Sage’) begegnet noch in&nbsp;engl.&nbsp;''spell''&nbsp;‘Zauberwort’ und&nbsp;''gospel''&nbsp;‘Evangelium’ (aengl.&nbsp;''gōdspel''&nbsp;‘Evangelium’, eigentlich ‘gute Botschaft’).&nbsp;</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Außergerm.&nbsp;sind vergleichbar (ohne anlautendes s-)&nbsp;lat.&nbsp;''appellāre''&nbsp;‘(um Hilfe) ansprechen, auffordern’,&nbsp;griech.&nbsp;''apeilḗ''&nbsp;(''ἀπειλή'') ‘ruhmredige Verheißung, Drohung’,&nbsp;lett.&nbsp;''pelt''&nbsp;‘schmähen, verleumden, tadeln’, so daß von einer Wurzel&nbsp;ie.&nbsp;''*(s)pel-''&nbsp;‘laut, nachdrücklich sprechen’ ausgegangen werden kann.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Das mit&nbsp;''bī-''&nbsp;(s.&nbsp;''bei'') zusammengesetzte&nbsp;westgerm.&nbsp;Kompositum&nbsp;aostnfrk.&nbsp;''bīspil'' ‘lehrhafter Spruch, Gleichnis’ (9. Jh.?),&nbsp;mhd.&nbsp;''bīspel'',&nbsp;mnd.&nbsp;''bīspē̌l'',&nbsp;''bīspil'',&nbsp;mnl.&nbsp;''bispel''&nbsp;‘zur Belehrung erdichtete Geschichte, Fabel, Gleichnis, Sprichwort’,&nbsp;aengl.&nbsp;''bīspell''&nbsp;‘Beispiel, Gleichnis’ bedeutet eigentlich ‘das nebenbei Erzählte’</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Luther&nbsp;gebraucht&nbsp;''Beispiel''&nbsp;vornehmlich im Sinne von ‘lehrreiches Faktum zur Nachahmung oder zur Abschreckung’.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Unter Einfluß von&nbsp;lat.&nbsp;''exemplum''&nbsp;(s.&nbsp;[https://www.dwds.de/wb/etymwb/Exempel Exempel]) entwickelt sich seit dem 16. Jh. die Bedeutung ‘Vorbild, Muster’.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Auf&nbsp;frz.&nbsp;Einfluß beruhen die Verbindungen&nbsp;''zum Beispiel''&nbsp;(nach&nbsp;''par exemple'') und&nbsp;''ohne Beispiel''&nbsp;(nach&nbsp;''sans exemple'').</p>

Aktuelle Version vom 8. Juni 2025, 13:33 Uhr

bei-Spiel eigtl. mhdt. Beispel; n. ahd.-deu. 'Beierzählung, Beispruch' Wrtdtng: sgm. Veranschaulichung, Gleichnis, Vergleich, Zeigung, Aufzeigung; Übrstzngswrt z. Paradigma u. Exempel; s. Beispiel oder Vergleich?

  • ‘Einzelfall zur Veranschaulichung oder zum Beweis für etw. Allgemeines, Vorbild, Muster’.
  • In Beispiel ist (wie in Kirchspiel) der zweite Bestandteil erst in spätmhd. Zeit volksetymologisch an Spiel angelehnt worden.
  • Das gemeingerm. Grundwort
    • ahd. asächs. spel ‘Erzählung, Rede’,
    • aengl. spell und
    • anord. spjall, auch ‘Zauberspruch’, got. spill ‘Sage, Fabel’
    • (germ. *spella- ‘überlieferte Sage’)
  • begegnet noch in
    • engl. spell ‘Zauberwort’ und
    • gospel ‘Evangelium’ (aengl. gōdspel ‘Evangelium’, eigentlich ‘gute Botschaft’).
  • Außergerm. sind vergleichbar (ohne anlautendes s-)
    • lat. appellāre ‘(um Hilfe) ansprechen, auffordern’,
    • griech. apeilḗ (ἀπειλή) ‘ruhmredige Verheißung, Drohung’,
    • lett. pelt ‘schmähen, verleumden, tadeln’,
  • so daß von einer Wurzel uig. *(s)pel- ‘laut, nachdrücklich sprechen’ ausgegangen werden kann.
  • Das mit bī- (s. bei) zusammengesetzte westgerm. Kompositum
  • bedeutet eigentlich ‘das nebenbei Erzählte’.
  • Luther gebraucht Beispiel vornehmlich im Sinne von ‘lehrreiches Faktum zur Nachahmung oder zur Abschreckung’.
  • Unter Einfluß von lat. exemplum (s. Exempel) entwickelt sich seit dem 16. Jh. die Bedeutung ‘Vorbild, Muster’.
  • Auf frz. Einfluß beruhen die Verbindungen zum Beispiel (nach par exemple) und ohne Beispiel (nach sans exemple).

Gleichniß,Gleichbild,Beibild,Veranschaulichung,Vergleich,Verdeutlichung,

Beispiele, Beispielen,