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„reichen“ – Versionsunterschied

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reich,reiche,reichend,reichst,reicht,reichte,reichten,gereicht<p>Außergerm. vergleichen sich&nbsp;lit.&nbsp;''réižti''&nbsp;‘(Körperteile) recken, straffen, stolzieren, stolz einhergehen’, reflexiv ''réižtis''&nbsp;‘sich recken, sich straffen, sich brüsten’,&nbsp;air.&nbsp;''riag''&nbsp;‘Tortur (durch Recken der Glieder)’,''ringid''&nbsp;‘foltert, peinigt’,&nbsp;mir.&nbsp;''rēimm''&nbsp;(aus&nbsp;''*reig̑smi-'') ‘Possenreißer’. Erschließbar ist eine Ww. uig.&nbsp;''*rēig̑-''&nbsp;‘recken, ausstrecken, mit ausgestreckter Hand langen oder darreichen’, die lautliche und semantische Berührung mit der unter&nbsp;''recht'' angeführten Ww.&nbsp;uig.&nbsp;''*reg̑-''&nbsp;‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’ zeigt; s. auch&nbsp;''Reich''.</p><p>Vgl. die Wendung ''jmdm. nicht das Wasser reichen (können)''&nbsp;‘an jmds. Fähigkeiten, Leistungen nicht heranreichen’ (16. Jh.), wohl aus dem alten Brauch, durch einen Diener den Gästen vor und nach dem Essen Wasser zum Händewaschen zu reichen, also eigentlich ‘nicht wert sein, jmdm. das Wasser zu reichen’.&nbsp;</p>
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Version vom 8. März 2024, 10:26 Uhr

reich-en —Nwf.

rei--ch deu. 1. ‘wohlhabend, vermögend, mit vielen wertvollen Dingen ausgestattet, kostbar, reichlich, großzügig, ergiebig, gehaltvoll, umfassend’; 2. ‘sich erstrecken, eine bestimmte räumliche Ausdehnung haben, in genügender Menge vorhanden sein, mit etw. auskommen, jmdm. etw. (zum Nehmen) hinhalten, geben’,

reich1

  • reich Adj. ‘wohlhabend, vermögend, mit vielen wertvollen Dingen ausgestattet, kostbar, reichlich, großzügig, ergiebig, gehaltvoll, umfassend’.
  • Die ja-Stämme
    • ahd. rīhhi (8. Jh.),
    • mhd. rīch(e) ‘von hoher Abkunft, vornehm, edel, mächtig, gewaltig, viel besitzend, reich’,
    • asächs. rīki ‘mächtig, gewaltig, reich’,
    • mnd. rīk(e),
    • mnl. rīke, nl. rijk,
    • afries. rīk(e),
    • aengl. rīce,
    • engl. rich ‘reich’
  • und (aus einem i-Stamm umgebildetes)
    • anord. rīkr ‘reich, mächtig’,
    • swed. rik ‘reich’
    • (vgl. dazu als ja- oder i-Stamm vorauszusetzendes got. reikeis oder reiks ‘mächtig’)
  • werden als Ableitungen von einem Substantiv germ. *rīk- ‘Herrscher, Fürst, König’,
    • überliefert in got. reiks ‘Herrscher, Obrigkeit’,
    • betrachtet,
    • wofür Entlehnung aus dem Kelt. angenommen wird (zu anderen Deutungsversuchen s. Reich).
  • Die ursprüngliche Bedeutung ‘königlich, fürstlich, von vornehmer Abstammung’
    • entwickelt sich über ‘vornehm, mächtig’ (so noch im Frühnhd.)
    • zu ‘wohlhabend, begütert’;
    • reich wird damit Gegenwort von arm.
  • Häufig als Grundwort in Adjektivkomposita, vgl. erfolg-, ertrag-, fett-, fisch-, geist-, hilf-, lieb-, ruhm-, sieg-, sinn-, tugend-, wald-, wortreich;
    • ursprünglich auch mit genitivischem ersten Glied entsprechend der Rektion von reich, vgl. einfalls-, freuden-, gnaden-, segensreich.

reich2, reichen

  • reichen Vb. ‘sich erstrecken, eine bestimmte räumliche Ausdehnung haben, in genügender Menge vorhanden sein, mit etw. auskommen, jmdm. etw. (zum Nehmen) hinhalten, geben’,
    • ahd. reihhōn ‘anbieten, sich auf etw. beziehen’ (10. Jh.), reihhen ‘sich erstrecken’ (um 1000),
    • mhd. reichen ‘(er)langen, holen, bringen, darreichen, sich erstrecken, ausdehnen’,
    • mnd. rēken,
    • mnl. reiken, rēken,
    • nl. reiken,
    • afries. rēka,
    • aengl. rǣcan,
    • engl. to reach ‘(er)reichen’ (westgerm.*raikjan)
  • sind verwandt mit
    • anord. reik ‘Scheitellinie, Kopf’.
  • Außergerm. vergleichen sich
    • lit. réižti ‘(Körperteile) recken, straffen, stolzieren, stolz einhergehen’, reflexiv réižtis ‘sich recken, sich straffen, sich brüsten’,
    • air. riag ‘Tortur (durch Recken der Glieder)’, ringid ‘foltert, peinigt’,
    • mir. rēimm (aus *reig̑smi-) ‘Possenreißer’.
  • Erschließbar ist eine Wurzel uig.*rēig̑- ‘recken, ausstrecken, mit ausgestreckter Hand langen oder darreichen’,
    • die lautliche und semantische Berührung mit der unter recht (s. d.) angeführten Wurzel uig. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’
    • zeigt;
  • Vgl. die Wendung jmdm. nicht das Wasser reichen (können) ‘an jmds. Fähigkeiten, Leistungen nicht heranreichen’ (16. Jh.),
    • wohl aus dem alten Brauch, durch einen Diener den Gästen vor und nach dem Essen Wasser zum Händewaschen zu reichen,
      • also eigentlich ‘nicht wert sein, jmdm. das Wasser zu reichen’.