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== o, O<ref>Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 551-552. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000341843; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-03-0551 551] | [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-03-0552 552]; Kategorien: [http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</ref> == | |||
<div class="zenoCOAdRight"><ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-03-0551 [551]]</ref>'''o''', der funfzehente Buchstab des Deutschen Alphabetes, | |||
* und der vierte unter den Selbstlautern, | |||
** welcher mit einer runden Öffnung des Mundes ausgesprochen wird. | |||
* Es hat im Hochdeutschen | |||
** nur einen einzigen Laut, | |||
*** welcher aber bald gedehnt ist, | |||
**** wie in Tod, roth, schon, | |||
*** bald geschärft, | |||
**** wie in Post, Sonne, Stock. | |||
* In den Mundarten | |||
** aber gehet es fast in alle andere Selbstlauter, | |||
*** das i ausgenommen, | |||
** und oft in die widrigsten Doppellauter über. | |||
*** Saun für Sohn, | |||
*** Pust für Post, | |||
*** grauß, groaß, | |||
*** gruß, für groß | |||
*** u.s.f. | |||
** So wie in eben diesen Mundarten andere Selbstlauter in diesen übergehen. | |||
* Die Doppellauter [[oi]] und [[ou]] | |||
** finden sich, | |||
*** außer einigen eigenthümlichen Nahmen, | |||
*** nur noch in den gemeinen gröbern Mundarten. | |||
**** Für auch spricht der Schweizer ouch, | |||
**** für Eimer Oimer, | |||
**** und statt Voigt schreibt und spricht man im Hochdeutschen beständig Vogt. | |||
</div><p class="zenoPLm4n0">Ehedem </p> | |||
* druckte man das gedehnte <span class="zenoTXHighlight0">[[obdt.|o]]</span> oft durch ein angehängtes [[-e]] aus, | |||
** welche Schreibart sich noch in einigen eigenthümlichen Nahmen erhalten hat. | |||
*** So schreibt man Soest und Coesfeld, und spricht Sooft und Coosfeld. | |||
** In den neuern Zeiten fing man an, | |||
*** in einigen Wörtern das gedehnte <span class="zenoTXHighlight0">o</span> mit einem [[oo]] zu schreiben, | |||
*** und dieses Zeichen des gedehnten Selbstlauters gar für einen Doppellaut auszugeben, | |||
**** welches es doch auf keine Weise seyn kann, S. [[aa|Aa]]. | |||
**** So wollte Gottsched Boot, und Room (besser Rahm, denn Room ist Niederdeutsch) | |||
***** zum Unterschiede von der Stadt Rom, geschrieben wissen. | |||
**** Allein die Verdoppelung der Selbstlauter | |||
***** ist unter allen möglichen das unschicklichste Zeichen der Dehnung, | |||
***** und die seltsame Neuerung, | |||
****** verschiedene gleichlautende Wörter auch durch die Schreibart zu unterscheiden, | |||
****** hat zu wenig Beyfall gefunden, | |||
****** als daß man noch Rücksicht darauf nehmen könnte, | |||
******* zumahl da sie sich unter hundert Fällen kaum in Einem anwenden lässet. | |||
******* Von dem h, so fern es gleichfalls das Zeichen eines gedehnten <span class="zenoTXHighlight0">o</span> ist, | |||
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* ist das <span class="zenoTXHighlight0">[[ö]]</span>, | |||
** welches eben so wohl bald gedehnt bald geschärft ist, | |||
** und daher von den meisten Sprachlehrern irrig für einen Doppellaut gehalten worden, | |||
*** da es doch vielmehr ein eigener Selbstlaut ist, | |||
*** welchen man nur aus Armuth an Schriftzeichen durch ein oe, \<sup>e</sup><span class="zenoTXHighlight0">o</span>\, oder <span class="zenoTXHighlight0">ö</span> ausdruckt, S. [[ä|Ä]]. | |||
** In der Ableitung und Beugung der Wörter pflegt das <span class="zenoTXHighlight0">o</span> gern in diesen Selbstlaut überzugehen. | |||
*** Groß, größer, Größe; | |||
*** Tod, tödten, tödtlich; | |||
*** Ochs, Öchschen; | |||
*** Wort wörtlich, Wörter; | |||
*** roth, Röthel, röthlich, röthen, u.s.f. | |||
*** Regeln lassen sich davon nicht geben, sondern der Gebrauch entscheidet hier alles. | |||
<div class="zenoCOAdRight">Das <span class="zenoTXHighlight0">o</span> | |||
* druckt vermöge seiner Natur etwas Großes, Hohes, Erhabenes, Weites aus, | |||
* und ist der natürliche Ausdruck der staunenden Verwunderung. | |||
** S. [[o!|den folgenden]] Empfindungslaut. | |||
* Man findet es daher gemeiniglich in denjenigen Wörtern, | |||
** welche diese Eigenschaft bezeichnen; | |||
*** groß, grob, hoch, Ochs, empor, ''ori,'' u.s.f. | |||
*** obgleich | |||
**** durch die Länge der Zeit, | |||
**** durch die natürliche Unbeständigkeit der Menschen, | |||
**** und durch das Eigenthümliche der Mundarten, | |||
**** dieses ursprüngliche <span class="zenoTXHighlight0">o</span> in vielen Wörtern in andere verwandte Selbstlauter übergegangen ist. | |||
**** Indessen haben wir doch noch Wörter, | |||
***** wo die verschiedenen Vocale zugleich die Verschiedenheit der Größe ausdrucken. | |||
****** Stock, Stecken | |||
****** und die Nieders. Stake und Sticken | |||
***** sind alle in der Größe verschieden, | |||
****** wie Kloß<ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-03-0551 [551]]</ref> und Klößchen, | |||
****** das Schwed. ''Not,'' ein großes Netz, und ''Nätt,'' ein kleines Netz, | |||
****** und andere mehr. S. [[j|J]] den Selbstlaut. | |||
</div><p class="zenoPLm4n0">In </p> | |||
* den nördlichen Mundarten | |||
** ist das <span class="zenoTXHighlight0">o</span> zu Anfange der Wörter oft aus unserm [[un]] entstanden, | |||
*** wo es sich denn dem [[Alpha privativum|a privativo]] der Griechen nähert. | |||
*** Im Schwed. ist ''otrogen'' ungetreu, ''osinaklig'' unschmackhaft, abgeschmackt, ''Ofall'' Unfall, ''Osoid''ein schädliches Thier, u.s.f. | |||
*** Hingegen ist es im Schwedischen auch eine intensive Partikel; | |||
**** ''omycken,'' sehr stumm. | |||
** Im Deutschen wird es manchen Wörtern, welche sich auf ein [[-r]] endigen, | |||
*** oft müßig angehängt; | |||
**** dero, ihro, nunmehro, dahero u.s.f. | |||
*** wo es aber die reinere Hochdeutsche Mundart, | |||
**** einige wenige Fälle ausgenommen, | |||
**** wieder weggeworfen hat. S. [[dero|Dero]]. | |||
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Version vom 27. Dezember 2023, 12:26 Uhr
¦∑¦ o ¦√¦
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o, O[1]
[2]o, der funfzehente Buchstab des Deutschen Alphabetes,
- und der vierte unter den Selbstlautern,
- welcher mit einer runden Öffnung des Mundes ausgesprochen wird.
- Es hat im Hochdeutschen
- nur einen einzigen Laut,
- welcher aber bald gedehnt ist,
- wie in Tod, roth, schon,
- bald geschärft,
- wie in Post, Sonne, Stock.
- welcher aber bald gedehnt ist,
- nur einen einzigen Laut,
- In den Mundarten
- aber gehet es fast in alle andere Selbstlauter,
- das i ausgenommen,
- und oft in die widrigsten Doppellauter über.
- Saun für Sohn,
- Pust für Post,
- grauß, groaß,
- gruß, für groß
- u.s.f.
- So wie in eben diesen Mundarten andere Selbstlauter in diesen übergehen.
- aber gehet es fast in alle andere Selbstlauter,
- Die Doppellauter oi und ou
- finden sich,
- außer einigen eigenthümlichen Nahmen,
- nur noch in den gemeinen gröbern Mundarten.
- Für auch spricht der Schweizer ouch,
- für Eimer Oimer,
- und statt Voigt schreibt und spricht man im Hochdeutschen beständig Vogt.
- finden sich,
Ehedem
- druckte man das gedehnte o oft durch ein angehängtes -e aus,
- welche Schreibart sich noch in einigen eigenthümlichen Nahmen erhalten hat.
- So schreibt man Soest und Coesfeld, und spricht Sooft und Coosfeld.
- In den neuern Zeiten fing man an,
- in einigen Wörtern das gedehnte o mit einem oo zu schreiben,
- und dieses Zeichen des gedehnten Selbstlauters gar für einen Doppellaut auszugeben,
- welches es doch auf keine Weise seyn kann, S. Aa.
- So wollte Gottsched Boot, und Room (besser Rahm, denn Room ist Niederdeutsch)
- zum Unterschiede von der Stadt Rom, geschrieben wissen.
- Allein die Verdoppelung der Selbstlauter
- ist unter allen möglichen das unschicklichste Zeichen der Dehnung,
- und die seltsame Neuerung,
- verschiedene gleichlautende Wörter auch durch die Schreibart zu unterscheiden,
- hat zu wenig Beyfall gefunden,
- als daß man noch Rücksicht darauf nehmen könnte,
- zumahl da sie sich unter hundert Fällen kaum in Einem anwenden lässet.
- Von dem h, so fern es gleichfalls das Zeichen eines gedehnten o ist,
- S. H.
- welche Schreibart sich noch in einigen eigenthümlichen Nahmen erhalten hat.
Ein sehr nahe mit o verwandter Selbstlaut
- ist das ö,
- welches eben so wohl bald gedehnt bald geschärft ist,
- und daher von den meisten Sprachlehrern irrig für einen Doppellaut gehalten worden,
- da es doch vielmehr ein eigener Selbstlaut ist,
- welchen man nur aus Armuth an Schriftzeichen durch ein oe, \eo\, oder ö ausdruckt, S. Ä.
- In der Ableitung und Beugung der Wörter pflegt das o gern in diesen Selbstlaut überzugehen.
- Groß, größer, Größe;
- Tod, tödten, tödtlich;
- Ochs, Öchschen;
- Wort wörtlich, Wörter;
- roth, Röthel, röthlich, röthen, u.s.f.
- Regeln lassen sich davon nicht geben, sondern der Gebrauch entscheidet hier alles.
Das o
- druckt vermöge seiner Natur etwas Großes, Hohes, Erhabenes, Weites aus,
- und ist der natürliche Ausdruck der staunenden Verwunderung.
- S. den folgenden Empfindungslaut.
- Man findet es daher gemeiniglich in denjenigen Wörtern,
- welche diese Eigenschaft bezeichnen;
- groß, grob, hoch, Ochs, empor, ori, u.s.f.
- obgleich
- durch die Länge der Zeit,
- durch die natürliche Unbeständigkeit der Menschen,
- und durch das Eigenthümliche der Mundarten,
- dieses ursprüngliche o in vielen Wörtern in andere verwandte Selbstlauter übergegangen ist.
- Indessen haben wir doch noch Wörter,
- welche diese Eigenschaft bezeichnen;
In
- den nördlichen Mundarten
- ist das o zu Anfange der Wörter oft aus unserm un entstanden,
- wo es sich denn dem a privativo der Griechen nähert.
- Im Schwed. ist otrogen ungetreu, osinaklig unschmackhaft, abgeschmackt, Ofall Unfall, Osoidein schädliches Thier, u.s.f.
- Hingegen ist es im Schwedischen auch eine intensive Partikel;
- omycken, sehr stumm.
- Im Deutschen wird es manchen Wörtern, welche sich auf ein -r endigen,
- oft müßig angehängt;
- dero, ihro, nunmehro, dahero u.s.f.
- wo es aber die reinere Hochdeutsche Mundart,
- einige wenige Fälle ausgenommen,
- wieder weggeworfen hat. S. Dero.
- oft müßig angehängt;
- ist das o zu Anfange der Wörter oft aus unserm un entstanden,
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 551-552. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000341843; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 551 | 552; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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