ä
Erscheinungsbild
Heute wird ein e hinter einem a, o oder u für die Umlautbuchstaben ä, ö und ü verwendet, wenn zum Beispiel auf der Tastatur oder im Zeichensatz keine Buchstaben für Umlaute vorhanden sind, sowie in Kreuzworträtseln und anderen Buchstabenspielen.
Auch in Eigennamen haben diese Buchstabenverbindungen meist den Lautwert [ɛ] , [ø] bzw. [y] .[2]ä, ein einfacher Vocal,
- welcher einem Mittellaut zwischen dem a und hohen e hat,
- und so, wie das a,
- bald gedehnt,
- bald aber auch geschärft ausgesprochen wird.
- Die meisten Sprachlehrer
- haben diesen Buchstaben für einen wahren Doppellaut ausgegeben;
- andere haben solches geläugnet,
- und Gründe für ihre Meinung angeführet,
- die aber größten Theils wenig oder gar nichts beweisen.
- Indessen ist doch der Streit sehr leicht zu entscheiden,
- wenn man nur den Laut selbst von dem Zeichen des Lautes unterscheidet.
- Der Laut
- an und für sich selbst,
- wird mit einer eben so einfachen Öffnung des Mundes hervor gebracht,
- und läßt so wenig doppeltes oder zusammen gesetztes hören,
- und wenn er gleich ein Mittellaut zwischen dem a und e ist,
- so folgt daraus noch nicht, daß er aus diesen beyden Vocalen[2] zusammen geschlossen ist.
- In allen Sprachen
- sind die Vocale nur stufenweise von einander unterschieden,
- und wenn man die Mundarten mit in Anschlag bringt,
- so werden diese Stufen unmerklich.
- Im Deutschen würde es nicht schwer fallen,
- zwanzig solcher Vocalen anzugeben,
- deren Unterschied dem Gehöre noch immer merklich genug ist;
- S. Lamberts neues Organon Th. 2, S. 47.
- deren Unterschied dem Gehöre noch immer merklich genug ist;
- zwanzig solcher Vocalen anzugeben,
- Warum sollen
- aber alle diejenigen Doppellaute heissen,
- die sich von den fünf am meisten hervorstechenden Vocalen mehr oder weniger entfernen?
- aber alle diejenigen Doppellaute heissen,
- Noch eins, welches besonders das ä betrifft.
- Es hat eben denselben Laut,
- den das erste e in Besen, lesen, Wesen und hundert andern Wörtern hat.[Anm. KF 1]
- Machte der Laut einen Buchstaben zum Doppellaute,
- so müßte man dieses e auch einen Doppellaut nennen,
- welches doch noch niemanden eingefallen ist.
- Es hat eben denselben Laut,
Aber nun zu dem Zeichen.
- Gemeiniglich schreibt man die Laute ä, ö, ü,
- durch Ae, Oe und Ue,
- und in der kleinen Schrift durch a, o, u[Anm. KF 2],
- und das sind nun freylich doppelte Buchstaben,
- die aber darum keine Doppellaute machen.
- Als die Deutschen die Lateinischen Buchstaben annahmen,
- so fanden sie in denselben für die Vocale nur fünf Zeichen,
- und sie hatten doch deren mehr nöthig.
- Sie halfen sich also dadurch,
- daß sie theils diese Zeichen zusammen setzten,
- theils den am meisten verwandten Lauten einerley Zeichen gaben.
- Unwissenheit, Verschiedenheit der Meinungen und vielleicht auch der Mundarten,
- und die nur nach und nach geschehene Annahme des Lateinischen Alphabetes
- machten, daß man dabey nicht gleichförmig zu Werke ging;
- und daher kam es,
- daß man besonders den Laut ä in einigen Fällen- durch das Zeichen å, in andern aber durch ein bloßes e ausdruckte.
- Die Sprachlehrer,
- welche selten philosophische Köpfe haben,
- blieben bey dem Zeichen stehen,
- und so wurden aus ä, ö und ü[Anm. KF 2] Doppellaute,
- da man sie höchstens Doppelbuchstaben hätte nennen können.
- In der größern oder so genannten Versal-Schrift
- Wie viele Schwierigkeiten solches Kindern und Ausländern in Erlernung des Lesens macht,
- und wie viele Verwirrung solches in einem Wörterbuche nach alphabetischer Ordnung anrichtet, ist leicht einzusehen.
- Man hat daher in diesem Wörterbuche
- für die drey Selbstlaute ä, ö, und ü,
- so wohl in der größern als kleinern Schrift, besondere Zeichen gewählet,
- die der Natur der Sache hoffentlich mehr angemessen,
- und nicht so vielen Mißdeutungen unterworfen seyn werden.
- Man muß daher auch diejenigen Wörter,
- welche sich mit diesen drey Selbstlauten anfangen,
- nicht in Ae, Oe und Ue,
- sondern nach Maßgebung des darauf folgenden Consonanten aufsuchen.
- Von dem Gebrauche dieses Vocals S. Orthogr. Th. 1, S. 140.
- welche sich mit diesen drey Selbstlauten anfangen,
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 2-3. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000000043; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 2 | 3; Kategorien: Lexikalischer Artikel
- ↑ [2]
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