„Interesse“ – Versionsunterschied
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== <span id="Wortgeschichte">Wortgeschichte</span> == | == <span id="Wortgeschichte">Wortgeschichte</span> <ref>https://de.wikipedia.org/wiki/Interesse_(Politikwissenschaft)#Wortgeschichte Stand 28. November 2023 um 12:09 Uhr </ref> == | ||
<p>Erstmals verwendet wird das Wort im [https://de.wikipedia.org/wiki/Corpus_iuris_civilis Corpus iuris civilis], das der [https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinisches_Reich oströmische] Kaiser [https://de.wikipedia.org/wiki/Justinian_I. Justinian I.] in den Jahren 528 bis 534 zusammenstellen ließ. In der Rechtssprache des [ | <p>Erstmals verwendet wird das Wort im [https://de.wikipedia.org/wiki/Corpus_iuris_civilis Corpus iuris civilis], das der [https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinisches_Reich oströmische] Kaiser [https://de.wikipedia.org/wiki/Justinian_I. Justinian I.] in den Jahren 528 bis 534 zusammenstellen ließ. In der Rechtssprache des [[Hochmittelalter]] wurde es in der Bedeutung ''[[Zins]]'' verwendet. Seit dem 16. Jahrhundert wird darunter zunehmend ''Vorteil'' oder ''Nutzen'' verstanden. [https://de.wikipedia.org/wiki/Ideengeschichte Ideengeschichtlich] begann hiermit die Ablösung der Grundvorstellung, das Handeln der Menschen sei durch kollektive Normen oder transzendente Werte motiviert, die eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Individualismus individualistische] [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaftstheorie Gesellschaftstheorie] ermöglichte.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Interesse_(Politikwissenschaft)#cite_note-2 [2]]</sup> Bis zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung Aufklärung] entwickelten sich verschiedene Staats- und Morallehren, in denen die unterschiedlichen Interessen der nun als selbstständig handelnd gedachten [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrger Bürger] als legitim anerkannt und gefragt wurde, wie sie sich zu einem [[Gemeinwohl]] verbinden lassen. Davon abweichend wurde der Begriff in der religiösen Terminologie [https://de.wikipedia.org/wiki/Spanien Spaniens] negativ verstanden und stand als Synonym für [https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCnde sündige] [https://de.wikipedia.org/wiki/Egozentrik Egozentrik].<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Interesse_(Politikwissenschaft)#cite_note-3 [3]]</sup></p> | ||
<p>Der deutsche Staatsrechtslehrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Lorenz_von_Stein Lorenz von Stein] (1815–1890) nannte das Interesse das „Prinzip der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_(Soziologie) Gesellschaft]“, für den Soziologen [ | <p>Der deutsche Staatsrechtslehrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Lorenz_von_Stein Lorenz von Stein] (1815–1890) nannte das Interesse das „Prinzip der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_(Soziologie) Gesellschaft]“, für den Soziologen [[Max Weber]] (1864–1920) ist es „Bedingung menschlichen Handelns“. Seitdem sehen die Sozialwissenschaften in den Interessen der Menschen deren zentrale Handlungsmotivation.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Interesse_(Politikwissenschaft)#cite_note-4 [4]]</sup></p> | ||
=== <span class="mw-page-title-main">Interesse (Psychologie)</span><ref>https://de.wikipedia.org/wiki/Interesse_(Politikwissenschaft) Stand 28. November 2023 um 12:09 Uhr</ref> === | |||
Unter '''Interesse''' (von lateinisch interesse „dazwischen sein“, „dabei sein“)<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Interesse_(Psychologie)#cite_note-1 [1]]</sup> versteht man die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitiv kognitive] Anteilnahme respektive die [[Aufmerksamkeit]], die eine Person an einer Sache oder einer anderen Person nimmt. Je größer diese Anteilnahme ist, desto stärker ist das Interesse der Person für diese Sache. Etwas ist dann für eine Person '''interessant''', wenn es ihr Interesse weckt, sie sich also dafür ''interessiert''. Das Gegenteil dazu ist das [[Desinteresse]] oder, in stärkerer Ausprägung, die (manchmal krankhafte) [[Apathie]]. | |||
=== <span class="mw-page-title-main">Interesse (Politikwissenschaft)</span><ref>https://de.wikipedia.org/wiki/Interesse_(Psychologie) Stand 28. November 2023 um 12:09 Uhr</ref> === | |||
Unter '''Interesse''' (von [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] interesse „teilnehmen“) versteht man in der [[Politikwissenschaft]] und [[Sozialwissenschaft]] einen recht vielfältig verwendeten, aber als grundlegend erachteten Begriff der [[Eigenverortung]] und damit verbundenen Zielen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Individuum Individuen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Gruppe sozialen Gruppen] sowohl im [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_(Soziologie) gesellschaftlichen Ganzen] als auch allgemein in der übergreifenden Umgebung. | |||
Der Begriff ist für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialwissenschaft sozialwissenschaftlicher] [[Empirie]] und [[Theoriebildung]] zentral, weil davon ausgegangen wird, dass Menschen immer von ihren Interessen geleitet handeln. Insofern gilt er [[nachgerade]] als „[[genuin]] [[anthropologisch|anthropologische]] [[Kategorie]]“.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Interesse_(Politikwissenschaft)#cite_note-1 [1]]</sup> | |||
Das Problem mehrerer in einer Person existierender, sich aber widersprechender Interessen bezeichnet man als [[Interessenkonflikt]]. | |||
Version vom 9. Januar 2024, 07:00 Uhr
[ lat. interesse ][ inter- + esse ] "Zwischenseiendes"
‘Anteil, Teilnahme, Aufmerksamkeit, Bedeutung, Belang, Neigung, Vorteil’.
- ist eine Entlehnung von mlat. interesse ‘aus Ersatzpflicht entstandener Schaden’, auch ‘Zinsen’ (13. Jh.),
- Frühnhd. interesse ‘entgangener Nutzen, erwachsener Schaden’ (15. Jh.),
- einem Wort der Rechtssprache,
- Substantivierung des Infinitivs lat. interesse ‘dazwischen sein, verschieden sein, gegenwärtig sein, Anteil nehmen’
- Aus dem rechtssprachlichen Gebrauch
- entwickelt sich im 16. Jh. die Verwendung des Ausdrucks sowohl für ‘Zinsen’
- (aus der Position des Ersatzpflichtigen, der zu bezahlen hat)
- als auch für ‘Nutzen, Vorteil, Gewinn’
- (aus der Position des Gläubigers, an den Ersatz gezahlt wird).
- Daran schließen sich spätere Bedeutungen (17. Jh.) an
- wie ‘Gewinnsucht, Eigennutz, persönliche Belange’,
- vgl. im eigenen Interesse (19. Jh.), seine, jmds. Interessen wahrnehmen.
- wie ‘Gewinnsucht, Eigennutz, persönliche Belange’,
- Im 18. Jh. übernimmt Interesse die im Frz. entwickelte Bedeutung ‘Aufmerksamkeit, Anteilnahme, Reiz, Neigung’;
- vgl. frz. intérêt ‘Beachtung, Aufmerksamkeit, Teilnahme’,
- mfrz. interest ‘Beachtung (des persönlichen Vorteils)’,
- afrz. interest ‘Nachteil, Schaden’,
- aus gleichbed. mlat. interest, einer Substantivierung von lat. interest ‘es ist von Wichtigkeit’
- entwickelt sich im 16. Jh. die Verwendung des Ausdrucks sowohl für ‘Zinsen’
¦√¦ ital. inter + sum;
¦↵¦ lat. intersum, inter- + sum mlat. interesse, lat. interesse. afrz.interesse und interest (intérêt), dt. Interesse;
Wortgeschichte [1]
Erstmals verwendet wird das Wort im Corpus iuris civilis, das der oströmische Kaiser Justinian I. in den Jahren 528 bis 534 zusammenstellen ließ. In der Rechtssprache des Hochmittelalter wurde es in der Bedeutung Zins verwendet. Seit dem 16. Jahrhundert wird darunter zunehmend Vorteil oder Nutzen verstanden. Ideengeschichtlich begann hiermit die Ablösung der Grundvorstellung, das Handeln der Menschen sei durch kollektive Normen oder transzendente Werte motiviert, die eine individualistische Gesellschaftstheorie ermöglichte.[2] Bis zur Aufklärung entwickelten sich verschiedene Staats- und Morallehren, in denen die unterschiedlichen Interessen der nun als selbstständig handelnd gedachten Bürger als legitim anerkannt und gefragt wurde, wie sie sich zu einem Gemeinwohl verbinden lassen. Davon abweichend wurde der Begriff in der religiösen Terminologie Spaniens negativ verstanden und stand als Synonym für sündige Egozentrik.[3]
Der deutsche Staatsrechtslehrer Lorenz von Stein (1815–1890) nannte das Interesse das „Prinzip der Gesellschaft“, für den Soziologen Max Weber (1864–1920) ist es „Bedingung menschlichen Handelns“. Seitdem sehen die Sozialwissenschaften in den Interessen der Menschen deren zentrale Handlungsmotivation.[4]
Interesse (Psychologie)[2]
Unter Interesse (von lateinisch interesse „dazwischen sein“, „dabei sein“)[1] versteht man die kognitive Anteilnahme respektive die Aufmerksamkeit, die eine Person an einer Sache oder einer anderen Person nimmt. Je größer diese Anteilnahme ist, desto stärker ist das Interesse der Person für diese Sache. Etwas ist dann für eine Person interessant, wenn es ihr Interesse weckt, sie sich also dafür interessiert. Das Gegenteil dazu ist das Desinteresse oder, in stärkerer Ausprägung, die (manchmal krankhafte) Apathie.
Interesse (Politikwissenschaft)[3]
Unter Interesse (von lateinisch interesse „teilnehmen“) versteht man in der Politikwissenschaft und Sozialwissenschaft einen recht vielfältig verwendeten, aber als grundlegend erachteten Begriff der Eigenverortung und damit verbundenen Zielen von Individuen und sozialen Gruppen sowohl im gesellschaftlichen Ganzen als auch allgemein in der übergreifenden Umgebung.
Der Begriff ist für die sozialwissenschaftlicher Empirie und Theoriebildung zentral, weil davon ausgegangen wird, dass Menschen immer von ihren Interessen geleitet handeln. Insofern gilt er nachgerade als „genuin anthropologische Kategorie“.[1]
Das Problem mehrerer in einer Person existierender, sich aber widersprechender Interessen bezeichnet man als Interessenkonflikt.
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Interesse_(Politikwissenschaft)#Wortgeschichte Stand 28. November 2023 um 12:09 Uhr
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Interesse_(Politikwissenschaft) Stand 28. November 2023 um 12:09 Uhr
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Interesse_(Psychologie) Stand 28. November 2023 um 12:09 Uhr