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„Unterbegriff“ – Versionsunterschied

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[[unter]] + [[Begriff]]<p>'''Hyponymie''' bezeichnet in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachwissenschaft Sprachwissenschaft] (Linguistik) die [https://de.wikipedia.org/wiki/Semantik semantisch]-[https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff begriffliche] Unterordnung ''([https://de.wikipedia.org/wiki/Subordination_(Linguistik) Subordination])'' eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Semem Semems] unter ein anderes Semem. Das untergeordnete Semem wird als '''Hyponym''' bezeichnet und das Übergeordnete als ''Hyperonym''. Das zur Hyponymie gegenteilige ''(konverse)'' Verhältnis der semantischen Überordnung ist die ''Hyperonymie''. Das Wort „Hyponym“ ist damit [https://de.wikipedia.org/wiki/Synonym bedeutungsgleich] zu '''Unterbegriff''' und das gegensätzliche Wort ''Hyperonym'' bedeutungsgleich zu ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Oberbegriff Oberbegriff]''. Die Hyponymie ist eine zentrale [https://de.wikipedia.org/wiki/Semantische_Relation semantische Relation]zwischen Begriffen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Semantisches_Netz semantischen Netzen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Taxonomie Taxonomien] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Thesaurus Thesauri]. Sie ist zu unterscheiden von der Teil-Ganzes-Beziehung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Meronymie Meronymie]).</p><p>Die in der Sprachwissenschaft vorherrschende abweichende Sprachregelung dürfte historisch bedingt sein und zum anderen darauf beruhen, dass terminologisch eine Unabhängigkeit von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Begriffslogik Begriffslogik] erreicht wird: Zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Wort Wort], Begriff und Semem muss nicht scharf unterschieden werden und Kritik an der traditionellen Begriffslogik wird vermieden.</p>
== <span id="Eigenschaften_der_Hyponymie">Eigenschaften der Hyponymie</span> ==
<p>Diese [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84quivalenzrelation Relation] ist:</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Reflexive_Relation irreflexiv]: kein Begriff ist ein Unterbegriff von sich selbst
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Asymmetrische_Relation asymmetrisch]: wenn A ein Hyponym von B ist, dann kann B nicht Hyponym von A sein
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Transitive_Relation transitiv]: wenn A ein Hyponym von B ist und B ein Hyponym von C, dann ist A ein Hyponym von C
<p>Beispiel für ein Hyponym transitiver Art: Wenn ''Banane'' ein Hyponym von ''Obst'' und ''Obst'' ein Hyponym von ''Lebensmittel'' ist, dann ist ''Banane'' ein Hyponym von ''Lebensmittel''.</p><p>Oder in anderer Perspektive: Die Bedeutungen der untergeordneten Ausdrücke enthalten alle Bedeutungen der übergeordneten. Dies gilt jedoch nicht umgekehrt (hier: nicht jedes Lebensmittel ist eine Banane), weil die Bedeutung des Hyponyms spezifischer ist.</p>
== <span id="Verhältnis_zwischen_Hyperonym_und_Hyponym">Verhältnis zwischen Hyperonym und Hyponym</span> ==
<p>Zwischen Hyperonym und Hyponym bestehen weiterhin die folgenden Beziehungen:</p>
*der Begriffsumfang (die Extension) des Hyponyms ist kleiner als der Begriffsumfang des Hyperonyms. Beispiel: „Jeder Basset ist ein Hund, aber nicht jeder Hund ist ein Basset.“
*der Begriffsinhalt (die Intension) des Hyponyms ist größer als der Begriffsinhalt des Hyperonyms. Das Hyponym hat mindestens ein semantisches Merkmal mehr als das Hyperonym.
*Die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pr%C3%A4dizierung&action=edit&redlink=1 Prädizierung] eines Objekts als A (Hyponym) impliziert die Prädizierung des Objekts als B (Hyperonym) – aber nicht umgekehrt.
<p>Ein Begriff kann auch das Hyponym mehrerer Hyperonyme sein. Zum Beispiel ist ''Banane'' ein Hyponym zu ''Obst'' und zu ''Pflanze''.</p><p>Hyponymie wird auch als Sonderfall partieller [https://de.wikipedia.org/wiki/Synonym Synonymie] aufgefasst: Hyponyme haben zum einen mit dem Hyperonym und zum anderen mit ihren Kohyponymen mindestens ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Semantisches_Merkmal semantisches Merkmal] gemeinsam.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterbegriff#cite_note-1 [1]]</sup></p>
== <span id="Kohyponymie">Kohyponymie</span> ==
<p>'''Kohyponyme''' sind Hyponyme eines gemeinsamen Hyperonyms. In begriffslogischer Terminologie sind Kohyponyme die Unterbegriffe eines gemeinsamen Oberbegriffs. Kohyponyme stehen in der Relation der ''Kohyponymie''. Diese Relation ist symmetrisch und transitiv. Die Inhalte der Elemente unterscheiden sich in mindestens einem semantischen Merkmal.</p><p>Zum Beispiel sind ''Dackel'' und ''Pudel'' Kohyponyme zum gemeinsamen Hyperonym ''Hund'':</p>
*„Dieser Dackel ist ein Hund.“
*„Dieser Pudel ist ein Hund.“
<p>Kohyponyme schließen sich gegenseitig aus, sie sind inkompatibel (unverträglich):</p>
*„Dieser Dackel ist kein Pudel.“
*„Dieser Pudel ist kein Dackel.“
 
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
 
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Antonym#Arten_von_Antonymien Arten von Antonymen]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektivum Kollektivum]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Vererbung_(Programmierung) Vererbung (Programmierung)]
 
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
 
*[https://de.wikipedia.org/wiki/John_Lyons_(Sprachwissenschaftler) John Lyons]: ''Linguistic Semantics. An Introduction.'' Cambridge University Press, New York 1995, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0521438772 ISBN 0-521-43877-2] (englisch).
*[https://de.wikipedia.org/wiki/George_A._Miller George A. Miller]: ''Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik.'' Herausgegeben und aus dem Amerikanischen übersetzt von [https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Grabowski Joachim Grabowski] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Christiane_Fellbaum Christiane Fellbaum]. Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 1993; Lizenzausgabe: Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995; 2. Auflage ebenda 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3861501155 ISBN 3-86150-115-5], S. 182–189 (''Referenz, Nomina und Hyponymie'') und 265–266 (zu ''Hyponymie im Verbenlexikon'' und zur Troponymie).
 
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
<div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Hyponymie Wiktionary: Hyponymie]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Hyponym Wiktionary: Hyponym]'''</div>
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
 
#<span class="reference-text">Vgl. Glück, Helmut (Hg.): ''Metzler Lexikon Sprache.'' 4. Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010: ''Hyponymie.''</span>

Version vom 25. April 2024, 08:24 Uhr

unter + Begriff

Hyponymie bezeichnet in der Sprachwissenschaft (Linguistik) die semantisch-begriffliche Unterordnung (Subordination) eines Semems unter ein anderes Semem. Das untergeordnete Semem wird als Hyponym bezeichnet und das Übergeordnete als Hyperonym. Das zur Hyponymie gegenteilige (konverse) Verhältnis der semantischen Überordnung ist die Hyperonymie. Das Wort „Hyponym“ ist damit bedeutungsgleich zu Unterbegriff und das gegensätzliche Wort Hyperonym bedeutungsgleich zu Oberbegriff. Die Hyponymie ist eine zentrale semantische Relationzwischen Begriffen in semantischen Netzen, Taxonomien und Thesauri. Sie ist zu unterscheiden von der Teil-Ganzes-Beziehung (Meronymie).

Die in der Sprachwissenschaft vorherrschende abweichende Sprachregelung dürfte historisch bedingt sein und zum anderen darauf beruhen, dass terminologisch eine Unabhängigkeit von der Begriffslogik erreicht wird: Zwischen Wort, Begriff und Semem muss nicht scharf unterschieden werden und Kritik an der traditionellen Begriffslogik wird vermieden.

Eigenschaften der Hyponymie

Diese Relation ist:

  • irreflexiv: kein Begriff ist ein Unterbegriff von sich selbst
  • asymmetrisch: wenn A ein Hyponym von B ist, dann kann B nicht Hyponym von A sein
  • transitiv: wenn A ein Hyponym von B ist und B ein Hyponym von C, dann ist A ein Hyponym von C

Beispiel für ein Hyponym transitiver Art: Wenn Banane ein Hyponym von Obst und Obst ein Hyponym von Lebensmittel ist, dann ist Banane ein Hyponym von Lebensmittel.

Oder in anderer Perspektive: Die Bedeutungen der untergeordneten Ausdrücke enthalten alle Bedeutungen der übergeordneten. Dies gilt jedoch nicht umgekehrt (hier: nicht jedes Lebensmittel ist eine Banane), weil die Bedeutung des Hyponyms spezifischer ist.

Verhältnis zwischen Hyperonym und Hyponym

Zwischen Hyperonym und Hyponym bestehen weiterhin die folgenden Beziehungen:

  • der Begriffsumfang (die Extension) des Hyponyms ist kleiner als der Begriffsumfang des Hyperonyms. Beispiel: „Jeder Basset ist ein Hund, aber nicht jeder Hund ist ein Basset.“
  • der Begriffsinhalt (die Intension) des Hyponyms ist größer als der Begriffsinhalt des Hyperonyms. Das Hyponym hat mindestens ein semantisches Merkmal mehr als das Hyperonym.
  • Die Prädizierung eines Objekts als A (Hyponym) impliziert die Prädizierung des Objekts als B (Hyperonym) – aber nicht umgekehrt.

Ein Begriff kann auch das Hyponym mehrerer Hyperonyme sein. Zum Beispiel ist Banane ein Hyponym zu Obst und zu Pflanze.

Hyponymie wird auch als Sonderfall partieller Synonymie aufgefasst: Hyponyme haben zum einen mit dem Hyperonym und zum anderen mit ihren Kohyponymen mindestens ein semantisches Merkmal gemeinsam.[1]

Kohyponymie

Kohyponyme sind Hyponyme eines gemeinsamen Hyperonyms. In begriffslogischer Terminologie sind Kohyponyme die Unterbegriffe eines gemeinsamen Oberbegriffs. Kohyponyme stehen in der Relation der Kohyponymie. Diese Relation ist symmetrisch und transitiv. Die Inhalte der Elemente unterscheiden sich in mindestens einem semantischen Merkmal.

Zum Beispiel sind Dackel und Pudel Kohyponyme zum gemeinsamen Hyperonym Hund:

  • „Dieser Dackel ist ein Hund.“
  • „Dieser Pudel ist ein Hund.“

Kohyponyme schließen sich gegenseitig aus, sie sind inkompatibel (unverträglich):

  • „Dieser Dackel ist kein Pudel.“
  • „Dieser Pudel ist kein Dackel.“

Siehe auch

Literatur

  • John Lyons: Linguistic Semantics. An Introduction. Cambridge University Press, New York 1995, ISBN 0-521-43877-2 (englisch).
  • George A. Miller: Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik. Herausgegeben und aus dem Amerikanischen übersetzt von Joachim Grabowski und Christiane Fellbaum. Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 1993; Lizenzausgabe: Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995; 2. Auflage ebenda 1996, ISBN 3-86150-115-5, S. 182–189 (Referenz, Nomina und Hyponymie) und 265–266 (zu Hyponymie im Verbenlexikon und zur Troponymie).
Wiktionary: Hyponymie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Vgl. Glück, Helmut (Hg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010: Hyponymie.