„Wissenschaft“ – Versionsunterschied
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
<p>[[Wissen]][[-schaft]] {{Wrtgn.wl.}} </p> | <p>[[Wissen]][[-schaft]] {{Wrtgn.wl.}}</p> | ||
* ‘(organisierte) Form der Erforschung, Sammlung und Auswertung von Kenntnissen’; | |||
* ‘(organisierte) Form der Erforschung, Sammlung und Auswertung von Kenntnissen’; | ** ahd. wiʒʒantheit (8. Jh.), | ||
** ahd. wiʒʒantheit (8. Jh.), | |||
** mhd. wiʒʒen(t)heit ‘Einsicht, Wissen, Bewußtsein’.; | ** mhd. wiʒʒen(t)heit ‘Einsicht, Wissen, Bewußtsein’.; | ||
** smhd. wiʒʒentschaft, wiʒʒenschaft ‘Wissen, Kenntnis, Kunde’, | ** smhd. wiʒʒentschaft, wiʒʒenschaft ‘Wissen, Kenntnis, Kunde’, | ||
** dafür bis ins 16. Jh. häufiger Wissenheit, | ** dafür bis ins 16. Jh. häufiger Wissenheit, | ||
** besonders in der Aufklärung wird Wissenschaft Bezeichnung einer gelehrten Disziplin und verdrängt das dafür bisher übliche [[Kunst]]. | ** besonders in der Aufklärung wird Wissenschaft Bezeichnung einer gelehrten Disziplin und verdrängt das dafür bisher übliche [[Kunst]]. | ||
** von uig. ''*''[[u̯e(i)d]] bzw. ''*[[weid-]]'' für 'erblicken, sehen' | ** von uig. ''*''[[u̯e(i)d]] bzw. ''*[[weid-]]'' für 'erblicken, sehen' | ||
*** und ahdt. | *** und ahdt. ''scaft, scaf,'' bzw. ''skaft, skaf'' (Beschaffenheit, Ordnung, Plan, Rang) zusammensetzt. | ||
**** Wie viele andere deutsche Komposita mit der Endung „-schaft“ auch, ist es im Zuge der substantivischen Wortbildung des Althochdeutschen im Mittelalter entstanden. | **** Wie viele andere deutsche Komposita mit der Endung „-schaft“ auch, ist es im Zuge der substantivischen Wortbildung des Althochdeutschen im Mittelalter entstanden. | ||
***** Dabei wurde das früher selbstständige Substantiv ''scaf(t)'' bzw. ''skaf(t)'' zur Nachsilbe. | ***** Dabei wurde das früher selbstständige Substantiv ''scaf(t)'' bzw. ''skaf(t)'' zur Nachsilbe. | ||
**** In diesem Sinne bezeichnet es die Beschaffenheit bzw. Ordnung des Wissens. | **** In diesem Sinne bezeichnet es die Beschaffenheit bzw. Ordnung des Wissens. | ||
Das Wort Wissenschaft (mittelhochdeutsch wizzen[t]schaft = Wissen, Vorwissen, Genehmigung; lat. [[scientia]]) bezeichnet die Gesamtheit des menschlichen Wissens, der Erkenntnisse und der Erfahrungen einer Zeitepoche, welches systematisch erweitert, gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert wird. | |||
Das Wort Wissenschaft (mittelhochdeutsch wizzen[t]schaft = Wissen, Vorwissen, Genehmigung; lat. [[scientia]]) bezeichnet die Gesamtheit des menschlichen Wissens, der Erkenntnisse und der Erfahrungen einer Zeitepoche, welches systematisch erweitert, gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert wird.<p></p> | == <span id="Begriffsbestimmung">Begriffsbestimmung</span> == | ||
<p>Die Frage, was Wissenschaft ist und wie sie sich von anderen Bereichen menschlichen Handelns und menschlicher Errungenschaften unterscheidet, ist seit langem ein Gegenstand der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftstheorie Wissenschaftsphilosophie]. Eine genaue und allgemein akzeptierte Definition findet sich in der Literatur nicht. Insbesondere das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abgrenzungsproblem Abgrenzungsproblem], auch Demarkationsproblem genannt, welches die Abgrenzung von Wissenschaft gegenüber [https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudowissenschaft Pseudowissenschaft] und Nichtwissenschaft beinhaltet, gilt nicht als abschließend geklärt. Einige Aspekte der Charakterisierung von Wissenschaft sind im Folgenden genannt.</p><p>Die ''Wissenschaft'' ist ein [https://de.wikipedia.org/wiki/System System] der Erkenntnisse über die wesentlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigenschaft Eigenschaften], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t kausalen] Zusammenhänge und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzm%C3%A4%C3%9Figkeit Gesetzmäßigkeiten] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Natur Natur], [https://de.wikipedia.org/wiki/Technik Technik], Gesellschaft und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Denken Denkens], das in Form von [https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff Begriffen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorien Kategorien], Maßbestimmungen, Gesetzen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie Theorien] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Hypothese Hypothesen] fixiert wird.<sup id="cite_ref-Klaus/Buhr_3-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft#cite_note-Klaus/Buhr-3 [3]]</sup></p><p>Die ''Wissenschaft'' ist auch die Gesamtheit von Erkenntnissen und Erfahrungen, die sich auf einen Gegenstandsbereich beziehen und in einem Begründungszusammenhang stehen. Das Wissen eines begrenzten Gegenstandsbereichs kennzeichnet die [https://de.wikipedia.org/wiki/Einzelwissenschaft Einzelwissenschaft], die sich in einen theoretischen und einen angewandten Bereich gliedert und mit fortschreitender Differenzierung eine Reihe von Teildisziplinen hervorbringen kann.</p><p>''Wissenschaft'' bezeichnet auch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Methodik methodischen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Prozess Prozess] intersubjektiv nachvollziehbaren [https://de.wikipedia.org/wiki/Forschung Forschens] und Erkennens in einem bestimmten Bereich, der nach herkömmlichem Verständnis ein begründetes, geordnetes und gesichertes Wissen hervorbringt. Methodisch kennzeichnet die Wissenschaft entsprechend das gesicherte und in einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Rationalit%C3%A4t rationalen] Begründungszusammenhang gestellte Wissen, welches kommunizierbar und überprüfbar ist sowie bestimmten wissenschaftlichen Kriterien folgt. ''Wissenschaft''bezeichnet somit ein zusammenhängendes System von Aussagen, Theorien und Verfahrensweisen, das strengen Prüfungen der Geltung unterzogen wurde und mit dem Anspruch objektiver, überpersönlicher Gültigkeit verbunden ist.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft#cite_note-4 [4]]</sup></p><p>Zudem bezeichnet ''Wissenschaft'' auch die Gesamtheit der wissenschaftlichen Institutionen und der dort tätigen Wissenschaftler. Diese sind in ihrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_(Philosophie) Arbeit] spezifischen Werten und Gepflogenheiten verpflichtet und sollen [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftsethik wissenschaftsethischen] Prinzipien genügen. Zu Politik und Gesellschaft stehen sie in einem Verhältnis wechselseitiger Beeinflussung.</p><p>Eine Definition von ''Wissenschaft'' findet sich auch in Urteilen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesverfassungsgericht Bundesverfassungsgerichtes]. Dort heißt es „Wissenschaftliche Tätigkeit ist alles, was nach Inhalt und Form als ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit anzusehen ist.“<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft#cite_note-5 [5]]</sup> Diese Begriffsbestimmung berücksichtigt jedoch Gesichtspunkte wie z. B. Neuigkeitswert der Erkenntnisse, Hintergrundwissen und gesellschaftliche Bedeutung nicht (s. u.).</p><p>Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abgrenzungsproblem Abgrenzungsproblem] ist zentraler Gegenstand von [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper Karl Poppers] Buch „Logik der Forschung“.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft#cite_note-6 [6]]</sup> Nach Popper ist die [https://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikationismus Falsifizierbarkeit] von wissenschaftlichen Aussagen ein wesentliches Abgrenzungskriterium. Es ist als notwendig, aber nicht als hinreichend zu betrachten. Der Ansatz Poppers ist in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftstheorie Wissenschaftstheorie] vielfach diskutiert, kritisiert und auch weiterentwickelt worden, siehe z. B. Beiträge im Sammelband von [https://de.wikipedia.org/wiki/Imre_Lakatos Lakatos] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Alan_Musgrave Musgrave].<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft#cite_note-7 [7]]</sup></p><p>Der Versuch einer Abgrenzung von ''Wissenschaft'' zu Alltagswissen wurde von [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Hoyningen-Huene Hoyningen-Huene] unternommen.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft#cite_note-8 [8]]</sup> Er betrachtet [https://de.wikipedia.org/wiki/Systematizit%C3%A4t_(Wissenschaftstheorie) Systematizität] in neun Dimensionen: Beschreibung, Erklärung, Voraussage, Verteidigung von Wissensansprüchen, kritischer Diskurs, epistemische Vernetzung, das Ideal von Vollständigkeit, die Genese von neuem Wissen und die Repräsentation von Wissen. Die Abgrenzung von Wissenschaft ist dabei nicht absolut trennscharf, sondern ist durch einen höheren Grad von Systematizität in den verschiedenen Dimensionen gegeben.</p><p>''Wissenschaft'' ist ein multifaktorielles Konzept. Bei ihrer Charakterisierung spielen eine Reihe von Aspekten eine Rolle. Beispielsweise ist der Begriff der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit Wahrheit], wie er in der oben zitierten Definition des Bundesverfassungsgerichtes verwendet wird, in seiner logischen Bedeutung für die Anwendung auf wissenschaftliche Theorien problematisch, da Theorien, auch wenn sie erfolgreich sind, in der Regel nur in gewissen Anwendungsbereichen und dort nur approximativ gültig sind. Weiterhin müssen Erkenntnisse, wenn sie als wissenschaftlich gelten sollen, einen Neuigkeitswert für die Gesellschaft besitzen, sowie eine Relevanz, die über privates Einzelinteresse hinausgeht. Eine Definition, welche diese und weitere Aspekte berücksichtigt, wurde von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gernot_M%C3%BCnster G. Münster] vorgeschlagen: „Wissenschaft ist ein gemeinschaftliches Unterfangen mit dem Ziel, im Lichte anerkannten Hintergrundwissens rational akzeptierbare, empirisch oder theoretisch prüfbare Erkenntnisse zu gewinnen, deren Bedeutung über den Einzelfall hinausgeht, und diese Erkenntnisse der Gemeinschaft zu vermitteln.“<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft#cite_note-9 [9]]</sup></p> | |||
Version vom 26. Januar 2024, 18:02 Uhr
Wissen-schaft Vorlage:Wrtgn.wl.
- ‘(organisierte) Form der Erforschung, Sammlung und Auswertung von Kenntnissen’;
- ahd. wiʒʒantheit (8. Jh.),
- mhd. wiʒʒen(t)heit ‘Einsicht, Wissen, Bewußtsein’.;
- smhd. wiʒʒentschaft, wiʒʒenschaft ‘Wissen, Kenntnis, Kunde’,
- dafür bis ins 16. Jh. häufiger Wissenheit,
- besonders in der Aufklärung wird Wissenschaft Bezeichnung einer gelehrten Disziplin und verdrängt das dafür bisher übliche Kunst.
- von uig. *u̯e(i)d bzw. *weid- für 'erblicken, sehen'
- und ahdt. scaft, scaf, bzw. skaft, skaf (Beschaffenheit, Ordnung, Plan, Rang) zusammensetzt.
- Wie viele andere deutsche Komposita mit der Endung „-schaft“ auch, ist es im Zuge der substantivischen Wortbildung des Althochdeutschen im Mittelalter entstanden.
- Dabei wurde das früher selbstständige Substantiv scaf(t) bzw. skaf(t) zur Nachsilbe.
- In diesem Sinne bezeichnet es die Beschaffenheit bzw. Ordnung des Wissens.
- Wie viele andere deutsche Komposita mit der Endung „-schaft“ auch, ist es im Zuge der substantivischen Wortbildung des Althochdeutschen im Mittelalter entstanden.
- und ahdt. scaft, scaf, bzw. skaft, skaf (Beschaffenheit, Ordnung, Plan, Rang) zusammensetzt.
Das Wort Wissenschaft (mittelhochdeutsch wizzen[t]schaft = Wissen, Vorwissen, Genehmigung; lat. scientia) bezeichnet die Gesamtheit des menschlichen Wissens, der Erkenntnisse und der Erfahrungen einer Zeitepoche, welches systematisch erweitert, gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert wird.
Begriffsbestimmung
Die Frage, was Wissenschaft ist und wie sie sich von anderen Bereichen menschlichen Handelns und menschlicher Errungenschaften unterscheidet, ist seit langem ein Gegenstand der Wissenschaftsphilosophie. Eine genaue und allgemein akzeptierte Definition findet sich in der Literatur nicht. Insbesondere das Abgrenzungsproblem, auch Demarkationsproblem genannt, welches die Abgrenzung von Wissenschaft gegenüber Pseudowissenschaft und Nichtwissenschaft beinhaltet, gilt nicht als abschließend geklärt. Einige Aspekte der Charakterisierung von Wissenschaft sind im Folgenden genannt.
Die Wissenschaft ist ein System der Erkenntnisse über die wesentlichen Eigenschaften, kausalen Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der Natur, Technik, Gesellschaft und des Denkens, das in Form von Begriffen, Kategorien, Maßbestimmungen, Gesetzen, Theorien und Hypothesen fixiert wird.[3]
Die Wissenschaft ist auch die Gesamtheit von Erkenntnissen und Erfahrungen, die sich auf einen Gegenstandsbereich beziehen und in einem Begründungszusammenhang stehen. Das Wissen eines begrenzten Gegenstandsbereichs kennzeichnet die Einzelwissenschaft, die sich in einen theoretischen und einen angewandten Bereich gliedert und mit fortschreitender Differenzierung eine Reihe von Teildisziplinen hervorbringen kann.
Wissenschaft bezeichnet auch den methodischen Prozess intersubjektiv nachvollziehbaren Forschens und Erkennens in einem bestimmten Bereich, der nach herkömmlichem Verständnis ein begründetes, geordnetes und gesichertes Wissen hervorbringt. Methodisch kennzeichnet die Wissenschaft entsprechend das gesicherte und in einen rationalen Begründungszusammenhang gestellte Wissen, welches kommunizierbar und überprüfbar ist sowie bestimmten wissenschaftlichen Kriterien folgt. Wissenschaftbezeichnet somit ein zusammenhängendes System von Aussagen, Theorien und Verfahrensweisen, das strengen Prüfungen der Geltung unterzogen wurde und mit dem Anspruch objektiver, überpersönlicher Gültigkeit verbunden ist.[4]
Zudem bezeichnet Wissenschaft auch die Gesamtheit der wissenschaftlichen Institutionen und der dort tätigen Wissenschaftler. Diese sind in ihrer Arbeit spezifischen Werten und Gepflogenheiten verpflichtet und sollen wissenschaftsethischen Prinzipien genügen. Zu Politik und Gesellschaft stehen sie in einem Verhältnis wechselseitiger Beeinflussung.
Eine Definition von Wissenschaft findet sich auch in Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes. Dort heißt es „Wissenschaftliche Tätigkeit ist alles, was nach Inhalt und Form als ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit anzusehen ist.“[5] Diese Begriffsbestimmung berücksichtigt jedoch Gesichtspunkte wie z. B. Neuigkeitswert der Erkenntnisse, Hintergrundwissen und gesellschaftliche Bedeutung nicht (s. u.).
Das Abgrenzungsproblem ist zentraler Gegenstand von Karl Poppers Buch „Logik der Forschung“.[6] Nach Popper ist die Falsifizierbarkeit von wissenschaftlichen Aussagen ein wesentliches Abgrenzungskriterium. Es ist als notwendig, aber nicht als hinreichend zu betrachten. Der Ansatz Poppers ist in der Wissenschaftstheorie vielfach diskutiert, kritisiert und auch weiterentwickelt worden, siehe z. B. Beiträge im Sammelband von Lakatos und Musgrave.[7]
Der Versuch einer Abgrenzung von Wissenschaft zu Alltagswissen wurde von Hoyningen-Huene unternommen.[8] Er betrachtet Systematizität in neun Dimensionen: Beschreibung, Erklärung, Voraussage, Verteidigung von Wissensansprüchen, kritischer Diskurs, epistemische Vernetzung, das Ideal von Vollständigkeit, die Genese von neuem Wissen und die Repräsentation von Wissen. Die Abgrenzung von Wissenschaft ist dabei nicht absolut trennscharf, sondern ist durch einen höheren Grad von Systematizität in den verschiedenen Dimensionen gegeben.
Wissenschaft ist ein multifaktorielles Konzept. Bei ihrer Charakterisierung spielen eine Reihe von Aspekten eine Rolle. Beispielsweise ist der Begriff der Wahrheit, wie er in der oben zitierten Definition des Bundesverfassungsgerichtes verwendet wird, in seiner logischen Bedeutung für die Anwendung auf wissenschaftliche Theorien problematisch, da Theorien, auch wenn sie erfolgreich sind, in der Regel nur in gewissen Anwendungsbereichen und dort nur approximativ gültig sind. Weiterhin müssen Erkenntnisse, wenn sie als wissenschaftlich gelten sollen, einen Neuigkeitswert für die Gesellschaft besitzen, sowie eine Relevanz, die über privates Einzelinteresse hinausgeht. Eine Definition, welche diese und weitere Aspekte berücksichtigt, wurde von G. Münster vorgeschlagen: „Wissenschaft ist ein gemeinschaftliches Unterfangen mit dem Ziel, im Lichte anerkannten Hintergrundwissens rational akzeptierbare, empirisch oder theoretisch prüfbare Erkenntnisse zu gewinnen, deren Bedeutung über den Einzelfall hinausgeht, und diese Erkenntnisse der Gemeinschaft zu vermitteln.“[9]