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„Werk:VGHMVG/VbWw/11. Anderer Teil.“ – Versionsunterschied

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§. 11. Anderer Theil.  
§. 11. Anderer Theil.  


Unter denen Dingen, die möglich sind, muß eines nothwendig selbstständig seyn, denn sonst wäre etwas möglich, davon man keinen Grund anzeigen könnte, warum es ist, welches dem zuwider lieffe, so bereits oben ([[VGHMVG/VbWw/4. Alles hat einen Grund, warum es möglich ist.|§. 4.]]) bestätigt worden. Das selbstständige Wesen nennen wir GOtt: die anderen Dinge, welche ihren Grund, warum sie sind, in dem Selbstständigen Wesen haben, heissen Creaturen. Da nun die Welt-Weisheit den Grund zeiget, warum etwas seyn kan ([[VGHMVG/VbWw/6. Wie sie von der gemeinen unterscheiden.|§. 5.]]); so muß billig die Lehre von GOtt, oder dem selbstständigen Wesen erst vorgenommen werden, ehe man sich auf eine genaue Erkäntniß der Creaturen leget, die man bis auf die ersten Gründe hinaus führet, oder vielmehr aus ihnen herleitet, ob wie zwar nicht leugnen, daß einer eine gemeine Erkäntniß derselben zuvor haben muß, die er aber nicht nöthig hat aus der Welt-Weisheit zu holen, indem wir durch die tägliche Erfahrung von Tugend auf dazu gelangen ([[VGHMVG/VbWw/6. Wie sie von der gemeinen unterscheiden.|§. 6.]]). Der Theil der Welt-Weißheit, darinnen von GOTT und dem Ursprunge der Creaturen von ihm gehandelt wird, heisset die natürliche Theologie oder Gottes-Gelehrtheit.'''[[—Abvrschrftng]]'''
Unter denen Dingen, die möglich sind, muß eines nothwendig selbstständig seyn, denn sonst wäre etwas möglich, davon man keinen Grund anzeigen könnte, warum es ist, welches dem zuwider lieffe, so bereits oben ([[VGHMVG/VbWw/4. Alles hat einen Grund, warum es möglich ist.|§. 4.]]) bestätigt worden. Das selbstständige Wesen nennen wir GOtt: die anderen Dinge, welche ihren Grund, warum sie sind, in dem Selbstständigen Wesen haben, heissen Creaturen. Da nun die Welt-Weisheit den Grund zeiget, warum etwas seyn kan ([[VGHMVG/VbWw/6. Wie sie von der gemeinen unterscheiden.|§. 5.]]); so muß billig die Lehre von GOtt, oder dem selbstständigen Wesen erst vorgenommen werden, ehe man sich auf eine genaue Erkäntniß der Creaturen leget, die man bis auf die ersten Gründe hinaus führet, oder vielmehr aus ihnen herleitet, ob wie zwar nicht leugnen, daß einer eine gemeine Erkäntniß derselben zuvor haben muß, die er aber nicht nöthig hat aus der Welt-Weisheit zu holen, indem wir durch die tägliche Erfahrung von Tugend auf dazu gelangen ([[VGHMVG/VbWw/6. Wie sie von der gemeinen unterscheiden.|§. 6.]]). Der Theil der Welt-Weißheit, darinnen von GOTT und dem Ursprunge der Creaturen von ihm gehandelt wird, heisset die natürliche Theologie oder Gottes-Gelehrtheit.


§. 11. Anderer Teil.  
'''[[—Abvrschrftng]]'''
<onlyinclude>Unter denen Dingen, die möglich sind, muß eines nothwendig [[selbstständig]] seyn, denn sonst wäre etwas möglich, davon man keinen [[Grund]] anzeigen könnte, warum es ist, welches dem zuwider lieffe, so bereits oben ([[VGHMVG/VbWw/4. Alles hat einen Grund, warum es möglich ist.|§. 4.]]) bestätigt worden. Das [[Selbstständige Wesen|selbstständige Wesen]] nennen wir [[GOtt]]: die anderen Dinge, welche ihren Grund, warum sie sind, in dem selbstständigen Wesen haben, heissen [[Kreaturen]]. Da nun die Welt-Weisheit den Grund zeiget, warum etwas seyn kan ([[VGHMVG/VbWw/6. Wie sie von der gemeinen unterscheiden.|§. 5.]]); so muß [[billig]] die Lehre von GOtt, oder dem selbstständigen Wesen erst vorgenommen werden, ehe man sich auf eine genaue Erkenntniß der Kreaturen legt, die man bis auf die ersten Gründe hinaus führet, oder vielmehr aus ihnen herleitet, ob wie zwar nicht leugnen, daß einer eine gemeine Erkäntniß derselben zuvor haben muß, die er aber nicht nöthig hat aus der [[Weltweisheit]] zu holen, indem wir durch die tägliche Erfahrung von Tugend auf dazu gelangen ([[VGHMVG/VbWw/6. Wie sie von der gemeinen unterscheiden.|§. 6.]]). Der Teil der Weltweißheit, darinnen von GOTT und dem Ursprunge der Kreaturen von ihm gehandelt wird, heisset die [[Natürliche Theologie|natürliche Theologie]] oder Gottes-Gelehrtheit.</onlyinclude>
 
§. 11. Anderer Teil.
 
<onlyinclude>Unter denen Dingen, die möglich sind, muß eines nothwendig [[selbstständig]] seyn, denn sonst wäre etwas möglich, davon man keinen [[Grund]] anzeigen könnte, warum es ist, welches dem zuwider lieffe, so bereits oben ([[VGHMVG/VbWw/4. Alles hat einen Grund, warum es möglich ist.|§. 4.]]) bestätigt worden. Das [[Selbstständige Wesen|selbstständige Wesen]] nennen wir [[GOtt]]: die anderen Dinge, welche ihren Grund, warum sie sind, in dem selbstständigen Wesen haben, heissen [[Kreaturen]]. Da nun die Welt-Weisheit den Grund zeiget, warum etwas seyn kann ([[VGHMVG/VbWw/6. Wie sie von der gemeinen unterscheiden.|§. 5.]]); so muß [[billig]] die Lehre von GOtt, oder dem selbstständigen Wesen erst vorgenommen werden, ehe man sich auf eine genaue Erkenntniß der Kreaturen legt, die man bis auf die ersten Gründe hinaus führet, oder vielmehr aus ihnen herleitet, ob wie zwar nicht leugnen, daß einer eine gemeine Erkäntniß derselben zuvor haben muß, die er aber nicht nöthig hat aus der [[Weltweisheit]] zu holen, indem wir durch die tägliche Erfahrung von Tugend auf dazu gelangen ([[VGHMVG/VbWw/6. Wie sie von der gemeinen unterscheiden.|§. 6.]]). Der Teil der Weltweißheit, darinnen von [[GOTT]] und dem Ursprunge der Kreaturen von ihm gehandelt wird, heisset die [[Natürliche Theologie|natürliche Theologie]] oder [[Gottesgelehrtheit]].</onlyinclude>

Version vom 16. Februar 2024, 11:29 Uhr

—Urvrschrftng

§. 11. Anderer Theil.

Unter denen Dingen, die möglich sind, muß eines nothwendig selbstständig seyn, denn sonst wäre etwas möglich, davon man keinen Grund anzeigen könnte, warum es ist, welches dem zuwider lieffe, so bereits oben (§. 4.) bestätigt worden. Das selbstständige Wesen nennen wir GOtt: die anderen Dinge, welche ihren Grund, warum sie sind, in dem Selbstständigen Wesen haben, heissen Creaturen. Da nun die Welt-Weisheit den Grund zeiget, warum etwas seyn kan (§. 5.); so muß billig die Lehre von GOtt, oder dem selbstständigen Wesen erst vorgenommen werden, ehe man sich auf eine genaue Erkäntniß der Creaturen leget, die man bis auf die ersten Gründe hinaus führet, oder vielmehr aus ihnen herleitet, ob wie zwar nicht leugnen, daß einer eine gemeine Erkäntniß derselben zuvor haben muß, die er aber nicht nöthig hat aus der Welt-Weisheit zu holen, indem wir durch die tägliche Erfahrung von Tugend auf dazu gelangen (§. 6.). Der Theil der Welt-Weißheit, darinnen von GOTT und dem Ursprunge der Creaturen von ihm gehandelt wird, heisset die natürliche Theologie oder Gottes-Gelehrtheit.

—Abvrschrftng

§. 11. Anderer Teil.

Unter denen Dingen, die möglich sind, muß eines nothwendig selbstständig seyn, denn sonst wäre etwas möglich, davon man keinen Grund anzeigen könnte, warum es ist, welches dem zuwider lieffe, so bereits oben (§. 4.) bestätigt worden. Das selbstständige Wesen nennen wir GOtt: die anderen Dinge, welche ihren Grund, warum sie sind, in dem selbstständigen Wesen haben, heissen Kreaturen. Da nun die Welt-Weisheit den Grund zeiget, warum etwas seyn kann (§. 5.); so muß billig die Lehre von GOtt, oder dem selbstständigen Wesen erst vorgenommen werden, ehe man sich auf eine genaue Erkenntniß der Kreaturen legt, die man bis auf die ersten Gründe hinaus führet, oder vielmehr aus ihnen herleitet, ob wie zwar nicht leugnen, daß einer eine gemeine Erkäntniß derselben zuvor haben muß, die er aber nicht nöthig hat aus der Weltweisheit zu holen, indem wir durch die tägliche Erfahrung von Tugend auf dazu gelangen (§. 6.). Der Teil der Weltweißheit, darinnen von GOTT und dem Ursprunge der Kreaturen von ihm gehandelt wird, heisset die natürliche Theologie oder Gottesgelehrtheit.