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„Selbstreferenzialität“ – Versionsunterschied

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<p>Die '''Selbstreferenzialität''' (von [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] referre „sich auf etwas beziehen“), auch ''Autoreferenzialität, Selbstreferenzialität'', ''Selbstreferenz'' und ''Selbstbezüglichkeit,'' ist ein Begriff, der beschreibt, wie ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Symbol Symbol], eine Idee oder Aussage (oder ein Modell, Bild oder eine Geschichte) auf sich selbst Bezug nimmt. Abgeleitet wird der Begriff durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4t Identität] von Symbol und [https://de.wikipedia.org/wiki/Referent_(Linguistik) Referent] (Bezugsobjekt).</p>
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Ob[https://de.wikipedia.org/wiki/Vandalismus Vandalismus]
Dieser Schriftzug an einer Hauswand in Bonn nimmt auf sich selbst Bezug. Im engeren Sinn hat der Begriff eine rein logische Bedeutung. Je nach Bereich werden damit unterschiedliche Bezugsobjekte angesprochen.]]
Die '''Selbstreferenzialität''' (von lateinisch ''[[referre]]'' „sich auf etwas beziehen“), auch ''Autoreferenzialität, Selbstreferenzialität'', ''[[Selbstreferenz]]'' und ''[[Selbstbezüglichkeit]],'' ist ein Begriff, der beschreibt, wie ein [[Symbol]], eine [[Idee]] oder [[Aussage]] (oder ein Modell, Bild oder eine Geschichte) auf [[sich]] [[selbst]] [[Bezug]] nimmt. Abgeleitet wird der Begriff durch die [[Identität]] von Symbol und [[Referent (Linguistik)|Referent]] (Bezugsobjekt).


oder[https://de.wikipedia.org/wiki/Street_Art Street Art]
: Dieser Schriftzug an einer Hauswand in Bonn nimmt auf sich selbst Bezug.<p>Im engeren Sinn hat der Begriff eine rein logische Bedeutung. Je nach Bereich werden damit unterschiedliche Bezugsobjekte angesprochen.</p>
== <span id="Logische_Paradoxien">Logische Paradoxien</span> ==
== <span id="Logische_Paradoxien">Logische Paradoxien</span> ==
<p>Das Konzept der Selbstreferenz ist (u.&nbsp;a. im Zusammenhang mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Cantors_zweites_Diagonalargument Cantors Diagonalmethode], [https://de.wikipedia.org/wiki/Russellsche_Antinomie Russells Antinomie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6delscher_Unvollst%C3%A4ndigkeitssatz Gödels Unvollständigkeitssatz]) des Öfteren erkenntnistheoretisch untersucht worden.</p><p>Verschiedene logische Aussagen oder Theorien können im Widerspruch zusammengesetzt und damit in sich sinnentstellt werden und logische [https://de.wikipedia.org/wiki/Paradoxie Paradoxien] erzeugen. In ''[https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6del,_Escher,_Bach Gödel, Escher, Bach]'' wird dies als „Seltsame Schleife“ bezeichnet.</p>
<p>Das Konzept der Selbstreferenz ist (u.&nbsp;a. im Zusammenhang mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Cantors_zweites_Diagonalargument Cantors Diagonalmethode], [https://de.wikipedia.org/wiki/Russellsche_Antinomie Russells Antinomie] und [[Unvollständigkeitssatz|Gödels Unvollständigkeitssatz]]) des Öfteren erkenntnistheoretisch untersucht worden.</p><p>Verschiedene logische Aussagen oder Theorien können im Widerspruch zusammengesetzt und damit in sich sinnentstellt werden und logische [[Paradoxien]] erzeugen. In ''[https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6del,_Escher,_Bach Gödel, Escher, Bach]'' wird dies als „Seltsame Schleife“ bezeichnet.</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCgner-Paradox Lügner-Paradox]: „Dieser Satz ist nicht wahr.“
*[https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCgner-Paradox Lügner-Paradox]: „Dieser Satz ist nicht wahr.“
*Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Barbier-Paradoxon Barbier-Paradoxon]: „Der (einzige) Barbier eines Dorfes rasiert all jene (und nur jene), die sich nicht selbst rasieren.“
*Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Barbier-Paradoxon Barbier-Paradoxon]: „Der (einzige) Barbier eines Dorfes rasiert all jene (und nur jene), die sich nicht selbst rasieren.“
<p>Eine Aussage ohne [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Selbstwiderspruch&action=edit&redlink=1 Selbstwiderspruch] ist aber immer in sich stimmig und selbstreferenziell. Jede der klassischen Paradoxien kann durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Tarski Tarskis] metasprachliches Schema der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Konvention_T Konvention T]'' logisch formal heruntergebrochen werden: Die Aussage „''x-Paradox'' ist der Fall“ ist wahr, wenn ''x-Paradox'' der Fall ist. Den Paradoxien fehlt die sprachliche Eigenschaft der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichung Gleichsetzung].</p>
<p>Eine Aussage ohne [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Selbstwiderspruch&action=edit&redlink=1 Selbstwiderspruch] ist aber immer in sich stimmig und [[selbstreferenziell]]. Jede der klassischen Paradoxien kann durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Tarski Tarskis] metasprachliches Schema der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Konvention_T Konvention T]'' logisch formal heruntergebrochen werden: Die Aussage „''x-Paradox'' ist der Fall“ ist wahr, wenn ''x-Paradox'' der Fall ist. Den Paradoxien fehlt die sprachliche Eigenschaft der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichung Gleichsetzung].</p>
== <span id="Anwendung">Anwendung</span> ==
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=== <span id="Erkenntnistheorie,_Philosophie_bzw._Logik">Erkenntnistheorie, Philosophie bzw. Logik</span> ===
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Version vom 12. Mai 2024, 18:17 Uhr

selbstreferenzial-ität Vorlage:lat.-dt.

Ob Vandalismus oder Street Art Dieser Schriftzug an einer Hauswand in Bonn nimmt auf sich selbst Bezug. Im engeren Sinn hat der Begriff eine rein logische Bedeutung. Je nach Bereich werden damit unterschiedliche Bezugsobjekte angesprochen.

Die Selbstreferenzialität (von lateinisch referre „sich auf etwas beziehen“), auch Autoreferenzialität, Selbstreferenzialität, Selbstreferenz und Selbstbezüglichkeit, ist ein Begriff, der beschreibt, wie ein Symbol, eine Idee oder Aussage (oder ein Modell, Bild oder eine Geschichte) auf sich selbst Bezug nimmt. Abgeleitet wird der Begriff durch die Identität von Symbol und Referent (Bezugsobjekt).

Logische Paradoxien

Das Konzept der Selbstreferenz ist (u. a. im Zusammenhang mit Cantors Diagonalmethode, Russells Antinomie und Gödels Unvollständigkeitssatz) des Öfteren erkenntnistheoretisch untersucht worden.

Verschiedene logische Aussagen oder Theorien können im Widerspruch zusammengesetzt und damit in sich sinnentstellt werden und logische Paradoxien erzeugen. In Gödel, Escher, Bach wird dies als „Seltsame Schleife“ bezeichnet.

  • Lügner-Paradox: „Dieser Satz ist nicht wahr.“
  • Das Barbier-Paradoxon: „Der (einzige) Barbier eines Dorfes rasiert all jene (und nur jene), die sich nicht selbst rasieren.“

Eine Aussage ohne Selbstwiderspruch ist aber immer in sich stimmig und selbstreferenziell. Jede der klassischen Paradoxien kann durch Tarskis metasprachliches Schema der Konvention T logisch formal heruntergebrochen werden: Die Aussage „x-Paradox ist der Fall“ ist wahr, wenn x-Paradox der Fall ist. Den Paradoxien fehlt die sprachliche Eigenschaft der Gleichsetzung.

Anwendung

Erkenntnistheorie, Philosophie bzw. Logik

Denken über Denken.

Sprache, Informatik, Mathematik

Sätze, die sich auf sich selbst beziehen, wie zum Beispiel: „Dieser Satz wurde von einem Computer aus dem Japanischen übersetzt“. (Dieser Satz ist im Japanischen unsinnig.)

Systemtheorie

Dies ist eine empirische Anwendung. Man versucht (lebende, soziale) Systeme zu beschreiben, die selbst-referenziell sein sollen. Der Begriff kann im systemtheoretischen Zusammenhang mit dem der Autopoiesis betrachtet werden.[1]

Selbstbezügliche Systeme stabilisieren sich auf sich selbst und schließen sich darin von ihrer Umwelt ab. Dadurch gewinnen sie Beständigkeit und ermöglichen Systembildung und manchmal objektivistischeIdentität. Selbstreferenzielle Systeme sind „operational geschlossen“. In ihren Prozessen beziehen sie sich nur auf sich selbst und greifen nicht in ihre Umwelt hinaus. Sie reagieren nur noch auf Veränderungen in ihrem eigenen System. Die Ressourcenschöpfung ist unabhängig davon zu betrachten.

Politik

In der politischen Wissenschaft und Verfassungslehre nennt man selbstreferenziell ein politisches System, das die Bedingungen seiner Fortexistenz ständig aus sich selbst reproduziert. Eine offene Gesellschaftist nicht möglich, wenn Machteliten nur noch ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten gehorchen. In der Soziologie sieht man Selbstreferenzialität als ein Merkmal des Parteienstaates.[2][3] Der Richter des Bundesverfassungsgerichts Peter M. Huber warnte, „dass das Wahlrecht, die Ausgestaltung der Politikfinanzierung, das Fehlen direkter Demokratie auf Bundesebene sowie die Organisationsstrukturen der politischen Parteien die Selbstreferenzialität des politischen Systems begünstigen und die Sprachlosigkeit zwischen Bürgern und Politik verstärken.“[4]

Literatur und Kunst

In Literatur und Kunst hat die Selbstreferenzialität eine lange Tradition. Hier verwendet man den Fachausdruck Mise en abyme.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Humberto Maturana, F. Varela: Der Baum der Erkenntnis. Scherz, Bern 1987.
  2. Erwin K. Scheuch, Ute Scheuch: Cliquen, Klüngel und Karrieren. 1992, ISBN 3-499-12599-4, S. 175.
  3. Klaus Kunze: Der totale Parteienstaat. 1998, ISBN 3-933334-01-2, S. 24 ff.
  4. Peter M. Huber: In der Sinnkrise. In: FAZ.net. 1. Oktober 2015, abgerufen am 5. Oktober 2015.