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„Werk:De docta ignorantia/27“ – Versionsunterschied

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'''Capitulum X.'''
 
Quomodo intellectus trinitatis in unitate supergreditur omnia.
 
Der Gedanke der Dreiheit in der Einheit übersteigt alles.
 
Nunc inquiramus, quid sibi velit Martianus, quando ait Philosophiam ad huius trinitatis notitiam ascendere volentem circulos et sphaeras evomuisse.
 
Jetzt wollen wir untersuchen, was Martianus Capella will, wenn er sagt, die Philosophie habe, als sie zur Erkenntnis dieser Dreieinigkeit emporsteigen wollte, die Kreise und Kugeln von sich geworfen.
 
Ostensum est in prioribus unicum simplicissimum maximum; et quod ipsum tale non sit nec perfectissima figura corporalis, ut est sphaera, aut superficialis, ut est circulus, aut rectilinealis, ut est triangulus, aut simplicis rectitudinis, ut est linea. Sed ipsum super omnia illa est, ita quod illa, quae aut per sensum aut imaginationem aut rationem cum materialibus appendiciis attinguntur, necessario evomere oporteat, ut ad simplicissimam et abstractissimam intelligentiam perveniamus, ubi omnia sunt unum; ubi linea sit triangulus, circulus et sphaera; ubi unitas sit trinitas et e converso; ubi accidens sit substantia; ubi corpus sit spiritus, motus sit quies et cetera huiusmodi. Et tunc intelligitur, quando quodlibet in ipso uno intelligitur, unum; et ipsum unum omnia; et per consequens quodlibet in ipso omnia. Et non recte evomuisti sphaeram, circulum et huiusmodi, si non intelligis ipsam unitatem maximam necessario esse trinam. Maxima enim nequaquam recte intelligi poterit, si non intelligatur trina.
 
Im Vorhergehenden wurde das einzige, einfachste Größte aufgewiesen und gezeigt, daß dieses weder die vollkommenste körperliche Gestalt ist, wie die Kugel, noch die Fläche wie der Kreis, noch die gradlinige Gestalt wie das Dreieck, sondern vielmehr über allem steht; infolgedessen muß man das, was mit Stoff behaftet, durch Sinnlichkeit, Vorstellung oder Verstand erreichbar ist, von sich werfen, um zur einfachsten und von allem gelöstesten Einsicht zu gelangen, in der alles eins ist; wo die Linie Dreieck, Kreis und Kugel ist, wo die Einheit Dreiheit und umgekehrt ist, wo das äußerlich Hinzukommende das Beständige ist, wo der Körper Geist, die Bewegung Ruhe ist, u. dgl. m. Dann, wenn man alles in dem Einen sieht, erkennt man das Eine und daß das Eine alles ist und folgerichtig jedes in ihm alles. Und man hat Kugel, Kreis und dergleichen nicht richtig von sich abgetan, wenn man nicht einsieht, daß jene größte Einheit notwendig eine Dreiheit ist. Denn das Größte kann in keiner Weise richtig eingesehen werden, wenn man es nicht als Dreiheit sieht.</onlyinclude>


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Version vom 26. September 2024, 06:24 Uhr

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Capitulum X.

Quomodo intellectus trinitatis in unitate supergreditur omnia.

Der Gedanke der Dreiheit in der Einheit übersteigt alles.

Nunc inquiramus, quid sibi velit Martianus, quando ait Philosophiam ad huius trinitatis notitiam ascendere volentem circulos et sphaeras evomuisse.

Jetzt wollen wir untersuchen, was Martianus Capella will, wenn er sagt, die Philosophie habe, als sie zur Erkenntnis dieser Dreieinigkeit emporsteigen wollte, die Kreise und Kugeln von sich geworfen.

Ostensum est in prioribus unicum simplicissimum maximum; et quod ipsum tale non sit nec perfectissima figura corporalis, ut est sphaera, aut superficialis, ut est circulus, aut rectilinealis, ut est triangulus, aut simplicis rectitudinis, ut est linea. Sed ipsum super omnia illa est, ita quod illa, quae aut per sensum aut imaginationem aut rationem cum materialibus appendiciis attinguntur, necessario evomere oporteat, ut ad simplicissimam et abstractissimam intelligentiam perveniamus, ubi omnia sunt unum; ubi linea sit triangulus, circulus et sphaera; ubi unitas sit trinitas et e converso; ubi accidens sit substantia; ubi corpus sit spiritus, motus sit quies et cetera huiusmodi. Et tunc intelligitur, quando quodlibet in ipso uno intelligitur, unum; et ipsum unum omnia; et per consequens quodlibet in ipso omnia. Et non recte evomuisti sphaeram, circulum et huiusmodi, si non intelligis ipsam unitatem maximam necessario esse trinam. Maxima enim nequaquam recte intelligi poterit, si non intelligatur trina.

Im Vorhergehenden wurde das einzige, einfachste Größte aufgewiesen und gezeigt, daß dieses weder die vollkommenste körperliche Gestalt ist, wie die Kugel, noch die Fläche wie der Kreis, noch die gradlinige Gestalt wie das Dreieck, sondern vielmehr über allem steht; infolgedessen muß man das, was mit Stoff behaftet, durch Sinnlichkeit, Vorstellung oder Verstand erreichbar ist, von sich werfen, um zur einfachsten und von allem gelöstesten Einsicht zu gelangen, in der alles eins ist; wo die Linie Dreieck, Kreis und Kugel ist, wo die Einheit Dreiheit und umgekehrt ist, wo das äußerlich Hinzukommende das Beständige ist, wo der Körper Geist, die Bewegung Ruhe ist, u. dgl. m. Dann, wenn man alles in dem Einen sieht, erkennt man das Eine und daß das Eine alles ist und folgerichtig jedes in ihm alles. Und man hat Kugel, Kreis und dergleichen nicht richtig von sich abgetan, wenn man nicht einsieht, daß jene größte Einheit notwendig eine Dreiheit ist. Denn das Größte kann in keiner Weise richtig eingesehen werden, wenn man es nicht als Dreiheit sieht.

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