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„Naturphilosophie“ – Versionsunterschied

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<p>Die '''Naturphilosophie''' ist eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie philosophische] Disziplin, die sich mit der Deutung und Erklärung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Natur Natur] beschäftigt. Sie versucht, die Natur in ihrer Gesamtheit aufzufassen und in ihren allgemeinen wie partikulären Strukturen zu beschreiben, theoretisch zu erklären und zu deuten. Naturphilosophie thematisiert die Charakteristika und Bedingungen der Möglichkeit der aktuellen wissenschaftlichen und lebensweltlichen Naturauffassungen und geht deren gegenseitigen Abhängigkeiten ([https://de.wikipedia.org/wiki/Interdependenz Interdependenzen]) nach. Ihr Aufgabenfeld lässt sich, entsprechend der traditionellen Gliederung der Philosophie, dreiteilen in die Analyse von Natur als Inhalt bzw. Gegenstand theoretischer, praktischer und ästhetischer Urteile.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-1 [1]]</sup> Sie widmet sich seit der Moderne verstärkt dem Verhältnis zwischen verschiedenen Naturbegriffen.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-2 [2]]</sup></p><p>Im europäischen Kulturkreis ist die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ionien ionische] Naturphilosophie ein Ausgangspunkt der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Antike antiken Philosophie] überhaupt. Die moderne systematische Naturphilosophie ist ein Teilgebiet der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie Ontologie] und überschneidet sich mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Physik Philosophie der Physik], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Biologie Philosophie der Biologie], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Chemie Philosophie der Chemie] und Philosophien anderer [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturwissenschaft Naturwissenschaften] bzw. umfasst diese als Teildisziplinen. Darüber hinaus umfasst Naturphilosophie – wenn man sie nicht im engen, 'analytischen' Sinne als [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftstheorie Wissenschaftstheorie] der Naturwissenschaften begreift – auch die Reflexion auf nicht-wissenschaftliche Naturauffassungen, in denen Natur kein kausales Wirkungsgefüge ist, sondern ein ästhetischer, symbolischer, ethisch-moralischer usw. Gegenstand.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-3 [3]]</sup></p>
Die '''Naturphilosophie''' ist eine [[Philosophie|philosophische]] Disziplin, die sich mit der Deutung und Erklärung der [[Natur]] beschäftigt. Sie versucht, die Natur in ihrer Gesamtheit aufzufassen und in ihren allgemeinen wie partikulären Strukturen zu beschreiben, theoretisch zu erklären und zu deuten. Naturphilosophie thematisiert die Charakteristika und Bedingungen der Möglichkeit der aktuellen wissenschaftlichen und lebensweltlichen Naturauffassungen und geht deren gegenseitigen Abhängigkeiten ([[Interdependenz]]en) nach. Ihr Aufgabenfeld lässt sich, entsprechend der traditionellen Gliederung der Philosophie, dreiteilen in die Analyse von Natur als Inhalt bzw. Gegenstand theoretischer, praktischer und ästhetischer Urteile.<ref>Gregor Schiemann: [http://www.naturphilosophie.org/grundbegriffe/naturphilosophie/ ''Naturphilosophie.''] [Version 2.0]. In: Thomas Kirchhoff (Redaktion): ''Naturphilosophische Grundbegriffe.'' 2012.</ref> Sie widmet sich seit der Moderne verstärkt dem Verhältnis zwischen verschiedenen Naturbegriffen.<ref>Gregor Schiemann: ''Naturphilosophie als Arbeit am Naturbegriff.'' In: Christian Kummer u.&nbsp;a. (Hrsg.): ''Was ist Naturphilosophie und was kann sie leisten?'' Freiburg 2009, S. 151.</ref>
== <span id="Begriffsbestimmung_und_Methode_der_Naturphilosophie">Begriffsbestimmung und Methode der Naturphilosophie</span> ==
=== <span id="‚Natur‘">‚Natur‘</span> ===
<p>Die europäische Naturphilosophie hat ihren Ursprung im antiken Griechenland. Das griechische Wort für Natur, „''physis''“, weist dabei zwei Verwendungsweisen auf. Zum einen bezieht sich ''physis'' auf die Gesamtheit aller von selbst entstandenen, nicht vom Menschen geschaffenen Dinge einschließlich ihrer späteren Veränderungen (z.&nbsp;B. durch Pflügen oder Ernten) sowie den Menschen selbst – dies aber erst seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. Zuerst bedeutete (das vom Verbum „''phyein“'' – „wachsen (lassen)“, „entstehen“ – abgeleitete Nomen) ''physis'' die Natur von ''etwas'', sein [https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie) Wesen], die Essenz einer Sache.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-4 [4]]</sup> Dabei wurde das Dynamische, das innere Prinzip des Wirkens, etwa der Bewegung, betont. Es geht um Prinzipien der Entfaltung, des Erscheinens und des Wandels. Dies berührt insbesondere das Phänomen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Leben Lebens]. Die Bestimmung des Wesens des Menschen wird in der philosophischen Disziplin der [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropologie Anthropologie] behandelt, die – zumindest sofern mit „Wesen“, die „Natur“ oder ''physis'' gemeint ist – auch als ein Teilgebiet der Naturphilosophie verstanden werden kann. Auch die Grundlagen der menschlichen Natur für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik Ethik], z.&nbsp;B. die Tugenden als natürliche Dispositionen, gehören zur Naturphilosophie.</p><p>Der Ausdruck „Natur“ und entsprechende Ableitungen („natürlich“, „naturwüchsig“, u.&nbsp;a.&nbsp;m.) werden immer im Gegensatz zu einem anderen Seinsbereich (z.&nbsp;B. Kunst/Artefakte), Prinzip (z.&nbsp;B. Freiheit) oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gen_(F%C3%A4higkeit) Vermögen] (z.&nbsp;B. Vernunft) bestimmt – oftmals als Gegensatz zu „[https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur Kultur]“ –, insofern letztere sich auf Artefakte bezieht, die durch menschliche Kunst oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Technik Technik] hervorgebracht sind ([https://de.wikipedia.org/wiki/Materielle_Kultur materiale Kultur]).<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-5 [5]]</sup><sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-6 [6]]</sup> So hatte schon Aristoteles (''Physik'' II 192b) das Natürliche und das Künstliche bzw. ''physis'' und ''techné'' gegenübergestellt.</p><p>Eine weitere häufig anzutreffende Gegensatzbildung ist die von „Natur“ und „Übernatur“, die typisch für das christliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] ist (u.&nbsp;a. bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonaventura Bonaventura]): Natur galt als durch Gottes Eingreifen auch immer wieder von außen veränderbar. Während beispielsweise die neuzeitliche Naturphilosophie auf Objekte und Methodik naturwissenschaftlicher, empirischer Erkenntnismöglichkeiten verpflichtet ist, galt dies nach einer klassischen Unterscheidung für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik#Systematik_und_Methodik spezielle Metaphysik] nicht. Diese diskutiert vielmehr Thematiken wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Seele Seele], [https://de.wikipedia.org/wiki/Emanation_(Philosophie) Emanation], [https://de.wikipedia.org/wiki/Gott Gottheit] und Göttliches. Unterschiedliche Klassiker ziehen diese Grenze aber unterschiedlich streng. [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] beispielsweise unterscheidet als zwei Werke, Disziplinen und Gegenstandsbereiche die „Physik“ und die „[https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik Metaphysik]“, behandelt nach heutiger Wissenschaftssystematik aber in der „Physik“ auch Themen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie Ontologie] und in der „Metaphysik“ auch naturwissenschaftliche Themen – etwa solche der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmologie Kosmologie]. Im griechischen Denken gibt es keine [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbernat%C3%BCrlich Übernatürlichkeit].</p>
=== <span id="„Naturphilosophie“_bzw._„Philosophie_der_Natur“">„Naturphilosophie“ bzw. „Philosophie der Natur“</span> ===
<p>Der deutsche Ausdruck „Philosophie der Natur“ kommt erst im 18. Jahrhundert auf und ist eine Übersetzung von dem seit der Antike gebrauchten lateinischen Ausdruck ''philosophia naturalis'', der traditionell für die Lehre von den sinnlich wahrnehmbaren Dingen gebraucht wurde.<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-7 [7]]</sup> Er wird im Deutschen einerseits sehr weit verwendet, so dass er beispielsweise anthropologische und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie phänomenologische] Spekulationen zum Verhältnis von Mensch und Natur überhaupt mit umfasst, andererseits wird mehr und mehr eine enge Verwendung üblich, wie sie sich im englischsprachigen Raum schon lange etabliert hat. Demnach bezeichnet „Philosophie der Natur“ den Teilbereich der theoretischen Philosophie, welcher sich mit der Struktur der Natur inklusive der Interpretation unserer besten wissenschaftlichen Theorien darüber befasst. In beiden Verwendungsweisen ist oft ein Unterschied zur Verwendung des Ausdrucks „[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftstheorie Wissenschaftstheorie]“ üblich. „Wissenschaftstheorie“ bezieht sich dann auf allgemeinere erkenntnistheoretische (epistemologische), methodologische und spezifische Fragen zu Struktur und Wesen wissenschaftlicher Erkenntnis überhaupt. Da im englischen „''science''“ oft im engen Sinne von rein naturwissenschaftlicher Forschung verstanden wird und andere Wissenschaften beispielsweise als „''humanities''“ bezeichnet werden, kann „Wissenschaftstheorie“ aber so verwendet werden, dass Themen der Philosophie der Natur mit umfasst werden.</p>
== <span id="Historische_Entwicklung">Historische Entwicklung</span> ==
=== <span id="Antike">Antike</span> ===
<p>Die Anfänge der Naturphilosophie liegen in der griechischen Antike. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsokratiker Vorsokratiker] suchten nach allgemeinen, konstanten Konstitutions- und Erklärungsprinzipien der Erscheinungswelt. Dabei wurden meist ein oder mehrere einheitliche materielle [https://de.wikipedia.org/wiki/Prinzip Prinzipien] angenommen, die einen gemeinsamen Ursprung (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Arch%C3%A9 arché]'') bilden. [https://de.wikipedia.org/wiki/Thales_von_Milet Thales von Milet] führte dazu das Wasser an, [https://de.wikipedia.org/wiki/Anaximenes Anaximenes] die Luft, [https://de.wikipedia.org/wiki/Empedokles Empedokles] [https://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Elemente-Lehre vier Elemente]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Leukipp Leukippos] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Demokrit Demokrit] postulierten kleinste Teilchen: [https://de.wikipedia.org/wiki/Atom Atome]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Anaximander Anaximander] sprach von einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Apeiron Apeiron] (das Unbestimmte), was eventuell mit Feuer oder Äther in Verbindung zu bringen ist. Insbesondere versuchten die Vorsokratiker die Ursachen der Bewegung der Himmelskörper zu bestimmen, was zur Entwicklung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Astronomie_im_antiken_Griechenland Astronomie im antiken Griechenland] führte. Auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Xenophanes Xenophanes], [https://de.wikipedia.org/wiki/Heraklit Heraklit] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Anaxagoras Anaxagoras]gehörten zu den führenden Philosophen in der antiken, etwa die Zeit von 600 bis 450 v. Chr.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-8 [8]]</sup> umfassenden Periode der Naturphilosophie.</p><p>Viele griechische Philosophen, zuvorderst Aristoteles, schrieben eine Abhandlung mit dem Titel ''Über die Natur'' (''perì phýseōs''). Aufgabe der Naturphilosophie ist nach Aristoteles die Betrachtung der sinnlich wahrnehmbaren Substanzen, insofern sie bewegt und begrifflich erfassbar sind. Aus dieser Tradition entwickelte sich der Begriff [https://de.wikipedia.org/wiki/Physik Physik] (enthalten auch in Werktitel wie ''Physica'') als Inbegriff der späteren Naturwissenschaften, wenngleich die antiken Denker einen weiten Naturbegriff hatten. [https://de.wikipedia.org/wiki/Zenon_von_Kition Zenon von Kition] grenzt einen auf die Natur bezogenen Teil der Philosophie von Logik und Ethik ab. Diese Einteilung lässt sich über [https://de.wikipedia.org/wiki/Cicero Cicero] bis hin zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Augustin Augustin] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Isidor_von_Sevilla Isidor von Sevilla] nachweisen.<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-9 [9]]</sup></p><p>Gegenstandsbereiche antiker Naturphilosophie waren u. a. Themen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Mathematik Mathematik], [https://de.wikipedia.org/wiki/Astronomie Astronomie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Astrologie Astrologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmologie Kosmologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Physik Physik], [https://de.wikipedia.org/wiki/Geographie Geographie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie Psychologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Medizin Medizin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Botanik Botanik] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Zoologie Zoologie].</p>
=== <span id="Chinesische_Naturphilosophie">Chinesische Naturphilosophie</span> ===
<p>Die von den Chinesen betriebene Naturerforschung war im Unterschied zur griechisch-abendländischen Naturwissenschaft weniger durch rational-objektive Kausalbetrachtung, sondern durch die Suche nach universellen Seinszusammenhängen in Übereinstimmung mit den Lehren von [https://de.wikipedia.org/wiki/Laozi Laozi] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Konfuzius Konfuzius] und der Vorstellung vom Weltganzen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Dao Dao]) geprägt. Bereits mindestens um 1000 v.&nbsp;Chr. war eine Fünf-Phasen- bzw. [https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf-Elemente-Lehre Fünf-Elemente-Lehre] ausgeprägt (''Wu Xing''), die mit Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde die Grundbegriffe der chinesischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmologie Kosmologie] benennt:<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-10 [10]]</sup> Der Himmel erzeugte zunächst das Wasser, die Erde das Feuer. Dieses sind die beiden reinsten Elemente, Holz und Metall die schwersten und unreinsten. Im All existierte anfänglich nur die vermischte Urmaterie aus ruhendem und bewegendem Prinzip; diese bewegte sich und wirbelte hin und her. Die unreinen Stoffe sammelten sich im Mittelpunkt; so entstand die Erde (das ruhende Prinzip). Die reineren Bestandteile der Urmaterie wurden zu Himmel, Sonne, Mond und Sternen und bewegen sich ewig im Kreis um die Erde (das bewegende Prinzip).</p><p>Mit der Entwicklung der Technik zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeit_der_streitenden_Reiche Zeit der streitenden Reiche] wurde diese Lehre zu einer dynamischen Lehre des Wandels der Natur und der Elemente ausgebaut. Das Holz nährt das Feuer, das Feuer erzeugt Asche (Erde), die Erde bringt Metalle hervor, diese lösen sich im Wasser und nähren die Pflanzen (Holz). Dieser Zyklus wird zugleich als Zyklus der Jahreszeiten interpretiert: Das Element Wasser markiert den Beginn der Dynamik und entspricht dem Winter.</p><p>Charakteristisch für den Daoistischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Waidan Waidan] (die [https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Alchemie chinesische Form der Alchemie]) war die Suche nach dem Unsterblichkeit garantierenden Lebenselixier, die in vorchristlicher Zeit einsetzte und etwa seit dem 9. Jahrhundert durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Neidan Neidan], die sog. „innere Alchemie“ (eine innere Erleuchtungs[https://de.wikipedia.org/wiki/Mystik mystik], die den Geist über die Welt setzt) ergänzt bzw. ersetzt wurde, die sich mit der Fünf-Phasen-Lehre verband. Diese praktische Lehre bestand vor allem aus geistigen und Visualisierungstechniken, Atem- und Enthaltsamkeitsübungen; der Übergang zur Medizin und zu anderen Formen der Meditation und Askese ist fließend.</p>
=== <span id="Arabisch-persische_Naturphilosophie">Arabisch-persische Naturphilosophie</span> ===
<p>Das Ziel der arabischen Naturphilosophie war es, das Gesamt des Kosmos einschließlich aller metaphysischen Fragen in ein durchrationalisiertes System zu bringen und nach dem Vorbild der späthellenistischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandria alexandrinischen] Philosophie [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuplatonismus Neuplatonismus] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristotelismus Aristotelismus] zu verschmelzen – freilich immer mit dem Ziel der „Verähnlichung mit Gott“. In den heißen Ebenen Arabiens ist die Idee des Göttlichen nicht mit der Vorstellung des Feuers oder der Sonne verbunden, sondern mit der des Lichts – genauer: mit der Klarheit des kühlen Mondlichts (''nūr''). Zu den frühen Rezipienten der aristotelischen Naturphilosophie und Kritikern des [https://de.wikipedia.org/wiki/Platonismus Platonismus] zählte [https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Kind%C4%AB al-Kindī], der auf Basis seiner optischen Studien dem Licht eine zentrale Rolle beim Wissenserwerb beimaß.</p><p>Seit dem 12. Jahrhundert machte sich der Einfluss der rational argumentierenden, den Zweifel als Methode einsetzenden arabischer Arztphilosophen auf die lateinische Scholastik bemerkbar. Der persische Arzt, Naturforscher und Philosoph [https://de.wikipedia.org/wiki/Avicenna Avicenna] hielt trotz zahlreicher methodisch sorgfältiger Einzelstudien von Naturphänomen im Wesentlichen an der Metaphysik des Aristoteles fest, unterschied aber deutlicher zwischen Wesen und Existenz der Dinge. Seine Ablehnung des arabischen Platonismus hatte einen gewissen Einfluss auf den [https://de.wikipedia.org/wiki/Universalienstreit Universalienstreit] der mittelalterlichen christlichen Philosophie: Die Materie gehe nicht aus Gott hervor, es gebe also keine Schöpfung in der Zeit, und Gott zeige keinerlei Interesse an den Einzeldingen und -ereignissen. Seine Naturbeobachtungen versuchte er dennoch mit Aussagen des Korans zu unterlegen.</p><p>Doch vor allem erst durch die Kommentare des [https://de.wikipedia.org/wiki/Averroes Averroes], der oft als Begründer einer frühen arabischen oder islamischen Aufklärung gilt,<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-11 [11]]</sup> gelangten im 12. Jahrhundert die Arbeiten des Aristoteles über [https://de.wikipedia.org/wiki/C%C3%B3rdoba_(Spanien) Córdoba] in den Westen. Im Unterschied zu Avicenna machte Averroes der orthodoxen islamischen Theologie keine Zugeständnisse: Für ihn war die Welt nicht spirituell und ihre Existenz nicht nur eine Möglichkeit; ihre Existenz sei notwendig, die Materie sei ewig und es gebe keine ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Creatio_ex_nihilo Creatio ex nihilo]''. Averroes rettet so den Kausalitätsbegriff vor dem religiösen Dogma absoluter Kontingenz, der Erschaffung jedes einzelnen Aktes durch Gott.</p><p>Allerdings verdrängten Orthodoxe und Mystiker wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Ghaz%C4%81l%C4%AB al-Ghazālī] bald die Suche nach Gesetzen und Ordnung der Natur – speziell die „griechische“ Physik – aus dem Curriculum der islamischen Schulen, da sie die Leugnung der absoluten Freiheit und Allmacht Gottes impliziere. Die auch von al-Ghazālī inspirierte persische [https://de.wikipedia.org/wiki/Illuminationsphilosophie Illuminationsphilosophie] des 12. Jahrhunderts, die bis ins 20. Jahrhundert nachwirkte, zählt nicht eigentlich zur Naturphilosophie, obwohl die Begriffe Licht und Erleuchtung in ihr eine große Rolle spielen; sie stellt vor allem die sich auf Aristoteles berufende Erkenntnistheorie durch die Betonung der Bedeutung spontan-intuitiver Erkenntnis in Frage.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Adelard_von_Bath Adelard von Bath] wurde mit seiner Forderung, mehr auf die Beobachtung der Natur als auf die Überlieferung zu setzen, von der von ihm übersetzten arabischen Literatur beeinflusst; auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Conches Wilhelm von Conches]und [https://de.wikipedia.org/wiki/Siger_von_Brabant Siger von Brabant] forderten, diese forschende und zweifelnde Haltung einzunehmen.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-12 [12]]</sup></p>
=== <span id="Mittelalter">Mittelalter</span> ===
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Scottus_Eriugena Johannes Scottus Eriugena] bezeichnet die gesamte Wirklichkeit, also Gott und die Welt, die seienden und die nichtseienden Dinge als „Natur“. Das durch Sinneswahrnehmung (die raum-zeitlicher Veränderung unterliegenden Naturdinge) oder gedanklich Erfassbare (die Ideen) bezeichnet er als seiend, das den Sinnen und auch dem Intellekt Unzugängliche als nichtseiend. Die Eigenschaften werden der Materie von Gott verliehen. Während der ''Artifex'', der Handwerker oder Künstler, ihre Eigenschaften zur Anschauung bringt, muss der Philosoph sie [https://de.wikipedia.org/wiki/Diskurs diskursiv] beweisen.<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-13 [13]]</sup></p>


Im europäischen Kulturkreis ist die [[Ionien|ionische]] Naturphilosophie ein Ausgangspunkt der [[Philosophie der Antike|antiken Philosophie]] überhaupt. Die moderne systematische Naturphilosophie ist ein Teilgebiet der [[Ontologie]] und überschneidet sich mit der [[Philosophie der Physik]], der [[Philosophie der Biologie]], der [[Philosophie der Chemie]] und Philosophien anderer [[Naturwissenschaft]]en bzw. umfasst diese als Teildisziplinen. Darüber hinaus umfasst Naturphilosophie – wenn man sie nicht im engen, 'analytischen' Sinne als [[Wissenschaftstheorie]] der Naturwissenschaften begreift – auch die Reflexion auf nicht-wissenschaftliche Naturauffassungen, in denen Natur kein kausales Wirkungsgefüge ist, sondern ein ästhetischer, symbolischer, ethisch-moralischer usw. Gegenstand.<ref>Lorenz, Stefan; Mojsisch, Burkhard; Schröder, Winfried & Kaulbach, Friedrich 2017: Naturphilosophie. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie online. Schwabe Verlag, Basel; Kirchhoff, T. & Karafyllis, N.C. 2020. Einführung. In: Kirchhoff/Karafyllis/Evers/Falkenburg/Gerhard/Hartung/Hübner/Köchy/Krohs/Schäfer/Schiemann/Schlette/Schulz/Vogelsang (Hrsg.): Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. 2., aktualisierte und durchgesehene Auflage. UTB / Mohr-Siebeck, Tübingen 2020: XI-XVII.</ref>


[[file:240px-Wissembourg_StPierre-Paul186.JPG|link=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Wissembourg_StPierre-Paul186.JPG|240x180px]]
== Begriffsbestimmung und Methode der Naturphilosophie ==


Frühes[https://de.wikipedia.org/wiki/Bleiglasfenster Bleiglasfenster]
=== Zum Begriff der „Natur“ ===
Die europäische Naturphilosophie hat ihren Ursprung im antiken Griechenland. Das griechische Wort für Natur, „''physis''“, weist dabei zwei Verwendungsweisen auf. Zum einen bezieht sich ''physis'' auf die Gesamtheit aller von selbst entstandenen, nicht vom Menschen geschaffenen Dinge einschließlich ihrer späteren Veränderungen (z.&nbsp;B. durch Pflügen oder Ernten) sowie den Menschen selbst – dies aber erst seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. Zuerst bedeutete (das vom Verbum „''phyein“'' – „wachsen (lassen)“, „entstehen“ – abgeleitete Nomen) ''physis'' die Natur von ''etwas'', sein [[Wesen (Philosophie)|Wesen]], die Essenz einer Sache.<ref>[[Thomas Buchheim]]: ''physis.'' In: Christoph Horn, Christof Rapp (Hrsg.): ''Wörterbuch der antiken Philosophie.'' München 2002, S. 345 ff.</ref> Dabei wurde das Dynamische, das innere Prinzip des Wirkens, etwa der Bewegung, betont. Es geht um Prinzipien der Entfaltung, des Erscheinens und des Wandels. Dies berührt insbesondere das Phänomen des [[Leben]]s. Die Bestimmung des Wesens des Menschen wird in der philosophischen Disziplin der [[Anthropologie]] behandelt, die – zumindest sofern mit „Wesen“, die „Natur“ oder ''physis'' gemeint ist – auch als ein Teilgebiet der Naturphilosophie verstanden werden kann. Auch die Grundlagen der menschlichen Natur für die [[Ethik]], z.&nbsp;B. die Tugenden als natürliche Dispositionen, gehören zur Naturphilosophie.


um 1190 (Saints-Pierre-et-Paul,[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissembourg Wissembourg]
Der Ausdruck „Natur“ und entsprechende Ableitungen („natürlich“, „naturwüchsig“, u.&nbsp;a.&nbsp;m.) werden immer im Gegensatz zu einem anderen Seinsbereich (z.&nbsp;B. Kunst/Artefakte), Prinzip (z.&nbsp;B. Freiheit) oder [[Vermögen (Fähigkeit)|Vermögen]] (z.&nbsp;B. Vernunft) bestimmt – oftmals als Gegensatz zu „[[Kultur]]“ –, insofern letztere sich auf Artefakte bezieht, die durch menschliche Kunst oder [[Technik]] hervorgebracht sind ([[Materielle Kultur|materiale Kultur]]).<ref>Götz Großklaus: ''Einleitung.'' In: G. Großklaus, E. Oldemeyer (Hrsg.): ''Natur als Gegenwelt. Beiträge zur Kulturgeschichte der Natur.'' von Loeber, Karlsruhe 1983, S. 8–12.</ref><ref>Robert Spaemann: ''Das Natürliche und das Vernünftige.'' In: O. Schwemmer (Hrsg.): ''Über Natur. Philosophische Beiträge zum Naturverständnis.'' Klostermann, Frankfurt am Main 1987, S. 149–164.</ref> So hatte schon Aristoteles (''Physik'' II 192b) das Natürliche und das Künstliche bzw. ''physis'' und ''techné'' gegenübergestellt.


,[https://de.wikipedia.org/wiki/Elsass Elsass]
Eine weitere häufig anzutreffende Gegensatzbildung ist die von „Natur“ und „Übernatur“, die typisch für das christliche [[Mittelalter]] ist (u.&nbsp;a. bei [[Bonaventura]]): Natur galt als durch Gottes Eingreifen auch immer wieder von außen veränderbar.
Während beispielsweise die neuzeitliche Naturphilosophie auf Objekte und Methodik naturwissenschaftlicher, empirischer Erkenntnismöglichkeiten verpflichtet ist, galt dies nach einer klassischen Unterscheidung für die [[Metaphysik#Systematik und Methodik|spezielle Metaphysik]] nicht. Diese diskutiert vielmehr Thematiken wie [[Seele]], [[Emanation (Philosophie)|Emanation]], [[Gott]]heit und Göttliches. Unterschiedliche Klassiker ziehen diese Grenze aber unterschiedlich streng. [[Aristoteles]] beispielsweise unterscheidet als zwei Werke, Disziplinen und Gegenstandsbereiche die „Physik“ und die „[[Metaphysik]]“, behandelt nach heutiger Wissenschaftssystematik aber in der „Physik“ auch Themen der [[Ontologie]] und in der „Metaphysik“ auch naturwissenschaftliche Themen – etwa solche der [[Kosmologie]].


)
Im griechischen Denken gab es keine strikte Trennung zwischen „Natur“ und [[Übernatürlich]]keit. Vielmehr hat jede Naturbeschaffenheit zureichende, metaphysische Gründe, zu denen sie in einer Abhängigkeitsbeziehung steht und aus denen ihr natürliches Entstehen und Werden, ihre Prozesse und vielfältigen Vorkommen erklärt werden ''müssen''. Das sind allem voran – wenn auch in völlig unterschiedlichen Akzentuierungen – die ›Vorbild-Abbild‹-Beziehung in [[Platon]]s Naturbegriff des [[Timaios]], und die ›Materie-Form‹-Gegensätzlichkeit in den ersten Büchern der [[Physik (Aristoteles)|Physik]]-Vorlesung von Aristoteles.<ref>Siehe G. Schiemann (1996), ''Was ist Natur?''. Darin: ''Einleitung: Traditionslinien der Naturphilosophie'' (hier in der ''Literatur'', S.&nbsp;17&nbsp;u.&nbsp;19).</ref> Bei den Atomisten unter den antiken Griechen ([[Leukipp]], [[Demokrit]], [[Epikur]]) fällt Übernatürliches mit der „materiellen Natur“ zusammen, finalistische Ursachen und Zwecke werden angezweifelt.<ref>Siehe [[Bertrand Russell|B. Russell]], ''Philosophie des Abendlandes''. (Übers. des Originals ''History of Western Philosophy'' von 1945): S.&nbsp;73&nbsp;f. (Koch) Berlin, Darmstadt (1950).</ref>


[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Conches Wilhelm von Conches] entwickelte eine Theorie der Elemente, die an der Atomtheorie [https://de.wikipedia.org/wiki/Demokrit Demokrits] orientiert war. [https://de.wikipedia.org/wiki/David_von_Dinant David von Dinant] († nach 1215) entwickelte als erster ein eigenes naturphilosophisches System in Form eines pantheistischen Materialismus, wonach die „Substanz“ mit Gott identisch und als Ursprung aller Körper „Materie“, als Ursprung aller Seelen „Geist“ heißt. Jedoch entwickelte sich im 12. Jahrhundert mit einer neuen Auslegung des christlichen Platonismus – ausgehend von der Bischofsschule von [https://de.wikipedia.org/wiki/Chartres Chartres] – eine Lichtmetaphysik mit mystischen Zügen, die zu einer Hierarchisierung der Materie führte. Insofern diese auf Farbe und Licht zurückgeführt wurde, stand der intransparente Stein auf der untersten Stufe, gefolgt von den unedlen und edlen (glänzenden) Metallen; das transparente Glas stand darüber, während das reine Licht die höchste Stufe verkörperte. Dieses Programm der Entstofflichung der Materie fand seinen ästhetischen Niederschlag in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gotik gotischen Baukunst] und wurde in der leuchtkräftigten Goldgrundmalerei fortgesetzt.<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-14 [14]]</sup>
=== „Naturphilosophie“ bzw. „Philosophie der Natur“ ===
Der deutsche Ausdruck „Philosophie der Natur“ kommt erst im 18. Jahrhundert auf und ist eine Übersetzung von dem seit der Antike gebrauchten lateinischen Ausdruck ''philosophia naturalis'', der traditionell für die Lehre von den sinnlich wahrnehmbaren Dingen gebraucht wurde.<ref>Michael Heidelberger, Gregor Schiemann: ''Naturphilosophie.'' In: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie.'' Meiner, Hamburg 2000, S. 1129.</ref> Er wird im Deutschen einerseits sehr weit verwendet, so dass er beispielsweise anthropologische und [[Phänomenologie|phänomenologische]] Spekulationen zum Verhältnis von Mensch und Natur überhaupt mit umfasst, andererseits wird mehr und mehr eine enge Verwendung üblich, wie sie sich im englischsprachigen Raum schon lange etabliert hat. Demnach bezeichnet „Philosophie der Natur“ den Teilbereich der theoretischen Philosophie, welcher sich mit der Struktur der Natur inklusive der Interpretation unserer besten wissenschaftlichen Theorien darüber befasst. In beiden Verwendungsweisen ist oft ein Unterschied zur Verwendung des Ausdrucks „[[Wissenschaftstheorie]]“ üblich. „Wissenschaftstheorie“ bezieht sich dann auf allgemeinere erkenntnistheoretische (epistemologische), methodologische und spezifische Fragen zu Struktur und Wesen wissenschaftlicher Erkenntnis überhaupt. Da im Englischen „''science''“ oft im engen Sinne von rein naturwissenschaftlicher Forschung verstanden wird und andere Wissenschaften beispielsweise als „''humanities''“ bezeichnet werden, kann „Wissenschaftstheorie“ aber so verwendet werden, dass Themen der Philosophie der Natur mit umfasst werden.


<br><p>Ein für die Entwicklung der Naturphilosophie wichtiger Streitpunkt der Zeit war die Frage nach dem Zusammenspiel von Herz, Leber und Gehirn im menschlichen Körper. David von Dinant gelangt zu einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Physiologie physiologischen] Theorie des Traums, wobei er an Aristoteles Lehre von der überragenden Funktion des Herzens<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-15 [15]]</sup> im Körper anknüpft. Trotz eines Verdikts auf der Synode von Paris 1210, durch das auch die Philosophie Davids ebenso wie die gerade erst übersetzte Naturphilosophie des Aristoteles aus dem Unterricht verbannt wurde, kam es einige Jahrzehnte später unter dem Einfluss der Schriften des [https://de.wikipedia.org/wiki/Averroes Averroes] zu einer Anerkennung des Primats der Naturphilosophie. [https://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Bacon Roger Bacon] kommentierte als einer der ersten die ''libri naturales'' des Aristoteles und fordert, dass Schlussfolgerungen der Naturphilosophie experimentell überprüft werden sollen. Unabhängig davon trat [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Grosseteste Robert Grosseteste] für eine enge Verbindung mathematischer und naturphilosophischer Betrachtung ein. Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Albertus_Magnus Albertus Magnus] war die Naturphilosophie, die von den natürlichen beweglichen Körpern handelt, neben Metaphysik und Mathematik eine von drei wichtigen Teilen der Realphilosophie. In der Naturphilosophie versuchte er, die unsystematisch überlieferten Schriften des Aristoteles in eine Ordnung zu bringen. Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin] sind Naturphilosophie und Naturwissenschaft [https://de.wikipedia.org/wiki/Synonym Synonyme]; deren Gegenstand bildet das bewegliche Seiende, nicht der bewegliche Körper wie bei Albertus.<sup id="cite_ref-16" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-16 [16]]</sup></p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Ockham Wilhelm von Ockham] reduziert die physische Realität auf Individualdinge, Substanzen und Qualitäten. Quantität, Bewegung, Raum und Zeit besitzen für ihn aber keine beobachtbaren physikalischen Referenzobjekte; er verliert sich daher in sophistischen Kalkulationen, ohne ein wirkliches Verständnis der Natur zu erlangen. [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Buridan Johannes Buridan] entwickelt eine antiaristotelische Impetustheorie, die bahnbrechend auch für das Verständnis der Bewegung der Himmelskörper wurde, insofern sie die Annahme eines intelligenten Bewegers verwirft. Die Einsicht von [https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Cusanus Nikolaus Cusanus], dass das Universum keine auffindbaren Grenzen besitze, auch wenn es nicht unendlich sei, dynamisiert das gesamt Weltbild und führt zur Verwerfung der Annahme von der Erde als einem stabilen Zentrum des Universums. In einem solchen Universum gibt es kein ruhendes Bezugssystem, also auch keine absolute Bewegung. Zugleich beschreibt er eine erfahrungswissenschaftliche Methodik, die andeutet, dass die exakte Naturwissenschaft an die Stelle der Naturphilosophie treten wird.<sup id="cite_ref-17" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-17 [17]]</sup></p><p>Vor allem [https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Autrecourt Nikolaus von Autrecourt] versucht verschiedene Aspekte der Naturphilosophie des Aristoteles zu widerlegen. Er kritisiert den Gedanken des Werdens und Vergehens der Materie und postuliert ihre Unzerstörbarkeit; er behauptet die Existenz des Vakuums und sieht das Licht als einen Teilchenstrom an.<sup id="cite_ref-18" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-18 [18]]</sup></p>
== Historische Entwicklung ==
=== <span id="Jüdische_Naturphilosophie">Jüdische Naturphilosophie</span> ===
=== Antike ===
<p>Die jüdische Naturanschauung, die stets an die Theologie gebunden blieb, war durchdrungen von der Erwartung des bevorstehenden Weltendes. So kritisierte sie einerseits die „griechische Weisheit“, die bloße Vernunft, die schon im [https://de.wikipedia.org/wiki/Talmud Talmud] verflucht und der jüdischen Offenbarung gegenübergestellt wird – ein Konflikt, der bis ins 18. Jahrhundert virulent blieb.<sup id="cite_ref-19" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-19 [19]]</sup> Andererseits rezipierte sie frühzeitig die hellenistische Philosophie und später auch die Werke des Aristoteles.<sup id="cite_ref-20" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-20 [20]]</sup></p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Philon_von_Alexandria Philon von Alexandria], ein Vertreter der [https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandrinische_Schule Philosophenschule von Alexandria] und Vermittler zwischen griechischer und jüdischer Philosophie, vertrat die Lehre von der völligen Trennung von geistiger Welt (''kosmos noêtos'') und sinnlich wahrnehmbarer Welt (''kosmos aisthetos''). Gott sei durch die Menschen in der sichtbaren Welt nicht erkennbar. Das Geistige werde allein durch das Licht repräsentiert. Jedoch sind für die jüdische Theologie und Philosophie Gott und (der heilige) Raum eng verbunden, was sich aus der göttlichen Allgegenwart ([https://de.wikipedia.org/wiki/Schechina Schechina]) ergibt: Gott ist der Ort des Universums, er ist in der gesamten Natur unmittelbar präsent – ein Gedanke, der auch die Alexandrinische Philosophie prägte. Schließlich wird der Raum auch mit dem Licht gleichgesetzt. Das Licht ist in der Sprache der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kabbala Kabbala] das Allerheiligste: Das unendliche heilige Eine, dessen Licht das ganze Universum erfüllte, zog sich auf sich zurück und schuf dadurch den leeren Raum. Deutsche [https://de.wikipedia.org/wiki/Mystik Mystiker] wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Paracelsus Paracelsus], aber auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Tommaso_Campanella Tommaso Campanellas] Theorie der fünf Welten wurde von dieser Denkweise wesentlich beeinflusst.<sup id="cite_ref-21" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-21 [21]]</sup></p>
Die Anfänge der Naturphilosophie liegen in der griechischen Antike. Die [[Vorsokratiker]] suchten nach allgemeinen, konstanten Konstitutions- und Erklärungsprinzipien der Erscheinungswelt. Dabei wurden meist ein oder mehrere einheitliche materielle [[Prinzip]]ien angenommen, die einen gemeinsamen Ursprung (''[[arché]]'') bilden. [[Thales von Milet]] führte dazu das Wasser an, [[Anaximenes]] die Luft, [[Empedokles]] [[Vier-Elemente-Lehre|vier Elemente]]. [[Leukipp]]os und [[Demokrit]] postulierten kleinste Teilchen: [[Atom]]e. [[Anaximander]] sprach von einem [[Apeiron]] (das Unbestimmte), was eventuell mit Feuer oder Äther in Verbindung zu bringen ist. Insbesondere versuchten die Vorsokratiker die Ursachen der Bewegung der Himmelskörper zu bestimmen, was zur Entwicklung der [[Astronomie im antiken Griechenland]] führte. Auch [[Xenophanes]], [[Heraklit]] und [[Anaxagoras]] gehörten zu den führenden Philosophen in der antiken, etwa die Zeit von 600 bis 450 v. Chr.<ref>[[Paul Diepgen]], [[Heinz Goerke]]: ''[[Ludwig Aschoff|Aschoff]]/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin.'' 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 6–7.</ref> umfassenden Periode der Naturphilosophie.
=== <span id="Frühe_Neuzeit">Frühe Neuzeit</span> ===
<p>Auch bei grundsätzlich empiristischer Ausrichtung kam es in der frühen Neuzeit immer wieder zum Rückgriff auf ältere Theoreme und zur Kritik am Vorrang des Bewegungsbegriffs der aristotelisch geprägten Naturphilosophie. [https://de.wikipedia.org/wiki/Bernardino_Telesio Bernardino Telesio] versuchte, die aristotelische Philosophie der Materie und Form durch eine dynamische Theorie antithetischer Kräfte zu ersetzen. Diese Kräfte identifizierte er in seinem Hauptwerk „De natura rerum natura juxta propria principia“ (1565) mit Wärme, die vom Himmel kommt, und Kälte, die von der Erde herrührt. Seine Lichtphilosophie wird zu einem Vorläufer der Aufklärung.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Giordano_Bruno Giordano Bruno] bestritt die Autorität der Bibel in allen naturphilosophischen Fragen und öffnete das Feld für die astronomische Forschung.<sup id="cite_ref-22" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-22 [22]]</sup> Mit dem Aufstieg Englands und Hollands zu Handelsgroßmächten rückte der Fokus des Philosophierens endgültig von der Betrachtung der Harmonie der Welt zum praktischen Aufbau neuer Welten. Der in dieser Zeit führende englische Philosoph [https://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Bacon Francis Bacon] entwickelte einen Begriff von Naturphilosophie, der sowohl theoretisch-spekulative Elemente als auch praktisch-technische Aspekte umfasste. Der spekulative Teil der Naturphilosophie wird weiterhin mit Hilfe aristotelischer Kriterien untersucht, die experimentell verfahrende Naturphilosophie versucht, aus dem Experiment Kausalursachen zu identifizieren und mit Hilfe kausaler Erklärungen neue Experimente zu deren Überprüfung zu generieren. Dabei steht die Nutzanwendung der Naturphilosophie im Vordergrund. Im Kapitel XI seines Buches ''The Wisdom of the Ancients'', das den Titel ''Orpheus, or Philosophy. Explained of Natural and Moral Philosophy'' trägt, entwirft er einen neuen Orpheus-Mythos, in dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Orpheus Orpheus] als Metapher für eine Philosophie steht, die sich – von ihren traditionellen Aufgaben überfordert – den menschlichen Werken zuwendet, den Menschen die Tugend lehrt und sie anleitet, Häuser zu bauen und ihre Felder zu bestellen.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hobbes Thomas Hobbes] verwirft die spekulativ-metaphysischen Grundlagen der Naturphilosophie vollständig. Stattdessen solle sie sich auf die mathematischen Voraussetzungen konzentrieren. Ihren Niederschlag finden diese Tendenzen im Programm der [https://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Society Royal Society].</p><p>Doch blieb die Naturphilosophie bis zur Zeit Newtons insgesamt dadurch gekennzeichnet, dass sie über die Erklärung der Natur hinausgehenden höheren Zielen dienen sollte: ihr Wert lag dem schottischen Mathematiker [https://de.wikipedia.org/wiki/Colin_Maclaurin Colin Maclaurin] zufolge (1748) darin, dass sie „eine sichere Grundlage einer natürlichen Religion und einer Moralphilosophie legt. Und dass sie uns […] zur Erkenntnis des Schöpfers und Lenkers des Universums leitet“.<sup id="cite_ref-23" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-23 [23]]</sup> Noch [https://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_Newton Isaac Newton] rehabilitierte das theologische Interesse an den Forschungsergebnissen und suchte nach einer nicht rein mechanischen „Ersten Ursache“, wogegen sich zuerst [https://de.wikipedia.org/wiki/George_Berkeley George Berkeley] wandte. [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Hume David Hume], [https://de.wikipedia.org/wiki/Giambattista_Vico Giambattista Vico] und andere bestritten – von verschiedenen Positionen ausgehend – den Wert einer Beweisführung auf geometrische Art, wie sie [https://de.wikipedia.org/wiki/Descartes Descartes] als ideale Methode postuliert und für das Zeitalter des Barock zum Leit[https://de.wikipedia.org/wiki/Paradigma paradigma] wurde: Sie sei zum Verständnis einer nicht von Menschen geschaffenen und daher von ihnen nicht verstehbaren Welt ungeeignet.<sup id="cite_ref-24" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-24 [24]]</sup></p>
=== <span id="Aufklärung,_Klassik_und_Romantik">Aufklärung, Klassik und Romantik</span> ===
<p>Die Naturphilosophie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung Aufklärung] wurde einerseits wesentlich durch die Erforschung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrizit%C3%A4t Elektrizität] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Licht Lichts] sowie durch neue medizinische Erkenntnisse stimuliert (siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung#Medizin_und_Naturphilosophie Aufklärung und Naturphilosophie]), andererseits durch die Weiterentwicklung des erkenntniskritischen Apparats. Dieser entwickelte sich vor dem Hintergrund des schwindenden Vertrauens in die Vorstellung, dass Gott dem Menschen von Geburt an die Ideen eingepflanzt habe, die mit der Natur korrespondieren und ihn so zur Naturerkenntnis befähigen. Wenn dies nicht der Fall war, musste erklärt werden, wie die Umwelt in den Kopf der Menschen gelangte.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Kant Kant] macht die Philosophie zur Kontrollinstanz der Gewinnung von Erkenntnissen über die Natur. Er untersucht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft Kritik der reinen Vernunft] die grundsätzlichen Entwürfe des Subjekts, die eine Naturerscheinung als Objekt möglicher Erkenntnis ausweisen. Gestützt auf seine Kenntnis des Newtonschen Systems, der Einwände Humes gegen die Möglichkeit, aus vergangenheitsbezogenen Beobachtungen naturwissenschaftliche Gesetze abzuleiten und in Abgrenzung zu rationalistischen Theorien wie der von [https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Wolff_(Aufkl%C3%A4rer) Christian Wolff] schließt er, dass die Newtonsche Mechanik, die präzise Voraussagen der Himmelsbewegungen erlaubte, weder mathematisch-mechanisch herzuleiten noch allein durch empirische Untersuchungen bestätigt werden konnte. Er scheidet eine Reihe von Theorien als a priori unzulänglich beziehungsweise ungeeignet aus und gelangt zu der Notwendigkeit synthetischer a-priori-Urteile als Voraussetzung der Naturforschung. Diese – so [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Stegm%C3%BCller Wolfgang Stegmüller] – könnte man heute als „methodologische Prinzipien“ deuten, die aber ebenfalls nicht empirisch begründet wären, sondern apriorisch festgesetzt werden müssten.<sup id="cite_ref-25" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-25 [25]]</sup></p><p>In Kants Metaphysik der Natur (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysische_Anfangsgr%C3%BCnde_der_Naturwissenschaft Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft]'') wird die Objektivität der Naturgegenstände hingegen vorausgesetzt. Darin werden vier Perspektiven auf den [https://de.wikipedia.org/wiki/Materie Materiebegriff]entworfen: die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kinematik Phoronomie] (die Lehre von der mathematischen Konstruktion von Gesamtbewegungen aus Teilbewegungen), die Dynamik (die Lehre von der begrenzten Teilbarkeit und Elastizität der Materie, den auf sie wirkenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Attraktion Attraktions]- und [https://de.wikipedia.org/wiki/Repulsion Repulsionskräften] und ihrer dadurch bedingten Dichte), die Mechanik (die Lehre von der Relativität der Bewegung) und die Phänomenologie (die Lehre von der Materie als Erfahrungsgegenstand). Mit dieser dynamischen Theorie der Materie löst sich Kant vom mechanistisch-mathematischen Modell der Erklärung ihrer Bewegung durch äußere Kräfte, wie es im Barockzeitalter dominierte: Attraktion und Repulsion sind der Materie ursprünglich innewohnende Kräfte;<sup id="cite_ref-26" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-26 [26]]</sup> was bereits [https://de.wikipedia.org/wiki/Rugjer_Josip_Bo%C5%A1kovi%C4%87 Rugjer Josip Bošković] auf der Grundlage einer mathematisch weiterentwickelten [https://de.wikipedia.org/wiki/Monadologie Monadologie] postuliert hatte. Kant wandte sich jedoch gegen den Versuch [https://de.wikipedia.org/wiki/Spinoza Spinozas], aus der Natur „ein verständiges Wesen zu machen“.<sup id="cite_ref-27" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-27 [27]]</sup> Lebendige Gebilde sind nach Kant nur so zu verstehen, „als ob“ sie sich zweckmäßig verhielten; sie alle sich selbst organisierenden Wesen verkörpern einen „[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Naturzweck&action=edit&redlink=1 Naturzweck]“.<sup id="cite_ref-28" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-28 [28]]</sup></p><p>Im Zeitalter des [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassizismus Klassizismus] (um 1770–1830) und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Romantik Romantik] wird – oftmals aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Baruch_de_Spinoza spinozistischer] Perspektive – eine spekulative Einheit von Natur und [https://de.wikipedia.org/wiki/Geist Geist] entworfen. Diese Tendenz kennzeichnet die Naturphilosophie u.&nbsp;a. – in unterschiedlicher jeweiliger Ausrichtung – von [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wolfgang_von_Goethe Goethe], [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling Schelling] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel Hegel]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling#Naturphilosophie Schellings Naturphilosophie] stellt den Versuch dar, die Kantische Position zu überwinden, die vom Standpunkt der Identität von Vernunft und Natur als ''reflexionsphilosophisch'' bezeichnet wird. Er erhebt den Anspruch, eine im substantiellen Gesetztsein des Lebendigen gründende „positive“ Philosophie zu entwickeln, die im Gegensatz zu einer rein „negativen“, im [https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff_(Philosophie) Begriff] verharrenden, [https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentalphilosophie Transzendentalphilosophie] Seinsaussagen über die Naturerscheinungen macht. Die Naturphilosophie hat für ihn den Stand einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundlagenwissenschaft Fundamentallehre]. Leitendes Motiv ist die Entstehung des Ganzen einer Naturerscheinung aus dem Kampf polarer Gegensätze. So ist der Magnet die Einheit des Kraftfeldes, welches aus der Polarität der entgegengesetzten magnetischen Pole resultiert. Dieser Gedanke wurde von dem Physiker [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Christian_%C3%98rsted Ørsted], einem Schüler Schellings, zur Akzeptanz gebracht und technisch verfügbar gemacht.<sup id="cite_ref-29" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-29 [29]]</sup></p><p>Auch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Hegel Hegels] Werk nimmt die Naturphilosophie eine bedeutende Stellung ein. Wie Schelling, dessen Naturphilosophie am Anfang des 19. Jahrhunderts eine neue Epoche einleitete, wollte er das reflexionsphilosophische Denken überwinden. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel#Naturphilosophie Hegelsche Naturphilosophie] bildet den mittleren Teil seines enzyklopädischen Systems, dessen erster Teil die Logik oder Kategorienlehre und dessen dritter Teil die [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Geistes Philosophie des Geistes] ausmacht. Aufgabe der Naturphilosophie ist nach Hegel die „begreifende Betrachtung“ der Natur,<sup id="cite_ref-30" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-30 [30]]</sup> wozu auch die Analyse der Grundkategorien der Naturwissenschaften (Raum, Zeit, Bewegung, Beschleunigung, Gravitation in Anlehnung an Galilei und Newton, ferner Licht, Leben usw.) gehöre, und zwar „nach der Selbstbestimmung des Begriffs“, also als Begriffe im absoluten Sinn, nicht als empirische Beschreibungen. Hegels Kritiker sehen dies als methodische Schwäche seiner Ausarbeitung an.<sup id="cite_ref-31" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-31 [31]]</sup> Weiterhin bestimmt er die Natur als die „Idee in der Form des ''Andersseins''“. Der Zusammenhang der nebeneinander und nacheinander vorkommenden natürlichen Ereignisse wird durch „[https://de.wikipedia.org/wiki/Notwendigkeit Notwendigkeit] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Zufall Zufälligkeit]“ bestimmt. Während dem Geist absolute Notwendigkeit eignet, überlässt die Natur die Ausführung des Besonderen äußerer Bestimmbarkeit. Keines des Produkte der Natur kann daher seinem eigenen Begriff vollkommen adäquat sein.<sup id="cite_ref-32" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-32 [32]]</sup> Hegel entwickelt die dynamische Theorie der Materie bei Kant und Schelling mit ihrer Annahme einer polaren Spannung bei Kant und Schelling weiter zu einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik dialektischen] Theorie der sich auseinander entwickelnden Naturgestalten und versucht damit ein Fundament für die positiven Wissenschaften zu legen. Auf einer höheren Stufe als derjenigen der Gestaltbildung der Körper sei die Kontraktion als „Schwere“, die Expansion als „Licht“ anzunehmen. Das Licht als selbstständiges Wesen erfordere eine besondere Wissenschaft, die der Optik, das Wesen des Klangs die Akustik. Weitere Themen sind Wärme, Elektrizität und der chemische Prozess. In der Individualität des tierischen Organismus tritt die Subjektivität hervor, die in der Koordination der Glieder im Rahmen eines Ganzen deutlich wird.<sup id="cite_ref-33" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-33 [33]]</sup></p><p>Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottlieb_Fichte Fichte] galt die Natur als kein ''eigentlicher'' Gegenstand der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie], sondern als Gegenstand menschlicher Erkenntnis und menschlicher Projekte. Insofern kann man seine ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Grundlage_der_gesamten_Wissenschaftslehre Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre]'' allenfalls als Vorläufer eine Philosophie der (Natur-)Wissenschaften bezeichnen.<sup id="cite_ref-34" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-34 [34]]</sup></p><p>Die Romantik ist in ihren Naturbegriffen durch drei Tendenzen gekennzeichnet: zum einen eine Auslagerung der Naturbetrachtung in den Bereich der [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84sthetik Ästhetik], zum anderen eine vor-materialistische Aufhebung der Natur im Konzept der [https://de.wikipedia.org/wiki/Produktivit%C3%A4t Produktivität] (vgl. Schellings Ausprägung des Konzeptes einer ''natura naturans'',<sup id="cite_ref-35" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-35 [35]]</sup> das von Averroes bzw. Michael Scotus geprägt worden ist<sup id="cite_ref-36" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-36 [36]]</sup>); schließlich durch eine Reaktion gegen das sich durchsetzende wissenschaftstheoretische Programm der neuzeitlichen Naturwissenschaft. Nicht entlang der vom Verstand gesetzten Regeln sollen die Naturtatsachen konstruiert werden, sondern vom Standpunkt der ungezwungenen Erfahrung und produktiven Einbildungskraft sollen sie ganzheitlich erfasst werden, so der Physiologe [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_M%C3%BCller_(Mediziner) Johannes Müller]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt Alexander von Humboldt] orientiert sich an der Idee des Kosmos als Leitfaden der Naturbeschreibung: die Einzelheiten sind nur im Rahmen einer Totalität interpretierbar. Auch die Entdeckung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Energieerhaltungssatz Energieerhaltungssatzes] durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Mayer Robert Mayer] in den 1840er Jahren basiert auf seiner Annahme, dass mechanische Energie und Wärme auf ein gemeinsames Kraftprinzip zurückzuführen seien, dass quantitativ unzerstörbar, aber qualitativ wandelbar sei.<sup id="cite_ref-37" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-37 [37]]</sup> Gleichzeitig gewannen [https://de.wikipedia.org/wiki/Esoterik esoterische] Ideen selbst unter naturwissenschaftlich Gebildeten an Bedeutung. So war [https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Baader Franz von Baader], Bergbauingenieur, Industriepionier und Naturphilosoph ein wichtiger Vertreter der [https://de.wikipedia.org/wiki/Theosophie Theosophie].</p><p>Ein Vorläufer der modernen Phänomenologie und analytischen Philosophie war der [https://de.wikipedia.org/wiki/Prag Prager] Mathematiker, Philosoph und Priester [https://de.wikipedia.org/wiki/Bernard_Bolzano Bernard Bolzano] mit seiner vierbändigen Wissenschaftslehre. In seinem umfangreichen Werk bearbeitete er auch Fragen der Logik, Ästhetik und Ethik.</p>
=== <span id="Ab_Mitte_des_19._Jahrhunderts">Ab Mitte des 19. Jahrhunderts</span> ===
<p>Anders als im Deutschen [https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus Idealismus] erschien im aufkommenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus Materialismus] mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx Karl Marx] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Engels Friedrich Engels] eine Naturphilosophie als verzichtbar. Sie interessierten sich vor allem für die Prozesse, durch die sich der Mensch aus seinem natürlichen Umfeld heraushebt: durch die Produktion seiner Lebensmittel.<sup id="cite_ref-38" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-38 [38]]</sup> Aufgrund des „Imperialismus der mächtigen Naturwissenschaften“ kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend zu einer Verachtung der Philosophen. Diese ergriff auch die Wissenschaften, die die menschliche Natur untersuchten wie die Psychologie und nötigte sie zu einem Bruch mit der spiritualistischen Philosophie, um ihre wissenschaftliche Reputation zu retten.<sup id="cite_ref-39" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-39 [39]]</sup> Die Natur wurde nun zunehmend in physikalischen, chemischen und thermodynamischen Kategorien begriffen. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurde auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturgeschichte naturgeschichtliche] Komponente der Naturphilosophie in die [https://de.wikipedia.org/wiki/Evolutionstheorie Evolutionstheorie] integriert.</p><p>Gegen den Materialismus, zugleich aber auch gegen die Hegelschule und die religiösen Weltdeutungen wandten sich die Vertreter des [https://de.wikipedia.org/wiki/Neukantianismus Neukantianismus] um 1860. Zu nennen ist hier neben Helmholtz [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Albert_Lange Friedrich Albert Lange]. Der Neukantianismus entschärfte den Kampf der Weltanschauungen und brach mit der idealistischen Philosophie, indem er das Reich des Geistes von der Welt der Naturwissenschaft getrennt darstellt.</p>
=== <span id="20._und_21._Jahrhundert">20. und 21. Jahrhundert</span> ===
<p>Im Zuge der Entstehung neureligiöser und mystischer Strömungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts – ein Reflex auf die sinkende Bindungskraft positiver Religion bei anhaltenden religiösen Bedürfnissen – verbreitete sich der [https://de.wikipedia.org/wiki/Monismus Monismus] in Form eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Pantheismus pantheistischen] Naturglaubens als Gegenposition zum starren Materialismus und Darwinismus und führte zu einer Renaissance der Naturphilosophie. Davon zeugen die zahlreichen Schelling-Studien,<sup id="cite_ref-40" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-40 [40]]</sup> ein neu erwachendes Interesse für Spinoza und Goethes Naturphilosophie sowie die Rezeption der [https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensphilosophie Lebensphilosophie]. Doch verband sich die Wiederbelebung des Gedankens des [https://de.wikipedia.org/wiki/Parmenides Parmenides] von der Einheit von Sein und Denken oder der Idee eines beseelten Weltalls von [https://de.wikipedia.org/wiki/Giordano_Bruno Giordano Bruno] meist mit einer Frontstellung gegen die moderne Naturwissenschaft.</p><p>Mit der Technisierung und Modernisierung der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft traten nach dem Ersten Weltkrieg international wieder pragmatische Aspekte der Beherrschung der Natur und die Frage nach einer sicheren Begründung der Methodik der Naturwissenschaften in den Vordergrund, auch wenn aus politischen Gründen in Deutschland nach 1933 vehement am Lebensbegriff festgehalten und dieser ideologisch mit dem Rassebegriff verknüpft wurde.</p><p>Im internationalen Maßstab wurde die Naturphilosophie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftstheorie Wissenschaftstheorie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftsphilosophie Wissenschaftsphilosophie] geprägt. Dazu gehören die [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Biologie Biophilosophie],<sup id="cite_ref-41" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-41 [41]]</sup> die [https://de.wikipedia.org/wiki/Umweltethik Umweltethik],<sup id="cite_ref-42" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-42 [42]]</sup> die [https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution%C3%A4re_Erkenntnistheorie Evolutionäre Erkenntnistheorie],<sup id="cite_ref-43" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-43 [43]]</sup> die davon ausgeht, dass die apriorischen Voraussetzungen der Erkenntnis der Realität sich im Verlauf evolutionärer Anpassungsprozesse entwickelt haben, also ein Teil der Naturgeschichte sind, aber auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Technikphilosophie Technikphilosophie].<sup id="cite_ref-44" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-44 [44]]</sup></p><p>Im Bereich der [https://de.wikipedia.org/wiki/Analytische_Philosophie analytisch geprägten] Philosophie beziehen sich aktuelle Lehrbücher und Einzeldebattenstränge auf Teilthemen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Physik Philosophie der Physik] als Grundlagenwissenschaft der Naturwissenschaften und auf die Rekonstruktionen und Interpretationen weiterer naturwissenschaftlicher Disziplinen wie etwa innerhalb der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Biologie Philosophie der Biologie].</p><p>Die gesellschaftliche Relevanz des Naturbegriffs trat in solchen Prägungen eher in den Hintergrund. Ein disziplinärer Hort der Naturphilosophie, die sich auch mit lebenspraktischen Ontologien beschäftigt, ist weiterhin die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie Phänomenologie].<sup id="cite_ref-45" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-45 [45]]</sup></p><p>Zu den deutschen Naturphilosophen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehören [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Meyer-Abich Adolf Meyer-Abich], [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Picht Georg Picht], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Jonas Hans Jonas], [https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Friedrich_von_Weizs%C3%A4cker Carl Friedrich von Weizsäcker], [https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Michael_Meyer-Abich Klaus Michael Meyer-Abich], [https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_Sch%C3%A4fer Lothar Schäfer],<sup id="cite_ref-46" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-46 [46]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Gernot_B%C3%B6hme Gernot Böhme]<sup id="cite_ref-47" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-47 [47]]</sup> und [https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Drieschner Michael Drieschner].<sup id="cite_ref-48" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-48 [48]]</sup> Auch im Nachlass von [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Feyerabend Paul Feyerabend] fand man ein unabgeschlossenes [https://de.wikipedia.org/wiki/Manuskript Manuskript] mit dem Titel ''Naturphilosophie''.</p><p>In neuerer Zeit wenden sich verschiedene Autoren wieder wie schon einmal vor 100 Jahren der Naturphilosophie Schellings zu.<sup id="cite_ref-49" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-49 [49]]</sup> Deren Aktualität wird nun aber darin gesehen, das die ''natura naturans'' und ihr Ausdruck in der ''natura naturata'' als Vorahnung moderner Konzepte der Selbstorganisation gedeutet werden können.<sup id="cite_ref-50" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-50 [50]]</sup> Mit Schelling, der als erster verstanden habe, dass Natur nur als sich entwickelnde Natur zu verstehen ist, fragt etwa [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Iain_Hamilton_Grant&action=edit&redlink=1 Iain Hamilton Grant] danach, wie die Vernunft in die Natur gekommen sei.<sup id="cite_ref-51" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-51 [51]]</sup> Für ihn ist die Naturwissenschaft eine produktive Kunst, eine Form des noch nicht Gewussten, die selbst das Produkt der Naturkräfte ist, die sie analysiert.<sup id="cite_ref-52" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-52 [52]]</sup> Grant kann als Begründer eines antiszientistisch-metaphysischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Neovitalismus Neovitalismus] gelten, indem er wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Gilles_Deleuze Gilles Deleuze] die Metaphysik des Werdens in der Natur selbst verortet.<sup id="cite_ref-53" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturphilosophie#cite_note-53 [53]]</sup> Er versteht diese nicht als Ansammlung von physikalischen Partikeln, sondern als indeterminiertes Kräftepotenzial, als Ausdruck eines elementaren Prozesses des Werdens, ohne wie Kant danach zu fragen, welchem Zweck die Abweichungen von der Rigidität der mechanischen Prozesse dienen.</p>
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Physik Geschichte der Physik]
Viele griechische Philosophen, zuvorderst Aristoteles, schrieben eine Abhandlung mit dem Titel ''Über die Natur'' (''perì phýseōs''). Aufgabe der Naturphilosophie ist nach Aristoteles die Betrachtung der sinnlich wahrnehmbaren Substanzen, insofern sie bewegt und begrifflich erfassbar sind. Aus dieser Tradition entwickelte sich der Begriff [[Physik]] (enthalten auch in Werktitel wie ''Physica'') als Inbegriff der späteren Naturwissenschaften, wenngleich die antiken Denker einen weiten Naturbegriff hatten. [[Zenon von Kition]] grenzt einen auf die Natur bezogenen Teil der Philosophie von Logik und Ethik ab. Diese Einteilung lässt sich über [[Cicero]] bis hin zu [[Augustin]] und [[Isidor von Sevilla]] nachweisen.<ref>''Naturphilosophie.'' In: ''Historisches Wörterbuch der Philosophie.'' Band 6, Basel 1984, Sp. 535–560, hier: Sp. 535.</ref>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturalismus_(Philosophie) Naturalismus (Philosophie)]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturgeschichte Naturgeschichte]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturtheorie Naturtheorie]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Pantheismus Pantheismus]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftsgeschichte Wissenschaftsgeschichte]


== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
Gegenstandsbereiche antiker Naturphilosophie waren u. a. Themen der [[Mathematik]], [[Astronomie]] und [[Astrologie]], [[Kosmologie]], [[Physik]], [[Geographie]], [[Psychologie]], [[Medizin]], [[Botanik]] und [[Zoologie]].
<p>'''Historische Darstellungen'''</p>
*James T. Cushing: ''Philosophical Concepts in Physics.'' Cambridge University Press, Cambridge 1998, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0521570719 ISBN 0-521-57071-9].
*Silvia Donati, [https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Speer Andreas Speer]: ''Physik und Naturphilosophie.'' In: ''Lexikon des Mittelalters.'' Band 6, J. B. Metzler, 2000, S. 2111–2117.
*Thomas Kirchhoff, [https://de.wikipedia.org/wiki/Nicole_C._Karafyllis Nicole C. Karafyllis], Dirk Evers, [https://de.wikipedia.org/wiki/Brigitte_Falkenburg Brigitte Falkenburg], Myriam Gerhard, [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerald_Hartung Gerald Hartung], Jürgen Hübner, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kristian_K%C3%B6chy Kristian Köchy], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Krohs Ulrich Krohs], Otto Schäfer, [https://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_Schiemann Gregor Schiemann], [https://de.wikipedia.org/wiki/Magnus_Schlette Magnus Schlette], Reinhard Schulz, Frank Vogelsang (Hrsg.): ''Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. 2., aktualisierte und durchgesehene Auflage''. UTB / Mohr-Siebeck, Tübingen 2020, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783825253820 ISBN 978-3-8252-5382-0].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Meixner Uwe Meixner] (Hrsg.): ''Schwerpunkt: Geschichte der Naturphilosophie. ''Mentis, Paderborn 2004, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3897851563 ISBN 3-89785-156-3].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_Schiemann Gregor Schiemann] (Hrsg.): ''Was ist Natur? Klassische Texte zur Naturphilosophie.'' DTV, München 1996.
*Klaus Stein: ''Naturphilosophie der Frühromantik.'' Schöningh, 2004, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3506717944 ISBN 3-506-71794-4].
*Roberto Torretti: ''The Philosophy of Physics.'' Cambridge University Press, Cambridge 1999, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0521562597 ISBN 0-521-56259-7]. (Historisch aufgebaut)
<p>'''Systematische Darstellungen'''</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Bartels Andreas Bartels]: ''Grundprobleme der modernen Naturphilosophie.'' UTB, 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825219518 ISBN 3-8252-1951-8].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Drieschner Michael Drieschner]: ''Moderne Naturphilosophie. Eine Einführung.'' Mentis, Paderborn 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3897852608 ISBN 3-89785-260-8].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Esfeld Michael Esfeld]: ''Einführung in die Naturphilosophie. 2. Auflage'' WBG, Darmstadt 2011, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3534154614 ISBN 3-534-15461-4].
*Thomas Kirchhoff, [https://de.wikipedia.org/wiki/Nicole_C._Karafyllis Nicole C. Karafyllis], Dirk Evers, [https://de.wikipedia.org/wiki/Brigitte_Falkenburg Brigitte Falkenburg], Myriam Gerhard, [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerald_Hartung Gerald Hartung], Jürgen Hübner, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kristian_K%C3%B6chy Kristian Köchy], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Krohs Ulrich Krohs], Otto Schäfer, [https://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_Schiemann Gregor Schiemann], [https://de.wikipedia.org/wiki/Magnus_Schlette Magnus Schlette], Reinhard Schulz, Frank Vogelsang (Hrsg.): ''Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. 2., aktualisierte und durchgesehene Auflage''. UTB / Mohr-Siebeck, Tübingen 2020, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783825253820 ISBN 978-3-8252-5382-0].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Dieter_Mutschler Hans-Dieter Mutschler]: ''Naturphilosophie.'' Kohlhammer, Stuttgart 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3170168142 ISBN 3-17-016814-2].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_Schiemann Gregor Schiemann], Michael Heidelberger: ''Naturphilosophie.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_J%C3%B6rg_Sandk%C3%BChler Hans Jörg Sandkühler] (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie.'' Meiner, Hamburg 2010, S. 1733–1743.
*Klaus-Dieter Sedlacek: ''Kleines Wörterbuch der Natur-Philosophie. 1200 Begriffe, die man kennen sollte, kurz und prägnant.'' 2. Auflage. Books on Demand, Norderstedt 2016, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783739287126 ISBN 978-3-7392-8712-6].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Wandschneider Dieter Wandschneider]: ''Naturphilosophie.'' Buchner, Bamberg 2009, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783766166579 ISBN 978-3-7661-6657-9].
<p>'''Speziellere Literatur'''</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gernot_B%C3%B6hme Gernot Böhme], [https://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_Schiemann Gregor Schiemann]: ''Phänomenologie der Natur.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/351828925X ISBN 3-518-28925-X].
*Stefan Heiland: ''Naturverständnis.'' WBG, Darmstadt 1992, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3534801385 ISBN 3-534-80138-5].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Werner_Ingensiep Hans Werner Ingensiep], Richard Hoppe-Sailer (Hrsg.): ''Natur-Stuecke. Zur Kulturgeschichte der Natur.'' Edition Tertium, Ostfildern bei Stuttgart 1996/2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3930717298 ISBN 3-930717-29-8]. (Beiträge von H. Baranzke, J. Barkhoff, H. Böhme, A. Eusterschulte, F. Fehrenbach, M. Hoffmann, K. Jax, G. König, P. Matussek u. a.)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Jammer Max Jammer]: ''Das Problem des Raumes: Die Entwicklung der Raumtheorien.'' Darmstadt 1960.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kristian_K%C3%B6chy Kristian Köchy]: ''Perspektiven des Organischen.'' Schöningh, Paderborn 2003.
*Kristian Köchy, Martin Norwig (Hrsg.): ''Umwelt – Handeln. Zum Zusammenhang von Naturphilosophie und Umweltethik.'' Karl Alber, Freiburg 2006.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Krohs Ulrich Krohs], Georg Toepfer (Hrsg.): ''Philosophie der Biologie. Eine Einführung.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Kummer Christian Kummer] (Hrsg.): ''Was ist Naturphilosophie und was kann sie leisten?'' Karl Alber, Freiburg 2009, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783495483237 ISBN 978-3-495-48323-7].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Marc_Lange Marc Lange]: ''An Introduction to the Philosophy of Physics.'' Blackwell, London 2002.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Miethke_(Historiker) Jürgen Miethke]: ''Zur sozialen Situation der Naturphilosophie im späteren Mittelalter.'' In: Hartmut Boockmann, [https://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Moeller_(Kirchenhistoriker) Bernd Moeller], Karl Stackmann (Hrsg.): ''Lebenslehren und Weltentwürfe im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Politik – Bildung – Naturkunde – Theologie. Bericht über Kolloquien der Kommission zur Erforschung der Kultur des Spätmittelalters 1983 bis 1987'' (= ''Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: philologisch-historische Klasse.'' Folge III, Nr. 179). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3525824637 ISBN 3-525-82463-7], S. 249–266.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Lawrence_Sklar Lawrence Sklar]: ''Philosophy of Physics.'' Oxford University Press, Oxford 1992.
*Jan Cornelius Schmidt: ''Das Andere der Natur&nbsp;: neue Wege zur Naturphilosophie.'' Hirzel, Stuttgart 2015, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783777624105 ISBN 978-3-7776-2410-5].
*Robert Hugo Ziegler: ''Von der Natur.'' transcript, Bielefeld 2024, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783837669770 ISBN 978-3-8376-6977-0].


== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
=== Chinesische Naturphilosophie ===
<div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Naturphilosophie Wiktionary: Naturphilosophie]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
Die von den Chinesen betriebene Naturerforschung war im Unterschied zur griechisch-abendländischen Naturwissenschaft weniger durch rational-objektive Kausalbetrachtung, sondern durch die Suche nach universellen Seinszusammenhängen in Übereinstimmung mit den Lehren von [[Laozi]] und [[Konfuzius]] und der Vorstellung vom Weltganzen ([[Dao]]) geprägt. Bereits mindestens um 1000 v.&nbsp;Chr. war eine Fünf-Phasen- bzw. [[Fünf-Elemente-Lehre]] ausgeprägt (''Wu Xing''), die mit Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde die Grundbegriffe der chinesischen [[Kosmologie]] benennt:<ref>Aihe Wang: ''Yinyang wuxing.'' In: ''Encyclopedia of Religion.'' Band 14, S. 9887–9890.</ref> Der Himmel erzeugte zunächst das Wasser, die Erde das Feuer. Dieses sind die beiden reinsten Elemente, Holz und Metall die schwersten und unreinsten. Im All existierte anfänglich nur die vermischte Urmaterie aus ruhendem und bewegendem Prinzip; diese bewegte sich und wirbelte hin und her. Die unreinen Stoffe sammelten sich im Mittelpunkt; so entstand die Erde (das ruhende Prinzip). Die reineren Bestandteile der Urmaterie wurden zu Himmel, Sonne, Mond und Sternen und bewegen sich ewig im Kreis um die Erde (das bewegende Prinzip).
*[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=4041408-5 Literatur von und über Naturphilosophie] im Katalog der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalbibliothek Deutschen Nationalbibliothek]
<p>'''Allgemeine Darstellungen'''</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Hampe_(Philosoph) Michael Hampe]: [http://www.phil.ethz.ch/fileadmin/phil/files/ProtoskriptNaturphilosophie.pdf Einführung in die Naturphilosophie (Protoskript)] (PDF-Datei; 186&nbsp;kB), ETH Zürich 2004/5.
*Hans-Dieter Mutschler: [https://web.archive.org/web/20070625180440/http://www.sankt-georgen.de/leseraum/natur-mutschler.pdf Naturphilosophie] (PDF-Datei; 74&nbsp;kB), St. Georgen 2006/7
*Schiemann, Gregor (Hg.) 1996: [https://www.philosophie.uni-wuppertal.de/fileadmin/philosophie/PDFs_allg/Schiemann/Aufs%C3%A4tze_neu/Naturphilosophie.pdf Was ist Natur? Klassische Texte zur Naturphilosophie]. dtv.
*[https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/oepn/index Online Encyclopedia Philosophy of Nature / Online-Lexikon Naturphilosophie]. Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, [https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/oepn/index https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/oepn/index],
*[http://www.naturphilosophie.org/ Website der Arbeitsgruppe Naturphilosophie]
*[https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/naturphilosophie/45479 www.spektrum.de: Lexikon]
<p>'''Spezifische Darstellungen'''</p>
*[http://xtf.lib.virginia.edu/xtf/view?docId=DicHist/uvaBook/tei/DicHist3.xml;chunk.id=dv3-44 ''Nature''] im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Dictionary_of_the_History_of_Ideas Dictionary of the History of Ideas]''
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Istv%C3%A1n_Bodn%C3%A1r István Bodnár]:&nbsp;[http://plato.stanford.edu/entries/aristotle-natphil/ ''Aristotle’s Natural Philosophy.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''.
*Jon McGinnis:&nbsp;[http://plato.stanford.edu/entries/arabic-islamic-natural/ ''Arabic and Islamic Natural Philosophy and Natural Science.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''.
*Sylvia Berryman:&nbsp;[http://plato.stanford.edu/entries/atomism-ancient/ ''Ancient Atomism.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''.
*Alan Chalmers:&nbsp;[http://plato.stanford.edu/entries/atomism-modern/ ''Atomism from the 17th to the 20th Century.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''.
*Allen Carlson:&nbsp;[http://plato.stanford.edu/entries/environmental-aesthetics/ ''Environmental Aesthetics.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''.


== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
Mit der Entwicklung der Technik zur [[Zeit der streitenden Reiche]] wurde diese Lehre zu einer dynamischen Lehre des Wandels der Natur und der Elemente ausgebaut. Das Holz nährt das Feuer, das Feuer erzeugt Asche (Erde), die Erde bringt Metalle hervor, diese lösen sich im Wasser und nähren die Pflanzen (Holz). Dieser Zyklus wird zugleich als Zyklus der Jahreszeiten interpretiert: Das Element Wasser markiert den Beginn der Dynamik und entspricht dem Winter.


#<span class="reference-text">Gregor Schiemann: [http://www.naturphilosophie.org/grundbegriffe/naturphilosophie/ ''Naturphilosophie.''] [Version 2.0]. In: Thomas Kirchhoff (Redaktion): ''Naturphilosophische Grundbegriffe.'' 2012.</span>
Charakteristisch für den Daoistischen [[Waidan]] (die [[Chinesische Alchemie|chinesische Form der Alchemie]]) war die Suche nach dem Unsterblichkeit garantierenden Lebenselixier, die in vorchristlicher Zeit einsetzte und etwa seit dem 9. Jahrhundert durch den [[Neidan]], die sog. „innere Alchemie“ (eine innere Erleuchtungs[[mystik]], die den Geist über die Welt setzt) ergänzt bzw. ersetzt wurde, die sich mit der Fünf-Phasen-Lehre verband. Diese praktische Lehre bestand vor allem aus geistigen und Visualisierungstechniken, Atem- und Enthaltsamkeitsübungen; der Übergang zur Medizin und zu anderen Formen der Meditation und Askese ist fließend.
#<span class="reference-text">Gregor Schiemann: ''Naturphilosophie als Arbeit am Naturbegriff.'' In: Christian Kummer u.&nbsp;a. (Hrsg.): ''Was ist Naturphilosophie und was kann sie leisten?'' Freiburg 2009, S. 151.</span>
 
#<span class="reference-text">Lorenz, Stefan; Mojsisch, Burkhard; Schröder, Winfried & Kaulbach, Friedrich 2017: Naturphilosophie. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie online. Schwabe Verlag, Basel; Kirchhoff, T. & Karafyllis, N.C. 2020. Einführung. In: Kirchhoff/Karafyllis/Evers/Falkenburg/Gerhard/Hartung/Hübner/Köchy/Krohs/Schäfer/Schiemann/Schlette/Schulz/Vogelsang (Hrsg.): Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. 2., aktualisierte und durchgesehene Auflage. UTB / Mohr-Siebeck, Tübingen 2020: XI-XVII.</span>
Der Quantenphysiker [[Niels Bohr]] ließ sich von der Yin-Yang-Komplementarität des konfuzianischen [[I Ging]] inspirieren und lernte die Intuition als Erkenntnismittel zu schätzen.<ref>Geoffry Redmond, Hon Tze-Ki, Teaching the I Ching, Oxford University Press, 2014, S. 281.</ref>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Buchheim Thomas Buchheim]: ''physis.'' In: Christoph Horn, Christof Rapp (Hrsg.): ''Wörterbuch der antiken Philosophie.'' München 2002, S. 345 ff.</span>
 
#<span class="reference-text">Götz Großklaus: ''Einleitung.'' In: G. Großklaus, E. Oldemeyer (Hrsg.): ''Natur als Gegenwelt. Beiträge zur Kulturgeschichte der Natur.'' von Loeber, Karlsruhe 1983, S. 8–12.</span>
=== Arabisch-persische Naturphilosophie ===
#<span class="reference-text">Robert Spaemann: ''Das Natürliche und das Vernünftige.'' In: O. Schwemmer (Hrsg.): ''Über Natur. Philosophische Beiträge zum Naturverständnis.'' Klostermann, Frankfurt am Main 1987, S. 149–164.</span>
Das Ziel der arabischen Naturphilosophie war es, das Gesamt des Kosmos einschließlich aller metaphysischen Fragen in ein durchrationalisiertes System zu bringen und nach dem Vorbild der späthellenistischen [[Alexandria|alexandrinischen]] Philosophie [[Neuplatonismus]] und [[Aristotelismus]] zu verschmelzen – freilich immer mit dem Ziel der „Verähnlichung mit Gott“. In den heißen Ebenen Arabiens ist die Idee des Göttlichen nicht mit der Vorstellung des Feuers oder der Sonne verbunden, sondern mit der des Lichts – genauer: mit der Klarheit des kühlen Mondlichts (''nūr''). Zu den frühen Rezipienten der aristotelischen Naturphilosophie und Kritikern des [[Platonismus]] zählte [[al-Kindī]], der auf Basis seiner optischen Studien dem Licht eine zentrale Rolle beim Wissenserwerb beimaß.
#<span class="reference-text">Michael Heidelberger, Gregor Schiemann: ''Naturphilosophie.'' In: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie.'' Meiner, Hamburg 2000, S. 1129.</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Diepgen Paul Diepgen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Goerke Heinz Goerke]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Aschoff Aschoff]/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin.'' 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 6–7.</span>
Seit dem 12. Jahrhundert machte sich der Einfluss der rational argumentierenden, den Zweifel als Methode einsetzenden arabischer Arztphilosophen auf die lateinische Scholastik bemerkbar. Der persische Arzt, Naturforscher und Philosoph [[Avicenna]] hielt trotz zahlreicher methodisch sorgfältiger Einzelstudien von Naturphänomen im Wesentlichen an der Metaphysik des Aristoteles fest, unterschied aber deutlicher zwischen Wesen und Existenz der Dinge. Seine Ablehnung des arabischen Platonismus hatte einen gewissen Einfluss auf den [[Universalienstreit]] der mittelalterlichen christlichen Philosophie: Die Materie gehe nicht aus Gott hervor, es gebe also keine Schöpfung in der Zeit, und Gott zeige keinerlei Interesse an den Einzeldingen und -ereignissen. Seine Naturbeobachtungen versuchte er dennoch mit Aussagen des Korans zu unterlegen.
#<span class="reference-text">''Naturphilosophie.'' In: ''Historisches Wörterbuch der Philosophie.'' Band 6, Basel 1984, Sp. 535–560, hier: Sp. 535.</span>
 
#<span class="reference-text">Aihe Wang: ''Yinyang wuxing.'' In: ''Encyclopedia of Religion.'' Band 14, S. 9887–9890.</span>
Doch vor allem erst durch die Kommentare des [[Averroes]], der oft als Begründer einer frühen arabischen oder islamischen Aufklärung gilt,<ref>Thil Guschas: [http://www.deutschlandradiokultur.de/die-verschollene-aufklaerung.1278.de.html?dram:article_id=192174 ''Die verschollene Aufklärung.''] Deutschlandradio Kultur, 26. Juli 2008.</ref> gelangten im 12. Jahrhundert die Arbeiten des Aristoteles über [[Córdoba (Spanien)|Córdoba]] in den Westen. Im Unterschied zu Avicenna machte Averroes der orthodoxen islamischen Theologie keine Zugeständnisse: Für ihn war die Welt nicht spirituell und ihre Existenz nicht nur eine Möglichkeit; ihre Existenz sei notwendig, die Materie sei ewig und es gebe keine ''[[Creatio ex nihilo]]''. Averroes rettet so den Kausalitätsbegriff vor dem religiösen Dogma absoluter Kontingenz, der Erschaffung jedes einzelnen Aktes durch Gott.
#<span class="reference-text">Thil Guschas: [http://www.deutschlandradiokultur.de/die-verschollene-aufklaerung.1278.de.html?dram:article_id=192174 ''Die verschollene Aufklärung.''] Deutschlandradio Kultur, 26. Juli 2008.</span>
 
#<span class="reference-text">So Beitrag von [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Schipperges Heinrich Schipperges] In: Paul Wilpert, Willehad P. Eckert: ''Antike und Orient im Mittelalter: Vorträge der Kölner Mediaevistentagungen 1956–1959.'' Berlin 1971, S. 138. [https://books.google.de/books?id=TdQgAAAAQBAJ&dq=arabische+naturphilosophie&hl=de&source=gbs_navlinks_s (google books)]</span>
Allerdings verdrängten Orthodoxe und Mystiker wie [[al-Ghazālī]] bald die Suche nach Gesetzen und Ordnung der Natur – speziell die „griechische“ Physik – aus dem Curriculum der islamischen Schulen, da sie die Leugnung der absoluten Freiheit und Allmacht Gottes impliziere. Die auch von al-Ghazālī inspirierte persische [[Illuminationsphilosophie]] des 12. Jahrhunderts, die bis ins 20. Jahrhundert nachwirkte, zählt nicht eigentlich zur Naturphilosophie, obwohl die Begriffe Licht und Erleuchtung in ihr eine große Rolle spielen; sie stellt vor allem die sich auf Aristoteles berufende Erkenntnistheorie durch die Betonung der Bedeutung spontan-intuitiver Erkenntnis in Frage.
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rosario_Assunto Rosario Assunto] ''Die Theorie des Schönen im Mittelalter.'' Köln 1982, S. 54 f.</span>
 
#<span class="reference-text">Rosario Assunto: ''Die Theorie des Schönen im Mittelalter.'' Köln 1982, S. 95 ff.</span>
[[Adelard von Bath]] wurde mit seiner Forderung, mehr auf die Beobachtung der Natur als auf die Überlieferung zu setzen, von der von ihm übersetzten arabischen Literatur beeinflusst; auch [[Wilhelm von Conches]] und [[Siger von Brabant]] forderten, diese forschende und zweifelnde Haltung einzunehmen.<ref>So Beitrag von [[Heinrich Schipperges]] In: Paul Wilpert, Willehad P. Eckert: ''Antike und Orient im Mittelalter: Vorträge der Kölner Mediaevistentagungen 1956–1959.'' Berlin 1971, S. 138. [https://books.google.de/books?id=TdQgAAAAQBAJ&dq=arabische+naturphilosophie&hl=de&source=gbs_navlinks_s (Google Books)]</ref>
#<span class="reference-text">Vgl. auch Franz Vonessen: ''Das Herz in der Naturphilosophie.'' In: Karl Thomae (Hrsg.): ''Das Herz.'' Band 3: ''Das Herz im Umkreis des Denkens.'' Biberach an der Riß 1969, S. 9–52.</span>
 
#<span class="reference-text">''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 536–539.</span>
=== Mittelalter ===
#<span class="reference-text">''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 540–541.</span>
[[Johannes Scottus Eriugena]] bezeichnet die gesamte Wirklichkeit, also Gott und die Welt, die seienden und die nichtseienden Dinge als „Natur“. Das durch Sinneswahrnehmung (die raum-zeitlicher Veränderung unterliegenden Naturdinge) oder gedanklich Erfassbare (die Ideen) bezeichnet er als seiend, das den Sinnen und auch dem Intellekt Unzugängliche als nichtseiend. Die Eigenschaften werden der Materie von Gott verliehen. Während der ''Artifex'', der Handwerker oder Künstler, ihre Eigenschaften zur Anschauung bringt, muss der Philosoph sie [[Diskurs|diskursiv]] beweisen.<ref>[[Rosario Assunto]] ''Die Theorie des Schönen im Mittelalter.'' Köln 1982, S. 54 f.</ref>
#<span class="reference-text">Günter Mensching: ''Hat Nikolaus von Autrecourt Aristoteles widerlegt?'' In: Jan A. Aertsen, Martin Pickavé: ''Herbst des Mittelalters? Fragen zur Bewertung des 14. und 15. Jahrhunderts.'' Berlin 2004, S. 57 ff.</span>
[[Datei:Wissembourg StPierre-Paul186.JPG|mini|240px|Frühes [[Bleiglasfenster]] um 1190 (Saints-Pierre-et-Paul, [[Wissembourg]], [[Elsass]])]]
#<span class="reference-text">Daniel Krochmalnik: [https://dkrochmalnik.files.wordpress.com/2008/09/was_ist_juedische_philosophie1.pdf ''Was ist jüdische Philosophie?'']</span>
[[Wilhelm von Conches]] entwickelte eine Theorie der Elemente, die an der Atomtheorie [[Demokrit]]s orientiert war. [[David von Dinant]] († nach 1215) entwickelte als erster ein eigenes naturphilosophisches System in Form eines pantheistischen Materialismus, wonach die „Substanz“ mit Gott identisch und als Ursprung aller Körper „Materie“, als Ursprung aller Seelen „Geist“ heißt. Jedoch entwickelte sich im 12. Jahrhundert mit einer neuen Auslegung des christlichen Platonismus – ausgehend von der Bischofsschule von [[Chartres]] – eine Lichtmetaphysik mit mystischen Zügen, die zu einer Hierarchisierung der Materie führte. Insofern diese auf Farbe und Licht zurückgeführt wurde, stand der intransparente Stein auf der untersten Stufe, gefolgt von den unedlen und edlen (glänzenden) Metallen; das transparente Glas stand darüber, während das reine Licht die höchste Stufe verkörperte. Dieses Programm der Entstofflichung der Materie fand seinen ästhetischen Niederschlag in der [[Gotik|gotischen Baukunst]] und wurde in der leuchtkräftigten Goldgrundmalerei fortgesetzt.<ref>Rosario Assunto: ''Die Theorie des Schönen im Mittelalter.'' Köln 1982, S. 95 ff.</ref>
#<span class="reference-text">Friedrich Niewöhner: ''Philosophie, jüdische.'' In: ''Historisches Wörterbuch der Philosophie.'' Band 7, Basel 1989, Sp. 900–904.</span>
 
#<span class="reference-text">Max Jammer, 1960, S. 27 ff.</span>
Ein für die Entwicklung der Naturphilosophie wichtiger Streitpunkt der Zeit war die Frage nach dem Zusammenspiel von Herz, Leber und Gehirn im menschlichen Körper. David von Dinant gelangt zu einer [[Physiologie|physiologischen]] Theorie des Traums, wobei er an Aristoteles Lehre von der überragenden Funktion des Herzens<ref>Vgl. auch Franz Vonessen: ''Das Herz in der Naturphilosophie.'' In: Karl Thomae (Hrsg.): ''Das Herz.'' Band 3: ''Das Herz im Umkreis des Denkens.'' Biberach an der Riß 1969, S. 9–52.</ref> im Körper anknüpft. Trotz eines Verdikts auf der Synode von Paris 1210, durch das auch die Philosophie Davids ebenso wie die gerade erst übersetzte Naturphilosophie des Aristoteles aus dem Unterricht verbannt wurde, kam es einige Jahrzehnte später unter dem Einfluss der Schriften des [[Averroes]] zu einer Anerkennung des Primats der Naturphilosophie. [[Roger Bacon]] kommentierte als einer der ersten die ''libri naturales'' des Aristoteles und fordert, dass Schlussfolgerungen der Naturphilosophie experimentell überprüft werden sollen. Unabhängig davon trat [[Robert Grosseteste]] für eine enge Verbindung mathematischer und naturphilosophischer Betrachtung ein. Für [[Albertus Magnus]] war die Naturphilosophie, die von den natürlichen beweglichen Körpern handelt, neben Metaphysik und Mathematik eine von drei wichtigen Teilen der Realphilosophie. In der Naturphilosophie versuchte er, die unsystematisch überlieferten Schriften des Aristoteles in eine Ordnung zu bringen. Für [[Thomas von Aquin]] sind Naturphilosophie und Naturwissenschaft [[Synonym]]e; deren Gegenstand bildet das bewegliche Seiende, nicht der bewegliche Körper wie bei Albertus.<ref>''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 536–539.</ref>
#<span class="reference-text">Jens Brockmeier: ''Die Naturtheorie Giordano Brunos.'' Frankfurt am Main 1980.</span>
 
#<span class="reference-text">Zitiert nach Max Jammer, 1960, S. 27.</span>
[[Wilhelm von Ockham]] reduziert die physische Realität auf Individualdinge, Substanzen und Qualitäten. Quantität, Bewegung, Raum und Zeit besitzen für ihn aber keine beobachtbaren physikalischen Referenzobjekte; er verliert sich daher in sophistischen Kalkulationen, ohne ein wirkliches Verständnis der Natur zu erlangen. [[Johannes Buridan]] entwickelt eine antiaristotelische Impetustheorie, die bahnbrechend auch für das Verständnis der Bewegung der Himmelskörper wurde, insofern sie die Annahme eines intelligenten Bewegers verwirft. [[Nikolaus Cusanus]] vollzog zuerst den Bruch mit dem heliozentrischen Weltbild und ging davon aus, dass die Erde nur scheinbar in Ruhe befinde. Er argumentierte, Gott sei das absolute Maximum, das Universum als sein von ihm geschaffenes Abbild sei jedoch nur ein kontrahiertes Maximum. Kontraktion ist eine Metapher für den endlichen Zustand der Schöpfung. Die Annahme, dass das Universum keine auffindbaren Grenzen besitze, aber auch nicht unendlich sei, dynamisiert das gesamt Weltbild und führt zur Verwerfung der Annahme von der Erde als einem stabilen Zentrum des Universums, in dem es kein ruhendes Bezugssystem, also auch keine absolute Bewegung mehr gibt. Zugleich beschreibt er eine erfahrungswissenschaftliche Methodik, die andeutet, dass die exakte Naturwissenschaft an die Stelle der Naturphilosophie treten wird.<ref>''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 540–541.</ref>
#<span class="reference-text">''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 546–547.</span>
 
#<span class="reference-text">Wolfgang Stegmüller: ''Gedanken über eine mögliche rationale Rekonstruktion von Kants Metaphysik der Erfahrung.'' Teil II. In: Ders.: ''Aufsätze zu Kant und Wittgenstein.'' Darmstadt 1970, S. 58 f.</span>
Vor allem [[Nikolaus von Autrecourt]] versucht verschiedene Aspekte der Naturphilosophie des Aristoteles zu widerlegen. Er kritisiert den Gedanken des Werdens und Vergehens der Materie und postuliert ihre Unzerstörbarkeit; er behauptet die Existenz des Vakuums und sieht das Licht als einen Teilchenstrom an.<ref>Günter Mensching: ''Hat Nikolaus von Autrecourt Aristoteles widerlegt?'' In: Jan A. Aertsen, Martin Pickavé: ''Herbst des Mittelalters? Fragen zur Bewertung des 14. und 15. Jahrhunderts.'' Berlin 2004, S. 57 ff.</ref>
#<span class="reference-text">''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 547–550.</span>
 
#<span class="reference-text">[http://www.korpora.org/Kant/aa05/383.html KdU, § 68, AA 5, 383]; n. Wolfgang Riedel: ''Die anthropologische Wende: Schillers Modernität.'' In: Hans Feger (Hrsg.): ''Friedrich Schiller. Die Realität des Idealisten.'' Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825352692 ISBN 3-8253-5269-2], 157.</span>
=== Jüdische Naturphilosophie ===
#<span class="reference-text">''Naturzweck.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 658.</span>
Die jüdische Naturanschauung, die stets an die Theologie gebunden blieb, war durchdrungen von der Erwartung des bevorstehenden Weltendes. So kritisierte sie einerseits die „griechische Weisheit“, die bloße Vernunft, die schon im [[Talmud]] verflucht und der jüdischen Offenbarung gegenübergestellt wird – ein Konflikt, der bis ins 18. Jahrhundert virulent blieb.<ref>Daniel Krochmalnik: [https://dkrochmalnik.files.wordpress.com/2008/09/was_ist_juedische_philosophie1.pdf ''Was ist jüdische Philosophie?'']</ref> Andererseits rezipierte sie frühzeitig die hellenistische Philosophie und später auch die Werke des Aristoteles.<ref>Friedrich Niewöhner: ''Philosophie, jüdische.'' In: ''Historisches Wörterbuch der Philosophie.'' Band 7, Basel 1989, Sp. 900–904.</ref>
#<span class="reference-text">''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 550 f.</span>
 
#<span class="reference-text">Hegel: ''Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften.'' § 246.</span>
[[Philon von Alexandria]], ein Vertreter der [[Alexandrinische Schule|Philosophenschule von Alexandria]] und Vermittler zwischen griechischer und jüdischer Philosophie, vertrat die Lehre von der völligen Trennung von geistiger Welt (''kosmos noêtos'') und sinnlich wahrnehmbarer Welt (''kosmos aisthetos''). Gott sei durch die Menschen in der sichtbaren Welt nicht erkennbar. Das Geistige werde allein durch das Licht repräsentiert. Jedoch sind für die jüdische Theologie und Philosophie Gott und (der heilige) Raum eng verbunden, was sich aus der göttlichen Allgegenwart ([[Schechina]]) ergibt: Gott ist der Ort des Universums, er ist in der gesamten Natur unmittelbar präsent – ein Gedanke, der auch die Alexandrinische Philosophie prägte. Schließlich wird der Raum auch mit dem Licht gleichgesetzt. Das Licht ist in der Sprache der [[Kabbala]] das Allerheiligste: Das unendliche heilige Eine, dessen Licht das ganze Universum erfüllte, zog sich auf sich zurück und schuf dadurch den leeren Raum. Deutsche [[Mystik]]er wie [[Paracelsus]], aber auch [[Tommaso Campanella]]s Theorie der fünf Welten wurde von dieser Denkweise wesentlich beeinflusst.<ref>Max Jammer, 1960, S. 27 ff.</ref>
#<span class="reference-text">''Naturphilosophie.'' in ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 553.</span>
 
#<span class="reference-text">''Enzyklopädie.'' § 247–250.</span>
=== Frühe Neuzeit ===
#<span class="reference-text">''Enzyklopädie.'' § 350.</span>
Auch bei grundsätzlich empiristischer Ausrichtung kam es in der frühen Neuzeit immer wieder zum Rückgriff auf ältere Theoreme und zur Kritik am Vorrang des Bewegungsbegriffs der aristotelisch geprägten Naturphilosophie. [[Bernardino Telesio]] versuchte, die aristotelische Philosophie der Materie und Form durch eine dynamische Theorie antithetischer Kräfte zu ersetzen. Diese Kräfte identifizierte er in seinem Hauptwerk ''De natura rerum natura juxta propria principia'' (1565) mit Wärme, die vom Himmel kommt, und Kälte, die von der Erde herrührt. Seine Lichtphilosophie wird zu einem Vorläufer der Aufklärung.
#<span class="reference-text">[https://plato.stanford.edu/entries/johann-fichte/#PhilNatu ''Johann Gottlieb Fichte''] in ''Stanford Encyclopedia of Philosophy'', 6. Februar 2018.</span>
 
#<span class="reference-text">Zu Schelling Naturphilosophie und ihrem Zusammenhang mit der Romantik siehe z.&nbsp;B. Schellings Naturphilosophie: [http://www.br.de/radio/bayern2/wissen/radiowissen/deutsch-und-literatur/novalis-schellings-naturphilosophie100.html br.de]</span>
[[Giordano Bruno]], der teilweise an Ideen von Nikolaus Cusanus anschloss, bestritt die Autorität der Bibel in allen naturphilosophischen Fragen und öffnete das Feld für die astronomische Forschung. Er kritisierte, Aristoteles’ Ansicht, dass das Universum endlich, aber unendlich teilbar sei, und versuchte als erster Naturphilosophie, Astronomie und Metaphysik kohärent in Einklang zu bringen.<ref>Jens Brockmeier: ''Die Naturtheorie Giordano Brunos.'' Frankfurt am Main 1980.</ref> Mit dem Aufstieg Englands und Hollands zu Handelsgroßmächten rückte der Fokus des Philosophierens endgültig von der Betrachtung der Harmonie der Welt zum praktischen Aufbau neuer Welten. Der in dieser Zeit führende englische Philosoph [[Francis Bacon]] entwickelte einen Begriff von Naturphilosophie, der sowohl theoretisch-spekulative Elemente als auch praktisch-technische Aspekte umfasste. Der spekulative Teil der Naturphilosophie wird weiterhin mit Hilfe aristotelischer Kriterien untersucht, die experimentell verfahrende Naturphilosophie versucht, aus dem Experiment Kausalursachen zu identifizieren und mit Hilfe kausaler Erklärungen neue Experimente zu deren Überprüfung zu generieren. Dabei steht die Nutzanwendung der Naturphilosophie im Vordergrund. Im Kapitel XI seines Buches ''The Wisdom of the Ancients'', das den Titel ''Orpheus, or Philosophy. Explained of Natural and Moral Philosophy'' trägt, entwirft er einen neuen Orpheus-Mythos, in dem [[Orpheus]] als Metapher für eine Philosophie steht, die sich – von ihren traditionellen Aufgaben überfordert – den menschlichen Werken zuwendet, den Menschen die Tugend lehrt und sie anleitet, Häuser zu bauen und ihre Felder zu bestellen.
#<span class="reference-text">Brigitte Falkenburg: ''Natur.'' In: Thomas Kirchhoff, Nicole C. Karafyllis u. a. (Hrsg.): ''Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch''. Mohr Siebeck (UTB), Tübingen 2017, S. 96–102, hier S. 97, 100.</span>
 
#<span class="reference-text">''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 554 f.</span>
[[Thomas Hobbes]] verwirft die spekulativ-metaphysischen Grundlagen der Naturphilosophie vollständig. Stattdessen solle sie sich auf die mathematischen Voraussetzungen konzentrieren. Ihren Niederschlag finden diese Tendenzen im Programm der [[Royal Society]].
#<span class="reference-text">Marx: ''Die Deutsche Ideologie.'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Marx-Engels-Werke MEW] Band 3.</span>
 
#<span class="reference-text">Michel Bernard: ''Die Psychologie.'' In: François Châtelet (Hrsg.): ''Die Philosophie der Sozialwissenschaften: 1860 bis heute.'' (= ''Geschichte der Philosophie.'' Band VII). Frankfurt/ Berlin/ Wien 1975, S. 18.</span>
Doch blieb die Naturphilosophie bis zur Zeit Newtons insgesamt dadurch gekennzeichnet, dass sie über die Erklärung der Natur hinausgehenden höheren Zielen dienen sollte: ihr Wert lag dem schottischen Mathematiker [[Colin Maclaurin]] zufolge (1748) darin, dass sie „eine sichere Grundlage einer natürlichen Religion und einer Moralphilosophie legt. Und dass sie uns […] zur Erkenntnis des Schöpfers und Lenkers des Universums leitet“.<ref>Zitiert nach Max Jammer, 1960, S. 27.</ref> Noch [[Isaac Newton]] rehabilitierte das theologische Interesse an den Forschungsergebnissen und suchte nach einer nicht rein mechanischen „Ersten Ursache“, wogegen sich zuerst [[George Berkeley]] wandte. [[David Hume]], [[Giambattista Vico]] und andere bestritten – von verschiedenen Positionen ausgehend – den Wert einer Beweisführung auf geometrische Art, wie sie [[Descartes]] als ideale Methode postuliert und für das Zeitalter des Barock zum Leit[[paradigma]] wurde: Sie sei zum Verständnis einer nicht von Menschen geschaffenen und daher von ihnen nicht verstehbaren Welt ungeeignet.<ref>''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 546–547.</ref>
#<span class="reference-text">Siehe z. B. E. Schertel: ''Schelling und der Entwicklungsgedanke.'' In: ''Zoologische Annalen 1911.'' und G. Mayer: ''Das Verhältnis der Entwicklungstheorie in 'Schellings Naturphilosophie' zum Darwinismus und die Bedeutung beider Systeme für die Konzentration.'' Görlitz 1906. Auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Steiner Rudolf Steiner] wurde wesentlich von Schelling beeinflusst.</span>
 
#<span class="reference-text">Kristian Köchy: ''Biophilosophie zur Einführung.'' Junius, Hamburg 2008.</span>
=== Aufklärung, Klassik und Romantik ===
#<span class="reference-text">Konrad Ott: ''Umweltethik zur Einführung.'' Junius, Hamburg 2010.</span>
Die Naturphilosophie der [[Aufklärung]] wurde einerseits wesentlich durch die Erforschung der [[Elektrizität]] und des [[Licht]]s sowie durch neue medizinische Erkenntnisse stimuliert (siehe [[Aufklärung#Medizin und Naturphilosophie|Aufklärung und Naturphilosophie]]), andererseits durch die Weiterentwicklung des erkenntniskritischen Apparats. Dieser entwickelte sich vor dem Hintergrund des schwindenden Vertrauens in die Vorstellung, dass Gott dem Menschen von Geburt an die Ideen eingepflanzt habe, die mit der Natur korrespondieren und ihn so zur Naturerkenntnis befähigen. Wenn dies nicht der Fall war, musste erklärt werden, wie die Umwelt in den Kopf der Menschen gelangte.
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Vollmer Gerhard Vollmer]: ''Die Erkenntnis der Natur. Beiträge zur modernen Naturphilosophie.'' 3. Auflage. Hirzel, Stuttgart 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3777612499 ISBN 3-7776-1249-9].</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nicole_C._Karafyllis Nicole C. Karafyllis] (Hrsg.): ''Biofakte. Versuch über den Menschen zwischen Artefakt und Lebewesen''. mentis, Paderborn 2003.</span>
[[Kant]] macht die Philosophie zur Kontrollinstanz der Gewinnung von Erkenntnissen über die Natur. Er untersucht in seiner [[Kritik der reinen Vernunft]] die grundsätzlichen Entwürfe des Subjekts, die eine Naturerscheinung als Objekt möglicher Erkenntnis ausweisen. Gestützt auf seine Kenntnis des Newtonschen Systems, der Einwände Humes gegen die Möglichkeit, aus vergangenheitsbezogenen Beobachtungen naturwissenschaftliche Gesetze abzuleiten und in Abgrenzung zu rationalistischen Theorien wie der von [[Christian Wolff (Aufklärer)|Christian Wolff]] schließt er, dass die Newtonsche Mechanik, die präzise Voraussagen der Himmelsbewegungen erlaubte, weder mathematisch-mechanisch herzuleiten noch allein durch empirische Untersuchungen bestätigt werden konnte. Er scheidet eine Reihe von Theorien als a priori unzulänglich beziehungsweise ungeeignet aus und gelangt zu der Notwendigkeit synthetischer a-priori-Urteile als Voraussetzung der Naturforschung. Diese – so [[Wolfgang Stegmüller]] – könnte man heute als „methodologische Prinzipien“ deuten, die aber ebenfalls nicht empirisch begründet wären, sondern apriorisch festgesetzt werden müssten.<ref>Wolfgang Stegmüller: ''Gedanken über eine mögliche rationale Rekonstruktion von Kants Metaphysik der Erfahrung.'' Teil II. In: Ders.: ''Aufsätze zu Kant und Wittgenstein.'' Darmstadt 1970, S. 58 f.</ref>
#<span class="reference-text">Nicole C. Karafyllis: ''Leibliche Naturverhältnisse.'' In: Thomas Kirchhoff, Nicole C. Karafyllis u. a. (Hrsg.): ''Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch.'' Mohr Siebeck (UTB), Tübingen 2017, S. 176–185.</span>
 
#<span class="reference-text">Lothar Schäfer: ''Das Bacon-Projekt.'' Frankfurt am Main 1995.</span>
In Kants Metaphysik der Natur (''[[Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft]]'') wird die Objektivität der Naturgegenstände hingegen vorausgesetzt. Darin werden vier Perspektiven auf den [[Materie]]begriff entworfen: die [[Kinematik|Phoronomie]] (die Lehre von der mathematischen Konstruktion von Gesamtbewegungen aus Teilbewegungen), die Dynamik (die Lehre von der begrenzten Teilbarkeit und Elastizität der Materie, den auf sie wirkenden [[Attraktion]]s- und [[Repulsion]]skräften und ihrer dadurch bedingten Dichte), die Mechanik (die Lehre von der Relativität der Bewegung) und die Phänomenologie (die Lehre von der Materie als Erfahrungsgegenstand). Mit dieser dynamischen Theorie der Materie löst sich Kant vom mechanistisch-mathematischen Modell der Erklärung ihrer Bewegung durch äußere Kräfte, wie es im Barockzeitalter dominierte: Attraktion und Repulsion sind der Materie ursprünglich innewohnende Kräfte;<ref>''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 547–550.</ref> was bereits [[Rugjer Josip Bošković]] auf der Grundlage einer mathematisch weiterentwickelten [[Monadologie]] postuliert hatte. Kant wandte sich jedoch gegen den Versuch [[Spinoza]]s, aus der Natur „ein verständiges Wesen zu machen“ bzw. Gott mit der Natur gleichzusetzen („[[Deus sive Natura]]“).<ref>[http://www.korpora.org/Kant/aa05/383.html KdU, § 68, AA 5, 383]; n. Wolfgang Riedel: ''Die anthropologische Wende: Schillers Modernität.'' In: Hans Feger (Hrsg.): ''Friedrich Schiller. Die Realität des Idealisten.'' Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2006, ISBN 3-8253-5269-2, 157.</ref> Lebendige Gebilde sind nach Kant nur so zu verstehen, „als ob“ sie sich zweckmäßig verhielten; sie alle sich selbst organisierenden Wesen verkörpern einen „[[Naturzweck]]“.<ref>''Naturzweck.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 658.</ref>
#<span class="reference-text">Gernot Böhme: ''Natürlich Natur.'' Frankfurt am Main 1992.</span>
 
#<span class="reference-text">Michael Drieschner: ''Moderne Naturphilosophie.'' Paderborn 2002.</span>
Im Zeitalter des [[Klassizismus]] (um 1770–1830) und der [[Romantik]] wird – oftmals aus [[Baruch de Spinoza|spinozistischer]] Perspektive – eine spekulative Einheit von Natur und [[Geist]] entworfen. Diese Tendenz kennzeichnet die Naturphilosophie u.&nbsp;a. – in unterschiedlicher jeweiliger Ausrichtung – von [[Johann Wolfgang von Goethe|Goethe]], [[Friedrich Wilhelm Joseph Schelling|Schelling]] und [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel|Hegel]]. [[Friedrich Wilhelm Joseph Schelling#Naturphilosophie|Schellings Naturphilosophie]] stellt den Versuch dar, die Kantische Position zu überwinden, die vom Standpunkt der Identität von Vernunft und Natur als ''reflexionsphilosophisch'' bezeichnet wird. Er erhebt den Anspruch, eine im substantiellen Gesetztsein des Lebendigen gründende „positive“ Philosophie zu entwickeln, die im Gegensatz zu einer rein „negativen“, im [[Begriff (Philosophie)|Begriff]] verharrenden, [[Transzendentalphilosophie]] Seinsaussagen über die Naturerscheinungen macht. Die Naturphilosophie hat für ihn den Stand einer [[Grundlagenwissenschaft|Fundamentallehre]]. Leitendes Motiv ist die Entstehung des Ganzen einer Naturerscheinung aus dem Kampf polarer Gegensätze. So ist der Magnet die Einheit des Kraftfeldes, welches aus der Polarität der entgegengesetzten magnetischen Pole resultiert. Dieser Gedanke wurde von dem Physiker [[Hans Christian Ørsted|Ørsted]], einem Schüler Schellings, zur Akzeptanz gebracht und technisch verfügbar gemacht.<ref>''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 550 f.</ref>
#<span class="reference-text">So z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Dieter_Mutschler Hans-Dieter Mutschler]: ''Spekulative und empirische Physik: Aktualität und Grenzen der Naturphilosophie Schellings''. Stuttgart 1990.</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Marie-Luise_Heuser Marie-Luise Heuser]-Keßler: ''Die Produktivität der Natur. Schellings Naturphilosophie und das neue Paradigma der Selbstorganisation in den Naturwissenschaften.'' Berlin 1986; Marie-Luise Heuser-Keßler, [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_G._Jacobs Wilhelm G. Jacobs] (Hrsg.): ''Schelling und die Selbstorganisation. Neue Forschungsperspektiven.'' Berlin 1994.</span>
Auch in [[Hegel]]s Werk nimmt die Naturphilosophie eine bedeutende Stellung ein. Wie Schelling, dessen Naturphilosophie am Anfang des 19. Jahrhunderts eine neue Epoche einleitete, wollte er das reflexionsphilosophische Denken überwinden. Die [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel#Naturphilosophie|Hegelsche Naturphilosophie]] bildet den mittleren Teil seines enzyklopädischen Systems, dessen erster Teil die Logik oder Kategorienlehre und dessen dritter Teil die [[Philosophie des Geistes]] ausmacht. Aufgabe der Naturphilosophie ist nach Hegel die „begreifende Betrachtung“ der Natur,<ref>Hegel: ''Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften.'' § 246.</ref> wozu auch die Analyse der Grundkategorien der Naturwissenschaften (Raum, Zeit, Bewegung, Beschleunigung, Gravitation in Anlehnung an Galilei und Newton, ferner Licht, Leben usw.) gehöre, und zwar „nach der Selbstbestimmung des Begriffs“, also als Begriffe im absoluten Sinn, nicht als empirische Beschreibungen. Hegels Kritiker sehen dies als methodische Schwäche seiner Ausarbeitung an.<ref>''Naturphilosophie.'' in ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 553.</ref> Weiterhin bestimmt er die Natur als die „Idee in der Form des ''Andersseins''“. Der Zusammenhang der nebeneinander und nacheinander vorkommenden natürlichen Ereignisse wird durch „[[Notwendigkeit]] und [[Zufall|Zufälligkeit]]“ bestimmt. Während dem Geist absolute Notwendigkeit eignet, überlässt die Natur die Ausführung des Besonderen äußerer Bestimmbarkeit. Keines des Produkte der Natur kann daher seinem eigenen Begriff vollkommen adäquat sein.<ref>''Enzyklopädie.'' § 247–250.</ref> Hegel entwickelt die dynamische Theorie der Materie bei Kant und Schelling mit ihrer Annahme einer polaren Spannung bei Kant und Schelling weiter zu einer [[Dialektik|dialektischen]] Theorie der sich auseinander entwickelnden Naturgestalten und versucht damit ein Fundament für die positiven Wissenschaften zu legen. Auf einer höheren Stufe als derjenigen der Gestaltbildung der Körper sei die Kontraktion als „Schwere“, die Expansion als „Licht“ anzunehmen. Das Licht als selbstständiges Wesen erfordere eine besondere Wissenschaft, die der Optik, das Wesen des Klangs die Akustik. Weitere Themen sind Wärme, Elektrizität und der chemische Prozess. In der Individualität des tierischen Organismus tritt die Subjektivität hervor, die in der Koordination der Glieder im Rahmen eines Ganzen deutlich wird.<ref>''Enzyklopädie.'' § 350.</ref>
#<span class="reference-text">Iain Hamilton Grant: ''On an Artificial Earth: Philosophies of Nature After Schelling.'' London/ New York 2006.</span>
 
#<span class="reference-text">Iain Hamilton Grant: ''Die Natur Der Natur''. Merve Verlag, 2018.</span>
Für [[Johann Gottlieb Fichte|Fichte]] galt die Natur als kein ''eigentlicher'' Gegenstand der [[Philosophie]], sondern als Gegenstand menschlicher Erkenntnis und menschlicher Projekte. Insofern kann man seine ''[[Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre]]'' allenfalls als Vorläufer eine Philosophie der (Natur-)Wissenschaften bezeichnen.<ref>[https://plato.stanford.edu/entries/johann-fichte/#PhilNatu ''Johann Gottlieb Fichte''] in ''Stanford Encyclopedia of Philosophy'', 6. Februar 2018.</ref>
#<span class="reference-text">Slavoj Žižek: ''Weniger als nichts: Hegel und der Schatten des dialektischen Materialismus.'' Frankfurt 2014, Kap. 9.</span>
 
Die Romantik ist in ihren Naturbegriffen durch drei Tendenzen gekennzeichnet: zum einen eine Auslagerung der Naturbetrachtung in den Bereich der [[Ästhetik]], zum anderen eine vor-materialistische Aufhebung der Natur im Konzept der [[Produktivität]] (vgl. Schellings Ausprägung des Konzeptes einer ''natura naturans'',<ref>Zu Schelling Naturphilosophie und ihrem Zusammenhang mit der Romantik siehe z.&nbsp;B. Schellings Naturphilosophie: [http://www.br.de/radio/bayern2/wissen/radiowissen/deutsch-und-literatur/novalis-schellings-naturphilosophie100.html br.de]</ref> das von Averroes bzw. Michael Scotus geprägt worden ist<ref>Brigitte Falkenburg: ''Natur.'' In: Thomas Kirchhoff, Nicole C. Karafyllis u. a. (Hrsg.): ''Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch''. Mohr Siebeck (UTB), Tübingen 2017, S. 96–102, hier S. 97, 100.</ref>); schließlich durch eine Reaktion gegen das sich durchsetzende wissenschaftstheoretische Programm der neuzeitlichen Naturwissenschaft. Nicht entlang der vom Verstand gesetzten Regeln sollen die Naturtatsachen konstruiert werden, sondern vom Standpunkt der ungezwungenen Erfahrung und produktiven Einbildungskraft sollen sie ganzheitlich erfasst werden, so der Physiologe [[Johannes Müller (Mediziner)|Johannes Müller]]. [[Alexander von Humboldt]] orientiert sich an der Idee des Kosmos als Leitfaden der Naturbeschreibung: die Einzelheiten sind nur im Rahmen einer Totalität interpretierbar. Auch die Entdeckung des [[Energieerhaltungssatz]]es durch [[Robert Mayer]] in den 1840er Jahren basiert auf seiner Annahme, dass mechanische Energie und Wärme auf ein gemeinsames Kraftprinzip zurückzuführen seien, dass quantitativ unzerstörbar, aber qualitativ wandelbar sei.<ref>''Naturphilosophie.'' In: ''Hist.Wb.Philos.'' 6, Sp. 554 f.</ref> Gleichzeitig gewannen [[Esoterik|esoterische]] Ideen selbst unter naturwissenschaftlich Gebildeten an Bedeutung. So war [[Franz von Baader]], Bergbauingenieur, Industriepionier und Naturphilosoph ein wichtiger Vertreter der [[Theosophie]].
 
Ein Vorläufer der modernen Phänomenologie und analytischen Philosophie war der [[Prag]]er Mathematiker, Philosoph und Priester [[Bernard Bolzano]] mit seiner vierbändigen Wissenschaftslehre. In seinem umfangreichen Werk bearbeitete er auch Fragen der Logik, Ästhetik und Ethik.
 
=== Ab Mitte des 19. Jahrhunderts ===
Anders als im Deutschen [[Idealismus]] erschien im aufkommenden [[Materialismus]] mit [[Karl Marx]] und [[Friedrich Engels]] eine Naturphilosophie als verzichtbar. Sie interessierten sich vor allem für die Prozesse, durch die sich der Mensch aus seinem natürlichen Umfeld heraushebt: durch die Produktion seiner Lebensmittel.<ref>Marx: ''Die Deutsche Ideologie.'' [[Marx-Engels-Werke|MEW]], Band 3.</ref> Aufgrund des „Imperialismus der mächtigen Naturwissenschaften“ kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend zu einer Verachtung der Philosophen. Diese ergriff auch die Wissenschaften, die die menschliche Natur untersuchten wie die Psychologie und nötigte sie zu einem Bruch mit der spiritualistischen Philosophie, um ihre wissenschaftliche Reputation zu retten.<ref>Michel Bernard: ''Die Psychologie.'' In: François Châtelet (Hrsg.): ''Die Philosophie der Sozialwissenschaften: 1860 bis heute.'' (= ''Geschichte der Philosophie.'' Band 8). Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1975, S. 18.</ref> Die Natur wurde nun zunehmend in physikalischen, chemischen und thermodynamischen Kategorien begriffen. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurde auch die [[Naturgeschichte|naturgeschichtliche]] Komponente der Naturphilosophie in die [[Evolutionstheorie]] integriert.
 
Gegen den Materialismus, zugleich aber auch gegen die Hegelschule und die religiösen Weltdeutungen wandten sich die Vertreter des [[Neukantianismus]] um 1860. Zu nennen ist hier neben Helmholtz [[Friedrich Albert Lange]]. Der Neukantianismus entschärfte den Kampf der Weltanschauungen und brach mit der idealistischen Philosophie, indem er das Reich des Geistes von der Welt der Naturwissenschaft getrennt darstellt.
 
=== 20. und 21. Jahrhundert ===
Im Zuge der Entstehung neureligiöser und mystischer Strömungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts – ein Reflex auf die sinkende Bindungskraft positiver Religion bei anhaltenden religiösen Bedürfnissen – verbreitete sich der [[Monismus]] in Form eines [[Pantheismus|pantheistischen]] Naturglaubens als Gegenposition zum starren Materialismus und Darwinismus und führte zu einer Renaissance der Naturphilosophie. Davon zeugen die zahlreichen Schelling-Studien,<ref>Siehe z. B. E. Schertel: ''Schelling und der Entwicklungsgedanke.'' In: ''Zoologische Annalen 1911.'' und G. Mayer: ''Das Verhältnis der Entwicklungstheorie in 'Schellings Naturphilosophie' zum Darwinismus und die Bedeutung beider Systeme für die Konzentration.'' Görlitz 1906. Auch [[Rudolf Steiner]] wurde wesentlich von Schelling beeinflusst.</ref> ein neu erwachendes Interesse für Spinoza und Goethes Naturphilosophie sowie die Rezeption der [[Lebensphilosophie]]. Doch verband sich die Wiederbelebung des Gedankens des [[Parmenides]] von der Einheit von Sein und Denken oder der Idee eines beseelten Weltalls von [[Giordano Bruno]] meist mit einer Frontstellung gegen die moderne Naturwissenschaft.
 
Mit der Technisierung und Modernisierung der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft traten nach dem Ersten Weltkrieg international wieder pragmatische Aspekte der Beherrschung der Natur und die Frage nach einer sicheren Begründung der Methodik der Naturwissenschaften in den Vordergrund, auch wenn aus politischen Gründen in Deutschland nach 1933 vehement am Lebensbegriff festgehalten und dieser ideologisch mit dem Rassebegriff verknüpft wurde.
 
Im internationalen Maßstab wurde die Naturphilosophie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem durch die [[Wissenschaftstheorie]] und [[Wissenschaftsphilosophie]] geprägt. Dazu gehören die [[Philosophie der Biologie|Biophilosophie]],<ref>Kristian Köchy: ''Biophilosophie zur Einführung.'' Junius, Hamburg 2008.</ref> die [[Umweltethik]],<ref>Konrad Ott: ''Umweltethik zur Einführung.'' Junius, Hamburg 2010.</ref> die [[Evolutionäre Erkenntnistheorie]],<ref>[[Gerhard Vollmer]]: ''Die Erkenntnis der Natur. Beiträge zur modernen Naturphilosophie.'' 3. Auflage. Hirzel, Stuttgart 2003, ISBN 3-7776-1249-9.</ref> die davon ausgeht, dass die apriorischen Voraussetzungen der Erkenntnis der Realität sich im Verlauf evolutionärer Anpassungsprozesse entwickelt haben, also ein Teil der Naturgeschichte sind, aber auch die [[Technikphilosophie]].<ref>[[Nicole C. Karafyllis]] (Hrsg.): ''Biofakte. Versuch über den Menschen zwischen Artefakt und Lebewesen''. mentis, Paderborn 2003.</ref>
 
Im Bereich der [[Analytische Philosophie|analytisch geprägten]] Philosophie beziehen sich aktuelle Lehrbücher und Einzeldebattenstränge auf Teilthemen der [[Philosophie der Physik]] als Grundlagenwissenschaft der Naturwissenschaften und auf die Rekonstruktionen und Interpretationen weiterer naturwissenschaftlicher Disziplinen wie etwa innerhalb der [[Philosophie der Biologie]].
 
Die gesellschaftliche Relevanz des Naturbegriffs trat in solchen Prägungen eher in den Hintergrund. Ein disziplinärer Hort der Naturphilosophie, die sich auch mit lebenspraktischen Ontologien beschäftigt, ist weiterhin die [[Phänomenologie]].<ref>Nicole C. Karafyllis: ''Leibliche Naturverhältnisse.'' In: Thomas Kirchhoff, Nicole C. Karafyllis u. a. (Hrsg.): ''Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch.'' Mohr Siebeck (UTB), Tübingen 2017, S. 176–185.</ref>
 
Zu den deutschen Naturphilosophen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehören [[Adolf Meyer-Abich]], [[Georg Picht]], [[Hans Jonas]], [[Carl Friedrich von Weizsäcker]], [[Klaus Michael Meyer-Abich]], [[Lothar Schäfer]],<ref>Lothar Schäfer: ''Das Bacon-Projekt.'' Frankfurt am Main 1995.</ref> [[Gernot Böhme]]<ref>Gernot Böhme: ''Natürlich Natur.'' Frankfurt am Main 1992.</ref> und [[Nikolaus Junk]]<ref>Walter Habel (Hrsg.): ''[[Wer ist wer?]] Das deutsche Who’s who.'' 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 594.</ref> sowie [[Michael Drieschner]].<ref>Michael Drieschner: ''Moderne Naturphilosophie.'' Paderborn 2002.</ref> Auch im Nachlass von [[Paul Feyerabend]] fand man ein unabgeschlossenes [[Manuskript]] mit dem Titel ''Naturphilosophie''.
 
In neuerer Zeit wenden sich verschiedene Autoren wieder, wie schon einmal vor 100 Jahren, der Naturphilosophie Schellings zu.<ref>So z.&nbsp;B. [[Hans-Dieter Mutschler]]: ''Spekulative und empirische Physik: Aktualität und Grenzen der Naturphilosophie Schellings''. Stuttgart 1990.</ref> Deren Aktualität wird nun aber darin gesehen, dass die ''natura naturans'' und ihre Produkte in der ''natura naturata'' als Vorahnung moderner Konzepte der Selbstorganisation gedeutet werden können.<ref>[[Marie-Luise Heuser]]-Keßler: ''Die Produktivität der Natur. Schellings Naturphilosophie und das neue Paradigma der Selbstorganisation in den Naturwissenschaften.'' Berlin 1986; Marie-Luise Heuser-Keßler, [[Wilhelm G. Jacobs]] (Hrsg.): ''Schelling und die Selbstorganisation. Neue Forschungsperspektiven.'' Berlin 1994.</ref> Mit Schelling, der als erster verstanden habe, dass Natur nur als sich entwickelnde Natur zu verstehen ist, fragt etwa [[Iain Hamilton Grant]] danach, wie die Vernunft in die Natur gekommen sei.<ref>Iain Hamilton Grant: ''On an Artificial Earth: Philosophies of Nature After Schelling.'' London / New York 2006.</ref> Für ihn ist die Naturwissenschaft eine produktive Kunst, eine Form des noch nicht Gewussten, die selbst das Produkt der Naturkräfte ist, die sie analysiert.<ref>Iain Hamilton Grant: ''Die Natur Der Natur''. Merve Verlag, 2018.</ref> Grant kann als Begründer eines antiszientistisch-metaphysischen [[Neovitalismus]] gelten, indem er wie [[Gilles Deleuze]] die Metaphysik des Werdens in der Natur selbst verortet.<ref>Slavoj Žižek: ''Weniger als nichts: Hegel und der Schatten des dialektischen Materialismus.'' Frankfurt 2014, Kap. 9.</ref> Er versteht diese nicht als Ansammlung von physikalischen Partikeln, sondern als indeterminiertes Kräftepotenzial, als Ausdruck eines elementaren Prozesses des Werdens, ohne wie Kant danach zu fragen, welchem Zweck die Abweichungen von der Rigidität der mechanischen Prozesse dienen.
 
== Siehe auch ==
* [[Geschichte der Physik]]
* [[Naturalismus (Philosophie)]]
* [[Naturgeschichte]]
* [[Naturtheorie]]
* [[Pantheismus]]
* [[Wissenschaftsgeschichte]]
 
== Literatur ==
'''Historische Darstellungen'''
* James T. Cushing: ''Philosophical Concepts in Physics.'' Cambridge University Press, Cambridge 1998, ISBN 0-521-57071-9.
* Silvia Donati, [[Andreas Speer]]: ''Physik und Naturphilosophie.'' In: ''Lexikon des Mittelalters.'' Band 6, J. B. Metzler, 2000, S. 2111–2117.
* Thomas Kirchhoff, [[Nicole C. Karafyllis]], Dirk Evers, [[Brigitte Falkenburg]], Myriam Gerhard, [[Gerald Hartung]], Jürgen Hübner, [[Kristian Köchy]], [[Ulrich Krohs]], Otto Schäfer, [[Gregor Schiemann]], [[Magnus Schlette]], Reinhard Schulz, Frank Vogelsang (Hrsg.): ''Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. 2., aktualisierte und durchgesehene Auflage''. UTB / Mohr-Siebeck, Tübingen 2020, ISBN 978-3-8252-5382-0.
* [[Uwe Meixner]] (Hrsg.): ''Schwerpunkt: Geschichte der Naturphilosophie. '' Mentis, Paderborn 2004, ISBN 3-89785-156-3.
* [[Gregor Schiemann]] (Hrsg.): ''Was ist Natur? Klassische Texte zur Naturphilosophie.'' DTV, München 1996.
* Klaus Stein: ''Naturphilosophie der Frühromantik.'' Schöningh, 2004, ISBN 3-506-71794-4.
* Roberto Torretti: ''The Philosophy of Physics.'' Cambridge University Press, Cambridge 1999, ISBN 0-521-56259-7. (Historisch aufgebaut)
 
'''Systematische Darstellungen'''
* [[Andreas Bartels]]: ''Grundprobleme der modernen Naturphilosophie.'' UTB, 1996, ISBN 3-8252-1951-8.
* [[Michael Drieschner]]: ''Moderne Naturphilosophie. Eine Einführung.'' Mentis, Paderborn 2002, ISBN 3-89785-260-8.
* [[Michael Esfeld]]: ''Einführung in die Naturphilosophie. 2. Auflage'' WBG, Darmstadt 2011, ISBN 3-534-15461-4.
* Thomas Kirchhoff, [[Nicole C. Karafyllis]], Dirk Evers, [[Brigitte Falkenburg]], Myriam Gerhard, [[Gerald Hartung]], Jürgen Hübner, [[Kristian Köchy]], [[Ulrich Krohs]], Otto Schäfer, [[Gregor Schiemann]], [[Magnus Schlette]], Reinhard Schulz, Frank Vogelsang (Hrsg.): ''Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. 2., aktualisierte und durchgesehene Auflage''. UTB / Mohr-Siebeck, Tübingen 2020, ISBN 978-3-8252-5382-0.
* [[Hans-Dieter Mutschler]]: ''Naturphilosophie.'' Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-016814-2.
* [[Gregor Schiemann]], Michael Heidelberger: ''Naturphilosophie.'' In: [[Hans Jörg Sandkühler]] (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie.'' Meiner, Hamburg 2010, S. 1733–1743.
* Klaus-Dieter Sedlacek: ''Kleines Wörterbuch der Natur-Philosophie. 1200 Begriffe, die man kennen sollte, kurz und prägnant.'' 2. Auflage. Books on Demand, Norderstedt 2016, ISBN 978-3-7392-8712-6.
* [[Dieter Wandschneider]]: ''Naturphilosophie.'' Buchner, Bamberg 2009, ISBN 978-3-7661-6657-9.
 
'''Speziellere Literatur'''
* [[Gernot Böhme]], [[Gregor Schiemann]]: ''Phänomenologie der Natur.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-518-28925-X.
* Stefan Heiland: ''Naturverständnis.'' WBG, Darmstadt 1992, ISBN 3-534-80138-5.
* [[Hans Werner Ingensiep]], Richard Hoppe-Sailer (Hrsg.): ''Natur-Stuecke. Zur Kulturgeschichte der Natur.'' Edition Tertium, Ostfildern bei Stuttgart 1996/2002, ISBN 3-930717-29-8. (Beiträge von H. Baranzke, J. Barkhoff, H. Böhme, A. Eusterschulte, F. Fehrenbach, M. Hoffmann, K. Jax, G. König, P. Matussek u. a.)
* [[Max Jammer]]: ''Das Problem des Raumes: Die Entwicklung der Raumtheorien.'' Darmstadt 1960.
* [[Kristian Köchy]]: ''Perspektiven des Organischen.'' Schöningh, Paderborn 2003.
* Kristian Köchy, Martin Norwig (Hrsg.): ''Umwelt – Handeln. Zum Zusammenhang von Naturphilosophie und Umweltethik.'' Karl Alber, Freiburg 2006.
* [[Ulrich Krohs]], Georg Toepfer (Hrsg.): ''Philosophie der Biologie. Eine Einführung.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005.
* [[Christian Kummer]] (Hrsg.): ''Was ist Naturphilosophie und was kann sie leisten?'' Karl Alber, Freiburg 2009, ISBN 978-3-495-48323-7.
* [[Marc Lange]]: ''An Introduction to the Philosophy of Physics.'' Blackwell, London 2002.
* [[Jürgen Miethke (Historiker)|Jürgen Miethke]]: ''Zur sozialen Situation der Naturphilosophie im späteren Mittelalter.'' In: Hartmut Boockmann, [[Bernd Moeller (Kirchenhistoriker)|Bernd Moeller]], Karl Stackmann (Hrsg.): ''Lebenslehren und Weltentwürfe im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Politik – Bildung – Naturkunde – Theologie. Bericht über Kolloquien der Kommission zur Erforschung der Kultur des Spätmittelalters 1983 bis 1987'' (= ''Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: philologisch-historische Klasse.'' Folge III, Nr. 179). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989, ISBN 3-525-82463-7, S. 249–266.
* [[Lawrence Sklar]]: ''Philosophy of Physics.'' Oxford University Press, Oxford 1992.
* Mirko Sladek: ''Fragmente der hermetischen Philosophie in der Naturphilosophie der Neuzeit.'' Frankfurt am Main / Bern / New York 1984.
* Jan Cornelius Schmidt: ''Das Andere der Natur : neue Wege zur Naturphilosophie.'' Hirzel, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-7776-2410-5.
* Robert Hugo Ziegler: ''Von der Natur.'' transcript, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8376-6977-0.
 
== Weblinks ==
{{Wiktionary}}
* {{DNB-Portal|4041408-5}}
 
'''Allgemeine Darstellungen'''
* [[Michael Hampe (Philosoph)|Michael Hampe]]: [http://www.phil.ethz.ch/fileadmin/phil/files/ProtoskriptNaturphilosophie.pdf Einführung in die Naturphilosophie (Protoskript)] (PDF-Datei; 186&nbsp;kB), ETH Zürich 2004/5.
* Hans-Dieter Mutschler: [https://web.archive.org/web/20070625180440/http://www.sankt-georgen.de/leseraum/natur-mutschler.pdf Naturphilosophie] (PDF-Datei; 74&nbsp;kB), St. Georgen 2006/7
* Schiemann, Gregor (Hg.) 1996: [https://www.philosophie.uni-wuppertal.de/fileadmin/philosophie/PDFs_allg/Schiemann/Aufs%C3%A4tze_neu/Naturphilosophie.pdf Was ist Natur? Klassische Texte zur Naturphilosophie]. dtv.
* [https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/oepn/index Online Encyclopedia Philosophy of Nature / Online-Lexikon Naturphilosophie]. Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/oepn/index,
* [http://www.naturphilosophie.org/ Website der Arbeitsgruppe Naturphilosophie]
* [https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/naturphilosophie/45479 www.spektrum.de: Lexikon]
 
'''Spezifische Darstellungen'''
* {{DHI|1=http://xtf.lib.virginia.edu/xtf/view?docId=DicHist/uvaBook/tei/DicHist3.xml;chunk.id=dv3-44 |2=Nature}}
* {{SEP|http://plato.stanford.edu/entries/aristotle-natphil/|Aristotle’s Natural Philosophy|[[István Bodnár]]}}
* {{SEP|http://plato.stanford.edu/entries/arabic-islamic-natural/|Arabic and Islamic Natural Philosophy and Natural Science|Jon McGinnis}}
* {{SEP|http://plato.stanford.edu/entries/atomism-ancient/|Ancient Atomism|Sylvia Berryman}}
* {{SEP|http://plato.stanford.edu/entries/atomism-modern/|Atomism from the 17th to the 20th Century|Alan Chalmers}}
* {{SEP|http://plato.stanford.edu/entries/environmental-aesthetics/|Environmental Aesthetics|Allen Carlson}}
 
== Einzelnachweise ==
<references />
 
{{Normdaten|TYP=s|GND=4041408-5|LCCN=sh85101004|NDL=00571336}}
 
[[Kategorie:Naturphilosophie| ]]
[[Kategorie:Philosophische Disziplin]]
[[Kategorie:Biologiegeschichte]]
[[Kategorie:Vorsokratik]]
 
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]

Aktuelle Version vom 13. April 2026, 10:59 Uhr

Die Naturphilosophie ist eine philosophische Disziplin, die sich mit der Deutung und Erklärung der Natur beschäftigt. Sie versucht, die Natur in ihrer Gesamtheit aufzufassen und in ihren allgemeinen wie partikulären Strukturen zu beschreiben, theoretisch zu erklären und zu deuten. Naturphilosophie thematisiert die Charakteristika und Bedingungen der Möglichkeit der aktuellen wissenschaftlichen und lebensweltlichen Naturauffassungen und geht deren gegenseitigen Abhängigkeiten (Interdependenzen) nach. Ihr Aufgabenfeld lässt sich, entsprechend der traditionellen Gliederung der Philosophie, dreiteilen in die Analyse von Natur als Inhalt bzw. Gegenstand theoretischer, praktischer und ästhetischer Urteile.[1] Sie widmet sich seit der Moderne verstärkt dem Verhältnis zwischen verschiedenen Naturbegriffen.[2]

Im europäischen Kulturkreis ist die ionische Naturphilosophie ein Ausgangspunkt der antiken Philosophie überhaupt. Die moderne systematische Naturphilosophie ist ein Teilgebiet der Ontologie und überschneidet sich mit der Philosophie der Physik, der Philosophie der Biologie, der Philosophie der Chemie und Philosophien anderer Naturwissenschaften bzw. umfasst diese als Teildisziplinen. Darüber hinaus umfasst Naturphilosophie – wenn man sie nicht im engen, 'analytischen' Sinne als Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften begreift – auch die Reflexion auf nicht-wissenschaftliche Naturauffassungen, in denen Natur kein kausales Wirkungsgefüge ist, sondern ein ästhetischer, symbolischer, ethisch-moralischer usw. Gegenstand.[3]

Begriffsbestimmung und Methode der Naturphilosophie

Zum Begriff der „Natur“

Die europäische Naturphilosophie hat ihren Ursprung im antiken Griechenland. Das griechische Wort für Natur, „physis“, weist dabei zwei Verwendungsweisen auf. Zum einen bezieht sich physis auf die Gesamtheit aller von selbst entstandenen, nicht vom Menschen geschaffenen Dinge einschließlich ihrer späteren Veränderungen (z. B. durch Pflügen oder Ernten) sowie den Menschen selbst – dies aber erst seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. Zuerst bedeutete (das vom Verbum „phyein“ – „wachsen (lassen)“, „entstehen“ – abgeleitete Nomen) physis die Natur von etwas, sein Wesen, die Essenz einer Sache.[4] Dabei wurde das Dynamische, das innere Prinzip des Wirkens, etwa der Bewegung, betont. Es geht um Prinzipien der Entfaltung, des Erscheinens und des Wandels. Dies berührt insbesondere das Phänomen des Lebens. Die Bestimmung des Wesens des Menschen wird in der philosophischen Disziplin der Anthropologie behandelt, die – zumindest sofern mit „Wesen“, die „Natur“ oder physis gemeint ist – auch als ein Teilgebiet der Naturphilosophie verstanden werden kann. Auch die Grundlagen der menschlichen Natur für die Ethik, z. B. die Tugenden als natürliche Dispositionen, gehören zur Naturphilosophie.

Der Ausdruck „Natur“ und entsprechende Ableitungen („natürlich“, „naturwüchsig“, u. a. m.) werden immer im Gegensatz zu einem anderen Seinsbereich (z. B. Kunst/Artefakte), Prinzip (z. B. Freiheit) oder Vermögen (z. B. Vernunft) bestimmt – oftmals als Gegensatz zu „Kultur“ –, insofern letztere sich auf Artefakte bezieht, die durch menschliche Kunst oder Technik hervorgebracht sind (materiale Kultur).[5][6] So hatte schon Aristoteles (Physik II 192b) das Natürliche und das Künstliche bzw. physis und techné gegenübergestellt.

Eine weitere häufig anzutreffende Gegensatzbildung ist die von „Natur“ und „Übernatur“, die typisch für das christliche Mittelalter ist (u. a. bei Bonaventura): Natur galt als durch Gottes Eingreifen auch immer wieder von außen veränderbar. Während beispielsweise die neuzeitliche Naturphilosophie auf Objekte und Methodik naturwissenschaftlicher, empirischer Erkenntnismöglichkeiten verpflichtet ist, galt dies nach einer klassischen Unterscheidung für die spezielle Metaphysik nicht. Diese diskutiert vielmehr Thematiken wie Seele, Emanation, Gottheit und Göttliches. Unterschiedliche Klassiker ziehen diese Grenze aber unterschiedlich streng. Aristoteles beispielsweise unterscheidet als zwei Werke, Disziplinen und Gegenstandsbereiche die „Physik“ und die „Metaphysik“, behandelt nach heutiger Wissenschaftssystematik aber in der „Physik“ auch Themen der Ontologie und in der „Metaphysik“ auch naturwissenschaftliche Themen – etwa solche der Kosmologie.

Im griechischen Denken gab es keine strikte Trennung zwischen „Natur“ und Übernatürlichkeit. Vielmehr hat jede Naturbeschaffenheit zureichende, metaphysische Gründe, zu denen sie in einer Abhängigkeitsbeziehung steht und aus denen ihr natürliches Entstehen und Werden, ihre Prozesse und vielfältigen Vorkommen erklärt werden müssen. Das sind allem voran – wenn auch in völlig unterschiedlichen Akzentuierungen – die ›Vorbild-Abbild‹-Beziehung in Platons Naturbegriff des Timaios, und die ›Materie-Form‹-Gegensätzlichkeit in den ersten Büchern der Physik-Vorlesung von Aristoteles.[7] Bei den Atomisten unter den antiken Griechen (Leukipp, Demokrit, Epikur) fällt Übernatürliches mit der „materiellen Natur“ zusammen, finalistische Ursachen und Zwecke werden angezweifelt.[8]

„Naturphilosophie“ bzw. „Philosophie der Natur“

Der deutsche Ausdruck „Philosophie der Natur“ kommt erst im 18. Jahrhundert auf und ist eine Übersetzung von dem seit der Antike gebrauchten lateinischen Ausdruck philosophia naturalis, der traditionell für die Lehre von den sinnlich wahrnehmbaren Dingen gebraucht wurde.[9] Er wird im Deutschen einerseits sehr weit verwendet, so dass er beispielsweise anthropologische und phänomenologische Spekulationen zum Verhältnis von Mensch und Natur überhaupt mit umfasst, andererseits wird mehr und mehr eine enge Verwendung üblich, wie sie sich im englischsprachigen Raum schon lange etabliert hat. Demnach bezeichnet „Philosophie der Natur“ den Teilbereich der theoretischen Philosophie, welcher sich mit der Struktur der Natur inklusive der Interpretation unserer besten wissenschaftlichen Theorien darüber befasst. In beiden Verwendungsweisen ist oft ein Unterschied zur Verwendung des Ausdrucks „Wissenschaftstheorie“ üblich. „Wissenschaftstheorie“ bezieht sich dann auf allgemeinere erkenntnistheoretische (epistemologische), methodologische und spezifische Fragen zu Struktur und Wesen wissenschaftlicher Erkenntnis überhaupt. Da im Englischen „science“ oft im engen Sinne von rein naturwissenschaftlicher Forschung verstanden wird und andere Wissenschaften beispielsweise als „humanities“ bezeichnet werden, kann „Wissenschaftstheorie“ aber so verwendet werden, dass Themen der Philosophie der Natur mit umfasst werden.

Historische Entwicklung

Antike

Die Anfänge der Naturphilosophie liegen in der griechischen Antike. Die Vorsokratiker suchten nach allgemeinen, konstanten Konstitutions- und Erklärungsprinzipien der Erscheinungswelt. Dabei wurden meist ein oder mehrere einheitliche materielle Prinzipien angenommen, die einen gemeinsamen Ursprung (arché) bilden. Thales von Milet führte dazu das Wasser an, Anaximenes die Luft, Empedokles vier Elemente. Leukippos und Demokrit postulierten kleinste Teilchen: Atome. Anaximander sprach von einem Apeiron (das Unbestimmte), was eventuell mit Feuer oder Äther in Verbindung zu bringen ist. Insbesondere versuchten die Vorsokratiker die Ursachen der Bewegung der Himmelskörper zu bestimmen, was zur Entwicklung der Astronomie im antiken Griechenland führte. Auch Xenophanes, Heraklit und Anaxagoras gehörten zu den führenden Philosophen in der antiken, etwa die Zeit von 600 bis 450 v. Chr.[10] umfassenden Periode der Naturphilosophie.

Viele griechische Philosophen, zuvorderst Aristoteles, schrieben eine Abhandlung mit dem Titel Über die Natur (perì phýseōs). Aufgabe der Naturphilosophie ist nach Aristoteles die Betrachtung der sinnlich wahrnehmbaren Substanzen, insofern sie bewegt und begrifflich erfassbar sind. Aus dieser Tradition entwickelte sich der Begriff Physik (enthalten auch in Werktitel wie Physica) als Inbegriff der späteren Naturwissenschaften, wenngleich die antiken Denker einen weiten Naturbegriff hatten. Zenon von Kition grenzt einen auf die Natur bezogenen Teil der Philosophie von Logik und Ethik ab. Diese Einteilung lässt sich über Cicero bis hin zu Augustin und Isidor von Sevilla nachweisen.[11]

Gegenstandsbereiche antiker Naturphilosophie waren u. a. Themen der Mathematik, Astronomie und Astrologie, Kosmologie, Physik, Geographie, Psychologie, Medizin, Botanik und Zoologie.

Chinesische Naturphilosophie

Die von den Chinesen betriebene Naturerforschung war im Unterschied zur griechisch-abendländischen Naturwissenschaft weniger durch rational-objektive Kausalbetrachtung, sondern durch die Suche nach universellen Seinszusammenhängen in Übereinstimmung mit den Lehren von Laozi und Konfuzius und der Vorstellung vom Weltganzen (Dao) geprägt. Bereits mindestens um 1000 v. Chr. war eine Fünf-Phasen- bzw. Fünf-Elemente-Lehre ausgeprägt (Wu Xing), die mit Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde die Grundbegriffe der chinesischen Kosmologie benennt:[12] Der Himmel erzeugte zunächst das Wasser, die Erde das Feuer. Dieses sind die beiden reinsten Elemente, Holz und Metall die schwersten und unreinsten. Im All existierte anfänglich nur die vermischte Urmaterie aus ruhendem und bewegendem Prinzip; diese bewegte sich und wirbelte hin und her. Die unreinen Stoffe sammelten sich im Mittelpunkt; so entstand die Erde (das ruhende Prinzip). Die reineren Bestandteile der Urmaterie wurden zu Himmel, Sonne, Mond und Sternen und bewegen sich ewig im Kreis um die Erde (das bewegende Prinzip).

Mit der Entwicklung der Technik zur Zeit der streitenden Reiche wurde diese Lehre zu einer dynamischen Lehre des Wandels der Natur und der Elemente ausgebaut. Das Holz nährt das Feuer, das Feuer erzeugt Asche (Erde), die Erde bringt Metalle hervor, diese lösen sich im Wasser und nähren die Pflanzen (Holz). Dieser Zyklus wird zugleich als Zyklus der Jahreszeiten interpretiert: Das Element Wasser markiert den Beginn der Dynamik und entspricht dem Winter.

Charakteristisch für den Daoistischen Waidan (die chinesische Form der Alchemie) war die Suche nach dem Unsterblichkeit garantierenden Lebenselixier, die in vorchristlicher Zeit einsetzte und etwa seit dem 9. Jahrhundert durch den Neidan, die sog. „innere Alchemie“ (eine innere Erleuchtungsmystik, die den Geist über die Welt setzt) ergänzt bzw. ersetzt wurde, die sich mit der Fünf-Phasen-Lehre verband. Diese praktische Lehre bestand vor allem aus geistigen und Visualisierungstechniken, Atem- und Enthaltsamkeitsübungen; der Übergang zur Medizin und zu anderen Formen der Meditation und Askese ist fließend.

Der Quantenphysiker Niels Bohr ließ sich von der Yin-Yang-Komplementarität des konfuzianischen I Ging inspirieren und lernte die Intuition als Erkenntnismittel zu schätzen.[13]

Arabisch-persische Naturphilosophie

Das Ziel der arabischen Naturphilosophie war es, das Gesamt des Kosmos einschließlich aller metaphysischen Fragen in ein durchrationalisiertes System zu bringen und nach dem Vorbild der späthellenistischen alexandrinischen Philosophie Neuplatonismus und Aristotelismus zu verschmelzen – freilich immer mit dem Ziel der „Verähnlichung mit Gott“. In den heißen Ebenen Arabiens ist die Idee des Göttlichen nicht mit der Vorstellung des Feuers oder der Sonne verbunden, sondern mit der des Lichts – genauer: mit der Klarheit des kühlen Mondlichts (nūr). Zu den frühen Rezipienten der aristotelischen Naturphilosophie und Kritikern des Platonismus zählte al-Kindī, der auf Basis seiner optischen Studien dem Licht eine zentrale Rolle beim Wissenserwerb beimaß.

Seit dem 12. Jahrhundert machte sich der Einfluss der rational argumentierenden, den Zweifel als Methode einsetzenden arabischer Arztphilosophen auf die lateinische Scholastik bemerkbar. Der persische Arzt, Naturforscher und Philosoph Avicenna hielt trotz zahlreicher methodisch sorgfältiger Einzelstudien von Naturphänomen im Wesentlichen an der Metaphysik des Aristoteles fest, unterschied aber deutlicher zwischen Wesen und Existenz der Dinge. Seine Ablehnung des arabischen Platonismus hatte einen gewissen Einfluss auf den Universalienstreit der mittelalterlichen christlichen Philosophie: Die Materie gehe nicht aus Gott hervor, es gebe also keine Schöpfung in der Zeit, und Gott zeige keinerlei Interesse an den Einzeldingen und -ereignissen. Seine Naturbeobachtungen versuchte er dennoch mit Aussagen des Korans zu unterlegen.

Doch vor allem erst durch die Kommentare des Averroes, der oft als Begründer einer frühen arabischen oder islamischen Aufklärung gilt,[14] gelangten im 12. Jahrhundert die Arbeiten des Aristoteles über Córdoba in den Westen. Im Unterschied zu Avicenna machte Averroes der orthodoxen islamischen Theologie keine Zugeständnisse: Für ihn war die Welt nicht spirituell und ihre Existenz nicht nur eine Möglichkeit; ihre Existenz sei notwendig, die Materie sei ewig und es gebe keine Creatio ex nihilo. Averroes rettet so den Kausalitätsbegriff vor dem religiösen Dogma absoluter Kontingenz, der Erschaffung jedes einzelnen Aktes durch Gott.

Allerdings verdrängten Orthodoxe und Mystiker wie al-Ghazālī bald die Suche nach Gesetzen und Ordnung der Natur – speziell die „griechische“ Physik – aus dem Curriculum der islamischen Schulen, da sie die Leugnung der absoluten Freiheit und Allmacht Gottes impliziere. Die auch von al-Ghazālī inspirierte persische Illuminationsphilosophie des 12. Jahrhunderts, die bis ins 20. Jahrhundert nachwirkte, zählt nicht eigentlich zur Naturphilosophie, obwohl die Begriffe Licht und Erleuchtung in ihr eine große Rolle spielen; sie stellt vor allem die sich auf Aristoteles berufende Erkenntnistheorie durch die Betonung der Bedeutung spontan-intuitiver Erkenntnis in Frage.

Adelard von Bath wurde mit seiner Forderung, mehr auf die Beobachtung der Natur als auf die Überlieferung zu setzen, von der von ihm übersetzten arabischen Literatur beeinflusst; auch Wilhelm von Conches und Siger von Brabant forderten, diese forschende und zweifelnde Haltung einzunehmen.[15]

Mittelalter

Johannes Scottus Eriugena bezeichnet die gesamte Wirklichkeit, also Gott und die Welt, die seienden und die nichtseienden Dinge als „Natur“. Das durch Sinneswahrnehmung (die raum-zeitlicher Veränderung unterliegenden Naturdinge) oder gedanklich Erfassbare (die Ideen) bezeichnet er als seiend, das den Sinnen und auch dem Intellekt Unzugängliche als nichtseiend. Die Eigenschaften werden der Materie von Gott verliehen. Während der Artifex, der Handwerker oder Künstler, ihre Eigenschaften zur Anschauung bringt, muss der Philosoph sie diskursiv beweisen.[16]

Frühes Bleiglasfenster um 1190 (Saints-Pierre-et-Paul, Wissembourg, Elsass)

Wilhelm von Conches entwickelte eine Theorie der Elemente, die an der Atomtheorie Demokrits orientiert war. David von Dinant († nach 1215) entwickelte als erster ein eigenes naturphilosophisches System in Form eines pantheistischen Materialismus, wonach die „Substanz“ mit Gott identisch und als Ursprung aller Körper „Materie“, als Ursprung aller Seelen „Geist“ heißt. Jedoch entwickelte sich im 12. Jahrhundert mit einer neuen Auslegung des christlichen Platonismus – ausgehend von der Bischofsschule von Chartres – eine Lichtmetaphysik mit mystischen Zügen, die zu einer Hierarchisierung der Materie führte. Insofern diese auf Farbe und Licht zurückgeführt wurde, stand der intransparente Stein auf der untersten Stufe, gefolgt von den unedlen und edlen (glänzenden) Metallen; das transparente Glas stand darüber, während das reine Licht die höchste Stufe verkörperte. Dieses Programm der Entstofflichung der Materie fand seinen ästhetischen Niederschlag in der gotischen Baukunst und wurde in der leuchtkräftigten Goldgrundmalerei fortgesetzt.[17]

Ein für die Entwicklung der Naturphilosophie wichtiger Streitpunkt der Zeit war die Frage nach dem Zusammenspiel von Herz, Leber und Gehirn im menschlichen Körper. David von Dinant gelangt zu einer physiologischen Theorie des Traums, wobei er an Aristoteles Lehre von der überragenden Funktion des Herzens[18] im Körper anknüpft. Trotz eines Verdikts auf der Synode von Paris 1210, durch das auch die Philosophie Davids ebenso wie die gerade erst übersetzte Naturphilosophie des Aristoteles aus dem Unterricht verbannt wurde, kam es einige Jahrzehnte später unter dem Einfluss der Schriften des Averroes zu einer Anerkennung des Primats der Naturphilosophie. Roger Bacon kommentierte als einer der ersten die libri naturales des Aristoteles und fordert, dass Schlussfolgerungen der Naturphilosophie experimentell überprüft werden sollen. Unabhängig davon trat Robert Grosseteste für eine enge Verbindung mathematischer und naturphilosophischer Betrachtung ein. Für Albertus Magnus war die Naturphilosophie, die von den natürlichen beweglichen Körpern handelt, neben Metaphysik und Mathematik eine von drei wichtigen Teilen der Realphilosophie. In der Naturphilosophie versuchte er, die unsystematisch überlieferten Schriften des Aristoteles in eine Ordnung zu bringen. Für Thomas von Aquin sind Naturphilosophie und Naturwissenschaft Synonyme; deren Gegenstand bildet das bewegliche Seiende, nicht der bewegliche Körper wie bei Albertus.[19]

Wilhelm von Ockham reduziert die physische Realität auf Individualdinge, Substanzen und Qualitäten. Quantität, Bewegung, Raum und Zeit besitzen für ihn aber keine beobachtbaren physikalischen Referenzobjekte; er verliert sich daher in sophistischen Kalkulationen, ohne ein wirkliches Verständnis der Natur zu erlangen. Johannes Buridan entwickelt eine antiaristotelische Impetustheorie, die bahnbrechend auch für das Verständnis der Bewegung der Himmelskörper wurde, insofern sie die Annahme eines intelligenten Bewegers verwirft. Nikolaus Cusanus vollzog zuerst den Bruch mit dem heliozentrischen Weltbild und ging davon aus, dass die Erde nur scheinbar in Ruhe befinde. Er argumentierte, Gott sei das absolute Maximum, das Universum als sein von ihm geschaffenes Abbild sei jedoch nur ein kontrahiertes Maximum. Kontraktion ist eine Metapher für den endlichen Zustand der Schöpfung. Die Annahme, dass das Universum keine auffindbaren Grenzen besitze, aber auch nicht unendlich sei, dynamisiert das gesamt Weltbild und führt zur Verwerfung der Annahme von der Erde als einem stabilen Zentrum des Universums, in dem es kein ruhendes Bezugssystem, also auch keine absolute Bewegung mehr gibt. Zugleich beschreibt er eine erfahrungswissenschaftliche Methodik, die andeutet, dass die exakte Naturwissenschaft an die Stelle der Naturphilosophie treten wird.[20]

Vor allem Nikolaus von Autrecourt versucht verschiedene Aspekte der Naturphilosophie des Aristoteles zu widerlegen. Er kritisiert den Gedanken des Werdens und Vergehens der Materie und postuliert ihre Unzerstörbarkeit; er behauptet die Existenz des Vakuums und sieht das Licht als einen Teilchenstrom an.[21]

Jüdische Naturphilosophie

Die jüdische Naturanschauung, die stets an die Theologie gebunden blieb, war durchdrungen von der Erwartung des bevorstehenden Weltendes. So kritisierte sie einerseits die „griechische Weisheit“, die bloße Vernunft, die schon im Talmud verflucht und der jüdischen Offenbarung gegenübergestellt wird – ein Konflikt, der bis ins 18. Jahrhundert virulent blieb.[22] Andererseits rezipierte sie frühzeitig die hellenistische Philosophie und später auch die Werke des Aristoteles.[23]

Philon von Alexandria, ein Vertreter der Philosophenschule von Alexandria und Vermittler zwischen griechischer und jüdischer Philosophie, vertrat die Lehre von der völligen Trennung von geistiger Welt (kosmos noêtos) und sinnlich wahrnehmbarer Welt (kosmos aisthetos). Gott sei durch die Menschen in der sichtbaren Welt nicht erkennbar. Das Geistige werde allein durch das Licht repräsentiert. Jedoch sind für die jüdische Theologie und Philosophie Gott und (der heilige) Raum eng verbunden, was sich aus der göttlichen Allgegenwart (Schechina) ergibt: Gott ist der Ort des Universums, er ist in der gesamten Natur unmittelbar präsent – ein Gedanke, der auch die Alexandrinische Philosophie prägte. Schließlich wird der Raum auch mit dem Licht gleichgesetzt. Das Licht ist in der Sprache der Kabbala das Allerheiligste: Das unendliche heilige Eine, dessen Licht das ganze Universum erfüllte, zog sich auf sich zurück und schuf dadurch den leeren Raum. Deutsche Mystiker wie Paracelsus, aber auch Tommaso Campanellas Theorie der fünf Welten wurde von dieser Denkweise wesentlich beeinflusst.[24]

Frühe Neuzeit

Auch bei grundsätzlich empiristischer Ausrichtung kam es in der frühen Neuzeit immer wieder zum Rückgriff auf ältere Theoreme und zur Kritik am Vorrang des Bewegungsbegriffs der aristotelisch geprägten Naturphilosophie. Bernardino Telesio versuchte, die aristotelische Philosophie der Materie und Form durch eine dynamische Theorie antithetischer Kräfte zu ersetzen. Diese Kräfte identifizierte er in seinem Hauptwerk De natura rerum natura juxta propria principia (1565) mit Wärme, die vom Himmel kommt, und Kälte, die von der Erde herrührt. Seine Lichtphilosophie wird zu einem Vorläufer der Aufklärung.

Giordano Bruno, der teilweise an Ideen von Nikolaus Cusanus anschloss, bestritt die Autorität der Bibel in allen naturphilosophischen Fragen und öffnete das Feld für die astronomische Forschung. Er kritisierte, Aristoteles’ Ansicht, dass das Universum endlich, aber unendlich teilbar sei, und versuchte als erster Naturphilosophie, Astronomie und Metaphysik kohärent in Einklang zu bringen.[25] Mit dem Aufstieg Englands und Hollands zu Handelsgroßmächten rückte der Fokus des Philosophierens endgültig von der Betrachtung der Harmonie der Welt zum praktischen Aufbau neuer Welten. Der in dieser Zeit führende englische Philosoph Francis Bacon entwickelte einen Begriff von Naturphilosophie, der sowohl theoretisch-spekulative Elemente als auch praktisch-technische Aspekte umfasste. Der spekulative Teil der Naturphilosophie wird weiterhin mit Hilfe aristotelischer Kriterien untersucht, die experimentell verfahrende Naturphilosophie versucht, aus dem Experiment Kausalursachen zu identifizieren und mit Hilfe kausaler Erklärungen neue Experimente zu deren Überprüfung zu generieren. Dabei steht die Nutzanwendung der Naturphilosophie im Vordergrund. Im Kapitel XI seines Buches The Wisdom of the Ancients, das den Titel Orpheus, or Philosophy. Explained of Natural and Moral Philosophy trägt, entwirft er einen neuen Orpheus-Mythos, in dem Orpheus als Metapher für eine Philosophie steht, die sich – von ihren traditionellen Aufgaben überfordert – den menschlichen Werken zuwendet, den Menschen die Tugend lehrt und sie anleitet, Häuser zu bauen und ihre Felder zu bestellen.

Thomas Hobbes verwirft die spekulativ-metaphysischen Grundlagen der Naturphilosophie vollständig. Stattdessen solle sie sich auf die mathematischen Voraussetzungen konzentrieren. Ihren Niederschlag finden diese Tendenzen im Programm der Royal Society.

Doch blieb die Naturphilosophie bis zur Zeit Newtons insgesamt dadurch gekennzeichnet, dass sie über die Erklärung der Natur hinausgehenden höheren Zielen dienen sollte: ihr Wert lag dem schottischen Mathematiker Colin Maclaurin zufolge (1748) darin, dass sie „eine sichere Grundlage einer natürlichen Religion und einer Moralphilosophie legt. Und dass sie uns […] zur Erkenntnis des Schöpfers und Lenkers des Universums leitet“.[26] Noch Isaac Newton rehabilitierte das theologische Interesse an den Forschungsergebnissen und suchte nach einer nicht rein mechanischen „Ersten Ursache“, wogegen sich zuerst George Berkeley wandte. David Hume, Giambattista Vico und andere bestritten – von verschiedenen Positionen ausgehend – den Wert einer Beweisführung auf geometrische Art, wie sie Descartes als ideale Methode postuliert und für das Zeitalter des Barock zum Leitparadigma wurde: Sie sei zum Verständnis einer nicht von Menschen geschaffenen und daher von ihnen nicht verstehbaren Welt ungeeignet.[27]

Aufklärung, Klassik und Romantik

Die Naturphilosophie der Aufklärung wurde einerseits wesentlich durch die Erforschung der Elektrizität und des Lichts sowie durch neue medizinische Erkenntnisse stimuliert (siehe Aufklärung und Naturphilosophie), andererseits durch die Weiterentwicklung des erkenntniskritischen Apparats. Dieser entwickelte sich vor dem Hintergrund des schwindenden Vertrauens in die Vorstellung, dass Gott dem Menschen von Geburt an die Ideen eingepflanzt habe, die mit der Natur korrespondieren und ihn so zur Naturerkenntnis befähigen. Wenn dies nicht der Fall war, musste erklärt werden, wie die Umwelt in den Kopf der Menschen gelangte.

Kant macht die Philosophie zur Kontrollinstanz der Gewinnung von Erkenntnissen über die Natur. Er untersucht in seiner Kritik der reinen Vernunft die grundsätzlichen Entwürfe des Subjekts, die eine Naturerscheinung als Objekt möglicher Erkenntnis ausweisen. Gestützt auf seine Kenntnis des Newtonschen Systems, der Einwände Humes gegen die Möglichkeit, aus vergangenheitsbezogenen Beobachtungen naturwissenschaftliche Gesetze abzuleiten und in Abgrenzung zu rationalistischen Theorien wie der von Christian Wolff schließt er, dass die Newtonsche Mechanik, die präzise Voraussagen der Himmelsbewegungen erlaubte, weder mathematisch-mechanisch herzuleiten noch allein durch empirische Untersuchungen bestätigt werden konnte. Er scheidet eine Reihe von Theorien als a priori unzulänglich beziehungsweise ungeeignet aus und gelangt zu der Notwendigkeit synthetischer a-priori-Urteile als Voraussetzung der Naturforschung. Diese – so Wolfgang Stegmüller – könnte man heute als „methodologische Prinzipien“ deuten, die aber ebenfalls nicht empirisch begründet wären, sondern apriorisch festgesetzt werden müssten.[28]

In Kants Metaphysik der Natur (Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft) wird die Objektivität der Naturgegenstände hingegen vorausgesetzt. Darin werden vier Perspektiven auf den Materiebegriff entworfen: die Phoronomie (die Lehre von der mathematischen Konstruktion von Gesamtbewegungen aus Teilbewegungen), die Dynamik (die Lehre von der begrenzten Teilbarkeit und Elastizität der Materie, den auf sie wirkenden Attraktions- und Repulsionskräften und ihrer dadurch bedingten Dichte), die Mechanik (die Lehre von der Relativität der Bewegung) und die Phänomenologie (die Lehre von der Materie als Erfahrungsgegenstand). Mit dieser dynamischen Theorie der Materie löst sich Kant vom mechanistisch-mathematischen Modell der Erklärung ihrer Bewegung durch äußere Kräfte, wie es im Barockzeitalter dominierte: Attraktion und Repulsion sind der Materie ursprünglich innewohnende Kräfte;[29] was bereits Rugjer Josip Bošković auf der Grundlage einer mathematisch weiterentwickelten Monadologie postuliert hatte. Kant wandte sich jedoch gegen den Versuch Spinozas, aus der Natur „ein verständiges Wesen zu machen“ bzw. Gott mit der Natur gleichzusetzen („Deus sive Natura“).[30] Lebendige Gebilde sind nach Kant nur so zu verstehen, „als ob“ sie sich zweckmäßig verhielten; sie alle sich selbst organisierenden Wesen verkörpern einen „Naturzweck“.[31]

Im Zeitalter des Klassizismus (um 1770–1830) und der Romantik wird – oftmals aus spinozistischer Perspektive – eine spekulative Einheit von Natur und Geist entworfen. Diese Tendenz kennzeichnet die Naturphilosophie u. a. – in unterschiedlicher jeweiliger Ausrichtung – von Goethe, Schelling und Hegel. Schellings Naturphilosophie stellt den Versuch dar, die Kantische Position zu überwinden, die vom Standpunkt der Identität von Vernunft und Natur als reflexionsphilosophisch bezeichnet wird. Er erhebt den Anspruch, eine im substantiellen Gesetztsein des Lebendigen gründende „positive“ Philosophie zu entwickeln, die im Gegensatz zu einer rein „negativen“, im Begriff verharrenden, Transzendentalphilosophie Seinsaussagen über die Naturerscheinungen macht. Die Naturphilosophie hat für ihn den Stand einer Fundamentallehre. Leitendes Motiv ist die Entstehung des Ganzen einer Naturerscheinung aus dem Kampf polarer Gegensätze. So ist der Magnet die Einheit des Kraftfeldes, welches aus der Polarität der entgegengesetzten magnetischen Pole resultiert. Dieser Gedanke wurde von dem Physiker Ørsted, einem Schüler Schellings, zur Akzeptanz gebracht und technisch verfügbar gemacht.[32]

Auch in Hegels Werk nimmt die Naturphilosophie eine bedeutende Stellung ein. Wie Schelling, dessen Naturphilosophie am Anfang des 19. Jahrhunderts eine neue Epoche einleitete, wollte er das reflexionsphilosophische Denken überwinden. Die Hegelsche Naturphilosophie bildet den mittleren Teil seines enzyklopädischen Systems, dessen erster Teil die Logik oder Kategorienlehre und dessen dritter Teil die Philosophie des Geistes ausmacht. Aufgabe der Naturphilosophie ist nach Hegel die „begreifende Betrachtung“ der Natur,[33] wozu auch die Analyse der Grundkategorien der Naturwissenschaften (Raum, Zeit, Bewegung, Beschleunigung, Gravitation in Anlehnung an Galilei und Newton, ferner Licht, Leben usw.) gehöre, und zwar „nach der Selbstbestimmung des Begriffs“, also als Begriffe im absoluten Sinn, nicht als empirische Beschreibungen. Hegels Kritiker sehen dies als methodische Schwäche seiner Ausarbeitung an.[34] Weiterhin bestimmt er die Natur als die „Idee in der Form des Andersseins“. Der Zusammenhang der nebeneinander und nacheinander vorkommenden natürlichen Ereignisse wird durch „Notwendigkeit und Zufälligkeit“ bestimmt. Während dem Geist absolute Notwendigkeit eignet, überlässt die Natur die Ausführung des Besonderen äußerer Bestimmbarkeit. Keines des Produkte der Natur kann daher seinem eigenen Begriff vollkommen adäquat sein.[35] Hegel entwickelt die dynamische Theorie der Materie bei Kant und Schelling mit ihrer Annahme einer polaren Spannung bei Kant und Schelling weiter zu einer dialektischen Theorie der sich auseinander entwickelnden Naturgestalten und versucht damit ein Fundament für die positiven Wissenschaften zu legen. Auf einer höheren Stufe als derjenigen der Gestaltbildung der Körper sei die Kontraktion als „Schwere“, die Expansion als „Licht“ anzunehmen. Das Licht als selbstständiges Wesen erfordere eine besondere Wissenschaft, die der Optik, das Wesen des Klangs die Akustik. Weitere Themen sind Wärme, Elektrizität und der chemische Prozess. In der Individualität des tierischen Organismus tritt die Subjektivität hervor, die in der Koordination der Glieder im Rahmen eines Ganzen deutlich wird.[36]

Für Fichte galt die Natur als kein eigentlicher Gegenstand der Philosophie, sondern als Gegenstand menschlicher Erkenntnis und menschlicher Projekte. Insofern kann man seine Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre allenfalls als Vorläufer eine Philosophie der (Natur-)Wissenschaften bezeichnen.[37]

Die Romantik ist in ihren Naturbegriffen durch drei Tendenzen gekennzeichnet: zum einen eine Auslagerung der Naturbetrachtung in den Bereich der Ästhetik, zum anderen eine vor-materialistische Aufhebung der Natur im Konzept der Produktivität (vgl. Schellings Ausprägung des Konzeptes einer natura naturans,[38] das von Averroes bzw. Michael Scotus geprägt worden ist[39]); schließlich durch eine Reaktion gegen das sich durchsetzende wissenschaftstheoretische Programm der neuzeitlichen Naturwissenschaft. Nicht entlang der vom Verstand gesetzten Regeln sollen die Naturtatsachen konstruiert werden, sondern vom Standpunkt der ungezwungenen Erfahrung und produktiven Einbildungskraft sollen sie ganzheitlich erfasst werden, so der Physiologe Johannes Müller. Alexander von Humboldt orientiert sich an der Idee des Kosmos als Leitfaden der Naturbeschreibung: die Einzelheiten sind nur im Rahmen einer Totalität interpretierbar. Auch die Entdeckung des Energieerhaltungssatzes durch Robert Mayer in den 1840er Jahren basiert auf seiner Annahme, dass mechanische Energie und Wärme auf ein gemeinsames Kraftprinzip zurückzuführen seien, dass quantitativ unzerstörbar, aber qualitativ wandelbar sei.[40] Gleichzeitig gewannen esoterische Ideen selbst unter naturwissenschaftlich Gebildeten an Bedeutung. So war Franz von Baader, Bergbauingenieur, Industriepionier und Naturphilosoph ein wichtiger Vertreter der Theosophie.

Ein Vorläufer der modernen Phänomenologie und analytischen Philosophie war der Prager Mathematiker, Philosoph und Priester Bernard Bolzano mit seiner vierbändigen Wissenschaftslehre. In seinem umfangreichen Werk bearbeitete er auch Fragen der Logik, Ästhetik und Ethik.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts

Anders als im Deutschen Idealismus erschien im aufkommenden Materialismus mit Karl Marx und Friedrich Engels eine Naturphilosophie als verzichtbar. Sie interessierten sich vor allem für die Prozesse, durch die sich der Mensch aus seinem natürlichen Umfeld heraushebt: durch die Produktion seiner Lebensmittel.[41] Aufgrund des „Imperialismus der mächtigen Naturwissenschaften“ kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend zu einer Verachtung der Philosophen. Diese ergriff auch die Wissenschaften, die die menschliche Natur untersuchten wie die Psychologie und nötigte sie zu einem Bruch mit der spiritualistischen Philosophie, um ihre wissenschaftliche Reputation zu retten.[42] Die Natur wurde nun zunehmend in physikalischen, chemischen und thermodynamischen Kategorien begriffen. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurde auch die naturgeschichtliche Komponente der Naturphilosophie in die Evolutionstheorie integriert.

Gegen den Materialismus, zugleich aber auch gegen die Hegelschule und die religiösen Weltdeutungen wandten sich die Vertreter des Neukantianismus um 1860. Zu nennen ist hier neben Helmholtz Friedrich Albert Lange. Der Neukantianismus entschärfte den Kampf der Weltanschauungen und brach mit der idealistischen Philosophie, indem er das Reich des Geistes von der Welt der Naturwissenschaft getrennt darstellt.

20. und 21. Jahrhundert

Im Zuge der Entstehung neureligiöser und mystischer Strömungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts – ein Reflex auf die sinkende Bindungskraft positiver Religion bei anhaltenden religiösen Bedürfnissen – verbreitete sich der Monismus in Form eines pantheistischen Naturglaubens als Gegenposition zum starren Materialismus und Darwinismus und führte zu einer Renaissance der Naturphilosophie. Davon zeugen die zahlreichen Schelling-Studien,[43] ein neu erwachendes Interesse für Spinoza und Goethes Naturphilosophie sowie die Rezeption der Lebensphilosophie. Doch verband sich die Wiederbelebung des Gedankens des Parmenides von der Einheit von Sein und Denken oder der Idee eines beseelten Weltalls von Giordano Bruno meist mit einer Frontstellung gegen die moderne Naturwissenschaft.

Mit der Technisierung und Modernisierung der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft traten nach dem Ersten Weltkrieg international wieder pragmatische Aspekte der Beherrschung der Natur und die Frage nach einer sicheren Begründung der Methodik der Naturwissenschaften in den Vordergrund, auch wenn aus politischen Gründen in Deutschland nach 1933 vehement am Lebensbegriff festgehalten und dieser ideologisch mit dem Rassebegriff verknüpft wurde.

Im internationalen Maßstab wurde die Naturphilosophie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem durch die Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsphilosophie geprägt. Dazu gehören die Biophilosophie,[44] die Umweltethik,[45] die Evolutionäre Erkenntnistheorie,[46] die davon ausgeht, dass die apriorischen Voraussetzungen der Erkenntnis der Realität sich im Verlauf evolutionärer Anpassungsprozesse entwickelt haben, also ein Teil der Naturgeschichte sind, aber auch die Technikphilosophie.[47]

Im Bereich der analytisch geprägten Philosophie beziehen sich aktuelle Lehrbücher und Einzeldebattenstränge auf Teilthemen der Philosophie der Physik als Grundlagenwissenschaft der Naturwissenschaften und auf die Rekonstruktionen und Interpretationen weiterer naturwissenschaftlicher Disziplinen wie etwa innerhalb der Philosophie der Biologie.

Die gesellschaftliche Relevanz des Naturbegriffs trat in solchen Prägungen eher in den Hintergrund. Ein disziplinärer Hort der Naturphilosophie, die sich auch mit lebenspraktischen Ontologien beschäftigt, ist weiterhin die Phänomenologie.[48]

Zu den deutschen Naturphilosophen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehören Adolf Meyer-Abich, Georg Picht, Hans Jonas, Carl Friedrich von Weizsäcker, Klaus Michael Meyer-Abich, Lothar Schäfer,[49] Gernot Böhme[50] und Nikolaus Junk[51] sowie Michael Drieschner.[52] Auch im Nachlass von Paul Feyerabend fand man ein unabgeschlossenes Manuskript mit dem Titel Naturphilosophie.

In neuerer Zeit wenden sich verschiedene Autoren wieder, wie schon einmal vor 100 Jahren, der Naturphilosophie Schellings zu.[53] Deren Aktualität wird nun aber darin gesehen, dass die natura naturans und ihre Produkte in der natura naturata als Vorahnung moderner Konzepte der Selbstorganisation gedeutet werden können.[54] Mit Schelling, der als erster verstanden habe, dass Natur nur als sich entwickelnde Natur zu verstehen ist, fragt etwa Iain Hamilton Grant danach, wie die Vernunft in die Natur gekommen sei.[55] Für ihn ist die Naturwissenschaft eine produktive Kunst, eine Form des noch nicht Gewussten, die selbst das Produkt der Naturkräfte ist, die sie analysiert.[56] Grant kann als Begründer eines antiszientistisch-metaphysischen Neovitalismus gelten, indem er wie Gilles Deleuze die Metaphysik des Werdens in der Natur selbst verortet.[57] Er versteht diese nicht als Ansammlung von physikalischen Partikeln, sondern als indeterminiertes Kräftepotenzial, als Ausdruck eines elementaren Prozesses des Werdens, ohne wie Kant danach zu fragen, welchem Zweck die Abweichungen von der Rigidität der mechanischen Prozesse dienen.

Siehe auch

Literatur

Historische Darstellungen

  • James T. Cushing: Philosophical Concepts in Physics. Cambridge University Press, Cambridge 1998, ISBN 0-521-57071-9.
  • Silvia Donati, Andreas Speer: Physik und Naturphilosophie. In: Lexikon des Mittelalters. Band 6, J. B. Metzler, 2000, S. 2111–2117.
  • Thomas Kirchhoff, Nicole C. Karafyllis, Dirk Evers, Brigitte Falkenburg, Myriam Gerhard, Gerald Hartung, Jürgen Hübner, Kristian Köchy, Ulrich Krohs, Otto Schäfer, Gregor Schiemann, Magnus Schlette, Reinhard Schulz, Frank Vogelsang (Hrsg.): Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. 2., aktualisierte und durchgesehene Auflage. UTB / Mohr-Siebeck, Tübingen 2020, ISBN 978-3-8252-5382-0.
  • Uwe Meixner (Hrsg.): Schwerpunkt: Geschichte der Naturphilosophie. Mentis, Paderborn 2004, ISBN 3-89785-156-3.
  • Gregor Schiemann (Hrsg.): Was ist Natur? Klassische Texte zur Naturphilosophie. DTV, München 1996.
  • Klaus Stein: Naturphilosophie der Frühromantik. Schöningh, 2004, ISBN 3-506-71794-4.
  • Roberto Torretti: The Philosophy of Physics. Cambridge University Press, Cambridge 1999, ISBN 0-521-56259-7. (Historisch aufgebaut)

Systematische Darstellungen

  • Andreas Bartels: Grundprobleme der modernen Naturphilosophie. UTB, 1996, ISBN 3-8252-1951-8.
  • Michael Drieschner: Moderne Naturphilosophie. Eine Einführung. Mentis, Paderborn 2002, ISBN 3-89785-260-8.
  • Michael Esfeld: Einführung in die Naturphilosophie. 2. Auflage WBG, Darmstadt 2011, ISBN 3-534-15461-4.
  • Thomas Kirchhoff, Nicole C. Karafyllis, Dirk Evers, Brigitte Falkenburg, Myriam Gerhard, Gerald Hartung, Jürgen Hübner, Kristian Köchy, Ulrich Krohs, Otto Schäfer, Gregor Schiemann, Magnus Schlette, Reinhard Schulz, Frank Vogelsang (Hrsg.): Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. 2., aktualisierte und durchgesehene Auflage. UTB / Mohr-Siebeck, Tübingen 2020, ISBN 978-3-8252-5382-0.
  • Hans-Dieter Mutschler: Naturphilosophie. Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-016814-2.
  • Gregor Schiemann, Michael Heidelberger: Naturphilosophie. In: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie. Meiner, Hamburg 2010, S. 1733–1743.
  • Klaus-Dieter Sedlacek: Kleines Wörterbuch der Natur-Philosophie. 1200 Begriffe, die man kennen sollte, kurz und prägnant. 2. Auflage. Books on Demand, Norderstedt 2016, ISBN 978-3-7392-8712-6.
  • Dieter Wandschneider: Naturphilosophie. Buchner, Bamberg 2009, ISBN 978-3-7661-6657-9.

Speziellere Literatur

  • Gernot Böhme, Gregor Schiemann: Phänomenologie der Natur. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-518-28925-X.
  • Stefan Heiland: Naturverständnis. WBG, Darmstadt 1992, ISBN 3-534-80138-5.
  • Hans Werner Ingensiep, Richard Hoppe-Sailer (Hrsg.): Natur-Stuecke. Zur Kulturgeschichte der Natur. Edition Tertium, Ostfildern bei Stuttgart 1996/2002, ISBN 3-930717-29-8. (Beiträge von H. Baranzke, J. Barkhoff, H. Böhme, A. Eusterschulte, F. Fehrenbach, M. Hoffmann, K. Jax, G. König, P. Matussek u. a.)
  • Max Jammer: Das Problem des Raumes: Die Entwicklung der Raumtheorien. Darmstadt 1960.
  • Kristian Köchy: Perspektiven des Organischen. Schöningh, Paderborn 2003.
  • Kristian Köchy, Martin Norwig (Hrsg.): Umwelt – Handeln. Zum Zusammenhang von Naturphilosophie und Umweltethik. Karl Alber, Freiburg 2006.
  • Ulrich Krohs, Georg Toepfer (Hrsg.): Philosophie der Biologie. Eine Einführung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005.
  • Christian Kummer (Hrsg.): Was ist Naturphilosophie und was kann sie leisten? Karl Alber, Freiburg 2009, ISBN 978-3-495-48323-7.
  • Marc Lange: An Introduction to the Philosophy of Physics. Blackwell, London 2002.
  • Jürgen Miethke: Zur sozialen Situation der Naturphilosophie im späteren Mittelalter. In: Hartmut Boockmann, Bernd Moeller, Karl Stackmann (Hrsg.): Lebenslehren und Weltentwürfe im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Politik – Bildung – Naturkunde – Theologie. Bericht über Kolloquien der Kommission zur Erforschung der Kultur des Spätmittelalters 1983 bis 1987 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: philologisch-historische Klasse. Folge III, Nr. 179). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989, ISBN 3-525-82463-7, S. 249–266.
  • Lawrence Sklar: Philosophy of Physics. Oxford University Press, Oxford 1992.
  • Mirko Sladek: Fragmente der hermetischen Philosophie in der Naturphilosophie der Neuzeit. Frankfurt am Main / Bern / New York 1984.
  • Jan Cornelius Schmidt: Das Andere der Natur : neue Wege zur Naturphilosophie. Hirzel, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-7776-2410-5.
  • Robert Hugo Ziegler: Von der Natur. transcript, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8376-6977-0.
Wiktionary: Naturphilosophie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Allgemeine Darstellungen

Spezifische Darstellungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Gregor Schiemann: Naturphilosophie. [Version 2.0]. In: Thomas Kirchhoff (Redaktion): Naturphilosophische Grundbegriffe. 2012.
  2. ↑ Gregor Schiemann: Naturphilosophie als Arbeit am Naturbegriff. In: Christian Kummer u. a. (Hrsg.): Was ist Naturphilosophie und was kann sie leisten? Freiburg 2009, S. 151.
  3. ↑ Lorenz, Stefan; Mojsisch, Burkhard; Schröder, Winfried & Kaulbach, Friedrich 2017: Naturphilosophie. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie online. Schwabe Verlag, Basel; Kirchhoff, T. & Karafyllis, N.C. 2020. Einführung. In: Kirchhoff/Karafyllis/Evers/Falkenburg/Gerhard/Hartung/Hübner/Köchy/Krohs/Schäfer/Schiemann/Schlette/Schulz/Vogelsang (Hrsg.): Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. 2., aktualisierte und durchgesehene Auflage. UTB / Mohr-Siebeck, Tübingen 2020: XI-XVII.
  4. ↑ Thomas Buchheim: physis. In: Christoph Horn, Christof Rapp (Hrsg.): Wörterbuch der antiken Philosophie. München 2002, S. 345 ff.
  5. ↑ Götz Großklaus: Einleitung. In: G. Großklaus, E. Oldemeyer (Hrsg.): Natur als Gegenwelt. Beiträge zur Kulturgeschichte der Natur. von Loeber, Karlsruhe 1983, S. 8–12.
  6. ↑ Robert Spaemann: Das Natürliche und das Vernünftige. In: O. Schwemmer (Hrsg.): Über Natur. Philosophische Beiträge zum Naturverständnis. Klostermann, Frankfurt am Main 1987, S. 149–164.
  7. ↑ Siehe G. Schiemann (1996), Was ist Natur?. Darin: Einleitung: Traditionslinien der Naturphilosophie (hier in der Literatur, S. 17 u. 19).
  8. ↑ Siehe B. Russell, Philosophie des Abendlandes. (Übers. des Originals History of Western Philosophy von 1945): S. 73 f. (Koch) Berlin, Darmstadt (1950).
  9. ↑ Michael Heidelberger, Gregor Schiemann: Naturphilosophie. In: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie. Meiner, Hamburg 2000, S. 1129.
  10. ↑ Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 6–7.
  11. ↑ Naturphilosophie. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 6, Basel 1984, Sp. 535–560, hier: Sp. 535.
  12. ↑ Aihe Wang: Yinyang wuxing. In: Encyclopedia of Religion. Band 14, S. 9887–9890.
  13. ↑ Geoffry Redmond, Hon Tze-Ki, Teaching the I Ching, Oxford University Press, 2014, S. 281.
  14. ↑ Thil Guschas: Die verschollene Aufklärung. Deutschlandradio Kultur, 26. Juli 2008.
  15. ↑ So Beitrag von Heinrich Schipperges In: Paul Wilpert, Willehad P. Eckert: Antike und Orient im Mittelalter: Vorträge der Kölner Mediaevistentagungen 1956–1959. Berlin 1971, S. 138. (Google Books)
  16. ↑ Rosario Assunto Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Köln 1982, S. 54 f.
  17. ↑ Rosario Assunto: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Köln 1982, S. 95 ff.
  18. ↑ Vgl. auch Franz Vonessen: Das Herz in der Naturphilosophie. In: Karl Thomae (Hrsg.): Das Herz. Band 3: Das Herz im Umkreis des Denkens. Biberach an der Riß 1969, S. 9–52.
  19. ↑ Naturphilosophie. In: Hist.Wb.Philos. 6, Sp. 536–539.
  20. ↑ Naturphilosophie. In: Hist.Wb.Philos. 6, Sp. 540–541.
  21. ↑ Günter Mensching: Hat Nikolaus von Autrecourt Aristoteles widerlegt? In: Jan A. Aertsen, Martin Pickavé: Herbst des Mittelalters? Fragen zur Bewertung des 14. und 15. Jahrhunderts. Berlin 2004, S. 57 ff.
  22. ↑ Daniel Krochmalnik: Was ist jüdische Philosophie?
  23. ↑ Friedrich Niewöhner: Philosophie, jüdische. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 7, Basel 1989, Sp. 900–904.
  24. ↑ Max Jammer, 1960, S. 27 ff.
  25. ↑ Jens Brockmeier: Die Naturtheorie Giordano Brunos. Frankfurt am Main 1980.
  26. ↑ Zitiert nach Max Jammer, 1960, S. 27.
  27. ↑ Naturphilosophie. In: Hist.Wb.Philos. 6, Sp. 546–547.
  28. ↑ Wolfgang Stegmüller: Gedanken über eine mögliche rationale Rekonstruktion von Kants Metaphysik der Erfahrung. Teil II. In: Ders.: Aufsätze zu Kant und Wittgenstein. Darmstadt 1970, S. 58 f.
  29. ↑ Naturphilosophie. In: Hist.Wb.Philos. 6, Sp. 547–550.
  30. ↑ KdU, § 68, AA 5, 383; n. Wolfgang Riedel: Die anthropologische Wende: Schillers Modernität. In: Hans Feger (Hrsg.): Friedrich Schiller. Die Realität des Idealisten. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2006, ISBN 3-8253-5269-2, 157.
  31. ↑ Naturzweck. In: Hist.Wb.Philos. 6, Sp. 658.
  32. ↑ Naturphilosophie. In: Hist.Wb.Philos. 6, Sp. 550 f.
  33. ↑ Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften. § 246.
  34. ↑ Naturphilosophie. in Hist.Wb.Philos. 6, Sp. 553.
  35. ↑ Enzyklopädie. § 247–250.
  36. ↑ Enzyklopädie. § 350.
  37. ↑ Johann Gottlieb Fichte in Stanford Encyclopedia of Philosophy, 6. Februar 2018.
  38. ↑ Zu Schelling Naturphilosophie und ihrem Zusammenhang mit der Romantik siehe z. B. Schellings Naturphilosophie: br.de
  39. ↑ Brigitte Falkenburg: Natur. In: Thomas Kirchhoff, Nicole C. Karafyllis u. a. (Hrsg.): Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. Mohr Siebeck (UTB), Tübingen 2017, S. 96–102, hier S. 97, 100.
  40. ↑ Naturphilosophie. In: Hist.Wb.Philos. 6, Sp. 554 f.
  41. ↑ Marx: Die Deutsche Ideologie. MEW, Band 3.
  42. ↑ Michel Bernard: Die Psychologie. In: François Châtelet (Hrsg.): Die Philosophie der Sozialwissenschaften: 1860 bis heute. (= Geschichte der Philosophie. Band 8). Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1975, S. 18.
  43. ↑ Siehe z. B. E. Schertel: Schelling und der Entwicklungsgedanke. In: Zoologische Annalen 1911. und G. Mayer: Das Verhältnis der Entwicklungstheorie in 'Schellings Naturphilosophie' zum Darwinismus und die Bedeutung beider Systeme für die Konzentration. Görlitz 1906. Auch Rudolf Steiner wurde wesentlich von Schelling beeinflusst.
  44. ↑ Kristian Köchy: Biophilosophie zur Einführung. Junius, Hamburg 2008.
  45. ↑ Konrad Ott: Umweltethik zur Einführung. Junius, Hamburg 2010.
  46. ↑ Gerhard Vollmer: Die Erkenntnis der Natur. Beiträge zur modernen Naturphilosophie. 3. Auflage. Hirzel, Stuttgart 2003, ISBN 3-7776-1249-9.
  47. ↑ Nicole C. Karafyllis (Hrsg.): Biofakte. Versuch über den Menschen zwischen Artefakt und Lebewesen. mentis, Paderborn 2003.
  48. ↑ Nicole C. Karafyllis: Leibliche Naturverhältnisse. In: Thomas Kirchhoff, Nicole C. Karafyllis u. a. (Hrsg.): Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. Mohr Siebeck (UTB), Tübingen 2017, S. 176–185.
  49. ↑ Lothar Schäfer: Das Bacon-Projekt. Frankfurt am Main 1995.
  50. ↑ Gernot Böhme: Natürlich Natur. Frankfurt am Main 1992.
  51. ↑ Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 594.
  52. ↑ Michael Drieschner: Moderne Naturphilosophie. Paderborn 2002.
  53. ↑ So z. B. Hans-Dieter Mutschler: Spekulative und empirische Physik: Aktualität und Grenzen der Naturphilosophie Schellings. Stuttgart 1990.
  54. ↑ Marie-Luise Heuser-Keßler: Die Produktivität der Natur. Schellings Naturphilosophie und das neue Paradigma der Selbstorganisation in den Naturwissenschaften. Berlin 1986; Marie-Luise Heuser-Keßler, Wilhelm G. Jacobs (Hrsg.): Schelling und die Selbstorganisation. Neue Forschungsperspektiven. Berlin 1994.
  55. ↑ Iain Hamilton Grant: On an Artificial Earth: Philosophies of Nature After Schelling. London / New York 2006.
  56. ↑ Iain Hamilton Grant: Die Natur Der Natur. Merve Verlag, 2018.
  57. ↑ Slavoj Žižek: Weniger als nichts: Hegel und der Schatten des dialektischen Materialismus. Frankfurt 2014, Kap. 9.