„Quaestio (Lehrpraxis)“ – Versionsunterschied
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Die Seite wurde neu angelegt: „{{lückenhaft|Ein Beispiel, das das Verfahren als solches beschreibt --Flominator 22:19, 23. Mai 2012 (CEST)}} '''Quaestio''' ist eine Methode der wissenschaftlichen Arbeit während der Scholastik. == Geschichte == Die Bezeichnung ''quaestio'' lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und bedeutet ''Die Frage''. Während der Scholastik war die unter dem Namen ''Quaestio'' stehende Methode eine verbreitete Form der wissenschaft…“ |
KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
'''Quaestio''' ist eine Methode der wissenschaftlichen Arbeit während der [[Scholastik]]. | '''Quaestio''' ist eine Methode der wissenschaftlichen Arbeit während der [[Scholastik]]. | ||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
Die Bezeichnung ''quaestio'' lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und bedeutet '' | Die Bezeichnung ''[[quaestio]]'' lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und bedeutet ''[[Frage]]''. Während der Scholastik war die unter dem Namen ''Quaestio'' stehende Methode eine verbreitete Form der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Als Ausgangsform jeden wissenschaftlichen Denkens war die ''quaestio'' in Form der „[[quaestio disputata]]“ ([[Disputation]]) neben der „[[lectio]]“ ([[Vorlesung]]) im scholastisch bestimmten [[Mittelalter]] die übliche Lehr- und Lernmethode. Angelehnt an diese Methode ist eine entsprechende literarische Form entwickelt worden, zusammengefasst die [[Quaestio (Literaturgattung)|''quaestiones'']]. Viele mittelalterliche Abhandlungen sind in diesem Format verfasst worden. | ||
Die ''quaestio'' diente zur [[Wiederholung (Lernmethode)|Wiederholung]] und Vertiefung der ''lectio'' und gewann auf diese selbst einen steigenden Einfluss. Es gab je nach Lehrplan oder akademischem Rang der Beteiligten verschiedene Arten der ''quaestio,'' deren Themen entweder festlagen, bestimmt wurden oder frei wählbar ''(quaestio quodlibet'' auch ''quaestio quodlibetalis)'' waren. Beteiligte waren der ''[[ | {{SchaufensterBeginn|quaestio quodlibetalis}}Die ''quaestio'' diente zur [[Wiederholung (Lernmethode)|Wiederholung]] und Vertiefung der ''lectio'' und gewann auf diese selbst einen steigenden Einfluss. Es gab je nach Lehrplan oder akademischem Rang der Beteiligten verschiedene Arten der ''[[quaestio]],'' deren Themen entweder festlagen, bestimmt wurden oder frei wählbar ''([[quaestio quodlibet]]'' auch ''[[quaestio quodlibetalis]])'' waren. Beteiligte waren der ''[[opponens]]'' ([[Opponent|Widersprechende]]) und der ''[[Respondent|respondens]]'' ([[Respondent|Antwortende]]) unter der Leitung eines Mitgliedes des Lehrkörpers. Vielfach beteiligten sich auch die Zuhörer. | ||
Die ''quaestio quodlibetalis'' war ein feierliches Ereignis für die gesamte Universität und so ein Höhepunkt des akademischen Lebens. In diesem Rahmen wurden auch scherzhafte Fragen erörtert, insbesondere war dies eine Möglichkeit für Studenten und Kollegen, den ''[[magister]]'' aufs Eis zu führen. | Die ''[[quaestio quodlibetalis]]'' war ein feierliches Ereignis für die gesamte Universität und so ein Höhepunkt des akademischen Lebens. In diesem Rahmen wurden auch scherzhafte Fragen erörtert, insbesondere war dies eine Möglichkeit für Studenten und Kollegen, den ''[[magister]]'' aufs Eis zu führen.{{SchaufensterEnde|quaestio quodlibetalis}} | ||
In Bezug auf das berühmte Problem, wie viele Engel auf eine Nadelspitze passen – bekannt etwa durch [[Christian Morgenstern]]s Gedicht ''Scholastikerprobleme''<ref>[https://www.projekt-gutenberg.org/morgenst/gedichte/chap068.html Christian Morgenstern: ''Scholastikerprobleme'' bei Projekt Gutenberg]</ref> – ist zu bemerken, dass diese Frage für das Mittelalter nicht belegt ist (wohl aber die Frage, ob viele Engel zugleich an einem Ort sein können.<ref>[[Thomas von Aquin]]: ''[[Summa Theologica]],'' prima pars, quaestio LII, articulus 3 ''„Utrum plures angeli possint simul esse in eodem loco“'' [https://www.thelatinlibrary.com/aquinas/q1.52.shtml Online]</ref>) | In Bezug auf das berühmte Problem, wie viele Engel auf eine Nadelspitze passen – bekannt etwa durch [[Christian Morgenstern]]s Gedicht ''Scholastikerprobleme''<ref>[https://www.projekt-gutenberg.org/morgenst/gedichte/chap068.html Christian Morgenstern: ''Scholastikerprobleme'' bei Projekt Gutenberg]</ref> – ist zu bemerken, dass diese Frage für das Mittelalter nicht belegt ist (wohl aber die Frage, ob viele Engel zugleich an einem Ort sein können.<ref>[[Thomas von Aquin]]: ''[[Summa Theologica]],'' prima pars, quaestio LII, articulus 3 ''„Utrum plures angeli possint simul esse in eodem loco“'' [https://www.thelatinlibrary.com/aquinas/q1.52.shtml Online]</ref>) | ||
Aktuelle Version vom 29. Juni 2026, 10:03 Uhr
Quaestio ist eine Methode der wissenschaftlichen Arbeit während der Scholastik.
Geschichte
Die Bezeichnung quaestio lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und bedeutet Frage. Während der Scholastik war die unter dem Namen Quaestio stehende Methode eine verbreitete Form der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Als Ausgangsform jeden wissenschaftlichen Denkens war die quaestio in Form der „quaestio disputata“ (Disputation) neben der „lectio“ (Vorlesung) im scholastisch bestimmten Mittelalter die übliche Lehr- und Lernmethode. Angelehnt an diese Methode ist eine entsprechende literarische Form entwickelt worden, zusammengefasst die quaestiones. Viele mittelalterliche Abhandlungen sind in diesem Format verfasst worden.
Die quaestio diente zur Wiederholung und Vertiefung der lectio und gewann auf diese selbst einen steigenden Einfluss. Es gab je nach Lehrplan oder akademischem Rang der Beteiligten verschiedene Arten der quaestio, deren Themen entweder festlagen, bestimmt wurden oder frei wählbar (quaestio quodlibet auch quaestio quodlibetalis) waren. Beteiligte waren der opponens (Widersprechende) und der respondens (Antwortende) unter der Leitung eines Mitgliedes des Lehrkörpers. Vielfach beteiligten sich auch die Zuhörer.
Die quaestio quodlibetalis war ein feierliches Ereignis für die gesamte Universität und so ein Höhepunkt des akademischen Lebens. In diesem Rahmen wurden auch scherzhafte Fragen erörtert, insbesondere war dies eine Möglichkeit für Studenten und Kollegen, den magister aufs Eis zu führen.
In Bezug auf das berühmte Problem, wie viele Engel auf eine Nadelspitze passen – bekannt etwa durch Christian Morgensterns Gedicht Scholastikerprobleme[1] – ist zu bemerken, dass diese Frage für das Mittelalter nicht belegt ist (wohl aber die Frage, ob viele Engel zugleich an einem Ort sein können.[2])
Mittelalterlich ist dagegen die Aussage, dass tausend Seelen im Himmel auf eine Nadelspitze passen. Sie erscheint in dem mystischen Traktat Schwester Katrei aus dem 14. Jahrhundert bereits als Gelehrtenaussage, die auch im Volksmund allgemein bekannt sei.[3]
Siehe auch
Literatur
- Friedrich Zarnecke: Die deutschen Universitäten im Mittelalter. Leipzig 1857.
- Hastings Rashdall: The Universities of Europe in the Middle ages. (Oxford 1895) Band 1. Oxford 1936, S. 493 ff.
Weblinks
- William J. Hoye: Die mittelalterliche Methode der Quaestio (94 KB; PDF)
Einzelnachweise
- ↑ Christian Morgenstern: Scholastikerprobleme bei Projekt Gutenberg
- ↑ Thomas von Aquin: Summa Theologica, prima pars, quaestio LII, articulus 3 „Utrum plures angeli possint simul esse in eodem loco“ Online
- ↑ Otto Simon: Überlieferung und Handschriftenverhältnis des Traktates „Schwester Katrei“, Dissertation, Halle/Saale 1906, S. 71, Zeile 4 bis 7. Online