„Fundamentalismus“ – Versionsunterschied
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[[fundamental]][[-ismus]] [[Sprachstufe::lat.-deu.]] vgl. [[erkenntnistheoretischer Fundamentalismus]] | [[fundamental]][[-ismus]] [[Sprachstufe::lat.-deu.]] | ||
'''Fundamentalismus''' (von {{enS|fundamentalism}}, zusammengesetzt aus ''fundamental'' und [[-ismus]]; abgeleitet von [[latein]]isch ''fundamentum'' ‚[[Dialektischer Materialismus|Unterbau]]‘, ‚Basis‘, ‚[[Fundament]]‘) ist eine [[Überzeugung]], Anschauung oder Geisteshaltung, die sich durch ein kompromissloses Festhalten an [[Ideologie|ideologischen]] oder [[Religion|religiösen]] Grundsätzen kennzeichnet und das politische Handeln bestimmt.<ref>[https://www.duden.de/rechtschreibung/Fundamentalismus#Bedeutunga ''Fundamentalismus''] in duden.de, abgerufen am 20. September 2017.</ref> In einem ursprünglichen Sinne bezeichnet Fundamentalismus Richtungen bzw. Bewegungen des amerikanischen [[Protestantismus]], die davon ausgehen, dass die [[Bibel]] als unmittelbares [[Wort Gottes]] irrtums- und fehlerfrei sei.<ref>[https://www.dwds.de/wb/Fundamentalismus „Fundamentalismus“], [[Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache|DWDS]], abgerufen am 21. September 2017.</ref> Eine andere Form von [[Christlicher Fundamentalismus|christlichem Fundamentalismus]] ist der [[Integralismus]]. | |||
* vgl. [[erkenntnistheoretischer Fundamentalismus]] | |||
Im weiteren Sinne bezeichnet Fundamentalismus eine übersteigerte Form ethnisch-kultureller oder religiöser [[Identität]],<ref>Oliver Hämmig: ''Zwischen zwei Kulturen: Spannungen Konflikte und ihre Bewältigung bei der zweiten Ausländergeneration.'' Springer Verlag 2013, S. 130.</ref> die sich oft durch extremen [[Tradition]]alismus und [[Autoritarismus]] auszeichnet. | |||
Insbesondere nach den [[Terroranschläge am 11. September 2001|Terroranschlägen vom 11. September 2001]] in den USA wurde ''Fundamentalismus'' auch zu einem politischen Schlagwort speziell für [[Islamismus|islamistische]] Bestrebungen. | |||
Im weiteren Sinne verhält sich der Fundamentalismus gegenüber der [[Moderne]] „ambivalent“<ref>[[Jan Roß]]: [https://www.zeit.de/2001/40/200140_fundamentalismus.xml ''Was ist Fundamentalismus?''] In: ''[[Die Zeit]]'', Nr. 40/2001.</ref> bis ablehnend und fordert eine Rückbesinnung auf die Wurzeln einer bestimmten Religion oder Ideologie, welche notfalls mit [[Radikalismus|radikalen]] und teilweise intoleranten Mitteln durchgesetzt werden soll. Der Vorwurf des Fundamentalismus wird auch auf soziale oder politische Gruppen bezogen, die – angeblich oder tatsächlich – ihre ideologische Orientierung absolut setzen und um die gesellschaftliche Vormacht kämpfen. Fundamentalismus wird durch eine stark polarisierte Auslegung einer [[Letztbegründung]] umgesetzt und richtet sich häufig gegen Andersgläubige. | |||
== Begriff == | == Begriff == | ||
Die Bezeichnung Fundamentalismus wurde erstmals im Zusammenhang mit einer von [[Reuben Archer Torrey]] herausgegebenen Schriftenreihe ''{{lang|en|The Fundamentals. A Testimony to the Truth}}''<ref>Reuben Archer Torrey (Hrsg.): [http://www.oocities.com/Athens/Parthenon/6528/fundcont.htm ''The Fundamentals A Testimony to the Truth.'' (1909)] oocities.com</ref> verwendet. Diese Schriftreihe wendete sich gegen [[liberale Theologie]] und insbesondere die [[Historisch-kritische Methode (Theologie)|historisch-kritische Methode]]. Zu den Autoren gehörten namhafte konservative Theologen wie [[Benjamin Breckinridge Warfield]]. Die fünf wesentlichen Punkte ihrer Haltung wurden 1910 von der Generalkonferenz der [[Presbyterian Church (U.S.A.)|presbyterianischen Kirche]] zusammengefasst:<ref>J. I. Packer: {{Webarchiv|url=http://www.acs.ucalgary.ca/~nurelweb/evang/packer/fundi-1.html |wayback=20080524062055 |text=''Fundamentalism and the Word of God.'' |archiv-bot=2025-03-13 07:15:02 InternetArchiveBot }} Inter-Varsity Press, London 1958.</ref> | |||
*die [ | * die [[Chicago-Erklärung|Irrtumslosigkeit]] und Autorität der Bibel | ||
*die [ | * die [[Jungfrauengeburt]] und [[Wunder Jesu|Wunder]] | ||
*die [ | * die [[Christologie|Gottheit]] Jesu Christi | ||
*sein [ | * sein [[Versöhnung#Christentum|Tod für die Sünden der Menschen]] | ||
*seine [ | * seine [[Auferstehung Jesu Christi|leibliche Auferstehung]] und seine [[Parusie|Wiederkunft]] | ||
Die in den ''Fundamentals'' vertretene Haltung genügt nicht, um den christlichen Fundamentalismus trennscharf zu definieren. Von anderen Strömungen unterscheidet sich der christliche Fundamentalismus durch eine [[Biblizismus|biblizistische]] Auslegung der Bibel, die so eng mit dem [[Heil#Religiöse Heilsvorstellungen|Heilsglauben]] verbunden ist, dass andersdenkenden Christen ihr Christsein abgesprochen wird. Ergänzend kommen dazu eine [[Konservatismus|konservative]] politische Haltung und der Wille, religiös begründete Überzeugungen auch politisch durchzusetzen.<ref>Reinhard Hempelmann (Hrsg.): ''Panorama der neuen Religiosität.'' Gütersloh 2005, ISBN 3-579-02320-9, S. 423ff.</ref> | |||
Nach Christoph Urban handelt es sich um einen „Abgrenzungsbegriff“, mit dem theologische Irrwege in religionspolitischen Debatten markiert werden.<ref>Christoph Urban: ''Fundamentalismus. Ein Abgrenzungsbegriff in religionspolitischen Debatten.'' Springer VS, Wiesbaden 2019, S. 45–48.</ref> Laut [[Markus Gabriel]] begehen religiöse Fundamentalismen den typischen Grundfehler, zu meinen, dass es „die [[Wirklichkeit]]“ gäbe, indem etwas Wirkliches herausgegriffen und für ein universell gültiges [[Muster]] gehalten werde. So halte der religiöse Fundamentalismus „die materiell-energetischen [[Muster (Struktur)|Strukturen]] nur für eine Welt des Sinnenscheins, die Gott inszeniert, um unsere [[Seele]]n zu prüfen.“<ref>Markus Gabriel: ''Der Sinn des Denkens.'' Ullstein Berlin, 2018 S. 283 u. 353.</ref> | |||
== Fundamentalistisches Denken und Konflikt mit dem Umfeld == | == Fundamentalistisches Denken und Konflikt mit dem Umfeld == | ||
[[Soziologisch]] wird Fundamentalismus – nicht nur der christliche, aus dem der Begriff abgeleitet werden kann – als Ausprägung einer radikalen Denkhaltung gesehen. In dem Maße, wie eine fundamentalistische Ausprägung von [[Denken]] oder [[Glauben]] [[Handeln|Handlungsnormen]] ableitet, deren individuelle und soziale Gültigkeit über den Kreis von Anhängern des jeweiligen Denkens, Glaubens oder deren Ideologie hinausgeht, ist schon durch die Art der [[Sozialethik|Begründung der Normen]] der Konflikt mit dem Umfeld vorgezeichnet. | |||
Fundamentalismus versteht sich in der Regel als Reaktion auf eine Aufweichung von Überzeugungen, die am Anfang des jeweiligen Glaubens bzw. der Ideologie standen. Die Anpassung an aktuelle Lebensumstände oder den ethischen [[Kompromiss]] erscheinen in einem fundamentalistischen [[Weltbild]] als problematisch bis unmöglich. Diese Anpassungen versteht der Fundamentalismus als Verrat an dem Gründungsverständnis des Glaubens oder der Ideologie. In diesem Sinne können Fundamentalismen immer wieder in Grenz- und Vermischungszonen der Hochreligionen entstehen, in denen sich Vertreter von Minderheiten gegen die von ihren Glaubensbrüdern bereits teilweise oder ganz vollzogene [[Assimilation (Soziologie)|Assimilation]] wehren und sich auf ihre Glaubenswurzeln besinnen. | |||
Insbesondere kann Fundamentalismus als teilweise oder ganze Ablehnung der [[Moderne]] mit ihrer [[Globalisierung]] und [[Kommerzialisierung]] wichtiger Lebensbereiche, ihrem [[Relativismus#Werterelativismus|Werterelativismus]], [[Individualismus]] und [[Rationalismus]] verstanden werden. Anders als der [[Tradition]]alismus, der die überkommenen kulturellen und sozialen Traditionsbestände gegen Veränderungen zu verteidigen trachtet, versucht der Fundamentalismus ihre Infragestellung durch die Moderne rückgängig zu machen. Insofern ist er selber ein Phänomen der Moderne.<ref>[[Thomas Meyer (Politikwissenschaftler)|Thomas Meyer]]: ''Fundamentalismus. Eine Einführung.'' VS Verlag, Wiesbaden 2009.</ref><ref>[[Gottfried Küenzlen]], s. v. ''Fundamentalismus II. Religionsgeschichtlich.'' In: ''[[Religion in Geschichte und Gegenwart]].'' 4. Auflage, (Studienausgabe) UTB, Band 3, S. 415.</ref> Kritik am Fundamentalismus wird zuerst im Zeitalter der [[Aufklärung]] geübt. So kritisiert zum Beispiel der [[Deismus|Deist]] [[Benjamin Franklin]] das religiöse Eiferertum der aus seiner Sicht rückständigen, autoritätshörigen [[Deutschamerikaner|deutschen und böhmischen Einwanderer]] in [[Pennsylvania]], die er als eine ''Colony of Aliens'' beschrieb.<ref>[[Simon Schama]]: ''The American Future: From the Founding Fathers to Barack Obama.'' 2. Auflage. Vintage, London 2009, S. 240 f.</ref> | |||
In der von [[Max Weber]] beschriebenen modernen Gesellschaft folgt diese Polarisierung der Normbegründung dem Gegensatz der von ihm ebenfalls beschriebenen Konzepte einer [[Gesinnungsethik]] und einer [[Verantwortungsethik]]. | |||
Der Fundamentalismus schafft eine Konfliktlinie, entlang derer der Begriff des [[Pluralismus (Politik)|Pluralismus]] zum Vorwurf an die Adresse derjenigen wird, die historische Anpassungsprozesse für unabdingbar ansehen. Im Gegenzug erfährt der Begriff des Fundamentalismus seine polemische Verwendung, indem er für eine Unfähigkeit zum Kompromiss oder eine Unfähigkeit zur Anpassung an sich wandelnde Lebensumstände steht, wobei zugleich bestritten wird, dass die fundamentalistische Haltung dem Gründungsverständnis des Glaubens oder der Ideologie tatsächlich gerecht werde. | |||
Da jeder Glaube und jede Ideologie schon durch den Prozess des Verstehens und der Aneignung durch jedes denkende und glaubende Subjekt ([[Hermeneutik]]) das Gründungsverständnis verändern und auf die historische Situation hin anpassen, gebiert jede Überzeugung in ihrer Anhängerschaft im Laufe der Geschichte Adaption und Fundamentalismus gleichermaßen. | |||
== Weitere Begriffsverwendung == | == Weitere Begriffsverwendung == | ||
Im populären Sprachgebrauch werden unter dem Begriff ''Fundamentalismus'' zuweilen unterschiedslos [[Konservatismus|konservative]] religiöse Gruppen, gewalttätige Mitglieder einiger Volksgruppen mit mehr oder weniger religiöser oder religiomorpher Motivation oder [[Terrorismus|Terroristen]] zusammengefasst. Auch diese Unschärfe macht den Begriff problematisch. | |||
So schreibt der Historiker [[Hartmut Lehmann]]: ''Bisher ist offen, ob der Begriff Fundamentalismus zu mehr taugt als zu Polemik''.<ref>Hartmut Lehmann: ''Einführung.'' In: Hartmut Lehmann, Ruth Albrecht (Hrsg.): ''Geschichte des Pietismus. 4. Band: Glaubenswelt und Lebenswelten.'' Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, S. 11.</ref> Obwohl es unter den genannten Gruppentypen Überschneidungen gibt, lassen sie sich nicht prinzipiell gleichsetzen. Auch büßt der Begriff an Bedeutung ein, wenn nicht auf die jeweiligen Fundamente Bezug genommen wird. Fundamentalisten charakterisiert man im Allgemeinen dadurch, dass sie sich auf bestimmte konkrete Grundlagen (oder das, was sie darunter verstehen) ihrer Religion (oder gelegentlich auch im weiteren Sinne verwendet: ihrer Partei, Ideologie, [[Sekte]]) beziehen und darüber keine Diskussion zulassen. | |||
Mit dem Begriff können [[Toleranz|Intoleranz]], Radikalismus und auch daraus entstehende Gewaltbereitschaft suggeriert werden, wobei dies teilweise dem geäußerten Selbstverständnis der Gruppe entspricht. | |||
Abweichend von seiner ursprünglichen Beschränkung auf religiöse Dogmen wird der Begriff auch auf [[Säkularismus|säkulare]] Ideologien bezogen.<ref>[[Hans-Heinrich Nolte]]: ''Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts''. Böhlau, Wien 2009, ISBN 978-3-205-78402-9, S. 67.</ref> Dies geht auf einen formalen Fundamentalismusbegriff zurück, nach dem eine soziale Bewegung als fundamentalistisch einzustufen ist, wenn sie ihre religiöse, ethnische oder ideologische Orientierung absolut setzt und zugleich ''expansiv um die Kontrolle eines ihr übergeordneten gesellschaftlichen Machtzentrums'' kämpft.<ref>Heinrich Schäfer: ''Fundamentalismen in religiösem und säkularem Gewand. Der Kampf um Deutungshoheit in einer globalen politischen Kultur.'' In: Fritz Erich Anhelm (Hrsg.): ''Vernünftiger Glaube zwischen Fundamentalismus und Säkularismus. Protestanten in der globalisierten Welt'' (= Loccumer Protokolle 34/08). Evangelische Akademie, Rehburg-Loccum 2008, S. 19–42, hier: S. 24.</ref> Entsprechend wird – meist kritisch oder abwertend – von grün-alternativem [[Fundi]] oder [[Marktfundamentalismus]] gesprochen.<ref>Manfred Prisching: ''Fundamentalismus aus der Sicht der Sozialwissenschaften.'' In: Kurt Salamun (Hrsg.): ''Fundamentalismus „interdisziplinär“''. LIT, Wien 2005, ISBN 3-8258-7621-7, S. 243–294, insb. 244, 284.</ref> | |||
== Selbstverständnis und Ausrichtungen == | == Selbstverständnis und Ausrichtungen == | ||
Fundamentalismus, der als eine grundsätzliche Gegenbewegung gegen die [[Moderne]] gesehen werden kann, sieht die grundlegenden [[Prinzip]]ien einer Religion durch [[Relativismus]], [[sexuelle Selbstbestimmung]], [[Religionstheologischer Pluralismus|Pluralismus]], [[Historismus (Geschichtswissenschaft)|Historismus]], [[Toleranz]] und das Fehlen von [[Autorität]] gefährdet. Ein Mittel dagegen sieht er im [[Politische Partizipation|politischen Engagement]]. Einige fundamentalistische Gruppen greifen die in westlichen Ländern übliche [[Trennung zwischen Staat und religiösen Institutionen]] an, um ihre Ziele auch mit staatspolitischen Mitteln durchsetzen zu können, andere vertreten eine strikte Trennung von Religion und Staat, wiederum andere vertreten eine [[Weltanschauung|weltanschauliche]] Neutralität des Staates sowohl Religionen wie nicht-religiösen [[Weltanschauungsfreiheit|Weltanschauungen]] gegenüber. | |||
Eine fundamentalistische Weltanschauung ist oftmals geprägt durch ein [[Dualismus|dualistisches]] Konzept des [[Niedergang]]s, nach dem die Anhänger des ''[[Wahrheit|Wahren]] und [[Das Gute|Guten]]'' im Kampf gegen ''das Böse'', die ''Schlechten, Andersdenkenden und anders Gläubigen'' begriffen sind. | |||
Strittig ist insbesondere die Abgrenzung zu Anhängern konservativer oder [[Orthodoxie|orthodoxer]] Richtungen von Religionen oder Ideologien. Diese stehen ebenfalls gegenwärtigen Entwicklungen [[Kritik|kritisch]] oder ablehnend gegenüber, nehmen dabei aber eine eher moderate Haltung ein. Konservative und Orthodoxe wollen auch eher die real existierenden [[Tradition]]en ihrer unmittelbaren Vorfahren fortsetzen, während Fundamentalisten mindestens für ihre eigenen Mitglieder, teilweise aber auch für die Gesellschaft als Ganzes meinen, zu einem angenommenen ''Urzustand'' vergangener Zeiten zurücklenken zu können. | |||
Charakteristisch für Fundamentalismen ist ferner die oft kritiklose [[Rezeption (Kunst)|Rezeption]] heiliger Texte bzw. die Ablehnung [[Kritik|kritischer]], [[wissenschaft]]licher Auseinandersetzung mit religiösen Texten (siehe [[Verbalinspiration]]). | |||
[[Religionssoziologie|Religionssoziologisch]] bilden die Fundamentalisten oft kleinere Gruppen innerhalb großer Religionen, die sich von der Mehrheit absetzen, weil diese die grundlegenden Prinzipien der Religion verraten habe. | |||
Versteht man Fundamentalismus als eine Bewegung zurück zu den so genannten [[Quellen der Religionsgeschichte|Quellen der Religion]], so waren die [[Reformator]]en wie die [[Humanismus|Humanisten]] mit ihrer Forderung ''[[Ad fontes|Zurück zu den Quellen!]]'' auch eine Art Fundamentalisten. Islamwissenschaftler wie zum Beispiel [[Olivier Roy (Politikwissenschaftler)|Olivier Roy]] (unter anderem in seinem Buch ''Der islamische Weg nach Westen – Globalisierung|Entwurzelung|Radikalisierung'', deutsche Ausg. Pantheon 2006) machen im Islamismus unter anderen einen militanten Islamismus (oder [[Islamistischer Terrorismus|islamistischen Terrorismus]]) und einen [[Neofundamentalismus (Islam)|Neofundamentalismus]] aus. | |||
Solche Gruppen können [[Theologie|theologisch]] Fundamentalisten sein, aber sie kommen ebenso unter [[Neue religiöse Bewegung|neuen religiösen Bewegungen]] vor (siehe auch: [[Totalitarismus]]; [[Ideologiekritik]]). | |||
== Religiöse Ausprägungen == | == Religiöse Ausprägungen == | ||
< | * [[Christlicher Fundamentalismus]] | ||
* [[Radikaler Pietismus]] | |||
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*[ | Der [[Christlicher Fundamentalismus|christliche Fundamentalismus]] ist als Begriff vor allem als ein Teil der evangelischen [[Erweckungsbewegung]] in den USA zu sehen, die besonders am Ende des 19. Jahrhunderts stark war, einer Zeit des [[Millenarismus]]. Gegen die moderne Bibelkritik auf den Kanzeln der protestantischen Hauptkonfessionen in den USA wuchs zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschiedener Widerstand, der zunächst unorganisiert war. In Deutschland war dafür vor dem Aufkommen des Begriffs ''Fundamentalismus'' der Ausdruck [[Repristinationstheologie]] üblich. | ||
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Eine lose Schriftenreihe „The Fundamentals – A Testimony to the Truth“ erschien von 1910 bis 1915 in einer Auflage von je 175.000 – 300.000 Exemplaren, welche verschiedene wertkonservative christliche Gedanken umfasste und eher [[ökumenisch]] und pazifistisch und nicht separatistisch gedacht war. Finanziert wurden die Traktate von den kalifornischen Ölmagnaten Lyman und Milton Stewart. 1919 wurde eine „World’s Christian Fundamentals Association“ WCFA gegründet, die jedoch unbedeutend blieb. Als einer Erfinder des Begriffes „Fundamentalismus“ gilt [[Curtis Lee Laws]] (1858–1946) in der Zeitschrift „Watchman Examiner“ in der Ausgabe vom 1. Juli 1920. Mit Fundamentalisten bezeichnete Laws eine Gruppe innerhalb der Northern Baptists, die an der [[Kontroversen um die Bibel|Irrtumslosigkeit der Bibel]] festhielt. | |||
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*[ | Die amerikanische Gesellschaft wurde stark verändert durch die [[russische Revolution]], die beiden Weltkriege und die Angst vor dem [[Kommunismus]] (Kalter Krieg). Diese Angstkultur war der Nährboden für die spätere fundamentalistische kirchliche Splitterbewegung in den USA, die vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg lauter wurde und einen rigorosen konfessionellen Separatismus umzusetzen begann, als innerkirchliches [[Pendant]] zum Kalten Krieg auch als Separatismus innerhalb der protestantischen [[Erweckungsbewegung]]. Die [[Erweckungsbewegung]] als Ganzes und insbesondere der [[Evangelikalismus]] setzte sich zwar auch von vielen theologisch-bibelkritischen Strömungen ab, verzichtete aber meist auf beissende Polemik und Rechthaberei, die sie als unbiblisch empfand. | ||
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Viele fundamentalistische Gruppen halten ihrerseits den Evangelikalismus für zu verweltlicht und zu ökumenisch. In Fragen von Ökonomie und Politik besteht beim christlichen Fundamentalismus eine starke [[Affinität]] zu ultraliberalen oder rechtsradikalen Auffassungen. So wird die [[Todesstrafe]] meist von ihnen befürwortet, im Unterschied zu den Evangelikalen, die hier gespalten sind und ein sehr breites politisches Spektrum aufweisen. Viele Evangelikale empfinden nämlich das Aufrechterhalten der Todesstrafe als theologisch unhaltbar, da man nicht für sich selbst die Gnade Christi beanspruchen und gleichzeitig anderen gegenüber ungnädig sein könne. ([[Lukasevangelium]] 6,37: „Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.“) | |||
Fundamentalismus und Evangelikalismus wurzeln in unterschiedlichen [[Soziales Milieu|sozialen Milieus]]: | |||
* Die Fundamentalisten sind eher Landmenschen aus dem Mittleren Westen, | |||
* die Evangelikalen eher Stadtmenschen aus Kalifornien und den Neu-England-Staaten. | |||
Allerdings ist die Komplexität der sozialen Hintergründe der unterschiedlichen Richtungen in der protestantischen Erweckungsbewegung extrem groß. | |||
In der evangelischen Welt außerhalb der USA gibt es nur wenige Entsprechungen zur fundamentalistischen Bewegung. Sie ist ein typisch US-amerikanisches Phänomen, welches durch die typische kommunikatorische Radikalität entstanden ist, welche durch die Größe der US-Gesellschaft (heute ca. 300 Mio. Einwohner) vorgegeben ist und in allen Lebensbereichen wahrzunehmen ist. | |||
Filialen der US-amerikanischen Missionsgesellschaften fundamentalistischer Prägung wurden in Europa durch den pietistisch geprägten Evangelikalismus gezähmt und kulturspezifisch umgeformt. Die fundamentalistische Mission ist weltweit mehr oder weniger erfolglos geblieben. In Südamerika ist die charismatisch-pfingstlerische Bewegung sehr erfolgreich. | |||
Bei der Berichterstattung über die evangelische Erweckungsbewegung wird in der allgemeinen Presse der Begriff Fundamentalismus auch als Oberbegriff für die ganze Bewegung verwendet, was religionshistorisch und -soziologisch jedoch nicht haltbar ist. | |||
In der Außenwahrnehmung wird es in jüngerer Zeit oft als christlicher Fundamentalismus bezeichnet, wie evangelisch-konservative Christen in den USA ihre Glaubensidentität stark mit der amerikanischen Kultur- und Nationalidentität überlagern und damit eine Art von Antipathie ernten, welche man in Europa der Kategorie „Unheimliche Patrioten“ (im Sinne eines übersteigerten Nationalismus) entgegenzubringen pflegt. In der europäischen Presse wird diese Antipathie oft am Thema [[Kreationismus]] kondensiert. Grund hierfür ist auch der medien-ökonomische Sachzwang, mit möglichst wenig Aufwand bei der Leserschaft möglichst viel emotionales Engagement hervorzurufen. Auch der so genannte [[Christlicher Zionismus|christliche Zionismus]] wird heute meist als fundamentalistisch wahrgenommen. | |||
Auch andere Christen können, einzeln oder in nicht ausdrücklich fundamentalistischen Gruppen, Intoleranz zeigen; die überzeugten Anhänger der christlichen Konfessionen können durchaus sich auf die Schriften zum Beispiel des [[Papst]]es, [[Luther]]s oder [[John Wesley]]s beziehen und gegen andere Christen argumentieren, die sie für korrupt halten im Sinne eines Nichtbefolgens der [[Bibel]]. Dies ist, besonders wenn die gepredigten Werte [[Bigotterie|nicht selbst befolgt]] werden, unter anderem in den [[Satire]]n der [[Aufklärung (Literatur)|Aufklärung]] thematisiert, etwa von [[Oliver Goldsmith]], [[Henry Fielding]], und danach auch [[Sartre]] und [[Nietzsche#Kritik der Moral]] NUR WENN QUELLEN NÖTIG SIND- | |||
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* [[Fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage|Mormonischer Fundamentalismus]] | |||
* [[Islamismus]] | |||
* [[Neofundamentalismus (Islam)|Neofundamentalismus]] | |||
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''Hauptartikel'': [[Islamischer Fundamentalismus]]. | |||
Der islamische Fundamentalismus, oft auch als Islamismus bezeichnet, versteht sich als ein kritischer Moment am vermeintlichen Niedergang des Islam in der islamischen Welt und der [[Diaspora]]. | |||
Sowohl im Glaubenssystem als auch in den Handlungsanweisungen stellt er Abweichung von den wörtlich verstandenen Texten aus [[Koran]] und [[Hadith]] fest, u. macht sie als ideen- und [[Sozialkritik|sozialkritische]] Bewegung für Unmoral, [[Korruption]] und andere politische Übel der islamischen Länder sowie ihre „Verwestlichung“ verantwortlich. [[Sayyid Qutb]] (1906–1966), Mitglied und Vordenker der [[Muslimbruderschaft]], propagierte einen islamischen Staat als Garant [[Soziale Gerechtigkeit|sozialer Gerechtigkeit]]. Hierbei unterscheiden sich Fundamentalisten von „Konservativen“ in der Verwerfung der historischen, bis an die Gegenwart gewachsenen islamischen Traditionen als „degeneriert“. | |||
Der islamische Fundamentalismus ist eine [[Reaktion]] auf den Identitätsverlust, den viele arabische Länder durch die [[Kolonialismus|Kolonisierung]] erlebten, und auf eine durch den Westen dominierte [[Globalisierung]], die westliche Werte wie [[Individualismus]] oder [[Säkularismus]] absolut setze und traditionelle orientalische Werte, wie Gemeinschaftssinn und Familie, verdrängen wolle. | |||
Im Islam bildeten sich fundamentalistische Bewegungen im engeren Sinne in den [[1930er]] Jahren, gleichwohl hatte es in der Geschichte des Islam immer wieder radikale religiöse Bewegungen gegeben, so beispielsweise die [[Wahhabiten]] im [[18. Jahrhundert]], die später den heutigen Staat [[Saudi-Arabien]] prägten. Ein wichtiger „geistiger Ahne“ ist der [[Damaskus|Damaszener]] Rechtsgelehrte [[Ibn Taimiya]] (1263–1328). Bis heute maßgeblich ist zum einen die [[1928]] vom Lehrer [[Hasan al-Banna]] (1906–1949) in [[Ägypten]] gegründete [[Muslimbruderschaft]] (''Al-Ikhwan al-muslimun''). Der zweite wichtige Vordenker ist der in Indien und (ab 1947) in Pakistan wirkende [[Abû l-A’lâ al-Maudûdî]] (1903–1979) mit seiner 1941 gegründeten Kaderpartei [[Jama’at-e islami]]. In Iran entstand eine von der schiitischen [[Imam]]atslehre geprägte Sonderform des islamischen Fundamentalismus. Unter der Führung des [[Ajatollah|Ayatollah]] [[Khomeini|Ruhollah Musawi Khomeini]] (1906–1989) errang sie in der islamischen Revolution 1979 nach dem Sturz des Schahs die Macht. | |||
Die islamischen Fundamentalisten opponieren dem [[Säkularismus|säkularen]] [[Staat]]smodell und fordern die Einführung des [[Schari’a|islamischen Rechts]], da in ihrem Verständnis die Einheit von Religion, Gesellschaft, Familie, und Staat integral zum Islam gehört. Die Parallelen ihres Staatsmodells zu [[totalitär]]en Systemen säkularer Prägung sind offensichtlich. [[Verschwörungstheorie]]n sind ein zentrales Element der islamisch-fundamentalistischen [[Ideologie]]. | |||
Besonderen Zustrom findet der islamische Fundamentalismus durch die soziale Situation: wegen der [[Landflucht]] gibt es in den Slums der Riesenstädte von [[Kairo]] und [[Ghaza-Stadt]], [[Jakarta]] und [[Islamabad]] entwurzelte Massen, die beim [[Islamismus]] nicht nur einen geistigen Halt, sondern auch soziale Hilfe finden. [[Islamistisch Organisation|Islamistische Organisationen]] predigen nicht nur in den [[Moschee]]n, sie führen auch [[Spital|Spitäler]] und [[Schule]]n, die den [[Armut|Ärmsten]] offen stehen – ein wichtiger Faktor in Ländern mit hoher [[Analphabetismus|Analphabetenrate]]. Die Stärke des islamischen Fundamentalismus in [[Saudi-Arabien]] und den wohlhabenden [[Golfstaaten]] zeigt jedoch, dass die Entstehung des islamischen Fundamentalismus nicht einseitig durch sozio-ökonomische Faktoren erklärt werden kann. | |||
Fundamentalistische Gruppen des Islams werden nicht durch eine [[Hierarchie|hierarchische]] Organisation zusammengehalten, sondern sie treten quer durch die islamische Welt in einzelnen, hierarchisch strukturierten Gruppen auf. Viele davon erhalten [[Finanzen|finanzielle]] Unterstützung vom Staat [[Saudi-Arabien]] beziehungsweise [[Iran]]. | |||
In [[Deutschland]] wird im aktuellen [[Verfassungsschutzbericht]] berichtet, dass es derzeit 24 aktive islamistische Organisationen im Bundesgebiet gibt. Sie hatten im Jahr 2003 nach Schätzungen der Behörden insgesamt 30 950 Mitglieder. Davon sind 27 300 türkischer und 3300 arabischer Herkunft. Insgesamt entspricht dies nur einem Prozent der über drei Millionen hier lebenden Muslime. Deutschland gilt vor allem als „Ruheraum“ für potenzielle islamische Terroristen. | |||
Die wichtigsten islamistischen Gruppierungen in Deutschland im Überblick: | |||
* Die türkische „Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e. V.“ (IGMG) ist mit rund 26 500 Mitgliedern die größte islamistische Organisation in Deutschland. Der 1985 in Köln gegründete Verein steht islamistischen Parteien in der Türkei nahe, zum Beispiel der „Partei der Glückseligkeit“ (SP). Bundesweit unterhält die Vereinigung mehr als 300 Einrichtungen. Sie fördert laut [[Verfassungsschutz]] „die Entstehung und Ausbreitung islamistischer Milieus in Deutschland“. | |||
* Extrem gewaltbereit sind die 200 Mitglieder der Islamisten-Partei „Hizb ut-Tahrir al-Islami“ (Partei der islamischen Befreiung). Die straff organisierte Gruppe strebt eine Vereinigung aller Muslime in einem Gottesstaat an. Hauptfeind ist Israel. 2003 wurde die Organisation in Deutschland verboten. | |||
* Die 800 Mitglieder starke libanesische „Hisbollah“ und die 300 Anhänger der palästinensischen „Islamische Widerstandsbewegung“ (Hamas) sind gewaltbereit und unterstützen von Deutschland aus den Terror im Libanon und in Palästina. | |||
* Die rund 800 Anhänger des Ende 2001 verbotenen „Kalifatstaats“ von Metin Kaplan bekämpfen die freiheitlich demokratische Grundordnung und streben die weltweite Herrschaft des Islam an. | |||
Der Anteil der vor religiös motivierter Gewalt besorgter Deutscher lag in einer Umfrage 2006 bei 40 %.<ref>{{Internetquelle | autor= | url=https://www.derstandard.at/ | titel=derStandard.at Nachrichten, Kommentare & Community | werk=[[Der Standard|derstandard.at]] | datum= |abruf=2024-02-02}}</ref> | |||
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<!--* [[Jüdischer Fundamentalismus]] | |||
Auch im [[Judentum]] ist zwischen liberalen, konservativen, orthodoxen und fundamentalistischen Richtungen zu unterscheiden (letztere werden oft auch als [[ultra-orthodox]] bezeichnet), die das gesamte [[Spektrum]] von engerer oder weiterer Auslegung des [[Gesetz (Theologie)|Religionsgesetzes]], des so genannten „Zauns um die Tora“ abdecken. | |||
In der Beziehung zum Staat [[Israel]] gibt es unter den religiösen [[Juden]] zwei [[diametral]] entgegengesetzte Sichtweisen: | |||
* Gewisse [[Chassidismus|chassidische]] Strömungen lehnen den [[Zionismus]] als [[Ketzerei]] ab und nehmen eine militant feindselige Haltung zum Staat [[Israel]] und zu allen sich mit Israel identifizierenden Juden ein, da die Existenz Israels die Ankunft des [[Messias]] verhindere. Auch die [[Ivrith|Neuhebräische Sprache]] lehnen sie strikt ab und sprechen stattdessen weiter [[Jiddisch]]. | |||
* Der religiöse [[Zionismus]] hingegen, mit dem geistigen Vater [[Abraham Isaak Kook]] (1865–1935), sieht im 1948 gegründeten jüdischen Staat Israel den ersten Schritt hin zur göttlichen Erlösung der Juden und der gesamten Menschheit und interpretiert Ereignisse wie den [[Sechs-Tage-Krieg]] als Zeichen der Bestätigung. Politisch bedeutsam ist der von jüdischen Fundamentalisten, beispielsweise der Bewegung [[Gush Emunim]] (Block der Gläubigen), vertretene göttliche Anspruch der Juden auf ''Eretz Israel'', das heilige Land. Territoriale Zugeständnisse werten sie als Sakrileg, was [[1995]] zur Ermordung [[Jitzhak Rabin]]s führte. | |||
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Das grundlegende gemeinschaftsbildende Element des hinduistischen Fundamentalismus ist der Glaube an die Einzigartigkeit der indischen Erde. | |||
[[Indien]], [[Pakistan]], [[Bangladesch]], [[Nepal]], [[Sri Lanka]], [[Bhutan]] und große Teile [[Burma]]s, werden als „heiliges Land“ mit hervorgehobener Bedeutung für die Weltgeschichte betrachtet. Dieser geographische Raum ist im eigentlichen als Beginn der menschlichen Schöpfung anzusehen. Die Götterwelt hat daher in Indien ihr zu Hause. | |||
Hinduistischer Fundamentalismus sieht das Leben „als integriertes Ganzes”. Indien und die Welt befänden sich im Zuge der Moderne in einem Zustand des Chaos und der Richtungslosigkeit. Dies mache die Rückbesinnung auf die eigene Kultur notwendig, die durch das religiöse Konzept des ‚[[Dharma]]‘ gestützt würde. Dieses Dharma war als außerweltliche, auch göttliche Ordnung, die der einzelne Mensch nicht beeinflussen könne und die das Handeln des Menschen von ihr abhängig mache, zu verstehen. Der Hinduismus hat durch dieses ordnende Prinzip des Dharmas auch eine für die gesamte Erde zukunftsweisende Bedeutung. Ein Hindu ist ein 'vertrauensvoller, den Traditionen verpflichteter, recht handelnder Mensch’. | |||
Zu den Verhaltensregeln eines Hindus zählen die vom [[Vishwa Hindu Parishad]] vorgeschriebene und sanktionierte Teilnahme an gewissen Feiern und Zeremonien. Unabdingbar ist das Engagement, für den Bau eines Tempels an der angeblichen Geburtsstätte von Gott Rama in [[Ayodhya]] am Ort der am 6. Dezember 1992 von Freiwilligen des VHP zerstörten [[Babri-Moschee]] zu wirken. | |||
Der hinduistische Fundamentalismus wirkt organisatorisch mit der politischen Partei [[Bharatiya Janata Party]] (BJP) und der ideologischen Kader- und Freiwilligenorganisation [[Rashtriya Swayamsevak Sangh]] (RSS) zusammen. Die [[nationalistisch]]e Bharatiya-Janata-Partei oder die militante [[Vishwa Hindu Parishad]] sind Beispiele für Fundamentalismus im [[Hinduismus]]. Der Hindu-Fundamentalismus versucht vor allem alle vermeintlichen ehemaligen hinduistischen Inder (Muslime, Christen, Sikhs) wieder zum Hinduismus „zurückzubekehren“, Hindi zur alleinigen Sprache all jener Hindus zu machen, die eine dem Hindi verwandte Sprache sprechen (beispielsweise [[Nepali]], [[Pandschabi]]) und ein Groß-Indien, vor allem unter Einschluss ganz [[Kaschmir]]s aber auch Teilen anderer angrenzender Länder, zu schaffen. Außerdem tritt der Hindu-Fundamentalismus dafür ein, die [[Indien|Republik Indien]] von einem [[Laizismus|laizistischen]] Staat zu einem Staat mit hinduistischer [[Staatsreligion]] zu machen. | |||
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<!-- * [[Buddhistischer Fundamentalismus]] Der Artikel wurde nach Löschdiskussion vom 1. Juni 2007 gelöscht. --> | |||
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Durch die starke Tendenz zur Zersplitterung unter den buddhistischen Denkrichtungen, ist es schwierig, eine offizielle „Lehrmeinung“, auf die Fundamentalisten harren könnten, festzustellen. Am ehesten sind Fundamentalisten jedoch unter westlichen [[Konvertit]]en zu finden. Als einheimische Fundamentalisten bezeichnen kann man gewisse Teile der japanischen [[Nichiren]]-Schule, beispielsweise die [[Nichiren Shoshu]] und die [[Soka Gakkai|Soka-Gakkai]]-Bewegung. Auch der mittelalterliche Schulgründer Nichiren selbst kann mit gewisser Berechtigung als Fundamentalist bezeichnet werden. | |||
Gemäß [[Robert Lifton]]s Definition des „fundamentalistischen Selbst“ zeigt eine Studie von David N. Kay, dass die [[Neue Kadampa Tradition]] wegen ihrer gleichförmigen organisatorischen Struktur, ihrem Versuch, einen uniformen Glauben und eine einheitliche Praxis innerhalb der Organisation zu schaffen und die Betonung nur einer einzigen Tradition, verbunden mit einer kritischen Einstellung gegenüber anderen Traditionen, in Liftons Kategorie von „Fundamentalismus“ passt.<ref>Tibetan and Zen Buddhism in Britain: Transplantation, Development and Adaptation by David N. Kay, London and New York, ISBN 0-415-29765-6, S. 111–113, speziell S. 110</ref> In der Studie wird zudem aufgezeigt, wie der Kampf um die Kontrolle des Instituts und die Unterdrückung der Erinnerung an die Konflikte im Institut zur späteren „fundamentalistischen“ Identität der [[NKT]] beitrugen.<ref>Inken Prohl, FU Berlin in einer Buchbesprechung zu David N: Kays Studie, {{Webarchiv|url=http://www.globalbuddhism.org/7/prohl06.htm |wayback=20060628220724 |text=Archivierte Kopie |archiv-bot=2019-04-12 10:17:46 InternetArchiveBot }}</ref> | |||
Im Himalaya-Königreich [[Bhutan]] ist der Mahayana-Buddhismus Staatsreligion. Andere Religionen finden keine offizielle Anerkennung und werden, sofern ihre Praxis öffentlich bekannt wird, verfolgt. Muslimen, Christen und anderen Andersgläubigen ist es zum Beispiel nicht gestattet, in der Öffentlichkeit zu beten oder zu feiern. Religiöse Versammlungen in nicht-buddhistischen Häusern, an denen mehrere Familien beteiligt sind, sind verboten. Die Einfuhr von gedrucktem religiösen Material ist eingeschränkt. Auch Festnahmen dienen der Polizei als Druckmittel gegenüber Andersgläubigen. Neben dem behördlichen Druck gibt es auch Druck von Seiten buddhistischer Geistlicher und gewaltsame Übergriffe auf Andersgläubige. Die Gesellschaft übt somit einen starken Druck aus, buddhistischen Normen zu entsprechen. | |||
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* [[Ultraorthodoxes Judentum]] | |||
* [[Kahanismus]] | |||
* [[Chardal-Bewegung]] | |||
* [[Hindutva]] | |||
== Literatur (chronologisch) == | == Literatur (chronologisch) == | ||
* [[Wilfried Joest]]: ''Art. Fundamentalismus.'' In: ''Theologische Realenzyklopädie'', Band 11. de Gruyter, Berlin / New York 1983, ISBN 3-11-008577-1, S. 732–738. | |||
*[ | * [[Thomas Meyer (Politikwissenschaftler)|Thomas Meyer]]: ''Fundamentalismus: Aufstand gegen die Moderne.'' Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-499-12414-9. | ||
*[ | * Martin Riesebrodt: ''Fundamentalismus als patriarchalische Protestbewegung: amerikanische Protestanten (1910–28) und iranische Schiiten (1961–79) im Vergleich''. Tübingen 1990, ISBN 3-16-145669-6. | ||
*Martin Riesebrodt: ''Fundamentalismus als patriarchalische Protestbewegung: amerikanische Protestanten (1910–28) und iranische Schiiten (1961–79) im Vergleich''. Tübingen 1990, | * Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): ''Fundamentalisms Observed''. University of Chicago Press, Chicago 1991, ISBN 0-226-50878-1 (= ''The Fundamentalism Project'', Band 1). | ||
*Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): ''Fundamentalisms Observed''. University of Chicago Press, Chicago 1991, | * [[Stephan Pfürtner]]: ''Fundamentalismus – Die Flucht ins Radikale''. Herder, Freiburg im Breisgau 1991, ISBN 3-451-04031-X. | ||
*[ | * [[Helmut Dubiel]]: ''Der Fundamentalismus der Moderne.'' In: ''Merkur'', 1992, Heft 9, ISBN 3-12-973522-4, S. 0447–0762. | ||
*[ | * [[Hubertus Mynarek]]: ''Denkverbot – Fundamentalismus in Christentum und Islam''. 1992, ISBN 3-926901-45-4. | ||
*[ | * Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): ''Fundamentalisms and Society. Reclaiming the Sciences, the Family, and Education''. University of Chicago Press, Chicago 1993, ISBN 0-226-50881-1 (= ''The Fundamentalism Project'', Band 2). | ||
*Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): ''Fundamentalisms and Society. Reclaiming the Sciences, the Family, and Education''. University of Chicago Press, Chicago 1993, | * Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): ''Fundamentalisms and the State. Remaking Polities, Economies, and Militance''. University of Chicago Press, Chicago 1993, ISBN 0-226-50884-6 (= ''The Fundamentalism Project'', Band 3). | ||
*Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): ''Fundamentalisms and the State. Remaking Polities, Economies, and Militance''. University of Chicago Press, Chicago 1993, | * Andreas Becke: ''Fundamentalismus in Indien? Säkularismus und Kommunalismus am Beispiel von Ayodhya.'' In: ''Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft'', 78. Jahrgang, 1994, Heft 1, S. 3–24; {{ISSN|0044-3123}}. | ||
*Andreas Becke: ''Fundamentalismus in Indien? Säkularismus und Kommunalismus am Beispiel von Ayodhya.'' In: ''Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft'', 78. Jahrgang, 1994, Heft 1, S. 3–24; | * Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): ''Accounting for Fundamentalisms. The Dynamic Character of Movements''. University of Chicago Press, Chicago 1994, ISBN 0-226-50886-2 (= ''The Fundamentalism Project'', Band 4). | ||
* Wolfgang Beinert, Hans-Peter Müller, Erich Garhammer: ''Fundamentalismus.'' In: ''Lexikon für Theologie und Kirche''. Band 4. 3. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1995, ISBN 3-451-22004-0, Sp. 224–226. | |||
*Wolfgang Beinert, Hans-Peter Müller, Erich Garhammer: ''Fundamentalismus.'' In: ''Lexikon für Theologie und Kirche''. Band 4. 3. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1995, | * Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): ''Fundamentalisms Comprehended''. University of Chicago Press, Chicago 1995, ISBN 0-226-50888-9 (= ''The Fundamentalism Project'', Band 5). | ||
*Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): ''Fundamentalisms Comprehended''. University of Chicago Press, Chicago 1995, | * Martin E. Marty, R. Scott Appleby: ''Herausforderung Fundamentalismus. Radikale Christen, Moslems und Juden im Kampf gegen die Moderne.'' Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-593-35470-5. | ||
*Martin E. Marty, R. Scott Appleby: ''Herausforderung Fundamentalismus. Radikale Christen, Moslems und Juden im Kampf gegen die Moderne.'' Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1996, | * [[Hubert Schleichert]]: ''Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. Anleitung zum subversiven Denken.'' Beck, München 1997. | ||
*[ | * [[Olivier Roy (Politikwissenschaftler)|Olivier Roy]]: ''The Failure of Political Islam.'' Tauris, London 1999, ISBN 1-85043-880-3. | ||
*[ | * [[Karen Armstrong]]: ''The Battle for God.'' London 2000; deutsche Ausgabe: ''Im Kampf für Gott – Fundamentalismus in Christentum, Judentum und Islam.'' München 2004, ISBN 3-88680-769-X. | ||
*[ | * Gottfried Küenzlen: ''Fundamentalismus. I. Zum Begriff / II. Religionsgeschichtlich. 1. Allgemein.'' In: ''Religion in Geschichte und Gegenwart''. Band 3. 4. Auflage. Mohr-Siebeck, Tübingen 2000, <!-- ISBN 978-3-16-149514-4 --> Sp. 414. | ||
*Gottfried Küenzlen: ''Fundamentalismus. I. Zum Begriff / II. Religionsgeschichtlich. 1. Allgemein.'' In: ''Religion in Geschichte und Gegenwart''. Band 3. 4. Auflage. Mohr-Siebeck, Tübingen 2000, Sp. 414. | * Martin Riesebrodt: ''Die Rückkehr der Religionen. Fundamentalismus und der „Kampf der Kulturen“.'' 2. Auflage. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-45928-5. | ||
*Martin Riesebrodt: ''Die Rückkehr der Religionen. Fundamentalismus und der „Kampf der Kulturen“.'' 2. Auflage. C.H. Beck, München 2001, | * [[Stephan Holthaus]]: ''Fundamentalismus in Deutschland: Der Kampf um die Bibel im Protestantismus des 19. und 20. Jahrhunderts.'' 2. Auflage. Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn 2003, ISBN 3-932829-85-9. | ||
*[ | * Karen Armstrong: ''Im Kampf für Gott. Fundamentalismus in Christentum, Judentum und Islam''. Siedler, München 2004, ISBN 3-88680-769-X. | ||
*Karen Armstrong: ''Im Kampf für Gott. Fundamentalismus in Christentum, Judentum und Islam''. Siedler, München 2004, | * [[Olivier Roy (Politikwissenschaftler)|Olivier Roy]]: ''Der islamische Weg nach Westen. Globalisierung, Entwurzelung und Radikalisierung.'' Pantheon, München 2006, ISBN 3-570-55000-1. | ||
*[ | * [[Klaus Kienzler]]: ''Der Religiöse Fundamentalismus. Christentum, Judentum, Islam.'' 5. Auflage. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-40331-6. | ||
*[ | * [[Jörg Lauster]]: ''Fundamentalismus.'' In: Friedrich Horn, Friederike Nüssel (Hrsg.): ''Taschenlexikon Religion und Theologie''. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-50124-5, S. 386–390. | ||
*[ | * Clemens Six, Martin Riesebrodt, Siegfried Haas (Hrsg.): ''Religiöser Fundamentalismus. Vom Kolonialismus zur Globalisierung''. StudienVerlag, Innsbruck / Wien / Bozen 2004, ISBN 3-7065-4071-1. | ||
*Clemens Six, Martin Riesebrodt, Siegfried Haas (Hrsg.): ''Religiöser Fundamentalismus. Vom Kolonialismus zur Globalisierung''. StudienVerlag, Innsbruck | * Margrit Frölich et al. (Hrsg.): ''Projektionen des Fundamentalismus – Reflexionen und Gegenbilder im Film''. Schüren, Marburg 2008, ISBN 978-3-89472-503-7 | ||
*Margrit Frölich et al. (Hrsg.): ''Projektionen des Fundamentalismus – Reflexionen und Gegenbilder im Film''. Schüren, Marburg 2008, | * [[Heinrich Wilhelm Schäfer]]: ''Kampf der Fundamentalismen. Radikales Christentum, radikaler Islam und Europas Moderne.'' Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main / Leipzig 2008, ISBN 978-3-458-71017-2. | ||
*[ | * [[Martin Rothgangel]]: ''Moderne Variationen von Religion. Fundamentalismus.'' In: [[Rainer Lachmann]], Martin Rothgangel, Bernd Schröder (Hrsg.): ''Christentum und Religionen elementar. Lebensweltlich – theologisch – didaktisch''. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, ISBN 978-3-525-61425-9, S. 343–361 (= ''Theologie für Lehrerinnen und Lehrer'', Band 5). | ||
*[ | * [[Thomas Schirrmacher]]: ''Fundamentalismus. Wenn Religion zur Gewalt wird.'' SCM Hänssler, Holzgerlingen 2010, ISBN 978-3-7751-5203-7. | ||
*[ | * Thomas Meyer: ''Was ist Fundamentalismus? Eine Einführung.'' VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-16002-3. | ||
*Thomas Meyer: ''Was ist Fundamentalismus? Eine Einführung.'' VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, | * [[Harald Schmid (Politikwissenschaftler)|Harald Schmid]]: ''Religiöse und säkulare Bedrohungsnarrative. Zu einer Typologie des Fundamentalismus.'' In: Sir Peter Ustinov Institut (Hrsg.): ''Fundamentalismus: Aktuelle Phänomene in Religion, Gesellschaft und Politik.'' Wien 2011, S. 35–47. | ||
*[ | * [[Wolfgang Wippermann]]: ''Fundamentalismus. Radikale Strömungen in den Weltreligionen.'' Herder, Freiburg / Basel / Wien 2013, ISBN 978-3-451-30476-7. | ||
*[ | * Uwe Gerber: ''Fundamentalismen in Europa. Streit um die Deutungshoheit in Religion, Politik, Ökonomie und Medien.'' Peter Lang, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-631-65778-2. | ||
*Uwe Gerber: ''Fundamentalismen in Europa. Streit um die Deutungshoheit in Religion, Politik, Ökonomie und Medien.'' Peter Lang, Frankfurt am Main 2015, | * Christoph Urban: ''Fundamentalismus. Ein Abgrenzungsbegriff in religionspolitischen Debatten.'' Springer VS, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-27328-6 (zugleich Dissertation, Ruhr-Universität Bochum 2019). | ||
*Christoph Urban: ''Fundamentalismus. Ein Abgrenzungsbegriff in religionspolitischen Debatten.'' Springer VS, Wiesbaden 2019, | * Mark S. Massa: ''Catholic Fundamentalism in America'', Oxford University Press, New York 2025, 240 S., ISBN 9780197759998 | ||
* [[Detlef Pollack]]: ''Religiöser Fundamentalismus. Geschichte, Erscheinungsformen, Hintergründe'' (= C. H. Beck Wissen, Bd. 2954). C. H. Beck, München 2026, ISBN 978-3-406-83936-8. | |||
== Weblinks == | == Weblinks == | ||
{{Wiktionary|Fundamentalismus}} | |||
* {{Internetquelle |autor=Helmut Steuerwald |url=http://bfgb.de/vortraege/fundamentalismus_heute.htm |titel=Fundamentalismus und religiöser Fanatismus in der Welt von heute |werk=[[Bund für Geistesfreiheit]] Fürth |datum=2001-11-16 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20060404005427/http://bfgb.de/vortraege/fundamentalismus_heute.htm |abruf=20. Okt. 2023}} | |||
* {{Internetquelle |autor=Sabine Reul, Thomas Deichmann |url=http://www.eurozine.com/articles/2002-03-15-zizek-de.html |titel=Der Krieg und das fehlende ontologische Zentrum der Politik – Sabine Reul und Thomas Deichmann im Gespräch mit dem Philosophen Slavoj Zizek |werk=[[Eurozine]] |datum=2002-03-06 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20060213081358/http://www.eurozine.com/articles/2002-03-15-zizek-de.html |abruf=20. okt. 2023}} | |||
* {{Internetquelle | |||
|autor=[[Katharina Ceming]] | |||
|url=https://them.polylog.org/5/ack-de.htm | |||
|titel=Hinduismus: Auf dem Weg vom Universalismus zum Fundamentalismus? | |||
|werk=polylog – Forum für interkulturelle Philosophie | |||
|datum=2004-12 | |||
|abruf=2011-08-17}} | |||
* {{Internetquelle | |||
|autor=[[Walter J. Hollenweger]] | |||
|url=https://www.nzz.ch/articled39bi-1.166450 | |||
|titel=Der schleichende Fundamentalismus in den Landeskirchen | |||
|werk=[[Neue Zürcher Zeitung]] | |||
|datum=2005-08-25 | |||
|abruf=2019-03-08}} | |||
* [https://www.reflab.ch/wie-geht-fundamentalismus/ Stephan Juette: ''Wie geht Fundamentalismus'', Website reflab.ch, Zürich 27. Januar 2021] | |||
* {{Internetquelle | |||
|autor=[[Jürgen Gebhardt (Politikwissenschaftler)|Jürgen Gebhardt]] | |||
|url=https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Fundamentalismus | |||
|titel=Fundamentalismus | |||
|werk=[[Staatslexikon online]] | |||
|datum=2019-10-22 | |||
|abruf=2022-02-22}} | |||
* [http://www.theologie-systematisch.de/religion/12fundamentalismus.htm Aktuelle Literaturliste ''Religiöser Fundamentalismus.''] Theologie Systematisch. | |||
* [[Volker von Prittwitz]]: [http://www.bpb.de/publikationen/OJQUEB,0,0,Zivile_oder_herrschaftliche_Religion.html ''Herrschaftliche oder Zivile Religion? Fundamentalismus, Religionsfreiheit und die Verantwortung des zivilen Staates.''] In: Beilage zu [[Das Parlament]], 2002. | |||
** [http://www.bpb.de/publikationen/OJQUEB,2,0,Zivile_oder_herrschaftliche_Religion.html#art2 II. Fundamentalismus: Politisch verfälschte Religion?] | |||
* {{Internetquelle |url=http://www.sine-metaphysica.de/Kurzerklaert.pdf |titel=Was unterscheidet einen „aufgeklärten“ Moslem / Christen usw. von einem Fundamentalisten? (1. Fragenkreis) |werk=Aktuelle Fragen – philosophisch beantwortet |datum=5.1.2015 |format=PDF |archiv-url=https://web.archive.org/web/20150106095908/http://www.sine-metaphysica.de/Kurzerklaert.pdf |abruf=20. okt. 2023}} | |||
* Raúl Páramo-Ortega: [https://psydok.psycharchives.de/jspui/bitstream/20.500.11780/1055/1/Fundamentalisten_sind_immer_die_Anderen_2008.pdf ''Fundamentalisten sind immer die Anderen. Freud im Zeitalter des Fundamentalismus''.] (PDF) psydok.psycharchives.de, 2008. | |||
* [https://www.bundeskanzleramt.gv.at/service/familien-jugend-beratung/bundesstelle-fuer-sektenfragen.html Bundesstelle für Sektenfragen] | |||
== Einzelnachweise == | |||
<references /> | |||
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[[Kategorie:Theologie]] | |||
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[[Kategorie:Fundamentalismus]] | |||
Aktuelle Version vom 28. Juli 2026, 18:04 Uhr
Fundamentalismus (von englisch fundamentalism, zusammengesetzt aus fundamental und -ismus; abgeleitet von lateinisch fundamentum ‚Unterbau‘, ‚Basis‘, ‚Fundament‘) ist eine Überzeugung, Anschauung oder Geisteshaltung, die sich durch ein kompromissloses Festhalten an ideologischen oder religiösen Grundsätzen kennzeichnet und das politische Handeln bestimmt.[1] In einem ursprünglichen Sinne bezeichnet Fundamentalismus Richtungen bzw. Bewegungen des amerikanischen Protestantismus, die davon ausgehen, dass die Bibel als unmittelbares Wort Gottes irrtums- und fehlerfrei sei.[2] Eine andere Form von christlichem Fundamentalismus ist der Integralismus.
Im weiteren Sinne bezeichnet Fundamentalismus eine übersteigerte Form ethnisch-kultureller oder religiöser Identität,[3] die sich oft durch extremen Traditionalismus und Autoritarismus auszeichnet.
Insbesondere nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA wurde Fundamentalismus auch zu einem politischen Schlagwort speziell für islamistische Bestrebungen.
Im weiteren Sinne verhält sich der Fundamentalismus gegenüber der Moderne „ambivalent“[4] bis ablehnend und fordert eine Rückbesinnung auf die Wurzeln einer bestimmten Religion oder Ideologie, welche notfalls mit radikalen und teilweise intoleranten Mitteln durchgesetzt werden soll. Der Vorwurf des Fundamentalismus wird auch auf soziale oder politische Gruppen bezogen, die – angeblich oder tatsächlich – ihre ideologische Orientierung absolut setzen und um die gesellschaftliche Vormacht kämpfen. Fundamentalismus wird durch eine stark polarisierte Auslegung einer Letztbegründung umgesetzt und richtet sich häufig gegen Andersgläubige.
Begriff
Die Bezeichnung Fundamentalismus wurde erstmals im Zusammenhang mit einer von Reuben Archer Torrey herausgegebenen Schriftenreihe 'The Fundamentals. A Testimony to the Truth'[5] verwendet. Diese Schriftreihe wendete sich gegen liberale Theologie und insbesondere die historisch-kritische Methode. Zu den Autoren gehörten namhafte konservative Theologen wie Benjamin Breckinridge Warfield. Die fünf wesentlichen Punkte ihrer Haltung wurden 1910 von der Generalkonferenz der presbyterianischen Kirche zusammengefasst:[6]
- die Irrtumslosigkeit und Autorität der Bibel
- die Jungfrauengeburt und Wunder
- die Gottheit Jesu Christi
- sein Tod für die Sünden der Menschen
- seine leibliche Auferstehung und seine Wiederkunft
Die in den Fundamentals vertretene Haltung genügt nicht, um den christlichen Fundamentalismus trennscharf zu definieren. Von anderen Strömungen unterscheidet sich der christliche Fundamentalismus durch eine biblizistische Auslegung der Bibel, die so eng mit dem Heilsglauben verbunden ist, dass andersdenkenden Christen ihr Christsein abgesprochen wird. Ergänzend kommen dazu eine konservative politische Haltung und der Wille, religiös begründete Überzeugungen auch politisch durchzusetzen.[7]
Nach Christoph Urban handelt es sich um einen „Abgrenzungsbegriff“, mit dem theologische Irrwege in religionspolitischen Debatten markiert werden.[8] Laut Markus Gabriel begehen religiöse Fundamentalismen den typischen Grundfehler, zu meinen, dass es „die Wirklichkeit“ gäbe, indem etwas Wirkliches herausgegriffen und für ein universell gültiges Muster gehalten werde. So halte der religiöse Fundamentalismus „die materiell-energetischen Strukturen nur für eine Welt des Sinnenscheins, die Gott inszeniert, um unsere Seelen zu prüfen.“[9]
Fundamentalistisches Denken und Konflikt mit dem Umfeld
Soziologisch wird Fundamentalismus – nicht nur der christliche, aus dem der Begriff abgeleitet werden kann – als Ausprägung einer radikalen Denkhaltung gesehen. In dem Maße, wie eine fundamentalistische Ausprägung von Denken oder Glauben Handlungsnormen ableitet, deren individuelle und soziale Gültigkeit über den Kreis von Anhängern des jeweiligen Denkens, Glaubens oder deren Ideologie hinausgeht, ist schon durch die Art der Begründung der Normen der Konflikt mit dem Umfeld vorgezeichnet.
Fundamentalismus versteht sich in der Regel als Reaktion auf eine Aufweichung von Überzeugungen, die am Anfang des jeweiligen Glaubens bzw. der Ideologie standen. Die Anpassung an aktuelle Lebensumstände oder den ethischen Kompromiss erscheinen in einem fundamentalistischen Weltbild als problematisch bis unmöglich. Diese Anpassungen versteht der Fundamentalismus als Verrat an dem Gründungsverständnis des Glaubens oder der Ideologie. In diesem Sinne können Fundamentalismen immer wieder in Grenz- und Vermischungszonen der Hochreligionen entstehen, in denen sich Vertreter von Minderheiten gegen die von ihren Glaubensbrüdern bereits teilweise oder ganz vollzogene Assimilation wehren und sich auf ihre Glaubenswurzeln besinnen.
Insbesondere kann Fundamentalismus als teilweise oder ganze Ablehnung der Moderne mit ihrer Globalisierung und Kommerzialisierung wichtiger Lebensbereiche, ihrem Werterelativismus, Individualismus und Rationalismus verstanden werden. Anders als der Traditionalismus, der die überkommenen kulturellen und sozialen Traditionsbestände gegen Veränderungen zu verteidigen trachtet, versucht der Fundamentalismus ihre Infragestellung durch die Moderne rückgängig zu machen. Insofern ist er selber ein Phänomen der Moderne.[10][11] Kritik am Fundamentalismus wird zuerst im Zeitalter der Aufklärung geübt. So kritisiert zum Beispiel der Deist Benjamin Franklin das religiöse Eiferertum der aus seiner Sicht rückständigen, autoritätshörigen deutschen und böhmischen Einwanderer in Pennsylvania, die er als eine Colony of Aliens beschrieb.[12]
In der von Max Weber beschriebenen modernen Gesellschaft folgt diese Polarisierung der Normbegründung dem Gegensatz der von ihm ebenfalls beschriebenen Konzepte einer Gesinnungsethik und einer Verantwortungsethik.
Der Fundamentalismus schafft eine Konfliktlinie, entlang derer der Begriff des Pluralismus zum Vorwurf an die Adresse derjenigen wird, die historische Anpassungsprozesse für unabdingbar ansehen. Im Gegenzug erfährt der Begriff des Fundamentalismus seine polemische Verwendung, indem er für eine Unfähigkeit zum Kompromiss oder eine Unfähigkeit zur Anpassung an sich wandelnde Lebensumstände steht, wobei zugleich bestritten wird, dass die fundamentalistische Haltung dem Gründungsverständnis des Glaubens oder der Ideologie tatsächlich gerecht werde.
Da jeder Glaube und jede Ideologie schon durch den Prozess des Verstehens und der Aneignung durch jedes denkende und glaubende Subjekt (Hermeneutik) das Gründungsverständnis verändern und auf die historische Situation hin anpassen, gebiert jede Überzeugung in ihrer Anhängerschaft im Laufe der Geschichte Adaption und Fundamentalismus gleichermaßen.
Weitere Begriffsverwendung
Im populären Sprachgebrauch werden unter dem Begriff Fundamentalismus zuweilen unterschiedslos konservative religiöse Gruppen, gewalttätige Mitglieder einiger Volksgruppen mit mehr oder weniger religiöser oder religiomorpher Motivation oder Terroristen zusammengefasst. Auch diese Unschärfe macht den Begriff problematisch.
So schreibt der Historiker Hartmut Lehmann: Bisher ist offen, ob der Begriff Fundamentalismus zu mehr taugt als zu Polemik.[13] Obwohl es unter den genannten Gruppentypen Überschneidungen gibt, lassen sie sich nicht prinzipiell gleichsetzen. Auch büßt der Begriff an Bedeutung ein, wenn nicht auf die jeweiligen Fundamente Bezug genommen wird. Fundamentalisten charakterisiert man im Allgemeinen dadurch, dass sie sich auf bestimmte konkrete Grundlagen (oder das, was sie darunter verstehen) ihrer Religion (oder gelegentlich auch im weiteren Sinne verwendet: ihrer Partei, Ideologie, Sekte) beziehen und darüber keine Diskussion zulassen.
Mit dem Begriff können Intoleranz, Radikalismus und auch daraus entstehende Gewaltbereitschaft suggeriert werden, wobei dies teilweise dem geäußerten Selbstverständnis der Gruppe entspricht.
Abweichend von seiner ursprünglichen Beschränkung auf religiöse Dogmen wird der Begriff auch auf säkulare Ideologien bezogen.[14] Dies geht auf einen formalen Fundamentalismusbegriff zurück, nach dem eine soziale Bewegung als fundamentalistisch einzustufen ist, wenn sie ihre religiöse, ethnische oder ideologische Orientierung absolut setzt und zugleich expansiv um die Kontrolle eines ihr übergeordneten gesellschaftlichen Machtzentrums kämpft.[15] Entsprechend wird – meist kritisch oder abwertend – von grün-alternativem Fundi oder Marktfundamentalismus gesprochen.[16]
Selbstverständnis und Ausrichtungen
Fundamentalismus, der als eine grundsätzliche Gegenbewegung gegen die Moderne gesehen werden kann, sieht die grundlegenden Prinzipien einer Religion durch Relativismus, sexuelle Selbstbestimmung, Pluralismus, Historismus, Toleranz und das Fehlen von Autorität gefährdet. Ein Mittel dagegen sieht er im politischen Engagement. Einige fundamentalistische Gruppen greifen die in westlichen Ländern übliche Trennung zwischen Staat und religiösen Institutionen an, um ihre Ziele auch mit staatspolitischen Mitteln durchsetzen zu können, andere vertreten eine strikte Trennung von Religion und Staat, wiederum andere vertreten eine weltanschauliche Neutralität des Staates sowohl Religionen wie nicht-religiösen Weltanschauungen gegenüber.
Eine fundamentalistische Weltanschauung ist oftmals geprägt durch ein dualistisches Konzept des Niedergangs, nach dem die Anhänger des Wahren und Guten im Kampf gegen das Böse, die Schlechten, Andersdenkenden und anders Gläubigen begriffen sind.
Strittig ist insbesondere die Abgrenzung zu Anhängern konservativer oder orthodoxer Richtungen von Religionen oder Ideologien. Diese stehen ebenfalls gegenwärtigen Entwicklungen kritisch oder ablehnend gegenüber, nehmen dabei aber eine eher moderate Haltung ein. Konservative und Orthodoxe wollen auch eher die real existierenden Traditionen ihrer unmittelbaren Vorfahren fortsetzen, während Fundamentalisten mindestens für ihre eigenen Mitglieder, teilweise aber auch für die Gesellschaft als Ganzes meinen, zu einem angenommenen Urzustand vergangener Zeiten zurücklenken zu können.
Charakteristisch für Fundamentalismen ist ferner die oft kritiklose Rezeption heiliger Texte bzw. die Ablehnung kritischer, wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit religiösen Texten (siehe Verbalinspiration).
Religionssoziologisch bilden die Fundamentalisten oft kleinere Gruppen innerhalb großer Religionen, die sich von der Mehrheit absetzen, weil diese die grundlegenden Prinzipien der Religion verraten habe.
Versteht man Fundamentalismus als eine Bewegung zurück zu den so genannten Quellen der Religion, so waren die Reformatoren wie die Humanisten mit ihrer Forderung Zurück zu den Quellen! auch eine Art Fundamentalisten. Islamwissenschaftler wie zum Beispiel Olivier Roy (unter anderem in seinem Buch Der islamische Weg nach Westen – Globalisierung|Entwurzelung|Radikalisierung, deutsche Ausg. Pantheon 2006) machen im Islamismus unter anderen einen militanten Islamismus (oder islamistischen Terrorismus) und einen Neofundamentalismus aus.
Solche Gruppen können theologisch Fundamentalisten sein, aber sie kommen ebenso unter neuen religiösen Bewegungen vor (siehe auch: Totalitarismus; Ideologiekritik).
Religiöse Ausprägungen
- Christlicher Fundamentalismus
- Radikaler Pietismus
- Mormonischer Fundamentalismus
- Islamismus
- Neofundamentalismus
- Ultraorthodoxes Judentum
- Kahanismus
- Chardal-Bewegung
- Hindutva
Literatur (chronologisch)
- Wilfried Joest: Art. Fundamentalismus. In: Theologische Realenzyklopädie, Band 11. de Gruyter, Berlin / New York 1983, ISBN 3-11-008577-1, S. 732–738.
- Thomas Meyer: Fundamentalismus: Aufstand gegen die Moderne. Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-499-12414-9.
- Martin Riesebrodt: Fundamentalismus als patriarchalische Protestbewegung: amerikanische Protestanten (1910–28) und iranische Schiiten (1961–79) im Vergleich. Tübingen 1990, ISBN 3-16-145669-6.
- Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): Fundamentalisms Observed. University of Chicago Press, Chicago 1991, ISBN 0-226-50878-1 (= The Fundamentalism Project, Band 1).
- Stephan Pfürtner: Fundamentalismus – Die Flucht ins Radikale. Herder, Freiburg im Breisgau 1991, ISBN 3-451-04031-X.
- Helmut Dubiel: Der Fundamentalismus der Moderne. In: Merkur, 1992, Heft 9, ISBN 3-12-973522-4, S. 0447–0762.
- Hubertus Mynarek: Denkverbot – Fundamentalismus in Christentum und Islam. 1992, ISBN 3-926901-45-4.
- Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): Fundamentalisms and Society. Reclaiming the Sciences, the Family, and Education. University of Chicago Press, Chicago 1993, ISBN 0-226-50881-1 (= The Fundamentalism Project, Band 2).
- Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): Fundamentalisms and the State. Remaking Polities, Economies, and Militance. University of Chicago Press, Chicago 1993, ISBN 0-226-50884-6 (= The Fundamentalism Project, Band 3).
- Andreas Becke: Fundamentalismus in Indien? Säkularismus und Kommunalismus am Beispiel von Ayodhya. In: Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft, 78. Jahrgang, 1994, Heft 1, S. 3–24; ISSN 0044-3123.
- Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): Accounting for Fundamentalisms. The Dynamic Character of Movements. University of Chicago Press, Chicago 1994, ISBN 0-226-50886-2 (= The Fundamentalism Project, Band 4).
- Wolfgang Beinert, Hans-Peter Müller, Erich Garhammer: Fundamentalismus. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Band 4. 3. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1995, ISBN 3-451-22004-0, Sp. 224–226.
- Martin E. Marty, R. Scott Appleby (Hrsg.): Fundamentalisms Comprehended. University of Chicago Press, Chicago 1995, ISBN 0-226-50888-9 (= The Fundamentalism Project, Band 5).
- Martin E. Marty, R. Scott Appleby: Herausforderung Fundamentalismus. Radikale Christen, Moslems und Juden im Kampf gegen die Moderne. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-593-35470-5.
- Hubert Schleichert: Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. Anleitung zum subversiven Denken. Beck, München 1997.
- Olivier Roy: The Failure of Political Islam. Tauris, London 1999, ISBN 1-85043-880-3.
- Karen Armstrong: The Battle for God. London 2000; deutsche Ausgabe: Im Kampf für Gott – Fundamentalismus in Christentum, Judentum und Islam. München 2004, ISBN 3-88680-769-X.
- Gottfried Küenzlen: Fundamentalismus. I. Zum Begriff / II. Religionsgeschichtlich. 1. Allgemein. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. Band 3. 4. Auflage. Mohr-Siebeck, Tübingen 2000, Sp. 414.
- Martin Riesebrodt: Die Rückkehr der Religionen. Fundamentalismus und der „Kampf der Kulturen“. 2. Auflage. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-45928-5.
- Stephan Holthaus: Fundamentalismus in Deutschland: Der Kampf um die Bibel im Protestantismus des 19. und 20. Jahrhunderts. 2. Auflage. Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn 2003, ISBN 3-932829-85-9.
- Karen Armstrong: Im Kampf für Gott. Fundamentalismus in Christentum, Judentum und Islam. Siedler, München 2004, ISBN 3-88680-769-X.
- Olivier Roy: Der islamische Weg nach Westen. Globalisierung, Entwurzelung und Radikalisierung. Pantheon, München 2006, ISBN 3-570-55000-1.
- Klaus Kienzler: Der Religiöse Fundamentalismus. Christentum, Judentum, Islam. 5. Auflage. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-40331-6.
- Jörg Lauster: Fundamentalismus. In: Friedrich Horn, Friederike Nüssel (Hrsg.): Taschenlexikon Religion und Theologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-50124-5, S. 386–390.
- Clemens Six, Martin Riesebrodt, Siegfried Haas (Hrsg.): Religiöser Fundamentalismus. Vom Kolonialismus zur Globalisierung. StudienVerlag, Innsbruck / Wien / Bozen 2004, ISBN 3-7065-4071-1.
- Margrit Frölich et al. (Hrsg.): Projektionen des Fundamentalismus – Reflexionen und Gegenbilder im Film. Schüren, Marburg 2008, ISBN 978-3-89472-503-7
- Heinrich Wilhelm Schäfer: Kampf der Fundamentalismen. Radikales Christentum, radikaler Islam und Europas Moderne. Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main / Leipzig 2008, ISBN 978-3-458-71017-2.
- Martin Rothgangel: Moderne Variationen von Religion. Fundamentalismus. In: Rainer Lachmann, Martin Rothgangel, Bernd Schröder (Hrsg.): Christentum und Religionen elementar. Lebensweltlich – theologisch – didaktisch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, ISBN 978-3-525-61425-9, S. 343–361 (= Theologie für Lehrerinnen und Lehrer, Band 5).
- Thomas Schirrmacher: Fundamentalismus. Wenn Religion zur Gewalt wird. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2010, ISBN 978-3-7751-5203-7.
- Thomas Meyer: Was ist Fundamentalismus? Eine Einführung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-16002-3.
- Harald Schmid: Religiöse und säkulare Bedrohungsnarrative. Zu einer Typologie des Fundamentalismus. In: Sir Peter Ustinov Institut (Hrsg.): Fundamentalismus: Aktuelle Phänomene in Religion, Gesellschaft und Politik. Wien 2011, S. 35–47.
- Wolfgang Wippermann: Fundamentalismus. Radikale Strömungen in den Weltreligionen. Herder, Freiburg / Basel / Wien 2013, ISBN 978-3-451-30476-7.
- Uwe Gerber: Fundamentalismen in Europa. Streit um die Deutungshoheit in Religion, Politik, Ökonomie und Medien. Peter Lang, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-631-65778-2.
- Christoph Urban: Fundamentalismus. Ein Abgrenzungsbegriff in religionspolitischen Debatten. Springer VS, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-27328-6 (zugleich Dissertation, Ruhr-Universität Bochum 2019).
- Mark S. Massa: Catholic Fundamentalism in America, Oxford University Press, New York 2025, 240 S., ISBN 9780197759998
- Detlef Pollack: Religiöser Fundamentalismus. Geschichte, Erscheinungsformen, Hintergründe (= C. H. Beck Wissen, Bd. 2954). C. H. Beck, München 2026, ISBN 978-3-406-83936-8.
Weblinks
- Helmut Steuerwald: Fundamentalismus und religiöser Fanatismus in der Welt von heute. In: Bund für Geistesfreiheit Fürth. 16. November 2001, archiviert vom ; abgerufen am 20. Oktober 2023.
- Sabine Reul, Thomas Deichmann: Der Krieg und das fehlende ontologische Zentrum der Politik – Sabine Reul und Thomas Deichmann im Gespräch mit dem Philosophen Slavoj Zizek. In: Eurozine. 6. März 2002, archiviert vom ; abgerufen am 20. Oktober 2023.
- Katharina Ceming: Hinduismus: Auf dem Weg vom Universalismus zum Fundamentalismus? In: polylog – Forum für interkulturelle Philosophie. Dezember 2004, abgerufen am 17. August 2011.
- Walter J. Hollenweger: Der schleichende Fundamentalismus in den Landeskirchen. In: Neue Zürcher Zeitung. 25. August 2005, abgerufen am 8. März 2019.
- Stephan Juette: Wie geht Fundamentalismus, Website reflab.ch, Zürich 27. Januar 2021
- Jürgen Gebhardt: Fundamentalismus. In: Staatslexikon online. 22. Oktober 2019, abgerufen am 22. Februar 2022.
- Aktuelle Literaturliste Religiöser Fundamentalismus. Theologie Systematisch.
- Volker von Prittwitz: Herrschaftliche oder Zivile Religion? Fundamentalismus, Religionsfreiheit und die Verantwortung des zivilen Staates. In: Beilage zu Das Parlament, 2002.
- Was unterscheidet einen „aufgeklärten“ Moslem / Christen usw. von einem Fundamentalisten? (1. Fragenkreis). (PDF) In: Aktuelle Fragen – philosophisch beantwortet. 5. Januar 2015, archiviert vom ; abgerufen am 20. Oktober 2023.
- Raúl Páramo-Ortega: Fundamentalisten sind immer die Anderen. Freud im Zeitalter des Fundamentalismus. (PDF) psydok.psycharchives.de, 2008.
- Bundesstelle für Sektenfragen
Einzelnachweise
- ↑ Fundamentalismus in duden.de, abgerufen am 20. September 2017.
- ↑ „Fundamentalismus“, DWDS, abgerufen am 21. September 2017.
- ↑ Oliver Hämmig: Zwischen zwei Kulturen: Spannungen Konflikte und ihre Bewältigung bei der zweiten Ausländergeneration. Springer Verlag 2013, S. 130.
- ↑ Jan Roß: Was ist Fundamentalismus? In: Die Zeit, Nr. 40/2001.
- ↑ Reuben Archer Torrey (Hrsg.): The Fundamentals A Testimony to the Truth. (1909) oocities.com
- ↑ J. I. Packer: Fundamentalism and the Word of God. (Memento des vom 24. Mai 2008 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Inter-Varsity Press, London 1958.
- ↑ Reinhard Hempelmann (Hrsg.): Panorama der neuen Religiosität. Gütersloh 2005, ISBN 3-579-02320-9, S. 423ff.
- ↑ Christoph Urban: Fundamentalismus. Ein Abgrenzungsbegriff in religionspolitischen Debatten. Springer VS, Wiesbaden 2019, S. 45–48.
- ↑ Markus Gabriel: Der Sinn des Denkens. Ullstein Berlin, 2018 S. 283 u. 353.
- ↑ Thomas Meyer: Fundamentalismus. Eine Einführung. VS Verlag, Wiesbaden 2009.
- ↑ Gottfried Küenzlen, s. v. Fundamentalismus II. Religionsgeschichtlich. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. 4. Auflage, (Studienausgabe) UTB, Band 3, S. 415.
- ↑ Simon Schama: The American Future: From the Founding Fathers to Barack Obama. 2. Auflage. Vintage, London 2009, S. 240 f.
- ↑ Hartmut Lehmann: Einführung. In: Hartmut Lehmann, Ruth Albrecht (Hrsg.): Geschichte des Pietismus. 4. Band: Glaubenswelt und Lebenswelten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, S. 11.
- ↑ Hans-Heinrich Nolte: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Böhlau, Wien 2009, ISBN 978-3-205-78402-9, S. 67.
- ↑ Heinrich Schäfer: Fundamentalismen in religiösem und säkularem Gewand. Der Kampf um Deutungshoheit in einer globalen politischen Kultur. In: Fritz Erich Anhelm (Hrsg.): Vernünftiger Glaube zwischen Fundamentalismus und Säkularismus. Protestanten in der globalisierten Welt (= Loccumer Protokolle 34/08). Evangelische Akademie, Rehburg-Loccum 2008, S. 19–42, hier: S. 24.
- ↑ Manfred Prisching: Fundamentalismus aus der Sicht der Sozialwissenschaften. In: Kurt Salamun (Hrsg.): Fundamentalismus „interdisziplinär“. LIT, Wien 2005, ISBN 3-8258-7621-7, S. 243–294, insb. 244, 284.