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„Neologismus“ – Versionsunterschied

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Ein '''Neologismus''' (von altgriechisch <span lang="grc-Grek" class="Grek">νέο-</span> <span lang="grc-Latn" class="Latn">[[néo-]]</span>, „neu“ und <span lang="grc-Grek" class="Grek">λόγος</span> <span lang="grc-Latn" class="Latn">[[lógos]]</span>, „[[Wort]]“ oder „[[Rede]]“) ist eine innerhalb einer [[Sprachgemeinschaft]] in den allgemeinen Gebrauch übergegangene sprachliche '''Neuprägung''', das heißt:
Ein '''Neologismus''' (von altgriechisch <span lang="grc-Grek" class="Grek">νέο-</span> <span lang="grc-Latn" class="Latn">[[néo-]]</span>, „neu“ und <span lang="grc-Grek" class="Grek">λόγος</span> <span lang="grc-Latn" class="Latn">[[lógos]]</span>, „[[Wort]]“ oder „[[Rede]]“) ist eine innerhalb einer [[Sprachgemeinschaft]] in den allgemeinen Gebrauch übergegangene sprachliche '''Neuprägung''', das heißt:
*ein neu geschaffener sprachlicher [[Sprachausdruck|Ausdruck]], also ein Wort ('''Neuwort''') oder eine [[Redewendung|Wendung]]<ref><span class="reference-text">Hadumod Bußmann, Hartmut Lauffer: <cite>Lexikon der Sprachwissenschaft</cite>. [https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Kr%C3%B6ner_Verlag Alfred Kröner Verlag], [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783520452047 ISBN 978-3-520-45204-7], S.&nbsp;520.</span></ref> (genauer: eine lexikalische Einheit<ref name=":0"><span class="reference-text">Dieter Herberg, Michael Kinne: <cite>Neologismen</cite>. Julius Groos Verlag, 1998, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3872768190 ISBN 3-87276-819-0], S.&nbsp;2: „Ein Neologismus ist eine lexikalische Einheit bzw. eine Bedeutung […]“</span></ref><ref><span class="reference-text">Lothar Lemnitzer: <cite>Brauchen wir neue Wörter?</cite> Hrsg.: [https://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_Karls_Universit%C3%A4t_T%C3%BCbingen Eberhard Karls Universität Tübingen] – Seminar für Sprachwissenschaft. 11.&nbsp;November 2004, S.&nbsp;7([https://wortwarte.de/Projekt/slidesDO.pdf wortwarte.de] [PDF; 632&nbsp;kB; abgerufen am 27.&nbsp;März 2021]).</span></ref> siehe [[Lexem]]) oder
 
*eine neue Bedeutung<ref name=":0" />, mit der ein bereits vorhandenes Wort bzw. ein ebensolcher Ausdruck versehen wird ([[Neosemantismus|Neubedeutung]]), oder auch das Wort bzw. der Ausdruck selbst, dem die Neubedeutung zukommt.
= Neologismus =
<p>Wenn es in der Sprachgemeinschaft Verbreitung findet, findet es Eingang in die Wörterbücher, die den [[Wortschatz]] dieser Sprache kodifizieren. Charakteristisch für Neologismen ist, dass die Sprecher sie für eine gewisse Zeit als neu empfinden. Welche Wörter (noch) Neologismen sind, hängt also auch von dem Zeitpunkt ab, zu dem der Wortschatz einer Sprache betrachtet oder untersucht wird. Neben den in allgemeinsprachlichen Standardwörterbüchern erfassten Neologismen gibt es für viele Sprachen auch Spezialwörterbücher, die ausschließlich diesen Teil des Wortschatzes behandeln.</p><p>Dem Ausdruck ''Neologismus'' liegen die [[Altgriechisch|altgriechischen]] Wörter <span lang="grc-Grek" class="Grek">νέος</span> ''neos'' „neu“ und <span lang="grc-Grek" class="Grek">λόγος</span> ''logos'' „Wort“ zugrunde;<ref name=":1"><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Gl%C3%BCck Helmut Glück] (Hrsg.), unter Mitarbeit von [https://de.wikipedia.org/wiki/Friederike_Schm%C3%B6e Friederike Schmöe]: ''Metzler Lexikon Sprache.'' 3., neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3476020568 ISBN 3-476-02056-8] (Stichwort ''Neologismus'').</span></ref><ref group="Anm."><span class="reference-text">Weil das Wort νεολογισμός ''neologismós'' im Altgriechischen (mit den dort zu erwartenden griechischen Buchstaben, dem Akzent und der Endung -ος ''-os'' statt [https://de.wikipedia.org/wiki/Latinisierung latinisiert] -us) nicht existiert, handelt es sich um ein Neuwort, d.&nbsp;h. um einen Neologismus.</span></ref> auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprache Deutsch] könnte man daher auch mit ''Neuwort'' oder ''neues Wort'' wiedergeben.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
<p>Dem Ausdruck ''Neologismus'' liegen die [[Altgriechisch|altgriechischen]] Wörter <span lang="grc-Grek" class="Grek">νέος</span> ''neos'' „neu“ und <span lang="grc-Grek" class="Grek">λόγος</span> ''logos'' „Wort“ zugrunde;<ref name=":1"><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Gl%C3%BCck Helmut Glück] (Hrsg.), unter Mitarbeit von [https://de.wikipedia.org/wiki/Friederike_Schm%C3%B6e Friederike Schmöe]: ''Metzler Lexikon Sprache.'' 3., neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3476020568 ISBN 3-476-02056-8] (Stichwort ''Neologismus'').</span></ref> auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprache Deutsch] könnte man daher auch mit ''Neuwort'' oder ''neues Wort'' wiedergeben.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
Ein '''Neologismus''' (von {{grcS|νέο-|[[Liste griechischer Präfixe#neo|néo]]-}}, „neu“ und {{lang|grc|λόγος|[[lógos]]}}, „[[Wort]]“ oder „[[Rede]]“) ist eine innerhalb einer [[Sprachgemeinschaft]] in den allgemeinen Gebrauch übergegangene sprachliche '''Neuprägung''', das heißt:
* ein neu geschaffener sprachlicher [[Ausdruck (Sprachwissenschaft)|Ausdruck]], also ein Wort ('''Neuwort''') oder eine [[Redewendung|Wendung]]<ref>{{Literatur |Autor=Hadumod Bußmann, Hartmut Lauffer |Titel=Lexikon der Sprachwissenschaft |Verlag=[[Alfred Kröner Verlag]] |ISBN=978-3520452047 |Seiten=520}}</ref> (genauer: eine lexikalische Einheit,<ref name="Herb">{{Literatur |Autor=Dieter Herberg, Michael Kinne |Titel=Neologismen |Verlag=Julius Groos Verlag |Datum=1998 |ISBN=3-87276-819-0 |Seiten=2 |Zitat=Ein Neologismus ist eine lexikalische Einheit bzw. eine Bedeutung […]}}</ref><ref>{{Literatur |Autor=Lothar Lemnitzer |Titel=Brauchen wir neue Wörter? |Hrsg=[[Eberhard Karls Universität Tübingen]] – Seminar für Sprachwissenschaft |Datum=2004-11-11 |Seiten=7 |Online=https://wortwarte.de/Projekt/slidesDO.pdf |Format=PDF |KBytes=632 |Abruf=2021-03-27}}</ref> siehe [[Lexem]]), oder
* eine neue Bedeutung,<ref name="Herb" /> mit der ein bereits vorhandenes Wort bzw. ein bereits vorhandener Ausdruck versehen wird ([[Neosemantismus|Neubedeutung]]), oder auch das Wort bzw. der Ausdruck selbst, dem die Neubedeutung zukommt.
Wenn es in der Sprachgemeinschaft Verbreitung findet, findet es Eingang in die Wörterbücher, die den [[Wortschatz]] dieser Sprache kodifizieren. Charakteristisch für Neologismen ist, dass die Sprecher sie für eine gewisse Zeit als neu empfinden. Welche Wörter (noch) Neologismen sind, hängt also auch von dem Zeitpunkt ab, zu dem der Wortschatz einer Sprache betrachtet oder untersucht wird. Neben den in allgemeinsprachlichen Standardwörterbüchern erfassten Neologismen gibt es für viele Sprachen auch Spezialwörterbücher, die ausschließlich diesen Teil des Wortschatzes behandeln.
 
Dem Ausdruck ''Neologismus'' liegen die [[Altgriechische Sprache|altgriechischen]] Wörter {{lang|grc|νέος}} {{lang|grc-Latn|''neos''}} „neu“ und {{lang|grc|λόγος}} {{lang|grc-Latn|''logos''}} „Wort“ zugrunde;<ref name="Glück">[[Helmut Glück]] (Hrsg.), unter Mitarbeit von [[Friederike Schmöe]]: ''Metzler Lexikon Sprache.'' 3., neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, ISBN 3-476-02056-8 (Stichwort ''Neologismus'').</ref><ref group="Anm.">Weil das Wort νεολογισμός ''neologismós'' im Altgriechischen (mit den dort zu erwartenden griechischen Buchstaben, dem Akzent und der Endung -ος ''-os'' statt [[Latinisierung|latinisiert]] -us) nicht existiert, handelt es sich um ein Neuwort, d.&nbsp;h. um einen Neologismus.</ref> auf [[Deutsche Sprache|Deutsch]] könnte man ihn daher auch mit ''Neuwort'' oder ''neues Wort'' wiedergeben.
 
== Zur Problematik des Begriffs ==
== Zur Problematik des Begriffs ==
</div><p>Neologismen entstehen zumeist über Wortbildung, aber auch über Entlehnung, Bedeutungsveränderung oder, selten, Urschöpfung/[https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstwort Kunstwort]bildung.<ref name=":2"><span class="reference-text">Sabine Heyne, Bastian A. Vollmer: <cite>Innovation und Persuasion in der Presse. Eine komparative Korpusanalyse zur Form und Funktion von Neologismen</cite>. Springer, Wiesbaden 2016, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783658108519 ISBN 978-3-658-10851-9].</span></ref> Die Verwendung des Begriffs ''Neologismus'' ist in der Linguistik nicht ganz einheitlich.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Hadumod_Bu%C3%9Fmann Hadumod Bußmann] definiert ihn als „neu eingeführten oder neuartig gebrauchten sprachlichen Ausdruck“. Solche Wörter kommen durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Wortbildung Wortbildung], [https://de.wikipedia.org/wiki/Entlehnung Entlehnung] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Bedeutungs%C3%BCbertragung Bedeutungsübertragung] zustande. Lediglich für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurolinguistik Neurolinguistik] wird ein Verständnis des Begriffs im Sinne von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neusch%C3%B6pfung Neuschöpfung] oder Urschöpfung eingeräumt.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hadumod_Bu%C3%9Fmann Hadumod Bußmann] (Hrsg.): ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3520452030 ISBN 3-520-45203-0].</span></ref></p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Gl%C3%BCck Helmut Glück] setzt ''Neologismus'' zwar mit ''Neuschöpfung'' gleich, insofern das von ihm herausgegebene Lexikon unter dem Lemma „Wortneuschöpfung“ auf den Eintrag ''Neologismus'' verweist; die dort angeführten Beispiele sind aber ausschließlich Fälle von Wortbildung, Entlehnung oder Bedeutungsübertragung.<ref name=":1" /> Die linguistische Tradition unterscheidet hingegen spätestens seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zwischen „Wortschöpfung/Urschöpfung“ „Wortbildung“.<ref><span class="reference-text">Wolfgang Fleischer, Irmhild Barz: ''Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache.'' Unter Mitarbeit von Marianne Schröder. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Niemeyer, Tübingen 1995, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3484106824 ISBN 3-484-10682-4], S. 264.</span></ref></p><div class="mw-heading mw-heading2">
Neologismen entstehen zumeist über Wortbildung, aber auch über Entlehnung, Bedeutungsveränderung oder, selten, Urschöpfung/[[Kunstwort]]<nowiki/>bildung.<ref name=":1">{{Literatur |Autor=Sabine Heyne, Bastian A. Vollmer |Titel=Innovation und Persuasion in der Presse. Eine komparative Korpusanalyse zur Form und Funktion von Neologismen |Verlag=Springer |Ort=Wiesbaden |Datum=2016 |ISBN=978-3-658-10851-9}}</ref> Die Verwendung des Begriffs ''Neologismus'' ist in der Linguistik nicht ganz einheitlich.
 
[[Hadumod Bußmann]] definiert ihn als „neu eingeführten oder neuartig gebrauchten sprachlichen Ausdruck“. Solche Wörter kommen durch [[Wortbildung]], [[Entlehnung]] oder [[Bedeutungsübertragung]] zustande. Lediglich für die [[Neurolinguistik]] wird ein Verständnis des Begriffs im Sinne von [[Neuschöpfung]] oder Urschöpfung eingeräumt.<ref>[[Hadumod Bußmann]] (Hrsg.): ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0.</ref>
 
[[Helmut Glück]] setzt ''Neologismus'' zwar mit ''Neuschöpfung'' gleich, insofern das von ihm herausgegebene Lexikon unter dem Lemma „Wortneuschöpfung“ auf den Eintrag ''Neologismus'' verweist; die dort angeführten Beispiele sind aber ausschließlich Fälle von Wortbildung, Entlehnung oder Bedeutungsübertragung.<ref name="Glück" /> Die linguistische Tradition unterscheidet hingegen spätestens seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zwischen „Wortschöpfung/Urschöpfung“ „Wortbildung“.<ref>Wolfgang Fleischer, Irmhild Barz: ''Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache.'' Unter Mitarbeit von Marianne Schröder. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Niemeyer, Tübingen 1995, ISBN 3-484-10682-4, S. 264.</ref>
 
== Abgrenzung ==
== Abgrenzung ==
</div><p>Sprecher lebender Sprachen erfinden unentwegt neue Wörter, um spontan entstehende Benennungslücken schließen oder stilistische respektive emotionale Aspekte sprachlich zu realisieren. Die Anwendung der meisten davon bleibt auf den situativen Kontext beschränkt, in dem sie zur Erfüllung eines spezifischen denotativen oder konnotativen Zwecks entstehen. Diese [https://de.wikipedia.org/wiki/Gelegenheitsbildung Gelegenheitsbildungen] (Okkasionalismen) werden nicht lexikographisch erfasst, bilden aber das Anfangsstadium jedes neuen Wortes. Gerade dieses Anfangsstadium ist für die Mechanismen der Wortschatzerweiterung äußerst aussagekräftig, da unterschiedliche Varietäten unterschiedlich kreativ sind und unterschiedliche Voraussetzungen für eine mögliche Etablierung bieten. Denn die Absicht, ein fehlende bereits etablierte Wörter durch Okkasionalismen zu ersetzen, stellt nur eine von vielen möglichen Erklärungen für deren Entstehung dar. Oft spielen ludische, sprachökonomische oder klangsymbolische Faktoren, die etwa zu Kunstwörtern (Urschöpfungen) führen, wie im Fall von ''Kodak'', mit hinein. Neologismen dienen in der Regel einem bestimmten kommunikativen Zweck. Die Mechanismen, vermöge deren manche von ihnen sich lange genug erhalten, um schließlich lexikographische Berücksichtigung finden, sind noch nicht vollständig bekannt. Die Kriterien der Aufnahme in Lexika bedeuten für die Kodifizierung von Neologismen eine zusätzliche Restriktion, denn Namen und viele Komposita sind grundsätzlich nicht Gegenstand der Lexikographie. So sind viele Neologismen längere Zeit in Gebrauch, ohne in die Wörterbücher aufgenommen zu werden, bspw. ''Knödelstimme'' und ''Knopfaugen''.<ref name=":3"><span class="reference-text">Carmen Gierden Vega, Dirk Hofmann: <cite>Wortbildung und Ad-hoc-Komposita: Typen, Implikationen und ihre möglichen Übersetzungen ins Spanische</cite>. Hrsg.: Ludwig Eichinger, Meike Meliss, María José Domínguez Vázquez. Gunter Narr, Tübingen 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783823363866 ISBN 978-3-8233-6386-6], S.&nbsp;194–211.</span></ref> Die Aufnahme in ein Lexikon kann darum nur bedingt als Hinweis auf die Neuartigkeit eines Wortes gelten.</p><p>Wörter, die aus einer anderen Sprache [https://de.wikipedia.org/wiki/Lehnwort entlehnt] sind (beispielsweise ''downloaden'' aus dem Englischen) und in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen, werden gemeinhin so lange zu den Neologismen gezählt, wie sie sich noch nicht im Lexikon etabliert haben.</p><p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Lexik Lexik] einer lebenden Sprache ist ein komplexes Gebilde aus allgemeinsprachlichen, fachsprachlichen und gruppensprachlichen Wörtern. Allgemeinsprachliche Wörterbücher erfassen nur den Kernbereich der Lexik, den die [https://de.wikipedia.org/wiki/Alltagssprache Alltagssprache] verwendet. Gelegentlich kommt es vor, dass Wörter, die in einer Fachsprache schon lange zuvor gebräuchlich gewesen sind, in die Alltagssprache vordringen. Das gilt zum Beispiel für die Fachsprachen technischer Schlüsselbereiche wie der Informationstechnik und der Telekommunikation. Wörter, die in der jeweiligen Fachsprache bereits vor ihrem Übergang in den allgemeinen Sprachgebrauch usuell gewesen sind, werden nicht als Neologismen betrachtet. Besonders zahlreich, allerdings oft auch ephemer sind die Neubildungen im Jargon der Jugendlichen.</p><p>In der Praxis der Lexikographie ist die Abgrenzung zwischen Neologismen einerseits und Okkasionalismen, wiederbelebten Archaismen und Fachwörtern andererseits recht schwierig. Besonders [https://de.wikipedia.org/wiki/Textkorpus Textkorpora], die den aktuellen Sprachgebrauch dokumentieren, leisten bei der Erfassung und Beschreibung von Neologismen nützliche Dienste. In der Lexikologie wird auf die Abgrenzung verzichtet, da sie objektiv nicht möglich ist und da gerade seltene neue Wörter für soziolinguistische und kognitionslinguistische Fragestellungen wichtig sind und in der Praxis, etwa bei Übersetzungen und im [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_als_Fremdsprache DaF]-Unterricht, durchaus eine Rolle spielen.<ref name=":3" /><ref name=":2" /></p><p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychiatrie Psychiatrie] misst Neologismen (vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Paraphasie Paraphasie]) beim Erheben des [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychopathologischer_Befund psychopathologischen Befunds] im Zusammenhang mit Erkrankungen wie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schizophrenie Schizophrenie]spezifischere Bedeutung zu als dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Neolalie linguistischen Verständnis].</p><div class="mw-heading mw-heading2">
Sprecher lebender Sprachen erfinden unentwegt neue Wörter, um spontan entstehende Benennungslücken zu schließen oder stilistische, respektive emotionale Aspekte sprachlich zu realisieren. Die Anwendung der meisten davon bleibt auf den situativen Kontext beschränkt, in dem sie zur Erfüllung eines spezifischen denotativen oder konnotativen Zwecks entstehen. Diese [[Gelegenheitsbildung]]en (Okkasionalismen) werden nicht lexikographisch erfasst, bilden aber das Anfangsstadium jedes neuen Wortes. Gerade dieses Anfangsstadium ist für die Mechanismen der Wortschatzerweiterung äußerst aussagekräftig, da unterschiedliche Varietäten unterschiedlich kreativ sind und unterschiedliche Voraussetzungen für eine mögliche Etablierung bieten. Denn die Absicht, fehlende bereits etablierte Wörter durch Okkasionalismen zu ersetzen, stellt nur eine von vielen möglichen Erklärungen für deren Entstehung dar. Oft spielen ludische, sprachökonomische oder klangsymbolische Faktoren, die etwa zu Kunstwörtern (Urschöpfungen) führen, wie im Fall von ''Kodak'', mit hinein. Neologismen dienen in der Regel einem bestimmten kommunikativen Zweck. Die Mechanismen, vermöge deren manche von ihnen sich lange genug erhalten, um schließlich lexikographische Berücksichtigung zu finden, sind noch nicht vollständig bekannt. Die Kriterien der Aufnahme in Lexika bedeuten für die Kodifizierung von Neologismen eine zusätzliche Restriktion, denn Namen und viele Komposita sind grundsätzlich nicht Gegenstand der Lexikographie. So sind viele Neologismen längere Zeit in Gebrauch, ohne in die Wörterbücher aufgenommen zu werden, bspw. ''Knödelstimme'' und ''Knopfaugen''.<ref name=":0"><span class="reference-text">Dieter Herberg, Michael Kinne: <cite>Neologismen</cite>. Julius Groos Verlag, 1998, [[:de:Spezial:ISBN-Suche/3872768190|ISBN 3-87276-819-0]], S.&nbsp;2: „Ein Neologismus ist eine lexikalische Einheit bzw. eine Bedeutung […]“</span></ref> Die Aufnahme in ein Lexikon kann darum nur bedingt als Hinweis auf die Neuartigkeit eines Wortes gelten.
 
Wörter, die aus einer anderen Sprache [[Lehnwort|entlehnt]] sind (beispielsweise ''downloaden'' aus dem Englischen) und in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen, werden gemeinhin so lange zu den Neologismen gezählt, wie sie sich noch nicht im Lexikon etabliert haben.
 
Die [[Lexik]] einer lebenden Sprache ist ein komplexes Gebilde aus allgemeinsprachlichen, fachsprachlichen und gruppensprachlichen Wörtern. Allgemeinsprachliche Wörterbücher erfassen nur den Kernbereich der Lexik, den die [[Alltagssprache]] verwendet. Gelegentlich kommt es vor, dass Wörter, die in einer Fachsprache schon lange zuvor gebräuchlich gewesen sind, in die Alltagssprache vordringen. Das gilt zum Beispiel für die Fachsprachen technischer Schlüsselbereiche wie der Informationstechnik und der Telekommunikation. Wörter, die in der jeweiligen Fachsprache bereits vor ihrem Übergang in den allgemeinen Sprachgebrauch usuell gewesen sind, werden nicht als Neologismen betrachtet. Besonders zahlreich, allerdings oft auch ephemer sind die Neubildungen im Jargon der Jugendlichen.
 
In der Praxis der Lexikographie ist die Abgrenzung zwischen Neologismen einerseits und Okkasionalismen, wiederbelebten Archaismen und Fachwörtern andererseits recht schwierig. Besonders [[Textkorpus|Textkorpora]], die den aktuellen Sprachgebrauch dokumentieren, leisten bei der Erfassung und Beschreibung von Neologismen nützliche Dienste. In der Lexikologie wird auf die Abgrenzung verzichtet, da sie objektiv nicht möglich ist und da gerade seltene neue Wörter für soziolinguistische und kognitionslinguistische Fragestellungen wichtig sind und in der Praxis, etwa bei Übersetzungen und im [[Deutsch als Fremdsprache|DaF]]-Unterricht, durchaus eine Rolle spielen.<ref name=":0" /><ref name=":1" />
 
Die [[Psychiatrie]] misst Neologismen (vgl. [[Paraphasie]]) beim Erheben des [[Psychopathologischer Befund|psychopathologischen Befunds]] im Zusammenhang mit Erkrankungen wie der [[Schizophrenie]] spezifischere Bedeutung zu als dem [[Neolalie|linguistischen Verständnis]].
 
== Typen von Neologismen ==
== Typen von Neologismen ==
</div><p>Folgende Arten von Neologismen lassen sich unterscheiden:</p>
Folgende Arten von Neologismen lassen sich unterscheiden:
 
;Neue sprachliche Ausdrücke und Neuwörter
;Neue sprachliche Ausdrücke und Neuwörter
<p>Ausdruck und Bedeutung sind neu. Ein Beispiel für ein Neuwort ist das Verb ''simsen'' aus SMS für das Versenden von [https://de.wikipedia.org/wiki/Short_Message_Service Kurznachrichten].</p>
Ausdruck und Bedeutung sind neu. Ein Beispiel für ein Neuwort ist das Verb ''simsen'' aus SMS für das Versenden von [[Short Message Service|Kurznachrichten]].
 
;Neubedeutungen
;Neubedeutungen
<p>Ein alter Ausdruck erhält eine neue (weitere) Bedeutung. So steht als ein etwas älteres Beispiel ''Maus'' auch für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Computermaus Computermaus], ein „technisches Gerät, Teil der Computerperipherie“.</p><p>Ein Ausdruck erhält eine neue Bedeutung mit einem abwertenden oder aufwertenden Sinnbezug. Zum Beispiel erhält ein Ausdruck mit einem ursprünglich positiven Sinnbezug eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Pejorativum pejorative] Bedeutung und findet als [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlagwort_(Linguistik) Schlagwort] Verwendung. Es kann sich dabei z.&nbsp;B. um einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Politisches_Schlagwort politischen] und/oder ideologischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kampfbegriff Kampfbegriff] gegen unterschiedliche sprachliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Konvention Konventionen] und Verhaltensweisen handeln. Beispiele dafür sind ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Gutmensch Gutmensch]'' oder ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Korrektheit Politische Korrektheit]''.</p>
Ein alter Ausdruck erhält eine neue (weitere) Bedeutung. So steht als ein etwas älteres Beispiel ''Maus'' auch für die [[Computermaus]], ein „technisches Gerät, Teil der Computerperipherie“.
 
Ein Ausdruck erhält eine neue Bedeutung mit einem abwertenden oder aufwertenden Sinnbezug. Zum Beispiel erhält ein Ausdruck mit einem ursprünglich positiven Sinnbezug eine [[Pejorativum|pejorative]] Bedeutung und findet als [[Schlagwort (Linguistik)|Schlagwort]] Verwendung. Es kann sich dabei z.&nbsp;B. um einen [[politisches Schlagwort|politischen]] und/oder ideologischen [[Kampfbegriff]] gegen unterschiedliche sprachliche [[Konvention]]en und Verhaltensweisen handeln. Beispiele dafür sind ''[[Gutmensch]]'' oder ''[[Politische Korrektheit]]''.
;Neue Wortkombinationen
;Neue Wortkombinationen
<p>Hier ist das Zusammenziehen von gebräuchlichen Wörtern ''(Internetcafé'', ''Laptop-Tasche'', auch als [https://de.wikipedia.org/wiki/Retronym Retronym]: ''Analoguhr)'' von metaphorischen Neubildungen zu unterscheiden. Bei letzteren entscheidet für die Verwendung nicht die tatsächliche Bedeutung, sondern eine charakteristische Eigenschaft. Beispiele dafür sind ''[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Modezar&action=edit&redlink=1 Modezar]'', ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Literaturpapst Literaturpapst]'', ''[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=B%C3%B6rsenzwerg&action=edit&redlink=1 Börsenzwerg]'', ''[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wirtschaftsauguren&action=edit&redlink=1 Wirtschaftsauguren]'' oder ''[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erzeinwohner&action=edit&redlink=1 Erzeinwohner]'', aber auch ''Geizhals''.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
Hier ist das Zusammenziehen von gebräuchlichen Wörtern ''(Internetcafé'', ''Laptop-Tasche'', auch als [[Retronym]]: ''Analoguhr)'' von metaphorischen Neubildungen zu unterscheiden. Bei letzteren entscheidet für die Verwendung nicht die tatsächliche Bedeutung, sondern eine charakteristische Eigenschaft. Beispiele dafür sind ''[[Modezar]]'', ''[[Literaturpapst]]'', ''[[Börsenzwerg]]'', ''[[Wirtschaftsauguren]]'' oder ''[[Erzeinwohner]]'', aber auch ''Geizhals''.
 
== Neologismen und Sprachnorm ==
== Neologismen und Sprachnorm ==
</div><p>Wenn ein neues Wort in Gebrauch kommt, haben Sprecher oft Normunsicherheiten.</p>
Wenn ein neues Wort in Gebrauch kommt, haben Sprecher oft Normunsicherheiten.
*Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Aussprache Aussprache] wird erst im täglichen Gebrauch gesichert. Besonders bei Lehnwörtern tritt oft, aber nicht immer, ein Anpassungsprozess ein, bei dem die Aussprache dem Phonemsystem der entlehnenden Sprache angepasst wird. Ein Beispiel ist ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Download Download]'', das sich von /<span class="navigation-not-searchable"><span class="IPA">[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPA-Zeichen <span title="Aussprache im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA)">…loʊd</span>]</span></span>/ nach /<span class="navigation-not-searchable"><span class="IPA">[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPA-Zeichen <span title="Aussprache im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA)">…loːt</span>]</span></span>/ entwickelt.
* Die [[Aussprache]] wird erst im täglichen Gebrauch gesichert. Besonders bei Lehnwörtern tritt oft, aber nicht immer, ein Anpassungsprozess ein, bei dem die Aussprache dem Phonemsystem der entlehnenden Sprache angepasst wird. Ein Beispiel ist ''[[Download]]'', das sich von {{nowrap|/{{IPA|…loʊd}}/}} nach {{nowrap|/{{IPA|…loːt}}/}} entwickelt.
*Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Flexion Flexion] kann angepasst oder originär sein. Heißt es ''des [https://de.wikipedia.org/wiki/Piercing Piercing]'' oder ''des Piercings''? Heißt es im Plural ''die [https://de.wikipedia.org/wiki/Personal_Computer PC]'' oder ''die PCs''?
* Die [[Flexion]] kann angepasst oder originär sein. Heißt es ''des [[Piercing]]'' oder ''des Piercings''? Heißt es im Plural ''die [[Personal Computer|PC]]'' oder ''die PCs''?
*Es kann [https://de.wikipedia.org/wiki/Mehrdeutigkeit Mehrdeutigkeit] auftreten; so wird „der Download“ sowohl für den Ladevorgang als auch für herunterzuladende oder bereits heruntergeladene Dateien verwendet.
* Es kann [[Mehrdeutigkeit]] auftreten; so wird „der Download“ sowohl für den Ladevorgang als auch für herunterzuladende oder bereits heruntergeladene Dateien verwendet.
*Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Genus Genus] ist oft nicht eindeutig. Heißt es ''der [https://de.wikipedia.org/wiki/Blog Blog]'' oder ''das Blog''?
* Das [[Genus]] ist oft nicht eindeutig. Heißt es ''der [[Blog]]'' oder ''das Blog''?
*Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtschreibung Rechtschreibung] ist ungeklärt. Schreibt man ''Spinoff'', ''Spin-off'' oder ''Spin-Off''?
* Die [[Rechtschreibung]] ist ungeklärt. Schreibt man ''Spinoff'', ''Spin-off'' oder ''Spin-Off''?
<p>Oft muss sich eine Norm erst etablieren. Dies gilt zum Beispiel für das Genus von Lehnwörtern aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache Englischen], wo das Genussystem nur schwach ausgeprägt ist. Sprecher, die ein Neuwort verwenden, signalisieren manchmal, dass sie das entsprechende Wort noch nicht als Teil der Sprachnorm akzeptieren. Häufig dafür verwendete Mittel sind Anführungszeichen oder abgrenzende Ausdrücke: „Der ‚[https://de.wikipedia.org/wiki/Break-even Break-even]‘ sei noch nicht erreicht“, „der sogenannte Break-even“ oder „wie man heutzutage sagt, der Break-even“.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
 
Oft muss sich eine Norm erst etablieren. Dies gilt zum Beispiel für das Genus von Lehnwörtern aus dem [[Englische Sprache|Englischen]], wo das Genussystem nur schwach ausgeprägt ist. Sprecher, die ein Neuwort verwenden, signalisieren manchmal, dass sie das entsprechende Wort noch nicht als Teil der Sprachnorm akzeptieren. Häufig dafür verwendete Mittel sind Anführungszeichen oder abgrenzende Ausdrücke: „Der ‚[[Break-even]]‘ sei noch nicht erreicht“, „der sogenannte Break-even“ oder „wie man heutzutage sagt, der Break-even“.
 
== Über den Wert von Neologismen ==
== Über den Wert von Neologismen ==
</div><p>Nicht immer besteht die Hauptfunktion eines Neologismus darin, einen neuen Sachverhalt zu bezeichnen. Mit der Verwendung von Neologismen möchte man oft etwas verdeutlichen: Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, Modernität oder einfach nur Aufmerksamkeit erregen (Beispiel: „Entschleunigung“ statt „Verlangsamung“). Diese pragmatischen Funktionen sind die Ursache dafür, dass vor allem die Sprache der Werbung Neuwörter verwendet. Die Signalfunktion neuer Wörter wird soweit ausgereizt, dass man gegen grammatische Regeln verstößt ''(unkaputtbar'', ''hier werden Sie geholfen)''.</p><p>[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rudolf_Merta&action=edit&redlink=1 Rudolf Merta] unterschied 1966 zwischen „wirklichen Neologismen“ und den „Mode- und Schlagwörtern“, die der Sprache Gewalt antäten und allmählich ihre Ausdruckskraft verlören.<ref name=":4"><span class="reference-text">Rudolf Merta: <cite>Ostdeutsch und Westdeutsch?</cite> In: <cite>Sborník prací Filozofické fakulty brněnské univerzity</cite>. Band&nbsp;15, A14, 1966, S.&nbsp;163–167 ([https://digilib.phil.muni.cz/handle/11222.digilib/100420 Masaryk-Universität]).</span></ref></p><p>Der Linguist [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Bondzio Wilhelm Bondzio] stellte die These auf, dass Neologismen am zweckmäßigsten seien, wenn sie durch ihren Wortstamm Merkhilfen böten.<ref name=":4" /></p><p>Neologismen haben auch kulturellen Wert. Durch Wortneuschöpfungen können Denkanstöße und Neuassoziationen gefördert werden. Die zeitgenössische Kunstrichtung [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Expressiver_Neologismus&action=edit&redlink=1 expressiver Neologismus] (kurz auch als ''neolog'' bezeichnet) befasst sich auf kritische Art mit der Sprache als Massenmedium und Beeinflussungsinstrument.</p><p>Neologismen werden auch als ersetzende Bezeichnungen verwendet, wenn dem Bezeichneten eine andere Wertung oder ein anderes Ansehen gegeben werden soll. Beispiel für eine solche Sprachpolitik ist die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Bahn Deutsche Bahn AG]: Aus Schaffner wird ''Zugbegleiter'', der Schalter wird zum ''Servicepoint'' und neuerdings zum ''Counter''.</p><p>Zugleich entzündet sich an Neologismen als Symptom oft ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachkritik sprachkritischer] Diskurs. Konservative Sprachkritiker machen an Neologismen, und vor allem an Lehnwörtern, einen von ihnen behaupteten Verfall der Sprache fest. Andererseits wird mit den Neologismen ebenfalls die Wandlungsfähigkeit einer Sprache und ihre Fähigkeit belegt, die den sich ständig wandelnden Benennungsanforderungen gerecht wird.</p><p>Neologismen sind auch ein häufiges Instrument von [https://de.wikipedia.org/wiki/Propaganda Propaganda]. Beispielhaft dafür die 1942 erstmals verwendete Bezeichnung ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ungesetzlicher_Kombattant gesetzloser Kämpfer] (unlawful combatant)'' zur Einführung einer Klassifizierung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsgefangener Kriegsgefangenen], die das [https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerrecht Völkerrecht] umgeht. Weitere Beispiele sind das ''internationale Finanzjudentum'', ''Islamo-Faschismus'', ''sozialbehinderte Jungmigranten''.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
Nicht immer besteht die Hauptfunktion eines Neologismus darin, einen neuen Sachverhalt zu bezeichnen. Mit der Verwendung von Neologismen möchte man oft etwas verdeutlichen: Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, Modernität oder einfach nur Aufmerksamkeit erregen (Beispiel: „Entschleunigung“ statt „Verlangsamung“). Diese pragmatischen Funktionen sind die Ursache dafür, dass vor allem die Sprache der Werbung Neuwörter verwendet. Die Signalfunktion neuer Wörter und Ausdrücke wird soweit ausgereizt, dass man gegen grammatische Regeln verstößt ''(unkaputtbar'', ''hier werden Sie geholfen)''.
 
[[Rudolf Merta]] unterschied 1966 zwischen „wirklichen Neologismen“ und den „Mode- und Schlagwörtern“, die der Sprache Gewalt antäten und allmählich ihre Ausdruckskraft verlören.<ref name=merta>{{Literatur |Autor=Rudolf Merta |Titel=Ostdeutsch und Westdeutsch? |Sammelwerk=Sborník prací Filozofické fakulty brněnské univerzity |Band=15 |Nummer=A14 |Datum=1966 |Seiten=163–167 |Online=[https://digilib.phil.muni.cz/handle/11222.digilib/100420 Masaryk-Universität]}}</ref>
 
Der Linguist [[Wilhelm Bondzio]] stellte die These auf, dass Neologismen am zweckmäßigsten seien, wenn sie durch ihren Wortstamm Merkhilfen böten.<ref name=merta />
 
Neologismen haben auch kulturellen Wert. Durch Wortneuschöpfungen können Denkanstöße und Neuassoziationen gefördert werden. Die zeitgenössische Kunstrichtung [[expressiver Neologismus]] (kurz auch als ''neolog'' bezeichnet) befasst sich auf kritische Art mit der Sprache als Massenmedium und Beeinflussungsinstrument.
 
Neologismen werden auch als ersetzende Bezeichnungen verwendet, wenn dem Bezeichneten eine andere Wertung oder ein anderes Ansehen gegeben werden soll. Beispiel für eine solche Sprachpolitik ist die [[Deutsche Bahn|Deutsche Bahn AG]]: Aus Schaffner wird ''Zugbegleiter'', der Schalter wird zum ''{{lang|en|Servicepoint}}'' und neuerdings zum ''{{lang|en|Counter}}''.
 
Zugleich entzündet sich an Neologismen als Symptom oft ein [[Sprachkritik|sprachkritischer]] Diskurs. Konservative Sprachkritiker machen an Neologismen, und vor allem an Lehnwörtern, einen von ihnen behaupteten Verfall der Sprache fest. Andererseits wird mit den Neologismen ebenfalls die Wandlungsfähigkeit einer Sprache und ihre Fähigkeit belegt, die den sich ständig wandelnden Benennungsanforderungen gerecht wird.
 
Neologismen sind auch ein häufiges Instrument von [[Propaganda]]. Beispielhaft dafür die 1942 erstmals verwendete Bezeichnung ''[[Ungesetzlicher Kombattant|gesetzloser Kämpfer]] ({{lang|en|unlawful combatant}})'' zur Einführung einer Klassifizierung von [[Kriegsgefangener|Kriegsgefangenen]], die das [[Völkerrecht]] umgeht. Weitere Beispiele sind ''[[Finanzjudentum]]'' und ''[[Islamfaschismus]]''.
 
== Herkunft von Neuwörtern ==
== Herkunft von Neuwörtern ==
</div><p>Eine Quelle von Neologismen ist die Entlehnung aus anderen Sprachen (''Buzzer, Cache, Edutainment''). Auch können vorhandene [https://de.wikipedia.org/wiki/Lexem Lexeme] in veränderter Bedeutung genutzt werden (''Opfer'' (Beleidigung), ''Ampel'' (Kennzeichen auf Verpackungen für mehr oder weniger gesunde Lebensmittel)). Viele Neologismen entstehen über Wortbildung, wobei alle produktiven Verfahren genutzt werden ''(Coronakrise, aufpoppen, ADHS, containern, riestern)''. Selten werden neue Wörter ohne [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Morphologische_Struktur&action=edit&redlink=1 morphologische Struktur] geschaffen ''(Zalando)''.</p><p>Ein Sprachsystem stellt eine ganze Reihe von Mitteln für die Neu[https://de.wikipedia.org/wiki/Wortbildung wortbildung] bereit:</p>
Eine Quelle von Neologismen ist die Entlehnung aus anderen Sprachen (''Buzzer, Cache, Edutainment''). Auch können vorhandene [[Lexem|Lexeme]] in veränderter Bedeutung genutzt werden (''Opfer'' (Beleidigung), ''Ampel'' (Kennzeichen auf Verpackungen für mehr oder weniger gesunde Lebensmittel)). Viele Neologismen entstehen über Wortbildung, wobei alle produktiven Verfahren genutzt werden ''(Coronakrise, aufpoppen, ADHS, containern, riestern)''. Selten werden neue Wörter ohne [[morphologische Struktur]] geschaffen ''(Zalando)''.
;[https://de.wikipedia.org/wiki/Komposition_(Grammatik) Komposition]
 
<p>Die Zusammensetzung neuer Wörter aus existierenden ist im Deutschen der produktivste Wortbildungsprozess und entsprechend eine ergiebige Quelle für Neologismen ''(Dosenpfand'', ''Genmais)''.</p>
Ein Sprachsystem stellt eine ganze Reihe von Mitteln für die Neu[[wortbildung]] bereit:
;Derivation
 
<p>Die Ableitung mittels [https://de.wikipedia.org/wiki/Affix_(Linguistik) Affixen] (insbesondere [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4fix Präfixe] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Suffix Suffixe]) ist ebenfalls eine ergiebige Quelle. Dabei können Affixe selber Neuprägungen sein (beispielsweise ''Cyber-'') und eine größere Gruppe von Neuwörtern prägen ''(Cyberpunk'', ''Cyberkriminalität; ergoogeln).''</p>
; [[Komposition (Grammatik)|Komposition]]
;[https://de.wikipedia.org/wiki/Kurzwort Kurzwörter]
Die Zusammensetzung neuer Wörter aus existierenden ist im Deutschen der produktivste Wortbildungsprozess und entsprechend eine ergiebige Quelle für Neologismen ''(Dosenpfand'', ''Genmais)''.
<p>sind ein wichtiges Mittel [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sprachliche_%C3%96konomie&action=edit&redlink=1 sprachlicher Ökonomie]. Sie entstehen aus Teilen von Wörtern oder Wortgruppenlexemen. Solange sich ihr Gebrauch noch nicht verfestigt hat, sind es Neologismen ''(ALG/Arbeitslosengeld, ADS/Aufmerksamkeits­defizit­störung)''.</p>
 
;Kontamination
; Derivation
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Portmanteauwort Portmanteauwörter] werden durch Zusammenziehungen aus dem ersten Teil eines Wortes und dem zweiten Teil eines zweiten Wortes gebildet, Beispiel: ''education'' + ''entertainment'' → ''Edutainment''. Solche Zusammenziehungen sind im Deutschen selten, sie werden meist aus anderen Sprachen entlehnt.</p><p>'''Konversion'''</p><p>Die Verwendung eines Wortes als neue Wortart ist eine weitere Methode, neue Wörter zu schaffen ''(riestern'' zu ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Riester Riester])''.</p>
Die Ableitung mittels [[Affix (Linguistik)|Affixen]] (insbesondere [[Präfix]]e oder [[Suffix]]e) ist ebenfalls eine ergiebige Quelle. Dabei können Affixe selber Neuprägungen sein (beispielsweise ''Cyber-'') und eine größere Gruppe von Neuwörtern prägen ''(Cyberpunk'', ''Cyberkriminalität; ergoogeln).''
;Verballhornung
 
<p>Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Verballhornung Verballhornungen] bilden sich neue Worte durch bewusste Verzerrung. Beispiel: „Nervenkostüm“ statt „Nervensystem“, „nichtsdestotrotz“ statt „nichtsdestoweniger“ oder „trotzdem“.</p><div class="mw-heading mw-heading3">
; [[Kurzwort|Kurzwörter]]
sind ein wichtiges Mittel [[Sprachliche Ökonomie|sprachlicher Ökonomie]]. Sie entstehen aus Teilen von Wörtern oder Wortgruppenlexemen. Solange sich ihr Gebrauch noch nicht verfestigt hat, sind es Neologismen ''(ALG/Arbeitslosengeld, ADS/Aufmerksamkeits&shy;defizit&shy;störung)''.
 
; Kontamination
[[Portmanteauwort|Portmanteauwörter]] werden durch Zusammenziehungen aus dem ersten Teil eines Wortes und dem zweiten Teil eines zweiten Wortes gebildet, Beispiel: ''education'' + ''entertainment'' → ''Edutainment''. Solche Zusammenziehungen sind im Deutschen selten, sie werden meist aus anderen Sprachen entlehnt.
 
'''Konversion'''
 
Die Verwendung eines Wortes als neue Wortart ist eine weitere Methode, neue Wörter zu schaffen ''(riestern'' zu ''[[Walter Riester|Riester]])''.
 
; Verballhornung
Bei [[Verballhornung]]en bilden sich neue Wörter durch bewusste Verzerrung. Beispiel: „Nervenkostüm“ statt „Nervensystem“, „nichtsdestotrotz“ statt „nichtsdestoweniger“ oder „trotzdem“.
 
=== Mechanismen ===
=== Mechanismen ===
</div><p>Ein typischer Fall für ein neu entstehendes Wort ist, dass ein Wort durch ein anderes ersetzt wird. Oft geschieht dies aus Gründen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Marketing Marketing] oder der [https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Korrektheit politischen Korrektheit] – insbesondere als ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Euphemismus Euphemismus]'', also um ein negativ belegtes Wort ([https://de.wikipedia.org/wiki/Pejoration Pejorativ]) durch ein positiv klingendes Wort zu ersetzen („eine Ehrenrunde drehen“ statt „sitzen bleiben“).</p><p>Manche Wörter unterliegen zudem einer „sprachlichen Inflation“ (''Abnutzung'', vergleiche dazu [https://de.wikipedia.org/wiki/Euphemismus-Tretm%C3%BChle Euphemismus-Tretmühle]), und Neuschöpfungen oder die Verwendung außergewöhnlicher Bezeichnungen dienen dazu, den ''Sensationswert'' zu steigern und Aufmerksamkeit zu erregen. Beispiele aus der Werbung: ''Technologie'', wo eigentlich ''Technik'' oder ''Methode/Verfahren'' gemeint ist, ''Zahncreme'' anstelle der gewöhnlichen ''Zahnpasta'' oder exklusive Schreibweise ''Cigaretten''.</p><p>Ursache ist häufig, dass neue Trends und Entwicklungen – heute meist aus dem englischsprachigen Raum – zu uns gelangen ([https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kulturdominanz&action=edit&redlink=1 Kulturdominanz]) und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Milieu Szene] oder das Fachpublikum die zugehörigen Begriffe ([https://de.wikipedia.org/wiki/Xenismus Xenismen]) unreflektiert auch im deutschen Kontext verwendet oder eine weniger gelungene Übertragung vornimmt. Das geschieht sogar, wenn es einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Synonymie synonymen] Begriff bereits gibt, eventuell gerade in der Absicht, den Benutzer neudeutscher Wörter als [https://de.wikipedia.org/wiki/Insider Insider] durch Nutzung der ''Szenesprache ([https://de.wikipedia.org/wiki/Jargon Jargon])'' auszuweisen.</p><p>Das Wort ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Neudeutsch Neudeutsch]'' selbst kann als Beispiel dafür dienen: Es ist eine Neuschöpfung in Analogie zu ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Neusprech Neusprech]'' (englisch: ''Newspeak'') aus dem Roman ''[https://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman) 1984]'' von [https://de.wikipedia.org/wiki/George_Orwell George Orwell]. Die Verwendung des Wortes impliziert zumindest eine kritische Distanz des Verwenders gegenüber Neologismen und das Bewusstsein um die „Macht der Sprache“, soll ihn also als einer gebildeten und aufmerksamen, wertebewussten Schicht zugehörig auszeichnen.</p><p>Im Unterschied dazu stehen [https://de.wikipedia.org/wiki/Fremdwort Fremdwörter], die sich durchsetzen, weil kein angemessener deutscher Begriff verfügbar ist. Sie dienen oft zunächst der präzisen Ausdrucksweise in Fachkreisen, verbreiten sich dann teilweise in das gehobene Allgemeinwissen, bis einige schließlich im alltäglichen Sprachgebrauch ankommen und nicht mehr als fremd empfunden werden.</p><p>Nicht nur Fremdes, auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Plurizentrische_Sprache regionale Unterschiede] können über den Jargon der [https://de.wikipedia.org/wiki/Massenmedien Massenmedien] in das [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprache Standarddeutsch] eingehen. Ein Beispiel sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Regionalsprache autochthone]Varianten, die sich in den Jahren der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Teilung Teilung Deutschlands] in der Mitte des 20.&nbsp;Jahrhunderts unterschiedlich entwickelt haben, wie ''Goldbroiler'' und ''Brathähnchen''.</p><div class="mw-heading mw-heading3">
Ein typischer Fall für ein neu entstehendes Wort ist, dass ein Wort durch ein anderes ersetzt wird. Oft geschieht dies aus Gründen des [[Marketing]] oder der [[Politische Korrektheit|politischen Korrektheit]] – insbesondere als ''[[Euphemismus]]'', also um ein negativ belegtes Wort ([[Pejoration|Pejorativ]]) durch ein positiv klingendes Wort zu ersetzen („eine Ehrenrunde drehen“ statt „sitzen bleiben“).
 
Manche Wörter unterliegen zudem einer „sprachlichen Inflation“ (''Abnutzung'', vergleiche dazu [[Euphemismus-Tretmühle]]), und Neuschöpfungen oder die Verwendung außergewöhnlicher Bezeichnungen dienen dazu, den ''Sensationswert'' zu steigern und Aufmerksamkeit zu erregen. Beispiele aus der Werbung: ''Technologie'', wo eigentlich ''Technik'' oder ''Methode/Verfahren'' gemeint ist, ''Zahncreme'' anstelle der gewöhnlichen ''Zahnpasta'' oder exklusive Schreibweise ''Cigaretten''.
 
Ursache ist häufig, dass neue Trends und Entwicklungen – heute meist aus dem englischsprachigen Raum – zu uns gelangen ([[Kulturdominanz]]) und die [[Soziales Milieu|Szene]] oder das Fachpublikum die zugehörigen Begriffe ([[Xenismus|Xenismen]]) unreflektiert auch im deutschen Kontext verwendet oder eine weniger gelungene Übertragung vornimmt. Das geschieht sogar, wenn es einen [[Synonymie|synonymen]] Begriff bereits gibt, eventuell gerade in der Absicht, den Benutzer neudeutscher Wörter als [[Insider]] durch Nutzung der ''Szenesprache ([[Jargon]])'' auszuweisen.
 
Das Wort ''[[Neudeutsch]]'' selbst kann als Beispiel dafür dienen: Es ist eine Neuschöpfung in Analogie zu ''[[Neusprech]]'' (englisch: ''Newspeak'') aus dem Roman ''[[1984 (Roman)|1984]]'' von [[George Orwell]]. Die Verwendung des Wortes impliziert zumindest eine kritische Distanz des Verwenders gegenüber Neologismen und das Bewusstsein um die „Macht der Sprache“, soll ihn also als einer gebildeten und aufmerksamen, wertebewussten Schicht zugehörig auszeichnen.
 
Im Unterschied dazu stehen [[Fremdwort|Fremdwörter]], die sich durchsetzen, weil kein angemessener deutscher Begriff verfügbar ist. Sie dienen oft zunächst der präzisen Ausdrucksweise in Fachkreisen, verbreiten sich dann teilweise in das gehobene Allgemeinwissen, bis einige schließlich im alltäglichen Sprachgebrauch ankommen und nicht mehr als fremd empfunden werden.
 
Nicht nur Fremdes, auch [[Plurizentrische Sprache|regionale Unterschiede]] können über den Jargon der [[Massenmedien]] in das [[Deutsche Sprache|Standarddeutsch]] eingehen. Ein Beispiel sind [[Regionalsprache|autochthone]] Varianten, die sich in den Jahren der [[Deutsche Teilung|Teilung Deutschlands]] in der Mitte des 20.&nbsp;Jahrhunderts unterschiedlich entwickelt haben, wie ''Goldbroiler'' und ''Brathähnchen''.
 
=== Beispiele ===
=== Beispiele ===
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* ''[[Blog]]'', ''[[Vlog]]'', abgeleitet von ''web-log'' bzw. ''video-log'' (engl. für ''Internet-/Video-Tagebuch'') – häufig aktualisierte Webseite.
*''[https://de.wikipedia.org/wiki/Blog Blog]'', ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Vlog Vlog]'', abgeleitet von ''web-log'' bzw. ''video-log'' (engl. für ''Internet-/Video-Tagebuch'') – häufig aktualisierte Webseite.
* ''[[Folksonomy]]'', kollaborative Praxis und (Selbst-)Organisationsform von Menschen (etwa in der Arbeit von Wikipedia).
*''[https://de.wikipedia.org/wiki/Folksonomy Folksonomy]'', kollaborative Praxis und (Selbst-)Organisationsform von Menschen (etwa in der Arbeit von Wikipedia).
* ''[[Gendersternchen]]'', bezeichnet eine Methode der geschlechtergerechten Sprache in der schriftlichen Form des Deutschen.
*''[https://de.wikipedia.org/wiki/Gendersternchen Gendersternchen]'', bezeichnet eine Methode der geschlechtergerechten Sprache in der schriftlichen Form des Deutschen.
* ''[[Islamophobie]]'', Feindseligkeit gegen und kategorische Abwertung und Benachteiligung von Muslimen.
*''[https://de.wikipedia.org/wiki/Islamophobie Islamophobie]'', Feindseligkeit gegen und kategorische Abwertung und Benachteiligung von Muslimen.
* ''[[Listicle]]'', ein journalistischer Text in Aufzählungsform.
*''[https://de.wikipedia.org/wiki/Listicle Listicle]'', ein journalistischer Text in Aufzählungsform.
* ''[[Mansplaining]]'' ist ein [[substantiv]]isches [[Portmanteauwort]] aus ''man'' (engl. für ''Mann'') und ''-splaining'' (von ''explaining'', engl. für ''erklären''), das 2015 Eingang in die deutsche Sprache gefunden hat.
*''[https://de.wikipedia.org/wiki/Mansplaining Mansplaining]'' ist ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Substantiv substantivisches] [https://de.wikipedia.org/wiki/Portmanteauwort Portmanteauwort] aus ''man'' (engl. für ''Mann'') und ''-splaining'' (von ''explaining'', engl. für ''erklären''), das 2015 Eingang in die deutsche Sprache gefunden hat.
* ''[[Menschenmaterial]]'', Koppelung von Lebendig-Menschlichem und toter Sache.
*''[https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenmaterial Menschenmaterial]'', Koppelung von Lebendig-Menschlichem und toter Sache.
* ''[[Podcast]]'', zusammengesetzt aus [[Apple]]s „[[iPod]]“ und ''broadcast'' (engl. für ''Sendung''): Eine Sendung, die man nachträglich anhören kann, indem man diese aus dem Internet herunterlädt.
*''[https://de.wikipedia.org/wiki/Podcast Podcast]'', zusammengesetzt aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Apple Apples] „[https://de.wikipedia.org/wiki/IPod iPod]“ und ''broadcast'' (engl. für ''Sendung''): Eine Sendung, die man nachträglich anhören kann, indem man diese aus dem Internet herunterlädt.
* ''[[sitt]]'', als Anlehnung an ''satt'': nicht mehr durstig, im Rahmen eines Wettbewerbs zur Suche eines entsprechenden Wortes erfunden.
*''[https://de.wikipedia.org/wiki/Sitt sitt]'', als Anlehnung an ''satt'': nicht mehr durstig, im Rahmen eines Wettbewerbs zur Suche eines entsprechenden Wortes erfunden.
 
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Neologismen bei gesellschaftlichen und politischen Veränderungen ==
== Neologismen bei gesellschaftlichen und politischen Veränderungen ==
</div><p>Gesellschaftliche Veränderungen, die eine politische Legitimation benötigen, führten oft zur Neuschöpfung von Wörtern. Beispielhaft dafür sind Neologismen aus der Zeit des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialismus Kolonialismus], der Entwicklung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentheorie Rassetheorien] und einer sogenannten „Afrikaterminologie“.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Susan_Arndt Susan Arndt]: [https://www.bpb.de/wissen/2IQNTS ''Kolonialismus, Rassismus und Sprache. Kritische Betrachtungen der deutschen Afrikaterminologie.''] Dossier des Webauftritts der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundeszentrale_f%C3%BCr_politische_Bildung Bundeszentrale für politische Bildung], 2004.</span></ref> Hier war Sprache ein wichtiges Medium zur Herstellung und Vermittlung des Legitimationsmythos, Afrika sei das homogene und unterlegene „Andere“ und bedürfe daher der „Zivilisierung“ durch Europa. Dieser Ansatz schlug sich in einer kolonialen – die afrikanischen Eigenbezeichnungen ignorierenden und vermeidenden – Benennungspraxis nieder, für gegenwärtige europäische Gesellschaften gültige Begriffe auf den afrikanischen Kontext zu übertragen.<ref><span class="reference-text">Susan Arndt, [https://de.wikipedia.org/wiki/Antje_Hornscheidt Antje Hornscheidt] (Hrsg.): ''Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk.'' Unrast Verlag, 2004, S. 18.</span></ref></p><div class="mw-heading mw-heading2">
Gesellschaftliche Veränderungen, die eine politische Legitimation benötigen, führten oft zur Neuschöpfung von Wörtern. Beispielhaft dafür sind Neologismen aus der Zeit des [[Kolonialismus]], der Entwicklung von [[Rassentheorie|Rassetheorien]] und einer sogenannten „Afrikaterminologie“.<ref>[[Susan Arndt]]: [https://www.bpb.de/wissen/2IQNTS ''Kolonialismus, Rassismus und Sprache. Kritische Betrachtungen der deutschen Afrikaterminologie.''] Dossier des Webauftritts der [[Bundeszentrale für politische Bildung]], 2004.</ref> Hier war Sprache ein wichtiges Medium zur Herstellung und Vermittlung des Legitimationsmythos, Afrika sei das homogene und unterlegene „Andere“ und bedürfe daher der „Zivilisierung“ durch Europa. Dieser Ansatz schlug sich in einer kolonialen – die afrikanischen Eigenbezeichnungen ignorierenden und vermeidenden – Benennungspraxis nieder, für gegenwärtige europäische Gesellschaften gültige Begriffe auf den afrikanischen Kontext zu übertragen.<ref name="arndt">Susan Arndt, [[Antje Hornscheidt]] (Hrsg.): ''Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk.'' Unrast Verlag, 2004, S. 18.</ref>
 
== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
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* [[Kunstwort]]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstwort Kunstwort]
* [[Phono-semantische Angleichung]]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Phono-semantische_Angleichung Phono-semantische Angleichung]
* [[Sprachnorm]]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachnorm Sprachnorm]
* [[Sprachregelung]]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachregelung Sprachregelung]
* [[Sprachmanipulation]]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachmanipulation Sprachmanipulation]
* [[Sprachgebrauch in der DDR]]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachgebrauch_in_der_DDR Sprachgebrauch in der DDR]
* [[Morphologie (Linguistik) #Kontamination (Blending)]]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Morphologie_(Linguistik)#Kontamination_(Blending) Morphologie (Linguistik) #Kontamination (Blending)]
 
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Literatur ==
== Literatur ==
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; Wörterbücher
;Wörterbücher
* John Algeo: ''Fifty years among the new words: a dictionary of neologisms, 1941–1991''. CUP, Cambridge 1991, ISBN 0-521-41377-X.
 
* Alfred Heberth: ''Neue Wörter. Neologismen in der deutschen Sprache seit 1945.'' Verlag der Wissenschaften, Wien 1977.
*John Algeo: ''Fifty years among the new words: a dictionary of neologisms, 1941–1991''. CUP, Cambridge 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/052141377X ISBN 0-521-41377-X].
* Dieter Herberg, Michael Kinne, Doris Steffens: ''Neuer Wortschatz. Neologismen der 90er Jahre im Deutschen.'' De Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-017751-X.
*Alfred Heberth: ''Neue Wörter. Neologismen in der deutschen Sprache seit 1945.'' Verlag der Wissenschaften, Wien 1977.
* [[Susan Arndt]], [[Antje Hornscheidt]] (Hrsg.): ''Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk.'' Unrast Verlag, Münster 2005, ISBN 3-89771-424-8.
*Dieter Herberg, Michael Kinne, Doris Steffens: ''Neuer Wortschatz. Neologismen der 90er Jahre im Deutschen.'' De Gruyter, Berlin 2004, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/311017751X ISBN 3-11-017751-X].
* Uwe Quasthoff (Hrsg.): ''Deutsches Neologismenwörterbuch. Neue Wörter und Wortbedeutungen in der Gegenwartssprache.'' De Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-018868-4.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Susan_Arndt Susan Arndt], [https://de.wikipedia.org/wiki/Antje_Hornscheidt Antje Hornscheidt] (Hrsg.): ''Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk.'' Unrast Verlag, Münster 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3897714248 ISBN 3-89771-424-8].
* Doris Steffens, Doris al-Wadi: ''Neuer Wortschatz. Neologismen im Deutschen 2001–2010.'' 2 Bände. Institut für Deutsche Sprache, Mannheim 2013, ISBN 978-3-937241-43-2.
*Uwe Quasthoff (Hrsg.): ''Deutsches Neologismenwörterbuch. Neue Wörter und Wortbedeutungen in der Gegenwartssprache.'' De Gruyter, Berlin 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110188684 ISBN 978-3-11-018868-4].
* Doris Steffens, Olga Nikitina: ''Deutsch-russisches Neologismenwörterbuch. Neuer Wortschatz im Deutschen 1991–2010.'' 2 Bände. Institut für Deutsche Sprache, Mannheim 2014, ISBN 978-3-937241-47-0.
*Doris Steffens, Doris al-Wadi: ''Neuer Wortschatz. Neologismen im Deutschen 2001–2010.'' 2 Bände. Institut für Deutsche Sprache, Mannheim 2013, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783937241432 ISBN 978-3-937241-43-2].
*Doris Steffens, Olga Nikitina: ''Deutsch-russisches Neologismenwörterbuch. Neuer Wortschatz im Deutschen 1991–2010.'' 2 Bände. Institut für Deutsche Sprache, Mannheim 2014, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783937241470 ISBN 978-3-937241-47-0].


;Darstellungen
; Darstellungen
* Robert Barnhart, Clarence Barnhart: ''The Dictionary of Neologisms.'' In: Franz J. Hausmann (Hrsg.): ''Wörterbücher, Dictionaries, Dictionnaires. Ein internationales Handbuch zur Lexikographie.'' De Gruyter, Berlin
** Teilband 2, 1990, ISBN 3-11-012420-3, S. 1159–1166.
* Sandra Innerwinkler: ''Neologismen.'' Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-8253-7511-9.
* 1975 bis 1983: ''Neue Wörter und ihre Bedeutungen.'' In: ''Meyers Großes Jahreslexikon'' (jeweils unter dem Stichwort „Wort“).
* Wolfgang Müller:'' Neue Wörter und neue Wortbedeutungen in der deutschen Gegenwartssprache.'' In: Universitas 8/1976, S. 867–873.
* 1994 bis 2005: ''Neue Wörter.'' In: ''Brockhaus Enzyklopädie Jahrbuch'' (jeweils unter dem Stichwort „Wort“).
* Wolfgang Müller: ''„Schlammschlacht“. Schon gehört? Ein Desiderat: Das deutsche Neologismenwörterbuch.'' In: ''Sprache und Literatur in Wissenschaft und Unterricht'' 60/1987, S. 82–90.
* Doris Steffens: ''Von „Aquajogging“ bis „Zickenalarm“. Neuer Wortschatz im Deutschen seit den 90er Jahren im Spiegel des ersten größeren Neologismenwörterbuches.'' In: ''Der Sprachdienst'' 51, H.&nbsp;4, 2007, S. 146–159.
* Wolfgang Teubert (Hrsg.): ''Neologie und Korpus.'' Narr, Tübingen 1990, ISBN 3-8233-5141-9 (Studien zur deutschen Sprache 11).
* Oliver Siebold: ''Wort – Genre – Text. Wortneubildungen in der Science Fiction''. Narr, Tübingen 2000, ISBN 3-8233-5850-2.
* Corinna Peschel: ''Zum Zusammenhang von Wortneubildung und Textkonstitution''. Niemeyer, Tübingen 2002, ISBN 3-484-31237-8.
* Hilke Elsen: ''Phantastische Namen. Die Namen in Science Fiction und Fantasy zwischen Arbitrarität und Wortbildung''. Narr, Tübingen 2008, ISBN 978-3-8233-6396-5.
* Linda Holz: ''Untersuchungen zu Neologismen in der Tagespresse. Grundlagen, Erscheinungsformen und Funktionen''. Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-639-12220-6.
* Hilke Elsen: ''Neologismen. Formen und Funktionen neuer Wörter in verschiedenen Varietäten des Deutschen.'' 2.,&nbsp;überarbeitete Auflage. Narr, Tübingen 2011, ISBN 978-3-8233-6646-1.
* Sabine Heyne, Bastian A. Vollmer: ''Innovation und Persuasion in der Presse. Eine komparative Korpusanalyse zur Form und Funktion von Neologismen''. Springer, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10851-9.
* Piotr Sulikowski, ''Neologismus in der polnischen Dichtung: eine translatorische Analyse. Besprochen anhand der Beispiele des dem übersetzerischen Werk von Karl Dedecius.'' Verlag Dr. Kovač, Hamburg: 2007, ISBN 3-8300-3223-4.


*Robert Barnhart, Clarence Barnhart: ''The Dictionary of Neologisms.'' In: Franz J. Hausmann (Hrsg.): ''Wörterbücher, Dictionaries, Dictionnaires. Ein internationales Handbuch zur Lexikographie.'' De Gruyter, Berlin
**Teilband 2, 1990, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110124203 ISBN 3-11-012420-3], S. 1159–1166.
*Sandra Innerwinkler: ''Neologismen.'' Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2015, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783825375119 ISBN 978-3-8253-7511-9].
*1975 bis 1983: ''Neue Wörter und ihre Bedeutungen.'' In: ''Meyers Großes Jahreslexikon'' (jeweils unter dem Stichwort „Wort“).
*Wolfgang Müller:'' Neue Wörter und neue Wortbedeutungen in der deutschen Gegenwartssprache.'' In: Universitas 8/1976, S. 867–873.
*1994 bis 2005: ''Neue Wörter.'' In: ''Brockhaus Enzyklopädie Jahrbuch'' (jeweils unter dem Stichwort „Wort“).
*Wolfgang Müller: ''„Schlammschlacht“. Schon gehört? Ein Desiderat: Das deutsche Neologismenwörterbuch.'' In: ''Sprache und Literatur in Wissenschaft und Unterricht''60/1987, S. 82–90.
*Doris Steffens: ''Von „Aquajogging“ bis „Zickenalarm“. Neuer Wortschatz im Deutschen seit den 90er Jahren im Spiegel des ersten größeren Neologismenwörterbuches.'' In: ''Der Sprachdienst'' 51, H.&nbsp;4, 2007, S. 146–159.
*Wolfgang Teubert (Hrsg.): ''Neologie und Korpus.'' Narr, Tübingen 1990, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3823351419 ISBN 3-8233-5141-9] (Studien zur deutschen Sprache 11).
*Oliver Siebold: ''Wort – Genre – Text. Wortneubildungen in der Science Fiction''. Narr, Tübingen 2000, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3823358502 ISBN 3-8233-5850-2].
*Corinna Peschel: ''Zum Zusammenhang von Wortneubildung und Textkonstitution''. Niemeyer, Tübingen 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3484312378 ISBN 3-484-31237-8].
*Hilke Elsen: ''Phantastische Namen. Die Namen in Science Fiction und Fantasy zwischen Arbitrarität und Wortbildung''. Narr, Tübingen 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783823363965 ISBN 978-3-8233-6396-5].
*Linda Holz: ''Untersuchungen zu Neologismen in der Tagespresse. Grundlagen, Erscheinungsformen und Funktionen''. Saarbrücken 2009, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783639122206 ISBN 978-3-639-12220-6].
*Hilke Elsen: ''Neologismen. Formen und Funktionen neuer Wörter in verschiedenen Varietäten des Deutschen.'' 2.,&nbsp;überarbeitete Auflage. Narr, Tübingen 2011, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783823366461 ISBN 978-3-8233-6646-1].
*Sabine Heyne, Bastian A. Vollmer: ''Innovation und Persuasion in der Presse. Eine komparative Korpusanalyse zur Form und Funktion von Neologismen''. Springer, Wiesbaden 2016, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783658108519 ISBN 978-3-658-10851-9].
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* {{DNB-Portal|4041605-7}}
*[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=4041605-7 Literatur von und über Neologismus] im Katalog der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalbibliothek Deutschen Nationalbibliothek]
* [https://www.owid.de/wb/neo/start.html Neologismenwörterbuch] im Wörterbuchportal OWID des [[Institut für Deutsche Sprache|Instituts für Deutsche Sprache]]
*[https://www.owid.de/wb/neo/start.html Neologismenwörterbuch] im Wörterbuchportal OWID des [https://de.wikipedia.org/wiki/Institut_f%C3%BCr_Deutsche_Sprache Instituts für Deutsche Sprache]
* [https://wortwarte.de/ Die Wortwarte] – Eine private Sammlung von Neologismen
*[https://wortwarte.de/ Die Wortwarte] – Eine private Sammlung von Neologismen


== Einzelnachweise ==
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== Anmerkungen ==
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Version vom 29. Juli 2026, 16:46 Uhr

neo-Logismus agr.-deu. wrtl. 'Neuwortung'

Ein Neologismus (von altgriechisch νέο- néo-, „neu“ und λόγος lógos, „Wort“ oder „Rede“) ist eine innerhalb einer Sprachgemeinschaft in den allgemeinen Gebrauch übergegangene sprachliche Neuprägung, das heißt:

Neologismus

Dem Ausdruck Neologismus liegen die altgriechischen Wörter νέος neos „neu“ und λόγος logos „Wort“ zugrunde;[1] auf Deutsch könnte man daher auch mit Neuwort oder neues Wort wiedergeben.

Ein Neologismus (von altgriechisch νέο- néo-, „neu“ und λόγος lógos, „Wort“ oder „Rede“) ist eine innerhalb einer Sprachgemeinschaft in den allgemeinen Gebrauch übergegangene sprachliche Neuprägung, das heißt:

  • ein neu geschaffener sprachlicher Ausdruck, also ein Wort (Neuwort) oder eine Wendung[2] (genauer: eine lexikalische Einheit,[3][4] siehe Lexem), oder
  • eine neue Bedeutung,[3] mit der ein bereits vorhandenes Wort bzw. ein bereits vorhandener Ausdruck versehen wird (Neubedeutung), oder auch das Wort bzw. der Ausdruck selbst, dem die Neubedeutung zukommt.

Wenn es in der Sprachgemeinschaft Verbreitung findet, findet es Eingang in die Wörterbücher, die den Wortschatz dieser Sprache kodifizieren. Charakteristisch für Neologismen ist, dass die Sprecher sie für eine gewisse Zeit als neu empfinden. Welche Wörter (noch) Neologismen sind, hängt also auch von dem Zeitpunkt ab, zu dem der Wortschatz einer Sprache betrachtet oder untersucht wird. Neben den in allgemeinsprachlichen Standardwörterbüchern erfassten Neologismen gibt es für viele Sprachen auch Spezialwörterbücher, die ausschließlich diesen Teil des Wortschatzes behandeln.

Dem Ausdruck Neologismus liegen die altgriechischen Wörter νέος neos „neu“ und λόγος logos „Wort“ zugrunde;[5][Anm. 1] auf Deutsch könnte man ihn daher auch mit Neuwort oder neues Wort wiedergeben.

Zur Problematik des Begriffs

Neologismen entstehen zumeist über Wortbildung, aber auch über Entlehnung, Bedeutungsveränderung oder, selten, Urschöpfung/Kunstwortbildung.[1] Die Verwendung des Begriffs Neologismus ist in der Linguistik nicht ganz einheitlich.

Hadumod Bußmann definiert ihn als „neu eingeführten oder neuartig gebrauchten sprachlichen Ausdruck“. Solche Wörter kommen durch Wortbildung, Entlehnung oder Bedeutungsübertragung zustande. Lediglich für die Neurolinguistik wird ein Verständnis des Begriffs im Sinne von Neuschöpfung oder Urschöpfung eingeräumt.[6]

Helmut Glück setzt Neologismus zwar mit Neuschöpfung gleich, insofern das von ihm herausgegebene Lexikon unter dem Lemma „Wortneuschöpfung“ auf den Eintrag Neologismus verweist; die dort angeführten Beispiele sind aber ausschließlich Fälle von Wortbildung, Entlehnung oder Bedeutungsübertragung.[5] Die linguistische Tradition unterscheidet hingegen spätestens seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zwischen „Wortschöpfung/Urschöpfung“ „Wortbildung“.[7]

Abgrenzung

Sprecher lebender Sprachen erfinden unentwegt neue Wörter, um spontan entstehende Benennungslücken zu schließen oder stilistische, respektive emotionale Aspekte sprachlich zu realisieren. Die Anwendung der meisten davon bleibt auf den situativen Kontext beschränkt, in dem sie zur Erfüllung eines spezifischen denotativen oder konnotativen Zwecks entstehen. Diese Gelegenheitsbildungen (Okkasionalismen) werden nicht lexikographisch erfasst, bilden aber das Anfangsstadium jedes neuen Wortes. Gerade dieses Anfangsstadium ist für die Mechanismen der Wortschatzerweiterung äußerst aussagekräftig, da unterschiedliche Varietäten unterschiedlich kreativ sind und unterschiedliche Voraussetzungen für eine mögliche Etablierung bieten. Denn die Absicht, fehlende bereits etablierte Wörter durch Okkasionalismen zu ersetzen, stellt nur eine von vielen möglichen Erklärungen für deren Entstehung dar. Oft spielen ludische, sprachökonomische oder klangsymbolische Faktoren, die etwa zu Kunstwörtern (Urschöpfungen) führen, wie im Fall von Kodak, mit hinein. Neologismen dienen in der Regel einem bestimmten kommunikativen Zweck. Die Mechanismen, vermöge deren manche von ihnen sich lange genug erhalten, um schließlich lexikographische Berücksichtigung zu finden, sind noch nicht vollständig bekannt. Die Kriterien der Aufnahme in Lexika bedeuten für die Kodifizierung von Neologismen eine zusätzliche Restriktion, denn Namen und viele Komposita sind grundsätzlich nicht Gegenstand der Lexikographie. So sind viele Neologismen längere Zeit in Gebrauch, ohne in die Wörterbücher aufgenommen zu werden, bspw. Knödelstimme und Knopfaugen.[8] Die Aufnahme in ein Lexikon kann darum nur bedingt als Hinweis auf die Neuartigkeit eines Wortes gelten.

Wörter, die aus einer anderen Sprache entlehnt sind (beispielsweise downloaden aus dem Englischen) und in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen, werden gemeinhin so lange zu den Neologismen gezählt, wie sie sich noch nicht im Lexikon etabliert haben.

Die Lexik einer lebenden Sprache ist ein komplexes Gebilde aus allgemeinsprachlichen, fachsprachlichen und gruppensprachlichen Wörtern. Allgemeinsprachliche Wörterbücher erfassen nur den Kernbereich der Lexik, den die Alltagssprache verwendet. Gelegentlich kommt es vor, dass Wörter, die in einer Fachsprache schon lange zuvor gebräuchlich gewesen sind, in die Alltagssprache vordringen. Das gilt zum Beispiel für die Fachsprachen technischer Schlüsselbereiche wie der Informationstechnik und der Telekommunikation. Wörter, die in der jeweiligen Fachsprache bereits vor ihrem Übergang in den allgemeinen Sprachgebrauch usuell gewesen sind, werden nicht als Neologismen betrachtet. Besonders zahlreich, allerdings oft auch ephemer sind die Neubildungen im Jargon der Jugendlichen.

In der Praxis der Lexikographie ist die Abgrenzung zwischen Neologismen einerseits und Okkasionalismen, wiederbelebten Archaismen und Fachwörtern andererseits recht schwierig. Besonders Textkorpora, die den aktuellen Sprachgebrauch dokumentieren, leisten bei der Erfassung und Beschreibung von Neologismen nützliche Dienste. In der Lexikologie wird auf die Abgrenzung verzichtet, da sie objektiv nicht möglich ist und da gerade seltene neue Wörter für soziolinguistische und kognitionslinguistische Fragestellungen wichtig sind und in der Praxis, etwa bei Übersetzungen und im DaF-Unterricht, durchaus eine Rolle spielen.[8][1]

Die Psychiatrie misst Neologismen (vgl. Paraphasie) beim Erheben des psychopathologischen Befunds im Zusammenhang mit Erkrankungen wie der Schizophrenie spezifischere Bedeutung zu als dem linguistischen Verständnis.

Typen von Neologismen

Folgende Arten von Neologismen lassen sich unterscheiden:

Neue sprachliche Ausdrücke und Neuwörter

Ausdruck und Bedeutung sind neu. Ein Beispiel für ein Neuwort ist das Verb simsen aus SMS für das Versenden von Kurznachrichten.

Neubedeutungen

Ein alter Ausdruck erhält eine neue (weitere) Bedeutung. So steht als ein etwas älteres Beispiel Maus auch für die Computermaus, ein „technisches Gerät, Teil der Computerperipherie“.

Ein Ausdruck erhält eine neue Bedeutung mit einem abwertenden oder aufwertenden Sinnbezug. Zum Beispiel erhält ein Ausdruck mit einem ursprünglich positiven Sinnbezug eine pejorative Bedeutung und findet als Schlagwort Verwendung. Es kann sich dabei z. B. um einen politischen und/oder ideologischen Kampfbegriff gegen unterschiedliche sprachliche Konventionen und Verhaltensweisen handeln. Beispiele dafür sind Gutmensch oder Politische Korrektheit.

Neue Wortkombinationen

Hier ist das Zusammenziehen von gebräuchlichen Wörtern (Internetcafé, Laptop-Tasche, auch als Retronym: Analoguhr) von metaphorischen Neubildungen zu unterscheiden. Bei letzteren entscheidet für die Verwendung nicht die tatsächliche Bedeutung, sondern eine charakteristische Eigenschaft. Beispiele dafür sind Modezar, Literaturpapst, Börsenzwerg, Wirtschaftsauguren oder Erzeinwohner, aber auch Geizhals.

Neologismen und Sprachnorm

Wenn ein neues Wort in Gebrauch kommt, haben Sprecher oft Normunsicherheiten.

  • Die Aussprache wird erst im täglichen Gebrauch gesichert. Besonders bei Lehnwörtern tritt oft, aber nicht immer, ein Anpassungsprozess ein, bei dem die Aussprache dem Phonemsystem der entlehnenden Sprache angepasst wird. Ein Beispiel ist Download, das sich von /…loʊd/ nach /…loːt/ entwickelt.
  • Die Flexion kann angepasst oder originär sein. Heißt es des Piercing oder des Piercings? Heißt es im Plural die PC oder die PCs?
  • Es kann Mehrdeutigkeit auftreten; so wird „der Download“ sowohl für den Ladevorgang als auch für herunterzuladende oder bereits heruntergeladene Dateien verwendet.
  • Das Genus ist oft nicht eindeutig. Heißt es der Blog oder das Blog?
  • Die Rechtschreibung ist ungeklärt. Schreibt man Spinoff, Spin-off oder Spin-Off?

Oft muss sich eine Norm erst etablieren. Dies gilt zum Beispiel für das Genus von Lehnwörtern aus dem Englischen, wo das Genussystem nur schwach ausgeprägt ist. Sprecher, die ein Neuwort verwenden, signalisieren manchmal, dass sie das entsprechende Wort noch nicht als Teil der Sprachnorm akzeptieren. Häufig dafür verwendete Mittel sind Anführungszeichen oder abgrenzende Ausdrücke: „Der ‚Break-even‘ sei noch nicht erreicht“, „der sogenannte Break-even“ oder „wie man heutzutage sagt, der Break-even“.

Über den Wert von Neologismen

Nicht immer besteht die Hauptfunktion eines Neologismus darin, einen neuen Sachverhalt zu bezeichnen. Mit der Verwendung von Neologismen möchte man oft etwas verdeutlichen: Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, Modernität oder einfach nur Aufmerksamkeit erregen (Beispiel: „Entschleunigung“ statt „Verlangsamung“). Diese pragmatischen Funktionen sind die Ursache dafür, dass vor allem die Sprache der Werbung Neuwörter verwendet. Die Signalfunktion neuer Wörter und Ausdrücke wird soweit ausgereizt, dass man gegen grammatische Regeln verstößt (unkaputtbar, hier werden Sie geholfen).

Rudolf Merta unterschied 1966 zwischen „wirklichen Neologismen“ und den „Mode- und Schlagwörtern“, die der Sprache Gewalt antäten und allmählich ihre Ausdruckskraft verlören.[9]

Der Linguist Wilhelm Bondzio stellte die These auf, dass Neologismen am zweckmäßigsten seien, wenn sie durch ihren Wortstamm Merkhilfen böten.[9]

Neologismen haben auch kulturellen Wert. Durch Wortneuschöpfungen können Denkanstöße und Neuassoziationen gefördert werden. Die zeitgenössische Kunstrichtung expressiver Neologismus (kurz auch als neolog bezeichnet) befasst sich auf kritische Art mit der Sprache als Massenmedium und Beeinflussungsinstrument.

Neologismen werden auch als ersetzende Bezeichnungen verwendet, wenn dem Bezeichneten eine andere Wertung oder ein anderes Ansehen gegeben werden soll. Beispiel für eine solche Sprachpolitik ist die Deutsche Bahn AG: Aus Schaffner wird Zugbegleiter, der Schalter wird zum 'Servicepoint' und neuerdings zum 'Counter'.

Zugleich entzündet sich an Neologismen als Symptom oft ein sprachkritischer Diskurs. Konservative Sprachkritiker machen an Neologismen, und vor allem an Lehnwörtern, einen von ihnen behaupteten Verfall der Sprache fest. Andererseits wird mit den Neologismen ebenfalls die Wandlungsfähigkeit einer Sprache und ihre Fähigkeit belegt, die den sich ständig wandelnden Benennungsanforderungen gerecht wird.

Neologismen sind auch ein häufiges Instrument von Propaganda. Beispielhaft dafür die 1942 erstmals verwendete Bezeichnung gesetzloser Kämpfer (unlawful combatant) zur Einführung einer Klassifizierung von Kriegsgefangenen, die das Völkerrecht umgeht. Weitere Beispiele sind Finanzjudentum und Islamfaschismus.

Herkunft von Neuwörtern

Eine Quelle von Neologismen ist die Entlehnung aus anderen Sprachen (Buzzer, Cache, Edutainment). Auch können vorhandene Lexeme in veränderter Bedeutung genutzt werden (Opfer (Beleidigung), Ampel (Kennzeichen auf Verpackungen für mehr oder weniger gesunde Lebensmittel)). Viele Neologismen entstehen über Wortbildung, wobei alle produktiven Verfahren genutzt werden (Coronakrise, aufpoppen, ADHS, containern, riestern). Selten werden neue Wörter ohne morphologische Struktur geschaffen (Zalando).

Ein Sprachsystem stellt eine ganze Reihe von Mitteln für die Neuwortbildung bereit:

Komposition

Die Zusammensetzung neuer Wörter aus existierenden ist im Deutschen der produktivste Wortbildungsprozess und entsprechend eine ergiebige Quelle für Neologismen (Dosenpfand, Genmais).

Derivation

Die Ableitung mittels Affixen (insbesondere Präfixe oder Suffixe) ist ebenfalls eine ergiebige Quelle. Dabei können Affixe selber Neuprägungen sein (beispielsweise Cyber-) und eine größere Gruppe von Neuwörtern prägen (Cyberpunk, Cyberkriminalität; ergoogeln).

Kurzwörter

sind ein wichtiges Mittel sprachlicher Ökonomie. Sie entstehen aus Teilen von Wörtern oder Wortgruppenlexemen. Solange sich ihr Gebrauch noch nicht verfestigt hat, sind es Neologismen (ALG/Arbeitslosengeld, ADS/Aufmerksamkeits­defizit­störung).

Kontamination

Portmanteauwörter werden durch Zusammenziehungen aus dem ersten Teil eines Wortes und dem zweiten Teil eines zweiten Wortes gebildet, Beispiel: education + entertainment → Edutainment. Solche Zusammenziehungen sind im Deutschen selten, sie werden meist aus anderen Sprachen entlehnt.

Konversion

Die Verwendung eines Wortes als neue Wortart ist eine weitere Methode, neue Wörter zu schaffen (riestern zu Riester).

Verballhornung

Bei Verballhornungen bilden sich neue Wörter durch bewusste Verzerrung. Beispiel: „Nervenkostüm“ statt „Nervensystem“, „nichtsdestotrotz“ statt „nichtsdestoweniger“ oder „trotzdem“.

Mechanismen

Ein typischer Fall für ein neu entstehendes Wort ist, dass ein Wort durch ein anderes ersetzt wird. Oft geschieht dies aus Gründen des Marketing oder der politischen Korrektheit – insbesondere als Euphemismus, also um ein negativ belegtes Wort (Pejorativ) durch ein positiv klingendes Wort zu ersetzen („eine Ehrenrunde drehen“ statt „sitzen bleiben“).

Manche Wörter unterliegen zudem einer „sprachlichen Inflation“ (Abnutzung, vergleiche dazu Euphemismus-Tretmühle), und Neuschöpfungen oder die Verwendung außergewöhnlicher Bezeichnungen dienen dazu, den Sensationswert zu steigern und Aufmerksamkeit zu erregen. Beispiele aus der Werbung: Technologie, wo eigentlich Technik oder Methode/Verfahren gemeint ist, Zahncreme anstelle der gewöhnlichen Zahnpasta oder exklusive Schreibweise Cigaretten.

Ursache ist häufig, dass neue Trends und Entwicklungen – heute meist aus dem englischsprachigen Raum – zu uns gelangen (Kulturdominanz) und die Szene oder das Fachpublikum die zugehörigen Begriffe (Xenismen) unreflektiert auch im deutschen Kontext verwendet oder eine weniger gelungene Übertragung vornimmt. Das geschieht sogar, wenn es einen synonymen Begriff bereits gibt, eventuell gerade in der Absicht, den Benutzer neudeutscher Wörter als Insider durch Nutzung der Szenesprache (Jargon) auszuweisen.

Das Wort Neudeutsch selbst kann als Beispiel dafür dienen: Es ist eine Neuschöpfung in Analogie zu Neusprech (englisch: Newspeak) aus dem Roman 1984 von George Orwell. Die Verwendung des Wortes impliziert zumindest eine kritische Distanz des Verwenders gegenüber Neologismen und das Bewusstsein um die „Macht der Sprache“, soll ihn also als einer gebildeten und aufmerksamen, wertebewussten Schicht zugehörig auszeichnen.

Im Unterschied dazu stehen Fremdwörter, die sich durchsetzen, weil kein angemessener deutscher Begriff verfügbar ist. Sie dienen oft zunächst der präzisen Ausdrucksweise in Fachkreisen, verbreiten sich dann teilweise in das gehobene Allgemeinwissen, bis einige schließlich im alltäglichen Sprachgebrauch ankommen und nicht mehr als fremd empfunden werden.

Nicht nur Fremdes, auch regionale Unterschiede können über den Jargon der Massenmedien in das Standarddeutsch eingehen. Ein Beispiel sind autochthone Varianten, die sich in den Jahren der Teilung Deutschlands in der Mitte des 20. Jahrhunderts unterschiedlich entwickelt haben, wie Goldbroiler und Brathähnchen.

Beispiele

  • Blog, Vlog, abgeleitet von web-log bzw. video-log (engl. für Internet-/Video-Tagebuch) – häufig aktualisierte Webseite.
  • Folksonomy, kollaborative Praxis und (Selbst-)Organisationsform von Menschen (etwa in der Arbeit von Wikipedia).
  • Gendersternchen, bezeichnet eine Methode der geschlechtergerechten Sprache in der schriftlichen Form des Deutschen.
  • Islamophobie, Feindseligkeit gegen und kategorische Abwertung und Benachteiligung von Muslimen.
  • Listicle, ein journalistischer Text in Aufzählungsform.
  • Mansplaining ist ein substantivisches Portmanteauwort aus man (engl. für Mann) und -splaining (von explaining, engl. für erklären), das 2015 Eingang in die deutsche Sprache gefunden hat.
  • Menschenmaterial, Koppelung von Lebendig-Menschlichem und toter Sache.
  • Podcast, zusammengesetzt aus Apples „iPod“ und broadcast (engl. für Sendung): Eine Sendung, die man nachträglich anhören kann, indem man diese aus dem Internet herunterlädt.
  • sitt, als Anlehnung an satt: nicht mehr durstig, im Rahmen eines Wettbewerbs zur Suche eines entsprechenden Wortes erfunden.

Neologismen bei gesellschaftlichen und politischen Veränderungen

Gesellschaftliche Veränderungen, die eine politische Legitimation benötigen, führten oft zur Neuschöpfung von Wörtern. Beispielhaft dafür sind Neologismen aus der Zeit des Kolonialismus, der Entwicklung von Rassetheorien und einer sogenannten „Afrikaterminologie“.[10] Hier war Sprache ein wichtiges Medium zur Herstellung und Vermittlung des Legitimationsmythos, Afrika sei das homogene und unterlegene „Andere“ und bedürfe daher der „Zivilisierung“ durch Europa. Dieser Ansatz schlug sich in einer kolonialen – die afrikanischen Eigenbezeichnungen ignorierenden und vermeidenden – Benennungspraxis nieder, für gegenwärtige europäische Gesellschaften gültige Begriffe auf den afrikanischen Kontext zu übertragen.[11]

Siehe auch

Literatur

Wörterbücher
  • John Algeo: Fifty years among the new words: a dictionary of neologisms, 1941–1991. CUP, Cambridge 1991, ISBN 0-521-41377-X.
  • Alfred Heberth: Neue Wörter. Neologismen in der deutschen Sprache seit 1945. Verlag der Wissenschaften, Wien 1977.
  • Dieter Herberg, Michael Kinne, Doris Steffens: Neuer Wortschatz. Neologismen der 90er Jahre im Deutschen. De Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-017751-X.
  • Susan Arndt, Antje Hornscheidt (Hrsg.): Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Unrast Verlag, Münster 2005, ISBN 3-89771-424-8.
  • Uwe Quasthoff (Hrsg.): Deutsches Neologismenwörterbuch. Neue Wörter und Wortbedeutungen in der Gegenwartssprache. De Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-018868-4.
  • Doris Steffens, Doris al-Wadi: Neuer Wortschatz. Neologismen im Deutschen 2001–2010. 2 Bände. Institut für Deutsche Sprache, Mannheim 2013, ISBN 978-3-937241-43-2.
  • Doris Steffens, Olga Nikitina: Deutsch-russisches Neologismenwörterbuch. Neuer Wortschatz im Deutschen 1991–2010. 2 Bände. Institut für Deutsche Sprache, Mannheim 2014, ISBN 978-3-937241-47-0.
Darstellungen
  • Robert Barnhart, Clarence Barnhart: The Dictionary of Neologisms. In: Franz J. Hausmann (Hrsg.): Wörterbücher, Dictionaries, Dictionnaires. Ein internationales Handbuch zur Lexikographie. De Gruyter, Berlin
    • Teilband 2, 1990, ISBN 3-11-012420-3, S. 1159–1166.
  • Sandra Innerwinkler: Neologismen. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-8253-7511-9.
  • 1975 bis 1983: Neue Wörter und ihre Bedeutungen. In: Meyers Großes Jahreslexikon (jeweils unter dem Stichwort „Wort“).
  • Wolfgang Müller: Neue Wörter und neue Wortbedeutungen in der deutschen Gegenwartssprache. In: Universitas 8/1976, S. 867–873.
  • 1994 bis 2005: Neue Wörter. In: Brockhaus Enzyklopädie Jahrbuch (jeweils unter dem Stichwort „Wort“).
  • Wolfgang Müller: „Schlammschlacht“. Schon gehört? Ein Desiderat: Das deutsche Neologismenwörterbuch. In: Sprache und Literatur in Wissenschaft und Unterricht 60/1987, S. 82–90.
  • Doris Steffens: Von „Aquajogging“ bis „Zickenalarm“. Neuer Wortschatz im Deutschen seit den 90er Jahren im Spiegel des ersten größeren Neologismenwörterbuches. In: Der Sprachdienst 51, H. 4, 2007, S. 146–159.
  • Wolfgang Teubert (Hrsg.): Neologie und Korpus. Narr, Tübingen 1990, ISBN 3-8233-5141-9 (Studien zur deutschen Sprache 11).
  • Oliver Siebold: Wort – Genre – Text. Wortneubildungen in der Science Fiction. Narr, Tübingen 2000, ISBN 3-8233-5850-2.
  • Corinna Peschel: Zum Zusammenhang von Wortneubildung und Textkonstitution. Niemeyer, Tübingen 2002, ISBN 3-484-31237-8.
  • Hilke Elsen: Phantastische Namen. Die Namen in Science Fiction und Fantasy zwischen Arbitrarität und Wortbildung. Narr, Tübingen 2008, ISBN 978-3-8233-6396-5.
  • Linda Holz: Untersuchungen zu Neologismen in der Tagespresse. Grundlagen, Erscheinungsformen und Funktionen. Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-639-12220-6.
  • Hilke Elsen: Neologismen. Formen und Funktionen neuer Wörter in verschiedenen Varietäten des Deutschen. 2., überarbeitete Auflage. Narr, Tübingen 2011, ISBN 978-3-8233-6646-1.
  • Sabine Heyne, Bastian A. Vollmer: Innovation und Persuasion in der Presse. Eine komparative Korpusanalyse zur Form und Funktion von Neologismen. Springer, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10851-9.
  • Piotr Sulikowski, Neologismus in der polnischen Dichtung: eine translatorische Analyse. Besprochen anhand der Beispiele des dem übersetzerischen Werk von Karl Dedecius. Verlag Dr. Kovač, Hamburg: 2007, ISBN 3-8300-3223-4.
Wiktionary: Neologismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c Helmut Glück (Hrsg.), unter Mitarbeit von Friederike Schmöe: Metzler Lexikon Sprache. 3., neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, ISBN 3-476-02056-8 (Stichwort Neologismus). Referenzfehler: Fehlerhaftes <ref>-Element: Der Einzelnachweis mit dem Namen „:1“ wurde mehrere Male mit unterschiedlichen Inhalten definiert.
  2. ↑ Hadumod Bußmann, Hartmut Lauffer: Lexikon der Sprachwissenschaft. Alfred Kröner Verlag, ISBN 978-3-520-45204-7, S. 520.
  3. ↑ a b Dieter Herberg, Michael Kinne: Neologismen. Julius Groos Verlag, 1998, ISBN 3-87276-819-0, S. 2: „Ein Neologismus ist eine lexikalische Einheit bzw. eine Bedeutung […]“
  4. ↑ Lothar Lemnitzer: Brauchen wir neue Wörter? Hrsg.: Eberhard Karls Universität Tübingen – Seminar für Sprachwissenschaft. 11. November 2004, S. 7 (wortwarte.de [PDF; 632 kB; abgerufen am 27. März 2021]).
  5. ↑ a b Helmut Glück (Hrsg.), unter Mitarbeit von Friederike Schmöe: Metzler Lexikon Sprache. 3., neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, ISBN 3-476-02056-8 (Stichwort Neologismus).
  6. ↑ Hadumod Bußmann (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0.
  7. ↑ Wolfgang Fleischer, Irmhild Barz: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. Unter Mitarbeit von Marianne Schröder. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Niemeyer, Tübingen 1995, ISBN 3-484-10682-4, S. 264.
  8. ↑ a b Dieter Herberg, Michael Kinne: Neologismen. Julius Groos Verlag, 1998, ISBN 3-87276-819-0, S. 2: „Ein Neologismus ist eine lexikalische Einheit bzw. eine Bedeutung […]“
  9. ↑ a b Rudolf Merta: Ostdeutsch und Westdeutsch? In: Sborník prací Filozofické fakulty brněnské univerzity. Band 15, A14, 1966, S. 163–167 (Masaryk-Universität).
  10. ↑ Susan Arndt: Kolonialismus, Rassismus und Sprache. Kritische Betrachtungen der deutschen Afrikaterminologie. Dossier des Webauftritts der Bundeszentrale für politische Bildung, 2004.
  11. ↑ Susan Arndt, Antje Hornscheidt (Hrsg.): Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Unrast Verlag, 2004, S. 18.

Anmerkungen

  1. ↑ Weil das Wort νεολογισμός neologismós im Altgriechischen (mit den dort zu erwartenden griechischen Buchstaben, dem Akzent und der Endung -ος -os statt latinisiert -us) nicht existiert, handelt es sich um ein Neuwort, d. h. um einen Neologismus.