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== U | == u, U<ref>Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 729-730. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000478849; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0729 729] | [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0730 730]; Kategorien: [http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</ref> == | ||
< | <div class="zenoCOAdRight"><ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0729 [729]]</ref>'''u''', | ||
* der ein und zwanzigste Buchstab des Deutschen Alphabetes, | |||
* und der fünfte oder vielmehr siebente unter den Mitlautern, | |||
** wenn nämlich ä und ö, wie billig, als eigene Mitlauter mitgezählet werden. | |||
* Er wird aus der Kehle mit einer runden Öffnung des Mundes ausgesprochen, | |||
** und ist daher, | |||
*** so fern er eine unmittelbare Nachahmung der tönenden Natur ist, | |||
** ein Ausdruck des tiefsten und dumpfigsten Lautes, | |||
*** der noch in so vielen Wörtern unleugbar ist; z.B. | |||
**** kurz, dumm, stumm, stumpf, Trumm <span class="zenoTXHighlight0">u</span>.s.f. | |||
* Seine Aussprache | |||
** hat in den reinen Mundarten keine Schwierigkeit, | |||
*** indem das Deutsche und Nordische <span class="zenoTXHighlight0">''u''</span>, | |||
**** dem heutigen Lateinischen ''<span class="zenoTXHighlight0">u</span>,'' | |||
**** dem Französischen ''ou'' | |||
**** und Griechischen ου völlig gleichlautend sind. | |||
** Allein in den gemeinen Mundarten | |||
*** gehet es durch eine Menge von Schattierungen. | |||
*** Besonders pflegt man ihm in einigen Oberdeutschen Gegenden | |||
**** gern ein e nachschleichen zu lassen; | |||
***** Brueder, Muetter, (dreysylbig,) guet, Huef, Tuech, (zweysylbig,) für Bruder, Mutter, gut, Huf, Tuch. | |||
*** In andern dehnt man es wie ''uo''; | |||
**** Buoch, thuot, Muotter <span class="zenoTXHighlight0">u</span>.s.f. | |||
**** welches besonders in Oberschwaben und am Oberrheine geschiehet. | |||
** Das <span class="zenoTXHighlight0">u</span> ist, wie alle andere einfache Selbstlaute, | |||
*** bald gedehnt, bald geschärft; | |||
**** gedehnt in Buch, Fluch, Huhn, thun <span class="zenoTXHighlight0">u</span>.s.f. | |||
**** geschärft in Lust, Mund, Hund <span class="zenoTXHighlight0">u</span>.s.f. | |||
** Die Verdoppelung des <span class="zenoTXHighlight0">[[uu|u]]</span>, wenn es gedehnt ist, | |||
*** ist nicht eingeführet, | |||
*** wohl aber wird demselben in manchen Fällen ein ''h'' angehänget. | |||
</div><p class="zenoPLm4n0">Das <span class="zenoTXHighlight0">''u''</span> und folgende <span class="zenoTXHighlight0">''[[ü]]''</span> </p> | |||
* gehen in der Veränderung der Wörter häufig in einander über. | |||
** Gut und Güter, | |||
** Bruder und Brüder, | |||
** Fuß, Füßchen und Füße, | |||
** Durst und dürsten, | |||
** Brunst und brünstig, | |||
** Wunsch und wünschen, | |||
** dumm, dümmer, dümmste, | |||
** klug, kluger, klügste, | |||
** ich schlug, daß ich schlüge. | |||
* Unsere Sprachlehrer drucken dieses so aus, | |||
** daß das <span class="zenoTXHighlight0">''u''</span> in der Veränderung der Wörter oft in <span class="zenoTXHighlight0">''ü''</span> verwandelt werde; | |||
*** welches in Ansehung der Flexion richtig ist, | |||
*** aber nicht in Ansehung der Abstammung. | |||
** Die Zeitwörter | |||
*** sind in den meisten Fällen eher da gewesen, | |||
*** als die davon abstammenden Hauptwörter. | |||
*** Man hat | |||
**** eher gedürstet, ehe man das Abstractum Durst gebildet, | |||
**** eher gehüthet, als man davon die Huth gemacht <span class="zenoTXHighlight0">u</span>.s.f. | |||
**** Hier läßt sich nicht sagen, daß <span class="zenoTXHighlight0">''u''</span> in <span class="zenoTXHighlight0">''ü''</span> verwandelt worden, | |||
**** aber auch nicht, daß <span class="zenoTXHighlight0">''ü''</span> in <span class="zenoTXHighlight0">''u''</span> übergegangen. | |||
**** Es sind in diesen Fällen, | |||
***** so häufig sie auch sind, | |||
***** vielmehr zwey Mundarten, | |||
****** durch die unaufhörliche Vermischung der Nationen zusammen geflossen, | |||
****** eine rauhere und tiefere, | |||
****** und eine zärtlichere und sanftere. | |||
***** Eben daher rührt es auch, | |||
****** daß ''ie'' und <span class="zenoTXHighlight0">''u''</span> in Wörtern Eines Geschlechtes so oft in einander übergehen; | |||
******* fließen, Fluß und flüssig; | |||
******* siechen, Sucht und süchtig; | |||
******* fliehen, Flucht und flüchtig; | |||
******* triegen, Trug und trüglich. | |||
***** Manche rauhe Oberdeutsche Mundarten lassen statt des Hochdeutschen <span class="zenoTXHighlight0">ü</span> noch jetzt ein tieferes <span class="zenoTXHighlight0">u</span> hören; | |||
****** Rucken für Rücken, Kuche für Küche. | |||
<div class="zenoCOAdRight"><br>Im Schreiben oder vielmehr in der [[Kurrentschrift|Currentschrift]] | |||
* setzt man über das <span class="zenoTXHighlight0">''u''</span> | |||
** einen gekrümmten Oberstrich | |||
** oder auch einen senkrecht stehenden [[Zirkumflex|Circumflex]], | |||
*** um es von dem ''n'' zu unterscheiden, | |||
**** welchem es sonst in der Figur gleich ist. | |||
** Dieser Gebrauch | |||
*** erstreckt sich bis über das dreyzehnte Jahrhundert hinaus | |||
*** und wurde in den Handschriften, | |||
*** auch in der sogenannten Mönchsschrift, | |||
*** beobachtet, indem auch hier das n dem <span class="zenoTXHighlight0">u</span> sehr gleich sehe. | |||
** Allein das Zeichen, | |||
*** dessen man sich zum Unterschiede des letztern bediente, | |||
**** war nicht zu<ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0729 [729]] </ref>allen Zeiten und bey allen Abschreibern gleich, | |||
**** und es scheint, daß man dabey sehr willkührlich verfahren. | |||
*** Sehr häufig setzte man über das <span class="zenoTXHighlight0">''u''</span> einen völlig runden Zirkel, | |||
**** und daraus haben einige den Schluß machen wollen, | |||
***** dieser Zirkel sey aus dem ''o'' entstanden, | |||
***** welches manche gemeine Mundarten, wie schon gedacht, | |||
****** dem <span class="zenoTXHighlight0">u</span> nachschleichen lassen, | |||
****** welches man denn darüber geschrieben, | |||
****** anstatt daß die Griechen und Franzosen das tiefe <span class="zenoTXHighlight0">u</span> durch ein vorgesetztes o ausdrucken; | |||
******* ου und ''ou.'' | |||
**** Allein, dieser Gebrauch war nicht allgemein. | |||
*** In vielen Handschriften stehet gar kein Zeichen über dem <span class="zenoTXHighlight0">u</span>; | |||
**** in andern unterschied man es durch ein Paar schräge stehende Puncte von dem n, | |||
***** wie solches Schöttchen in einem Programm von einer alten Übersetzung der Sprüche Salomonis von ungefähr 1400 bemerkt. | |||
**** Noch | |||
***** häufiger schrieb man nach Art der alten Lateiner statt des <span class="zenoTXHighlight0">u</span> ein ''v'', | |||
***** und in den spätern Zeiten oft gar ein ''w'', | |||
***** welche beyde letzten Arten auch noch in den gedruckten Büchern des sechzehenten Jahrhunderts häufig vorkommen; | |||
****** doch scheint es, daß man das ''v'' am häufigsten zu Anfange eines Wortes, | |||
****** und das w in Doppellauten gebraucht; | |||
******* vnd, Frawen, thewer. | |||
******* Unser Ew. für Euer ist noch ein alter Überrest davon. | |||
***** Vermuthlich sprachen die alten Lateiner ihr ''<span class="zenoTXHighlight0">u</span>'' eben so, wie wir aus. | |||
***** Bey den Griechen lautete es wie bey den heutigen Franzosen, wie <span class="zenoTXHighlight0">ü</span>; | |||
****** da sie nun doch das tiefere <span class="zenoTXHighlight0">u</span> in ihrer Sprache hatten, | |||
******* aber kein eigenes Schriftzeichen dafür kannten, | |||
******** so wählten sie ein zusammen gesetztes, | |||
******** und druckten den tiefern Laut des <span class="zenoTXHighlight0">u</span> durch ein vorgesetztes tiefes o aus; | |||
********* ου und ''ou.'' | |||
*** Wer nun um des zusammen gesetzten Zeichens willen | |||
**** das <span class="zenoTXHighlight0">u</span> gleich für einen Doppellaut halten wollte, | |||
***** würde eben so flach urtheilen, | |||
****** als wer unser ä, ö, <span class="zenoTXHighlight0">ü</span>, | |||
****** das Schwedische å <span class="zenoTXHighlight0">u</span>.s.f. | |||
****** um dieser Zeichen willen in die Reihe der Doppellaute setzen wollte. | |||
</div><div class="zenoCOAdRight">Das <span class="zenoTXHighlight0">u</span> und v | |||
* sind schon dadurch wesentlich von einander unterschieden, | |||
** daß eines ein Selbstlaut, | |||
** das andere aber ein Mitlaut ist. | |||
* Die älteste Römische [[Kapitalschrift|Capital-Schrift]] | |||
** hatte für beyde nur ein einziges Zeichen, | |||
*** vielleicht, weil sie in der Aussprache anfänglich nicht verschieden waren; | |||
**** daher schrieben sie auch nachmahls, | |||
***** da beyde Laute bey ihnen hinlänglich unterschieden wurden, | |||
***** beyde in ihrer großen Schrift mit einem ''V.'' | |||
** In den spätern Zeiten | |||
*** führten sie in der kleinern Schrift das ''<span class="zenoTXHighlight0">u</span>'' ein, | |||
**** welches denn auch von den Deutschen mit in ihr Alphabet aufgenommen wurde. | |||
** Nichts desto weniger ist in den neuern Zeiten | |||
*** von einigen Halblateinern, | |||
**** aus einer sclavischen Nachahmung, | |||
**** die übele Gewohnheit wieder aufgebracht worden, | |||
*** in der alphabetischen Stellung der Wörter, die mit <span class="zenoTXHighlight0">u</span> und v anfangenden unter einander zu werfen, | |||
**** und Vater, Übel, Üben, Ver, Ufer, Uhr, Un, Vor <span class="zenoTXHighlight0">u</span>.s.f. | |||
**** als Wörter Eines Buchstabens auf einander folgen zu lassen. | |||
*** Man sollte kaum glauben daß ein so thörichter und widersinniger Einfall Beyfall finden können, | |||
**** und doch findet man ihn fast in allen Wörterbüchern und Registern angewandt. | |||
**** Ich habe es für Pflicht gehalten, der Natur und Vernunft, | |||
***** die beyde Buchstaben wesentlich getrennet haben, getreu zu bleiben, und sie in diesem Wörterbuche gleichfalls von einander abzusondern. | |||
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Version vom 27. Dezember 2023, 14:54 Uhr
u, U[1]
[2]u,
- der ein und zwanzigste Buchstab des Deutschen Alphabetes,
- und der fünfte oder vielmehr siebente unter den Mitlautern,
- wenn nämlich ä und ö, wie billig, als eigene Mitlauter mitgezählet werden.
- Er wird aus der Kehle mit einer runden Öffnung des Mundes ausgesprochen,
- und ist daher,
- so fern er eine unmittelbare Nachahmung der tönenden Natur ist,
- ein Ausdruck des tiefsten und dumpfigsten Lautes,
- der noch in so vielen Wörtern unleugbar ist; z.B.
- kurz, dumm, stumm, stumpf, Trumm u.s.f.
- der noch in so vielen Wörtern unleugbar ist; z.B.
- und ist daher,
- Seine Aussprache
- hat in den reinen Mundarten keine Schwierigkeit,
- indem das Deutsche und Nordische u,
- dem heutigen Lateinischen u,
- dem Französischen ou
- und Griechischen ου völlig gleichlautend sind.
- indem das Deutsche und Nordische u,
- Allein in den gemeinen Mundarten
- gehet es durch eine Menge von Schattierungen.
- Besonders pflegt man ihm in einigen Oberdeutschen Gegenden
- gern ein e nachschleichen zu lassen;
- Brueder, Muetter, (dreysylbig,) guet, Huef, Tuech, (zweysylbig,) für Bruder, Mutter, gut, Huf, Tuch.
- gern ein e nachschleichen zu lassen;
- In andern dehnt man es wie uo;
- Buoch, thuot, Muotter u.s.f.
- welches besonders in Oberschwaben und am Oberrheine geschiehet.
- Das u ist, wie alle andere einfache Selbstlaute,
- bald gedehnt, bald geschärft;
- gedehnt in Buch, Fluch, Huhn, thun u.s.f.
- geschärft in Lust, Mund, Hund u.s.f.
- bald gedehnt, bald geschärft;
- Die Verdoppelung des u, wenn es gedehnt ist,
- ist nicht eingeführet,
- wohl aber wird demselben in manchen Fällen ein h angehänget.
- hat in den reinen Mundarten keine Schwierigkeit,
Das u und folgende ü
- gehen in der Veränderung der Wörter häufig in einander über.
- Gut und Güter,
- Bruder und Brüder,
- Fuß, Füßchen und Füße,
- Durst und dürsten,
- Brunst und brünstig,
- Wunsch und wünschen,
- dumm, dümmer, dümmste,
- klug, kluger, klügste,
- ich schlug, daß ich schlüge.
- Unsere Sprachlehrer drucken dieses so aus,
- daß das u in der Veränderung der Wörter oft in ü verwandelt werde;
- welches in Ansehung der Flexion richtig ist,
- aber nicht in Ansehung der Abstammung.
- Die Zeitwörter
- sind in den meisten Fällen eher da gewesen,
- als die davon abstammenden Hauptwörter.
- Man hat
- eher gedürstet, ehe man das Abstractum Durst gebildet,
- eher gehüthet, als man davon die Huth gemacht u.s.f.
- Hier läßt sich nicht sagen, daß u in ü verwandelt worden,
- aber auch nicht, daß ü in u übergegangen.
- Es sind in diesen Fällen,
- so häufig sie auch sind,
- vielmehr zwey Mundarten,
- durch die unaufhörliche Vermischung der Nationen zusammen geflossen,
- eine rauhere und tiefere,
- und eine zärtlichere und sanftere.
- Eben daher rührt es auch,
- daß ie und u in Wörtern Eines Geschlechtes so oft in einander übergehen;
- fließen, Fluß und flüssig;
- siechen, Sucht und süchtig;
- fliehen, Flucht und flüchtig;
- triegen, Trug und trüglich.
- daß ie und u in Wörtern Eines Geschlechtes so oft in einander übergehen;
- Manche rauhe Oberdeutsche Mundarten lassen statt des Hochdeutschen ü noch jetzt ein tieferes u hören;
- Rucken für Rücken, Kuche für Küche.
- daß das u in der Veränderung der Wörter oft in ü verwandelt werde;
Im Schreiben oder vielmehr in der Currentschrift
- setzt man über das u
- einen gekrümmten Oberstrich
- oder auch einen senkrecht stehenden Circumflex,
- um es von dem n zu unterscheiden,
- welchem es sonst in der Figur gleich ist.
- um es von dem n zu unterscheiden,
- Dieser Gebrauch
- erstreckt sich bis über das dreyzehnte Jahrhundert hinaus
- und wurde in den Handschriften,
- auch in der sogenannten Mönchsschrift,
- beobachtet, indem auch hier das n dem u sehr gleich sehe.
- Allein das Zeichen,
- dessen man sich zum Unterschiede des letztern bediente,
- war nicht zu[3]allen Zeiten und bey allen Abschreibern gleich,
- und es scheint, daß man dabey sehr willkührlich verfahren.
- Sehr häufig setzte man über das u einen völlig runden Zirkel,
- und daraus haben einige den Schluß machen wollen,
- dieser Zirkel sey aus dem o entstanden,
- welches manche gemeine Mundarten, wie schon gedacht,
- dem u nachschleichen lassen,
- welches man denn darüber geschrieben,
- anstatt daß die Griechen und Franzosen das tiefe u durch ein vorgesetztes o ausdrucken;
- ου und ou.
- Allein, dieser Gebrauch war nicht allgemein.
- und daraus haben einige den Schluß machen wollen,
- In vielen Handschriften stehet gar kein Zeichen über dem u;
- in andern unterschied man es durch ein Paar schräge stehende Puncte von dem n,
- wie solches Schöttchen in einem Programm von einer alten Übersetzung der Sprüche Salomonis von ungefähr 1400 bemerkt.
- Noch
- häufiger schrieb man nach Art der alten Lateiner statt des u ein v,
- und in den spätern Zeiten oft gar ein w,
- welche beyde letzten Arten auch noch in den gedruckten Büchern des sechzehenten Jahrhunderts häufig vorkommen;
- doch scheint es, daß man das v am häufigsten zu Anfange eines Wortes,
- und das w in Doppellauten gebraucht;
- vnd, Frawen, thewer.
- Unser Ew. für Euer ist noch ein alter Überrest davon.
- Vermuthlich sprachen die alten Lateiner ihr u eben so, wie wir aus.
- Bey den Griechen lautete es wie bey den heutigen Franzosen, wie ü;
- da sie nun doch das tiefere u in ihrer Sprache hatten,
- aber kein eigenes Schriftzeichen dafür kannten,
- so wählten sie ein zusammen gesetztes,
- und druckten den tiefern Laut des u durch ein vorgesetztes tiefes o aus;
- ου und ou.
- aber kein eigenes Schriftzeichen dafür kannten,
- da sie nun doch das tiefere u in ihrer Sprache hatten,
- in andern unterschied man es durch ein Paar schräge stehende Puncte von dem n,
- Wer nun um des zusammen gesetzten Zeichens willen
- das u gleich für einen Doppellaut halten wollte,
- würde eben so flach urtheilen,
- als wer unser ä, ö, ü,
- das Schwedische å u.s.f.
- um dieser Zeichen willen in die Reihe der Doppellaute setzen wollte.
- würde eben so flach urtheilen,
- das u gleich für einen Doppellaut halten wollte,
- dessen man sich zum Unterschiede des letztern bediente,
Das u und v
- sind schon dadurch wesentlich von einander unterschieden,
- daß eines ein Selbstlaut,
- das andere aber ein Mitlaut ist.
- Die älteste Römische Capital-Schrift
- hatte für beyde nur ein einziges Zeichen,
- vielleicht, weil sie in der Aussprache anfänglich nicht verschieden waren;
- daher schrieben sie auch nachmahls,
- da beyde Laute bey ihnen hinlänglich unterschieden wurden,
- beyde in ihrer großen Schrift mit einem V.
- daher schrieben sie auch nachmahls,
- vielleicht, weil sie in der Aussprache anfänglich nicht verschieden waren;
- In den spätern Zeiten
- führten sie in der kleinern Schrift das u ein,
- welches denn auch von den Deutschen mit in ihr Alphabet aufgenommen wurde.
- führten sie in der kleinern Schrift das u ein,
- Nichts desto weniger ist in den neuern Zeiten
- von einigen Halblateinern,
- aus einer sclavischen Nachahmung,
- die übele Gewohnheit wieder aufgebracht worden,
- in der alphabetischen Stellung der Wörter, die mit u und v anfangenden unter einander zu werfen,
- und Vater, Übel, Üben, Ver, Ufer, Uhr, Un, Vor u.s.f.
- als Wörter Eines Buchstabens auf einander folgen zu lassen.
- Man sollte kaum glauben daß ein so thörichter und widersinniger Einfall Beyfall finden können,
- und doch findet man ihn fast in allen Wörterbüchern und Registern angewandt.
- Ich habe es für Pflicht gehalten, der Natur und Vernunft,
- die beyde Buchstaben wesentlich getrennet haben, getreu zu bleiben, und sie in diesem Wörterbuche gleichfalls von einander abzusondern.
- von einigen Halblateinern,
- hatte für beyde nur ein einziges Zeichen,
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 729-730. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000478849; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 729 | 730; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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