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== V | == v, V<ref>Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 973-974. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000494224; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0973 973] | [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0974 974]; Kategorien: [http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</ref> == | ||
< | <div class="zenoCOAdRight"><ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0973 [973]]</ref>'''v''', der zwey und zwanzigste unter den Deutschen Buchstaben | ||
* und der siebzehente unter den Mitlautern, | |||
** welcher seiner heutigen gewöhnlichsten Aussprache nach dem ''[[f]]'' gleich lautend ist, | |||
*** er stehe zu Anfange eines Wortes, | |||
**** Vater, viel, voll, Volk, | |||
**** oder am Ende, brav, massiv, | |||
**** oder auch in der Mitte, Larve, Nerve, Pulver. | |||
***** In dem letztern Worte wird es von vielen gelinde, wie ein ''[[w]]'' gesprochen, | |||
****** welche Aussprache es auch bekommt, | |||
****** wenn es in der Mitte zwischen zwey Selbstlautern stehet; | |||
******* wie in Frevel, Stüver, Sclave, wo es wie ein ''w'' oder sanftes ''[[b]]'' ausgesprochen wird. | |||
</div><p class="zenoPLm4n0">Die Deutschen </p> | |||
* haben diesen Buchstab mit dem ganzen übrigen Alphabete von den Lateinern angenommen. | |||
** Allein, bey diesen hatte er, aus Armuth an Schriftzeichen, | |||
*** einen sehr mangelhaften Gebrauch. | |||
* In ihrer größern Schrift | |||
** mußte das ''<span class="zenoTXHighlight0">V</span>'' sowohl den Selbstlaut ''u'', | |||
** als auch den gelindern Blaselaut, ausdrücken, | |||
*** für welchen wir jetzt das ''w'' haben, | |||
*** und ob sie gleich in ihrer spätern kleinern und [[Kurrentschrift|Current-Schrift]] zwey verschiedene Zeichen ''u'' und ''<span class="zenoTXHighlight0">v</span>'' annahmen, | |||
**** so waren doch die Schreiber durch die ältere größere Schrift schon so sehr verwöhnt, | |||
***** daß der Gebrauch der letztern sehr unbestimmt und schwankend wurde. | |||
<p class="zenoPLm4n0">Diese Verwirrung </p> | |||
* schlich sich mit der Schrift auch in die Deutsche Schreibart ein. | |||
* Zwar half man einem Theil derselben dadurch ab, | |||
** daß man für den sanftern Blaselaut, welchen das ''<span class="zenoTXHighlight0">V</span>, <span class="zenoTXHighlight0">v</span>'' oder ''u,'' | |||
*** wenn es das Zeichen eines Mitlauters war, ausdrucken mußte, | |||
*** das w annahm | |||
**** und nicht Vein, vehe mir, Vind und u.s.f. | |||
**** sondern Wein, wehe, Wind schrieb; | |||
** allein, sie ward auf der andern Seite wieder vermehret, | |||
*** indem man das <span class="zenoTXHighlight0">v</span> nicht nur als völlig gleich bedeutend mit dem f gebrauchte, | |||
*** welches die Lateiner nicht thaten, | |||
**** bey welchen es, wenn es ein Mitlaut war, wie unser w lautete, | |||
**** sondern es auch nach Art derselben anstatt des Selbstlautes u schrieb. | |||
**** Im ersten Falle schrieb man ohne Unterschied | |||
***** ''Fater'' und ''Vater,'' | |||
***** ''fon'' und ''von,'' | |||
***** ''Folk'' und ''Volk,'' | |||
**** im zweyten aber | |||
***** ''vnnd'' und ''und,'' | |||
***** ''dauon'' und ''davon.'' | |||
<p class="zenoPLm4n0">Nach und nach </p> | |||
* ward die Rechtschreibung einförmiger, | |||
* und der Mitlauter <span class="zenoTXHighlight0">v</span> theilte sich mit dem f in diejenigen Fälle, | |||
** in welchen der harte Blaselaut Statt fand, | |||
*** obgleich diese Theilung sehr ungleich und willkührlich geschahe, | |||
*** indem man sich dabey bloß nach dem Gebrauche richtete, | |||
*** und bald das f, bald aber auch das <span class="zenoTXHighlight0">v</span> schrieb, | |||
*** so wie dieses oder jenes allgemeiner geworden war. | |||
** Man | |||
*** schrieb daher Volk, | |||
*** behielt aber das f in dem Stammworte folgen; | |||
** auf ähnliche Art entstanden die Ungleichheiten in der Schreibart der Wörter | |||
*** viel, voll und Fülle, füllen, vor und für u.s.f. | |||
** Einige Wörter | |||
*** hat man noch sehr lange sowohl mit einem <span class="zenoTXHighlight0">v</span>, als mit einem f, geschrieben; | |||
**** z.B. Vehwamme und Fehwamme, vest und fest, | |||
**** und in manchen Gegenden schreibt man sie noch jetzt mit dem <span class="zenoTXHighlight0">v</span>. | |||
<div class="zenoCOAdRight"><br>In solchen Fällen nun, | |||
* wo der Gebrauch schwankend zu seyn scheinet, | |||
** erkläret man sich billig allemahl für das f, | |||
*** weil dieses in den allermeisten Fällen zur Bezeichnung des harten Blaselautes angenommen ist, | |||
*** dagegen man das <span class="zenoTXHighlight0">v</span> vergleichungsweise nur in einigen wenigen beybehalten hat. | |||
* Es ist nur die Frage, | |||
** ob man es nicht auch in diesen wenigen verbannen und dafür das bessere f einführen könne. | |||
*** Da f und <span class="zenoTXHighlight0">v</span> unserer Aussprache nach, völlig gleich lautend sind, | |||
**** das letztere sich auch nur durch einen Mißbrauch anstatt des erstern eingeschlichen hat, | |||
**** so wäre es allerdings zu wünschen,<ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0973 [973]]</ref> | |||
***** daß die ersten Schreiber und Schriftsteller dasselbe vermieden hätten. | |||
***** Allein, da die ganze Nation diese Ungleichheit einmahl angenommen, | |||
****** und dadurch stillschweigend gebilliget hat, | |||
****** so kann solche auch nicht anders, als durch ihre allgemeine Einwilligung, wieder abgeschaffet werden, | |||
****** wozu heutiges Tages keine vernünftige Hoffnung ist. | |||
*** Es sind daher alle Bemühungen einzelner Sprachlehrer | |||
**** seit mehr als hundert Jahren in diesem Stücke fruchtlos gewesen | |||
**** und haben ihnen keinen andern Vortheil gebracht, | |||
***** als daß man sie als Sonderlinge verlacht hat, | |||
***** und man kann mit Gewißheit behaupten, | |||
****** daß die Bemühungen derer, welche sich in den neuesten Zeiten zu Sprach- und Schriftverbesserern aufwerfen, | |||
****** kein besseres Schicksal haben werden. | |||
**** Überdieß würde die Verwirrung, | |||
***** welche eine so wesentliche Veränderung, | |||
***** als die Ausstoßung eines ganzen allgemein angenommenen Buchstabens ist, | |||
***** weit mehr Nachtheil verursachen müssen, | |||
****** wenn sie auch gewisser Maßen allgemein werden sollte, | |||
****** als der kleine etwa damit verbundene Nutzen wieder ersetzen könnte. | |||
</div><p class="zenoPLm4n0">Was den Gebrauch des <span class="zenoTXHighlight0">v</span> anstatt des u betrifft, </p> | |||
* so hat sich derselbe sehr lange erhalten, | |||
* wozu bey Wiederherstellung der alten Römischen Litteratur | |||
** die Pedanterey einiger Lateinischen Gelehrten das ihrige beytrug, | |||
** welche das ''u'' zu Anfange eines Wortes mit ''<span class="zenoTXHighlight0">v</span>'' und in der Mitte mit ''u'' ausgedruckt wissen wollten; | |||
*** eine Pedanterey, welche sich, so seltsam und thöricht sie auch ist, | |||
**** doch sehr lange erhalten hat. | |||
** Allein, endlich behaupteten Vernunft und Geschmack ihr Recht, | |||
*** wenigstens in der Deutschen Schreibart, | |||
*** und zeigten ihnen, wie seltsam es sey, vnd zu schreiben, | |||
*** und nunmehr ward der Mitlaut <span class="zenoTXHighlight0">v</span> mit fast einstimmiger Bemühung überall verbannet. | |||
<p class="zenoPLm4n0">Ein Überbleibsel des alten Vorurtheils, </p> | |||
* das u und <span class="zenoTXHighlight0">v</span> als einen und eben denselben Buchstaben zu betrachten, | |||
** hat sich indessen noch bis auf unsere Zeiten erhalten, | |||
* und dieser bestehet darin, | |||
** daß man in allen Registern und alphabetischen Verzeichnissen, | |||
*** den Selbstlaut u mit dem Mitlaut <span class="zenoTXHighlight0">v</span> vermengt, | |||
*** und die damit anfangenden Wörter nach Maßgebung des folgenden Buchstabens ordnet. | |||
* Wie seltsam diese Vermischung | |||
** zweyer in der Gestalt und Aussprache so verschiedener Buchstaben ist, | |||
** wofür man keinen andern Grund hat, | |||
*** als weil die alten Römer in ihrer großen Schrift, aus Armuth an Schriftzeichen, für beyde nur Einen Buchstab hatten, | |||
*** darf wohl nicht erst gesagt werden. | |||
** Es wird also auch nicht erst einer Entschuldigung bedürfen, | |||
*** daß ich in diesem Wörterbuche U und <span class="zenoTXHighlight0">V</span>, als zwey verschiedene Buchstaben, so wie sie es wirklich sind, behandelt habe. | |||
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Version vom 27. Dezember 2023, 15:44 Uhr
v, V[1]
[2]v, der zwey und zwanzigste unter den Deutschen Buchstaben
- und der siebzehente unter den Mitlautern,
- welcher seiner heutigen gewöhnlichsten Aussprache nach dem f gleich lautend ist,
- er stehe zu Anfange eines Wortes,
- Vater, viel, voll, Volk,
- oder am Ende, brav, massiv,
- oder auch in der Mitte, Larve, Nerve, Pulver.
- er stehe zu Anfange eines Wortes,
- welcher seiner heutigen gewöhnlichsten Aussprache nach dem f gleich lautend ist,
Die Deutschen
- haben diesen Buchstab mit dem ganzen übrigen Alphabete von den Lateinern angenommen.
- Allein, bey diesen hatte er, aus Armuth an Schriftzeichen,
- einen sehr mangelhaften Gebrauch.
- Allein, bey diesen hatte er, aus Armuth an Schriftzeichen,
- In ihrer größern Schrift
- mußte das V sowohl den Selbstlaut u,
- als auch den gelindern Blaselaut, ausdrücken,
- für welchen wir jetzt das w haben,
- und ob sie gleich in ihrer spätern kleinern und Current-Schrift zwey verschiedene Zeichen u und v annahmen,
- so waren doch die Schreiber durch die ältere größere Schrift schon so sehr verwöhnt,
- daß der Gebrauch der letztern sehr unbestimmt und schwankend wurde.
- so waren doch die Schreiber durch die ältere größere Schrift schon so sehr verwöhnt,
Diese Verwirrung
- schlich sich mit der Schrift auch in die Deutsche Schreibart ein.
- Zwar half man einem Theil derselben dadurch ab,
- daß man für den sanftern Blaselaut, welchen das V, v oder u,
- wenn es das Zeichen eines Mitlauters war, ausdrucken mußte,
- das w annahm
- und nicht Vein, vehe mir, Vind und u.s.f.
- sondern Wein, wehe, Wind schrieb;
- allein, sie ward auf der andern Seite wieder vermehret,
- indem man das v nicht nur als völlig gleich bedeutend mit dem f gebrauchte,
- welches die Lateiner nicht thaten,
- bey welchen es, wenn es ein Mitlaut war, wie unser w lautete,
- sondern es auch nach Art derselben anstatt des Selbstlautes u schrieb.
- Im ersten Falle schrieb man ohne Unterschied
- Fater und Vater,
- fon und von,
- Folk und Volk,
- im zweyten aber
- vnnd und und,
- dauon und davon.
- daß man für den sanftern Blaselaut, welchen das V, v oder u,
Nach und nach
- ward die Rechtschreibung einförmiger,
- und der Mitlauter v theilte sich mit dem f in diejenigen Fälle,
- in welchen der harte Blaselaut Statt fand,
- obgleich diese Theilung sehr ungleich und willkührlich geschahe,
- indem man sich dabey bloß nach dem Gebrauche richtete,
- und bald das f, bald aber auch das v schrieb,
- so wie dieses oder jenes allgemeiner geworden war.
- Man
- schrieb daher Volk,
- behielt aber das f in dem Stammworte folgen;
- auf ähnliche Art entstanden die Ungleichheiten in der Schreibart der Wörter
- viel, voll und Fülle, füllen, vor und für u.s.f.
- Einige Wörter
- hat man noch sehr lange sowohl mit einem v, als mit einem f, geschrieben;
- z.B. Vehwamme und Fehwamme, vest und fest,
- und in manchen Gegenden schreibt man sie noch jetzt mit dem v.
- hat man noch sehr lange sowohl mit einem v, als mit einem f, geschrieben;
- in welchen der harte Blaselaut Statt fand,
In solchen Fällen nun,
- wo der Gebrauch schwankend zu seyn scheinet,
- erkläret man sich billig allemahl für das f,
- weil dieses in den allermeisten Fällen zur Bezeichnung des harten Blaselautes angenommen ist,
- dagegen man das v vergleichungsweise nur in einigen wenigen beybehalten hat.
- erkläret man sich billig allemahl für das f,
- Es ist nur die Frage,
- ob man es nicht auch in diesen wenigen verbannen und dafür das bessere f einführen könne.
- Da f und v unserer Aussprache nach, völlig gleich lautend sind,
- das letztere sich auch nur durch einen Mißbrauch anstatt des erstern eingeschlichen hat,
- so wäre es allerdings zu wünschen,[3]
- daß die ersten Schreiber und Schriftsteller dasselbe vermieden hätten.
- Allein, da die ganze Nation diese Ungleichheit einmahl angenommen,
- und dadurch stillschweigend gebilliget hat,
- so kann solche auch nicht anders, als durch ihre allgemeine Einwilligung, wieder abgeschaffet werden,
- wozu heutiges Tages keine vernünftige Hoffnung ist.
- Es sind daher alle Bemühungen einzelner Sprachlehrer
- seit mehr als hundert Jahren in diesem Stücke fruchtlos gewesen
- und haben ihnen keinen andern Vortheil gebracht,
- als daß man sie als Sonderlinge verlacht hat,
- und man kann mit Gewißheit behaupten,
- daß die Bemühungen derer, welche sich in den neuesten Zeiten zu Sprach- und Schriftverbesserern aufwerfen,
- kein besseres Schicksal haben werden.
- Überdieß würde die Verwirrung,
- welche eine so wesentliche Veränderung,
- als die Ausstoßung eines ganzen allgemein angenommenen Buchstabens ist,
- weit mehr Nachtheil verursachen müssen,
- wenn sie auch gewisser Maßen allgemein werden sollte,
- als der kleine etwa damit verbundene Nutzen wieder ersetzen könnte.
- Da f und v unserer Aussprache nach, völlig gleich lautend sind,
- ob man es nicht auch in diesen wenigen verbannen und dafür das bessere f einführen könne.
Was den Gebrauch des v anstatt des u betrifft,
- so hat sich derselbe sehr lange erhalten,
- wozu bey Wiederherstellung der alten Römischen Litteratur
- die Pedanterey einiger Lateinischen Gelehrten das ihrige beytrug,
- welche das u zu Anfange eines Wortes mit v und in der Mitte mit u ausgedruckt wissen wollten;
- eine Pedanterey, welche sich, so seltsam und thöricht sie auch ist,
- doch sehr lange erhalten hat.
- eine Pedanterey, welche sich, so seltsam und thöricht sie auch ist,
- Allein, endlich behaupteten Vernunft und Geschmack ihr Recht,
- wenigstens in der Deutschen Schreibart,
- und zeigten ihnen, wie seltsam es sey, vnd zu schreiben,
- und nunmehr ward der Mitlaut v mit fast einstimmiger Bemühung überall verbannet.
Ein Überbleibsel des alten Vorurtheils,
- das u und v als einen und eben denselben Buchstaben zu betrachten,
- hat sich indessen noch bis auf unsere Zeiten erhalten,
- und dieser bestehet darin,
- daß man in allen Registern und alphabetischen Verzeichnissen,
- den Selbstlaut u mit dem Mitlaut v vermengt,
- und die damit anfangenden Wörter nach Maßgebung des folgenden Buchstabens ordnet.
- daß man in allen Registern und alphabetischen Verzeichnissen,
- Wie seltsam diese Vermischung
- zweyer in der Gestalt und Aussprache so verschiedener Buchstaben ist,
- wofür man keinen andern Grund hat,
- als weil die alten Römer in ihrer großen Schrift, aus Armuth an Schriftzeichen, für beyde nur Einen Buchstab hatten,
- darf wohl nicht erst gesagt werden.
- Es wird also auch nicht erst einer Entschuldigung bedürfen,
- daß ich in diesem Wörterbuche U und V, als zwey verschiedene Buchstaben, so wie sie es wirklich sind, behandelt habe.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 973-974. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000494224; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 973 | 974; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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