v
Erscheinungsbild
Phö.
Ara.
Gri.
Etr.
Lat. 22 V, v
Rune
Dt. 22 V, v
- Ursprung
- Das V teilt sich einen Großteil seiner Geschichte mit dem U und dem W, daneben sind das Y und auch das F mit ihm verwandt.
- U und V - beide Formen waren austauschbar. Erst etwa im 17. Jahrhundert wurde die spitze Variante des Buchstabens nur für den konsonantischen Lautwert verwendet und die runde nur für den vokalischen.
- Bis zum 5. Jahrhundert wurde aus dem römischen Halbvokal [w] im Rahmen von Lautwandel der Reibelaut [v]. Als gegen Ende des ersten Jahrtausends n. Chr. die germanischen Sprachen verschriftet wurden, die über den Laut [w] verfügten, empfand man das Zeichen <v> bzw. <u> nicht immer als passend und schuf stattdessen die Ligatur <uu> bzw. <vv>, woraus sich das heutige w entwickelte.
[2] v, der zwey und zwanzigste unter den Deutschen Buchstaben
- und der siebzehente unter den Mitlautern,
- welcher seiner heutigen gewöhnlichsten Aussprache nach dem f gleich lautend ist,
- er stehe zu Anfange eines Wortes,
- Vater, viel, voll, Volk,
- oder am Ende, brav, massiv,
- oder auch in der Mitte, Larve, Nerve, Pulver.
- er stehe zu Anfange eines Wortes,
- welcher seiner heutigen gewöhnlichsten Aussprache nach dem f gleich lautend ist,
Die Deutschen
- haben diesen Buchstab mit dem ganzen übrigen Alphabete von den Lateinern angenommen.
- Allein, bey diesen hatte er, aus Armuth an Schriftzeichen,
- einen sehr mangelhaften Gebrauch.
- Allein, bey diesen hatte er, aus Armuth an Schriftzeichen,
- In ihrer größern Schrift
- mußte das V sowohl den Selbstlaut u,
- als auch den gelindern Blaselaut, ausdrücken,
- für welchen wir jetzt das w haben,
- und ob sie gleich in ihrer spätern kleinern und Current-Schrift zwey verschiedene Zeichen u und v annahmen,
- so waren doch die Schreiber durch die ältere größere Schrift schon so sehr verwöhnt,
- daß der Gebrauch der letztern sehr unbestimmt und schwankend wurde.
- so waren doch die Schreiber durch die ältere größere Schrift schon so sehr verwöhnt,
Diese Verwirrung
- schlich sich mit der Schrift auch in die Deutsche Schreibart ein.
- Zwar half man einem Theil derselben dadurch ab,
- daß man für den sanftern Blaselaut, welchen das V, v oder u,
- wenn es das Zeichen eines Mitlauters war, ausdrucken mußte,
- das w annahm
- und nicht Vein, vehe mir, Vind und u.s.f.
- sondern Wein, wehe, Wind schrieb;
- allein, sie ward auf der andern Seite wieder vermehret,
- indem man das v nicht nur als völlig gleich bedeutend mit dem f gebrauchte,
- welches die Lateiner nicht thaten,
- bey welchen es, wenn es ein Mitlaut war, wie unser w lautete,
- sondern es auch nach Art derselben anstatt des Selbstlautes u schrieb.
- Im ersten Falle schrieb man ohne Unterschied
- Fater und Vater,
- fon und von,
- Folk und Volk,
- im zweyten aber
- vnnd und und,
- dauon und davon.
- daß man für den sanftern Blaselaut, welchen das V, v oder u,
Nach und nach
- ward die Rechtschreibung einförmiger,
- und der Mitlauter v theilte sich mit dem f in diejenigen Fälle,
- in welchen der harte Blaselaut Statt fand,
- obgleich diese Theilung sehr ungleich und willkührlich geschahe,
- indem man sich dabey bloß nach dem Gebrauche richtete,
- und bald das f, bald aber auch das v schrieb,
- so wie dieses oder jenes allgemeiner geworden war.
- Man
- schrieb daher Volk,
- behielt aber das f in dem Stammworte folgen;
- auf ähnliche Art entstanden die Ungleichheiten in der Schreibart der Wörter
- viel, voll und Fülle, füllen, vor und für u.s.f.
- Einige Wörter
- hat man noch sehr lange sowohl mit einem v, als mit einem f, geschrieben;
- z.B. Vehwamme und Fehwamme, vest und fest,
- und in manchen Gegenden schreibt man sie noch jetzt mit dem v.
- hat man noch sehr lange sowohl mit einem v, als mit einem f, geschrieben;
- in welchen der harte Blaselaut Statt fand,
In solchen Fällen nun,
- wo der Gebrauch schwankend zu seyn scheinet,
- erkläret man sich billig allemahl für das f,
- weil dieses in den allermeisten Fällen zur Bezeichnung des harten Blaselautes angenommen ist,
- dagegen man das v vergleichungsweise nur in einigen wenigen beybehalten hat.
- erkläret man sich billig allemahl für das f,
- Es ist nur die Frage,
- ob man es nicht auch in diesen wenigen verbannen und dafür das bessere f einführen könne.
- Da f und v unserer Aussprache nach, völlig gleich lautend sind,
- das letztere sich auch nur durch einen Mißbrauch anstatt des erstern eingeschlichen hat,
- so wäre es allerdings zu wünschen, [3]
- daß die ersten Schreiber und Schriftsteller dasselbe vermieden hätten.
- Allein, da die ganze Nation diese Ungleichheit einmahl angenommen,
- und dadurch stillschweigend gebilliget hat,
- so kann solche auch nicht anders, als durch ihre allgemeine Einwilligung, wieder abgeschaffet werden,
- wozu heutiges Tages keine vernünftige Hoffnung ist.
- Es sind daher alle Bemühungen einzelner Sprachlehrer
- seit mehr als hundert Jahren in diesem Stücke fruchtlos gewesen
- und haben ihnen keinen andern Vortheil gebracht,
- als daß man sie als Sonderlinge verlacht hat,
- und man kann mit Gewißheit behaupten,
- daß die Bemühungen derer, welche sich in den neuesten Zeiten zu Sprach- und Schriftverbesserern aufwerfen,
- kein besseres Schicksal haben werden.
- Überdieß würde die Verwirrung,
- welche eine so wesentliche Veränderung,
- als die Ausstoßung eines ganzen allgemein angenommenen Buchstabens ist,
- weit mehr Nachtheil verursachen müssen,
- wenn sie auch gewisser Maßen allgemein werden sollte,
- als der kleine etwa damit verbundene Nutzen wieder ersetzen könnte.
- Da f und v unserer Aussprache nach, völlig gleich lautend sind,
- ob man es nicht auch in diesen wenigen verbannen und dafür das bessere f einführen könne.
Was den Gebrauch des v anstatt des u betrifft,
- so hat sich derselbe sehr lange erhalten,
- wozu bey Wiederherstellung der alten Römischen Litteratur
- die Pedanterey einiger Lateinischen Gelehrten das ihrige beytrug,
- welche das u zu Anfange eines Wortes mit v und in der Mitte mit u ausgedruckt wissen wollten;
- eine Pedanterey, welche sich, so seltsam und thöricht sie auch ist,
- doch sehr lange erhalten hat.
- eine Pedanterey, welche sich, so seltsam und thöricht sie auch ist,
- Allein, endlich behaupteten Vernunft und Geschmack ihr Recht,
- wenigstens in der Deutschen Schreibart,
- und zeigten ihnen, wie seltsam es sey, vnd zu schreiben,
- und nunmehr ward der Mitlaut v mit fast einstimmiger Bemühung überall verbannet.
Ein Überbleibsel des alten Vorurtheils,
- das u und v als einen und eben denselben Buchstaben zu betrachten,
- hat sich indessen noch bis auf unsere Zeiten erhalten,
- und dieser bestehet darin,
- daß man in allen Registern und alphabetischen Verzeichnissen,
- den Selbstlaut u mit dem Mitlaut v vermengt,
- und die damit anfangenden Wörter nach Maßgebung des folgenden Buchstabens ordnet.
- daß man in allen Registern und alphabetischen Verzeichnissen,
- Wie seltsam diese Vermischung
- zweyer in der Gestalt und Aussprache so verschiedener Buchstaben ist,
- wofür man keinen andern Grund hat,
- als weil die alten Römer in ihrer großen Schrift, aus Armuth an Schriftzeichen, für beyde nur Einen Buchstab hatten,
- darf wohl nicht erst gesagt werden.
- Es wird also auch nicht erst einer Entschuldigung bedürfen,
- daß ich in diesem Wörterbuche U und V, als zwey verschiedene Buchstaben, so wie sie es wirklich sind, behandelt habe.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 973-974. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000494224; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 973 | 974; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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