„sch“ – Versionsunterschied
Erscheinungsbild
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Die Seite wurde neu angelegt: „<div class="zenoCOMain"> == Sch == <div class="zenoCOAdRight"><ins class="adsbygoogle adsbygoogle-noablate" data-ad-client="ca-pub-2678391992761616" data-ad-height="250" data-ad-slot="4978495308" data-ad-width="300" data-adsbygoogle-status="done"><div id="aswift_0_host"><br></div></ins></div><p>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-03-1309 [1309]] '''<span class="zenoTXHighlight0">Sch</span>''', der volle oder grobe Zischlaut, welcher vornehmli…“ |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
<div class="zenoCOMain"> | [[s-]] + [[-c-]] + [[-h]] | Nf. [[g]]<div class="zenoCOMain"> | ||
== | == <ref>Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1309-1310. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000397547; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]</ref>sch, Sch == | ||
< | <p><ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-03-1309 [1309]]</ref>s'''<span class="zenoTXHighlight0">ch</span>''', </p> | ||
* der volle oder grobe Zischlaut, | |||
** welcher vornehmlich Oberdeutschen, Mundart, | |||
** und auch hier manchen Provinzen mehr als andern eigen ist, | |||
** obgleich die Niederdeutschen ihn auch nicht ganz vermissen. | |||
*** Indessen gebrauchen ihn diese nur vor einem Selbstlaute und vor dem [[r]], | |||
*** dagegen sie sich vor dem [[l]], [[m]], [[n]] und [[w]], | |||
**** wie ihre Nachbarn, | |||
**** die weiter gegen Norden wohnenden Völkerschaften, | |||
*** mit einem bloßen einfachen [[f]] begnügen, | |||
*** und um deßwillen in dem Wohlklange vieles vor den Oberdeutschen voraus haben; | |||
**** smecken für schmecken, | |||
**** swart für schwarz, | |||
**** sniden für schneiden. | |||
** Auch da, | |||
*** wo die Oberdeutschen das einfache [[s]] wie ein <span class="zenoTXHighlight0">sch</span> hören lassen, | |||
**** besonders vor dem p und t, | |||
*** sprechen die Niederdeutschen nur ein einfaches s; | |||
**** ob es gleich auch gröbere Mundarten unter ihnen gibt, | |||
**** welche sogar das s vor der verkleinernden Endung [[-chen]], in ein <span class="zenoTXHighlight0">sch</span> verwandeln; | |||
***** Röschen für Rö''s''chen. | |||
***** Siehe [[s-|S]], wo von dieser Aussprache mehr gesagt worden. | |||
** Die Westphalen | |||
*** haben nebst den Holländern | |||
**** und einigen nördlichen Völkerschaften | |||
*** dieses Besondere, | |||
**** daß sie auch da, wo sie ein <span class="zenoTXHighlight0">sch</span> haben, | |||
***** es doch nicht zischend aussprechen können, | |||
***** sondern das s und den [[Gaumenlaut]] besonders hören lassen; | |||
****** Sgall für Schall, Fleisg für Fleisch, Sginken für Schinken. | |||
* Ottfried und seine Zeitgenossen | |||
** schreiben das <span class="zenoTXHighlight0">sch</span> gleichfalls häufig durch ''sg,'' | |||
*** ''frenkisga zungun,'' Fränkische Sprache. | |||
<p class="zenoPLm4n0">Dieser Zischlaut </p> | |||
* ist sehr oft unmittelbar aus der Natur entlehnet; r | |||
** auschen ist ein anderer und stärker zischender Schall als rausen und brausen. | |||
* In diesem Falle ist es freylich sehr unbequem, | |||
** daß wir diesen einfachen Laut durch drey Buchstaben [[s]], [[c]] und [[h]] ausdrucken müssen, | |||
*** welches bey dem Buchstabiren sehr viele Unbequemlichkeit hat. | |||
** Es haben daher schon mehrere ein eigenes<ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-03-1309 [1309]]</ref> Schriftzeichen für diesen Laut in Vorschlag gebracht, | |||
*** welches desto mehr zu billigen wäre, | |||
*** da uns unter andern auch schon die Hebräer mit ihrem [[ש]] ''Schin,'' darin vorgegangen sind. | |||
** Allein, | |||
*** so nützlich ein solches eigenes Schriftzeichen für den jetzt gedachten Fall seyn würde, | |||
**** da dieser Laut wirklich einfach und aus der Natur entlehnet ist, | |||
*** so würde es doch in einer andern Betrachtung wieder seine Unbequemlichkeit haben. | |||
**** Denn in vielen Wörtern ist dieses <span class="zenoTXHighlight0">sch</span> | |||
***** wirklich aus zwey verschiedenen Lauten zusammen geschmolzen, | |||
****** nähmlich aus dem Gaumenlaute ''[[ch]]'' oder ''[[g]]'', | |||
****** und aus dem vorgesetzten Zischer ''[[s]]'', | |||
******* welcher entweder die Bedeutung verstärket, | |||
******* oder auch nur ein bloßes Eigenthum der Mundart ist. | |||
*** So ist ''[[Schall]]'' allem Ansehen | |||
**** nach aus ''[[Gall]]'', gällen, | |||
**** und dem verstärkenden s gebildet, | |||
**** ''[[schehen]]'' in ''[[geschehen]]'' aus ''[[gehen]]'' u.s.f. | |||
***** wovon im folgenden häufige Beyspiele vorkommen werden. | |||
***** In diesem Falle würde es die Ableitung erschweren, | |||
****** weil man alsdann das s nicht so leicht von dem Gaumenlaute würde absondern können. | |||
****** Daß unsere Ableitungssylbe [[-isch]] auf eben diese Art, | |||
******* nähmlich durch den Zusatz des Zischlautes aus [[-ig]] oder [[-icht]], entstanden, | |||
******* ist schon an seinem Orte bemerket worden. | |||
<div class="zenoCOAdRight"><br>In der [[Komparation|Comparation]] solcher Beywörter, | |||
* welche sich auf [[-sch|-<span class="zenoTXHighlight0">sch</span>]] und [[-isch]] endigen, | |||
* wird im gemeinen Leben, | |||
** und selbst bey vielen Sprachlehrern | |||
* nicht genug für das Ohr gesorgt; | |||
** närrischste, bübischste, keuschste, klingen überaus rauh und widrig. | |||
** Die sich auf ein bloßes -<span class="zenoTXHighlight0">sch</span> endigen, | |||
*** nehmen daher zu Milderung dieses Übelklanges ein [[-e]] vor der Endsylbe an, | |||
*** welches auch die auf [[-ß]], [[-st]] und [[-z]] thun; | |||
**** keuscheste, gewissester Aichinger und andere | |||
**** wollen dieses [[-e]] auch bey denen auf ''-isch'' eingeführet wissen; | |||
***** närrscheste, hämischeste u.s.f. | |||
***** wo aber bloß ein Übelklang durch den andern ersetzet wird. | |||
**** Am sichersten vermeidet man diese Superlativen; | |||
***** ist solches aber nicht möglich, | |||
****** so läßt sich der Übellaut sehr dadurch vermindern, | |||
****** daß man von der Endung [[-ste]] das [[-s]] verbeißet; | |||
******* närrischte, bübischte, hämischte, parteyischte, schelmischte, höhnischte, knechtischte u.s.f. | |||
</div></div><div class="zenoCOFooter"><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft"></div></div><div class="zenoCOFooterLine"></div></div> | |||
Version vom 29. Dezember 2023, 17:30 Uhr
[1]sch, Sch
[2]sch,
- der volle oder grobe Zischlaut,
- welcher vornehmlich Oberdeutschen, Mundart,
- und auch hier manchen Provinzen mehr als andern eigen ist,
- obgleich die Niederdeutschen ihn auch nicht ganz vermissen.
- Indessen gebrauchen ihn diese nur vor einem Selbstlaute und vor dem r,
- dagegen sie sich vor dem l, m, n und w,
- wie ihre Nachbarn,
- die weiter gegen Norden wohnenden Völkerschaften,
- mit einem bloßen einfachen f begnügen,
- und um deßwillen in dem Wohlklange vieles vor den Oberdeutschen voraus haben;
- smecken für schmecken,
- swart für schwarz,
- sniden für schneiden.
- Auch da,
- wo die Oberdeutschen das einfache s wie ein sch hören lassen,
- besonders vor dem p und t,
- sprechen die Niederdeutschen nur ein einfaches s;
- wo die Oberdeutschen das einfache s wie ein sch hören lassen,
- Die Westphalen
- haben nebst den Holländern
- und einigen nördlichen Völkerschaften
- dieses Besondere,
- daß sie auch da, wo sie ein sch haben,
- es doch nicht zischend aussprechen können,
- sondern das s und den Gaumenlaut besonders hören lassen;
- Sgall für Schall, Fleisg für Fleisch, Sginken für Schinken.
- daß sie auch da, wo sie ein sch haben,
- haben nebst den Holländern
- Ottfried und seine Zeitgenossen
- schreiben das sch gleichfalls häufig durch sg,
- frenkisga zungun, Fränkische Sprache.
- schreiben das sch gleichfalls häufig durch sg,
Dieser Zischlaut
- ist sehr oft unmittelbar aus der Natur entlehnet; r
- auschen ist ein anderer und stärker zischender Schall als rausen und brausen.
- In diesem Falle ist es freylich sehr unbequem,
- daß wir diesen einfachen Laut durch drey Buchstaben s, c und h ausdrucken müssen,
- welches bey dem Buchstabiren sehr viele Unbequemlichkeit hat.
- Es haben daher schon mehrere ein eigenes[3] Schriftzeichen für diesen Laut in Vorschlag gebracht,
- welches desto mehr zu billigen wäre,
- da uns unter andern auch schon die Hebräer mit ihrem ש Schin, darin vorgegangen sind.
- Allein,
- so nützlich ein solches eigenes Schriftzeichen für den jetzt gedachten Fall seyn würde,
- da dieser Laut wirklich einfach und aus der Natur entlehnet ist,
- so würde es doch in einer andern Betrachtung wieder seine Unbequemlichkeit haben.
- So ist Schall allem Ansehen
- so nützlich ein solches eigenes Schriftzeichen für den jetzt gedachten Fall seyn würde,
- daß wir diesen einfachen Laut durch drey Buchstaben s, c und h ausdrucken müssen,
In der Comparation solcher Beywörter,
- welche sich auf -sch und -isch endigen,
- wird im gemeinen Leben,
- und selbst bey vielen Sprachlehrern
- nicht genug für das Ohr gesorgt;
- närrischste, bübischste, keuschste, klingen überaus rauh und widrig.
- Die sich auf ein bloßes -sch endigen,
- nehmen daher zu Milderung dieses Übelklanges ein -e vor der Endsylbe an,
- welches auch die auf -ß, -st und -z thun;
- keuscheste, gewissester Aichinger und andere
- wollen dieses -e auch bey denen auf -isch eingeführet wissen;
- närrscheste, hämischeste u.s.f.
- wo aber bloß ein Übelklang durch den andern ersetzet wird.
- Am sichersten vermeidet man diese Superlativen;
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1309-1310. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000397547; Lizenz: Gemeinfrei
- ↑ [1309]
- ↑ [1309]