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„ü“ – Versionsunterschied

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ü<div class="zenoCOMain">
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== ü, Ü<ref>Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 730-731. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000478857; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0730 730]&nbsp;| [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0731 731]; Kategorien: [http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</ref> ==
<p>Phö.</p><p>Ara.</p><p>Gri.</p><p>Rune</p><p>Lat.</p><p>Dt. 29 [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9C Ü, ü]</p>
<div class="zenoCOAdRight"><ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0730 [730]]</ref>'''ü''', ein einfacher Selbstlaut,  
== ü, Ü <ref>Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 730-731. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000478857; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0730 730]&nbsp;| [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0731 731]; Kategorien: [http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</ref> ==
<div class="zenoCOAdRight"> <ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0730 [730]]</ref> '''ü''', ein einfacher Selbstlaut,  


* welcher die achte Stelle unter den Deutschen Selbstlauten verdienet,  
* welcher die achte Stelle unter den Deutschen Selbstlauten verdienet,
* ob er gleich, so wie seine Brüder ä und ö,  
* ob er gleich, so wie seine Brüder ä und ö,
*# von den meisten Sprachlehrern davon ausgeschlossen worden,<ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0730 [730]]</ref>  
*# von den meisten Sprachlehrern davon ausgeschlossen worden, <ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-0730 [730]]</ref>  
*# die sie bald Halb-Vocale, bald unreine Selbstlaute, bald gar Doppellaute nennen,  
*# die sie bald Halb-Vocale, bald unreine Selbstlaute, bald gar Doppellaute nennen,
*# ohne mit einer von diesen Benennungen einen bestimmten und deutlichen Begriff zu verbinden.  
*# ohne mit einer von diesen Benennungen einen bestimmten und deutlichen Begriff zu verbinden.
* Er ist, wie das Französische ''u,''  
* Er ist, wie das Französische ''u,''
** ein Mittellaut zwischen dem ''[[i]]'' und ''[[u]]'',  
** ein Mittellaut zwischen dem ''[[i]]'' und ''[[u]]'',
*** wird aber in den Provinzen bald wie ein völliges ''i'' ausgesprochen,  
*** wird aber in den Provinzen bald wie ein völliges ''i'' ausgesprochen,
**** wie das Minze, ibel, fir, Minch, hibsch der Schlesier und Pfälzer;  
**** wie das Minze, ibel, fir, Minch, hibsch der Schlesier und Pfälzer;
*** bald aber auch wie das tiefere ''u'',  
*** bald aber auch wie das tiefere ''u'',
**** in dem Schuler, Zeugnuß, Rucken u.s.f.  
**** in dem Schuler, Zeugnuß, Rucken u.s.f.
***** vieler Oberdeutschen, deren rauhere Mundarten statt des Hochdeutschen ''ü'' gern ein tiefes ''u'' hören lassen.  
***** vieler Oberdeutschen, deren rauhere Mundarten statt des Hochdeutschen ''ü'' gern ein tiefes ''u'' hören lassen.
** Daß er ein einfacher Selbstlaut und kein Doppellaut ist,  
** Daß er ein einfacher Selbstlaut und kein Doppellaut ist,
*** erhellet unter andern auch daraus,  
*** erhellet unter andern auch daraus,
**** weil er bald gedehnt, bald geschärft ist;  
**** weil er bald gedehnt, bald geschärft ist;
***** ersteres in Mühe, Büßen, süß, trübe u.s.f. letzteres aber in müssen, Flüsse, Güsse, kürzer, Küche u.s.f.
***** ersteres in Mühe, Büßen, süß, trübe u.s.f. letzteres aber in müssen, Flüsse, Güsse, kürzer, Küche u.s.f.
</div><p class="zenoPLm4n0">Da </p>
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<p class="zenoPLm4n0">Da</p>
* das Deutsche von den Lateinern erborgte Alphabet  
* das Deutsche von den Lateinern erborgte Alphabet
** kein Schriftzeichen hatte, diesen Laut auszudrucken,  
** kein Schriftzeichen hatte, diesen Laut auszudrucken,
*** so mußte man seine Zuflucht zu einem zusammen gesetzten nehmen.  
*** so mußte man seine Zuflucht zu einem zusammen gesetzten nehmen.
** Man wählte das u und setzte das i darneben,  
** Man wählte das u und setzte das i darneben,
*** oder auch wohl darüber, anzudeuten, daß das ü ein Mittellaut zwischen beyden wäre;  
*** oder auch wohl darüber, anzudeuten, daß das ü ein Mittellaut zwischen beyden wäre;
*** andere aber bedienten sich statt des ''i'' zu eben dem Ende des ''e'',  
*** andere aber bedienten sich statt des ''i'' zu eben dem Ende des ''e'',
**** und daher schrieb man das ü bald [[ui]], [[iu]], u, bald [[ue]], bald ů,  
**** und daher schrieb man das ü bald [[ui]], [[iu]], u, bald [[ue]], bald ů,
**** und in der größern Schrift bald Ui, bald Ue.  
**** und in der größern Schrift bald Ui, bald Ue.
* Alle diese Schreibarten  
* Alle diese Schreibarten
** haben den großen Haufen der Sprachlehrer,  
** haben den großen Haufen der Sprachlehrer,
*** die über das Äußere hinweg zu sehen nicht im Stande waren,  
*** die über das Äußere hinweg zu sehen nicht im Stande waren,
*** verleitet, diesen Selbstlaut für einen Doppellaut auszugeben,  
*** verleitet, diesen Selbstlaut für einen Doppellaut auszugeben,
**** weil sein Zeichen aus zwey Zeichen zusammen gesetzt war.  
**** weil sein Zeichen aus zwey Zeichen zusammen gesetzt war.
*** Sie haben aber auch noch die Unbequemlichkeit,  
*** Sie haben aber auch noch die Unbequemlichkeit,
**** daß sie Ausländern und Unkundigen die Aussprache ungewiß machen,  
**** daß sie Ausländern und Unkundigen die Aussprache ungewiß machen,
**** weil Ui leicht wie der Schwäbische Doppellaut [[ui]], z.B. uich für euch,  
**** weil Ui leicht wie der Schwäbische Doppellaut [[ui]], z.B. uich für euch,
***** welchen doch die Hochdeutschen nicht kennen,  
***** welchen doch die Hochdeutschen nicht kennen,
**** gelesen werden kann.  
**** gelesen werden kann.
* Am schicklichsten wäre es daher,  
* Am schicklichsten wäre es daher,
** wenn das ''ü'' mit zwey Puncten sowohl in der größern als kleinern Schrift allgemeiner gemacht würde,  
** wenn das ''ü'' mit zwey Puncten sowohl in der größern als kleinern Schrift allgemeiner gemacht würde,
*** welches durch die Schriftgießereyen sehr leicht geschehen könnte.  
*** welches durch die Schriftgießereyen sehr leicht geschehen könnte.
*** Schon in dem zu Ulm 1483 gedruckten Buche Kelila und Dimma ist das ü mit zwey Strichlein über dem u angedeutet.  
*** Schon in dem zu Ulm 1483 gedruckten Buche Kelila und Dimma ist das ü mit zwey Strichlein über dem u angedeutet.
*** Siehe auch, was schon bey dem [[änd|''ä'']] und [[öffentliches Geheimniß|''ö'']] von diesen Selbstlauten gesagt worden.
*** Siehe auch, was schon bey dem [[änd|''ä'']] und [[öffentliches Geheimniß|''ö'']] von diesen Selbstlauten gesagt worden.
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Aktuelle Version vom 30. Dezember 2023, 19:24 Uhr

ü

Phö.

Ara.

Gri.

Rune

Lat.

Dt. 29 Ü, ü

ü, Ü [1]

[2] ü, ein einfacher Selbstlaut,
  • welcher die achte Stelle unter den Deutschen Selbstlauten verdienet,
  • ob er gleich, so wie seine Brüder ä und ö,
    1. von den meisten Sprachlehrern davon ausgeschlossen worden, [3]
    2. die sie bald Halb-Vocale, bald unreine Selbstlaute, bald gar Doppellaute nennen,
    3. ohne mit einer von diesen Benennungen einen bestimmten und deutlichen Begriff zu verbinden.
  • Er ist, wie das Französische u,
    • ein Mittellaut zwischen dem i und u,
      • wird aber in den Provinzen bald wie ein völliges i ausgesprochen,
        • wie das Minze, ibel, fir, Minch, hibsch der Schlesier und Pfälzer;
      • bald aber auch wie das tiefere u,
        • in dem Schuler, Zeugnuß, Rucken u.s.f.
          • vieler Oberdeutschen, deren rauhere Mundarten statt des Hochdeutschen ü gern ein tiefes u hören lassen.
    • Daß er ein einfacher Selbstlaut und kein Doppellaut ist,
      • erhellet unter andern auch daraus,
        • weil er bald gedehnt, bald geschärft ist;
          • ersteres in Mühe, Büßen, süß, trübe u.s.f. letzteres aber in müssen, Flüsse, Güsse, kürzer, Küche u.s.f.

Da

  • das Deutsche von den Lateinern erborgte Alphabet
    • kein Schriftzeichen hatte, diesen Laut auszudrucken,
      • so mußte man seine Zuflucht zu einem zusammen gesetzten nehmen.
    • Man wählte das u und setzte das i darneben,
      • oder auch wohl darüber, anzudeuten, daß das ü ein Mittellaut zwischen beyden wäre;
      • andere aber bedienten sich statt des i zu eben dem Ende des e,
        • und daher schrieb man das ü bald ui, iu, u, bald ue, bald ů,
        • und in der größern Schrift bald Ui, bald Ue.
  • Alle diese Schreibarten
    • haben den großen Haufen der Sprachlehrer,
      • die über das Äußere hinweg zu sehen nicht im Stande waren,
      • verleitet, diesen Selbstlaut für einen Doppellaut auszugeben,
        • weil sein Zeichen aus zwey Zeichen zusammen gesetzt war.
      • Sie haben aber auch noch die Unbequemlichkeit,
        • daß sie Ausländern und Unkundigen die Aussprache ungewiß machen,
        • weil Ui leicht wie der Schwäbische Doppellaut ui, z.B. uich für euch,
          • welchen doch die Hochdeutschen nicht kennen,
        • gelesen werden kann.
  • Am schicklichsten wäre es daher,
    • wenn das ü mit zwey Puncten sowohl in der größern als kleinern Schrift allgemeiner gemacht würde,
      • welches durch die Schriftgießereyen sehr leicht geschehen könnte.
      • Schon in dem zu Ulm 1483 gedruckten Buche Kelila und Dimma ist das ü mit zwey Strichlein über dem u angedeutet.
      • Siehe auch, was schon bey dem ä und ö von diesen Selbstlauten gesagt worden.
  1. ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 730-731. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000478857; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 730 | 731; Kategorien: Lexikalischer Artikel
  2. ↑ [730]
  3. ↑ [730]